Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

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Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Kafeu » Sonntag 27. November 2016, 18:35

Hallo Forenmitglieder,

ich bin ja nun schon länger nicht mehr hier gewesen, weil mir das Lesen im Forum nicht gut getan hat.
Bei meiner Suche nach dem Grund für das "Frauenvakuum" in meinem Leben bin ich nun wieder bei einem Psychiater gelandet.

Man mag es nicht glauben, aber ich bin einfach nur erleichtert, das ich endlich weiß, warum ich keine sexuell gefärbte Kontaktaufnahme zu Frauen herstellen konnte. Der Psychiater (Dr.med.) hat bei mir soziale Phobie festgestellt. Also klinisch bedeutsame Schüchternheit, Selbstsabotage und Angst vor Situationen und Menschen bzw. in meinem Fall vor Frauen.

Eine Erkrankung der Psyche sorgt also dafür, das ich mich mit Frauen so schwer tue. :fessel:
Die soziale Phobie ist aber behandelbar. Medikamentös + Psychotherapie.
Da ich nun seit ein paar Tagen Sertralin (SSRI) bekomme, merke ich zum ersten mal, wie es ist gelassen zu sein, und wie das Gefühl der Angst in entsprechenden Situationen einfach mal nicht da ist.

Ich stehe gerade zwar erst am Anfang der Behandlung, aber ich bin zuversichtlich, dass mein AB-Status nicht mehr lange so bleibt.
Es ist irgendwie ein merkwürdiger Gedanke, dass nun ein Arzt mich definitiv in den Bereich Psycho-AB verortet. :hammer:
Es gibt mir aber halt einfach Hoffnung und Gelassenheit. Denn auf einmal kann ich Blickflirten :flirten: Das war vorher komplett unmöglich.


Ob das nun konstruktiv ist oder nicht, ich musste das her einfach mal loswerden.
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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Berglöwe » Sonntag 27. November 2016, 19:25

Ich freue mich für dich, dass du wahrscheinlich eine wesentliche Ursache für deinen AB-Status gefunden hast.

Es ist viel gewonnen, wenn man weiß, wo die Wurzel des Übels liegt. Dann kann man gezielt u.a. mit Hilfe von anderen dagegen vorgehen. Psychischen Probleme sind diesbezüglich eines der häßlichsten Dinge, die es gibt. Ich sage das nicht aus eigener Erfahrung sondern aus der Angst heraus, dass bei mir vielleicht auch die eine oder andere subtile Sache quer liegen könnte. Minimale Verdachtsmomente existieren dann/wann und mögliche Gründen würden sich dafür auch finden. Ansonsten sind diese Problem von außen für andere und von einem selber (als Laie) nur schwer erkennbar. Daher schreibe ich auch dieses unschöne Wörtchen "häßlich" in diesem Zusammenhang mit äußerster Inbrunst.

Es müsste so eine Art psychlogische Grundausbildung geben, die einen befähigt einzuschätzen, wann man wirklich mal professionelle Hilfe braucht oder wann nicht. Das ist aber schon ein ziemlich hehrer Gedanke, weil dieses Fachgebiet ein weites Feld ist.

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Karlsson » Sonntag 27. November 2016, 20:16

Auch bei mir liegt das Grundübel in der sozialen Phobie. Ich habe erst in meiner Psycho-Therapie erfahren, dass es diese "Krankheit" überhaupt gibt. Vorher wusste ich nicht so recht, was mit mir los ist, habe mir sogar selbst die Schuld gegeben, ein Teufelskreis... :hammer:
Seit der Therapie bin ich zumindest lockerer geworden, kann unverkrampften Smalltalk mit anderen machen und auf andere zugehen, denn mir ist klar geworden, dass ich keine Schuld an allem trage, sondern, dass einfach ein paar Dinge in meinem Leben schiefgelaufen sind, z.B. die Trennung meiner Eltern...

Gruß Karlsson
Peace! 🍀

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Tyralis Fiena » Montag 28. November 2016, 11:51

"Glückwünsche" klingen wohl etwas skurril. Aber immerhin hat das "Kind" einen sicheren Namen und bietet damit einen soliden Ansatzpunkt zum Bearbeiten des eigenen Problems. Umso besser, wenn es einen dabei noch ein wenig von nutzloser Schuld befreit (für Ereignisse, für die man schlicht nichts konnte.) :hut:

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Morningstar » Montag 28. November 2016, 12:12

Da hast du sicherlich in sofern Glück als das die Soziale Phobie als relativ leicht zu behandeln gilt, ganz im Gegensatz zu anderen Störungen die viel tiefer in der Persönlichkeit verankert sind. In sofern wünsche ich dir viel Erfolg bei deiner Therapie und bin sicher das du schnell Fortschritte machen wirst.

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Rosi » Montag 28. November 2016, 21:38

Wie wird denn die Sozialphobie behandelt? Was wird bei der Psychotherapie gemacht?
Ich habe glaube ich auch eine leichte Form davon und wüsste gerne, was man tun kann.

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Kafeu » Dienstag 29. November 2016, 19:31

Rosi hat geschrieben:Wie wird denn die Sozialphobie behandelt? Was wird bei der Psychotherapie gemacht?
Ich habe glaube ich auch eine leichte Form davon und wüsste gerne, was man tun kann.
Du musst als erstes zu deinem Hausarzt. Der wird dich an einen Psychiater überweisen.
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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Rosi » Dienstag 29. November 2016, 22:03

Kafeu hat geschrieben:
Rosi hat geschrieben:Wie wird denn die Sozialphobie behandelt? Was wird bei der Psychotherapie gemacht?
Ich habe glaube ich auch eine leichte Form davon und wüsste gerne, was man tun kann.
Du musst als erstes zu deinem Hausarzt. Der wird dich an einen Psychiater überweisen.
Okee.....was kann man denn selbst tun, außer Medikamente gibt es doch bestimmt noch anderes, Übungen oder so?

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Mit müden Augen » Dienstag 29. November 2016, 22:35

Ich hab jetzt den Thread nicht wirklich gelesen, zu müde...
Rosi hat geschrieben:Okee.....was kann man denn selbst tun, außer Medikamente gibt es doch bestimmt noch anderes, Übungen oder so?
Such mal nach kognitiver Verhaltenstherapie, funktioniert bei Sozialphobie meistens sehr gut. Das kann auch ein Psychologe, manchmal findet sowas auch in der Gruppe statt (aber keine Angst, niemand wird dich da ungefragt reinstecken). Besonders bei einer leichten Version (von Sozphobie) müssen Medikamente nicht unbedingt sein, es sind keine Wundermittel, man muss Vor- und Nachteile abwägen (und man muss ein Medikament finden was bei einem persönlich wirkt).
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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Morningstar » Dienstag 29. November 2016, 22:50

Rosi hat geschrieben:
Kafeu hat geschrieben:
Rosi hat geschrieben:Wie wird denn die Sozialphobie behandelt? Was wird bei der Psychotherapie gemacht?
Ich habe glaube ich auch eine leichte Form davon und wüsste gerne, was man tun kann.
Du musst als erstes zu deinem Hausarzt. Der wird dich an einen Psychiater überweisen.
Okee.....was kann man denn selbst tun, außer Medikamente gibt es doch bestimmt noch anderes, Übungen oder so?
Im grunde genommen musst du genau das tun wovor du Angst hast. Also wenn du wegen deiner Sozialphobie Angst davor hast fremde Leute anzusprechen dann musst du genau das tun. Dadurch das du das tust merkt dann dein Gehirn das da gar nichts schlimmes dabei ist und die Angst verschwindet langsam.

Du kannst ja Anfangen z.B. nach dem Weg zu fragen oder einfach nur lächeln und Hallo sagen oder so.
Später dann wenn dir das dann keine Probleme mehr macht kannst du auch anfangen Attraktive Männer in der Fußgängerzone anzusprechen und mit ihnen zu flirten. Wenn du das schaffst dann weißt du das du keine Sozialphobie mehr hast und nicht mehr sehr lange AB bleiben wirst :)
. So steht es jedenfalls in einigen Psychologiebüchern als Herangehensweise beschrieben.

Bin da aber allerdings selber gerade erst bei, immerhin in die Augen schauen, lächeln und Hallo sagen kann ich schon. Mal schauen vielleicht schaff ich ja bald auch etwas smalltalk und dann... Dann spreche ich irgendwannmal "Die Richtige" an und kommuniziere ihr etwas mehr als nur ein wenig smalltalk übers Wetter. Nuja, meiner Erfahrung nach ist es da recht langwierig sich zu überwinden, aber wenn man langsam fortschritte sieht dann ist es das schon wert.

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Mit müden Augen » Dienstag 29. November 2016, 22:51

Zusatz zum letzten Post von mir: Man darf soziale Phobie nicht mit Schüchternheit/Lampenfieber/... verwechseln das sind völlig unterschiedliche Welten (nur als allgemeiner Hinweis).

Ich hab den Thread jetzt mal gelesen, @TO:
Herzlichen Glückwunsch zur Diagnose. Es ist sehr hilfreich wenn man weiß dass das Problem einen Namen hat. (Ich habe selber Sozialphobie und ein paar andere "Nettigkeiten".)
Alexas hat geschrieben:Es müsste so eine Art psychlogische Grundausbildung geben, die einen befähigt einzuschätzen, wann man wirklich mal professionelle Hilfe braucht oder wann nicht. Das ist aber schon ein ziemlich hehrer Gedanke, weil dieses Fachgebiet ein weites Feld ist.
Die Antwort ist ganz einfach: Wenn du selber leidest brauchst du professionnelle Hilfe. Ob das Problem im DSM steht ist dabei erstmal Nebensache bzw eher für den Arzt/Psychologen (und die Statistik) interessant. Für ein erstes Gespräch kann man auch seinen Hausarzt aufsuchen. Außerdem gibt es Internet, aber da steht alles und jeder Mist, da sollte man vorsichtig sein besonders wenn es einem wirklich schlecht geht!

edit:
Im grunde genommen musst du genau das tun wovor du Angst hast. [...]
Genau, aber in kleinen Schritten, bewusst/freiwillig und regelmäßig, das ist dann (vereinfacht) Verhaltenstherapie. Dazu kommt der kognitive Aspekt (zusammen mit einem Profi), bestimmte Denkweisen im Gehirn analysieren und verstehen und erkennen dass diese falsch/übertrieben sind.
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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Rosi » Mittwoch 30. November 2016, 00:10

Im Prinzip ist Schüchternheit aber schon so etwas wie Sozialphobie. Man hat Angst vor Menschen zu reden, aus sich rauszugehen usw.
Ich finde man braucht Erfolgserlebnisse.

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Iris » Mittwoch 30. November 2016, 10:18

Hallo,
ich bin eine "Normalo"- Frau und bin seit letztem Frühling mit einem, jetzt Ex- AB zusammen. Bei ihm besteht auch die Diagnose "Soziale -Phobie". Für mich war sein seltsames Verhalten anfangs schwer zu deuten. Ich dachte er sei einfach nur sehr schüchtern und in sozialen Situationen unfähig bzw. überfordert. Aber die Soziale Phobie ist deutlich beeinträchtigender als das. Mein Freund nimmt bspw. Beta- Blocker, weil er vor lauter Angst vor den anderen Menschen in der U-Bahn Herzrasen und Schweißausbrüche bekommen hat. Sie helfen ihm bezüglich der körperlichen Symptome sehr gut. Er vertraut meiner Liebe nicht, weil er denkt, ich könne doch mit "so einem wie ihm" gar nicht zusammen sein wollen. Und da sehe ich die Wurzel des Übels. Absolut mangelndes Selbstwertgefühl und massive Angst, was sich in pathologischer Form dann als "Soziale Phobie" diagnostzieren lässt. Positive Situationen werden in seinem Denken umgedeutet, im Kopf 100000x durchdiskutiert und am Ende etwas Negatives (gegen sich selbst) gefunden. Dieses Negative steht dann im Zentrum des Denkens. Ich liebe meinen Freund sehr, AB oder Soziale Phobie oder was auch immer. Aber es ist nicht immer leicht, für beide Partner. Aber mein Freund macht es richtig gut und arbeitet jetzt bspw. mit Methoden wie "Gedanken Stopp" u.ä. Er kann auch gut über seine Gedanken und Gefühle sprechen, was sehr hilfreich ist. Eigentlich würde er gerne eine Verhaltenstherapie machen, aber er lebt in Spanien und da muss man das privat bezahlen...Er hatte auch gehofft, dass eine Beziehung alles besser machen würde. Aber das ist leider nicht so. Es ist ein Weg den wir beide gehen müssen und es bedeutet viel, viel Arbeit.
Ich drücke Dir die Daumen, du bist sicherlich auf dem richtigen Weg :vielglueck:

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Mit müden Augen » Mittwoch 30. November 2016, 11:18

Ich finde man braucht Erfolgserlebnisse.
Auf jeden Fall, jeder Mensch braucht Erfolgserlebnisse!
Rosi hat geschrieben:Im Prinzip ist Schüchternheit aber schon so etwas wie Sozialphobie. Man hat Angst vor Menschen zu reden, aus sich rauszugehen usw.
Nein. Man kann Schüchternheit und SP nicht vergleichen. Sozialphobie sind Panikattacken, Flucht aus der Situation bzw ausgeprägtes Vermeidungsverhalten, Angst vor Angst zu sterben, Angst weit bevor eine Situation stattfindet/stattfinden könnte (sowie natürlich in der Situation auch), totale soziale Isolation usw. Natürlich muss das nicht bei jedem Betroffenen so extrem sein, aber grundsätzlich ist das die Richtung. Schüchternheit ist normal und erträglich, SP nicht.

@Iris
Das kommt mir als Betroffener alles sehr bekannt vor... Viel Glück euch beiden! :vielglueck: Wenn sich dein Freund keine Therapie leisten kann, man kann es auch alleine versuchen mit einem guten Buch als Grundlage. Wichtig ist bei der Verhaltenstherapie: Kleine Schritte, sich nicht zwingen bzw zwingen lassen sondern ganz bewusst (ohne irgendwas anderes gleichzeitig, nicht auf dem Weg zum Einkaufen oder so) und freiwillig, regelmäßig (möglichst jeden Tag) und jeweils so lange die Übung machen bis die Angst deutlich nachgelassen hat (50% oder so). Nicht zögern den Fortschritt schriftlich zu dokumentieren.
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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Morningstar » Mittwoch 30. November 2016, 14:59

Iris hat geschrieben:Hallo,
ich bin eine "Normalo"- Frau und bin seit letztem Frühling mit einem, jetzt Ex- AB zusammen. Bei ihm besteht auch die Diagnose "Soziale -Phobie". Für mich war sein seltsames Verhalten anfangs schwer zu deuten. Ich dachte er sei einfach nur sehr schüchtern und in sozialen Situationen unfähig bzw. überfordert. Aber die Soziale Phobie ist deutlich beeinträchtigender als das. Mein Freund nimmt bspw. Beta- Blocker, weil er vor lauter Angst vor den anderen Menschen in der U-Bahn Herzrasen und Schweißausbrüche bekommen hat. Sie helfen ihm bezüglich der körperlichen Symptome sehr gut. Er vertraut meiner Liebe nicht, weil er denkt, ich könne doch mit "so einem wie ihm" gar nicht zusammen sein wollen. Und da sehe ich die Wurzel des Übels. Absolut mangelndes Selbstwertgefühl und massive Angst, was sich in pathologischer Form dann als "Soziale Phobie" diagnostzieren lässt. Positive Situationen werden in seinem Denken umgedeutet, im Kopf 100000x durchdiskutiert und am Ende etwas Negatives (gegen sich selbst) gefunden. Dieses Negative steht dann im Zentrum des Denkens. Ich liebe meinen Freund sehr, AB oder Soziale Phobie oder was auch immer. Aber es ist nicht immer leicht, für beide Partner. Aber mein Freund macht es richtig gut und arbeitet jetzt bspw. mit Methoden wie "Gedanken Stopp" u.ä. Er kann auch gut über seine Gedanken und Gefühle sprechen, was sehr hilfreich ist. Eigentlich würde er gerne eine Verhaltenstherapie machen, aber er lebt in Spanien und da muss man das privat bezahlen...Er hatte auch gehofft, dass eine Beziehung alles besser machen würde. Aber das ist leider nicht so. Es ist ein Weg den wir beide gehen müssen und es bedeutet viel, viel Arbeit.
Ich drücke Dir die Daumen, du bist sicherlich auf dem richtigen Weg :vielglueck:
Sehr interessante Beschreibung, ich kann mich da teilweise wieder erkennen. Wobei das ja von Mensch zu Mensch stark unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Bei mir ist es ja so das ich kein Problem hab z.B. ne öffentliche Rede zu halten wenn es um irgend ein rationales Sachthema geht mit dem ich gut vertraut bin. Allerdings werde ich total unsicher wenn es um persönliche/emotionale Dinge geht, schon faszinierend welche Ausprägungen solch phobische Störungen annehmen können.

Das mit den negativen Gedanken kenne ich, ist ein wirklich harter Kampf sich da durchzusetzen. Aber ich kann da nur aus eigener Erfahrung sagen das wenn man da konsequent dran bleibt dann wird es mit der Zeit langsam besser. Allerdings braucht man dafür wirklich sehr viel Gedult und sollte keinesfalls aufgeben selbst dann nicht wenn es lange dauert bis eine Verbesserung eintritt. Gedankliche Strukturen die sich über Jahre ins Bewustsein eingebrannt haben kann man eben leider nicht so schnell abschalten und durch andere ersetzen.

Ich fand da einige Videos und Schriften von Eckhart Tolle ganz hilfreich wenn es darum geht die eigene Gedankenwelt besser zu verstehen und sich selbst in die Lage zu versetzen diese Gedanken bewuster zu steuern bzw zu unterbrechen. Gibt da enige Meditationstechniken die wirklich dabei helfen den Kopf in dieser Hinsicht wieder etwas freier zu bekommen.
Die Kombination aus Mindfullness, Meditation und Kognitiver Verhaltenstherapie kann da mit der Zeit schon eine deutlich spürbare Verbesserung bewirken. Sehe allerdings bei mir selbst das das zu Anangs nur sehr schwierig ist, es u.u sehr lange dauern kann bis Resultate zu sehen sind aber sobald das der Fall ist, ist dann auch eine stetige Verbesserung wahrzunehmen.

Also, immer weitermachen , das wird schon ;)

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Kafeu » Mittwoch 30. November 2016, 17:03

Mit müden Augen hat geschrieben: Nein. Man kann Schüchternheit und SP nicht vergleichen. Sozialphobie sind Panikattacken, Flucht aus der Situation bzw ausgeprägtes Vermeidungsverhalten, Angst vor Angst zu sterben, Angst weit bevor eine Situation stattfindet/stattfinden könnte (sowie natürlich in der Situation auch), totale soziale Isolation usw. Natürlich muss das nicht bei jedem Betroffenen so extrem sein, aber grundsätzlich ist das die Richtung. Schüchternheit ist normal und erträglich, SP nicht.
Wende das mal auf das Thema Frauen an und du hast die Steigerungsform von Hardcore-AB. :hammer:
So ging es mir. Der sexuelle Trieb ist da. Aber ich kann eben Frauen nicht auf menschlicher Ebene ansprechen. :sadman:

Medizinisch relevant wird Furcht oder Angst ja erst dann, wenn man darunter dauerhaft leidet.

Zur Info: Ich neheme jetzt seit einer Woche Sertralin. Mit Menschen kann ich schon wesentlich besser umgehen. Ich hatte nur noch keine Gelegenheit mich bei Frauen zu testen. :cooler:
Iris hat geschrieben:Er hatte auch gehofft, dass eine Beziehung alles besser machen würde. Aber das ist leider nicht so. Es ist ein Weg den wir beide gehen müssen und es bedeutet viel, viel Arbeit.
Ähm...In meinem Fall ist SP ein sehr effektiver Beziehungsinhibitor. :fessel:
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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Wenona » Montag 5. Dezember 2016, 17:38

Morningstar hat geschrieben: Im grunde genommen musst du genau das tun wovor du Angst hast. Also wenn du wegen deiner Sozialphobie Angst davor hast fremde Leute anzusprechen dann musst du genau das tun. Dadurch das du das tust merkt dann dein Gehirn das da gar nichts schlimmes dabei ist und die Angst verschwindet langsam.
Woher hast du denn den Schwachsinn.
Morningstar hat geschrieben: Du kannst ja Anfangen z.B. nach ......... So steht es jedenfalls in einigen Psychologiebüchern als Herangehensweise beschrieben.
Ahja. Ab damit in den Müll. :lol:

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Mystery » Montag 5. Dezember 2016, 19:01

Angst kann man nur abbauen oder überwinden, wenn man sich der Angst auch stellt. Die Angst wird mit der schrittweisen Konfrontation mit den eigenen Ängsten weniger werden. Sich seinen eigenen Ängsten stellen kann sehr unangenehm sein und auf dem Weg zum Ziel wird es immer wieder Phasen des Erfolgs und des Rückschlags geben.
Eine Therapie kann einen dazu begleitend helfen. Bei ganz schlimmen Problemen kann auch an eine zusätzliche Behandlung mit Medikamenten gedacht werden. Diese müssen aber langsam runterdosiert werden, dann am Ende möchte man seinen Verstand ohne die Wirkung von Medikamenten selbst beherrschen.

Je weiter man die Ängste aufschiebt oder sich ihnen nicht stellt, desto schwieriger ist die gefühlte Hürde. Am besten, auch wenn es schwer ist, sich dem Problemen langsam stellen. ;)

Wenona

Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Wenona » Montag 5. Dezember 2016, 19:13

Mystery hat geschrieben:Angst kann man nur abbauen oder überwinden, wenn man sich der Angst auch stellt. Die Angst wird mit der schrittweisen Konfrontation mit den eigenen Ängsten weniger werden.
Ist bei mir, und bei vielen anderen, die ich kenne definitiv nicht der Fall. ;)

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Re: Soziale Phobie (F40.1) - Es hat endlich einen Namen

Beitrag von Mit müden Augen » Montag 5. Dezember 2016, 19:36

Wenona hat geschrieben:
Morningstar hat geschrieben:Im grunde genommen musst du genau das tun wovor du Angst hast. Also wenn du wegen deiner Sozialphobie Angst davor hast fremde Leute anzusprechen dann musst du genau das tun. Dadurch das du das tust merkt dann dein Gehirn das da gar nichts schlimmes dabei ist und die Angst verschwindet langsam.
Woher hast du denn den Schwachsinn.
Dieser "Schwachsinn" heisst Verhaltenstherapie und hat - wenn richtig angewendet - in zahlreichen Studien seine Wirksamkeit bewiesen. :roll:
Natürlich gibt es keine Therapie die bei jedem funktioniert, aber grundsätzlich ist das was Morningstar schreibt völlig korrekt.
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