"Das psychiatrische Hilfesystem"

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Lexo
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"Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Lexo » Sonntag 20. Januar 2019, 16:10

"Im Folgenden: Eine Auslassung über die Lage psychisch kranker Menschen in der BRD;

Das psychiatrische Hilfesystem in Deutschland funktioniert nicht! Es gibt Hilfebrauchende, die durch´s Raster fallen.
Thema: Obdachlosigkeit: Das Jobcenter hilft obdachlosen Menschen NICHT! Ein Obdachlosenwohnheim (beispielsweise in Berlin) stellt für einen Bewohner Gefahr für Psyche, Leid und Leben dar! Man kann einen Platz im Obdachlosenwohnheim bekommen; Da kann es sein, dass man ins Sozialamt Köpenick muss, obwohl man sich in Steglitz aufhält (weil das Buchsabenmäßig so geregelt ist); Also, zuerst muss man zum Sozialamt, dort gibt es einen Schrieb mit dem man zum Jobcenter muss (liegen in Köpenick mindestens einen Kilometer auseinaander); Alles zusammen dauert an einem Tag vielleicht drei Stunden (ohne An- und Rückfahrt); Wenn jetzt ein Obdachloser nicht ganz so intelligent ist, vielleicht (was oft der Fall ist) Alkoholiker ist, dann tut er sich das nicht an! Schafft man es in´s Obdachlosenwohnheim lässt einen das Jobcenter dort versauern! Zwischendrin woanders pennen ist nicht erlaubt, weil das Jobcenter jede Nacht bezahlt. Das Jobcenter lehnt WGs ab, weil sie "angeblich" Wucher sind; Gegen den Wucher vorgehen tut es aber nicht; Das Jobcenter gibt einem auch keinen Wohnberechtigungsschein; Den muss man sich wieder selber erarbeiten;
In Berlin gibt es den "Berlinpass"; Schöne Sache! Allerdings gibts den auch nicht vom Jobcenter; Mir hat damals die Mitarbeiterin gar nicht davon erzählt. Den "Berlinpass" muss man sich wieder selber erarbeiten. Sollten nicht die, die kein Hartz-IV beziehen und arbeitslos sind nicht noch viel eher Begünstigungen bekommen?
Im Allgäu gibt es keinen "Allgäupass"? Und ein Hartz-IV-Empfänger aus Bayern, wenn der im Urlaub Berlin besucht, ist der nicht finanziell minderbemittelt? Sieht so aus, als müsste er für "Die Wühlmäuse" den vollen Preis bezahlen!
In dem Obdachlosenwohnheim, in dem ich war ("Pension Kaiserdamm"), gibt es keinen Sozialarbeiter! Es gibt keinen Schutz für einzelne Bewohner!
Die "Abgehängten", die jetzt rechts wählen sind nicht die, denen es schlecht geht! Schlecht geht es den Obdachlosen!
Dreimal wurde in Berlin mein schriftlicher Antrag auf ambulant betreutes Wohnen mündlich abgelehnt; Obwohl eine Reha für psychisch Kranke, in der ich drei Monate war es mir empfohlen hat.
Kümmern Sie sich endlich um die sogenannten psychisch Kranken in Deutschland und nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe! Schaffen Sie institutionelle und formelle Barrieren aus dem Weg! Lassen sie nicht Menschen auf der Straße oder in Obdachlosenwohnheimen unwürdig herumliegen! Das Jobcenter soll Wohnungen zur Verfügung stellen!
Schaffen sie das menschenverachtende Hartz-IV ab!
Vom Jobcenter werden Menschen in Serie gedemütigt. Das Jobcenter treibt fiese Spielchen, die aber nicht justiziabel sind; Das Jobcenter ist nicht transparent. Das Jobcenter sagt Sachen, die nicht eingehalten werden.
Phänomene von Selbstjustiz in der BRD sind nicht verwunderlich. Menschen schicken "Abmahnungen" an Mitarbeiter von Ämtern, weil sie sich gedemütigt fühlen. Die Menschen wollen Macht haben. So kommt es etwa zu den "Reichsbürgern"; Wenn man immer gedemütigt wir und "der Kleine" ist, dann kommt man vielleicht irgendwann auf die Idee sich selber die Macht zu erteilen und "Abmahnungen" zu verteilen. Beim Thema Jobcenter wird ganz deutlich, wie Menschen (Leute vom Jobcenter) Macht auf andere Menschen (vermeintlich weniger wertvolle) auszuuüben. Fragen sie Hartz-IV-Empfänger und ehemalige Hartz-IV-Empfänger. Ich werde mit meiner Darstellung nicht alleine sein.

Schon mal was von Empowerment gehört?! Es kann nicht sein, dass wenn eine Frau Schutz und/oder eine Unterkunft sucht, sie nicht in´s Frauenhaus geht, weil sie da keine Privatsphere hat und Belästigungen ausgesetzt ist und weil sie dann keinen Job bekommt! Es kann nicht sein, dass Obdachlosenwohnheime ohne Sozialarbeiter/Sozialpädagogen betrieben werden! Ich finde es auch nicht richtig, dass kommerzielle Anbieter, die keinerlei Ausbildung im sozialen Bereich haben Obdachlosenwohnheime betreiben! Es darf nicht sein, dass Obdachlosenwohnheim und Frauenhaus Stigmatisierung bedeuten!
Das psychiatrische Hilfesystem ist leider nicht dazu da, Menschen zu helfen! Sozialarbeiter sind nicht dazu da, Menschen zu helfen! Sie sind dazu da, den Status Quo aufrechtzuerhalten! Die sogenannten Klienten werden gesiezt, damit es ein Oben-unten-Verhältnis ist! Dieses darf auf keinen Fall aufgehoben werden!
Eine freundschaftliche Zusammenarbeit ist nicht erwünscht! Der sogenannte Klient wird praktisch entmündigt! Der Sozialarbeiter geht nicht in´s Büro und sagt: "Heute rette ich Menschen!" Er sagt: "Business as usual"! Es ist ja gewollt, dass es "diese Klienten" gibt! Davon leben die Sozialarbeiter! Eine Verbesserung der Lage darf nicht stattfinden! Er darf, um Gottes Willen, nicht selbstständig werden! Nur, wenn er einschätzungmäßig einen Nutzen für den Kapitalismus bringt! Und sollte es so kommen, hat er ja dann auch keine Selbstbestimmung!

Kommen wir zum Thema gesetzliche Betreuung: Hier wird der Klient offiziell inoffizell entmündigt! Betreuung ist keine Dienstleistung des psychiatrischen Hilfesystems! Nein! Zu einer Betreuung wird man vom Richter verurteilt. Und selbst wenn die Betreuung durch eigenes Bemühen beantragt wird kommt man da nicht schnell wieder heraus! Die Bereiche werden vorgeschrieben, der Betreuer wird festgelegt! Keine Spur von Empowerment!

Der Fokus sollte auf sozialem liegen, nicht auf der Wirtschaft! Wichtig ist, dass wir das bedingungslose Grundeinkommen bekommen! Es ist wichtig, dass es überall Sozialstützpunkte gibt, wo ein jeder hinkommen kann und wo jedem geholfen wird, fachmännisch, SOFORT! Wichtig ist, dass keine Anträge für Hilfen verlangt werden! Den Menschen wird sofort geholfen und der Sozialarbeiter bekommt sein Gehalt (es sei denn er macht es ehrenamtlich)! Desweiteren ist bezahlbarer Wohnraum für Jedermann wichtig! Die Jobcenter sollen Wohnungen anbieten! Keiner soll in ein Obdachlosenwohnheim oder zu seinen Eltern müssen! Das wäre weihnachtlich!
Wichtig ist Transparenz! Überall (auch beim öffentlich, rechtlichen Fernsehen)! Behörden sollen so schreiben, dass Jedermann es versteht!"

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Lilia » Sonntag 20. Januar 2019, 16:35

Was ist die Quelle?

NBUC
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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von NBUC » Sonntag 20. Januar 2019, 16:53

Lexo hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 16:10

Der Fokus sollte auf sozialem liegen, nicht auf der Wirtschaft! Wichtig ist, dass wir das bedingungslose Grundeinkommen bekommen! Es ist wichtig, dass es überall Sozialstützpunkte gibt, wo ein jeder hinkommen kann und wo jedem geholfen wird, fachmännisch, SOFORT! Wichtig ist, dass keine Anträge für Hilfen verlangt werden! Den Menschen wird sofort geholfen und der Sozialarbeiter bekommt sein Gehalt (es sei denn er macht es ehrenamtlich)! Desweiteren ist bezahlbarer Wohnraum für Jedermann wichtig! Die Jobcenter sollen Wohnungen anbieten! Keiner soll in ein Obdachlosenwohnheim oder zu seinen Eltern müssen! Das wäre weihnachtlich!
Die Sozialstützpunkte wird es dann nicht geben, denn diejenigen, die das nur als Job machen, werden es dann zu guten Teilen nicht weiter machen. Und diejenigen, die das aus Berufung machen, würden als Gutseinsjunkies ihre Droge auch nicht freiwillig wegoptimieren. Und ob die sich dann vorher ein echtes Studium angetan haben wollten ... .
Abgesehen davon, dass sie außer Rat auch nicht viel anzubieten hätten, denn es ist ja schon fast alles in die Finanzierung des BGE geflossen - erst recht nicht günstige Wohnungen, denn der Bauarbeiter etc. wird sich auch überlegen für welchen Stundenlohn (der ja voraussichtlcih jetzt auch erheblich mehr besteuert werden wird) er jetzt noch aufsteht.
Zuletzt geändert von NBUC am Sonntag 20. Januar 2019, 17:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Michael Knight » Sonntag 20. Januar 2019, 17:21

Das sind ja teilweise sehr krude Thesen. Wieso sollte man im Allgäu diesen "Allgäupass" einführen wollen? Ich kann mir nicht vorstellen dass in Kempten oder Oberstdorf Obdachlosigkeit irgendein Problem darstellen sollte. Wir bewegen uns hier in Gegenden mit Vollbeschäftigung. Die Hotelerie dort sucht dringend Personal, dann muss man eben auch mal mit einem schlecht bezahlten Job und Kost und Logis für den Anfang zufrieden sein. Zudem ist gerade im ländlichen Bayern immer noch ein sehr starkes soziales Netz in der Bevölkerung vorhanden, so dass praktisch nur Einzelfälle durchs Raster fallen.

Der Staat kann halt leider auch nicht alles leisten. Natürlich kann man überall illusorische Maximalforderungen stellen, aber es wird wenigstens versucht den Armen zu helfen (das ist in osteuropäischen Ländern ganz anders). Irgendwo ist man schlussendlich für sein Leben selbst verantwortlich und man kann sich nur selber wieder aus diesem Loch ziehen.

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Tania » Sonntag 20. Januar 2019, 18:03

NBUC hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 16:53
... erst recht nicht günstige Wohnungen, denn der Bauarbeiter etc. wird sich auch überlegen für welchen Stundenlohn (der ja voraussichtlcih jetzt auch erheblich mehr besteuert werden wird) er jetzt noch aufsteht.
Günstige Wohnungen kannste doch schon heute nicht mehr bauen. Bei Baukosten von derzeit ca. 2000 EUR/qm müsste man für ne 50qm-Wohnung 100.000 EUR aufbringen. Die Kreditrate dafür läge bei 500 EUR monatlich - kalt! Und wenn das nach 25 Jahren abgezahlt ist, braucht man den nächsten Kredit für Sanierungsmaßnahmen.

Was nützt der Mindestlohn von 10 Eur/h für nen Maurer, wenn sein Zuhälter - äh, Chef - dann doch 25 EUR/h in Rechnung stellt?

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Ferienhaus » Sonntag 20. Januar 2019, 18:15

Michael Knight hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 17:21
Irgendwo ist man schlussendlich für sein Leben selbst verantwortlich und man kann sich nur selber wieder aus diesem Loch ziehen.
Wenn du schwer depressiv bist, kannst du erstmal garnichts und wenn du dann auch nach mehreren Versuchen nicht die richtige Medikation hast, chronifiziert sich alles und wird verdammt schwer.

Persönliche Verantwortung ist ein überschätztes Konzept. Wir sind massiv von Umständen verantwortlich, welche wir nicht beeinflussen können. Sowohl in die richtige, als auch die falsche Richtung potenzieren sich dann die Entwicklungen.

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Lazarus Long » Sonntag 20. Januar 2019, 18:20

Ich kann nur sagen, wie ich es aus der 2.Hälfte der 80er Jahre aus Hannover kenne. Da gab es den Sozialpsychiatrischen Dienst, dieser hat sich um diejenigen gekümmert, die selbst dazu nicht in der Lage waren, also Unterstützung bei Behördengängen, Arztterminen, Organisation von Betreuern, etc.
Zuletzt geändert von Lazarus Long am Sonntag 20. Januar 2019, 18:29, insgesamt 1-mal geändert.
Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von NBUC » Sonntag 20. Januar 2019, 18:21

Tania hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 18:03
Bei Baukosten von derzeit ca. 2000 EUR/qm müsste man für ne 50qm-Wohnung 100.000 EUR aufbringen. ...
...
Was nützt der Mindestlohn von 10 Eur/h für nen Maurer, wenn sein Zuhälter - äh, Chef - dann doch 25 EUR/h in Rechnung stellt?
3000... und das ist auch schon wieder knapp 4 Jahre her: https://www.baulinks.de/webplugin/2015/0702.php4

Der Chef zahlt dann aber von den 25€ nicht nur den Handwerker (und sich selbst ... :cooler: ) sondern auch noch einen zunehmend politisch erzwungenen Verwaltungswasserkopf.
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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Lazarus Long » Sonntag 20. Januar 2019, 18:33

Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Michael Knight » Sonntag 20. Januar 2019, 18:36

Ferienhaus hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 18:15
Michael Knight hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 17:21
Irgendwo ist man schlussendlich für sein Leben selbst verantwortlich und man kann sich nur selber wieder aus diesem Loch ziehen.
Wenn du schwer depressiv bist, kannst du erstmal garnichts und wenn du dann auch nach mehreren Versuchen nicht die richtige Medikation hast, chronifiziert sich alles und wird verdammt schwer.

Persönliche Verantwortung ist ein überschätztes Konzept. Wir sind massiv von Umständen verantwortlich, welche wir nicht beeinflussen können. Sowohl in die richtige, als auch die falsche Richtung potenzieren sich dann die Entwicklungen.
Da gibt es aber auch Institutionen die den Leuten wieder aus der Misere helfen. Hier hat die Caritas z. B. über viele Jahre ein Cafe betrieben, in dem dann psychisch kranke Personen angestellt wurden. Natürlich können wir Erkrankungen nicht beeinflussen, wie wir damit umgehen aber schon.

Desweiteren finde es ich es einfach problematisch, wenn der TE hier auf "gut Glück" seine Heimat verlässt und dann über das komplette System schimpft, weil er in der Obdachlosigkeit landet. Das sind durchaus wieder Faktoren, die veränderlich sind. Wenn ich den Wunsch verspüren würde, nach Berlin zu ziehen, würde ich mir dort im Voraus a) einen Arbeitsplatz und b) eine Wohnung suchen. Dann kann zwar immer noch etwas schief gehen (Kündigung in der Probezeit, Wohnung wird nicht fertig etc...), aber das Risiko ist zumindest stark minimiert. So etwas benötigt Planung, wenn man nicht über größere finanzielle Reserven verfügt oder von den Eltern unterstützt wird.

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Ferienhaus » Sonntag 20. Januar 2019, 18:53

Michael Knight hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 18:36
Ferienhaus hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 18:15
Michael Knight hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 17:21
Irgendwo ist man schlussendlich für sein Leben selbst verantwortlich und man kann sich nur selber wieder aus diesem Loch ziehen.
Wenn du schwer depressiv bist, kannst du erstmal garnichts und wenn du dann auch nach mehreren Versuchen nicht die richtige Medikation hast, chronifiziert sich alles und wird verdammt schwer.

Persönliche Verantwortung ist ein überschätztes Konzept. Wir sind massiv von Umständen verantwortlich, welche wir nicht beeinflussen können. Sowohl in die richtige, als auch die falsche Richtung potenzieren sich dann die Entwicklungen.
Da gibt es aber auch Institutionen die den Leuten wieder aus der Misere helfen.
Bei den notorisch überfüllten psychiatrischen Kliniken, bei denen bereits viele Mitarbeoter vor dem Burnout stehen, musst du was Personal und allem Drumherum angeht auch viel Glück haben, genauso bei der Psychotherapie.

Es ist nämlich nicht so, dass einfach "nichts" passiert, wenn man an die falsche Einrichtung oder Therapeuten gerät. Es kann sich auch massiv verschlechtern.

Wohl dem, der nie jemals in so etwas reingerät. Und die Grundlagen dafür wiederum werden massiv zu einer Zeit gelegt, zu der wir schon per Gesetz nicht vollständig alle Entscheidungen treffen können.

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Simonetta » Sonntag 20. Januar 2019, 20:13

Lexo hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 16:10

Kommen wir zum Thema gesetzliche Betreuung: Hier wird der Klient offiziell inoffizell entmündigt! Betreuung ist keine Dienstleistung des psychiatrischen Hilfesystems! Nein! Zu einer Betreuung wird man vom Richter verurteilt. Und selbst wenn die Betreuung durch eigenes Bemühen beantragt wird kommt man da nicht schnell wieder heraus! Die Bereiche werden vorgeschrieben, der Betreuer wird festgelegt! Keine Spur von Empowerment!
Da muss ich klar widersprechen. Ich bin in der ambulanten Betreuung tätig und arbeite mich seit kurzem auch in die gesetzliche Betreuung ein. Es ist immens, was für eine Hilfe Menschen vom Staat bekommen, um ihr Leben in den Griff zu bekommen. Gesetzliche Betreuung ist weder eine Entmündigung, der Klient darf sich seinen Betreuer selbst mit aussuchen, und vorgeschrieben wird eine Betreuung auch nur, wenn jemand nicht in der Lage ist, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, damit er sich und anderen keinen Schaden zufügt. Wir können sehr dankbar sein, dass in unserem Staat so etwas möglich ist und finanziert wird!

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Kief » Sonntag 20. Januar 2019, 20:48

Simonetta hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 20:13
Lexo hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 16:10
Kommen wir zum Thema gesetzliche Betreuung: Hier wird der Klient offiziell inoffizell entmündigt! Betreuung ist keine Dienstleistung des psychiatrischen Hilfesystems! Nein! Zu einer Betreuung wird man vom Richter verurteilt. Und selbst wenn die Betreuung durch eigenes Bemühen beantragt wird kommt man da nicht schnell wieder heraus! Die Bereiche werden vorgeschrieben, der Betreuer wird festgelegt! Keine Spur von Empowerment!
Da muss ich klar widersprechen. Ich bin in der ambulanten Betreuung tätig und arbeite mich seit kurzem auch in die gesetzliche Betreuung ein. Es ist immens, was für eine Hilfe Menschen vom Staat bekommen, um ihr Leben in den Griff zu bekommen. [ ... ] Wir können sehr dankbar sein, dass in unserem Staat so etwas möglich ist und finanziert wird!
Irgendwie habe ich in saemtlichen Tipps die Warnungen erhalten, bloss vorsichtig damit zu sein.
Mir hat Betreuung keinen Schaden zugefuegt - ausser mich sechs Jahre meines Lebens zu kosten, damit ich jetzt die Kritik praeziser eingrenzen kann.
Aber geholfen hat sie noch lange nicht, im Gegenteil.

Was ich an Hilfe wuensche, das ist jetzt ferner denn je, weil die Gerichtsablaeufe nicht zulassen, dass ich den Gutachtern ihren Bloedsinn um die Ohren haue. Und ich jetzt mit mageren Ressourcen keine Ahnunge habe, wie man da juristisch vorgeht. Denn entsprechende Beratung ist daran geknuepft, dass man genug juristische Ahnung hat, um den erfolgversprechenden Weg bereits aufweisen zu koennen

Eine nicht-hilfreiche Hilfe existiert nicht zum Selbstzweck, sie sollte als Existenzberechtigung auch Resultate hinbekommen - gerade dann, wenn Betroffene ueberfordert sind.
Keine noch-so-immense-Hilfe taugt etwas, wenn Betroffenen weiterhin haufenweise durchs Raster fallen.

Ein Bekannter von mir hatte ebenfalls Todesangst vor Gewaltandrohung mit Messer in der Notunterkunft (das Haus hielt sich da raus), und schlief dann lieber auf der Strasse.
[+] Wohnungslosen-Protest diese Woche in Berlin
https://t.co/lVPqzHzFEr bzw. https://www.facebook.com/plugins/post.p ... &width=500
Von daher ist das Grundeinkommen ebenfalls ein Thema fuer mich - duerfte ja nicht sonderlich ueberraschend sein.


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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Kief » Sonntag 20. Januar 2019, 20:54

Michael Knight hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 18:36
Da gibt es aber auch Institutionen die den Leuten wieder aus der Misere helfen. Hier hat die Caritas z. B. über viele Jahre ein Cafe betrieben, in dem dann psychisch kranke Personen angestellt wurden. Natürlich können wir Erkrankungen nicht beeinflussen, wie wir damit umgehen aber schon.
Ist das auch so eine Einrichtung der Armuts-Industrie, die sich wohltaetig gibt, aber dann doch nur an Foerdergeldern und Spenden profitiert, sich selbst erhaelt, aber weder Politik noch den anderen Taetern Feuer unterm Hintern macht?

Jegliche Symptombekaempfung ohne Ursachen anzupacken fuehrt nur dazu, dass die Ursachen sich weiter ausbreiten, und die Symptombekaempfung immer aufwendiger wird.
Die Verantwortung dann den gebrochenen Menschen zuzuschustern, die unter den Rahmenbedingungen kollabieren ist ...
[+] grotesk
weniger hilfreich, als die kranken Rahmenbedingungen zu korrigieren.
Natuerlich muss man dafuer erstmal die Ursachen eingestehen.

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Michael Knight » Sonntag 20. Januar 2019, 22:27

Kief hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 20:54
Michael Knight hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 18:36
Da gibt es aber auch Institutionen die den Leuten wieder aus der Misere helfen. Hier hat die Caritas z. B. über viele Jahre ein Cafe betrieben, in dem dann psychisch kranke Personen angestellt wurden. Natürlich können wir Erkrankungen nicht beeinflussen, wie wir damit umgehen aber schon.
Ist das auch so eine Einrichtung der Armuts-Industrie, die sich wohltaetig gibt, aber dann doch nur an Foerdergeldern und Spenden profitiert, sich selbst erhaelt, aber weder Politik noch den anderen Taetern Feuer unterm Hintern macht?

Jegliche Symptombekaempfung ohne Ursachen anzupacken fuehrt nur dazu, dass die Ursachen sich weiter ausbreiten, und die Symptombekaempfung immer aufwendiger wird.
Die Verantwortung dann den gebrochenen Menschen zuzuschustern, die unter den Rahmenbedingungen kollabieren ist ...
[+] grotesk
weniger hilfreich, als die kranken Rahmenbedingungen zu korrigieren.
Natuerlich muss man dafuer erstmal die Ursachen eingestehen.

K
Wie willst du denn da irgendwelche Rahmenbedingungen oder Ursachen ändern? Diese Leute wurden in der Regel ja nicht durch irgendwelche staatlichen Handlungen, sondern durch persönliche Schicksalsschläge aus der Bahn geworfen. Was können irgendwelche Rahmenbedingungen daran ändern, wenn jemand durch den Tod des Ehepartners aus der Bahn geworfen wird, zum Trinken anfängt, dann den Job und Freundeskreis verliert und irgendwann alleine auf der Straße steht? Dieses angesprochene Cafe war eine meiner Meinung sehr gute Idee, psychisch kranke Menschen mit Menschen mit leichter geistiger Behinderung zusammenzubringen und diesen eine geregelte bezahlte Arbeit mit einem geregelten Tagesablauf anzubieten. Laut einem Zeitungsbericht haben sich 50% der psychisch kranken Mitarbeiter des Cafes durch die Tätigkeit wieder soweit stabilisiert, dass sie wieder einen Job im normalen Arbeitsmarkt annehmen konnten.

Gescheitert ist das Ganze daran, dass viele der Mitarbeiter mit leichter geistiger Behinderung am Ende auf die Barrikaden gegangen sind, weil sie mit dem Verhalten der psychisch Kranken nicht mehr zurecht gekommen sind.

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Re: "Das psychiatrische Hilfesystem"

Beitrag von Kief » Sonntag 20. Januar 2019, 23:05

Michael Knight hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 22:27
Kief hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 20:54
Michael Knight hat geschrieben:
Sonntag 20. Januar 2019, 18:36
Da gibt es aber auch Institutionen die den Leuten wieder aus der Misere helfen. Hier hat die Caritas z. B. über viele Jahre ein Cafe betrieben, in dem dann psychisch kranke Personen angestellt wurden. Natürlich können wir Erkrankungen nicht beeinflussen, wie wir damit umgehen aber schon.
Ist das auch so eine Einrichtung der Armuts-Industrie, die sich wohltaetig gibt, aber dann doch nur an Foerdergeldern und Spenden profitiert, sich selbst erhaelt, aber weder Politik noch den anderen Taetern Feuer unterm Hintern macht?

Jegliche Symptombekaempfung ohne Ursachen anzupacken fuehrt nur dazu, dass die Ursachen sich weiter ausbreiten, [ ... ]
Wie willst du denn da irgendwelche Rahmenbedingungen oder Ursachen ändern? Diese Leute wurden in der Regel ja nicht durch irgendwelche staatlichen Handlungen, sondern durch persönliche Schicksalsschläge aus der Bahn geworfen.
Nahezu saemtliche Probleme kann ich so beschreiben.
Dass die Verantwortung immer irgendwie bei den Betroffenen auch liegt.

Und wenn auf Management-Ebene (bzw. Politiker-Ebene) kein Ansatz oder kein Wille da ist, dann ist es nicht schuld der oberen Ebene, sondern eigene Verantwortung.
Wir sind aber nicht nur fuer unsere Taten verantwortlich, sondern auch dafuer, was wir unterlassen. Auch als Staat.

Selbstverstaendlich koennen wir unser krankes System aendern, Rahmenbedingungen die uns krank machen, immer heftiger in Burnout, Ueberforderung und Stressueberlastung draengen.
Natuerlich koennen wir auch die Verantwortung den Individuen zuschustern, die sich halt mehr Stressresilienz zulegen koennen. Den Opfern die Schuld einreden, von Taetern ablenken.
Ist die Frage, was davon nachhaltiger ist.
Und was bequemer.



Ich weiss nicht, um was es sich bei Deinem Cafe handelt.
Deshalb habe ich es als Frage formuliert.
Ich weiss aber, dass ich bei den grossen Institutionen, welche die Macht zur Veraenderung haben, keinen echten Veraenderungswillen sehe.


K

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