Sich "berühren" lassen

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Sittenhaft
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Sich "berühren" lassen

Beitrag von Sittenhaft » Sonntag 24. Juni 2018, 20:29

Hallo,

ich habe einfach mal Lust etwas zu schreiben.

Es ging um ein Erlebnis vom letzten Freitag, durch welches ich, so meine ich zumindest, einige meiner Problem rausgeschält habe.

Man fragt sich ja schon hin und wieder, wieso es mit den Beziehungen nicht funktionieren mag. Ich bin noch relativ "jung" (31), nicht übergewichtig und hab noch die meisten Haare auf dem Kopf. Meine Augen machen die Frauen manchmal sogar neidisch. Etwas größer könnte ich durchaus sein, aber was soll es. Hab einen akademischen Beruf, verdiene gut, eigene Hütte und ein Auto. Meine Kumpels, die teils hinterher hängen, können meinen Misserfolg bei Frauen nicht verstehen. Ich kann dann immer nur mit den Kopf schütteln und sagen, "wenn es doch nur darauf ankäme".

Aber worauf kommt es an? Da tappe ich seit Jahren im Dunkel. Ich konnte das Problem fühlen, aber nicht griffig definieren.

Letzten Freitag konnte ich mich nach einer harten aber guten Arbeitswoche mal wieder aufraffen, den Abend nicht mit meiner Neuanschaffung (Teleskop) bzw. meinem Computer oder Büchern zu verbringen. Stattdessen ging ich auf eine Party, wo ein Kumpel reinzufeiern gedachte. Da konnte ich auch irgendwie nicht absagen. Ich hatte sogar mal gute Laune und Lust drauf.

Wir waren mit einer Gruppe von Leuten da und im Prinzip konnte man sich durchgängig gut unterhalten. Von einer der anwesenden Damen verspürte ich sogar Interesse, allerdings gab es ein solches meinerseits nicht. Um sie geht es auch nicht. Teilweise habe ich dann auch immer mal Auszeiten genommen und mir die Gespräche anderer angeschaut. Was mir dabei immer wieder auffiel, ist, dass sich Gespräche mit mir, so meine ich zumindest, bedeutend "sachlicher" gestalten, als wie es teilweise zwischen anderen Menschen der Fall ist. Es ist mit mir eher ein Gespräch über eine Sache, als "miteinander". Das habe ich auch schon einmal von anderer Seite gehört.

Leider neige ich nach außen hin zu Rationalität, Kühle und Sachlichkeit. Das führt oft dazu, dass ich (oder der Part Gegenüber) nach einer gewissen Zeit des Gesprächs das Interesse verliere, weil man auf der Stelle tritt.

Ich hatte also an besagtem Abend irgendwann die Lust an weiteren Gesprächspartnern verloren und begab ich mich auf die Tanzfläche. Da die Veranstalter des Gaudis Freunde des Trance waren, lief auch etwas für mich passendes. Ich hatte die ideale Menge Alkohol inne und konnte mich zur Musik recht gut fallen lassen. Irgendwann kam es, wie schon öfter in der Vergangenheit, dass eine Frau unverkennbar die Begegnung auf der Tanzfläche suchte. Wie immer leider, kommt in solchen Momenten sofort das Gefühl der "Bedrohung" in mir auf. In der einen Sekunde ist man voll mit sich "versunken", aber sobald jemand anderes versucht, mit einzutauchen, gehen die Alarmanlagen an.

Irgendwann ging ich nach Hause. Ich dachte dann natürlich nach. Ich kam dabei zu dem Schluss, dass das Problem darauf zurückzuführen sein muss, dass ich tierische Angst davor habe mich mental "berühren" zu lassen. Ich habe noch nie einen Menschen an mich heran gelassen. Das hat mir und bereitet mir, eine heiden Angst, weil es neben anderer vieler kleiner Baustellen eine für mich unüberwindliche Hürde darstellt.

Kennt das jemand und hat eine Idee, wie man so etwas begegnen kann?

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Der Coon » Sonntag 24. Juni 2018, 20:33

Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:29
Kennt das jemand und hat eine Idee, wie man so etwas begegnen kann?
Meinst du solche berührungen wie z.b, in einem gespräch dir oder jemaden kurz die hand auf die schulter legen wenn man etwas lustiges erzählt hat ?

Ich hab damit keine schwierigkeiten mehr, wenn mich jemand bewusst oder unbewusst berührt. Ich genieße dann diese kurze berührung.
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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Pferdefreundin » Sonntag 24. Juni 2018, 20:43

Das mit der Angst kenne ich nur zu gut. Hat damit zu tun, dass ich aufgrund von Mobbing und einer Verarschung durch nen Typen jede Annäherung als Angriff bzw falsche Absicht deuten würde (im Gegensatz zu dir bin ich optisch benachteiligt).

Ich kann es auch nicht ab, wenn man mir zu schnell zu nahe kommt und zu aufdringlich wird, da ist es auch egal, ob der Typ mein Fall wäre oder nicht, Aufdringlichkeit empfinde ich als unangenehme "Bedrohung", dann mache ich dicht und bin verschreckt. Und diesen Eindruck kann man nur ganz schlecht und vor allem nur langsam revidieren (wobei ich bei dem Typen hätte auf mein ungutes Gefühl hätte hören sollen).

Diese mentale Schutzmauer beißt sich mit meiner Sehnsucht nach Nähe und Liebe, gewinnt aber trotzdem immer die Oberhand, da die Angst und negative Erfahrungen zu sehr in mein Herz und Hirn gebrannt sind.
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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Sittenhaft » Sonntag 24. Juni 2018, 20:48

Der Coon hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:33
Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:29
Kennt das jemand und hat eine Idee, wie man so etwas begegnen kann?
Meinst du solche berührungen wie z.b, in einem gespräch dir oder jemaden kurz die hand auf die schulter legen wenn man etwas lustiges erzählt hat ?

Ich hab damit keine schwierigkeiten mehr, wenn mich jemand bewusst oder unbewusst berührt. Ich genieße dann diese kurze berührung.
Nein körperliche Berührungen meinte ich nicht sondern die "mentale Ebene".

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Ninja Turtle » Sonntag 24. Juni 2018, 21:26

Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:48
Der Coon hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:33
Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:29
Kennt das jemand und hat eine Idee, wie man so etwas begegnen kann?
Meinst du solche berührungen wie z.b, in einem gespräch dir oder jemaden kurz die hand auf die schulter legen wenn man etwas lustiges erzählt hat ?

Ich hab damit keine schwierigkeiten mehr, wenn mich jemand bewusst oder unbewusst berührt. Ich genieße dann diese kurze berührung.
Nein körperliche Berührungen meinte ich nicht sondern die "mentale Ebene".
Kannst du das näher erklähren?
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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von kreisel » Sonntag 24. Juni 2018, 21:50

Sittenhaft hat geschrieben:Da die Veranstalter des Gaudis Freunde des Trance waren, lief auch etwas für mich passendes. Ich hatte die ideale Menge Alkohol inne und konnte mich zur Musik recht gut fallen lassen. Irgendwann kam es, wie schon öfter in der Vergangenheit, dass eine Frau unverkennbar die Begegnung auf der Tanzfläche suchte. Wie immer leider, kommt in solchen Momenten sofort das Gefühl der "Bedrohung" in mir auf. In der einen Sekunde ist man voll mit sich "versunken", aber sobald jemand anderes versucht, mit einzutauchen, gehen die Alarmanlagen an.
Ja, das kommt mir sehr bekannt vor. Je direkter der Kontaktversuch, umso unsicherer und abwehrender bin ich
und rausgerissen aus mir selbst.
Ich kann gut mit mir (innerlich) in Kontakt sein, solange ich denke, es ist anonym.

Eine ganz glasklare Lösung hab ich da jetzt auch nicht.
Höchstens mal hier und da eine Ausnahme erlebt.

Einmal z B. ist mir einer aufgefallen in einer Diskothek, wo ich den Eindruck hatte, der würde mir
durch die veschiedenen Räume folgen. Das hätte bei mir erstmal alle Abwehr hochgefahren, aber er
wirkte auch gleichzeitig so auf sich fokussiert und von mir abgewendet, dass ich dachte, nee Einbildung.
Aber doch gab es so "ein Gefühl".
Als ich mich dann mal an den Rand setzte von der Tanzfläche, hat er sich kurz neben mich gesetzt, dann
wieder weg,dann neben mich, kurz geredet, dann wieder weg....

Das nur kurze Annähern mit Pausen hat mir irgendwie sehr geholfen. Stell dir das so ähnlich vor wie
eine Zähmung. Da zeigt man auch Präsenz, aber wendet sich auch so ab, dass es für das Tier nicht
bedrohlich ist. Und spielt mit Nähe und Distanz.
Ich war zwar so aufgeregt, dass ich letztendlich doch weggelaufen bin, aber insgesamt war es mal eine
neuere und gute Erfahrung.

Ein zweites Mal hatte ich sehr lange mit jemandem geschrieben und auf der mentalen Ebene verstanden wir
uns sehr gut; auf der konkreten war auf beiden Seiten klar, dass es keine Beziehung gibt; er hatte da mehrere
Eisen im Feuer, was ich nicht wirklich tolerieren konnte, und es gab verschiedene Unterschiedlichkeiten.
Aber das Treffen hat mich irgendwie mental berührt, wir haben am Ende noch im Auto nebeneinander Musik
gehört, ich konnte dabei fühlen, musste nichts sagen oder aufrecht erhalten. Es war keine körperliche Nähe
aber so ein mit der Musik mitfließen und den anderen irgendwie auch spüren und wissen der ist da.

In der Situation hab ich aber auch gemerkt, dass da in mir eine Riesenverletztlichkeit hochkam und ich
auf der Heimfahrt nach dem Treffen so richtig das heulende Elend bekommen hab. Sowas wie Liebeskummer, Sehnsucht nach Mutter und Vater und Weltschmerz alles zusammen. "Kein Hafen für diese Verletzlichkeit",
wieder alleine im Auto rumfahren stundenlang, und all sowas.

Heute- ab und an- geschieht das noch mit dem mental berührt sein.
Nicht geplant, nicht häufig, manchmal ist ein Jahr dazwischen, manchmal länger.
Und es kommt auch schon auf das Gegenüber an.

Kürzlich hatte ich so eine Begegnung, mit jemandem mit übrigens auch sehr schönen markanten Augen
und einer sachlichen Art; er wirkte so selbstfokussiert und doch offen zugleich, und irgendwie war da warum auch immer diese mentale Berührung da; obwohl mein Plan ein ganz anderer war.
Denn vom ganzen Rahmen her war das völlig unpassend, weil auch noch im beruflichen Kontext.
Es kommt ganz dumm, wenn man als "Dienstleister" vor nem Kunden, der ein Problem hat und ne Art
Beratung sucht, rumheulen müsste wie ein Schlosshund, weil da irgendwelche Knöpfe gedrückt werden,
das hab ich mir dann für zu Hause aufgehoben. :crybaby:

Ganz komisch dabei war für mich auch, dass in dieser Begegnung aus dem Nichts heraus einfach mehr
als Kopf spürbar war...auch Herz und Bauch.....Dabei hab ich auch gemerkt, dass "Kopf" für mich
das normale ist, und Bauch u. Herz eher so das unnormale, bedrohliche, ggf. auch wahn-sinnige,
wenn sonst die Weltordnung und das sinnige so aus dem Kopf kommt.

Hmm, was kann man daraus als Lösung oder Ansatz ziehen?
A) Ich denke, dieser Schutzwall könnte mit einer oft ungeahnten Verletzlichkeit zu tun haben
oder Themen die ggf. noch im dunkeln wabern. Wenn man sich dessen bewusster wird, könnte es
besser werden.
B) Nicht jeder passt für diese mentale Berührung, ich kann mir das nicht vornehmen, und manchmal
nehme ich es mir extra vor, dass ich das nur sachlich abwickeln will, und es geschieht trotzdem.
C) Das mit der Nähe und Distanz und nicht direkt drauf zu wie beim zähmen fand ich einen hilfreichen
Ansatz. Nicht direkt 100 % und alles in eine Richtung, sondern Spielraum haben, wieder bei sich
ankommen in dieser aufregenden Situation.
D) Nicht unter Druck setzen und mit sich selbst geduldig sein, Verschnaufspause gönnen.
E) Bestenfalls vielleicht ein Gegenüber finden, mit dem man offen sprechen kann, was Verständnis
hat für diesen Prozess. Ist aber vermutlich auch eher idealisiert gedacht oder braucht so einen
Rahmen wie Therapie.

:vielglueck:

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Sittenhaft » Sonntag 24. Juni 2018, 22:07

Ninja Turtle hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 21:26
Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:48
Der Coon hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:33


Meinst du solche berührungen wie z.b, in einem gespräch dir oder jemaden kurz die hand auf die schulter legen wenn man etwas lustiges erzählt hat ?

Ich hab damit keine schwierigkeiten mehr, wenn mich jemand bewusst oder unbewusst berührt. Ich genieße dann diese kurze berührung.
Nein körperliche Berührungen meinte ich nicht sondern die "mentale Ebene".
Kannst du das näher erklähren?
Ich meine damit die non-verbale Kommunikation. Man kommt sich nicht durch unmittelbare Wörter näher, sondern durch das, was dahinter verborgen liegt, oder was es in einem auslöst. Leider dringt so etwas entweder nicht zur mir durch, oder falls doch, dann blockt irgendwas in mir ab. Freundschaften lassen sich so schon kaum pflegen (im Prinzip zehre ich hier schon arg aus dem Vergangenen, als mein Verstand noch nicht die Oberhand besaß; neue Freunde kommen im Prinzip nicht mehr dazu), eine Liebesbeziehung erfordert aber meiner Meinung nach die Öffnung des Innersten. Mit meinem obigen Beispiel wollte ich zum Ausdruck bringen, dass ich hier jedes Näherkommen schon im Keim ersticke. Belastend ;/

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Sittenhaft » Sonntag 24. Juni 2018, 22:38

Pferdefreundin hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:43
Das mit der Angst kenne ich nur zu gut. Hat damit zu tun, dass ich aufgrund von Mobbing und einer Verarschung durch nen Typen jede Annäherung als Angriff bzw falsche Absicht deuten würde (im Gegensatz zu dir bin ich optisch benachteiligt).

Ich kann es auch nicht ab, wenn man mir zu schnell zu nahe kommt und zu aufdringlich wird, da ist es auch egal, ob der Typ mein Fall wäre oder nicht, Aufdringlichkeit empfinde ich als unangenehme "Bedrohung", dann mache ich dicht und bin verschreckt. Und diesen Eindruck kann man nur ganz schlecht und vor allem nur langsam revidieren (wobei ich bei dem Typen hätte auf mein ungutes Gefühl hätte hören sollen).

Diese mentale Schutzmauer beißt sich mit meiner Sehnsucht nach Nähe und Liebe, gewinnt aber trotzdem immer die Oberhand, da die Angst und negative Erfahrungen zu sehr in mein Herz und Hirn gebrannt sind.
War dies bei Dir schon immer so, oder kannst du diese Angst vor Annäherung 100%ig kausal auf Mobbing und die Erfahrung mit diesem Typen zurückführen? Ich war früher offener, aber nie dem anderen Geschlecht gegenüber und frage mich natürlich, ob die Ursachen angeboren, oder zumindest weit in die Kindheit zurückreichen. Gemobbt wurde ich nämlich glücklicherweise nie, war auch nie sonderlich unbeliebt etc.. Aber was ich schon immer war, ist nachdenklicher und zurückhaltender zu sein als andere, wenig Selbstvertrauen etc...

Aussehen ist übrigens subjektiv. Es liegt meiner Meinung nach zu 99% nicht unmittelbar am Aussehen selbst, sondern daran, was die damit möglicherweise verbundenen verletzenden Erfahrungen mit einem machen... Wenn man sich die Pärchen so anschaut, dann wird einem schnell klar, dass es daran allein nicht liegen kann.

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Glockenspiel » Sonntag 24. Juni 2018, 22:45

Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:38
Pferdefreundin hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:43
Das mit der Angst kenne ich nur zu gut. Hat damit zu tun, dass ich aufgrund von Mobbing und einer Verarschung durch nen Typen jede Annäherung als Angriff bzw falsche Absicht deuten würde (im Gegensatz zu dir bin ich optisch benachteiligt).

Ich kann es auch nicht ab, wenn man mir zu schnell zu nahe kommt und zu aufdringlich wird, da ist es auch egal, ob der Typ mein Fall wäre oder nicht, Aufdringlichkeit empfinde ich als unangenehme "Bedrohung", dann mache ich dicht und bin verschreckt. Und diesen Eindruck kann man nur ganz schlecht und vor allem nur langsam revidieren (wobei ich bei dem Typen hätte auf mein ungutes Gefühl hätte hören sollen).

Diese mentale Schutzmauer beißt sich mit meiner Sehnsucht nach Nähe und Liebe, gewinnt aber trotzdem immer die Oberhand, da die Angst und negative Erfahrungen zu sehr in mein Herz und Hirn gebrannt sind.
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Aussehen ist übrigens subjektiv. Es liegt meiner Meinung nach zu 99% nicht unmittelbar am Aussehen selbst, sondern daran, was die damit möglicherweise verbundenen verletzenden Erfahrungen mit einem machen... Wenn man sich die Pärchen so anschaut, dann wird einem schnell klar, dass es daran allein nicht liegen kann.
Kurze Frage dazu. Hast du ein gesundes Verhältnis zu deinen Eltern? Zu beiden Teilen meine ich natürlich.

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von AviferAureus » Sonntag 24. Juni 2018, 23:58

Der Threadtitel ("Sich "berühren" lassen"), wenngleich weniger die im nämlichen verwendeten Gänsefüßchen, könnte eventuell an den nachfolgenden Post aus einem anderen Thread erinnern (Wege aus dem AB-Tum):


Das erwähnte Buch dürfte dieses sein:
Monika Büchner, Für die Liebe ist es nie zu spät, 2016 (Link zur Buchpräsentation des Verlages)

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Ninja Turtle » Montag 25. Juni 2018, 05:57

Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:07
Ninja Turtle hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 21:26
Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:48


Nein körperliche Berührungen meinte ich nicht sondern die "mentale Ebene".
Kannst du das näher erklähren?
im Prinzip zehre ich hier schon arg aus dem Vergangenen, als mein Verstand noch nicht die Oberhand besaß;
Sicher, dass es der Verstand ist, der dich blockiert? Denn im Prinzip weiß du doch, dass dein Verhalten nicht gut ist?
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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Nonkonformist » Montag 25. Juni 2018, 06:37

Ich bin eher demii-sexuell, was bedeutet, das ich frauen, die ich kaum oder gar nicht kenne, nicht schnell an mich heran lasse, in romantischer oder sexueller sinne. Verlieben ist bei mir ein sehr langsames prozess das in kleine mini-schritte ueber wochen bis monate statt findet. Das erste was entstehen muess ist eine emotionale naehe und vertrauen, und dazu brauche ich jemanden ueber zeit kennen lernen. 'Beruehren", ob jetzt in koerperlicher oder geistiger sinne, soll bei mir 'verdient' sein; da reicht ein huebsches ausseres und ein bisschen oberflaechlicher sympathie meist nicht aus. (Erste eindruecke sind bei mir auch voellig bedeutungslos, die stelle ich im laufe der wochen bei und koennen sich um 180 grad wandeln, sowohl in positiver als auch in negativer sinne.)
Frauen die ziemlich schnell interesse an mich zeigten gab es nicht viele, aber die, die zu forsch und zu schnell interesse zeigten, da habe ich auch eher zugemacht, die blocke ich instinktiv ab. Eine frau die mich gar nicht kennt darf eine oberflaechliche interesse zeigen, aber nicht sofort forsch sexuelles interesse signalieren. Fremden, ob jetzt maennlich oder weiblich, registriere ich eigentlich automatisch als eine art unbekannte faktor, und damit als eine art potentieler bedrohung, und ich brauche zeit um da auf zu waermen. Das ist bei mir beim verlieben so, aber auch bei das entstehen von freundschafte: das geht bei mir nicht beim ersten begegnung. Diskos, kneipen, lokale, etc, sind damit keine geeignete orte fuer mich um menschen kennen zu lernen oder mich zu verlieben: das tat ich nur in ein langsames tempo in der arbeit oder frueher in der schule.

Vielleicht ist bei dir etwas aehniches im gange.
(Nur das du noch schneller abblockst als ich: ich lasse mich von fremde frauen antanzen, wann sich so was ergibt.)
Zuletzt geändert von Nonkonformist am Montag 25. Juni 2018, 07:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Tania » Montag 25. Juni 2018, 06:52

Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:07
...eine Liebesbeziehung erfordert aber meiner Meinung nach die Öffnung des Innersten.
Jein. Man kann hervorragend eine Liebesbeziehung führen, ohne dass der Partner/die Partnerin je einen Blick auf besagtes Innerste wirft. Nur muss man es dafür eben gut verbergen. Und genau das will man nicht immer. Mitunter tut es gut, über das zu reden, was einem im Innersten bewegt. Und zu erfahren, dass man verstanden und auch mit diesen verborgenen Seiten geliebt wird. Allerdings erfordert das eine Menge Vertrauen ... man offenbart ja damit auch die Stellen, an denen am verletzlichsten ist. Und lässt einen anderen Menschen nahe genug an sich heran, dass dieser einen tatsächlich heftig verletzen könnte. Dieses tiefe Vertrauen muss man einfach erst einmal gewinnen.

Aber so weit kommst Du ja gar nicht - Du blockst ja schon im Ansatz ab. Und DAS ist das eigentlich Ungewöhnliche an Deinem Verhalten. Du lässt nicht nur keinen Blick in Dein Innerstes zu (was völlig okay ist), Du blockierst auch jedes sanfte Kratzen an der Oberfläche.

Niemand erwartet von Dir mit beim ersten Gespräch oder nach 3-4 Dates die Öffnung Deiner ganzen Seele. Genaugenommen wäre das sogar etwas zu viel. Aber es gibt ein paar Stufen zwischen "verrate es bitte keinem, aber ich steh totaaaaal auf Hundewelpen, ich könnte bei deren Anblick kreischen wie ein kleines Mädchen" und "als ich 11 war musste ich mit ansehen, wie mein Vater mein Kaninchen geschlachtet hat. Ich habe ihm nie verziehen und kann noch heute niemandem wirklich vertrauen".

Vertrauen und "sich einander anvertrauen" wachsen schrittweise. Und schaffen so immer mehr Nähe. Du selbst entscheidest, wann und mit wem Du welchen Schritt wagst. Aber im Moment scheinst Du noch nicht einmal den ersten kleinen Schritt gehen zu wollen. Du bleibst in jedem Gespräch auf der sicheren Sachebene. Sobald jemand auch nur den Anschein erweckt, dass er (bzw. sie) Dir näher kommen könnte, blockst Du. Warum? Hast Du so wenig Selbstkontrolle (oder so große Dämonen), dass Du fürchtest, dass beim ersten Kratzen an der Oberfläche alles hervorbrechen würde?

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Nonkonformist » Montag 25. Juni 2018, 07:04

Tania hat geschrieben:
Montag 25. Juni 2018, 06:52
Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:07
...eine Liebesbeziehung erfordert aber meiner Meinung nach die Öffnung des Innersten.
Jein. Man kann hervorragend eine Liebesbeziehung führen, ohne dass der Partner/die Partnerin je einen Blick auf besagtes Innerste wirft. Nur muss man es dafür eben gut verbergen.
Vielleicht kannst du das.
Fuer mich waere so was undenkbar.
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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von indila » Montag 25. Juni 2018, 08:03

Kann dein Verhalten gut verstehen. Ich kenne dieses 'Niemanden an sich heranlassen' aus Angst vor der eigenen Verletzlichkeit und dem tief verankertem Gefühl, irgendwie nicht 'richtig' zu sein. Dass du dich dann schwer auf tiefergehende Gespräche einlassen kannst, liegt auch nahe, ging mir in der Schulzeit auch ähnlich teilweise.

Was mir persönlich geholfen hat dabei, das zu erkennen und Schritt für Schritt zu ändern (ganz bin ich da aber immer noch nicht durch), war meine Therapeutin, zu der ich wegen schwerer Depressionen musste. Und allgemein mich mit meinen Gefühlen auseinander zu setzen und Themen, die zu dem Verhalten geführt haben (in meinem Fall u.a. Mobbing Erfahrung).
Was es an alternativen Möglichkeiten ohne Therapie gibt weiß ich nicht, spontan fällt mir nur sowas wie Meditation ein, um besser mit sich und den eigenen Gefühlen in Kontakt zu kommen und allgemein Selbstbeobachtung in verschiedenen Situationen, wie du es ja auch schon gemacht hast.

Aber super schonmal, dass die Erkenntnis soweit da ist, der Rest kommt dann bestimmt Bauch Schritt für Schritt :vielglueck:

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Tania » Montag 25. Juni 2018, 08:29

Nonkonformist hat geschrieben:
Montag 25. Juni 2018, 07:04
Tania hat geschrieben:
Montag 25. Juni 2018, 06:52
Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:07
...eine Liebesbeziehung erfordert aber meiner Meinung nach die Öffnung des Innersten.
Jein. Man kann hervorragend eine Liebesbeziehung führen, ohne dass der Partner/die Partnerin je einen Blick auf besagtes Innerste wirft. Nur muss man es dafür eben gut verbergen.
Vielleicht kannst du das.
Fuer mich waere so was undenkbar.
Ohne emotionale naehe und vertrauen keine koerperliche naehe.
Mal davon abgesehen, dass das Thema "Liebesbeziehung" war, und nicht "körperliche Nähe" .... Soweit ich Deine bisherigen Posts verstanden habe, kannst Du auch keine echte emotionale Nähe aufbauen. Sobald Du innerlich den Wunsch verspürst, einer Frau emotional wirklich nahe zu kommen, erstarrst Du. Und wenn Du schon beim für Dich ersten Schritt blockst, macht es recht wenig Sinn, über den zweiten nachzudenken.

Aber da Du schon das Thema "körperliche Nähe" aufgebracht hast: ja, ich kann jemanden erst einmal körperlich nahe kommen, ohne ihm emotional gleichermaßen nahe zu sein. Ich kann auch jemandem emotional nahe kommen, ohne ihm gleichermaßen körperlich nahe zu sein.

Allerdings gehören für mich emotionale und körperliche Nähe zusammen. Sie fördern einander gegenseitig und können sich auch nur parallel weiter entwickeln. Wird eins von beiden zu intensiv, ohne dass das andere sich gleichermaßen entwickeln kann, entsteht ein Ungleichgewicht, das für mich irgendwann so unerträglich wird, dass ich mich auf der anderen Seite ebenfalls zurückziehe. Das oben beschriebene "eins ohne das andere" ist also immer nur ein zeitlich befristetes Zwischenstadium. Beide Aspekte entwickeln sich selten exakt parallel - mal geht das Emotionale einen Schritt voraus, und mal das Körperliche. Kein Problem, solange beides trotzdem miteinander Schritt hält. Die Differenz darf nur nicht zu groß werden - und irgendwann, nach paar Monaten oder Jahren, sollte eine Ebene erreicht werden, auf der sowohl körperliche als auch emotionale Nähe in ausreichender Intensität vorhanden sind.

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von kreisel » Montag 25. Juni 2018, 09:46

Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:38
Ich war früher offener, aber nie dem anderen Geschlecht gegenüber und frage mich natürlich, ob die Ursachen angeboren, oder zumindest weit in die Kindheit zurückreichen.
Dieser Aspekt kam mir jetzt dazu auch noch in den Sinn, war es mal anders, und was hat die Änderung gebracht?
Doch das scheinst du dich ja auch zu fragen.
Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:38
Ich war früher offener, aber nie dem anderen Geschlecht gegenüber und frage mich natürlich, ob die Ursachen angeboren, oder zumindest weit in die Kindheit zurückreichen. Gemobbt wurde ich nämlich glücklicherweise nie, war auch nie sonderlich unbeliebt etc.. Aber was ich schon immer war, ist nachdenklicher und zurückhaltender zu sein als andere, wenig Selbstvertrauen etc...
könnte in Richtung Introversion gehen oder hast du schonmal in Richtung Asperger bei dir geforscht?
Muss aber auch nicht immer alles einen Stempel haben, denke ich, höchstens damit man sich selbst
etwas besser verstehen kann.

Und es muss noch nichtmals äußere Faktoren haben wie erlebtes Trauma bei Eltern oder später.
Ich denke so gewisse Züge der Persönlichkeit wie aggressive oder weniger aggressive Neigung, Introversion
oder Extroversion, schnellere Irritierbarkeit (weniger Selbstvertrauen), die könnten auch zu einem dazugehören.
(quasi mitgeliefert vom Klapperstorch :mrgreen: sorry, aber ich stellte mir gerade vor, Olaf Schubert würde das referieren, und da gehört so ne Bemerkung einfach dazu )
Tania hat geschrieben:
Montag 25. Juni 2018, 06:52
Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:07
...eine Liebesbeziehung erfordert aber meiner Meinung nach die Öffnung des Innersten.
Jein. Man kann hervorragend eine Liebesbeziehung führen, ohne dass der Partner/die Partnerin je einen Blick auf besagtes Innerste wirft. Nur muss man es dafür eben gut verbergen. Und genau das will man nicht immer.
.....
Niemand erwartet von Dir mit beim ersten Gespräch oder nach 3-4 Dates die Öffnung Deiner ganzen Seele. Genaugenommen wäre das sogar etwas zu viel.
....
Vertrauen und "sich einander anvertrauen" wachsen schrittweise. Und schaffen so immer mehr Nähe. Du selbst entscheidest, wann und mit wem Du welchen Schritt wagst.
Diese Dinge sehe ich auch so.

Zum einen, dass das Modell "sich innerlich offenbaren", nicht das einzige Modell ist, wie Partnerschaft geht,
in anderen Generationen kam das es, glaub ich, so gut wie gar nicht vor, in der heutigen stellenweise, da mehr
Selbstbewusstsein da ist und das Bild für Beziehung und Partnerschaft sich gewandelt hat. Es mag sein, dass manche mehr erwarten und manche weniger. Da muss man gucken, dass man das passende "Modell" findet, wäre Zufall wenn es das erst beste wäre oder jeder/ jede beliebige.

Zum anderen finde ich die Erwartung, bei nem fremden Menschen von jetzt auf gleich vollste Transparenz und Nähe zu erfahren, direkt zu Vertrauen, sehr hoch an sich selbst.
Ich denke, das geht schrittweise; sich da selbst so zu pushen könnte auch heißen, sich selbst zu sehr
zu offenbaren und der andere ist überfordert.

Ich denke dass viele andere, die flirten und sich verbinden, da nicht so ganz mit ihrem innersten
kommunizieren, sondern so ein Rollenbalzverhalten einhalten (Dieses Nähe-Distanz- Spiel).
Und das innerste schimmert hier und da mal durch oder kann auch wachsen und mehr werden.

@Sittenhaft: wäre es DIR denn wichtig, dass du dich offenbaren kannst, oder könntest du auch damit leben, es nicht zu tun,wenn dein Gegenüber es so akzeptiert?

Stabil
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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Stabil » Montag 25. Juni 2018, 10:05

Hallo,

du schreibst recht reflektiert und gut nachvollziehbar. Du scheinst auf einem guten Weg zu sein.
Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:07
... dann blockt irgendwas in mir ab. Freundschaften lassen sich so schon kaum pflegen (im Prinzip zehre ich hier schon arg aus dem Vergangenen, als mein Verstand noch nicht die Oberhand besaß; neue Freunde kommen im Prinzip nicht mehr dazu), eine Liebesbeziehung erfordert aber meiner Meinung nach die Öffnung des Innersten.
Ja.
Ohne dieses sich berühren Lassen, kannst du nur Verliebtheit oder eine Sexbeziehung erleben. Berührt sein führt erst neben Anderem zur Liebe. Dazu weiter unten mehr.

Berührt Sein und Liebe sind aber individuell sehr unterschiedlich geformt. Jeder kann sein Lieben und sein berührt Sein entdecken. Da können wir nicht "nach fremden Plänen nach basteln". Darum wird auch eine Forums Diskussion von begrenztem Nutzen sein. Diskussionen können Anstösse liefern, aber das Umsetzen ist wieder eine sehr individuelle Angelegenheit.

Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:29
Ich kam dabei zu dem Schluss, dass das Problem darauf zurückzuführen sein muss, dass ich tierische Angst davor habe mich mental "berühren" zu lassen. Ich habe noch nie einen Menschen an mich heran gelassen. Das hat mir und bereitet mir, eine heiden Angst, weil es neben anderer vieler kleiner Baustellen eine für mich unüberwindliche Hürde darstellt.
Kennt das jemand ... ?
Ja, mit dem mich berühren lassen hatte ich lange Zeit so meine Probleme. Ich traute mich nicht an mögliche Partnerinnen heran zu treten. Fühlte mich dem Zufall und den Frauen ausgeliefert. Und ich erlebte katastrophale Beziehungen.

Ähnlich wie in deiner Beschreibung, bestand das Problem bei mir nicht nur Frauen gegenüber, sondern auch bei allgemeinen sozialen Kontakten.

Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:29
... wie man so etwas begegnen kann?
Nach meiner Erfahrung kann man das nur auf mehreren Ebenen zugleich angehen. Wenn man das allein auf einer Ebene angeht, halten einen die anderen Ebenen zurück, oder machen die erreichten Fortschritte wieder rückgängig. Die erforderlichen Ebenen waren für mich Erfahrung, Reflexion und professionelle therapeutische Hilfe. Unabdingbar ist ein Vorgehen in kleinen und kleinsten Schritten. Bekanntlich lernt man das Schwimmen am besten im knietiefen Wasser.

Erfahrung.
Damit meine ich das, was du beschrieben hast: Sich fortlaufend sozialen Situationen in einem erträglichen Mass aussetzen. Da spürst du, wo du stehst und du kannst bemerken, was sich bewegt.

Reflexion.
Ziele definieren, für dein Leben, für bestimmte Aspekte und Situationen, für Lernabschnitte.
Immer wieder zurück treten, aus der Situation rauszoomen, sich aus sicherer Distanz ansehen, was passiert. Nächste Schritte definieren und wieder sein Leben angehen.

Therapie.
Wenn das Sammeln von Erfahrung und das Reflektieren dich nicht weiter bringen, braucht es etwas Zusätzliches.
Eine systemische Psychotherapie ist nach meiner Erfahrung eine sehr wirksame Unterstützung und Begleitung. Da konnte ich aufhören, mich immer wieder im Kreis zu drehen und nach vermeintlichen Änderungen wieder an den gleichen Punkt zu gelangen. Da kann man Hinweise, Ideen und vollkommen neue Perspektiven bekommen, die man allein nicht entdeckt. Therapie hilft einem, die eigene Reflexion konsequent zielgerichtet auf der Spur zu behalten. Die Ziele gibst dabei du selbst vor und du kannst sie fortlaufend mit entwickeln.

Du hast davon geschrieben, dass du dich im Verlauf deines Lebens immer mehr verschliesst. Das ist eine wichtige Selbsterkenntnis. Und für mich ist das der Grund, dir das Aufsuchen einer therapeutischen Unterstützung zu empfehlen.

Nochmals zum Inhalt: Sich berühren lassen.
Es geht nicht um eine Alternative zwischen dem berührt Sein und und verschlossen Sein. Es geht darum, dass man immer mehr den unendlich fein abgestuften Übergang dazwischen entdeckt und dass mann dann lernt, zu dosieren. In unserem Leben brauchen wir die Fähigkeit, uns ganz zu verschliessen. Das ist ein wichtiger Schutz. Wir brauchen die die Fähigkeit uns in vielen Aspekten emotional zu öffnen. Experimentiere damit, es noch langsamer zu machen. Experimentiere damit, dich nur einen Schritt weit zu öffnen, und wieder einen halben Schritt zu verschliessen. Lerne, dich behutsam, sozusagen ruckfrei auf und zu zu bewegen. Sei achtsam. Oft bekommt man wichtige Hinweise aus seinem Inneren darüber, was man braucht und was einem gut tun kann.

Schreib doch mal konkret, was du dir so für die nächste Zukunft vor genommen hast, was Sozialkontakte und Kontakte zu Mädchen und Frauen betrifft.
* Am meisten schmerzt das Gute, das wir zwar erlebt haben, aber in uns nicht angekommen ist *

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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Pferdefreundin » Montag 25. Juni 2018, 12:04

Sittenhaft hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 22:38
Pferdefreundin hat geschrieben:
Sonntag 24. Juni 2018, 20:43
Das mit der Angst kenne ich nur zu gut. Hat damit zu tun, dass ich aufgrund von Mobbing und einer Verarschung durch nen Typen jede Annäherung als Angriff bzw falsche Absicht deuten würde (im Gegensatz zu dir bin ich optisch benachteiligt).

Ich kann es auch nicht ab, wenn man mir zu schnell zu nahe kommt und zu aufdringlich wird, da ist es auch egal, ob der Typ mein Fall wäre oder nicht, Aufdringlichkeit empfinde ich als unangenehme "Bedrohung", dann mache ich dicht und bin verschreckt. Und diesen Eindruck kann man nur ganz schlecht und vor allem nur langsam revidieren (wobei ich bei dem Typen hätte auf mein ungutes Gefühl hätte hören sollen).

Diese mentale Schutzmauer beißt sich mit meiner Sehnsucht nach Nähe und Liebe, gewinnt aber trotzdem immer die Oberhand, da die Angst und negative Erfahrungen zu sehr in mein Herz und Hirn gebrannt sind.
War dies bei Dir schon immer so, oder kannst du diese Angst vor Annäherung 100%ig kausal auf Mobbing und die Erfahrung mit diesem Typen zurückführen? Ich war früher offener, aber nie dem anderen Geschlecht gegenüber und frage mich natürlich, ob die Ursachen angeboren, oder zumindest weit in die Kindheit zurückreichen. Gemobbt wurde ich nämlich glücklicherweise nie, war auch nie sonderlich unbeliebt etc.. Aber was ich schon immer war, ist nachdenklicher und zurückhaltender zu sein als andere, wenig Selbstvertrauen etc...

Aussehen ist übrigens subjektiv. Es liegt meiner Meinung nach zu 99% nicht unmittelbar am Aussehen selbst, sondern daran, was die damit möglicherweise verbundenen verletzenden Erfahrungen mit einem machen... Wenn man sich die Pärchen so anschaut, dann wird einem schnell klar, dass es daran allein nicht liegen kann.
Das fing bei mir in der Zeit des Mobbings an, der Typ hat das ganze noch schlimmer gemacht. In der Grundschule war ich beliebt, hab mit Männlein und Weiblein abgehangen und gespielt, alles ohne Probleme und kein Thema. Ab der 5. Klasse kam ich dann mit niemandem mehr zurecht, wurde gemobbt (weil ich Pferde mag und etwas stiller war als die anderen), erst 2 Klassen, dann ab der 8. Klasse sind 4 Klassen auf mich los (da unsere Klassen auf ein anderes Gymnasium mussten). Sowohl Jungs, als auch Weiber haben sich auf mich gestürzt (darunter auch eine, die selber geritten ist), wobei die Kerle aber in der Mehrheit waren.

Joa und der Typ hat mir dann in der Zeit von 2012-2013 dann den Rest gegeben...
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Re: Sich "berühren" lassen

Beitrag von Nonkonformist » Montag 25. Juni 2018, 13:14

Tania hat geschrieben:
Montag 25. Juni 2018, 08:29
Nonkonformist hat geschrieben:
Montag 25. Juni 2018, 07:04
Tania hat geschrieben:
Montag 25. Juni 2018, 06:52

Jein. Man kann hervorragend eine Liebesbeziehung führen, ohne dass der Partner/die Partnerin je einen Blick auf besagtes Innerste wirft. Nur muss man es dafür eben gut verbergen.
Vielleicht kannst du das.
Fuer mich waere so was undenkbar.
Ohne emotionale naehe und vertrauen keine koerperliche naehe.
Mal davon abgesehen, dass das Thema "Liebesbeziehung" war, und nicht "körperliche Nähe" .... Soweit ich Deine bisherigen Posts verstanden habe, kannst Du auch keine echte emotionale Nähe aufbauen. Sobald Du innerlich den Wunsch verspürst, einer Frau emotional wirklich nahe zu kommen, erstarrst Du. Und wenn Du schon beim für Dich ersten Schritt blockst, macht es recht wenig Sinn, über den zweiten nachzudenken.
Jein, ich komme meine OdBs beim verlieben schon emotional naeher, zumindestens auf platonisch-empatische ebene.
Ich fiebere ziemlich mit sie mit und empfinde viel mehr empathie als fuer nicht-OdBs. Manche verstehe ich fast ohne worte, da sind nur kleine gesten ausreichend zum kommunizieren.
Nur bei schritte die zu einen, was die PU-ler eskalation nennen, fuehren koennten, gibt es bei mir eine selbstsabotage.
Und ich schaetze, fuer das entstehen einer beziehung braucht man am ende beides, geistig/empatisch/emotionale naehe und koerperliche naehe. Alles andere ist nur platonisch und freundschaft.
Tania hat geschrieben:
Montag 25. Juni 2018, 08:29
Aber da Du schon das Thema "körperliche Nähe" aufgebracht hast: ja, ich kann jemanden erst einmal körperlich nahe kommen, ohne ihm emotional gleichermaßen nahe zu sein. Ich kann auch jemandem emotional nahe kommen, ohne ihm gleichermaßen körperlich nahe zu sein.
Da sind wir verschieden: bei mir geht immer die emotionale naehe dier wuensch nach koerperliche naehe voraus. Und verlieben kann ich mich auch ohne beruehrungen.
Tania hat geschrieben:
Montag 25. Juni 2018, 08:29
Allerdings gehören für mich emotionale und körperliche Nähe zusammen. Sie fördern einander gegenseitig und können sich auch nur parallel weiter entwickeln. Wird eins von beiden zu intensiv, ohne dass das andere sich gleichermaßen entwickeln kann, entsteht ein Ungleichgewicht, das für mich irgendwann so unerträglich wird, dass ich mich auf der anderen Seite ebenfalls zurückziehe. Das oben beschriebene "eins ohne das andere" ist also immer nur ein zeitlich befristetes Zwischenstadium. Beide Aspekte entwickeln sich selten exakt parallel - mal geht das Emotionale einen Schritt voraus, und mal das Körperliche. Kein Problem, solange beides trotzdem miteinander Schritt hält. Die Differenz darf nur nicht zu groß werden - und irgendwann, nach paar Monaten oder Jahren, sollte eine Ebene erreicht werden, auf der sowohl körperliche als auch emotionale Nähe in ausreichender Intensität vorhanden sind.
Wie gesagt, verlieben ist bei mir ein rein emotionaler prozess, beruehrungen sid bei mir dazu nicht zwingend notwendig, und eine grosse beruehrungswuensch habe ich auch erst nach den verlieben. Ich glaube, das ist ein haupteigenschaft der demi-sexuellen.

Um die kopf-herz-bauch analogie zu verwenden:

Bauch denkt: sehr attraktiv; schon noch ausreichend attraktiv fuer sex; meh, muess nicht sein oder nie im leben.
Und bleibt dabei passiv, nichts reicht aus fuer aktive schritte, und auch die allerhuebschesten sind am naechsten ampel wieder vergessen.
Bei mir hat der bauch beim verlieben eher eine unterstuetzende rolle, er treibt den prozess nicht voran.

Das herz verliebt sich ueber zeit, wann sich bei mir eine starke empatische band entwickelt. An sich ist das ein ziemlich platonisches prozess: wann gleichzeitig mein bauch diese person als sexuelll attraktiv empfindet, koennen mehr als freundschaftliche gefuehle entstehen. Aber im grunde waren alle meiner verliebtheiten eine art freundschaft+ (im sinne von: freundschaft mit eine zusaetsliche sexuelle interesse.). Bei die meisten meiner verleibtheiten waren meine OdBs am anfang volkommen neutrale frauen, und gab es anfangs keine anzeigen das ich mich spaeter in denen verlieben wuerde. In diese anfangszeit habe ich auch keine grosse beruehrungswuensche. Aber wie denn auch, das herz, das emotionale teil, ist bei mir der entscheidenste faktor beim verlieben.

Mein kopf ist am verlieben so gut wie gar nicht beteiligt und schaut nur ob der person auch objektiv passen wuerde, nachdem ich mich verliebt habe. Bei zu grosse unterschiede, so wie nicht kompatible lebensziele oder wertvorstellungen, gibt er sein veto.

Das teil das mich sabotiert ist nicht rational und habe ich immer noch nicht endgueltig identifizieren koennen.
Es ist wahrscheinlich eine kombination aus eine angst fuer sehr grosse emotionale naehe, eine art verlassensangst, und angst fuer freiheitsverlust.
I Yam What I Yam & Dats What I Yam - (Popeye the Sailorman.)

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