Begleitumstände

Rund um die persönliche Situation, Erlebnisse und was einem auf dem Herzen liegt

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Re: Begleitumstände

Beitrag von Sinnsucher » Dienstag 14. November 2017, 20:05

Xanopos hat geschrieben:
Dienstag 14. November 2017, 12:02
Ich unternehme nichts, wo ich fremde Leute kennen lernen könnte. Mich kostet da simmer unglaubliche Überwindung, selbst für die AB-Treffen muss ich mich immer motivieren, damit ich überhaupt hin gehe. Ich glaube, ich leide an einer sozialen Phobie.
Hey Xanopos,

ich keine deine Situation nicht und kann nicht nachfühlen wie es für dich unter solchen Umständen sein muss.
Ich kann nur über meine eigene Erfahrung reden:

Für mich waren soziale Ansammlungen in meiner Kindheit auch immer eine riesige Herausforderung. Sogar Geburtstagsfeiern von Klassenkollegen, bei denen ich den Großteil der Anwesenden kannte und mit dem Geburtstagskind befreundet war. Ich habe mich dort überhaupt nicht wohlgefühlt. Panik hatte ich zum Glück keine. Überfordert habe ich mich aber immer gefühlt. Wenn ich zu sozialen Veranstaltungen gegangen bin, dann bin ich dorthingegangen, weil ich die eine bestimmte Person dort getroffen hab (ein älteres Vorbild meistens, das sich Zeit für mich genommen hat). Ich habe dann meistens ein Buch mitgehabt um nicht nur Blöd in die Gegend zu sehen. Immerwieder wurde ich dann aber doch in ein Gespräch verwickelt.

Heute bin ich viel extrovertierter und fühle mich unter Menschen wohl. Wenn ich das Umfeld nicht kenne, bin ich aber immernoch schüchtern und unglaublich gestresst. Erst diesen Herbst, als ich bei einer Semestererföffnung war und ich kaum jemanden kannte, habe ich mich dort richtig schlecht gefühlt. Ich bin daneben gesessen habe so gut wie keinen Smalltalk geführt und wusste nichts mit mir anzufangen. Und das obwohl ich ein sehr gesprächiger Mensch bin.
Ich habe gelernt mich diesen Situationen trotzdem immer und immer wieder auszusetzen. Die Leute gewöhnen sich an mich und ich gewöhne mich an die Leute. Dann taue ich auf und der Stress nimmt immer mehr ab.
Noch immer habe ich immer diesen Gedanken, wenn es eine pauschale Einladung an eine Gruppe geht, in der ich zufällig drin bin: "Ich bin sicher nicht mitgemeint." Dann schüttele ich mich durch und sage: "Na klar, die Einladung ist bei dir gelandet, als bist du auch eingeladen." Und dann geh ich hin. Vielleicht hast du diese Gelegenheiten nicht.
Ich will dir mit meinem Beispiel eigentlich nur den Druck nehmen, dass selbst die Leute, denen das Socializen scheinbar so einfach fällt und die auf allen Hochzeiten tanzen (und so jemand bin ich inzwischen), dass selbst die teilweise sehr ähnliche Ängste haben.
Du bist NICHT allein!

Noch einen Tipp, der mich durch alle diese Unsicherheiten getragen hat:
Ich hab immer nach einem Thema gesucht, das mich begeistert, für das ich brenne und bei dem ich einfach unglaubliche Lust habe davon zu erzählen. Wenn ich von diesem Thema erzählen konnte, dann ging es nicht um mich persönlich, ich hatte nicht den Eindruck, dass ich als Person auf dem Prüfstand stehe. Andere konnten vielleicht auf das Thema einsteigen und ich musste mir nicht überlegen, was zur Hölle ich auf eine Smalltalk-Floskel antworten sollte.
Und Menschen, die sich für ein Thema begeistern, sind für andere (nicht alle, aber für ein paar aufmerksame Menschen immer) interessant.
Ich hoffe, da war das ein oder andere Fitzelchen dabei, das für dich anwendbar war.
Überlege, in welchen Situationen sich ein engerer Kontakt ergeben hat. Wie ging es dir dabei, in welchem Zustand warst du damals, dass es für andere einfacher als sonst war, auf dich zuzugehen? Was könntest du tun, um wieder in diese Situationen zu kommen.

Du wünscht dir Freundschaft(en). Das heißt du bist an Menschen interessiert. Damit hast du allerwichtigste Voraussetzung fürs Gelingen schon erreicht.
Viel Glück und gutes Gelingen! :vielglueck: :D

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Re: Begleitumstände

Beitrag von Xanopos » Dienstag 14. November 2017, 20:16

Sinnsucher hat geschrieben:
Dienstag 14. November 2017, 20:05
Ich hab immer nach einem Thema gesucht, das mich begeistert, für das ich brenne und bei dem ich einfach unglaubliche Lust habe davon zu erzählen. Wenn ich von diesem Thema erzählen konnte, dann ging es nicht um mich persönlich, ich hatte nicht den Eindruck, dass ich als Person auf dem Prüfstand stehe. Andere konnten vielleicht auf das Thema einsteigen und ich musste mir nicht überlegen, was zur Hölle ich auf eine Smalltalk-Floskel antworten sollte.
Meine Interessen sind nicht wirklich Small-Talk-tauglich.

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Re: Begleitumstände

Beitrag von Sinnsucher » Dienstag 14. November 2017, 20:25

Xanopos hat geschrieben:
Dienstag 14. November 2017, 20:16
Sinnsucher hat geschrieben:
Dienstag 14. November 2017, 20:05
Ich hab immer nach einem Thema gesucht, das mich begeistert, für das ich brenne und bei dem ich einfach unglaubliche Lust habe davon zu erzählen. Wenn ich von diesem Thema erzählen konnte, dann ging es nicht um mich persönlich, ich hatte nicht den Eindruck, dass ich als Person auf dem Prüfstand stehe. Andere konnten vielleicht auf das Thema einsteigen und ich musste mir nicht überlegen, was zur Hölle ich auf eine Smalltalk-Floskel antworten sollte.
Meine Interessen sind nicht wirklich Small-Talk-tauglich.
Umso besser. :D Das macht dich als Gesprächspartner wesentlich interessanter! Die Gespräche dieser Welt sind ohnehin mit zu viel nichtsagendem Smalltalk-Geplänkel gefüllt.
Auf einer Party (sollten wir jemals gemeinsam auf so einer landen) würde ich schnurstracks zu dir gehen und ein Gespräch anfangen. ;)

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Re: Begleitumstände

Beitrag von Girassol » Dienstag 14. November 2017, 20:36

Xanopos hat geschrieben:
Dienstag 14. November 2017, 08:23
Das setzt voraus, dass dein Partner eine Familie hat mit der er sich auch versteht. Ich habe zum Beispiel das Problem, quasi keinen Freundeskreis zu haben. Wen soll ich da bitte vorstellen?
Das ist ja was anderes. Wenn es da niemanden gibt, dann kann man auch niemanden vorstellen. Wenn man aber jeden Freitagabend bei Mama zum Essen geht, könnte man ja mal erwähnen, dass man (wieder) eine Freundin hat, zu der man auch nach dem Essen fährt.
Dead Milkman hat geschrieben:
Dienstag 14. November 2017, 10:12
Sie hat nie gefragt, sie hat sich nie beschwert, und sie hat es auch nie von sich aus thematisiert. Es hat allerdings auch nie, wie bei dir, Jahre gedauert, bis mein Umfeld von ihr erfahren hat, sondern es hat sich dann meist schon nach mehreren Monaten ergeben.
Jahre waren es auch nicht ,nach sechs Monaten hat er mich verlassen. Die letzten drei Monate war das aber immer wieder ein Thema bei uns bzw. für mich. Er war generell nicht so der Typ für ernsthafte Gespräche.
Strange Lady hat geschrieben:
Dienstag 14. November 2017, 11:08
Dennoch muss man sich vergegenwärtigen, dass es auch dysfunktionale Familien(-dynamiken) gibt, vor der manche den Partner/die Partnerin gern schützen möchten. Zumindest so lange, bis man sich der Sache sicher ist.
Das nicht immer und in allen Familien eitel Sonnenschein herrscht, ist auch nachzuvollziehen. Aber da hätte ich dann zumindest erwartet, dass man sagt, dass man das Vorstellen der Eltern (erstmal) für nicht so gut hält, weil man ein schwieriges Verhältnis hat/damit schlechte Erfahrungen gemacht hat/irgend sowas. Mir ist Kommunikation in einer Partnerschaft auch sehr wichtig und im Nachhinein wird mir immer klarer, dass da bei uns was im Argen lag.
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