Leben in einer extravertierten Welt

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AviferAureus
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von AviferAureus » Dienstag 4. Dezember 2018, 11:39

Nonkonformist hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 06:56
AviferAureus hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 02:25
AB-Wagen hat geschrieben:
Samstag 1. Dezember 2018, 12:18


Die korrekten Begriffe sind:
Introvertiert
ExtrAvertiert

Umgangssprachlich sagen viele aber:
Introvertiert
ExtrOvertiert

Interessanterweise sagt niemand:
IntrAvertiert
Extravertiert
Düfte u. a. gegenseitige Beobachtung und Angleichung unter den germanischen und romanischen Sprachen sein. Unter den von mir auf Wikipedia angeklickten Sprachen gibt es "Extraversion" 7,5 mal und "Extroversion" 5,5 mal (dt. habe ich jeweils mit 0,5 gezählt), aber für das Gegenteil nur "Introversion". Der hier im Forum bestehende Trend zu "extravertiert" könnte eine Ausrichtung an das Englische sein. Ich selber sage "extrovertiert".
Es kommt aus den lateinischen, und die meisten sprachen respektieren bei fremdwörter der herkunft und ursprungliche buchstabierung.
Extra bedeutet, in Lateinisch, 'außen', 'nach außen zu'; Extro bedeutet gar nichts.
Die Deutsche sprache mutiliert fremdwörter lieber....
Die Vorsilbe "extro" hat in mehreren Sprachen eine Bedeutung, u. a. in der deutschen Sprache und in der niederländischen:
Extrovert / extravert
Vraag
Is de correcte vorm extrovert of extravert?
Antwoord
Beide vormen zijn correct. De oorspronkelijke vorm is extravert.
Toelichting
Extravert is oorspronkelijk een samenstelling van het Latijnse bijwoord extra ('buiten') en het voltooid deelwoord van het Latijnse werkwoord vertere ('wenden, keren'). Het wordt gebruikt als bijvoeglijk naamwoord in de betekenis 'naar buiten gekeerd, op de buitenwereld gericht', maar ook als zelfstandig naamwoord ('persoon die op de buitenwereld gericht is'). Het tegengestelde begrip is introvert ('in zichzelf gekeerd', 'persoon die in zichzelf gekeerd is'), een samenstelling van intro ('binnen') en vertere. Onder invloed van de vorm introvert wordt de [aa] in extravert soms vervangen door een [oo]: extrovert.
Bijzonderheid
In de meeste Europese talen bestaat de vorm met een o naast die met een a. In het Italiaans is estroverso zelfs de enige vorm. In het Engels en Spaans zijn de vormen met een o (respectievelijk extrovert en extrovertido) gebruikelijker dan de vormen met een a (extravert en extravertido), maar in het Duits en Frans zijn juist de vormen met een a (respectievelijk extravertiert en extraverti) veel gebruikelijker dan de vormen met een o (extrovertiert en extroverti). Ook voor het Nederlands geldt dat de oorspronkelijke vorm extravert vaker voorkomt dan de jongere, verbasterde vorm extrovert.
(Quelle: https://taaladvies.net/taal/advies/vraa ... extravert/)

Hier ein paar Beispiele: Eysenck’s Persoonlijkheids Inventarisatie (EPI) (extroversie vs. introversie)
De derde is E, of Extroversie., hier ein Beispiel aus einem Forum: Extroversie afhankelijk van de omgeving?

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Silvina » Dienstag 4. Dezember 2018, 12:08

"Extrovertiert" steht im Duden, und da steht auch nix von umgangssprachlich oder so.
Manchmal muss man das Chaos nur ein bisschen schütteln, und es wird ein Wunder draus.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von LonesomeCoder » Dienstag 4. Dezember 2018, 19:11

Kief hat geschrieben:
Freitag 30. November 2018, 23:26
Wie bei vermutlich allen Wesenszuegen betrachte ich das mit: "Die Dosis macht das Gift."
Wenn ein Individuum verschiedene Wesenzuege zur Geltung bringen kann, kann es auf unterschiedliche Situationen auch angemessener reagieren.
Wenn das Individuum allerdings immer nur dieselben Verhaltensmuster anwenden kann, dann werden die nicht immer hilfreich sein.
In diesem Sinne halte ich es fuer sinnvoll, wenn jedes Individuum grundsaetzliche Flexibilitaet besitzt. Nicht zwangslaeufig als universal-Allrounder, aber zumindest grundlegende Flexibilitaet.
Heisst: auch ein Extro sollte seine introvertierte Seite kennlernen, sowie umgekehrt.

Wenn dadurch naemlich unterschiedliche Charaktere einander besser verstehen koennen, dann klappt auch Kooperation und einander zu ergaenzen besser.
Aber je extremer ein Individuum ist, und sich nicht anderen Personen annaehert, desto schwerer wird auch Zusammenarbeit, desto mehr "Dolmetscher" werden notwendig.
Egal ob das nun Introversion, Extroversion, Richtung Narzissmus, Borderline oder sonstige Charakteristika geht.

Je extremer, desto ausgepraegter und seltener die Staerken, aber desto groesser auch die Nachteile.
Umso mehr, wenn die Person sich mit ihren Baustellen wenig bis gar nicht befassen will.
Deswegen halte ich auch da die Suche nach der ausgewogenen Mischung fuer notwendig.
Guter Einwand.

Aber mir ist nicht klar, wo Introvertiertheit ein Vorteil sein soll. Mir fällt da nur ein besseres Klarkommen mit Einsamkeit im Alter ein.
Wer meiner Aussage "Introvertiert => Benachteiligt" nicht zustimmt, sollte Gegenbeispiele bringen :) Ich würde gerne wissen, wieso das manche anders sehen.
Warnung vor Pickup: https://www.abtreff.de/viewtopic.php?p=1062199#p1062199

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von AB-Wagen » Dienstag 4. Dezember 2018, 19:50

Introvertierte treffen vernünftigere Entscheidungen oder sind kreativer. Introvertierte sind häufig erfolgreiche Youtuber (Its Coleslaw, MissesVlog).

Kief
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Kief » Dienstag 4. Dezember 2018, 21:29

LonesomeCoder hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 19:11
Kief hat geschrieben:
Freitag 30. November 2018, 23:26
Wie bei vermutlich allen Wesenszuegen betrachte ich das mit: "Die Dosis macht das Gift." [ ... ]
Je extremer, desto ausgepraegter und seltener die Staerken, aber desto groesser auch die Nachteile.
Umso mehr, wenn die Person sich mit ihren Baustellen wenig bis gar nicht befassen will.
Deswegen halte ich auch da die Suche nach der ausgewogenen Mischung fuer notwendig.
Guter Einwand.

Aber mir ist nicht klar, wo Introvertiertheit ein Vorteil sein soll. Mir fällt da nur ein besseres Klarkommen mit Einsamkeit im Alter ein.
Wenn ich mir anschaue, was fuer Loesungsvorschlaege von verschiedenen Charakteren kommen, oder welcher Arbeitseinsatz, da bevorzuge ich Introvertierte.

In der Arbeitsweise habe ich den Verdacht (ist vielleicht auch nur Einbildung), unter den Intros sind verlaesslichere und stabilere Ergebnisse zu erwarten.
Bei Ideen und Loesungen erwarte ich von Extros mehr die untauglichen Ideen und Fantastereien, die aber nicht unbedingt etwas taugen. Und von denen versuchen die Extros dann sich gegenseitig ziellos zu immer weitere Ideen anzuregen, damit irgendwann hoffentlich mal was Taugliches darunter ist.
Von Intros erwarte ich weniger Blumenstraeusse an absurden Ideen hier und da und dort mit der Hoffnung auf "irgendwann nen Treffer zu landen",
sondern da erwarte ich eher durchdachte Ueberlegungen, wo die sinnvollen Ansaetze sind, oder durchdachte und bereits halbwegs abgerundete Entwicklungen.
Oder zumindest ist mir das in einem Team moeglich, dass ich mit entsprechender Verstaerkung bessere Loesungen erwarte.

An Teamarbeit erwarte ich, dass ich mit vielen Intros immens viele Aufgaben abdecken kann, und da nur noch wenige Extros als Verstaerkung fuer bestimmte Bereiche benoetige.
Umgekehrt sehe ich nicht, dass ein reines Extro-Team so gut aufgestellt ist. Die koennen Diverses besonders gut, aber viele Basics sind dann nicht abgedeckt, fuer die ich dann lieber Intros dazuhole, damit das Qualitaet hat.

Ist zwar noch keine valide Statistik, aber wenn meine Selbststaendigkeit anrollt, werd ich das ein oder zwei Jahre spaeter auch gerne aufgreifen und umsetzen.


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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von BartS » Dienstag 4. Dezember 2018, 23:09

LonesomeCoder hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 19:11
Aber mir ist nicht klar, wo Introvertiertheit ein Vorteil sein soll.
Eine "kleine" Auswahl: https://www.introvertiert.org/92-eigens ... vertierten (positive Eigenschaften von 1 bis 33)
"Liebe ist, dass man sich so lange gehen lässt, bis man nicht mehr gehen kann."
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Bummi » Dienstag 4. Dezember 2018, 23:16

LonesomeCoder hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 19:11


Aber mir ist nicht klar, wo Introvertiertheit ein Vorteil sein soll. Mir fällt da nur ein besseres Klarkommen mit Einsamkeit im Alter ein.
Wer meiner Aussage "Introvertiert => Benachteiligt" nicht zustimmt, sollte Gegenbeispiele bringen :) Ich würde gerne wissen, wieso das manche anders sehen.
Geht mir genauso.
Mir kommt es vor, als ob die viel gepriesenen Eigenschaften Introvertierter eher den Mitmenschen zu Gute kommen als ihnen selbst.
Manche Leute schreiben, um zu lesen, was sie denken.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Kief » Dienstag 4. Dezember 2018, 23:33

Bummi hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 23:16
Mir kommt es vor, als ob die viel gepriesenen Eigenschaften Introvertierter eher den Mitmenschen zu Gute kommen als ihnen selbst.
Wenn eine Menschengruppe nen ganzen Haufen sozialer Eigenschaften hat, dann ist das fuer die Mitmenschen haeufiger angenehm, durchaus.

Wenn Du jetzt gezielt nach Vorteilen fuer einen selbst suchst, dann waere da mein erster Punkt das Reflektionsvermoegen.
Das mag auch mal destruktiv ueberhand nehmen bei einigen, aber nur wenige Extros koennen in solch profunde Reflektion vordringen wie Intros.
Bei Intros sehe ich daher diebezueglich auch ein groesseres Potential, wenn sie da nen guten Pfad einschlagen.


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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von RomeoKnight » Mittwoch 5. Dezember 2018, 04:12

Ich glaube nicht an die extravertierte Welt, ich glaube an die Welt der Masken und Rollen. Das Vertecken hinter diesen Rollen wirkt dann wie eine Art Selbstbewusstsein. Mir ist das schon vor über 20 Jahren bei meinen Beobachtungen aufgefallen. Ich hab dieses Verhalten als Über-Ich bezeichnet, bis ich irgendwann raus fand, dass der Begriff schon von Freud mit ganz anderem Inhalt besetzt wurde. Die tatsächliche Bedürftigkeit und Verletzlichkeit der eigenen Person stellt fast niemand in der Gesellschaft dar. Deswegen wirkt es in der Öffentlichkeit so, als begegnen uns da lauter Helden und Heldinnen. Alles, bis auf ganz wenige Ausnahmen vielleicht, denen man wohl eh nie begegnet, laufen überall nur Schauspieler rum.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von LonesomeCoder » Mittwoch 5. Dezember 2018, 14:23

AB-Wagen hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 19:50
Introvertierte treffen vernünftigere Entscheidungen oder sind kreativer. Introvertierte sind häufig erfolgreiche Youtuber (Its Coleslaw, MissesVlog).
Ist das nicht ein Widerspruch? Ich nutze Seiten wie Youtube, höchsten als passiver Leser. Facebook oder Instragram gar nicht. Ich habe kein Bedürfnis, mich mit Bild irgendwo zu präsentieren oder meinen Alltag preiszugeben. Ich sehe ein Leben der Öffentlichkeit identifizierbar im Internet preiszugeben als zutiefst extrovertierte Eigenschaft an. In meinem Umfeld sind auch die Extros, die viel online stellen (z.B. von jedem Ausflug, Urlaub usw. viele Fotos), während die Intros das nicht machen.
Kief hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 21:29
Wenn ich mir anschaue, was fuer Loesungsvorschlaege von verschiedenen Charakteren kommen, oder welcher Arbeitseinsatz, da bevorzuge ich Introvertierte.

In der Arbeitsweise habe ich den Verdacht (ist vielleicht auch nur Einbildung), unter den Intros sind verlaesslichere und stabilere Ergebnisse zu erwarten.
Bei Ideen und Loesungen erwarte ich von Extros mehr die untauglichen Ideen und Fantastereien, die aber nicht unbedingt etwas taugen. Und von denen versuchen die Extros dann sich gegenseitig ziellos zu immer weitere Ideen anzuregen, damit irgendwann hoffentlich mal was Taugliches darunter ist.
Von Intros erwarte ich weniger Blumenstraeusse an absurden Ideen hier und da und dort mit der Hoffnung auf "irgendwann nen Treffer zu landen",
sondern da erwarte ich eher durchdachte Ueberlegungen, wo die sinnvollen Ansaetze sind, oder durchdachte und bereits halbwegs abgerundete Entwicklungen.
Oder zumindest ist mir das in einem Team moeglich, dass ich mit entsprechender Verstaerkung bessere Loesungen erwarte.

An Teamarbeit erwarte ich, dass ich mit vielen Intros immens viele Aufgaben abdecken kann, und da nur noch wenige Extros als Verstaerkung fuer bestimmte Bereiche benoetige.
Umgekehrt sehe ich nicht, dass ein reines Extro-Team so gut aufgestellt ist. Die koennen Diverses besonders gut, aber viele Basics sind dann nicht abgedeckt, fuer die ich dann lieber Intros dazuhole, damit das Qualitaet hat.

Ist zwar noch keine valide Statistik, aber wenn meine Selbststaendigkeit anrollt, werd ich das ein oder zwei Jahre spaeter auch gerne aufgreifen und umsetzen.
Nur die meisten Leute denken nicht so wie du Kief. Ihnen fehlt dieses Bewusstsein und Wissen.
Wer macht eher Karriere? Der Intro, der still und ruhig arbeitet und zu einer besser durchdachten Lösung kommt, dieser aber schlecht verkauft oder nicht auffällt und sich dazu vllt. noch unbeliebt macht, weil er bei Teambuilding-Maßnahmen, Ausgehen nach Feierabend oder einer gemeinsamen Mittagspause nicht mitmacht oder dabei unglücklich wirkt (und sich dabei vorwerfen lassen muss, er will sich nicht integrieren, habe keine Motivation, passt nicht ins Team) oder der Extro, der viel und stark präsent ist, gerne im Team ist und bei sozialen Aktivitäten zufrieden ist und sich gut verkaufen kann? Meist ist es der Extro. Intros in einem Team sind ein Vorteil für die Extros, da sie deren Schwächen kaschieren, aber ihnen selber bringen die Stärken kaum was. Da Extro sein für die Karriere sehr förderlich ist, sind die meisten Führungskräfte Extros und bei denen kommen Extro-Stärken gut an und gestalten Arbeitsumfelder und -Methoden extro-freundlich (z.B. Großraumbüros, wo ein ganzen Team zusammen ist). Ein Verständnis dafür, dass manche in einem Einzel-Büro oder Home-Office produktiver oder weniger stressanfällig wären, fehlt hier oft. Da werden nur die Vorteile vom Großraumbüro gesehen: schnelle, direkte Kommunikation ohne aufzustehen, Telefonhörer zu nehmen oder eine E-Mail zu schreiben.

Auch bei der Partnersuche sind Extros im Vorteil. Schon wegen der Hobbys. Der Extro hat mehr soziale Hobbys, die Gelegenheiten zum Kennenlernen bieten können, während der Intro eher Einzelgänger-Hobbys hat. Dazu scheint das Image von den meisten Extro-Hobbys besser als das von Intro-Hobbys zu sein. Wer als junger Single-Mensch ohne Kinder und arbeitsfreien Sonntag am Samstag nicht im Nachtleben ist, sondern lieber daheim ist und ließt, muss sich dafür öfters rechtfertigen. Dass sich ein Disco-Gänger rechtfertigen muss, weil er lieber ausgeht anstatt daheim zu sein und lesen, habe ich noch nie erlebt... Das ist höchsten der Fall, wenn jemand trotz am nächsten Tag arbeiten müssen lange Party machte.
Warnung vor Pickup: https://www.abtreff.de/viewtopic.php?p=1062199#p1062199

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Kief » Mittwoch 5. Dezember 2018, 17:05

LonesomeCoder hat geschrieben:
Mittwoch 5. Dezember 2018, 14:23
AB-Wagen hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 19:50
Introvertierte sind häufig erfolgreiche Youtuber (Its Coleslaw, MissesVlog).
Ist das nicht ein Widerspruch? Ich nutze Seiten wie Youtube, höchsten als passiver Leser. Facebook oder Instragram gar nicht. Ich habe kein Bedürfnis, mich mit Bild irgendwo zu präsentieren oder meinen Alltag preiszugeben.
Ich habe auch kein Beduerfnis, in die Oeffentlichkeit zu gehen.
Aber ich habe ein Beduerfnis nach Ergebnissen und Fortschritten.
Fuer diese Ziele nehme ich in Kauf, mich auch in die Oefentlichkeit zu begeben - damit die wichtigen Dinge nicht nur von Hippie-Hans-guck-in-die-Luft-Extros ohne Durchblick und Weitblick gemacht werden.

Wenn ich die Welt den Kardashians und Trumps ueberlasse, dann brauche ich mich auch nicht zu wundern, wenn unerwuenschte Dinge passieren.

Kief hat geschrieben:
Dienstag 4. Dezember 2018, 21:29
Wenn ich mir anschaue, was fuer Loesungsvorschlaege von verschiedenen Charakteren kommen, oder welcher Arbeitseinsatz, da bevorzuge ich Introvertierte.
Nur die meisten Leute denken nicht so wie du Kief. Ihnen fehlt dieses Bewusstsein und Wissen.
Wer macht eher Karriere?
Das stimmt, tragische Konstellation.
Deshalb schaue ich nicht zu, wie andere Leute die Welt gestalten, sondern mische mich ein.
Damit ich nicht ausgebeutet und uebersehen werde.

Das allerdings bedarf eben auch meiner Initiative.
Im Job kann ich nen Vorgesetzten ansprechen, fuer Sex kann ich die geile Ische ansprechen.
Diese "Verhandlungen" darum, dass ich meinen Stueck vom Kuchen abbekomme, das ist leider grossteils Extro-Bereich.
Deshalb befasse ich mich so damit, obwohl mir das ned so liegt.
Damit meine Rechte nicht unter die Raeder kommen.
Das wird mir niemand abnehmen.



Aber - und deshalb antworte ich hier - das war gar nicht so sehr Deine Frage:
Deine Frage war nach dem Wert von Introversion.
(Den generellen Thread wollte ich jetzt ned so aufgreifen, so philosophisch zu werden, da verschwindet ganz schnell mal ein ganzer oder drei Tage.)
Ich sehe den Wert von Intros. Ich fuehle ihn.
Du kennst ihn auch - aber Du fuehlst ihn offenbar nicht, und das schmerzt Dich.
Wir wollen Dir helfen, diesen Schmerz zu lindern.
Deine eigenen Staerken auch anzuerkennen, und vielleicht mit einer weniger frustrierten Haltung die Welt da draussen zu betreten.
Damit nicht nur wir sondern auch IRL-Frauen Deine Staerken strahlen sehen koennen ...
(ich komme mir grad arg kitschig vor, aber jede inhaltlich adaequatere Formulierung klingt so brutal verkopft wie Verwaltung oder Juristen-bla ... )
ich nehme an, Du kannst so halbwegs nachvollziehen, was ich damit meine. hm?


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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von BartS » Mittwoch 5. Dezember 2018, 18:08

LonesomeCoder hat geschrieben:
Mittwoch 5. Dezember 2018, 14:23
Wer macht eher Karriere? Der Intro, der still und ruhig arbeitet und zu einer besser durchdachten Lösung kommt, dieser aber schlecht verkauft oder nicht auffällt und sich dazu vllt. noch unbeliebt macht, weil er bei Teambuilding-Maßnahmen, Ausgehen nach Feierabend oder einer gemeinsamen Mittagspause nicht mitmacht oder dabei unglücklich wirkt (und sich dabei vorwerfen lassen muss, er will sich nicht integrieren, habe keine Motivation, passt nicht ins Team) oder der Extro, der viel und stark präsent ist, gerne im Team ist und bei sozialen Aktivitäten zufrieden ist und sich gut verkaufen kann? Meist ist es der Extro.
Ein wesentlicher Punkt ist, dass viele Intros sich diese Chefposition nicht zutrauen. Umgekehrt wissen mittlerweile viele Personalbüros, dass Intros teilweise die besseren Chefs wären. Das ist so ähnlich wie bei der Frage, warum sind so wenige Frauen in Führungspositionen. Mal ein Artikel dazu: https://ze.tt/du-bist-eher-introvertier ... h-gedacht/

Daraus:
Forschende aus Brisbane in Australien haben sich 184 Studierende der Betriebswirtschaft geschnappt und sie darauf überprüft, wie gerne sie Führungsverantwortung übernehmen. Für eine neue Studie stufte das Forschungsteam sie davor jeweils mittels Fragenkatalog auf introvertiert oder extrovertiert ein.

Dabei fanden sie heraus: Introvertiertere Menschen unterschätzen generell ihre Chef*innenqualitäten und stechen seltener als Führungspersonen heraus. Und das obwohl sie laut Wissenschaft vielleicht sogar besser dazu geeignet wären als extrovertierte Menschen.
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Wuchtbrumme » Mittwoch 5. Dezember 2018, 18:13

Ich empfinde die Welt gar nicht als extravertiert. 70% aller Menschen sind introvertiert und ich bin einer davon.

Seit ich wieder einen so langen Weg zur Arbeit habe treffe ich gar keine extravertierten Menschen mehr. Wo begegnet Ihr denen? Sind das Vertriebler? Ich habe damals im Fitnessstudio solche Leute getroffen. Die gingen nach der Arbeit/nach dem Training noch weg, etwas, was ich nie geschafft hätte, weil viel zu anstrengend. Ich igle mich lieber am Wochenende zu Hause ein, wenn es keine Veranstaltung oder Geburtstage oder Hobbytreffen gibt. Also, wo nur trefft Ihr die Extravertierten, von denen Ihr sprecht?

Facebook finde ich toll. Ich treffe dort nicht nur die Kumpels von dem einen Hobby (die, weil es Männer sind sich mit mir sonst gar nicht unterhalten weil ich bei dem Thema "Trugen die Römer auch Hosen und wenn ja zu welcher Gelegenheit" nicht kompetent diskutieren kann) sondern auch die Frauen meines anderen Hobbies. Die wohnen über das ganze Ruhrgebiet verstreut und ich treffe sie höchstens einmal im Monat. Zwischendurch aber unterhalten wir uns über Facebook, posten Fotos von Dingen, die wir gemacht haben (gesponnenes Garn, Strickstücke) und sind so auf dem Laufenden darüber, was die Anderen so machen. Ich finde das super. Ich kann mit Leuten Kontakt halten, die eine Menge mit mir gemein haben, aber keine direkten Freunde sind. Wir leisten auch gegenseitig ständig Hilfestellung, weil wir so viele sind und immer einer da ist, der bei Auftauchen eines Problems helfen kann. Ich kann dort auch handgefärbte Wolle kaufen und mir Wünsche nach Farbzusammenstellungen erfüllen lassen. Dazu brauchen wir nichtmal mehr Onlineshops! Manchmal komme ich mir vor wie mitten ins Paradies gefallen.

Wieso denkt Ihr bei Facebook an Selbstdarstellung? Was die Leute dort tun, die Ihr nicht persönlich kennt, merkt Ihr doch gar nicht! Vielleicht ist das ganz viel. Um es mit einem bekannten Möbelhaus zu sagen: "Entdecke die Möglichkeiten".

Karriere wollte ich nie machen. Viel zu anstrengend und Personalverantwortung ist auch nichts für mich. Ich finde einen normalen Arbeitstag anstrengend genug, mehr davon brauche ich nicht. Ich bin gern Assistentin (früher hieß das Sekretärin).
Wenn Du die Augen schließt klingt Regen wie Meeresrauschen

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Bummi » Donnerstag 6. Dezember 2018, 10:20

In meiner nächsten Verwandtschaft würde ich gleich zwei Leute als extrovertiert bezeichnen.

Es fasziniert mich immer wieder, wie sie bei gesellschaftlichen Events aufblühen und dabei Kraft für den Alltag schöpfen können.
Ihr Unverständnis für andere, die das nicht können und manches sogar meiden müssen, finde ich weniger faszinierend.

Ich kann mir allerdings nicht so gut vorstellen, ob dieser Lebenswandel auf Dauer vom Körper so gut verkraftet wird. Daher würde ich diese Leute gerne ab und zu bremsen, um sich nicht doch irgendwann zu schaden. Dann wieder denke ich, lass sie, man soll die Feste feiern wie sie fallen.

Ob Introversion als Vor- oder Nachteil erlebt wird, hängt mMn davon ab, wie selbstsicher man ist.
Bei einem sozial unsicheren Menschen nimmt die Umwelt die Schwächen der Introversion zum Teil stärker wahr als ihre Stärken.
Manche Leute schreiben, um zu lesen, was sie denken.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Doggo » Donnerstag 6. Dezember 2018, 11:02

Bummi hat geschrieben:
Donnerstag 6. Dezember 2018, 10:20
In meiner nächsten Verwandtschaft würde ich gleich zwei Leute als extrovertiert bezeichnen.

Es fasziniert mich immer wieder, wie sie bei gesellschaftlichen Events aufblühen und dabei Kraft für den Alltag schöpfen können.
Ihr Unverständnis für andere, die das nicht können und manches sogar meiden müssen, finde ich weniger faszinierend.

Ich kann mir allerdings nicht so gut vorstellen, ob dieser Lebenswandel auf Dauer vom Körper so gut verkraftet wird. Daher würde ich diese Leute gerne ab und zu bremsen, um sich nicht doch irgendwann zu schaden. Dann wieder denke ich, lass sie, man soll die Feste feiern wie sie fallen.

Ob Introversion als Vor- oder Nachteil erlebt wird, hängt mMn davon ab, wie selbstsicher man ist.
Bei einem sozial unsicheren Menschen nimmt die Umwelt die Schwächen der Introversion zum Teil stärker wahr als ihre Stärken.
Volle Zustimmung! Bzw. kommt drauf an was man aus sich und seiner Introversion macht aber natürlich auch wie wissend die Umgebung ist bzw. sich mit Introversion befasst hat.

Meine Introversion haben manche sogar nicht mal wahrgenommen bzw. die haben mich eher für extravertiert empfunden :D

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Nonkonformist » Donnerstag 6. Dezember 2018, 11:09

Wuchtbrumme hat geschrieben:
Mittwoch 5. Dezember 2018, 18:13
Seit ich wieder einen so langen Weg zur Arbeit habe treffe ich gar keine extravertierten Menschen mehr. Wo begegnet Ihr denen?
Früher, in der schule, gab es einige extravertierten, auch meine mobber gehörten dazu.
In der künstlerwelt trifft man auf einige ziemlich extravertierte kollegen (so wie auf eine menge ziemlich introvertierten, und eher weniger normalois).
Mit einige von denen war ich auch befreundet, unter anderem eine ziemlich durchgeknallte Brazilienerin, und ein hyperaktiver Italiener.
Wann ich noch für werbung gezeichnet habe, die meisten art directors und executives in den werbe-agenturen.
In der schwiegerfamilie meines bruders gibt es so einige extravertierten.

So schwer zu finden sind sie nicht.
I Yam What I Yam & Dats What I Yam - (Popeye the Sailorman.)

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Saraj » Donnerstag 6. Dezember 2018, 11:32

Wuchtbrumme hat geschrieben:
Mittwoch 5. Dezember 2018, 18:13
Seit ich wieder einen so langen Weg zur Arbeit habe treffe ich gar keine extravertierten Menschen mehr. Wo begegnet Ihr denen?
Was hat das mit deinem Weg zur Arbeit zu tun? :gruebel:

Ich treffe ständig auf Menschen, die weniger ängstlich sind als ich und ständig auf Menschen, die rund um die Uhr was unternehmen wollen. Ob die nun alle extravertiert sind, weiß ich nicht.

Ich frage mich, wie man als Introvertierter selbstbewusst werden soll, wenn man regelmäßig für seine Introversion kritisiert wird. Generell finde ich es schwierig, aus sich selbst heraus Selbstbewusstsein zu entwickeln. Man braucht doch das Feedback durch andere.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von LonesomeCoder » Donnerstag 6. Dezember 2018, 12:44

Kief hat geschrieben:
Mittwoch 5. Dezember 2018, 17:05
Wenn ich die Welt den Kardashians und Trumps ueberlasse, dann brauche ich mich auch nicht zu wundern, wenn unerwuenschte Dinge passieren.
Das stimmt. Aber als Intro sehe ich die Extro-Konkurrenz als viel zu stark an. Aber Trumps Wähler sind meist ungebildet und die werden sicher keine Nachrichtenmagazine lesen, die fundiert offenlegen, was er falsch macht (solche schreiben sehe ich als Intro-Stärke an), sondern die Schlagzeilen bei Breitbart und "Nachrichten" auf seinem Haussender Fox-News konsumieren.
Kief hat geschrieben:
Mittwoch 5. Dezember 2018, 17:05
Das allerdings bedarf eben auch meiner Initiative.
Im Job kann ich nen Vorgesetzten ansprechen, fuer Sex kann ich die geile Ische ansprechen.
Diese "Verhandlungen" darum, dass ich meinen Stueck vom Kuchen abbekomme, das ist leider grossteils Extro-Bereich.
Deshalb befasse ich mich so damit, obwohl mir das ned so liegt.
Damit meine Rechte nicht unter die Raeder kommen.
Das wird mir niemand abnehmen.
Das stimmt. Ist aber auch eine Frage, wieviel Kraft es einem kostet und wie viel man abzüglich Zwangsbelastungen wie Arbeit noch übrig hat. Wenn ich deutlich mehr Freizeit hätte, würde ich mich politisch engagieren. Aber dafür müsste ich schon sehr viel Zeit und Kraft für soziale Aktivitäten über haben. Wäre toll, wenn sich Extros mehr von Intros beraten lassen würden. Nur was macht Trump? Ein Berater, der sich traut, ihm zu widersprechen, fliegt raus... Ist an vielen Orten so, das Recht haben und Recht bekommen zwei verschiedene Dinge sind und nicht immer die klügere oder weitsichtiger handelnde Person sich durchsetzt. Sich in Diskussionen durchsetzen ist eine Extro-Stärke. Weil oft die Art und Weise wie was kommuniziert wird, mehr Gewicht als der Inhalt einer Aussage hat.
Kief hat geschrieben:
Mittwoch 5. Dezember 2018, 17:05
Aber - und deshalb antworte ich hier - das war gar nicht so sehr Deine Frage:
Deine Frage war nach dem Wert von Introversion.
(Den generellen Thread wollte ich jetzt ned so aufgreifen, so philosophisch zu werden, da verschwindet ganz schnell mal ein ganzer oder drei Tage.)
Ich sehe den Wert von Intros. Ich fuehle ihn.
Du kennst ihn auch - aber Du fuehlst ihn offenbar nicht, und das schmerzt Dich.
Wir wollen Dir helfen, diesen Schmerz zu lindern.
Deine eigenen Staerken auch anzuerkennen, und vielleicht mit einer weniger frustrierten Haltung die Welt da draussen zu betreten.
Damit nicht nur wir sondern auch IRL-Frauen Deine Staerken strahlen sehen koennen ...
(ich komme mir grad arg kitschig vor, aber jede inhaltlich adaequatere Formulierung klingt so brutal verkopft wie Verwaltung oder Juristen-bla ... )
ich nehme an, Du kannst so halbwegs nachvollziehen, was ich damit meine. hm?
Ich verstehe, was du meinst. Aber ich gehe davon aus, das meine private Lebensqualität und beruflicher Erfolg als Extro größer wäre. Die Gesellschaft bestimmt durch die Wertschätzung von Stärken und das Abstrafen von Schwächen was wie wertvoll oder hinderlich ist. Und da schneiden die Extros mit ihren Stärken und Schwächen deutlich besser als Intros ab. Deshalb meine Einstellung. Intro-Stärken werden kaum wertgeschätzt, deren Schwächen aber sehr negativ gesehen. Mann muss sich rechtfertigen, wenn man als Single ohne Kinder und Sonntags-Arbeit am Samstag Abend nicht im Nachtleben ist, mann muss sich rechtfertigen, wenn man lieber alleine als im Team arbeitet, warum man bei der Teambuilding-Maßnahme schlecht drauf und gestresst ist anstatt sich freut in der Arbeitszeit mal "Spaß haben" zu dürfen, für den Bedarf an Alleine-Zeit, einem wird unterstellt, etwa in Wirklichkeit keinen Kontakt oder liebere andere zu treffen und sich das nicht sagen zu trauen usw., bekommt schlechte Noten für die mangelndene Mitarbeit in der Schule, usw... Dagegen habe ich es noch nie erlebt, dass jemand die Durchführung einer Teambuilding-Maßnahme, Party-Besuche (wenn keine Arbeit am Tag drauf ansteht oder Frau mit Kind daheim sitzt), ohne Alleine-Zeit auskommen, gerne viel reden usw. rechtfertigen muss. Das gilt für viele als gut und erstrebenswert. Deshalb bin ich sehr unglücklich damit, das Intro-Los bekommen zu haben. Ich kann mich zwar verstellen, aber es macht mir keinen Spaß und ist sehr anstrengend. Ich war nur wegen Frauen kennenlernen oft in Discos, aber auch ohne jeglichen Dialog und kaum Alkohol war ich wegen der lauten Umgebung und Menschenmassen am Sonntag völlig ausgebrannt. Wie man nach der Disco ohne großen Alkohol-Konsum Erholung brauchen kann und keine Zeit für eine Unternehmung hat, versteht auch fast keiner.

Viele der Intro-Stärken (nur Kreativität habe ich gar keine, hatte in Kunst 5er und 6er und meine Programme im Studium hatten GUIs wie aus der Windows 3.1 oder Netscape-Ära) habe ich auch, aber sehe nur sehr selten, dass sie mir irgendwas bringen.
BartS hat geschrieben:
Mittwoch 5. Dezember 2018, 18:08
Ein wesentlicher Punkt ist, dass viele Intros sich diese Chefposition nicht zutrauen. Umgekehrt wissen mittlerweile viele Personalbüros, dass Intros teilweise die besseren Chefs wären. Das ist so ähnlich wie bei der Frage, warum sind so wenige Frauen in Führungspositionen. Mal ein Artikel dazu: https://ze.tt/du-bist-eher-introvertier ... h-gedacht/
Rein vom IT-fachlichen würde ich mir eine Führungspostion zutrauen. Aber auf Pressetermine, Meetings leiten, Präsentationen, Personalverantwortung (vor allem Entlassungen, insbesondere wenn nicht selbst verschuldet), ein Diensthandy um auch am WE und im Urlaub erreichbar zu sein, fast den ganzen Tags Meetings haben und die viele Verantwortung will ich nicht. Macht und Präsenz wollen sehe ich dagegen als typisch Extro an.
Wuchtbrumme hat geschrieben:
Mittwoch 5. Dezember 2018, 18:13
Karriere wollte ich nie machen. Viel zu anstrengend und Personalverantwortung ist auch nichts für mich. Ich finde einen normalen Arbeitstag anstrengend genug, mehr davon brauche ich nicht. Ich bin gern Assistentin (früher hieß das Sekretärin).
Ich eigentlich auch... aber wenn ich sehe, das ich nur 1600 € netto als einfacher Backend-Entwickler habe, während andere mit gleicher sogar weniger Qualifikation ein zigfaches davon verdienen, bin ich unzufrieden. Ich hätte das notwendige Wissen, aber als Projektleiter oder Berater würde ich als Intro wohl sehr schnell am Stress zugrunde gehen.
Bummi hat geschrieben:
Donnerstag 6. Dezember 2018, 10:20
Ob Introversion als Vor- oder Nachteil erlebt wird, hängt mMn davon ab, wie selbstsicher man ist.
Bei einem sozial unsicheren Menschen nimmt die Umwelt die Schwächen der Introversion zum Teil stärker wahr als ihre Stärken.
Ja, mit Selbstbewusstsein lässt sich Intro sein kaschieren und als Extro wirken, nur auf Dauer ist das sehr anstrengend und stressig.
Warnung vor Pickup: https://www.abtreff.de/viewtopic.php?p=1062199#p1062199

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Bummi » Donnerstag 6. Dezember 2018, 12:47

Saraj hat geschrieben:
Donnerstag 6. Dezember 2018, 11:32


Ich frage mich, wie man als Introvertierter selbstbewusst werden soll, wenn man regelmäßig für seine Introversion kritisiert wird. Generell finde ich es schwierig, aus sich selbst heraus Selbstbewusstsein zu entwickeln. Man braucht doch das Feedback durch andere.
Tja, was war zuerst da, die Henne oder das Ei? ;)
Ich glaube, dass man für die Introversion mehr kritisiert wird, weil man nicht selbstbewusst genug auftritt.
Die Schwächen rücken dadurch für die Mitmenschen in den Vordergrund.

Wie man aus sich selbst heraus Selbstbewusstsein schöpfen kann ohne positive Stärkung von aussen? Ich glaube, das ist verdammt schwierig. :umarmung2:
Aber ich möchte daran glauben, sonst kann ich mich gleich erschiessen.
Manche Leute schreiben, um zu lesen, was sie denken.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Stabil » Donnerstag 6. Dezember 2018, 13:23

Hi Bummi,
volle Zustimmung dazu:
Bummi hat geschrieben:
Donnerstag 6. Dezember 2018, 10:20
Ob Introversion als Vor- oder Nachteil erlebt wird, hängt mMn davon ab, wie selbstsicher man ist.
Bei einem sozial unsicheren Menschen nimmt die Umwelt die Schwächen der Introversion zum Teil stärker wahr als ihre Stärken.
In den sozial sehr unsicheren Jahren meines Lebens konnte noch dazu ich selbst meine Introversion nicht als Stärke wahrnehmen.

Inzwischen habe ich einiges verändert. Der grosse Soziallöwe bin ich immer noch nicht geworden, werde ich wohl nicht mehr werden und das wünsche ich mir auch gar nicht. Aber inzwischen bin ich doch recht stolz auf meine Fähigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Und ich kann das, so wie die Ergebnisse davon, durchaus selbstbewusst auch gegenüber Extravertierten vertreten. Ich muss nur vermeiden, dass ich mich in deren Form der Aktivierung begebe. Bei einem selbst bleiben funktioniert besser. Die Kommunikation ist bei mir halt eine erworbene Fähigkeit, an der ich laufend weiter arbeite. Das mache ich gerne.

Das grosse, in Richtung des Psychopathischen gehende Charisma braucht man nicht wirklich. Ruhige, selbstbewusste Vergnügtheit kann einem schon auch eine Ausstrahlung geben, die ankommt.
* Am meisten schmerzt das Gute, das wir zwar erlebt haben, aber in uns nicht angekommen ist *

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