Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

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BTVS
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Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von BTVS » Donnerstag 11. Juli 2019, 00:15

Ich hatte heute ein sehr interessantes und tiefgründiges Gespräch mit einem Freund. Er ist zwar kein AB, aber seit Jahren erfolglos auf Partnersuche. Er hat gemeint gerade im Bezug auf sich und die Frauen, die er kennengelernt hat, dass man erst mit sich ins Reine kommen muss, um anderen gegenüber offen zu sein und bereit für eine Beziehung zu sein. Persönlich hat er ein paar persönliche Probleme und ist für sich zu diesem Schluss gekommen. Das Argument von meiner Seite, dass es einem automatisch besser geht, wenn man einen Partner an seiner Seite hat ist insofern für ihn falsch, da man zuviel Druck auf die andere Person ausübt oder zuviel erwartet. Natürlich kann ich nicht aus Erfahrung sprechen, stelle es mir aber zumindest so vor.

Ich habe viel darüber nachgedacht, weiss aber noch nicht, was ich davon halten bzw. ich das Ganze einschätzen soll. Natürlich strahlt man mehr Selbstbewusstsein aus, wenn man mit sich glücklich ist und an seinen Päckchen arbeitet und das merkt das andere Geschlecht auch. Aber kann man trotzdem auf Partnersuche gehen und hoffen, dass man zumindest glücklicher ist und einem das Arbeiten an sich selbst leichter fällt? Momentan bin ich allgemein emotional sehr unausgeglichen und kann alles nicht mit klaren Gedanken objektiv beurteilen.

Was habt ihr für Meinungen zu diesem Thema?

Neveryoung
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Neveryoung » Donnerstag 11. Juli 2019, 00:21

Es wäre sicherlich von Vorteil für die Partnersuche wenn man mit sich selbst im Reinen ist, aber es ist keine Voraussetzung. Alle Menschen haben irgendwelche Probleme und müssen ihre Päckchen tragen, und trotzdem haben die meisten Menschen Beziehungen on mass. Für jemanden der aber Schwierigkeiten hat eine Beziehung zu starten, sollte womöglich wirklich erst mit sich ins Reine kommen.
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Melli
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Melli » Donnerstag 11. Juli 2019, 05:23

BTVS hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 00:15
Er hat gemeint gerade im Bezug auf sich und die Frauen, die er kennengelernt hat, dass man erst mit sich ins Reine kommen muss, um anderen gegenüber offen zu sein und bereit für eine Beziehung zu sein.
Ich kenne diese Psycho-Sprüche, aber das hat schon etwas sadistisches bzw. auch etwas von "Wasser predigen und Wein trinken". Müßte man irgendwelche Voraussetzungen erfüllen, dann könnten die meisten Leute bis zum St. Nimmerleinstag warten, bis sie mal eine Beziehung haben dürften :twisted:

Und was bitteschön soll "mit sich ins Reine kommen" denn nun für wen bedeuten?
BTVS hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 00:15
Das Argument von meiner Seite, dass es einem automatisch besser geht, wenn man einen Partner an seiner Seite hat ist insofern für ihn falsch, da man zuviel Druck auf die andere Person ausübt oder zuviel erwartet.
Ein gleich zweifaches Nein von meiner Seite: Zunächst mal bedeutet das nicht notwendigerweise Druck ausüben. Zum anderen geht es einem nicht unbedingt besser, nur weil man in einer Beziehung ist.

Wobei man sich auch wiederum fragen mag, was "besser" überhaupt heißen soll?

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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von fidelchen » Donnerstag 11. Juli 2019, 08:02

Jup, stimme den Vorrednern zu...

Das ist einfach das häufige Missverständnis bei dieser Aussage: "Komm erst mit dir im Reinen, dann geh auf die Partnersuche!"
Es ist sicherlich nicht notwendig mit sich erst im Reinen zu kommen, um ein Partner zu finden.

Aber um das zu erreichen was du bereits genannt hast, nämlich DAUERHAFT glücklicher mit einem Partner zu werden, ist das schon notwendig. Gleich und Gleich zieht sich an. Jemand der absolut nicht mit sich im Reinen ist, der kommt auch eher mit jemanden zusammen der ähnlich ist. Den jemand der anders ist, wird entweder unterbewusst/bewusst abgelehnt oder (was wahrscheinlicher ist) diese Person lehnt ab.

Das Problem ist aber leider, dass viele auch das Glück des Verliebens (welcher am Anfang ja immer kommt und nur ein Drogenrausch ist) mit dem Beziehungsglück gleichsetzen. Dieses Glück kann bei jedem aufkommen. Aber das Glück, welches eine dauerhafte Beziehung und damit eine richtige Liebe bringt, da braucht man sicherlich schon eine stabilere Persönlichkeit ;)
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von yes_or_no » Donnerstag 11. Juli 2019, 08:27

naja es gibt ein paar dinge, die man an sich nicht aendern kann oder will, die man selbst und der potenzielle partner akzeptieren muessen. bei sowas kann man trotzdem eine beziehung fuehren.

aber es gibt andere dinge, die mit dem eigenen charakter oder eigenen chronischen praegung nicht viel zu tun haben, zb dass man sehr ungluecklich im job ist oder schwere depressionen hat, gerade umgezogen ist oder wirklich komplett offene wunden aus der vergangenheit noch hat.
dann denk ich dass ne beziehung einem eher schaden wuerde, weil das gegenueber nicht die geduld haben kann um einem dabei zeit zu lassen, das zu klaeren. und man durch beziehung in der falschen situation dann einen zusaetzlichen stressfaktor im leben haette.
normal, wenn man zeit hat und mit sich klar kommt, dann geniesst man es ja, wenn ein treffen ansteht und freut sich drauf.

also prinzipiell find ichs richtig zu sagen, dass nicht jeder nicht immer bereit ist.
aber ab zaubert sich nicht weg indem.man ewig wartet. auch introvertiertheit nicht oder leichte depressive verstimmungen, die so chronisch sind, dass es fuer einen selbst "normal" ist.
also man muss einfach aufpassen, wie man diese aussage versteht denke ich.

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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von TheRealDeal » Donnerstag 11. Juli 2019, 10:04

fidelchen hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 08:02
Jup, stimme den Vorrednern zu...

Das ist einfach das häufige Missverständnis bei dieser Aussage: "Komm erst mit dir im Reinen, dann geh auf die Partnersuche!"
Es ist sicherlich nicht notwendig mit sich erst im Reinen zu kommen, um ein Partner zu finden.
Das nicht. Aber es hilft dabei auch ohne Partner zumindest so weit glücklich und zufrieden sein zu können, um nicht verbittert zu werden. Außerdem (und dann funktionierte Partnerfindung bei mir am besten) konnte ich dadurch das Thema loslassen, anstatt es verzweifelt festzuhalten und mich dran zu klammern.
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Milkman » Donnerstag 11. Juli 2019, 10:21

BTVS hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 00:15
Was habt ihr für Meinungen zu diesem Thema?
Ich bin da zu 100% bei deinem Kumpel.
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Tania » Donnerstag 11. Juli 2019, 10:34

fidelchen hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 08:02
Das Problem ist aber leider, dass viele auch das Glück des Verliebens (welcher am Anfang ja immer kommt und nur ein Drogenrausch ist) mit dem Beziehungsglück gleichsetzen. Dieses Glück kann bei jedem aufkommen. Aber das Glück, welches eine dauerhafte Beziehung und damit eine richtige Liebe bringt, da braucht man sicherlich schon eine stabilere Persönlichkeit ;)
Seh ich ein bisschen anders. Man kann durchaus auch mit vorhandenen heftigen Verletzungen eine Beziehung aufbauen. Die Gefahr lauert eher darin, dass man im Rausch der ersten Verliebtheit auf die Idee kommen könnte "so, jetzt ist alles wieder gut", dann nach Abflauen der Rosarote-Brille-Phase merkt, dass es einem immer noch ziemlich dreckig geht und dann denkt "Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Beziehung Scheisse ist, ich beende die mal lieber." Und wenn man dann das Pech hat, sich schnell wieder zu verknallen und wieder in den besagten Rausch zu fallen, fühlt man sich bestätigt und dann kann das eine ziemlich lange Kette von Kurzbeziehungen werden.


Es kann aber auch anders laufen. Als ich meinen Mann kennen gelernt habe, war ich sehr am Boden. Natürlich hat die Verliebtheit mir viel Energie und Freude gegeben, aber ich konnte die zum Glück nutzen, um - auch mit seiner Unterstützung - an dem Problem zu arbeiten. Auch noch nach Abklingen der Erstverknalltheit. Das wurde dann eine durchaus dauerhafte Beziehung - inklusive richtiger Liebe.

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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von desigual » Donnerstag 11. Juli 2019, 11:05

fidelchen hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 08:02
Aber das Glück, welches eine dauerhafte Beziehung und damit eine richtige Liebe bringt, da braucht man sicherlich schon eine stabilere Persönlichkeit ;)
Stimme dir zu. In eine Beziehung kommt man durchaus auch mit eigenen Problemen. Da ist ohnehin alles besonders und anders... Die Beziehung zu führen ist ungleich schwerer, wenn die eigenen Baustellen auf einer Beziehung lasten. Der Beziehungsalltag bringt ja auch viele Herausforderungen mit sich.
Z. B. hat der Partner vielleicht nicht so viel Zeit für mich oder nicht dann, wenn ich es mir wünsche. Wenn ich sozial isoliert und einsam bin, macht mich das unglücklich. Am Anfang spielt das noch nicht so rein, beim Kennenlernen und in der ersten Verliebtheit ermöglicht man viel Zeit mit dem anderen. Aber irgendwann kommt den anderen Verpflichtungen wieder mehr Bedeutung zu.

Außerdem: Wie schon jemand schrieb, wir sind ABs, das heißt wir wissen doch eh nicht, ob oder wann wir mal einen Partner finden. Dann sollten wir doch alles dafür tun, auch jetzt schon glücklich zu sein und dazu gehört doch auch seine Probleme zu lösen.

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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Gatem » Donnerstag 11. Juli 2019, 11:14

Ich finde das Thema recht schwierig.
Für mich wäre „mit sich selbst im Reinen sein“ gleichbedeutend mit einem Zustand, in dem man absolut zufrieden mit sich selbst und seiner Situation ist.
Und genau solch eine Situation wäre in meinen Augen eher hinderlich im Bezug auf eine Partnersuche. Denn wenn man absolut zufrieden ist, dann kann jedwede Änderung an der Situation (z.B. durch einen Partner) diese ja nur verschlechtern.
Ich glaube letztlich sind dass alles nur Pseudo-Weisheiten. Andere Sprücheklopfer sagen, dass man erst eine Motivation oder ein Bedürfnis aufbauen muss seine Situation überhaupt ändern zu wollen, was dem ja wieder komplett entgegen steht.

Menschen sind einfach unterschiedlich. Ich glaube keine dieser Sprüche kann man einfach mal so allgemein anwenden.

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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Tania » Donnerstag 11. Juli 2019, 11:26

desigual hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 11:05
Die Beziehung zu führen ist ungleich schwerer, wenn die eigenen Baustellen auf einer Beziehung lasten.
Stimmt. Aber dass die Bedingungen suboptimal sind, ist m.E. kein Grund, gleich ganz darauf zu verzichten. Dann ist es eben eine Zeitlang etwas schwerer ... Wird im Laufe der nächsten 50 gemeinsamen Jahre nicht das letzte Mal sein, dass man gemeinsam schwierige Situationen überstehen muss. Da kann man das auch gleich von Anfang an üben :)

Der Beziehungsalltag bringt ja auch viele Herausforderungen mit sich.
Z. B. hat der Partner vielleicht nicht so viel Zeit für mich oder nicht dann, wenn ich es mir wünsche.
Das kann Dir auch hervorragend bei Partnern passieren, die nicht die leiseste Sorge der Welt haben. Z.B. weil sie ein aktives soziales Leben und einen tollen Job und viele attraktive zeitraubende Hobbys haben.

Dann sollten wir doch alles dafür tun, auch jetzt schon glücklich zu sein und dazu gehört doch auch seine Probleme zu lösen.
Das auf jeden Fall. Aber wenn vor der Lösung aller Probleme der Typ mit dem weißen Pferd vor der Tür steht, musst Du ihn auch nicht wegjagen. :)

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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Captain Unsichtbar » Donnerstag 11. Juli 2019, 11:41

Melli hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 05:23
Ich kenne diese Psycho-Sprüche, aber das hat schon etwas sadistisches bzw. auch etwas von "Wasser predigen und Wein trinken". Müßte man irgendwelche Voraussetzungen erfüllen, dann könnten die meisten Leute bis zum St. Nimmerleinstag warten, bis sie mal eine Beziehung haben dürften :twisted:
Zu dieser Erkenntnis bin ich mittlerweile auch gekommen. Das Problem, das ich mit so einer Aussage habe, ist, dass ich als chronisch Depressiver demzufolge gar nie das "Recht" haben würde, mich um eine Beziehung zu bemühen. Toll, kann ich mich auch gleich umbringen.
Ausserdem ist es eine ganz praktische Ausrede, um schon vorsorglich mögliche positive Veränderungen im Leben zu blockieren. :hammer:
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Ringelnatz » Donnerstag 11. Juli 2019, 11:51

Ich glaube, die Aussage "man solle erst mit sich selbst ins Reine kommen" kann leicht missverstanden werden als "erst wenn du perfekt (selbst)optimiert bist, kannst du eine Beziehung eingehen". Ich stimme den Vorschreibern zu, dass das zum einen schwer möglich und zum anderen auch nicht nötig ist. Ich wage mal zu behaupten, dass wenige unter uns völlig im Reinen mit sich sind. Ich bin's nicht und war's auch nie - und hatte trotzdem Beziehungen.

Meiner Meinung nach ist das "mit sich selbst ins Reine kommen" ein Prozess, mit dem man das ganze Leben lang beschäftigt ist. Je nach Lebensphase tritt dieser Prozess dann vielleicht mehr oder weniger in den Vordergrund.

Sich das eigene Leben so schön wie möglich zu gestalten - auch während man alleine ist - halte ich für wichtig. Dazu gehört Reflexion darüber, was einem wichtig ist, was man gerne möchte, was man sich selbst erfüllen kann. Auch das Gefühl, dass man nicht in allem von anderen Menschen abhängig ist, sondern selbst ein großes Stück Kontrolle hat über das eigene Leben. Sich bewusst zu sein über die eigenen Wünsche (dabei auch unerfüllte/unerfüllbare Wünsche zu akzeptieren) und dann eigene Handlungsmöglichkeiten auszuloten (ggf. auch Hilfsangebote wahrzunehmen) finde ich hilfreich. Das sollte man auch nicht nur im Hinblick auf eine mögliche Beziehung machen, sondern im Rahmen der Selbstfürsorge. Diese Aufgabe hört auch nicht auf, wenn man in einer Beziehung ist (siehe oben).
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von fidelchen » Donnerstag 11. Juli 2019, 13:37

Jup Ringelchen hat es gut beschrieben...

Ich glaube vielen (ist aber auch schwer zu erfassen) ist auch nicht klar was „im Reinen“ überhaupt heisst... Es heisst nämlich nicht keine Selbstzweifel, keine Ängste oder so zu haben... Wer nämlich „behauptet“ diese nicht zu haben ist vieles, aber nicht mit sich selbst im Reinen 😉
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von schmog » Donnerstag 11. Juli 2019, 13:47

Ich bin seit über 10 Jahren hier!

Diese Diskussion taucht mindestens 2 mal im Jahr auf .... und ich halte nicht viel davon!?
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Zitronenkuchen » Freitag 12. Juli 2019, 14:10

Wenn man eine Beziehung mit einem anderen Menschen eingehen will, ist es essentiell mit sich selbst im "Reinen" zu sein. Wie soll man jemand anders lieben wenn man sich selbst nicht liebt ?

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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von schmog » Freitag 12. Juli 2019, 14:49

Selbstliebe kommt nicht einfach so vom Himmel herunter ...
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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Nonkonformist » Freitag 12. Juli 2019, 15:02

Captain Unsichtbar hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 11:41
Melli hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 05:23
Ich kenne diese Psycho-Sprüche, aber das hat schon etwas sadistisches bzw. auch etwas von "Wasser predigen und Wein trinken". Müßte man irgendwelche Voraussetzungen erfüllen, dann könnten die meisten Leute bis zum St. Nimmerleinstag warten, bis sie mal eine Beziehung haben dürften :twisted:
Zu dieser Erkenntnis bin ich mittlerweile auch gekommen. Das Problem, das ich mit so einer Aussage habe, ist, dass ich als chronisch Depressiver demzufolge gar nie das "Recht" haben würde, mich um eine Beziehung zu bemühen. Toll, kann ich mich auch gleich umbringen.
Ausserdem ist es eine ganz praktische Ausrede, um schon vorsorglich mögliche positive Veränderungen im Leben zu blockieren. :hammer:
Ich bin auch immer pessimistischer ob es mir jemals gelingen wird in meinen frueheren berufsfeld zurueck zu kehren - es ist nicht viel mehr davon uebrig, und was dafuer in der stelle gekommen ist ist auch nicht so mein ding. Eigentlich mag ich ausser das internet computer gar nicht. Das bedeutet das die ehemalige quelle meines gluecklich seins nicht mehr existiert, und ich weiss auch nicht womit ich es ersetzen sollte. (Und fuer kognitiver dissonanz, mich dazu zwingen gluecklich zu sein mit ersatzdingen die mich nicht interessieren, habe ich auch keinerlei talent.)
Es bedeutet im grunde das ich nie mehr wirklich gluecklich sein wird.
Und das wars denn simultan auch mit den frauen, denn als nicht gluecklicher mann ist man automatisch aus den rennen.

Ob mir ueberhaupt noch irgendwelchen zufriedenstellendes leben erwartet bezweiffle ich mehr und mehr...
Zuletzt geändert von Nonkonformist am Freitag 12. Juli 2019, 15:05, insgesamt 1-mal geändert.
I Yam What I Yam & Dats What I Yam - (Popeye the Sailorman.)

zumsel

Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von zumsel » Freitag 12. Juli 2019, 15:04

Warum nicht lieber ins Schmutzige kommen ? :lach:

Das Leben ist nicht steril. Für mich persönlich bedeutet das meine Gedanken, die nach Eindeutigkeit, nach Sicherheit, nach klaren Verhältnissen schreien abzulegen. Rauszugehen. Das Leben so anzunehmen wie es ist. Sich nicht einzuigeln, wo man sein "sauberes Umfeld" geschaffen hat wie z.B. hier im Forum. Unbequemes zuzulassen und es auszuhalten und trotzdem noch einen draufzulegen nach dem Motto: "Die Scheiße übersteh ich jetzt auch noch". Ausrutschen und im Dreck landen, wieder aufstehen und weitermachen. Das ist das wahre Leben. Nicht das ausweichen. Das tolle ist aber, dass durch den ganzen Schmutz die schönen, reinen Momente umso stärker leuchten und das man sie dann auch ganz anders wahrnimmt. Wenn man sich raushält aus allem, dann wird es schwerer Dinge anzunehmen, weil man den Blick auf die Realität verliert und Ängste stärkt.

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Re: Erst mit sich selbst ins Reine kommen?

Beitrag von Kief » Freitag 12. Juli 2019, 15:17

Zitronenkuchen hat geschrieben:
Freitag 12. Juli 2019, 14:10
Wenn man eine Beziehung mit einem anderen Menschen eingehen will, ist es essentiell mit sich selbst im "Reinen" zu sein. Wie soll man jemand anders lieben wenn man sich selbst nicht liebt ?
Es gibt einen Haufen Menschen, die mit sich selbst ueberhaupt nicht ins Reine kommen ... und dennoch einen Haufen partnerschaftliche Optionen haben.

Das Problem sehe ich eher darin, dass es wenig andere Moeglichkeiten gibt, noch nachhaltiger etwas an der "Attraktivitaet" zu verbessern.
Gleichzeitig ist es aber so mit das Anspruchsvollste, was man sich vornehmen kann ...
nicht nur mental, sondern auch Lebensumstellung und sonstige Resssourcen ...


K
Deeskalation, ohne danach die Probleme anpacken zu wollen,
das ist wie Ablenkung, oder Hinhalte-Taktik/Aussitzen wollen:
als Gespraechsverweigerung die getarnteste Form von Eskalation.

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