Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

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Hoppala
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Hoppala » Freitag 28. Dezember 2018, 01:37

NBUC hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 17:54
Wer sich nie vergleicht oder seine Schwächen betrachtet, sondern sich mit diesen generell arangiert, der wird sich auch nie verbessern bzw. zementiert diese Schwächen.
Hm. Ich habe den Vergleich mit anderen nie als Motivation zu Veränderung (dieses Wort erscheint mir treffender als Verbesserung; Verbesserung beinhaltet eine gefühlte Wertung, die ich im Grunde erst hinterher, nach der Veränderung feststellen kann) empfunden.

Meine Motivation zu Veränderung rührt aus meinem Gefühl, dass da mehr und besser geht, als es aktuell geht. Da sich Leben auch ganz ohne Zutun verändert, und wahrlich nicht immer angenehm, gibt es immer Anlass, gestaltend einzugreifen = mit Schwächen und Stärken anders umzugehen, und eventuell auch neue Aspekte zu erlernen.
Motivation gewinne ich auch daraus, meiner Lieben das Leben mit mir angenehmer zu machen.

Vergleich hingegen kommt nur als persönlicher Vergleich von meiner gefühltem Zufriedenheit gestern zu heute vor.


Ich stelle das nur als einen anderen, möglichen persönlichen Ansatz dazu.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von NBUC » Freitag 28. Dezember 2018, 08:17

Hoppala hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 01:37
NBUC hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 17:54
Wer sich nie vergleicht oder seine Schwächen betrachtet, sondern sich mit diesen generell arangiert, der wird sich auch nie verbessern bzw. zementiert diese Schwächen.
Hm. Ich habe den Vergleich mit anderen nie als Motivation zu Veränderung (dieses Wort erscheint mir treffender als Verbesserung; Verbesserung beinhaltet eine gefühlte Wertung, die ich im Grunde erst hinterher, nach der Veränderung feststellen kann) empfunden.

Meine Motivation zu Veränderung rührt aus meinem Gefühl, dass da mehr und besser geht, als es aktuell geht. Da sich Leben auch ganz ohne Zutun verändert, und wahrlich nicht immer angenehm, gibt es immer Anlass, gestaltend einzugreifen = mit Schwächen und Stärken anders umzugehen, und eventuell auch neue Aspekte zu erlernen.
Motivation gewinne ich auch daraus, meiner Lieben das Leben mit mir angenehmer zu machen.

Vergleich hingegen kommt nur als persönlicher Vergleich von meiner gefühltem Zufriedenheit gestern zu heute vor.


Ich stelle das nur als einen anderen, möglichen persönlichen Ansatz dazu.
Es muss nicht der Vergleich mit anderen sein. Es genügt eine Vorstellung von einem Ideal, mit welchem man glaubt sich realistischerweise vergleichen zu können. Selbiger MAßstab wird natürlich auch von anderen Leuten gespeist.

Und wenn man merkt, dass man selbst von als relevanten empfundenen anderen gemessen und für zu schlecht bewertet wird, wird der Druck eben noch einmal stärker.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Stabil » Freitag 28. Dezember 2018, 08:56

NBUC hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 17:54
Wer sich nie vergleicht oder seine Schwächen betrachtet, sondern sich mit diesen generell arangiert, der wird sich auch nie verbessern bzw. zementiert diese Schwächen.
Hier konstruierst du eine Pseudoalternative, die die Handlungsmöglichkeiten einschränkt.

In meinem Leben strebe ich Verbesserungen an, weil ich sie will. Die Motivation kommt aus mir selbst und nicht aus dem Vergleich. Einiges handhabe ich anders als meine Freunde und Kollegen.

Ich sehe mir schon an, wie andere handeln. Manchmal sehe ich etwas, was ich gut finde. Dann kann ich entscheiden, das an meine Person an zu passen und mir zum Ziel setzen. Dass muss aber nicht so sein. Oft denke ich, eigenartig, da finde ich nichts dran. Und bei einigem denke ich mir nur, wie froh ich bin, das nicht anstreben zu müssen.

Meistens eigne ich mir neue Stärken an, ohne Vergleich mit anderen. Dass dadurch etwas "zementiert" würde, kann ich nicht bestätigen.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von NBUC » Freitag 28. Dezember 2018, 09:00

Stabil hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 08:56
In meinem Leben strebe ich Verbesserungen an, weil ich sie will. Die Motivation kommt aus mir selbst und nicht aus dem Vergleich.
Und warum willst du sie?
Weil du einen Vergleich zwischen ist und soll gemacht hast und dann festgestellt hast, dass dir diese Differenz nicht passt und den Aufwand eines Verbesserungsversuchs wert ist.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von WishIWasAsexual » Freitag 28. Dezember 2018, 09:19

Bummi hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 04:02
Ich denke aber, dass in manchen Fällen der Zug einfach abgefahren ist. Bestätigungvon außen, sei es der Traumjob oder ein Partner, können da nicht mehr das ausgleichen, was im bisherigen Leben versäumt wurde.
Ich glaube da ist etwas missverstanden worden. Ich meinte mit meiner Aussage nicht, dass eine Partnerin oder ein guter Job eine Bestätigung von außen sind und deshalb in irgendwelcher weise dazu beitragen sollen, mein Selbstwertgefühl zu verändern.

Die Tatsache, dass etwas passiert, was ich zuvor nicht für möglich gehalten habe — nicht daran geglaubt habe — kann dazu führen, dass ich dann aber daran glaube. "Ich habe eine Partnerin gefunden. Okay ich muss also nicht für den Rest meines Lebens alleine bleiben, sondern kann auch eine Partnerin finden, die mit mir zusammen sein möchte." oder "Ich habe eine Zusage bekommen. Okay, ich muss mich also nicht nur mit schlechten Jobs abfinden, sondern ich kann auch einen guten Job bekommen." oder "Ich hätte nie geglaubt, diese Prüfung zu bestehen, aber habe es doch geschafft. Also bin ich doch in der Lage, Prüfungen die mir sehr schwierig vorkommen, zu bestehen.". So rum.

Damit ich an meinem Selbstwertgefühl etwas ändern kann, muss vielleicht etwas passieren, was mich überzeugt. Besonders aber die ungläubigen Teile von mir. Etwas, was wie ein Beweis wirkt. Mir versuchen etwas einzureden hat bisher nicht funktioniert, denn genau das ist ein Kampf gegen mich selbst, den ich nicht gewinnen kann. Wenn ein Teil von mir das Gegenteil glaubt von dem, was ich mir einrede, ist es als würde ich versuchen eine Glocke kaputt zu machen, in dem ich sie mit frischen Eiern bewerfe. Das funktioniert nicht, die Message kommt einfach nicht an. Oder ich muss einen Weg finden, wie ich mein Unbewusstsein so umprogrammieren/austricksen kann, damit es eben das gleiche glaubt was ich glauben möchte, obwohl es etwas anderes glaubt. Aber wie das gehen soll, keine Ahnung.

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Stabil » Freitag 28. Dezember 2018, 09:53

NBUC hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 08:17
Es muss nicht der Vergleich mit anderen sein. Es genügt eine Vorstellung von einem Ideal, mit welchem man glaubt sich realistischerweise vergleichen zu können. Selbiger MAßstab wird natürlich auch von anderen Leuten gespeist.
Ah, ich sehe, dass du inzwischen vom Vergleichen mit Anderen abgerückt bist.

Du vergleichst dich mit Idealen. Was bringt dir das? Ideale haben es so an sich, dass sie unerreichbar sind. Das stelle ich mir fürchterlich stressig vor.

Das Folgende finde ich für meine Person leichter. Ich setze mir realistische Ziele in Bezug auf mein Handeln und meine Lebensbedingungen. Diese verfolge ich aktiv. Im Hinarbeiten auf die Ziele, passe ich sie an. So werden sie konkreter und realistischer. Manchmal bin ich dann mit weniger zufrieden, als gedacht, manchmal erreiche ich viel mehr, als erhofft. Und oft entdecke ich etwas Anderes, das mich zufrieden stellt, was ich aber vorher nicht sehen konnte.
NBUC hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 08:17

Und wenn man merkt, dass man selbst von als relevanten empfundenen anderen gemessen und für zu schlecht bewertet wird, wird der Druck eben noch einmal stärker.
Du hältst andere Personen für zuständig, dich als gut oder schlecht zu bewerten? Auch das stelle ich mir belastend vor.

Du schreibst von "zu schlecht". Da hast du etwas weg gelassen. Worauf bezieht sich das? Zu schlecht wofür? Was ist da gemeint?

Besser komme ich persönlich mit der folgenden Dekweise zurecht. Das soll wieder keine Gegendarstellung sein. Ich zeige nur meine persönliche Sicht als mögliche Alternative auf.

Der Wert meiner Person, gut oder schlecht, hängt nicht von der Meinung anderer Personen ab. Daher macht sie mir auch keinen Druck.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Stabil » Freitag 28. Dezember 2018, 10:13

NBUC hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 09:00
Stabil hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 08:56
In meinem Leben strebe ich Verbesserungen an, weil ich sie will. Die Motivation kommt aus mir selbst und nicht aus dem Vergleich.
Und warum willst du sie?
Weil du einen Vergleich zwischen ist und soll gemacht hast und dann festgestellt hast, dass dir diese Differenz nicht passt und den Aufwand eines Verbesserungsversuchs wert ist.
Der Vergleich der eigenen Person mit anderen Personen, oder mit Idealen ist grundsätzlich etwas anderes als der Vergleich des Erlernten mit den eigenen Zielen, beziehundweise der erreichten Lebensumstände mit den angestrebten Lebensumstände. Das sollte sorgfältig unterschieden werden, sonst verwirrt man sich selbst.


" Die Motivation kommt aus mir selbst und nicht aus dem Vergleich." Damit war der Vergleich mit anderen Personen gemeint.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Morkel » Freitag 28. Dezember 2018, 10:18

NBUC hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 08:17
Es muss nicht der Vergleich mit anderen sein. Es genügt eine Vorstellung von einem Ideal, mit welchem man glaubt sich realistischerweise vergleichen zu können. Selbiger MAßstab wird natürlich auch von anderen Leuten gespeist.

Und wenn man merkt, dass man selbst von als relevanten empfundenen anderen gemessen und für zu schlecht bewertet wird, wird der Druck eben noch einmal stärker.
Vergleich bleibt Vergleich. Ob du dich nun mit Anderen, oder mit einem unerreichbaren Ideal, oder mit irgendwas von dem du mutmaßt dass es die Anderen von dir erwarten würden vergleichst ist dabei völlig unerheblich. Vergleiche machen auf lange Sicht nur eins: unglücklich. Solange du das Vergleichen selbst nicht loslässt wirst du auf ewig in der Unglücksspirale gefangen bleiben.

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Milkman » Freitag 28. Dezember 2018, 10:23

Stabil hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 21:43
Was ist, wenn du noch dazu nimmst, dass du liebenswert bist? Eben nicht der "tolle Typ", sondern liebenswert, so wie du bist.
Dann wirst du für eine, die den tollen Typen sucht, immer noch nicht der Hauptgewinn sein.
Aber wenn du eine triffst, die einen liebenswerten Mann sucht, bist vielleicht gerade du der Hauptgewinn.
Dies wünschen wir uns ja irgendwo alle: für eine Person des anderen Geschlechtes der Hauptgewinn zu sein. :)

Ich neige unbewusst dazu, mir mich als Gesamtpaket vorzustellen. Und da sind sicher auch Sachen drin, die man nicht mit "liebenswert" bemänteln kann. Ob es so eine Frau gibt, wie du sie beschreibst - ehrlich gesagt keine Ahnung. Im Endeffekt müsste ja nur einer kommen, der dasselbe wie ich zu bieten hat plus x, und schon gäbe es für sie keinen Grund, sich für mich zu entscheiden.

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Morkel » Freitag 28. Dezember 2018, 10:42

Milkman hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 10:23
Stabil hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 21:43
Was ist, wenn du noch dazu nimmst, dass du liebenswert bist? Eben nicht der "tolle Typ", sondern liebenswert, so wie du bist.
Dann wirst du für eine, die den tollen Typen sucht, immer noch nicht der Hauptgewinn sein.
Aber wenn du eine triffst, die einen liebenswerten Mann sucht, bist vielleicht gerade du der Hauptgewinn.
Dies wünschen wir uns ja irgendwo alle: für eine Person des anderen Geschlechtes der Hauptgewinn zu sein. :)

Ich neige unbewusst dazu, mir mich als Gesamtpaket vorzustellen. Und da sind sicher auch Sachen drin, die man nicht mit "liebenswert" bemänteln kann. Ob es so eine Frau gibt, wie du sie beschreibst - ehrlich gesagt keine Ahnung. Im Endeffekt müsste ja nur einer kommen, der dasselbe wie ich zu bieten hat plus x, und schon gäbe es für sie keinen Grund, sich für mich zu entscheiden.

(definiere x als irgendeinen Vorzug, den ich nicht habe)
Ist aber ne ziemlich seltsame Vorstellung wie 2 Menschen zusammenkommen, mit der du dich da selbst abwertest. Als ob sich die Frau erst von mehreren Typen ein "Preisangebot" einholt, und dann nach reiflichem Vergleich mit einem den "Paarungsvertrag" unterschreibt :gruebel:

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Milkman » Freitag 28. Dezember 2018, 11:57

Morkel hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 10:42
Ist aber ne ziemlich seltsame Vorstellung wie 2 Menschen zusammenkommen, mit der du dich da selbst abwertest. Als ob sich die Frau erst von mehreren Typen ein "Preisangebot" einholt, und dann nach reiflichem Vergleich mit einem den "Paarungsvertrag" unterschreibt :gruebel:
Ja, seltsam trifft es wohl ganz gut. "Preisangebot" nicht, da sowas eher unbewusst abläuft, aber im Endeffekt wird bei der Partnersuche sicher verglichen zwischen dem, was so "verfügbar" ist - und ob man da als nur "okayer" Mann bestehen kann?

Die Erfahrung lehrt freilich, dass es so ist... es haben längst nicht nur die Hauptgewinne eine(n) Partner(in). Mal sehen, ob sich die Erkenntnis auch bei mir noch durchsetzt.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Morkel » Freitag 28. Dezember 2018, 12:42

Milkman hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 11:57
Morkel hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 10:42
Ist aber ne ziemlich seltsame Vorstellung wie 2 Menschen zusammenkommen, mit der du dich da selbst abwertest. Als ob sich die Frau erst von mehreren Typen ein "Preisangebot" einholt, und dann nach reiflichem Vergleich mit einem den "Paarungsvertrag" unterschreibt :gruebel:
Ja, seltsam trifft es wohl ganz gut. "Preisangebot" nicht, da sowas eher unbewusst abläuft, aber im Endeffekt wird bei der Partnersuche sicher verglichen zwischen dem, was so "verfügbar" ist - und ob man da als nur "okayer" Mann bestehen kann?
Das mag beim Online-Dating so sein, was ja schon eine ziemliche Pervertierung in Richtung "Partner-Shopping" darstellt, so ähnlich wie du es beschreibst. Aber meiner Erfahrung nach nicht im realen Miteinander und Zueinanderfinden. Wann und ob 2 Menschen zueinander finden und sich ineinander verlieben, dafür spielen Vergleiche, Konkurrenzdenken und "Marktanalysen" doch überhaupt keine Rolle, ausser bei extrem selbstwertschwachen Menschen. Sowas passiert immer im Hier und Jetzt, in Situationen die man vielleicht gar nicht erwartet. Komischerweise hört man die unterkühlten Markttheorien größtenteils hier, was für mich sehr dafür spricht, dass es sich lediglich um ein rein auf negativen Interpretationen basierenden Erklärungsmodell handelt, von Leuten mit wenig bis keiner praktischen Beziehungserfahrung, um sich irgendwie die eigene Situation zu erklären und so einen Sinn hineinzubringen, der ihrer Meinung nach fehlt. Was vollkommen legitim ist.

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Hoppala » Freitag 28. Dezember 2018, 14:58

NBUC hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 08:17
Es muss nicht der Vergleich mit anderen sein. Es genügt eine Vorstellung von einem Ideal, mit welchem man glaubt sich realistischerweise vergleichen zu können. Selbiger MAßstab wird natürlich auch von anderen Leuten gespeist.
Hm. Auch so ein Ideal habe ich nicht. Realistisch ist für mich, was ich heute empfinde, und was ich meine morgen oder in sonst einem Zeitraum mit für mich akzeptablem Aufwand/Einsatz erreichen zu können - und zu wollen. Ideal ist daran nur das, was ich bereits "habe" und für gut = nicht veränderungsbedürftig empfinde.
Grundsätzlich halte ich persönliche Ideale für ein sehr zweischneidiges Ziel als Motivation. Denn Ideale sind per se so beschaffen, dass sie praktisch unerreichbar sind und wenn, dann nur für kurze Augenblicke. Frust ist vorprogrammiert.

Aber natürlich weiß ich, dass es da auch andere Menschen gibt. Wenn Sportler erzählen, dass sie ein Jahrzehnt ihres Lebens mit 6 Tagen durchgetaktetem Trainingsplan pro Woche, praktisch ohne Freundschaften und "normales" Leben verbringen, sie aber das Ziel "Goldmedaille" motiviert habe und sie das im Nachhinein für gerechtfertigt halten ...
Iich frage mich dann allerdings, was mit all den Sportlern ist, die dem gleichen Ziel nacheifern und es dann nicht erreichen ... das dürften wohl mehr sein.
Ich kann dem "Ideal als persönliches Entwicklungsziel" einfach in keiner Betrachtungsweise etwas Positives abgewinnen.
NBUC hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 08:17
Und wenn man merkt, dass man selbst von als relevanten empfundenen anderen gemessen und für zu schlecht bewertet wird, wird der Druck eben noch einmal stärker.
Ja, das ist blöd.
Da kann man sich fragen, ob man diese "anderen" tatsächlich als für einen selbst relevant empfinden sollte - wenn sie Druck erzeugen für etwas, was man weder erfüllen kann noch will. Solche Menschen würden mir nicht gut tun. Sie fressen Energie, die dann fehlt, um das zu tun, was man tatsächlich will und kann.
Entsprechend wäre für mich relevant, den Kontakt mit denen anders zu gestalten; und andere Menschen zu finden, mit denen es mir besser geht.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von BartS » Freitag 28. Dezember 2018, 16:19

Hoppala, wie war das nochmal mit:
Ich denke, wir sollten diese fruchtlose und themenfremde Debatte nicht weiterführen.
:D

Und bevor jetzt der Einwand kommt, dass sich das auf eine andere Debatte bezog, würde ich gerne die Fragen aufwerfen, ob diese Debatte fruchtbar und themenbezogen ist.
"Liebe ist, dass man sich so lange gehen lässt, bis man nicht mehr gehen kann."
(Hazel Brugger)

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Bummi » Freitag 28. Dezember 2018, 18:25

WishIWasAsexual hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 09:19
Bummi hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 04:02
Ich denke aber, dass in manchen Fällen der Zug einfach abgefahren ist. Bestätigungvon außen, sei es der Traumjob oder ein Partner, können da nicht mehr das ausgleichen, was im bisherigen Leben versäumt wurde.
Ich glaube da ist etwas missverstanden worden. Ich meinte mit meiner Aussage nicht, dass eine Partnerin oder ein guter Job eine Bestätigung von außen sind und deshalb in irgendwelcher weise dazu beitragen sollen, mein Selbstwertgefühl zu verändern.

Die Tatsache, dass etwas passiert, was ich zuvor nicht für möglich gehalten habe — nicht daran geglaubt habe — kann dazu führen, dass ich dann aber daran glaube. "Ich habe eine Partnerin gefunden. Okay ich muss also nicht für den Rest meines Lebens alleine bleiben, sondern kann auch eine Partnerin finden, die mit mir zusammen sein möchte." oder "Ich habe eine Zusage bekommen. Okay, ich muss mich also nicht nur mit schlechten Jobs abfinden, sondern ich kann auch einen guten Job bekommen." oder "Ich hätte nie geglaubt, diese Prüfung zu bestehen, aber habe es doch geschafft. Also bin ich doch in der Lage, Prüfungen die mir sehr schwierig vorkommen, zu bestehen.". So rum.

Damit ich an meinem Selbstwertgefühl etwas ändern kann, muss vielleicht etwas passieren, was mich überzeugt. Besonders aber die ungläubigen Teile von mir. Etwas, was wie ein Beweis wirkt. Mir versuchen etwas einzureden hat bisher nicht funktioniert, denn genau das ist ein Kampf gegen mich selbst, den ich nicht gewinnen kann. Wenn ein Teil von mir das Gegenteil glaubt von dem, was ich mir einrede, ist es als würde ich versuchen eine Glocke kaputt zu machen, in dem ich sie mit frischen Eiern bewerfe. Das funktioniert nicht, die Message kommt einfach nicht an. Oder ich muss einen Weg finden, wie ich mein Unbewusstsein so umprogrammieren/austricksen kann, damit es eben das gleiche glaubt was ich glauben möchte, obwohl es etwas anderes glaubt. Aber wie das gehen soll, keine Ahnung.
Stimmt! Das leuchtet mir nun ein.
Das sind so Ereignisse, die den Selbstwert richtig pushen und enorm motivieren können.

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Stabil » Freitag 28. Dezember 2018, 18:30

Milkman hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 10:23
Stabil hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 21:43
Was ist, wenn du noch dazu nimmst, dass du liebenswert bist? Eben nicht der "tolle Typ", sondern liebenswert, so wie du bist.
Dann wirst du für eine, die den tollen Typen sucht, immer noch nicht der Hauptgewinn sein.
Aber wenn du eine triffst, die einen liebenswerten Mann sucht, bist vielleicht gerade du der Hauptgewinn.
Dies wünschen wir uns ja irgendwo alle: für eine Person des anderen Geschlechtes der Hauptgewinn zu sein. :)
Ja schon.

Aber die Metapher verstehe ich in dem Fall nicht so ökonomisch, sondern mehr im Sinn von 'Geschenk des Schicksals'.

Milkman hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 10:23
Ich neige unbewusst dazu, mir mich als Gesamtpaket vorzustellen.
Sehe ich auch so. In Teilen ist man eher nicht zu haben.

Milkman hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 10:23
Und da sind sicher auch Sachen drin, die man nicht mit "liebenswert" bemänteln kann.
Das ist jetzt das Hauptthema der Liebe und der Selbstliebe.

Grundsätzlich sehe ich es mal so:
Man kann sich selbst als liebenswert erachten, auch wenn man Sachen an sich hat, die man nicht liebt.
So kann man sich selbst lieben, ohne diese Sachen zu lieben.
So kann man auch geliebt werden, ohne dass diese Sachen geliebt werden.

Allerdings hat das Grenzen:
Wenn ich eine Neigung zu Gewalttätigkeit an mir verspüren würde, oder entdeckt hätte, würde ich dieses Problem zuerst lösen, bevor ich mich auf Beziehung einlasse. Beziehung und Liebe haben für mich einen sehr hohen Stellenwert, aber das Leben und die körperliche Unversehrtheit stehen auf meiner Werteskala höher. Daher würde für mich im formulierten Extrembeispiel die Beziehung warten müssen.

Milkman hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 10:23
Ob es so eine Frau gibt, wie du sie beschreibst - ehrlich gesagt keine Ahnung.
In meinem Weltbild wollen die meisten Frauen und Männer liebenswerte Partner, mit denen es schön ist, zusammen zu leben. Das lässt sich heraus finden, denn das kennen Lernen ist schon eine Art von gemeinsamen Lebenszeit Verbringen.

Milkman hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 10:23
Im Endeffekt müsste ja nur einer kommen, der dasselbe wie ich zu bieten hat plus x, und schon gäbe es für sie keinen Grund, sich für mich zu entscheiden.
Niemand hat das Selbe zu bieten, jeder ist ein anderer. Das war jetzt die kurze Antwort. Aber anscheinend ist es nicht so einfach.


Wenn ich mir diesen Satz nochmals anschaue, dann sehe ich eine mögliche Bedeutung, die mich erschreckt, wenn ich mich einfühle. Ob der Satz für dich diese Bedeutung hat, weiss ich natürlich nicht. Ich masse mir nicht an, den Satz für dich gültig zu deuten.

"Im Endeffekt müsste ja nur einer kommen, der dasselbe wie ich zu bieten hat plus x, und schon gäbe es für sie keinen Grund, sich für mich zu entscheiden." Der Grund für die Frau sich für einen Partner zu entscheiden, liegt nach diesem Satz, so wie ich ihn verstehe, nicht in der Person des Mannes, sondern in dem, was er zu bieten hat. Das erschreckt mich zu tiefst und berührt einen sehr jungen kindlichen Anteil in mir. Die Angst, als noch nicht selbständig überlebensfähiger und ungeliebter verlassen zu werden klingt an.
Wenn ich diese Situation aber von einer erwachseneren Perspektive ansehe, dann reagiere ich auch sehr emotional. Die Reaktion ist anders. Dann denke ich, wenn die Frau nicht mich will, sondern nur das, was ich zu bieten habe, dann will ich die Frau nicht.

Bitte nimm das als meine subjektive Reaktion auf den Satz. Ich habe ihn so verstanden. Ich hab ihn emotional so erlebt. Das ist meine Geschichte. Aber es ist eine der Möglichkeiten, die Angelegenheit an zu sehen.

Vielleicht bringen dich Teile davon auf Ideen, die dir was sagen, vielleicht ist meine Sicht viel zu weit weg von deiner.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Tintenmalerin » Sonntag 30. Dezember 2018, 02:00

WishIWasAsexual hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 03:46
Tintenmalerin hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 03:08
Das ist so weit von gut entfernt, warum sollte man sich damit zufrieden geben?
Weil man es nicht schafft, mehr zu erreichen. So verstehe ich zumindest ComebackCat's Aussage. Reicht es aus, die Prüfung zu bestehen oder muss es gleich eine Eins sein? Ich finde das eine berechtigte Frage nach dem richtigen bzw. ausreichenden Level.
Der Vergleich hinkt. Wenn man es wie eine Prüfung ansieht, dann ist es ja wieder leistungsgebunden.
Versteht man allerdings das Wort Liebe hier als etwas absolutes und nicht wie ein Spektrum, würde das bedeuten alles oder nichts. Außerdem, wer setzt den Massstab, wie viel genug, wie viel richtig und wie viel evtl. zu viel ist?
Ich finde nicht, dass man zu viel Selbstliebe haben kann. Und selbst wenn, ist man deiner Meinung nach bei "Ich bin ganz okay." auch nur in der Nähe davon?
"Absolut" war aber auch nicht das Wort, dass ich benutzt habe, sondern "bedingungslos". Wenn die Vorstellung von Liebe und Selbstliebe also an bestimmte Bedingungen geknüpft ist - Wenn ich schlank bin, wenn ich keine Fehler mehr mache, wenn jemand anders mich liebt, etc. - dann kann man diese Bedingungen dekonstruieren.
Seb-X hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 03:51
Tintenmalerin hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 03:08
Bei der Selbstliebe geht es gerade nicht um Vergleiche, sondern um eine grundsätzliche, bedingungslose Akzeptanz seiner selbst. Ohne etwas leisten zu müssen, ohne perfekt sein zu müssen, ohne Teile bis zu einem Großteil seiner selbst abzulehnen.
Dieselbe bedingungslose Liebe, die im Idealbild auch zum Partner vorhanden ist.
Damit kann ich nichts anfangen. Wie soll das gehen? Gemäß dieser Definition ist sie entweder existent oder nicht - und wenn nicht: Pech gehabt. Was sollte mich dann noch motivieren?
Ich hatte zwar nicht die Absicht, dich zu demotivieren, aber auch nicht den Anspruch, jemanden zu motivieren.
Aber nein, so habe ich das weder geschrieben, noch gemeint. Der Knackpunkt ist da die Unterscheidung von "absolut" und "bedingungslos", siehe oben.
LonesomeCoder hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 17:30
Tintenmalerin hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 03:08
Bei der Selbstliebe geht es gerade nicht um Vergleiche, sondern um eine grundsätzliche, bedingungslose Akzeptanz seiner selbst. Ohne etwas leisten zu müssen, ohne perfekt sein zu müssen, ohne Teile bis zu einem Großteil seiner selbst abzulehnen.
Dieselbe bedingungslose Liebe, die im Idealbild auch zum Partner vorhanden ist.
Jeder Mensch hat Schwächen und wenn man diese alle annimmt, hört man auf, an sich zu arbeiten und sich kritisch zu hinterfragen. Wer eine Sucht hat und diese annimmt, hört mit dem Wunsch nach Aufhören auf. Und Süchte können sehr fatale Folgen haben. Oder wer gewaltbereit ist und auf Bewährung draußen ist, landet vllt. mal im Knast, wenn er sich nicht bessert. Oder wer schüchtern ist, hört auf zu versuchen, selbstbewusster zu werden. Eigenes Beispiel: seit dem ich mein Gewicht angenommen habe, bin ich glücklicher. Aber ist das langfristig die beste Entscheidung gewesen? Ich denke nicht.
Wenn man sich und seine Schwächen so annimmt wie ich das meine, hört man auf, sich für seine Schwächen fertig zu machen. Das ist ein großer Unterschied. Dann muss man sich nicht verändern, um - wem auch immer - zu genügen, sondern weil man sich weiterentwickeln will.
Nell the Sentinel und Stabil haben den Unterschied schon ganz gut herausgearbeitet.
Milkman hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 19:20
Tintenmalerin hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 03:08
Wenn man sich selbst ok findet, ist das für mich vergleichbar mit der Antwort "Kann man essen" auf die Frage, ob etwas schmeckt.
"Es ist auszuhalten" auf die Frage, wie es jemandem geht.
Das ist so weit von gut entfernt, warum sollte man sich damit zufrieden geben?
Weil man weiß, dass es auch sehr sehr viel schlechter gehen kann. Und weil man gelernt hat, sich mit dem zufriedenzugeben, was man hat, aus Angst, auch das zu verlieren.
Klar laufen um einen rum Millionen Leute, die für sich quasi die pure Glückseligkeit verfolgen, aber mich schreckt das eher ab, als dass es mich anspornt. Und ich weiß, dass ich sehr weit weg von einem "tollen Typen" bin, ich habe meine Fehler und stehe dazu, aber ich bin kein Hauptgewinn. Also: ja, ich bin okay. Aber nicht mehr.
Wenn dir das reicht, ist es doch in Ordnung. Diese beschrieben Angst finde ich allerdings keine gute Motivation.
Was macht denn in deinen Augen einen "tollen Typen" aus? Und warum muss man erst einer sein, um sich selbst lieben zu können, zu dürfen oder zu trauen?
ComebackCat hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 20:17
Naja, ich finde der Begriff "Selbstliebe" klingt halt schon so nach Narzissmus (Synonyme sind ja Selbstverliebtheit oder Selbstbewunderung) und damit auch nach Selbstüberhöhung. Also den Ausdruck "Selbstakzeptanz" finde ich wesentlich besser. Aber so, wie ich dich verstehe, bedeutet das aus psychologischer Sicht ungefähr das Gleiche?
Ich benutze es zumindest eher so. Für mich klingt Selbstliebe überhaupt nicht nach Narzissmus.
Also die Tatsache, sich selbst "ok" zu finden, bedeutet ja nicht, dass man nicht danach strebt, so zufrieden bzw. glücklich wie möglich zu sein. Meine Lebensqualität messe ich ja dann aber doch eher anhand von externen Indikatoren, z.B.:

- Wie geht es mir gesundheitlich?
- Wie angenehm ist mein Arbeitsalltag? Wie effizient kann ich die entsprechenden Aufgaben erledigen, wie interessant sind diese? Wie gut komme ich mit den Kollegen klar?
- Wie gefällt mir meine Wohnung?
- Wie interessant sind meine Freizeitaktivitäten? Wie ist das Verhältnis zu Freunden und Verwandten?
- Habe ich eine(n) Partner/in oder zumindest eine Perspektive/Chance darauf? Könnte ich, wenn ich wollte?

Darum bin ich der Meinung, dass es eher darauf ankommt, diese Bereiche möglichst positiv zu gestalten und dass das auch ohne eine große oder gar totale Selbstliebe oder -akzeptanz möglich sein sollte. Aber klar, wenn man nicht besonders oder gar nicht mit sich selbst zufrieden ist, dann wirkt sich das sicherlich auch auf die sozialen Beziehungen aus.
Das ist sicherlich ein sinnvoller Ansatz. Aber wenn man sich selbst so wenig liebt, dass man das Gefühl hat, man verdient kein Glück, dann boykottiert man sich in diesen Bereichen oft selbst.
Ich hatte lange Zeit das Gefühl, falsch zu sein und sozial komplett unfähig. Damit einher ging der Glaube, dass ich niemals glücklich sein kann und deswegen habe ich viel Zeit und Energie darauf verschwendet, mir einzureden, dass ich mir keinen Partner wünsche. Dass ich mir nicht wünsche, weniger allein zu sein. Dass ich mir das nur oft genug sagen muss, um mich irgendwann damit abzufinden. Was offensichtlich nicht funktioniert.
Bei solchen Gedanken bringt es dann wenig, an deinen genannten konkreten Punkten zu arbeiten.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von LonesomeCoder » Sonntag 30. Dezember 2018, 13:55

Kief hat geschrieben:
Donnerstag 27. Dezember 2018, 18:00
LSC, Deine Haltung zu Dir selbst kommt mir vor wie eine Selbstgeisselung.
Das mag eine Form von Gerechtigkeitsvorgabe sein, aber psychisches Wachstum entsteht auf anderer Basis.
Eine Entwicklung kann ein Verkuemmern oder ein Entfalten sein.
Ja, ich bin sehr gerecht. Und auch zur Perfektion erzogen worden. Hat mir z.B. einen Uni-Abschluss als Jahrgangsbester eingebracht.
WishIWasAsexual hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 09:19
Die Tatsache, dass etwas passiert, was ich zuvor nicht für möglich gehalten habe — nicht daran geglaubt habe — kann dazu führen, dass ich dann aber daran glaube. "Ich habe eine Partnerin gefunden. Okay ich muss also nicht für den Rest meines Lebens alleine bleiben, sondern kann auch eine Partnerin finden, die mit mir zusammen sein möchte." oder "Ich habe eine Zusage bekommen. Okay, ich muss mich also nicht nur mit schlechten Jobs abfinden, sondern ich kann auch einen guten Job bekommen." oder "Ich hätte nie geglaubt, diese Prüfung zu bestehen, aber habe es doch geschafft. Also bin ich doch in der Lage, Prüfungen die mir sehr schwierig vorkommen, zu bestehen.". So rum.
So wäre es bei mir auch. Wenn sich z.B. mal eine Frau auf mich einlassen würde, würde ich glauben, dass auch extrem häßliche Männer eine Chance haben, sofern sie kein Millionär o.ä. sind.
Warnung vor Pickup: https://www.abtreff.de/viewtopic.php?p=1062199#p1062199
Wissenschaftliches Standardwerk über (männliches) AB-tum: https://www.springer.com/de/book/9783658059231
Geschlechtsspezifische Partnerwahl und Sexualitätsmerkmale: https://d-nb.info/1037687477/34

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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Milkman » Sonntag 30. Dezember 2018, 15:04

Stabil hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 18:30
Grundsätzlich sehe ich es mal so:
Man kann sich selbst als liebenswert erachten, auch wenn man Sachen an sich hat, die man nicht liebt.
So kann man sich selbst lieben, ohne diese Sachen zu lieben.
So kann man auch geliebt werden, ohne dass diese Sachen geliebt werden.

Allerdings hat das Grenzen:
Wenn ich eine Neigung zu Gewalttätigkeit an mir verspüren würde, oder entdeckt hätte, würde ich dieses Problem zuerst lösen, bevor ich mich auf Beziehung einlasse. Beziehung und Liebe haben für mich einen sehr hohen Stellenwert, aber das Leben und die körperliche Unversehrtheit stehen auf meiner Werteskala höher. Daher würde für mich im formulierten Extrembeispiel die Beziehung warten müssen.
Ich würde schon denken, dass ich liebenswert bin, und Gewalttätigkeit liegt mir - so glaube ich - fern. Selbstliebe ist zu einem gewissen Maß da, was sie lange Zeit bei mir nicht war... und auch heute noch muss sie sich stetig bewähren und ist keine konstante Begleiterin in meinem Leben.

Aber was ist ein verzehlicher, liebenswerter Makel? Was eine wirklich problematische Facette meiner Persönlichkeit? Alles eine Frage der Perspektive, die jede(r) für sich selbst beurteilen muss?
Stabil hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 18:30
In meinem Weltbild wollen die meisten Frauen und Männer liebenswerte Partner, mit denen es schön ist, zusammen zu leben. Das lässt sich heraus finden, denn das kennen Lernen ist schon eine Art von gemeinsamen Lebenszeit Verbringen.
Das stimmt sicher. Es beantwortet aber meine Frage nicht, ob es für jede(n) von uns eine(n) Partner(in) gibt, die sie/ihn als liebenswert erachtet.
Stabil hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 18:30
Der Grund für die Frau sich für einen Partner zu entscheiden, liegt nach diesem Satz, so wie ich ihn verstehe, nicht in der Person des Mannes, sondern in dem, was er zu bieten hat. Das erschreckt mich zu tiefst und berührt einen sehr jungen kindlichen Anteil in mir. Die Angst, als noch nicht selbständig überlebensfähiger und ungeliebter verlassen zu werden klingt an.
Wenn ich diese Situation aber von einer erwachseneren Perspektive ansehe, dann reagiere ich auch sehr emotional. Die Reaktion ist anders. Dann denke ich, wenn die Frau nicht mich will, sondern nur das, was ich zu bieten habe, dann will ich die Frau nicht.
Schwierige Kiste. Worin verliebt man sich genau, wenn man sich in einen Menschen verliebt? In die vielen einzelnen Sachen, die ihn ausmachen - also das "was er zu bieten hat"? Oder in das Gesamtbild, wo all diese Sachen einfließen und das ganze mehr als die Summe der einzelnen Teile ist? Oder irgendwas dazwischen?
Vielleicht gehe ich auch zu mathematisch an die Sache ran. Was wohl mein verzweifelter Versuch ist, das ganze Konstrukt des Verliebens irgendwie verstehen zu wollen. :hammer:

Btw erschreckt es mich übrigens, dass es dich so erschreckt. Ich bin da eher nüchtern an die Sache rangegangen und weiß auch, dass ich alleine überlebensfähig bin.
Tintenmalerin hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 02:00
Wenn dir das reicht, ist es doch in Ordnung. Diese beschrieben Angst finde ich allerdings keine gute Motivation.
Was macht denn in deinen Augen einen "tollen Typen" aus? Und warum muss man erst einer sein, um sich selbst lieben zu können, zu dürfen oder zu trauen?
Ach, naja. Die Angst hilft einem, manches wieder in Relation zu sehen. Du hast gerade keine Freundin? Na gut, dafür bist du aber gesund und hast einen Job und eine Wohnung. Und gehst deinen Lebensweg zwar unauffällig, aber redlich und solide.
"Toller Typ": darunter stelle ich mir schon einen aufgeschlossenen, vielseitig interessierten, sozialkompetenten Menschen vor. Einen, der die Welt vielleicht ein bisschen besser macht, der einen Unterschied macht und sich da auch auf die Schulter klopfen darf.
Sich selbst mögen, das ist schon schwer genug (siehe meine Antwort an Stabil oben). Sich selbst lieben, das fällt mir persönlich noch schwerer.
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Re: Wie kann man Selbstliebe entwickeln?

Beitrag von Seb-X » Sonntag 30. Dezember 2018, 16:58

Tintenmalerin hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 02:00
Ich hatte zwar nicht die Absicht, dich zu demotivieren, aber auch nicht den Anspruch, jemanden zu motivieren.
Aber nein, so habe ich das weder geschrieben, noch gemeint. Der Knackpunkt ist da die Unterscheidung von "absolut" und "bedingungslos", siehe oben.
Bedingungslos gibt's bei mir nicht. Wozu sollte ich mich dann noch anstrengen?
"Wenn man aus einem protestantischen Land kommt, ist man immer etwas beschämt, wenn man bei der Arbeit nicht gelitten hat." (Lars von Trier)

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