Sich Selbst anderen ZuMUTen

Rund um die persönliche Situation, Erlebnisse und was einem auf dem Herzen liegt

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Ferienhaus
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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Ferienhaus » Sonntag 6. Januar 2019, 18:42

Le Chiffre Zéro hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 18:40
Bummi hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 15:38
Le Chiffre Zéro hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 15:25


Daß ich mich was trauen muß? Meine Mitmenschen mit voller Absicht zu stören?

Es geht ja nicht darum, daß die mir unangenehm sind. Es geht darum, daß ich ihnen unangenehm bin.
Woran machst du das fest, dass du denen unangenehm bist, wenn ich fragen darf? Also, gibt es da eindeutige Zeichen? Musst nicht antworten. ;)
Ich möchte hier jetzt nicht unbedingt zur Illustration konkrete Fälle inklusive der beteiligten Personen auflisten.

Aber es gab etwa in meiner Schulzeit den einen oder anderen Fall, wo mir direkt ins Gesicht gesagt wurde, daß ich störe. Nicht irgendein Detail an mir, das gerade stört, sondern ich als Ganzes. (Und nein, ich hielt mich nicht an einem Ort auf, an dem ich nicht hätte sein dürfen, z. B. Mädchentoilette. Das geschah an problemlos zugänglichen Orten. Es ging somit tatsächlich um meine Person.)

Es gab auch Fälle – von denen ich einen definitiv zweifellos als solchen identifizieren konnte in Form eines „Zettelchens“, das im Unterricht zu dem Thema geschrieben und weitergereicht wurde, zwar nicht für mich bestimmt war, von mir aber gelesen wurde –, wo es mir nicht direkt und unverblümt gesagt wurde, wo aber trotzdem klar war, daß ich den Personen in meiner Nähe unangenehm war. Manchmal wurde es nur aus ihrem Verhalten klar.

Warum das so war, war mir klar. Ich hielt mich nicht für den Tollsten. Im Gegenteil. Ich verglich mich mit meinen Mitschülern. Und ich kam auf immer mehr Eigenschaften an mir, die – objektiv und/oder gemessen an den Standards meiner Mitschüler – negativ, ja, unangenehm waren. So war mir sehr klar, auf welche Weise und warum ich meinen Mitschülern unangenehm wurde. Es hätte in meinen Augen überhaupt nicht anders sein können.

Die Folge war, daß ich von mir aus zu meinen Mitschülern auf Distanz ging – aus Rücksicht auf sie.

Das verstand allerdings nicht jeder. Vermutlich war nicht jedem sofort auf den ersten Blick ersichtlich, was an mir unangenehm war. Ich wurde also gefragt, warum ich mich verhielt, wie ich mich verhielt. Ich sagte, ich sei unangenehm. Man fragte mich, was denn an mir so unangenehm sein sollte. Ich fing an, es zu erklären.

Das wurde mir irgendwann zuviel, und es reichte mir auch, daß ich immer nur einen Bruchteil meiner Erklärung vortragen konnte – und alle glaubten, das sei die ganze Erklärung gewesen. Also begann ich, meine negativen Eigenschaften in einer auf Papier gedruckten Liste niederzuschreiben und diese dann den Fragern vorzulegen, auf daß diese auf den ersten Blick den Umfang der Liste sahen. Bis zum Ende meiner Schulzeit näherte sich die Liste übrigens 200 Punkten. Zweihundert.

Ich habe die Liste sehr häufig benötigt – auch deshalb, weil ich inzwischen derart auf Distanz zu meinen Mitschülern gegangen war, daß sie mich anders als über diese Liste kaum mehr kennenlernen konnten. Deswegen fragten sie immer häufiger nach den Gründen meines Verhaltens, und deswegen fiel es ihnen auch schwer, die Liste schon inhaltlich als Wahrheit anzuerkennen.

Bevor jetzt jemand fragt: Ich bin auch gebeten worden, meine positiven Eigenschaften niederzuschreiben. Sie wurden kaum mehr als ein Dutzend – eine positive auf ca. 15 negative –, und die meisten hatten auch noch jeweils eine „Kehrseite der Medaille“, die sie, wenn nicht gerade günstige Bedingungen herrschten, gleich wieder zu negativen Eigenschaften machten.

Meine Schulzeit ist lange her. Seitdem habe ich mich eher noch zum Schlimmeren verändert. Kaum ein negativer Punkt ist entfallen, dafür sind einige dazugekommen, andere haben sich intensiviert, nur daß ich sie nicht mehr schriftlich habe.

So setze ich mich bis heute in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht in Sitzgruppen, in denen sich schon mindestens eine andere Person aufhält – es sei denn, alle anderen Personen in der Sitzgruppe wünschen ausdrücklich, daß ich mich zu ihnen setze. Eher stehe ich oder sitze mehrere Stunden an einer Wagentür auf einer Trittstufe. Und Menschen, mit denen ich häufiger zu tun habe, lasse ich nur wenig an Informationen über mich selbst zukommen.
Deine Mitschüler scheinen ein Haufen kompletter Arschlöcher gewesen zu sein. :?

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Le Chiffre Zéro » Sonntag 6. Januar 2019, 19:03

Ferienhaus hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 18:42
Deine Mitschüler scheinen ein Haufen kompletter Arschlöcher gewesen zu sein. :?
Meine Mitschüler waren an sich durchaus sympathisch. Der Störfaktor war ich.

Ich habe mich ja zwangsweise mit ihnen vergleichen müssen. Und ich habe beobachten und in Erfahrung bringen können, was für Eigenschaften an einem Menschen positiv aufgenommen werden und was für Eigenschaften negativ oder gar als unangenehm. Erstere sah ich praktisch nur bei meinen Mitschülern. Letztere sah ich massenhaft an mir selbst.

Hätte ich mich einfach meinen Mitschülern „zugeMUTet“, will sagen, aufgedrängt, wäre ich das Arschloch gewesen, das egoistische, rücksichtslose, asoziale.
← Das da sind keine Klaviertasten. Es sind Synthesizertasten. Doch, da gibt es Unterschiede.
Bisherige Signatur ersetzt, weil die sowieso kaum jemand liest.

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Esperanza » Sonntag 6. Januar 2019, 19:24

Le Chiffre Zéro hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 19:03
Ferienhaus hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 18:42
Deine Mitschüler scheinen ein Haufen kompletter Arschlöcher gewesen zu sein. :?
Meine Mitschüler waren an sich durchaus sympathisch. Der Störfaktor war ich.
Es ist traurig, dass du so über dich denkst. :sadwoman:
Ich glaube nicht, dass du so eine Zumutung bist, nur von Selbstzweifeln geplagt und zerfressen.
Den Leute, denen du deine Liste gezeigt hast um sie davon zu überzeugen, wie schrecklich du bist, ist diesbezüglich wohl auch nichts davon aufgefallen, sonst hätten sie nicht gefragt warum du dich so verhältst.
Ich kann jetzt nicht meinen Zauberstab schwingen und alles in Ordnung bringen, aber ich drück dich mal :umarmung2: :umarmung2: :umarmung2:
Ob du glaubst etwas erreichen zu können oder nicht - du liegst immer richtig. Henry Ford
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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von desigual » Sonntag 6. Januar 2019, 20:25

Undomiel hat geschrieben:
Freitag 4. Januar 2019, 15:22
Tintenmalerin hat geschrieben:
Freitag 4. Januar 2019, 01:24
Undomiel hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 23:14
Sehr interessant. Ich habe Zumutung noch nie in Verbindung mit Mut betrachtet. Darüber muss ich nochmal genauer nachdenken.
Bei mir ist es nämlich ein grosses Thema, dass ich anderen nichts (auch mich nicht) zumuten will. Deswegen interessiert mich das Thema sehr.
Ja, ich hab das vorher auch nicht in Verbindung gebracht. Gerade darum fand ich es spannend genug, um es zu teilen. Zu welchem Ergebnis bist du denn gekommen?
Ich finde mich darin absolut wieder. Mir fehlt wirklich der Mut, mich jemandem zuzumuten. Alle Aspekte, die das Buch aufgezählt hat (Einen Wunsch äußern. Eine Krankheit nicht verschweigen. Lachen, wenn andere nicht lachen. Ein Gefühl zeigen. Ja sagen. Nein sagen. Ich sagen. Sich jemandem zuwenden. Eigen-sinnig sein. Zeigen, dass man nicht weiter weiß. Hilflos sein und um Hilfe bitten. Hilfe annehmen. Ein Lied singen) fallen mir unglaublich schwer. Ich frage zum Beispiel nie nach Hilfe, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Genauso wenig kann ich mich jemandem öffnen, um zu zeigen, wie es wirklich in mir aussieht. Ich mache immer alles mit mir selber aus, um niemanden zu belasten.
Ich denke, dass hat wohl mit meinem mangelnden Selbstwertgefühl zu tun. Ich halte mich immer für eine Zumutung, auch wenn meine Umgebung das vielleicht anders empfindet. Und ich bitte nicht um Hilfe, weil ich tief in meinem Inneren nicht glauben kann, dass es wirklich Menschen gibt, die mir helfen möchten und das gerne tun würden, einfach weil sie mich mögen. Ich habe immer Angst vor Abweisung, erst recht, wenn ich mich (zumindest nach meiner Auffassung) jemandem zumuten würden. Außerdem habe ich Angst, dass ich erst Recht nicht gemocht werde, wenn ich um Hilfe bitte und damit meine Schwächen zugebe.
Ich finde mich in deinen Worten leider auch wieder. Es ist richtiggehend hart, all diese Probleme, meine Probleme, so aufgezählt zu sehen.

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Bummi » Sonntag 6. Januar 2019, 20:44

@Le Chiffre Zero:

:( :umarmung2:

Mit deiner Person hat das mE wenig zu tun, eher mit einer Gruppendynamik, die dahinter steht.
Wenn man dadurch genug verunsichert ist, wirkt man auf weitere andere Menschen wiederum seltsam oder unsicher.
Ich finde eher deine ehemaligen Mitschüler unzumutbar.
Ich würde auch gerne etwas wirklich Tröstliches, Hilfreiches zu deinem vorletzten Beitrag schreiben. Vielleicht fällt mir später noch etwas ein.
Wenn du lachst, lacht die ganze Welt mit dir.
Wenn du weinst, weinst du ganz alleine.

Bummi ~ meine Heldin aus Kinderbüchern :shylove:

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Undomiel » Sonntag 6. Januar 2019, 22:02

desigual hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 20:25
Undomiel hat geschrieben:
Freitag 4. Januar 2019, 15:22

Ich finde mich darin absolut wieder. Mir fehlt wirklich der Mut, mich jemandem zuzumuten. Alle Aspekte, die das Buch aufgezählt hat (Einen Wunsch äußern. Eine Krankheit nicht verschweigen. Lachen, wenn andere nicht lachen. Ein Gefühl zeigen. Ja sagen. Nein sagen. Ich sagen. Sich jemandem zuwenden. Eigen-sinnig sein. Zeigen, dass man nicht weiter weiß. Hilflos sein und um Hilfe bitten. Hilfe annehmen. Ein Lied singen) fallen mir unglaublich schwer. Ich frage zum Beispiel nie nach Hilfe, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Genauso wenig kann ich mich jemandem öffnen, um zu zeigen, wie es wirklich in mir aussieht. Ich mache immer alles mit mir selber aus, um niemanden zu belasten.
Ich denke, dass hat wohl mit meinem mangelnden Selbstwertgefühl zu tun. Ich halte mich immer für eine Zumutung, auch wenn meine Umgebung das vielleicht anders empfindet. Und ich bitte nicht um Hilfe, weil ich tief in meinem Inneren nicht glauben kann, dass es wirklich Menschen gibt, die mir helfen möchten und das gerne tun würden, einfach weil sie mich mögen. Ich habe immer Angst vor Abweisung, erst recht, wenn ich mich (zumindest nach meiner Auffassung) jemandem zumuten würden. Außerdem habe ich Angst, dass ich erst Recht nicht gemocht werde, wenn ich um Hilfe bitte und damit meine Schwächen zugebe.
Ich finde mich in deinen Worten leider auch wieder. Es ist richtiggehend hart, all diese Probleme, meine Probleme, so aufgezählt zu sehen.
Ja, ist leider so 😔
Ich weiß auch nicht, wie man da eine gesunde Balance findet und vor allem wie man es schafft, sich selber nicht als Zumutung zu sehen. Ich weiß selber, dass ich mir mein Leben damit (vermutlich unnötig) sehr schwer mache. Aber jedes Mal, wenn ich wieder in einer solchen Situation bin , komme ich mir unzumutbar und unwürdig vor, so verhalte ich mich dann auch 😟
" I hold the world but as the world,
a stage where every man must play a part,
And mine a sad one. "

W. Shakespeare

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von mak1 » Sonntag 6. Januar 2019, 22:35

Undomiel hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 22:02

Ich weiß auch nicht, wie man da eine gesunde Balance findet und vor allem wie man es schafft, sich selber nicht als Zumutung zu sehen. ... Aber jedes Mal, wenn ich wieder in einer solchen Situation bin , komme ich mir unzumutbar und unwürdig vor, so verhalte ich mich dann auch 😟
Deine Undomiel aber auch die Zeilen der Anderen zu lesen beschäftigt mich.
Versucht folgendes; Bei Leuten bei denen ihr euch wohl fühlt und zu denen ihr Vertrauen habt, bittet sie um etwas oder fragt um Hilfe. Selbst wenn es eine Kleinigkeit ist. An ihrer Reaktion werdet ihr sehen, ihr seid würdig und zumutbar. Ihr müsst selbst den Mut aufbringen aus dieser Schleife heraus zu finden. Ihr werdet sehen, es ist eine schöne Entdeckung und es tut gut. Und es zieht positive Aufmerksamkeit nach sich. Es wird euer Ego aufrichten.

Mut und gutes Gelingen wünscht
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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Hoppala » Montag 7. Januar 2019, 02:02

Le Chiffre Zéro hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 19:03
Ferienhaus hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 18:42
Deine Mitschüler scheinen ein Haufen kompletter Arschlöcher gewesen zu sein. :?
Meine Mitschüler waren an sich durchaus sympathisch. Der Störfaktor war ich.

Ich habe mich ja zwangsweise mit ihnen vergleichen müssen. Und ich habe beobachten und in Erfahrung bringen können, was für Eigenschaften an einem Menschen positiv aufgenommen werden und was für Eigenschaften negativ oder gar als unangenehm. Erstere sah ich praktisch nur bei meinen Mitschülern. Letztere sah ich massenhaft an mir selbst.

Hätte ich mich einfach meinen Mitschülern „zugeMUTet“, will sagen, aufgedrängt, wäre ich das Arschloch gewesen, das egoistische, rücksichtslose, asoziale.
Du hast anschenend sehr früh in deinem Leben aus wenigen (selektiv als besonders wichtg wahrgenommenen?) Begebenheiten) Schlussfolgerungen für dich, dein Selbstbild bzw, deine Wahrnehmung durch andere und dein Verhalten gezogen, die quasi zwingend dazu führen, dass du solche Begenheiten und Wahrnehmungen vermehrt und stärker erlebst.
Ich vermute, absolut jeder von uns wurde schon - auch und gerade als Schüler - mal als "du störst" auf Distanz geschickt. Ich jedenfalls, mehrfach. Später auch. Das ist keine Besonderheit, die dich auszeichnet. Ich habe nur darauf verzichtet, daraus dann allgemeine Schlussfolgerungen über meine Zumutbarkeit zu ziehen, es runtergeschluckt, und bin später mit diesen Leuten wieder ins Gespräch gekommen, wenn ich wollte. Meist war es einfach nur eine unüberlegte, momentane Marotte von ihnen, aus irgendwelchen (zumindest für mich) irrelevanten "Gründen".
Wenn man es darauf anlegt, kann jeder - ich jedenfalls - täglich Situationen erleben, in denen man jemand "belästigt", "unerwünscht" ist. Als fleißiger U-Bahn-Fahrer braucht man nur einer eiligen Mutter und ihrem Hyper-Kinderwagen samt 2 weiteren quengelnden Kindenr und 3 Einkaufstaschen im Arm im Weg zu stehen. Böse Blicke und ein Signal á la "Nimm gefäligst Rücksicht du siehst doch, dass ich hier stehen will und muss!" sind garantiert; egal, ob alle anderen Türbereiche komplett frei wären. Würde ich das persönlich nehmen, würde ich auch wie ein geprügelter Hund möglcihst allem und jedem asuweichen.
Tu ich aber nur, wenn ich wirklich selbst meine, dass ich etwas dämlich war. Folglich hat sowas auf mich nicht solche Auswirkungen. Folglich stehe ich seltener am Rand. Foglich werde ich seltener wie "der merkwürdige Typ da am Rand" wahrgenommen, Folglich erhalte ich seltener Signale á la "der merkwürdige Tp soll mal lieber an seinem Rand bleiben, besser noch ein bisschen mehr Distanz halten".
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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Automobilist » Montag 7. Januar 2019, 03:54

Le Chiffre Zéro hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 18:40
So war mir sehr klar, auf welche Weise und warum ich meinen Mitschülern unangenehm wurde. Es hätte in meinen Augen überhaupt nicht anders sein können.

Die Folge war, daß ich von mir aus zu meinen Mitschülern auf Distanz ging – aus Rücksicht auf sie.
Die leidige Schulzeit - ich kann das sehr gut verstehen. Sie ist bei mir viel länger her, als bei Dir - und darüber bin ich keineswegs unfroh. An sich wäre sie so schlecht nicht gewesen - hätte es nicht diese leidigen " Mitschüler " gegeben.

Aber ich war sehr schnell " der Streber " und obendrein der mit Abstand Schlechteste im Sport - gefundenes Fressen für Spötteleien jedweder Couleur. Sie mußten aber sehr schnell lernen, daß ich nicht bereit war, als " Prügelknabe " zu dienen -
selbst ich ruhiger und duldsamer Mensch konnte durchaus meine Fäuste gebrauchen - daß ich kein Schwächling war, merkten sie sehr schnell.

Was war nun die Folge ? Eine Art " Isolator " - man mied sich gegenseitig; von meiner Seite aus keineswegs aus Rücksicht auf " Mitschüler ", sondern eher aus grenzenloser Verachtung. Mein Verhältnis zu den Lehrern war immer ausgezeichnet ( bis auf - wenige - sogenannte " Junglehrer ", mit denen ich praktisch nichts anfangen konnte ). Seitens der Lehrer wurde mir des Öfteren gesagt, ich sei " erwachsener " als die Mitschüler und solle Dieselben - wo immer möglich - ignorieren.

Diesem Rat folgte ich gerne; irgendwelche Berührungspunkte gab es ohnehin nicht - und was diese " Mitschüler " dachten war mir ohnehin gleichgültig. Consequenzen ? " Schulfreunde " gab es im Sinne des Wortes nicht und ich spielte auch keinerlei Rolle in deren Leben und schon gar nicht in deren Activitäten.

Dies gefiel mir nicht einmal übel - und ging über die Schulzeit hinaus; auch auf der Universität war das nicht anders : man mied sich, wo immer das möglich war.

Ich wertete aber nicht Eigenschaften ( positiv - negativ ) - sondern die Medusa der mangelnden Compatibilität erhob ihr Haupt relativ frühe. Dies nicht zu erkennen wäre platterdings unmöglich gewesen - und ebendieser Mangel verfolgt mich wohl bis an mein unseliges Ende...

" In 50 Jahren ist alles vorbei " singt Otto Reutter - tröstlich; es wird bei mir keine 50 Jahre mehr dauern, da würde ich schon weit über 100 Jahre alt sein.

Und da das Hauptthema dieses Forums die Beziehungen zum anderen Geschlecht sind : mich haben weder die wenigen Mädels, noch irgendwelche " Commilitoninnen " jemals interessiert - Aphrodite gab es schon damals; verändert hat sich nichts.

Unerfreulicherweise hat mich die unbarmherzige Zeit überholt; jetzt ist es zu spät, es bleibt nur noch, das Gesicht zu wahren und Unabänderliches mit stoischer Gelassenheit zu nehmen - und das ist etwas, das ich recht gut kann.
Was ist " humour " ? Excellenz Erich Ludendorff

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Milkman » Montag 7. Januar 2019, 10:01

Tintenmalerin hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 23:01
Sich zuzumuten braucht das Vertrauen, nicht beschämt, verlacht oder zurückgewiesen zu werden. Oft entdecken Menschen mehr andere Menschen, denen sie sich zumuten können, als sie vorher vermutet haben.
Interessant. Möchte der Autor hier einen Bedeutungswandel des Wortes "zumuten" herbeiführen? Bei mir (und sicher bei vielen anderen) hat es einen negativen Klang - so nach extremst niedrigem Selbstbewusstsein, als sei man eine Bürde für die, denen man sich "zumutet". Dabei hat es offenbar, wie du schreibst, viel mit Vertrauen zu tun, also mit einer für zwischenmenschliche Beziehungen essentiellen Zutat.
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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Nonkonformist » Montag 7. Januar 2019, 10:29

Wann ich mich an meinen schulzeit erinnere war da meist doch einigermassen integriert.
In der grundschule war ich ganz normal integriert und wußte ich nicht mal was mobbing ist.
Im gymnasiumalter änderte sich das, und kam ich bei den tollen alphas nicht gut an, aber es gab immer eine außenseiterklique wo es menschen gab mit denen ich gut zurecht kam, und es gab keine schuljahren wo ich keine freunde hatte. Ich kann mich nicht erinnern das ich mich dafür mühe geben müßte, die kontakte entstanden von alleine, ohne das irgendwelchen mut meinerseits dafür erforderlich war, ohne ich mich selbst aufdrängen müßte. Sogar mitschulerinnen kamen von alleine auf mich zu und einige haben auch mit mir geflirtet, oder auf klassenfeten und abschlußfeier mit mir getanzt. Ich bekam in der periode einige liebesgeständnisse und von anderen würde mir von dritten übermittelt, das sie in mich verknallt waren.
In der lehrerschule fühlte ich mich eher alleine und unverstanden - kaum nerds und geeks dort - aber sogar da habe ich mich mit einigen kommilitonen und kommilitoninnen angefreundet. Auf einen klassenfahrt ins ausland bin ich fürs erste mal mit in einen disko gegangen und habe da erfolgreich die eine süße hübsche kommilitonin zum engtanz aufgefordert.
Das gefühl komplett sozial isoliert zu sein hatte ich noch nie.

Auch jetzt komme ich meist gut an.
Am letzten tag meiner AGH stelle, vor wenigen monaten, hat meine direkte kollegin mich sicher fünf mal gedrückt.

Was schon der fall ist, das ich immer zeit brauche um für menschen auf zu wärmen.
Aus einmalige begegnungen ist bei mir noch nie eine freundschaft entstanden, das entwickelt sich über zeit.
I Yam What I Yam & Dats What I Yam - (Popeye the Sailorman.)

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Stabil » Dienstag 8. Januar 2019, 10:32

Milkman hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 10:01
Tintenmalerin hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 23:01
Sich zuzumuten braucht das Vertrauen, nicht beschämt, verlacht oder zurückgewiesen zu werden. Oft entdecken Menschen mehr andere Menschen, denen sie sich zumuten können, als sie vorher vermutet haben.
Interessant. Möchte der Autor hier einen Bedeutungswandel des Wortes "zumuten" herbeiführen? Bei mir (und sicher bei vielen anderen) hat es einen negativen Klang - so nach extremst niedrigem Selbstbewusstsein, als sei man eine Bürde für die, denen man sich "zumutet". Dabei hat es offenbar, wie du schreibst, viel mit Vertrauen zu tun, also mit einer für zwischenmenschliche Beziehungen essentiellen Zutat.
Für mich ist diese zweite Bedeutung nicht neu.

Hast du noch nie gehört, dass jemand meint, einem anderen die Wahrheit zumuten zu können? Das scheint mir ein allgemein üblicher Wortgebrauch zu sein. Damit ist bekanntlich gemeint, dass er dem Anderen zutraut, die Wahrheit zu vertragen.

Entsprechend scheint in den Zitaten von Tintenmalerin gemeint zu sein: Ich kann mich meinen Mitmenschen zumuten. Ich meine damit, dass ich ihnen zutraue, mich zu ertragen dass ich ihnen zutraue, dass sie mich mögen können, oder dass sie mich sogar tatsächlich mögen.

Je nach Kontext ist also aufbürden oder anvertrauen gemeint. Das sind zwei Bedeutungsfelder mit fliessendem Übergang.
Für das gegenseitige Verständinis ist es hilfreich - und oft auch notwendig, zu spezifizieren, was jeweils gemeint ist.
Je nachdem, wieviel Urvertrauen jemand entwickelt hat, wird das sich Zumuten als Aufbürden oder als Anvertrauen empfunden.

Und zusätzlich gibt es noch etwas was mit dem Zumuten zusammen hängt, von dem oft übersehen wird, dass es spezifiziert sein sollte. Da die implizite Spezifikation unterschiedlich sein kann, hilft eine explizite Angabe, wovon man redet. Es macht nämlich einen grossen Unterschied, ob ich mich als Person, also meine Existenz, meine Zugehörigkeit zumute, oder ob ich bestimmte Gedanken, Emotionen, Überzeugungen, Meinungen, Verhalten usw. anderen Zumute. Das Zumuten von Anwesenheit ist ein Grenzfall, da es noch einmal auf besondere Weise stark kontexabhängig ist.

Soviel erst mal zur Wortbedeutung. Konkret will ich später noch was schreiben.
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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von TheRealDeal » Mittwoch 9. Januar 2019, 09:59

Stabil hat geschrieben:
Dienstag 8. Januar 2019, 10:32
Entsprechend scheint in den Zitaten von Tintenmalerin gemeint zu sein: Ich kann mich meinen Mitmenschen zumuten. Ich meine damit, dass ich ihnen zutraue, mich zu ertragen dass ich ihnen zutraue, dass sie mich mögen können, oder dass sie mich sogar tatsächlich mögen.

Je nach Kontext ist also aufbürden oder anvertrauen gemeint. Das sind zwei Bedeutungsfelder mit fliessendem Übergang.
Für das gegenseitige Verständinis ist es hilfreich - und oft auch notwendig, zu spezifizieren, was jeweils gemeint ist.
Je nachdem, wieviel Urvertrauen jemand entwickelt hat, wird das sich Zumuten als Aufbürden oder als Anvertrauen empfunden.
Ich mute mich anderen Menschen mittlerweile bewusst zu. Mit all meinen Stärken, Schwächen, Gefühlen und sonstigen Befindlichkeiten. Gerade auch, wenn es mir schlecht geht, aus welchem Grund auch immer. Ich habe für mich erkannt, dass ich mich im Wesentlichen selbst belügen würde, wenn ich nicht das nicht tun würde.

Ich mache mir darüber auch keine Gedanken darüber, wie das bei anderen Menschen ankommt. Gesendet ist es ehrlich und unverfälscht. Das reicht mir.
Die beiden wichtigsten Tage deines Lebens sind der Tag, an dem du geboren wurdest, und der Tag, an dem du herausfindest, warum. – Mark Twain

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von klecks » Donnerstag 10. Januar 2019, 09:49

TheRealDeal hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 09:59
Ich mute mich anderen Menschen mittlerweile bewusst zu. Mit all meinen Stärken, Schwächen, Gefühlen und sonstigen Befindlichkeiten. Gerade auch, wenn es mir schlecht geht, aus welchem Grund auch immer. Ich habe für mich erkannt, dass ich mich im Wesentlichen selbst belügen würde, wenn ich nicht das nicht tun würde.

Ich mache mir darüber auch keine Gedanken darüber, wie das bei anderen Menschen ankommt. Gesendet ist es ehrlich und unverfälscht. Das reicht mir.
Klingt gut, fühlt sich vermutlich aber nur dann gut an, wenn du auf Gegenüber triffst, die die annehmen, ohne dir die Verantwortung für dich und dein Tun abnehmen. Bzw. wenn du anderen deine Schwäche (ich denke da gerade an den Wunsch nach Abhängigkeit, ist nur ein Beispiel) zeigen kannst, gleichzeitig aber weißt, dass niemand außer dir DEIN Leben leben kann ... (Aber so wie du hier in den Beiträgen rüberkommst für mich, ist das nicht - vielleicht mehr? - deine Baustelle ...)

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von TheRealDeal » Donnerstag 10. Januar 2019, 14:20

Wichtig ist in meinen Augen, dass ich erkannt habe, dass ich nur mit meinen Schwächen vollständig bin. Weil diese dann wichtig sind und zu mir gehören, kann ich darüber sprechen, als wären es keine. Mehr noch: Ich kann in einer Art und Weise darüber reden (im Rahmen meiner Selbsterkenntnis), als wäre es das Natürlichste von der Welt, diese zu haben. Ist ja auch klar, ohne Schwächen keine Stärken. Mir kommt dann niemand "um die Ecke" und will mich belehren. Ich kenne ja meine Themen. Die habe ich zwar noch nicht alle gelöst, aber ich bin mir das wert, daran zu arbeiten.

Ich glaube das viele Menschen sich energetisch zu oft "beim Anderen" aufhalten und nicht "bei sich" bleiben. Wenn mich halt jemand nicht verkraftet, dann ist es sein Thema und nicht meins. Da ich kein Hellseher bin und nicht weiß, wie etwas bei einem anderen Menschen ankommen wird, tue ich das, was ich tun kann, nämlich darauf zu achten, wie ich etwas (aus-)sende.
Die beiden wichtigsten Tage deines Lebens sind der Tag, an dem du geboren wurdest, und der Tag, an dem du herausfindest, warum. – Mark Twain

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Tintenmalerin » Sonntag 13. Januar 2019, 01:47

Automobilist hat geschrieben:
Freitag 4. Januar 2019, 10:39
Das ist durchaus möglich und obendrein recht wahrscheinlich. Mache doch einfach die Probe auf's Exempel und frage ; ich werde, wie üblich, ehrlich antworten.
Ich glaube, so direkt möchte ich diese ehrliche Antwort gar nicht wissen... Dazu habe ich durch deine Beiträge schon eine zu gefestigte Erwartung dazu.
Es fängt ja schon damit an, das ich deutlich jünger bin als du und sehr froh darüber, gegen Ende des 20. Jahrhunderts geboren worden zu sein und nicht in der Kaiserzeit. Mir sind die Werte dieser Zeit zu hart und unnachgiebig und ich habe heutzutage weit mehr Freiheit, mein Leben so zu gestalten, wie ich das möchte.
Und - nicht ganz ernstgemeint, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass das schon reicht - ich bin kein Auto :schwitzen:
Le Chiffre Zéro hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 15:25
Daß ich mich was trauen muß? Meine Mitmenschen mit voller Absicht zu stören?
Nein, dich ihnen im Sinne des Zitats zuzumuten. Du magst da für dich keinen Unterschied machen, aber das sind zwei verschiedene Dinge.
Es geht ja nicht darum, daß die mir unangenehm sind. Es geht darum, daß ich ihnen unangenehm bin.
Woher willst du wissen, dass das der Fall is?
"Ich bin nun mal ich, kann gar nicht anders sein." zählt nicht.
Le Chiffre Zéro hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 18:40
Aber es gab etwa in meiner Schulzeit den einen oder anderen Fall, wo mir direkt ins Gesicht gesagt wurde, daß ich störe. [...]

Warum das so war, war mir klar. Ich hielt mich nicht für den Tollsten. Im Gegenteil. Ich verglich mich mit meinen Mitschülern. Und ich kam auf immer mehr Eigenschaften an mir, die – objektiv und/oder gemessen an den Standards meiner Mitschüler – negativ, ja, unangenehm waren. So war mir sehr klar, auf welche Weise und warum ich meinen Mitschülern unangenehm wurde. Es hätte in meinen Augen überhaupt nicht anders sein können.

Die Folge war, daß ich von mir aus zu meinen Mitschülern auf Distanz ging – aus Rücksicht auf sie.

Das verstand allerdings nicht jeder. Vermutlich war nicht jedem sofort auf den ersten Blick ersichtlich, was an mir unangenehm war. Ich wurde also gefragt, warum ich mich verhielt, wie ich mich verhielt. Ich sagte, ich sei unangenehm. Man fragte mich, was denn an mir so unangenehm sein sollte. Ich fing an, es zu erklären.

[...] Also begann ich, meine negativen Eigenschaften in einer auf Papier gedruckten Liste niederzuschreiben und diese dann den Fragern vorzulegen, auf daß diese auf den ersten Blick den Umfang der Liste sahen. Bis zum Ende meiner Schulzeit näherte sich die Liste übrigens 200 Punkten. Zweihundert.

Ich habe die Liste sehr häufig benötigt – auch deshalb, weil ich inzwischen derart auf Distanz zu meinen Mitschülern gegangen war, daß sie mich anders als über diese Liste kaum mehr kennenlernen konnten. Deswegen fragten sie immer häufiger nach den Gründen meines Verhaltens, und deswegen fiel es ihnen auch schwer, die Liste schon inhaltlich als Wahrheit anzuerkennen.

[...] Und Menschen, mit denen ich häufiger zu tun habe, lasse ich nur wenig an Informationen über mich selbst zukommen.
Bei dieser Gründlichkeit fehlen mir ein wenig die Worte... Zweihundert Punkte, die du an dir selbst nicht magst...
Liest sich wie sehr konsequentes Vermeideverhalten.
Zuerst die undifferenzierte Ablehnung in der Jugend, die dazu geführt hat, dass du dich ausführlich mit dem Warum beschäftigt hast, dann die Liste, mit der du anderen abgenommen hast, dich abzulehnen. Die du selbst dann vorgeschoben hast, wenn anscheinend Interesse darin bestand, dich kennen zu lernen bzw. etwas über die zu erfahren, anstatt deinem Gegenüber die Chance zu geben, dich tatsächlich kennen zu lernen und ihre eigene Meinung zu dir zu formen. So verhindert du auch sehr effektiv, dass jemand dich gut genug kennenlernt, um tatsächlich dich zu mögen und nicht nur die angepasste Version deiner Selbst zu akzeptieren, die du öffentlich zeigst.
Kein Wunder, dass du lieber Kopfmensch bist, als deine Gefühle noch an dich heranzulassen :sadman:

So wie ich das sehe, ist kein Mensch an sich eine Zumutung, sondern Umstände, die man einem anderen aufzwingt, oder Verhaltensweisen, die man jemand anderem aufdrängt, ohne auf seine Bedürfnisse oder Wünsche zu achten oder sie ernst zu nehmen.
Leider scheint es genug Menschen zu geben, die sich selbst als Zumutung wahrnehmen und daher jedes individuelle Bedürfnis, alles was über die funktionale Fassade hinausgeht, für sich behalten, um bloß nicht anzuecken.
So kenne ich das - auch wenn ich für mich nie das Wort Zumutung verwendet habe - und so lese ich das aus den Beiträgen in diesem Thema.
Vielleicht ist diese Bezeichnung auch einfach wenig hilfreich, sondern eher verwirrend.
Eigentlich geht es ja darum, sich anderen zuzuwenden und sich mit seinen Bedürfnissen, Wünschen und seiner Eigenartigkeit zu zeigen. Sich zu öffnen.
Es geht um Verletzlichkeit, Resonanz und echte Begegnung.
Um zur Verwirrung noch ein paar neue Schlagwörter einzubringen...
Das Leben ist einzigartig und wunderschön, selbst wenn es gerade schwer zu ertragen ist.

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von AviferAureus » Sonntag 13. Januar 2019, 02:14

Nihil de nihilo creari potest.

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Automobilist » Sonntag 13. Januar 2019, 12:02

Tintenmalerin hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 01:47
Und - nicht ganz ernstgemeint, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass das schon reicht - ich bin kein Auto :schwitzen:
Chapeau, Du hast es geschafft, mich zum Grinsen zu bringen...aber nein; Aphrodite ist ja auch kein Automobil....

Leider scheint es genug Menschen zu geben, die sich selbst als Zumutung wahrnehmen und daher jedes individuelle Bedürfnis, alles was über die funktionale Fassade hinausgeht, für sich behalten, um bloß nicht anzuecken.

Nicht nur deshalb, sondern auch - und vor Allem ! - um sich selbst vorhersehbaren Verdruß zu ersparen.
Was ist " humour " ? Excellenz Erich Ludendorff

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Tania
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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Tania » Sonntag 13. Januar 2019, 14:19

Automobilist hat geschrieben:
Dienstag 1. Januar 2019, 16:16
Le Chiffre Zéro hat geschrieben:
Dienstag 1. Januar 2019, 16:13
Mir geht es da ganz ähnlich, denn ich muß davon ausgehen, daß bei (jemandem wie) mir die Schwelle zum Zumutungwerden sehr niedrig ist – will sagen, ich sehr viel schneller zur unangenehmen „Zumutung“ werde als der Durchschnitt.
Vermutlich gelänge es Dir nicht, meine " Geschwindigkeitsrekorde " in dieser Beziehung zu brechen...

Gerade bei euch beiden bin ich nicht so sicher, ob ihr nicht schon längst andere Menschen als Zumutung empfindet, bevor sie umgekehrt euch als Zumutung sehen ... :gruebel:

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Re: Sich Selbst anderen ZuMUTen

Beitrag von Stabil » Sonntag 13. Januar 2019, 14:31

AviferAureus hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 02:14
Nihil de nihilo creari potest.
Zum Glück sind wir nicht "nichts".

Wir sind schon etwas, genauer gesagt: jemand.
Der Jemand kann sich verändern und entwickeln.
* Am meisten schmerzt das Gute, das wir zwar erlebt haben, aber in uns nicht angekommen ist *

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