Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von BartS » Mittwoch 21. November 2018, 15:03

Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 13:54
Ich glaube, wir sprechen hier von unterschiedlichen Formen Verbundenheit. Ja, ich habe Freunde, einen großen sozialen Kreis, Menschen mögen mich. Das ist sicherlich mehr als viele andere hier haben. Aber um eine Intimbeziehung führen zu können, braucht es noch einer anderen Form von Bindungsqualität und -fähigkeit. Einige meiner Freundschaften bestehen seit 30 Jahren, wir sehen uns regelmäßig, es macht auch Spaß die Leute zu sehen - aber keine meiner Freundschaften sind wirklich tiefgehend, sogar meine beste Freundin kennt meine depressive, einsame Seite nicht. Freunde fassen mich nicht an, sie wohnen nicht in meinem Haushalt mit, ich habe keinen Sex mit ihnen, ich erwarte nicht, dass sie in jeder Lebenslage zur mir stehen, mir bei allem helfen, sich zu mir bekennen, dass sie mich emotional berühren und verletzbar machen etc.
Die Frage wäre (ohne Dir dabei zu nahe zu treten), ob man in der Lage ist, tiefgehende Freundschaften zu erhalten. Qualität vor Quantität. Selbst wenn man den Sex weglässt kann es Freundschaften geben, wo man sich umarmt, streichelt, von seiner seelischen Dunkelheit ablenkt, gemeinsam ein Zimmer oder Küche einrichtet usw.
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 13:54
Ich kenne sogar Menschen, die verheiratet sind, ohne eine Bindung/Verbundenheit zu ihre*r Partner*in zu haben. Viele Bindungsgestörte suchen sich unbewusst distanzierte, autonome Menschen, der ihnen nicht allzu sehr auf die Pelle rückt.
Das kommt vermutlich recht häufig vor.
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 13:54
Und bei vielen ABs/MAbinen beobachte ich, dass Beziehungsfähigkeit zwar vorhanden ist, es aber eben an der Bindungsfähigkeit mangelt.
Okay, ich gebe zu, dass ich diese Begriffe bisher nicht getrennt betrachtet habe.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Bummi » Mittwoch 21. November 2018, 15:06

Volta hat geschrieben:
Samstag 17. November 2018, 15:05


Und besteht dann nicht die Gefahr, dass man sich selbst nicht verbessert und so nie attraktiv für andere wird, weil man sich ja schon so liebt wie man ist?
Ich glaube, dass die Selbstliebe so viel Ausstrahlung verleiht, dass man nur noch wenig bis gar nichts an der "Hardware" verändern muss, um attraktiv und interessant für andere zu werden.

Setz dich doch mal in ein Straßencafe eines ganz normalen Stadtteils und schau dir die vorübergehenden Paare an.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Stabil » Mittwoch 21. November 2018, 15:27

Volta hat geschrieben:
Samstag 17. November 2018, 15:05
Und besteht dann nicht die Gefahr, dass man sich selbst nicht verbessert und so nie attraktiv für andere wird, weil man sich ja schon so liebt wie man ist?
Den Eindruck habe ich nicht. Aber du hast recht, es verändert sich etwas. Wenn man sich selbst liebt, macht man die "Selbstverbesserung" aus einem anderen Grund. Man wir wahrscheinlich auch die "Selbstverbesserung" anders gestalten.

Wenn man sich selbst liebt, macht man die Selbstverbesserung für sich und nicht für die anderen. Das scheint mir die verlässlichere Motivation zu sein.
Auch wenn ich meine Attraktivität verbessere, dann mache ich das für mich. Dabei kann ich mit Hilfe der Selbstliebe Win Win Aufgaben finden. Ich vertiefe etwas, was mir selbst gut tut und gleichzeitig meine Attraktivität erhöht. Da kommt dann die Motivation gleich aus zwei Bereichen.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Strange Lady » Mittwoch 21. November 2018, 15:30

BartS hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 14:54
@Strange Lady, Du sprachst zuerst allgemein von Menschen, die versuchen Selbstliebe zu praktizieren. Aber im Grunde meinst Du die, die an Depressionen und Burn-Out leiden. Ich wäre deshalb vorsichtig, daraus Rückschlüsse zu ziehen, ob Methoden der Selbstliebe wirkungsvoll sind, weil wir nicht wissen, welche negativen Einflüsse parallel noch vorhanden sind. Ich sehe das nicht viel anders wie zu Fragen wie schwer ist es, sportlicher, ordentlicher, disziplinierter, gesünder zu werden. Das ist ohne Frage schwer. Die erste Illusion, die man dabei zerstören muss ist, dass es eben nicht so leicht ist, wie es bei anderen aussieht. Nimm nur mal das Beispiel Tanzen. Wenn man Sportpaare der S-Klasse beobachtet, dann sieht das bei denen so leicht, dynamisch und elegant aus. Was die Zuschauer nicht sehen ist, dass dahinter über Zehntausende Stunden Training dahinterstecken. Wirklich frustrierend wäre es für Außenstehende, wenn das reine Naturtalente wären, die das nach einem Wochenende üben so toll hinkriegen würden. Der Punkt ist aber, die Lernkurve fängst schon nach einigen hunderten Stunden nach oben zu gehen. Die Frage ist, ob man die Ausdauer und den Willen dazu hat, die Durststrecken durchzustehen.
Genau genommen sprach ich über Menschen mit früher Bindungsstörung. Chronische Depressionen oder Borderline sind nur mögliche Folgesymptome davon.
Ich wage mal zu behaupten, dass strukturelle Persönlichkeitsstörungen nicht auf dem gleichen Level wie Nichtanzenkönnen oder Unsportlichsein anzusiedeln sind, will sagen: es geht dabei nicht darum, eine neue gute Gewohnheit anzueignen oder eine schlechte Angewohnheit abzutrainieren. Nein, es geht im Grunde um einen Neustrukturierung des gesamten Psychohaushalts und das Erlernen fundamentaler Ich-Funktionen (Abgrenzung, Selbst- und Affektsteuerung, Kommunikation etc), die fehlen oder dezitär ausgebildet sind.

Hier auf dieser Seite gibt es eine Tabelle, die die zentralen Ich-Funktionen (aufgeteilt in drei Bereiche: A. Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung
B. Realistische Wahrnehmung anderer C. Bindungen D. Kommunikation ) auflisten. Sehr spannend auch für unsere hiesige Diskussion:
http://struktur-psychotherapie.blogspot ... ungen.html

Bei Menschen mit struktureller Persönlichkeitsstörung (und dazu zähle ich schmog und auch einige andere hier) macht es keinen Sinn über isolierte Kompetenzen wie Selbstliebe zu sprechen. Das ist nur ein kleiner Mini-Teil der dysfunktionalen Gesamt-Psychodynamik.

Eigentlich wollte ich nicht so tief in die Materie gehen, weil das Ganze nicht mehr lösungsorientiert ist.
Lange Rede, kurzer Sinn: Tanzenlernen ist nicht gleichzusetzen mit Selbstliebe erlernen.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Strange Lady » Mittwoch 21. November 2018, 15:33

Stabil hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:27
Volta hat geschrieben:
Samstag 17. November 2018, 15:05
Und besteht dann nicht die Gefahr, dass man sich selbst nicht verbessert und so nie attraktiv für andere wird, weil man sich ja schon so liebt wie man ist?
Den Eindruck habe ich nicht. Aber du hast recht, es verändert sich etwas. Wenn man sich selbst liebt, macht man die "Selbstverbesserung" aus einem anderen Grund. Man wir wahrscheinlich auch die "Selbstverbesserung" anders gestalten.

Wenn man sich selbst liebt, macht man die Selbstverbesserung für sich und nicht für die anderen. Das scheint mir die verlässlichere Motivation zu sein.
Auch wenn ich meine Attraktivität verbessere, dann mache ich das für mich. Dabei kann ich mit Hilfe der Selbstliebe Win Win Aufgaben finden. Ich vertiefe etwas, was mir selbst gut tut und gleichzeitig meine Attraktivität erhöht. Da kommt dann die Motivation gleich aus zwei Bereichen.
In dem Moment wo dir das erste win reicht (ich liebe mich), wird dir das zweite win (andere lieben mich) unwichtig. D.h. es ist dann nicht mehr so tragisch, wenn man/frau keinen Partner findet ... Es gibt eine Menge solcher Menschen: sie sind total zufrieden mit sich selbst und haben auch keinen Partner. Die sind aber nicht in diesem Forum.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Strange Lady » Mittwoch 21. November 2018, 15:39

BartS hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:03
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 13:54
Ich glaube, wir sprechen hier von unterschiedlichen Formen Verbundenheit. Ja, ich habe Freunde, einen großen sozialen Kreis, Menschen mögen mich. Das ist sicherlich mehr als viele andere hier haben. Aber um eine Intimbeziehung führen zu können, braucht es noch einer anderen Form von Bindungsqualität und -fähigkeit. Einige meiner Freundschaften bestehen seit 30 Jahren, wir sehen uns regelmäßig, es macht auch Spaß die Leute zu sehen - aber keine meiner Freundschaften sind wirklich tiefgehend, sogar meine beste Freundin kennt meine depressive, einsame Seite nicht. Freunde fassen mich nicht an, sie wohnen nicht in meinem Haushalt mit, ich habe keinen Sex mit ihnen, ich erwarte nicht, dass sie in jeder Lebenslage zur mir stehen, mir bei allem helfen, sich zu mir bekennen, dass sie mich emotional berühren und verletzbar machen etc.
Die Frage wäre (ohne Dir dabei zu nahe zu treten), ob man in der Lage ist, tiefgehende Freundschaften zu erhalten. Qualität vor Quantität. Selbst wenn man den Sex weglässt kann es Freundschaften geben, wo man sich umarmt, streichelt, von seiner seelischen Dunkelheit ablenkt, gemeinsam ein Zimmer oder Küche einrichtet usw.
Das gibt es sicherlich. Viele Menschen brauchen auch nicht mehr. Gerade auch bei Frauen gibt es das oft, dass Kinder oder Freundinnen vollkommen ausreichen.

Mich würde aber interessieren, ob diese Menschen auch die Zielgruppe dieses Forums ist. Gibt es solche Menschen hier? Und wenn ja: sind sie wirklich glücklich oder leider sie trotzdem auch unter ihrer Partnerlosigkeit?
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Bummi » Mittwoch 21. November 2018, 15:46

Lilia hat geschrieben:
Dienstag 20. November 2018, 07:06
Strange Lady hat geschrieben:
Montag 19. November 2018, 15:57
Der Unterschied zwischen NOrmalos und Abs ist oftmals nur, dass erstere die hohe Kunst der Herstellung von VErbundenheit beherrschen.
Das würde ich so nicht unterschreiben. Es gibt sehr viele ABs, die Verbundenheit herstellen können. Das erkennt man u.a. daran, dass sie langjährige Freundschaften pflegen oder gut in der Familie eingebunden sind, im Vergleich zu mir sogar mehr und besser als ich. Mein Partner hat noch sehr enge Freundschaften aus der Schulzeit und innerhalb der Familie sehr enge Bindungen. Vielleicht macht ihn das zu einem liebevollen Menschen, es hat ihn aber nicht davor bewahrt, AB zu werden.
Auch andere ABs können sehr schnell sehr gut Verbundenheit herstellen, ich denke dabei spontan an Optimistin, Kathy, TheRealDeal, Antonia und so manch andere. Du doch auch.
Mag sein, dass es ein Grund bei manchen sein kann, ein Faktor unter vielen, aber es erklärt nicht, warum der überwiegende Teil, der dies aus meiner Sicht beherrscht, dennoch AB ist.
Strange Lady hat geschrieben:
Montag 19. November 2018, 15:57
Hatte man eine absente oder depressive Mutter, die die BEdürfnisse des Kindes nicht erkennt, diese nicht auffängt und versorgt, das Kind nicht zu spielgen in der Lage ist, wird das später im Leben schwierig.
Die SElbstliebe ist im Grunde nichts anderes als die verinnerlichte elterliche Liebeschablone, mit der man/frau als ERwachsene dann hinausgeht in die Welt. Wenn genau diese Blaupause fehlt, wird Beziehungsfindung später extrem schwierig.
Na ja, ich bin ebenfalls nicht bei der Mutter aufgewachsen und in meinem 1. Lebensjahr gab es wohl ein ziemliches Hin und Her, bis ich mal dort war, wo ich als Kind aufgewachsen bin und ich hatte - so wurde mir hier jedenfalls bescheinigt - eine "normale Beziehungsbiographie". Ein Widerspruch in sich, oder? ;)
Ich hab da meine Zweifel dran. Es wird ja auch nicht jeder, der eine gewaltätige Kindheit hatte, später zum Straftäter. Es gibt da gewisse Faktoren, die einen Lebensweg begünstigen, aber ich denke, dass man auch sehr viel tun kann, um negativ beeinflussende Faktoren abzuschwächen. Gerade wenn man sich dessen bewusst ist, dass diese Faktoren Auswirkungen haben können. Es gibt also keinen Grund, hier zu sagen, dass der eigene Lebensweg gar nicht anders verlaufen kann und dass man nie eine Chance haben wird. Aber das machen hier manche.

Ich finde es jedenfalls kontraproduktiv, aufzustecken und zu sagen: "Aus x folgt x, mein Lebensweg kann/ konnte daher gar nicht anders verlaufen."
Nun, ich denke ähnlich wie Lilia.

Hat man zb in den ersten Lebensjahren lange Zeit im Krankenhaus verbracht, in der man kaum Besuch empfangen durfte.
So könnte man sich irgendwann eine Zeit lang jeden Tag selbst in diesem Krankenhaus besuchen, notfalls mit Begleitung. Sich jedes Mal selbst etwas Schönes mitbringen, Zeit und Trost spenden.
Es ist in manchen Fällen vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ist immerhin ein Anfang.

Und das hier finde noch sehr schön:
https://www.youtube.com/watch?v=u6vqFXDKjcE
Zuletzt geändert von Bummi am Mittwoch 21. November 2018, 16:02, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von BartS » Mittwoch 21. November 2018, 15:50

Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:30
Ich wage mal zu behaupten, dass strukturelle Persönlichkeitsstörungen nicht auf dem gleichen Level wie Nichtanzenkönnen oder Unsportlichsein anzusiedeln sind, will sagen: es geht dabei nicht darum, eine neue gute Gewohnheit anzueignen oder eine schlechte Angewohnheit abzutrainieren. Nein, es geht im Grunde um einen Neustrukturierung des gesamten Psychohaushalts und das Erlernen fundamentaler Ich-Funktionen (Abgrenzung, Selbst- und Affektsteuerung, Kommunikation etc), die fehlen oder dezitär ausgebildet sind.
Wer sagt denn, dass beispielsweise Unsportlichsein nicht genauso auf der bisherigen Struktur des eigenen Ichs, des inneren Wertesystems und fehlenden Funktionen beruhen? Eigentlich ist das sogar der Klassiker, jedes Mal zum Jahreswechsel nimmt man sich vor, sportlicher zu werden. Und vielleicht schafft man es sogar bei Kälte im Januar die Laufschuhe zu schnüren und Kilometer zu machen. Aber dann nur noch sporadisch bis gar nicht mehr und im nächsten Jahr nimmt man es sich wieder vor. Mit anderen Worten, mit dem Ergreifen einer neuen guten Gewohnheit ist es nicht getan, weil sie eben nicht zur Gewohnheit wird. Ich glaube die allerwenigsten schaffen es im ersten Anlauf, eine sportliche Tätigkeit zur Routine werden zu lassen. Da braucht es viele Anläufe und Änderungen im Kopf (ganz allgemein gesprochen). Von daher würde ich diese Probleme nicht so weit von den anderen genannten persönlichen Problemen stellen.
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:30
Bei Menschen mit struktureller Persönlichkeitsstörung (und dazu zähle ich schmog und auch einige andere hier) macht es keinen Sinn über isolierte Kompetenzen wie Selbstliebe zu sprechen. Das ist nur ein kleiner Mini-Teil der dysfunktionalen Gesamt-Psychodynamik.
Da stimme ich Dir zu, es ist ein Baustein.
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:30
Lange Rede, kurzer Sinn: Tanzenlernen ist nicht gleichzusetzen mit Selbstliebe erlernen.
Na das hätte ich Dir auch vorher sagen können. :D Aber in beiden Fällen ist eine Sache, für die man Zeit, Energie und ein Umdenken benötigt. Oder wie Churchill mal so schön in einer Rede sagte "I have nothing to offer but blood, toil, tears, and sweat". Aber das nicht jemand auf die Idee kommt zu sagen, ich hätte behauptet Churchill hätte sich über das Tanzenlernen oder Selbstliebe in seiner Rede geäußert. :mrgreen:
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von BartS » Mittwoch 21. November 2018, 15:55

Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:39
Das gibt es sicherlich. Viele Menschen brauchen auch nicht mehr. Gerade auch bei Frauen gibt es das oft, dass Kinder oder Freundinnen vollkommen ausreichen.

Mich würde aber interessieren, ob diese Menschen auch die Zielgruppe dieses Forums ist. Gibt es solche Menschen hier? Und wenn ja: sind sie wirklich glücklich oder leider sie trotzdem auch unter ihrer Partnerlosigkeit?
Also ich kenne eine Reihe von Menschen, die beides haben. Sie haben tiefgehende Freundschaften, aber sie wünschen sich auch eine Beziehung. Ich würde mich auch dieser Gruppe zugehörig fühlen. Ich ernte dagegen von einigen Mitmenschen Verwunderung. So nach dem Motto, wenn Du tiefgehende Freundschaften hast oder mit Deinem Leben zufrieden bist, wieso willst Du dann noch eine Beziehung? :roll: Als wenn sich beides ausschließen würde, zufriedener Single sein und sich eine Beziehung wünschen.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Stabil » Mittwoch 21. November 2018, 16:07

Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:33
In dem Moment wo dir das erste win reicht (ich liebe mich), wird dir das zweite win (andere lieben mich) unwichtig.
Das kann durchaus so sein, ich halte den Fall, dass die Liebe von anderen komplett unwichtig wird, für den selteneren.
Was ich bei mir selbst verspürt habe, ist dass die "Tragik" aus dem Thema verschwindet. Insofern gleicht meine Erfahrung deiner Aussage über das "tragische". Der Wunsch, geliebt zu werden (neben dem Wunsch, zu lieben) ist mir aber geblieben und ohne die Tragik konnte ich gelassener und zieführender etwas dafür tun.

Den Fall, dass man sich selbst liebt, sozusagen erfolgreich damit ist und dann noch die Liebe von und zu einer Partnerin oder Partner sucht, für den häufigeren. Kann aber durchaus der Fall sein, dass ich das zu subjektiv sehe. Untersuchungen dazu kenne ich nicht, die würden mich aber sehr interessieren.

Ich sehe die Selbstliebe und die Liebe von anderen (zumindest im Erwachsenenalter) als unmittelbar nicht austauschbar an - weder in der einen noch in der anderen Richtung. Allerdings kann ich gut nachvollziehen, dass es dem einen oder anderen reicht, wenn die schmerzhaftere Wunde mal gut verheilt. Auf lange Sicht sind die beiden Lieben aber sehr förderlich für einander. Selbstliebe kann Liebe wachsen lassen und Liebe kann Selbstliebe wachsen lassen.

Unter guten Bedingungen kann dadurch sogar bei einer schwierigen Ausgangslage in einem sich selbst verstärkenden Prozess viel entstehen, was zunächst unmöglich erschien. Was jetzt diese guten Bedingungen sind, wäre noch viele Überlegungen wert. Ich bin sicher, dass es individuell recht unterschiedliches brauchen kann.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Stabil » Mittwoch 21. November 2018, 16:11

Hi Bummi,

das kenne ich.
Bummi hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:46
So könnte man sich irgendwann eine Zeit lang jeden Tag selbst in diesem Krankenhaus besuchen, notfalls mit Begleitung. Sich jedes Mal selbst etwas Schönes mitbringen, Zeit und Trost spenden.
Ähnliches mache ich mit mir, und es tut mir gut. Ich finde dein Beispiel recht zutreffend und schön beschrieben.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Strange Lady » Mittwoch 21. November 2018, 17:50

BartS hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:55
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:39
Das gibt es sicherlich. Viele Menschen brauchen auch nicht mehr. Gerade auch bei Frauen gibt es das oft, dass Kinder oder Freundinnen vollkommen ausreichen.

Mich würde aber interessieren, ob diese Menschen auch die Zielgruppe dieses Forums ist. Gibt es solche Menschen hier? Und wenn ja: sind sie wirklich glücklich oder leider sie trotzdem auch unter ihrer Partnerlosigkeit?
Also ich kenne eine Reihe von Menschen, die beides haben. Sie haben tiefgehende Freundschaften, aber sie wünschen sich auch eine Beziehung. Ich würde mich auch dieser Gruppe zugehörig fühlen. Ich ernte dagegen von einigen Mitmenschen Verwunderung. So nach dem Motto, wenn Du tiefgehende Freundschaften hast oder mit Deinem Leben zufrieden bist, wieso willst Du dann noch eine Beziehung? :roll: Als wenn sich beides ausschließen würde, zufriedener Single sein und sich eine Beziehung wünschen.
Ist doch ok, sagt keiner was dagegen.
Es zeigt aber auch sehr gut: Selbstliebe führt eben nicht automatisch dazu, dass man auch eine*n Partner*in findet. Man/frau kann voller Selbstliebe sein und dennoch partnerschaftlich auf keinen grünen Zweig kommen. Und andererseits gibt es auch sehr viele, die voller Neurosen sind und dennoch ständig Partner*innen haben. Und davon auch sehr profitieren.
Genau darum ging es doch ursprünglich - dass das eine, das andere nicht notwendiger Weise bedingen muss. Und dass wir auch aufhören sollten, den armen schmoggies dieser Welt immer weitere Selbstliebeoptimierungs-Hausaufgaben zu diktieren, wohlwissend, dass es schwierig wird diesen steinigen Weg allein zu gehen und diese Kraft allein aus sich selbst zu schöpfen. Und dass jeder noch so dysfunktionale Mensch es verdient, auch voller Neurosen und Komplexe geliebt und ein Stückweit durch die Liebe einer anderen Person genährt und aufgefangen zu werden.
Mich kotzt hier einfach nur diese Überheblichkeit derer an, die selbst Beziehungen haben/leben (oftmals auch dysfunktionale etc) und davon profitieren, aber anderen armen Schweinen hier anordnen, sie mögen sich doch bittesehr erstmal allein aus der Scheiße rausziehen, weil so im desolaten Zustand ginge das ja mal gar nicht, man sei maximal unattraktiv, unszumutbar, sei es nicht wert etc.
Nein, es gibt hier Fälle, bei denen man allein eben nicht rauskommt aus dem Loch und wo es durchaus helfen kann, wenn die Liebe eines anderen Menschen der Selbstliebe vorausgeht.

Mehr schreibe ich nicht mehr dazu, weil es wieder in sinnlosen Hickhack ausartet, der nicht mehr zielführend hier ist.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von schmog » Mittwoch 21. November 2018, 18:04

Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50

Ist doch ok, sagt keiner was dagegen.
Es zeigt aber auch sehr gut: Selbstliebe führt eben nicht automatisch dazu, dass man auch eine*n Partner*in findet. Man/frau kann voller Selbstliebe sein und dennoch partnerschaftlich auf keinen grünen Zweig kommen. Und andererseits gibt es auch sehr viele, die voller Neurosen sind und dennoch ständig Partner*innen haben. Und davon auch sehr profitieren.
Genau darum ging es doch ursprünglich - dass das eine, das andere nicht notwendiger Weise bedingen muss.
Und dass wir auch aufhören sollten, den armen schmoggies dieser Welt immer weitere Selbstliebeoptimierungs-Hausaufgaben zu diktieren, wohlwissend, dass es schwierig wird diesen steinigen Weg allein zu gehen und diese Kraft allein aus sich selbst zu schöpfen. Und dass jeder noch so dysfunktionale Mensch es verdient, auch voller Neurosen und Komplexe geliebt und ein Stückweit durch die Liebe einer anderen Person genährt und aufgefangen zu werden.
Mich kotzt hier einfach nur diese Überheblichkeit derer an, die selbst Beziehungen haben/leben (oftmals auch dysfunktionale etc) und davon profitieren, aber anderen armen Schweinen hier anordnen, sie mögen sich doch bittesehr erstmal allein aus der Scheiße rausziehen, weil so im desolaten Zustand ginge das ja mal gar nicht, man sei maximal unattraktiv, unszumutbar, sei es nicht wert etc.
Nein, es gibt hier Fälle, bei denen man allein eben nicht rauskommt aus dem Loch und wo es durchaus helfen kann, wenn die Liebe eines anderen Menschen der Selbstliebe vorausgeht.

Mehr schreibe ich nicht mehr dazu, weil es wieder in sinnlosen Hickhack ausartet, der nicht mehr zielführend hier ist.
Danke Strange Lady! :umarmung2: (gespeichert)

Dieses schwierige Thema ist oft Thema in meiner Psychotherapie. :?
Zuletzt geändert von schmog am Mittwoch 21. November 2018, 18:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Tania » Mittwoch 21. November 2018, 18:07

Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Und dass jeder noch so dysfunktionale Mensch es verdient, auch voller Neurosen und Komplexe geliebt und ein Stückweit durch die Liebe einer anderen Person genährt und aufgefangen zu werden.
:daumen:
Das kann gar nicht oft genug gesagt werden.

Blöderweise ist das Leben in dieser Hinsicht nicht fair. Manche bekommen diese Liebe geschenkt - aber manche eben auch nicht :sadwoman:

Liebe knüpft ein Band zwischen uns, aber nicht, um uns zurückzuhalten. Es soll uns davor bewahren, abzustürzen, oder dabei helfen, höher hinauszuklettern. (Aus "Unravel Two")

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von schmog » Mittwoch 21. November 2018, 18:09

Tania hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 18:07
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Und dass jeder noch so dysfunktionale Mensch es verdient, auch voller Neurosen und Komplexe geliebt und ein Stückweit durch die Liebe einer anderen Person genährt und aufgefangen zu werden.
:daumen:
Das kann gar nicht oft genug gesagt werden.

Blöderweise ist das Leben in dieser Hinsicht nicht fair. Manche bekommen diese Liebe geschenkt - aber manche eben auch nicht :sadwoman:
Ja, das RL ist diesbezüglich leider sehr ungerecht! :sadman:
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von BartS » Mittwoch 21. November 2018, 18:28

Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Ist doch ok, sagt keiner was dagegen.
Das keiner was dagegen sagt, stimmt ja eben nicht, wie ich oben schrieb. Aber geschenkt. ;)
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Es zeigt aber auch sehr gut: Selbstliebe führt eben nicht automatisch dazu, dass man auch eine*n Partner*in findet.
Von diesem Automatismus hat nun wirklich niemand hier geschrieben.
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Man/frau kann voller Selbstliebe sein und dennoch partnerschaftlich auf keinen grünen Zweig kommen. Und andererseits gibt es auch sehr viele, die voller Neurosen sind und dennoch ständig Partner*innen haben. Und davon auch sehr profitieren.
Genau darum ging es doch ursprünglich - dass das eine, das andere nicht notwendiger Weise bedingen muss. Und dass wir auch aufhören sollten, den armen schmoggies dieser Welt immer weitere Selbstliebeoptimierungs-Hausaufgaben zu diktieren, wohlwissend, dass es schwierig wird diesen steinigen Weg allein zu gehen und diese Kraft allein aus sich selbst zu schöpfen.
Zum einen, bitte unterscheide zwischen Vorschläge machen und Diktieren. Dann zu Deiner Aussage, ich frage mich gerade, was ist Deine Zielsetzung? Weil ich die nicht ganz verstehe. Willst Du die Wirksamkeit von Selbstliebe durch Allgemeinplätze zerreden oder willst Du nur banal sagen, dass es keine Wundermittel gibt, um einen Partner zu finden. Das Selbstliebe im Durchschnitt mehr positive als negative Wirkungen hat, davon gehe ich erstmal aus. Das es kein Wundermittel ist, auch klar. Aber das ist Sport ebenfalls nicht und trotzdem kann die sportliche Betätigung sehr sinnvoll sein.

Ich fürchte wir neigen hier zum Zerreden selbst guter Methoden und Handlungsweisen, so nach dem Motto "damit hast Du auch keine Garantie einen Partner zu finden". Diese Garantie gibt es nicht, Punkt. Aber man kann doch sagen, was die Chancen verbessern kann. Ich finde man sollte auch davon wegkommen, diese enorme Anspruchshaltung gegenüber Vorschlägen und Hinweisen zu haben. Als wenn diese nur sinnvoll sind, wenn sie zu 100% bei allen Personen in allen Situationen funktionieren. Diese Erfolgsquote gibt es auch bei keiner Behandlung in der Medizin und trotzdem sind viele Behandlungen sinnvoll.
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Und dass jeder noch so dysfunktionale Mensch es verdient, auch voller Neurosen und Komplexe geliebt und ein Stückweit durch die Liebe einer anderen Person genährt und aufgefangen zu werden.
Ich glaube, dass ist eine Anspruchshaltung gegenüber seinen Mitmenschen, die sich eher destruktiv auswirkt. Denn geliebt zu werden, kann man nicht verdienen. Wenn jeder darauf Anspruch hätte, heißt das auch im Umkehrschluss, dass Du (oder andere) jemanden lieben müsstest, den Du nicht liebst. Liebe ist nun mal ein Geschenk, was nicht auf einer Verpflichtung beruht.
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Mich kotzt hier einfach nur diese Überheblichkeit derer an, die selbst Beziehungen haben/leben (oftmals auch dysfunktionale etc) und davon profitieren, aber anderen armen Schweinen hier anordnen, sie mögen sich doch bittesehr erstmal allein aus der Scheiße rausziehen, weil so im desolaten Zustand ginge das ja mal gar nicht, man sei maximal unattraktiv, unszumutbar, sei es nicht wert etc.
Was sagst Du dann zu der Aussage von Schmog, dass er es für unzumutbar hält, mit einer älteren Frau zusammen zu sein, die psychische Probleme. Natürlich kann man sich über die Überheblichkeit seiner Mitmenschen aufregen. Aber ich glaube, dass diese Wut darauf teilweise die eigene Überheblichkeit überdeckt, die wir an den Tag legen, wenn wir andere Menschen bezüglich einer Beziehung für unzumutbar halten. Wir sind nicht nur Opfer, wir sind auch Täter.
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Nein, es gibt hier Fälle, bei denen man allein eben nicht rauskommt aus dem Loch und wo es durchaus helfen kann, wenn die Liebe eines anderen Menschen der Selbstliebe vorausgeht.
Das mag sein, dass diese weiterhilft. Aber diese Liebe kannst Du von Deinen Mitmenschen nicht einfordern. Du kannst höchstens selbst Liebe geben. An Dich und andere.
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Mehr schreibe ich nicht mehr dazu, weil es wieder in sinnlosen Hickhack ausartet, der nicht mehr zielführend hier ist.
Gut, dann habe ich wenigstens mal ein gutes Schlussposting gesetzt. ;)
"Liebe ist, dass man sich so lange gehen lässt, bis man nicht mehr gehen kann."
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Tania » Mittwoch 21. November 2018, 19:19

schmog hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 18:09
Tania hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 18:07
Strange Lady hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 17:50
Und dass jeder noch so dysfunktionale Mensch es verdient, auch voller Neurosen und Komplexe geliebt und ein Stückweit durch die Liebe einer anderen Person genährt und aufgefangen zu werden.
:daumen:
Das kann gar nicht oft genug gesagt werden.

Blöderweise ist das Leben in dieser Hinsicht nicht fair. Manche bekommen diese Liebe geschenkt - aber manche eben auch nicht :sadwoman:
Ja, das RL ist diesbezüglich leider sehr ungerecht! :sadman:
Jep :umarmung2:

Aber verdient hast Du es trotzdem. Genau wie jeder andere Mensch.

Und deswegen bin ich immer etwas skeptisch bei Tipps wie "so kann man es sich verdienen, geliebt zu werden". Wie soll das gehen? Klar, wir können es der Umwelt leichter machen, uns zu lieben. Uns überhaupt erstmal zu bemerken. Quasi ein paar Angeln auslegen. Aber ob da ein Fisch anbeisst, oder ob der Fisch ohne die Angeln vielleicht auch zu uns schwimmen würde, weiß keiner.

All diese Maßnahmen zur Chancenerhöhung sind super für die Leute, denen die Maßnahme selbst etwas bringt. Einem Chor beizutreten erhöht sicher die Chance, Menschen zu begegnen, die einen vielleicht lieben könnten. Aber es gibt keine Garantie. Wenn man gern singt, lohnt es trotzdem, ansonsten raubt einem die Aktion wohl nur noch mehr Kraft.

Und ähnlich ist es wohl mit der Selbstliebe. Wer das kann und wem es gut tut, soll es ruhig machen. Aber wem das unmöglich ist - der hat es trotzdem verdient, geliebt zu werden. Ob jemand auftaucht, der es tut - das ist und bleibt in beiden Fällen Glückssache.

Liebe knüpft ein Band zwischen uns, aber nicht, um uns zurückzuhalten. Es soll uns davor bewahren, abzustürzen, oder dabei helfen, höher hinauszuklettern. (Aus "Unravel Two")

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Reinhard » Mittwoch 21. November 2018, 22:11

Der Comic zum Thread.
Lieben lernen :lol:
Mag ja sein, dass jeder seines Glückes Schmied ist.

Aber dabei sollte nicht vergessen werden, dass manche von Haus aus eine komplette Werkstatt mitbekommen, und andere nur einen Hammer und nicht mal einen Amboss.

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Bummi » Donnerstag 22. November 2018, 02:30

Stabil hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 16:11
Hi Bummi,

das kenne ich.
Bummi hat geschrieben:
Mittwoch 21. November 2018, 15:46
So könnte man sich irgendwann eine Zeit lang jeden Tag selbst in diesem Krankenhaus besuchen, notfalls mit Begleitung. Sich jedes Mal selbst etwas Schönes mitbringen, Zeit und Trost spenden.
Ähnliches mache ich mit mir, und es tut mir gut. Ich finde dein Beispiel recht zutreffend und schön beschrieben.
Danke dir. :) Ich habe echt keine Ahnung, ob es etwas nach Außen hin bringt. Ich hab aber das Gefühl, mir , also der kleinen Bummi, einen großen Gefallen zu tun.
Dir viel Glück. :vielglueck:
Manche Leute schreiben, um zu lesen, was sie denken.

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von WishIWasAsexual » Donnerstag 22. November 2018, 04:24

Als Person, die selber mit diesem Thema hadert, habe ich mir diesen Thread mal durchgelesen, einiges davon nur überflogen. Ich weiss leider keine Antwort auf die Frage...
Strange Lady hat geschrieben:
Samstag 17. November 2018, 19:26
Das ist der PUnkt. Ich glaube nicht daran, dass Selbstliebe autonom, ohne ein Zutun von anderen Menschen, aus sich selbst geschöpft werden kann.
Dann wäre es nach Ansicht vieler keine wahre Selbstliebe, denn die muss angeblich von innen heraus kommen. Ist man auf äussere Liebe angewiesen, kann das katastrophale Folgen haben, wenn eine solche Liebe-spendenden Person mal fehlt (verreist, schwer krank wird, stirbt o.ä.). Angenommen äussere Liebe kann dazu führen, innere Liebe zu Entwickeln, bleibt die Frage, ob sie ein Level erreichen kann, bei dem sie sich selbst nährt und so losgelöst von einer externen Quelle Bestand hat, oder ob sie dann wieder dahinschwindet. Ich respektiere natürlich Deine Meinung dazu, dass es ohne Hilfe von aussen nicht möglich ist.
Strange Lady hat geschrieben:
Montag 19. November 2018, 15:57
https://www.youtube.com/watch?v=apzXGEbZht0

Mutter ---> liebt -----> Kind ----> Kind verinnerlicht Mutter als innere Instanz.
Später, wenn die Mutter mal weg ist, übernimmt die innere Mutter die Aufgabe der Fürsorge und Liebe.
Internalisierte Mutterinstanz -----> liebt ----> Kind/inneres Kind
(=Selbstliebe)
Dieses Video fand ich sehr eindrücklich. Was mir spontan dazu einfällt: Erlernte Hilflosigkeit. Das Kind kann tun und lassen was es will, die Mutter reagiert nicht...

Das hier hat mich sehr betroffen:
schmog hat geschrieben:
Montag 19. November 2018, 09:50
Ich wurde als unter Heimweh leidendes, stotterndes, heimatloses Heimkind in den 60/70ern verstossen, verspottet und gemobbt. :?

Eine verletzte Kinderseele vergisst nie! :cry: Ich wurde NIE geliebt. Warum sollte ich mich heute als einsame, verzweifelte Seele lieben? :sadman:
Das tut mir wahnsinnig Leid schmog :umarmung2:

Erst in den letzten sagen wir 5 Jahren ist mir überhaupt bewusst geworden, was Selbstliebe überhaupt für eine Bedeutung hat und was ihr Vorhandensein — oder nicht — für detrimentale Konsequenzen in einem Leben hat. Da frage ich mich ersnthaft — ohne andere Fächer als weniger bedeutend zu werten — warum Kindern in der Schule nichts über Psychologie beigebracht wird. Das ist doch so wichtig...! Wo würden wir als Gesellschaft stehen, wenn Kinder auf diesem Gebiet besser geschützt bzw. gefördert werden würden?

Einige meiner Gedanken zum Thema, inkl. einiger Barrieren die ich auf dem Weg zur Selbstliebe sehe:
  • Die Entwicklung von Selbstliebe hat viel mit Glauben zu tun. Man soll etwas glauben, woran man nicht glaubt. Man muss lernen zu glauben, 2 + 2 = 42. Man sagt sich "Hmmm... vielleicht sollte ich lernen mich zu lieben..." daraufhin spürt man, wie sich jede Faser seines seins instinktiv — das ist keine bewusste Entscheidung(!) — dagegen stemmt. Das ist es, wogegen man zu kämpfen hat.
  • Bei mir braucht Glauben Beweise, "Ich glaube nicht, wenn ich nicht sehe/fühle"
  • Aufgrund welcher Kriterien soll man festlegen, dass man ein guter Mensch und liebenswert ist? Wieviele negative Eigenschaften darf man haben, um im Gleichgewicht mit den guten zu sein? Wie misst man das? Und wenn man nach Gefühl geht, woher weiss man, dass man sich nicht irrt? Es ist wohl immer Subjektiv und demnach besteht Raum für Irrtum, was wiederum verunsichert.
  • Woher weiss ich, ob ich es verdient habe glücklich zu sein? Weiss ich es oder denke/glaube ich es? Irre ich mich vielleicht? Auch das ist Subjektiv und man könnte irren. Habe ich das Recht dazu oder wünsche ich mir es nur?
  • Es hat auch viel mit Akzeptanz zu tun. Man muss sich lernen selbst zu akzeptieren so wie man ist, selbst wenn es der Rest der Welt nicht tut und einen immer wieder daran erinnert, wie unakzeptabel gewisse Aspekte der Person seien.
  • Man soll sich nicht mit anderen vergleichen. Das braucht man auch nicht, die Menschen um einen herum tun das für einen. Wer schon 100+ Bewerbungen für einen Job geschrieben hat und dann noch einen Scheissjob bekommen hat, weiss wovon ich rede.
  • Das Laster "phishing for compliments" — wessen ich selber auch schuldig bin — kommt u.U. innerlich nicht an. Man kann tatsächlich Komplimente bekommen, ohne dass man sich in irgendeiner Weise wertvoller fühlt. Da besteht scheinbar eine Barriere zwischen der Erfahrung und dem (positiven) Gefühl, was sie eigentlich auslösen soll. Manchmal geht der Schuss sogar nach hinten los.
  • Vielleicht erfahren Menschen die religiös gläubig sind so eine Art Selbstliebe, die ihnen diese innere Kraft bzw. dieses Grundvertrauen ins Leben geben.
  • Liebe ist per Definition irrational, wir suchen aber rationale Gründe, um uns selbst zu lieben.

Mein grösster Feind ist mein Unbewusstsein. Erst wenn ich einen Zugang zu meinem Unbewussten finde und da ein paar Dinge beseitigen kann die immer wieder für Ängste, falsche/unangebrachte Verhaltensweisen, Prokrastination und Sabotage sorgen, wird sich etwas verändern können. Leider weiss ich nicht wie ich diesen Zugang bekomme, ausser vielleicht mit Hypnose, die ich mir aber nicht leisten kann und sehr viel Vertrauen braucht. Höchstens noch Meditation vielleicht, weiss es noch nicht.

Während manche durchs Leben rauschen und alles erreichen was sie wollen, schlagen sich eineige von uns das Leben lang mit solchen Dingen rum... :sadman:

PS: Sorry für den negativen Unterton, aber heute ist mir etwas passiert, was Anlass war meinen Selbstwert in Frage zu stellen.

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