Jeder kann sich ändern

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LonesomeCoder
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von LonesomeCoder » Montag 9. September 2019, 19:15

Wie hast du es geschafft, wieder Licht am Horizont zu sehen? Je älter ich werde, desto mehr strengt mich geistig und körperlich alles an und desto weniger Kraft bleibt durch die Pflichtbelastungen (Alltag, Arbeit, Einkaufen, ...) für die Freizeit über. Ich könnte heutzutage im Gegensatz zu vor 10 Jahren gar nicht mehr bis um 4 oder 5 Uhr in der Disco sein. Mir fehlt schlichtweg die Kraft und Ausdauer dazu.
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Seb-X » Dienstag 10. September 2019, 18:30

Xiangni hat geschrieben:
Sonntag 8. September 2019, 05:22
Seb-X hat geschrieben:
Samstag 7. September 2019, 16:35
Wenn ich ohne Zutun nicht gut drauf bin, muss ich als etwas tun. Und wenn ich dazu nicht motiviert bin, muss ich mich also zwingen. Da gibt es nicht x-beliebige Möglichkeiten, sondern nur eine einzige: Ich muss mich zwingen, vielleicht sogar quälen, sonst bleibt es so. NUR eine einzige Möglichkeit. Bei mir stellt sich auch automatisch die Frage, ob ich es momentan überhaupt verdient habe, zufrieden zu sein. Habe ich auch hart genug gearbeitet dafür?
Was ich nicht ganz verstehe: Du bist zum jetzigen Zeitpunkt mit deiner jetzigen Situation unzufrieden. Richtig? Tintenmalerin schlägt also korrekt vor, etwas zu ändern, so dass du zufriedener wirst. Du schreibst jetzt aber, dass du dafür keine Motivation hast. Richtig? Die Lösung dafür würde bedeuten alles so zu lassen wie es ist. Das gefällt dir aber nicht, weil du ja so nicht glücklich bist. Richtig?

Falls ja, so steckst du in der Tat in einem Teufelskreis. Lösung um da rauszukommen wäre meiner Meinung nach:
1) Du hast definitiv zu wenig Motivation irgendwas zu ändern, so dass sich was bessern könnte. Also bedeutet das, du müsstet dich mit der jetzigen Situation arrangieren und versuchen dich so glücklich zu fühlen.
2) dein Leid mit der jetzigen Situation is grösser als deine nicht-vorhandene Motivation etwas zu ändern. Somit änderst du etwas.

Beides ist, wie du korrekt schreibst, mit "Zwang" dir gegenüber verbunden. Entweder du arrangierst dich mit der jetzigen Situation oder änderst etwas daran in der Hoffnung, dass du dich dann besser fühlst.

Jeder - auch du - hat verdient glücklich und zufrieden zu sein. Niemand ist allerdings konstanr glücklich und zufrieden. Also ich meine 24/7. Ich bin beispielsweise gerade unzufrieden mit dem Wetter, mit allem anderen bin ich gerade zufrieden, darum bin ich insgesamt zufrieden.

Wie die anderen schreiben gibt es logischerweise Fabrikjobs, die nicht viel von dir fordern. Zumindest geistig. Körperlich fordern sie hingegen sehr viel. Ich habe dies mal gemacht und es kann sehr anstrengend und ermüdend sein, weil die Arbeit monoton ist.
Dann gibt es natürlich die Möglichkeit im Büro eine Stufe runter zu gehen. Statt Chef ist man dann halt Angestellter. Weniger Verantwortung, aber auch weniger Entscheidungsgewalt. Alles hat Vor- und Nachteile.
Hast du schon mal darüber nachgedacht zur Berufaberatung zu gehen und nachzufragen, was mit deiner Ausbildung oder deinen Wünschen bezüglich Anforderungen möglich wäre?
Dann gib mir die Motivation für Veränderungen.

Hier wird mir ständig vorgeworfen, ich würde nichts tun. Dabei sehen die letzten Jahre da ganz anders aus. Psychotherapie, Medikamente probiert, psychologische Beratung, Sport, Kampfsport, neue Bekanntschaft gesucht etc. Ab wann klappt es denn? Gebt mir bitte die Motivation. Worin liegt der Sinn, sich ständig zu zwingen.

Was soll ich bei der Berufsberatung? Ich will keinen anderen Beruf. Mich interessiert auch keiner. Und der Gedanke an Studium oder Ausbildung ist der blanke Horror: wieder sich quälen, sich zwingen, ständig den inneren Schweinehund überwinden, um ihn anschließend wieder überwinden zu müssen.

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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von TheHoff » Dienstag 10. September 2019, 18:48

Seb-X hat geschrieben:
Dienstag 10. September 2019, 18:30
Hier wird mir ständig vorgeworfen, ich würde nichts tun. Dabei sehen die letzten Jahre da ganz anders aus. Psychotherapie, Medikamente probiert, psychologische Beratung, Sport, Kampfsport, neue Bekanntschaft gesucht etc. Ab wann klappt es denn? Gebt mir bitte die Motivation. Worin liegt der Sinn, sich ständig zu zwingen.
Hier kann niemand in deinen Kopf sehen, in dein Herz sehen, dir mit 100% Sicherheit auf magische Weise Motivation geben. Wenn das hier niemand schriftlich schafft, dann bleibt dir den Weg mit Ärzten und Psychologen weiter zu gehen - aber auch evtl. den Ansprechpartner zu wechseln, wenn es nicht voran geht.

Am Ende kommt die Antriebslosigkeit vielleicht doch von einer selten erkannten Krankheit und kann behandelt werden.

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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Seb-X » Dienstag 10. September 2019, 20:45

TheHoff hat geschrieben:
Dienstag 10. September 2019, 18:48

Am Ende kommt die Antriebslosigkeit vielleicht doch von einer selten erkannten Krankheit und kann behandelt werden.
Physisch bin ich fit, Blutwerte inkl. Schilddrüse in Ordnung.
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Seb-X » Dienstag 10. September 2019, 20:47

The Poet hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 08:02
LonesomeCoder hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 00:45
Nur sind etwa 1/2 bis 2/3 vom Charakter erblich bedingt und 90 % vom Rest werden in den ersten 6 bis 8 Jahren geprägt. Das, was später noch variabel ist, ist sehr wenig. Und die bisherigen Probleme können Lösungen erschweren oder unmöglich machen.
Ich hab nicht behauptet, dass es einfach sei ;) .

Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist. Meine Lebensjahre 22-30 waren (abgesehen vom Mobbing als Grundschüler und Gymnasiast, aber in der Schulzeit hatte ich zum Glück zum Ende hin auch eine ziemlich gute Phase) so ziemlich die schlimmsten von allen. Und zwar nicht nur "schlimm", sondern sogar: "Immer schlimmer werdend". D.h. der Trend war (oder besser: Schien mir, weil ich nur auf das Negative geguckt habe), auch noch negativ.
Seit ca. 30 sehe ich wieder ein bisschen Licht am Horizont, auch wenn ich weiß, dass das, was ich in der Zeit verloren habe (die üblichen Twen-Erfahrungen wie intensive Freundschaften, die ersten stabileren Liebesbeziehungen, Start ins Berufsleben), wirklich verloren ist und ich es nie nachholen können werde. Und wenn ich weiß, wie sehr mir alle anderen voraus sind und wie sie wahrscheinlich 100 mal erfolgreicher im Leben sein werden als ich. Aber was soll's, das Gehirn ist auch Ü25 noch plastisch, das gibt mir hoffentlich noch ein paar Chancen im Leben. Und mit "denen" (also denen, die eine bessere Basis im Leben hatten als ich und logischerweise jetzt schon weiter sind) muss ich mich ja zum Glück auch nicht vergleichen.
Und am Ende kommt bekanntlich eh der Abstieg, Stück für Stück ins Grab, das hab ich jetzt noch mal ganz intensiv bei meiner Großmutter mitbekommen, und das trifft auch die Erfolgreichen. Also so schlimm ist es gar nicht, dass ich denen hinterherhinke - die hinken auch irgendwann ^^.
Du bist also sehr gut darin, dich täglich mehrmals zu etwas zwingen zu können, quasi ständig den inneren Schweinehund überwinden zu können?
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Melli » Dienstag 10. September 2019, 21:44

LonesomeCoder hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 19:15
Je älter ich werde, desto mehr strengt mich geistig und körperlich alles an und desto weniger Kraft bleibt durch die Pflichtbelastungen (Alltag, Arbeit, Einkaufen, ...) für die Freizeit über.
Ich glaube, das ist ganz normal. An bestimmten Dingen erschöpft man sich, v.a. wenn da kein wirkliches Fortkommen ist (was ja leider sehr direkt auch AB-relevant ist). Ganz trivialerweise ist ein erwachsenes Zeitmanagement nicht mehr so reichhaltig, wie man das zu Schul- und Studienzeiten noch hinbekommen konnte. Das hat auch nichts mit inneren Schweinehunden zu tun 🐖🐕

Aber ich denke, als Erwachsener kann man Diszipliniertheit dafür leichter hinbekommen.

Und bei manchen Arbeiten macht sich Erfahrung und Routiniertheit sehr angenehm bemerkbar :daumen:

Was wiederum sehr positive Entwicklungen sind, die man geradezu geschenkt bekommt :vielglueck:
Jeder Kreatur bleibt das eigene Schicksal verschlossen. Niemand weiß, was ihm bevorsteht. Erst der Gang des Lebens zeigt an, was uns von Geburt an vorbestimmt ist, sonst gäbe es das Schicksal nicht. Dennoch lebt in uns die Sehnsucht, die Rätsel zu entschlüsseln, die uns umhüllen.
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von The Poet » Dienstag 10. September 2019, 22:10

Gerade zu alle, um auf die beiden an mich gestellten Fragen zu antworten. Ist auch gar nicht so einfach, gerade hier...
LonesomeCoder hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 19:15
Wie hast du es geschafft, wieder Licht am Horizont zu sehen? Je älter ich werde, desto mehr strengt mich geistig und körperlich alles an und desto weniger Kraft bleibt durch die Pflichtbelastungen (Alltag, Arbeit, Einkaufen, ...) für die Freizeit über. Ich könnte heutzutage im Gegensatz zu vor 10 Jahren gar nicht mehr bis um 4 oder 5 Uhr in der Disco sein. Mir fehlt schlichtweg die Kraft und Ausdauer dazu.
...weil das eine im Kern wirklich ziemlich interessante Frage ist und ich schon seit heute morgen darüber nachdenke. Und die Liste an Dingen, die mir dazu einfällt, immer länger wird - ich aber immer noch drüber rätsele, welche Faktoren wirklich die key factors sind und welche eher weniger Gewicht haben (also bei mir jetzt, kann bei anderen dann ja wieder anders sein).

Ich schlaf wohl besser noch mal 1-2 Nächte über die Antwort. (In Anbetracht meines heutigen Müdikeitsniveaus werden die 2 Nächte wohl direkt aufeinander folgen :mrgreen: )
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von LonesomeCoder » Mittwoch 11. September 2019, 11:04

Seb-X hat geschrieben:
Dienstag 10. September 2019, 18:30
Job bzw. Beruf heißt Verpflichtung und Verantwortung. Und das heißt automatisch: Druck und Angst.
Ist bei mir nicht anders. Vllt. so 10 - 12 h pro Woche würde ich ohne zu leiden verkraften. Aber davon kann ich weder jetzt noch in der Rente leben. So wenig arbeiten würde aber nur gehen, wenn man einen Partner hat, der Hauptverdiener ist und es akzeptiert, dass der andere nur wenig arbeitet. Meist wird aber dafür eine Gegenleistung verlangt wie etwa Haushalt führen und Kinder erziehen im klassischen Rollenmodell.
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Xiangni » Mittwoch 11. September 2019, 17:13

Seb-X hat geschrieben:Dann gib mir die Motivation für Veränderungen.
Die Motivation muss von dir selber kommen. Die kann dir leider niemand geben.
Hier wird mir ständig vorgeworfen, ich würde nichts tun. Dabei sehen die letzten Jahre da ganz anders aus. Psychotherapie, Medikamente probiert, psychologische Beratung, Sport, Kampfsport, neue Bekanntschaft gesucht etc. Ab wann klappt es denn? Gebt mir bitte die Motivation. Worin liegt der Sinn, sich ständig zu zwingen.
Leider kann niemand wissen, wann es bei dir oder sonst wem klappen wird. Es gibt leider kein Rezept, das man befolgen muss und schon klappt's.
Was soll ich bei der Berufsberatung? Ich will keinen anderen Beruf. Mich interessiert auch keiner. Und der Gedanke an Studium oder Ausbildung ist der blanke Horror: wieder sich quälen, sich zwingen, ständig den inneren Schweinehund überwinden, um ihn anschließend wieder überwinden zu müssen.

Job bzw. Beruf heißt Verpflichtung und Verantwortung. Und das heißt automatisch: Druck und Angst.
Ich dachte, dein Job ist dir zu viel Verantwortung und Druck?? Mein Vorschlag war bloss, dass man bei der Berufsberatung andere Jobs vorgestellt bekommt und da vielleicht etwas darunter wäre, das besser zu deinen Wünschen passt.
Ansonsten geht's natürlich auch weniger radikal. Falls dir dein Job, die Firma, deine Mitarbeiter und dein Umfeld gefällt, so macht's natürlich wenig Sinn daran was zu ändern. Falls du das Gefühl hast, du hättest zu viel Verantwortung und arbeitest zu viel, so könnte man vielleicht darüber nachdenken, ob du auf 80% reduzieren könntest, oder ob du einen Teil der Verantwortung abgeben könntest etc.

Das sind alles bloss Vorschläge. Ich kenne dich nicht, darum kann ich nur ins Blaue raten.
Da du nicht weisst, was dir hilft mehr Motivation zu haben, wirst du wohl einfach herumexperimentieren müssen.

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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Seb-X » Mittwoch 11. September 2019, 17:16

Xiangni hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 17:13

Die Motivation muss von dir selber kommen. Die kann dir leider niemand geben.
Dann muss ich halt warten, bis sie kommt und mich solange weiter zwingen.
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von LonesomeCoder » Mittwoch 11. September 2019, 18:25

Wo man die Motivation herzaubern soll, weiß ich auch nicht und konnte mir auch noch niemand sagen.
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Hoppala » Donnerstag 12. September 2019, 00:36

Seb-X hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 17:16
Xiangni hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 17:13

Die Motivation muss von dir selber kommen. Die kann dir leider niemand geben.
Dann muss ich halt warten, bis sie kommt und mich solange weiter zwingen.
Was motiviert dich denn dazu?
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von The Poet » Sonntag 15. September 2019, 11:05

Alter, soooo schwer ist es doch jetzt echt nicht zu kapieren, Hoppala!

Motivation = im allgemeinen positiv assoziiert, Antrieb, mit Freude etwas zu tun, Drive, einen Sinn in seinem Tun empfinden, usw.

Zwingen = im allgemeinen negativ assoziiert, Pflicht, man macht etwas, was man eigentlich hasst, aber man weiß, dass es halt sein muss, oder man tut etwas, von dem man das Gefühl hat, dass es Null Sinn hat, aber man muss halt Geld verdienen, deswegen quält man sich weiter
(Im besten Fall sieht man zwar schon einen Sinn in seiner Tätigkeit - etwa "ich will nicht, dass meine Wohnung vermüllt" - aber gerne tut man es halt auch nicht, also Putzen / Aufräumen, als (vielleicht nicht auf jeden zutreffendes) Beispiel.)

Meine Fresse... manchmal frag ich mich, wieso es eigentlich für manche so schwer ist, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt des Gegenübers reinzuversetzen :wuetend: - und das sag ich, als auch nicht gerade sozialintuitiver MINTler.


Mir geht's in Bezug auf meinen ursprünglich angedachten Broterwerb (Informatik) genauso wie Seb-X/LonesomeCoder: Ich muss mich auch dazu zwingen - auch wenn ich natürlich nicht weiß, ob die Gründe identisch sind.
So wie wahrscheinlich ein Großteil der Bevölkerung, der seinen Job eigentlich hasst und innerlich längst gekündigt hat, oder sogar aktiv gegen die Interessen seiner scheißkapitalistischen Drecksfirma arbeitet, wie mir mal ein bekannter DAX-Firmenberater eine Umfrage/Studie dazu zusammengefasst hat.
Kurz: Ich will am liebsten echt nichts mehr damit zu tun haben - und das, wo ich früher total begeistert von Computern, Informatik & Logik war. Von dieser Begeisterung ist mir allerdings mittlerweile nichts mehr geblieben.
Derzeit ist es aber leider die einzige Option, Geld zu verdienen, weil ich nix anderes kann - bzw. das, was ich möglicherweise noch anderes machen könnte, wurde mir durch Gesetze verbaut.

Insofern verstehe ich die beiden sehr gut, bin bzgl. Job in vergleichbarer Lage.
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Strange Lady » Sonntag 15. September 2019, 11:32

The Poet hat geschrieben:
Sonntag 15. September 2019, 11:05
Alter, soooo schwer ist es doch jetzt echt nicht zu kapieren, Hoppala!

Motivation = im allgemeinen positiv assoziiert, Antrieb, mit Freude etwas zu tun, Drive, einen Sinn in seinem Tun empfinden, usw.

Zwingen = im allgemeinen negativ assoziiert, Pflicht, man macht etwas, was man eigentlich hasst, aber man weiß, dass es halt sein muss, oder man tut etwas, von dem man das Gefühl hat, dass es Null Sinn hat, aber man muss halt Geld verdienen, deswegen quält man sich weiter
(Im besten Fall sieht man zwar schon einen Sinn in seiner Tätigkeit - etwa "ich will nicht, dass meine Wohnung vermüllt" - aber gerne tut man es halt auch nicht, also Putzen / Aufräumen, als (vielleicht nicht auf jeden zutreffendes) Beispiel.)

Meine Fresse... manchmal frag ich mich, wieso es eigentlich für manche so schwer ist, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt des Gegenübers reinzuversetzen :wuetend: - und das sag ich, als auch nicht gerade sozialintuitiver MINTler.


Mir geht's in Bezug auf meinen ursprünglich angedachten Broterwerb (Informatik) genauso wie Seb-X/LonesomeCoder: Ich muss mich auch dazu zwingen - auch wenn ich natürlich nicht weiß, ob die Gründe identisch sind.
So wie wahrscheinlich ein Großteil der Bevölkerung, der seinen Job eigentlich hasst und innerlich längst gekündigt hat, oder sogar aktiv gegen die Interessen seiner scheißkapitalistischen Drecksfirma arbeitet, wie mir mal ein bekannter DAX-Firmenberater eine Umfrage/Studie dazu zusammengefasst hat.
Kurz: Ich will am liebsten echt nichts mehr damit zu tun haben - und das, wo ich früher total begeistert von Computern, Informatik & Logik war. Von dieser Begeisterung ist mir allerdings mittlerweile nichts mehr geblieben.
Derzeit ist es aber leider die einzige Option, Geld zu verdienen, weil ich nix anderes kann - bzw. das, was ich möglicherweise noch anderes machen könnte, wurde mir durch Gesetze verbaut.

Insofern verstehe ich die beiden sehr gut, bin bzgl. Job in vergleichbarer Lage.
+1

Hab mich das auch die ganze Zeit gefragt.
Mir geht es auch oft so, dass ich mich zu Dingen zwingen muss. Würde ich es nicht tun, wäre ich buchstäblich bettlägerig. In meinem Urlaub habe ich zwei Wochen durchgeschlafen.

Ich vermute, nicht wenigen (Depressiven) hier geht es ähnlich.
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von The Poet » Sonntag 15. September 2019, 11:40

Folgendes betreffend die beiden Fragen vom Montag & Dienstag (sorry, ich weiß ich bin spät dran mit der Antwort, aber diese Woche hat mich echt fertiggemacht).

Ich beginne mal bei der einfacheren/kürzeren Frage:
Seb-X hat geschrieben:
Dienstag 10. September 2019, 20:47
Du bist also sehr gut darin, dich täglich mehrmals zu etwas zwingen zu können, quasi ständig den inneren Schweinehund überwinden zu können?
Ne, "sehr gut" bestimmt nicht. Es gibt Dinge, die tu ich gern (Freizeitaktivitäten wie RPG, Zeichnen, Schreiben und so weiter), da fällt das eh weg. Sport/Fahrradfahren/Rausgehen sind so mixed pickles, die sind sehr stimmungsabhängig, da versuche ich folglich, im Wochenmittel jeden Tag eine halbe Stunde von hinzukriegen, was auch in 50% der Zeit klappt. Hab einen Extra-Kalender dafür, wo ich die Stunden eintrage.
Bzgl. Job/unangenehme Tasks allgemein: Es gibt Dinge, die bekomme ich so hin, manche nicht, die liegen dann entweder so lange rum, bis ich selbst die Schnauze voll davon habe, dann ist wahrscheinlich sowas wie Aggression der "Drive", es wegzuarbeiten, oder sie sind tatsächlich so dringend (Reise buchen z.B.), dass ich mich dann tatsächlich dazu "zwinge".

Manchmal gelingt es, manchmal nicht.

Womit ich aufgehört hab, ist, mich selbst dafür fertigzumachen und abzuwerten, wenn ich etwas nicht geschafft hab.

Also... meistens ;) . (...krieg ich das hin. Nicht immer.)


Ich weiß nur nicht, ob dir das hilft ... es bedeutet weniger Sicherheit und Kontrollverlust, und dir ist ja glaub ich deine finanzielle Basis sehr wichtig. Ich bin derzeit in der glücklichen Situation, dass mich meine Familie finanziell unterstützt. Wenn man sowas als Hintergrund nicht hat, oder die eigene Familie einem nur dann hilft, wenn man auch Leistung bringt, anstatt einen bedingungslos zu unterstützen, wird es schwieriger, kann ich mir vorstellen.
Ich hab allerdings auch noch nette Nachbarn, die in Relation zu ihrem Doktorgrad ziemlich lässig und eigentlich gar nicht so im Leistungsträger-Mindset unterwegs sind (auch wenn sie trotzdem einer "geregelten Arbeit" nachgehen), mit denen kann ich mich gut unterhalten und die geben einem so auch positive Kraft.
Vielleicht wäre das etwas, was für dich eher funktioniert: Dich mit den "richtigen" Leuten umgeben. Was auch immer für dich richtig scheint.
Selbst genug Geld verdienen kriegst du ja hin (anders als ich derzeit - mit Betonung auf "genug"), was fehlt, ist offenbar eher irgendwas oder irgendjemand, das/der dir "Lebensenergie" gibt (in Ermangelung eines passenderen Begriffs... wenn es zu esoterisch klingt, nenne es wegen mir positive Motivation oder Lebensfreude oder so).
Es gibt ja diesen fluffigen Spruch "Du bist der Durchschnitt der 5 nächsten Leute, mit denen du dich umgibst", der logisch-exakt natürlich nicht aufgeht, aber es ist klar, was gemeint ist: Man passt sich an sein Umfeld an. Wenn man also Leute findet, die vielleicht ein bisschen anders sind als die, mit denen man sich bislang umgibt, zieht einen das schon mal tendenziell in neue Richtungen.
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Ringelnatz » Sonntag 15. September 2019, 11:47

The Poet hat geschrieben:
Sonntag 15. September 2019, 11:40
...
Danke für diesen klasse Beitrag, Poet! Ich finde, du beschreibst hier viele hilfreiche Ansätze :good:
Einen schönen Sonntag dir, mit hoffentlich guter Erholung :klassiker: :prost:
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von NeC » Sonntag 15. September 2019, 13:03

Strange Lady hat geschrieben:
Sonntag 15. September 2019, 11:32
The Poet hat geschrieben:
Sonntag 15. September 2019, 11:05
Mir geht's in Bezug auf meinen ursprünglich angedachten Broterwerb (Informatik) genauso wie Seb-X/LonesomeCoder: Ich muss mich auch dazu zwingen - auch wenn ich natürlich nicht weiß, ob die Gründe identisch sind.
So wie wahrscheinlich ein Großteil der Bevölkerung, der seinen Job eigentlich hasst und innerlich längst gekündigt hat, oder sogar aktiv gegen die Interessen seiner scheißkapitalistischen Drecksfirma arbeitet, wie mir mal ein bekannter DAX-Firmenberater eine Umfrage/Studie dazu zusammengefasst hat.
Kurz: Ich will am liebsten echt nichts mehr damit zu tun haben - und das, wo ich früher total begeistert von Computern, Informatik & Logik war. Von dieser Begeisterung ist mir allerdings mittlerweile nichts mehr geblieben.
Mir geht es auch oft so, dass ich mich zu Dingen zwingen muss. Würde ich es nicht tun, wäre ich buchstäblich bettlägerig. In meinem Urlaub habe ich zwei Wochen durchgeschlafen.

Ich vermute, nicht wenigen (Depressiven) hier geht es ähnlich.
Das stimmt leider.
Wobei ich lange Zeit das Glück hatte, einen Job zu haben, in dessen Inhalte ich mich vertiefen konnte und mir dann tatsächlich Spaß gemacht haben. Die Frage ist allerdings, ob bzw. wie lange das Bestand hat.

Vor etlichen Jahren hatte ich auch mal einen Job, bei dem ich tatsächlich innerlich bereits gekündigt hatte. Die Firma agierte tatsächlich unerträglich kapitalistisch und rücksichtslos. Man konnte sich aber noch seine Nische suchen, in der man davor die Augen verschließen konnte. Gesund war das aber trotzdem nicht. Ich kann nur davor warnen, zu lange in so einer Situation zu bleiben.

Was aber tun, um da herauszukommen?
Mir fällt nichts anderes ein, als sich genau zu überlegen, mit welcher (realistischen) Lebensweise (Wohnen/Arbeiten/Umfeld) man klar kommt, und wie man darauf hinsteuern kann. Mit einer Perspektive vor Augen erträgt man auch Phasen des Frusts.

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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von Seb-X » Sonntag 15. September 2019, 13:47

The Poet hat geschrieben:
Sonntag 15. September 2019, 11:40
Ich bin derzeit in der glücklichen Situation, dass mich meine Familie finanziell unterstützt. 
Das würde meine Familie nie tun, auch wenn sie es könnte. Da gelten bei uns andere Regeln. Ich bin jetzt erwachsen und habe nun für mich selbst zu sorgen. Wäre es ein extremer Ausnahmefall wie Krankheit und sie müssten mich unterstützen, wären derartige Freizeitaktivitäten nicht gerne gesehen.
Davon abgesehen würde ich eine solche Hilfe nicht annehmen, da würde ich mich in Grund und Boden schämen.
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The Poet
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von The Poet » Sonntag 15. September 2019, 13:49

So, zur anderen Frage... puh, das Forum artet mittlerweile echt in Arbeit aus :schwitzen: :lol: :
LonesomeCoder hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 19:15
Wie hast du es geschafft, wieder Licht am Horizont zu sehen? Je älter ich werde, desto mehr strengt mich geistig und körperlich alles an und desto weniger Kraft bleibt durch die Pflichtbelastungen (Alltag, Arbeit, Einkaufen, ...) für die Freizeit über.
Ja, je älter man wird, desto weniger belastbar ist man und desto schwieriger wird es, sich (fundamental) zu ändern. Das verstehe ich und erlebe ich auch selbst, gerade in den letzten 5 Jahren.
Dafür hat man aber, je älter man ist, auch viel mehr (Vor-)wissen und (Vor-)kenntnisse, quasi Ösen in seinem neuronalen Netz, in die man neue Informationen einhaken kann. Die Frage ist dann wahrscheinlich, was für ein Mindset man hat: "Das werde ich nie lernen." Oder "Das könnte ich noch lernen." Oder gar "Hey, das will ich noch lernen!"
LonesomeCoder hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 19:15
Ich könnte heutzutage im Gegensatz zu vor 10 Jahren gar nicht mehr bis um 4 oder 5 Uhr in der Disco sein. Mir fehlt schlichtweg die Kraft und Ausdauer dazu.
Du musst ja auch gar nicht in der Disco sein. :mrgreen: Vielleicht ist es in der Natur oder am Lagerfeuer mit ein paar Freunden viel schöner.

Aber zurück zum Licht am Horizont anstatt desjenigen Lichts, an dem man Würstchen grillt:
Meine wichtigsten Stationen waren glaub ich:

1. Therapie
2. Mich mit Neuroscience beschäftigen, in erster Linie, weil ich von meiner Therapeutin auf das Buch von einem Hirnforscher gestoßen wurde. Spannend & augenöffnend!
3. NVC (Nonviolent Communication)
4. Selbst gestellte soziale "Challenges", wie das so schön neudenglisch heißt, etwa fremde Leute anlächeln → auf AB-Treffs gehen und mich mit immerhin von vorher online bekannten Leuten unterhalten → mich dem Stress von ein paar Feiern aussetzen (wenn auch nur, um zu merken, dass mir das tatsächlich gar nicht schmeckt) → fremde Leute ansprechen → usw.
5. Mich mit Flirttips beschäftigen, nicht um den Scheiß 1:1 anzuwenden, sondern um das Spektrum des Möglichen abzuchecken und im Alltag lockerer zu werden
6. Leuten vertrauen lernen (geht immer noch seeeehr schleppend voran)
7. Jüngste Erkenntnis: Das mit meiner Hypersensibilität. Das hat mir (neben dem Beschäftigen mit Introversion, das hatte ich vorher schon getan) noch mal enorm geholfen, mein bislang als total strange und schräg erscheinendes Leben aus neuer Perspektive zu sehen, aus der es deutlich mehr Sinn ergibt :shock:
8. Learning to enjoy oneself: Ohne Fremdeinflusse, im positiven wie im negativen, d.h. ohne fremden Druck oder attention-seeking von außen zu versuchen, mich in (ausgewählten) Menschengruppen wohl zu fühlen (ausgewählt, weil: Wenn die Gruppe zu groß wird, wird das System ziemlich schnell nichtlinear und damit unvorhersehbar, obendrein steigt die Belastung für mich als HSPler durch den sensorischen Input. Und außerdem... ich glaub in ... äh, z.B. einer Gruppe an Posern und Alphatieren, wo alle nur mit ihren neuesten Errungenschaften protzen, würde ich nur eins: Kotzen.)
9. Selbstwertthemen - woran knüpfe ich meinen Selbstwert (logisch), woran sollte ich ihn knüpfen, ist beides miteinander aligned, und falls nicht: Wie zur Hölle krieg ich, wenn ich's rational schon verstanden habe, auch noch mein Gefühl dazu, das entsprechende Memo zu bekommen?! (Inner dialogues.)
10. Die Macht des Kängurus ist natürlich auch nicht zu unterschätzen :mrgreen: . Ein Jahr, ich glaub 2014, wurde dank dem Tierchen ziemlich geil, nämlich als ich gerade die gleichnamigen Bücher von M.U.K. entdeckt hatte. Selten so viel Inspirierendes von nur einer Person gelesen, damals, noch dazu gepackt in nur 3 (mittlerweile 4) Bücher.
11. Der letzte Punkt, nochmal metaphorisch aufbereitet, auch wenn ich an dem Prozess immer noch dran bin: Unterscheiden lernen können, was mir Energie/Lebensfreude gibt, und was mir Energie/Lebensfreude raubt. Und dann nach Möglichkeit in Richtung des ersteren optimieren.
"Eigentlich" sollte das einfach sein - ich habe die Liste diesbezüglich links von mir permanent an meinem improvisierten Whiteboard hängen und somit ständig vor Augen. Aber ich bin offenbar nicht diszipliniert genug, um mich dann auch dran zu halten - bzw. komme zu oft wieder ins Grübeln, ob die eine oder andere Sache in der "NOT-TODO-Liste"n-Spalte nicht vielleicht doch wichtig wäre, verfolgt zu werden, obwohl sie echt nicht gerade aufbauend ist (z.B. gesellschaftliche/politische Themen).


Aber da spreche ich wie gesagt nur für mich, ich weiß nicht, inwieweit das anderen hilft. Denn wir sind ja alle Individuen ;) .

Auch sind das jetzt nur die main points in der Retrospektive - tatsächlich gab es bestimmt noch viele viele Mini-Erfahrungen und positive Kleinigkeiten/Ereignisse mehr, die dem ganzen zusätzlichen Flavour verliehen haben*⁾. So ähnlich wie Noam Chomsky es einst formuliert hat: "Mag sein, dass wir vom Kapitalismus/von den Machteliten/<hier den bösen Geist Ihres Misstrauens einfügen> gefi**t werden. Nicht zu unterschätzen sind aber auch die Milliarden von winzigen kleinen positiven Dingen, die von Millionen von ordinären Leuten wie dir und mir über die Zeit zusammen auf die Beine gestellt werden, und mit denen wir gesellschaftlich Mikron für Mikron vorankommen."
Ok, das mit dem "gefi**t" hat er glaub ich intellektueller formuliert. :gruebel: :zaehneputzen:

Und damit kommen wir auch gleich zum Thema "Schwere der Aufgabe" zurück: Rein rational ist einem das zwar theoretisch immer klar (auch was glaub ich Leibniz gesagt hat und womit er der Hirnforschung ein paar Jahrhundert voraus war: Unser Jetzt-Können ist die Summe von vielen vielen kleinen Lernerfahrungen aufintegriert über die Zeit.)

Aber behalt das mal im Fokus, wenn es dir gerade richtig scheiße geht. :shock:
No way.
Wenn es einem richtig scheiße geht, braucht man entweder ein gemütliches Bett, oder eine Plüschgiraffe, oder einen guten Freund zum Reden, oder jemanden zum Knuddeln, oder am besten alles zusammen.

Zum Zeithorizont, falls das noch interessiert:
1. Ging 1 Jahr
2. Läuft bis heute
3. Der Hauptlernprozess ging recht schnell, die praktische Implementierung ins Leben dauert ebenfalls bis heute an, auch wenn ich sagen würde, dass ich nach 3 Jahren so 80% umgesetzt hatte

Der Rest ab dem 4. Punkt läuft mehr so nebenher, immer mal wieder ein bisschen.
Von 1. bis 8., und ich glaube bei 8. oder allgemein sozial-alltäglichen Themen hab ich insgesamt gesehen die größten Fortschritte gemacht (was bin ich früher doch draußen mit einer permanenten Grund-Angst durch die Gegend gestiefelt oO - danke an dieser Stelle an meine Mobber, ohne euch wäre mein Leben nur halb so "interessant" gewesen :roll: ), waren es ca. 7 Jahre.**⁾


Vielleicht findest du ja auch einen einfache(re)n Weg für dich, wünschen würde ich das jedem.

Und um nochmal auf den Kernpunkt zu kommen:

"Wie hast du es geschafft, wieder Licht am Horizont zu sehen? / Je älter ich werde, desto mehr strengt mich geistig und körperlich alles an und desto weniger Kraft [...]"

♦ Fokus auf das Positive, anstatt nur auf das Negative. "Was hab ich geschafft von X?", anstatt "Was hab ich verkackt bei X?"
♥ Außerdem viele liebe Personen, die mir geholfen haben.
♣ Lob, Wertschätzung und Komplimente annehmen lernen können.
♠ Weniger ernst sein. Spielen lernen.

____
*⁾ V.a. die ganzen verrückten Ereignisse auf irgendwelchen AB-Treffen... und damit meine ich jetzt nicht die AB-Treffen selber, sondern auf wen ich so gestoßen bin, nur weil ich mich mal an nem (für mich) unorthodoxen Ort aufgehalten habe.

**⁾ Würde das, also der 8. Punkt, auch funktionieren, wenn ich mir die Leute nicht aussuchen kann? Weiß ich nicht. Vielleicht mittlerweile sogar schon, sofern ich es nicht mit totalen Voll-Asis zu tun hab.
Würde es funktionieren, wenn ich jetzt in irgendein Team in irgendeiner großen Firma integriert würde, weil ich so wahnsinnig war, mich auf einen neuen Job zu bewerben, anstatt weiter mein eigenes Süppchen als IT-Homebrewer zu kochen? Ich glaube eher nicht, bzw. es wäre eine ausgesprochene Zufallsfunktion in Abhängigkeit von der Firmenphilosophie und den beteiligten Charakteren.

Ringelnatz hat geschrieben:
Sonntag 15. September 2019, 11:47
The Poet hat geschrieben:
Sonntag 15. September 2019, 11:40
...
Danke für diesen klasse Beitrag, Poet! Ich finde, du beschreibst hier viele hilfreiche Ansätze :good:
Einen schönen Sonntag dir, mit hoffentlich guter Erholung :klassiker: :prost:
Okay... äh... cool. :D Danke dir! Cheers!
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Re: Jeder kann sich ändern

Beitrag von The Poet » Sonntag 15. September 2019, 13:50

Seb-X hat geschrieben:
Sonntag 15. September 2019, 13:47
The Poet hat geschrieben:
Sonntag 15. September 2019, 11:40
Ich bin derzeit in der glücklichen Situation, dass mich meine Familie finanziell unterstützt. 
Das würde meine Familie nie tun, auch wenn sie es könnte. Da gelten bei uns andere Regeln. Ich bin jetzt erwachsen und habe nun für mich selbst zu sorgen. Wäre es ein extremer Ausnahmefall wie Krankheit und sie müssten mich unterstützen, wären derartige Freizeitaktivitäten nicht gerne gesehen.
Davon abgesehen würde ich eine solche Hilfe nicht annehmen, da würde ich mich in Grund und Boden schämen.
Was in der Richtung hab ich schon vermutet. Das tut mir Leid für dich. :umarmung2:

edit: Welche Art von Hilfe könntest du denn annehmen?
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