Second Life und andere Online-Welten: Gerade jetzt interessant?

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Second Life und andere Online-Welten: Gerade jetzt interessant?

Beitrag von Le Chiffre Zéro » Sonntag 31. Mai 2020, 16:13

(Jetzt ist das doch wieder eine Wall of Text geworden …)

Die aktuelle Lockdown-Situation hat – verständlicherweise – zu einer angestiegenen Nutzung virtueller Welten geführt. Natürlich, wenn man im Real Life kaum (oder fast gar nicht mehr) nach draußen gehen und sich mit Leuten treffen kann, dann ist der Gedanke naheliegend, das in den tatsächlichen Cyberspace zu verlegen. Und der ist schon lange weniger Science-Fiction, als man vielleicht glauben mag, auch wenn wir von der Leistungsfähigkeit der OASIS (Ready Player One) noch ein Stück weit entfernt sind.

Der Platzhirsch – will sagen, wer überhaupt solche Onlinewelten kennt, kennt häufig nur dies – ist Second Life (Wikipedia) von Linden Labs, das seit beinahe 17 Jahren existiert und immer noch kontinuierlich weiterentwickelt wird. Vielleicht hat jemand in den 2000ern schon einmal davon gehört, als der große Hype lief. Second Life hat mit gewaltigem Abstand die größte Nutzerzahl.

Im Gegensatz zu bekannteren MMORPGs besteht Second Life nicht aus einer oder wenigen riesigen, monolithischen, in sich geschlossenen Welten. Statt dessen ist die Second-Life-Welt ein Raster von quadratischen Regionen mit einer Kantenlänge von 256 m, das „Grid“ genannt wird. 256×256 m klingen nach wenig, aber man sieht all diese Regionen nebeneinander, man kann einfach von einer in die nächste gehen, und einige Simulationen sind von vornherein über mehrere Regionen ausgebreitet, und zwar so, daß man es gar nicht merkt.

Aber es gibt auch Kritik. Second Life ist nicht nur durchweg sehr kommerziell, sondern auch wenn man es an sich kostenlos nutzen kann, kann es sehr schnell sehr teuer werden. Vor allem die Landpreise in Second Life sind wahnwitzig hoch – man bedenke, daß Linden Labs nur die Plattform zur Verfügung stellt und bis auf Standardavatare und eine einzelne kleine Insel am Anfang mit ein paar Pflanzen darauf alles, was man in Second Life sieht, von den Nutzern erschaffen wurde. Und trotzdem hat Second Life inzwischen praktisch kein freies Land mehr. Das Grid ist voll.

Es soll wohl noch nicht einmal wirklich einfach sein, sich seinen Avatar ansprechend auszustatten, ohne sich vorher für echtes Geld Linden-Dollars zu kaufen und mit denen Avatarausstattung zu kaufen. Eine Parzelle für ein eigenes Gebäude wird noch teurer, ganz zu schweigen von einer ganzen Region – sofern man noch Platz für eine bekommt. Regionen mietet man direkt bei Linden Labs, und meines Wissens kassieren sie auch bei anderen Transaktionen – und das nicht schlecht, denn es soll Leute geben, die komplett von ihren Waren oder Dienstleistungen in Second Life leben.

Dazu kommt, daß seitens Linden Labs auch sonst einiges im argen läuft. Das fängt an bei weitreichender Zensur im ganzen Second-Life-Grid und der Einstellung des separaten Grid für Minderjährige – was dazu führte, daß die irgendwie im verbliebenen Grid untergebracht werden mußten, ohne ständig mit Ü18-Content konfrontiert zu werden – und reicht bis zu diversen Fällen von Mißmanagement.


Die wohl wichtigste Alternative, noch dazu frei und quelloffen, ist OpenSimulator (kurz OpenSim), der auch schon seit 2007 existiert. Und das ist tatsächlich ein Spinoff von Second Life und funktioniert ganz ähnlich.

Es fing eigentlich damit an, daß alternative Clients – sogenannte „Viewers“ – für Second Life entwickelt wurden, das zwar einen offiziellen Viewer hat, der aber nicht allen gefiel. Der offizielle Viewer ist quelloffen und steht unter einer freien Lizenz. Das machte nicht nur Forks möglich, die am Diktat von Linden Labs vorbei weiterentwickelt werden konnten, sondern damit lag auch die API von Second Life offen. Und um diese API herum wurde eine komplett neue Simulation entwickelt, OpenSimulator. Auch dieser befindet sich in ständiger Weiterentwicklung, in Teilen parallel zu der von Second Life.

Während Second Life eine zentralistisch aufgebaute, kommerzielle Sache in den Händen eines Unternehmens ist, ist OpenSimulator im wesentlichen unkommerziell, kein Eigentum irgendeiner Firma und dezentral (dazu komme ich noch). Man kann sehr viel mehr machen, ohne Geld auszugeben – es gibt haufenweise Läden für Freebies von Kleidung und Schmuck über Körper und ganze Avatare bis hin zu Gebäuden –, und selbst das, was einiges an Geld kosten könnte, also Land von Parzellen unterschiedlicher Größe bis zur ganzen Region, ist um Größenordnungen billiger als in Second Life. Es gibt mehrere Zahlungssysteme, aber viele Grids haben gar nicht erst ein Zahlungssystem, verwehren sich der Kommerzialität gänzlich und setzen komplett auf Freebies.

„Dezentral“ bedeutet hier, daß es kein einzelnes Grid gibt, auf dem sich alles abspielt. Jeder könnte sein eigenes Grid betreiben, zu Hause (dann auch für sich privat, was sich gerade beim Bauen ganzer Regionen anbietet) oder auf gemietetem Webspace. Hypergrid Business vermeldete vor zwei Wochen die Rekordzahl von 365 bekannten aktiven Grids.

Wie es aber bei solchen dezentralen System ist: Die Grids sind nicht alle isoliert. Die meisten sind zusammengeschlossen im sogenannten „Hypergrid“. Man kann also nicht nur innerhalb eines Grid von Region zu Region teleportieren (oder innerhalb der Region, wenn man lauffaul ist oder von Bugs am Laufen gehindert wird), sondern auch in ganz andere Grids. Ab und an gibt es da gewisse Regeln, z. B. kann man bei einigen Grids von außerhalb nur in bestimmte Regionen teleportieren und muß sich dann von da weiterbewegen. Oder man darf gewisse Dinge, die man sich in einem Grid besorgt hat, nicht außerhalb dieses Grid verwenden (was aber selten ist, vor allem bei Freebies). Aber grundsätzlich ist das kein Problem.

Übrigens ist die gesamte Landfläche im Hypergrid größer als die in Second Life. Und weil zum einen Land im Hypergrid sehr viel billiger und zum anderen das Second-Life-Grid voll ist, wird sich dieser Abstand weiter vergrößern – ungeachtet gelegentlicher Grid-Schließungen, denn wenn Grids geschlossen werden, tauchen viele Sims daraus auf anderen Grids wieder auf.

Damit kommen wir zu den Nachteilen von OpenSim. Die fangen damit an, daß OpenSim aufgrund seines geringen Bekanntheitsgrades (es gibt ja niemanden, der bezahlte Werbung dafür schalten könnte) nur einen winzigen Bruchteil der Nutzerschaft von Second Life hat. Und das auf mehr Landfläche. Während es auf Second Life allerorten vor Avataren nur so wimmelt, sind die meisten Regionen in OpenSim die meiste Zeit über komplett unbelebt. Außerhalb von Partys kann man von Glück reden, wenn man einem anderen Avatar begegnet. Aber gut, vielleicht kann das für introvertierte Sozialphobiker wieder ein Feature sein.

Ein grundsätzliches Problem freier, dezentraler Systeme ist, daß sie einerseits komplexer sind als zentralistisch aufgebaute, daher eigentlich mehr Dokumentation benötigen, aber andererseits meist nicht sonderlich gut dokumentiert sind. Der Link, den ich weiter oben gesetzt habe, führt zur offiziellen Dokumentation in Form eines Wiki, aber die ist streckenweise ebenso veraltet wie der deutschsprachige Wikipedia-Artikel, der seit fast einem Jahr nicht mehr bearbeitet wurde; der englischsprachige ist nicht sehr viel informativer.

Irreführend sind bei dem obigen offiziellen Link die Downloads. Als Anfänger, der OpenSim gerade erst gefunden und noch keine Ahnung davon hat, wird man versucht sein, es herunterzuladen und gleich loszuspielen. Dummerweise lädt man damit keine Endnutzeranwendung herunter, also keinen Viewer, sondern die Anwendung namens OpenSimulator ist der Server, dessen Einrichtung für Laien ziemlich komplex ist – und mit dem man ohne Viewer ebensowenig anfangen kann wie mit OpenSim an sich. Wer einfach nur spielen bzw. teilnehmen will, für den sind diese Downloads völlig sinnlos, und dennoch sind sie die einzigen, die angeboten werden.

Noch dazu gibt es keinen Viewer namens OpenSimulator, also kein Programm/keine App mit dem Namen, die man sich zum Spielen herunterladen und installieren kann. Was auch bei XMPP, Matrix & Co. Laien in die Irre führt: Die Endnutzeranwendungen heißen ganz anders als das System. Bei OpenSim sind das zumeist eigentlich Alternativ-Viewers für Second Life, und von den bekanntesten gibt es spezielle OpenSim-Versionen. Der populärste und am häufigsten empfohlene Viewer ist Phoenix Firestorm, von dem gerade erst vor ein paar Tagen eine neue Version erschienen ist – eigentlich zwei, denn Firestorm hat separate Versionen für Second Life und OpenSim. An zweiter Stelle kommt Singularity, das aber in einigen Punkten nicht ganz so einfach zu handhaben, leistungshungriger und zu einigen älteren OpenSim-Versionen nicht sehr gut kompatibel ist. Beide sind cross-platform verfügbar, aber nicht mehr für 32-Bit-GNU/Linux.

Generell wird der Name OpenSimulator im Internet in diesem Zusammenhang nur selten benutzt, was die Verwendung dieses Begriffs auf der Suche nach Informationen erschwert. OpenSimulator ist ja nur die technische Basis. Eher wird vom Hypergrid geredet, weil diejenigen Grids, die sich nicht dem Hypergrid angeschlossen haben, keine sonderlich große Rolle spielen, seltener vom Metaverse, das alle Grids beinhaltet, aber auch Second Life und andere, gänzlich inkompatible Simulationen. Noch häufiger ist einfach nur von einzelnen Grids die Rede, zumal jedes Grid, das etwas auf sich hält, eine eigene Website hat. Diese Websites nutzen aber selten den Begriff OpenSimulator. Riesengrids wie OSGrid (das größte Grid) oder Kitely (das kommerziellste Grid) erwecken gar auf den ersten Blick den Eindruck, komplett eigenständige, in sich geschlossene Produkte zu sein – dabei basieren sie nicht nur auf OpenSim, sondern sind sogar im Hypergrid.

Aufgrund der dezentralen Natur gibt es eben auch keine eine dezentrale Website für alles. OpenSimulator.org dient nur der Dokumentation (oder einem Versuch derselben). Zwei weitere, nur englischsprachige Websites sind:
  • Hypergrid Business, das sich nicht nur, aber zu einem erheblichen Teil OpenSim widmet und immer wieder News bringt; dazu gibt es eine Erklärung, was OpenSim eigentlich ist, eine Liste aktiver Grids (den Serverstandort des jeweiligen Grid erkennt man aus der URL, der Website, falls vorhanden, muß man wissen oder darf man raten) und nicht unbedingt aktuelle Informationen über freies Land)
  • OpenSimWorld, im wesentlichen ein Verzeichnis von Regionen, filterbar nach Grid und Kategorien, das außerdem die Anzahl der gerade in einer Region anwesenden Avatare angibt (gerade abends ein guter Indikator dafür, wo gerade eine Party läuft), ob die Region gerade online ist, und die Teleportadresse; allerdings kennt auch OpenSimWorld nur Regionen, die jemand dort angemeldet hat
Für den Endnutzer kommt noch die Nutzerdokumentation des jeweils genutzten Viewers dazu. Firestorm hat eine inklusive Tutorials, die aber englisch ist, Singularity hat überhaupt keine, und beide Viewers erschlagen den Nutzer mit Features.

YouTube ist keine besonders gute Hilfe. Der überwiegende Teil der OpenSim-Videos bezieht sich auf eine medizinische Physiksimulation mit demselben Namen. Wenn man sich die wegdenkt und nach Tutorials sucht, findet man mehr Tutorials zum Aufsetzen seines eigenen Servers als zur Handhabung eines Viewers. Es gibt eine Playlist mit englischsprachigen Video-Tutorials, die aber allesamt schon mindestens zehn Jahre alt (und sehr gering aufgelöst) sind, und seitdem hat sich in OpenSim viel getan, und sie beziehen sich auf ein selbstgehostetes, frisch installiertes Grid. Als Firestorm-User kann man sich auch im offiziellen Phoenix-Firestorm-Kanal umsehen, auch wenn der sich komplett auf Second Life bezieht – in der Handhabung macht es kaum einen Unterschied, ob man Second Life oder OpenSim benutzt, wenn der Viewer grundsätzlich der gleiche ist.

Wenn man noch kein registrierter User ist, erfährt man über Grids nur auf deren Websites, die sehr unterschiedlich sein können. Und darüber sollte man sich informieren, denn man hat ja die Qual der Wahl: Man muß sich nicht nur für einen Viewer entscheiden (wobei einem fast jeder zu Firestorm raten dürfte), sondern auch aus über 300 Grids das eine wählen, auf dem man seinen Avatar erstellt und sich einloggt. Mit etwas Detektivarbeit stößt man möglicherweise auf die einschlägig bekannten deutschen Grids. Der Platzhirsch und eines der von den Mitgliedszahlen her größten Grids überhaupt ist Metropolis (die Website ist schon etwas sehr veraltet), das sehr viele registrierte Avatare hat, denen aber nicht viel geboten wird. Ansonsten gäbe es da noch The Public World, Nextlife-World, Dorenas World, Anettes Welt, GermanWorldGrid, Furry-World (für Furries, aber eigentlich nur für Furries[/i]), Offworld, Caledonia etc. Grids für vielerlei Geschmäcker also, aber wirklich informativ sind nur deren eigene Websites (oder ein Besuch vor Ort, siehe unten).

Ein großes zentrales Forum gibt es auch nicht. Einige Grids haben ihre eigenen Foren, die teilweise nur dem Support dienen, und es gibt das deutschsprachige Virtual-Talk, wo sich auch die Admins einiger deutscher Grids tummeln.

Unterm Strich geht es aber nicht ohne „learning by doing“. Vieles erfährt man nur, wenn man sich tatsächlich auf einem Grid registriert hat und sich durch die Regionen und das Hypergrid bewegt, sich z. B. Freebies für die Ausstattung seines Avatars besorgt und damit herumexperimentiert (sollte man natürlich tunlichst irgendwo tun, wo einen keiner sieht, was aber in OpenSim nicht sehr schwierig ist). Dinge wie die Funktionsweise von Alphas (lassen Teile des Körpers verschwinden, damit sie nicht durch die Kleidung sichtbar werden, wenn sie es nicht sollen) oder Mesh Clothing (modellierte Kleidung, die nicht einfach eine Texturschicht auf dem Körper ist) erfährt man eigentlich nur so.


Generell gibt es noch eine Sache zu diesen virtuellen Welten zu sagen, die vielleicht erstaunen: Das sind keine Nerdveranstaltungen, bei denen es fast nur Männer gibt. Tatsächlich gibt es sehr viele weibliche User, und hinter weiblichen Avataren verbergen sich für gewöhnlich auch tatsächlich Frauen – es würde spätestens bei aktivem Voicechat auffallen, wenn nicht. Accessoires für weibliche Avatare gibt es um ein Vielfaches mehr als für männliche. Ganze Grids werden von Frauen betrieben oder von Paaren. Und es kann einem passieren, daß man auf einer kleineren abendlichen Clubparty – außer vielleicht noch dem DJ – der einzige Mann ist.

Wer also nach einer Online-Beschäftigung sucht, bei der es weder nur Männer noch einen zwingenden Konkurrenzkampf gibt, und ein nicht zu schwächliches Endgerät hat, für den könnte das Ganze eventuell interessant sein.

(Und wer da schon aktiv ist, der kann das gern sagen, dem sei aber dringend empfohlen, seinen Namen hier nicht gerade öffentlich kundzutun.)
← Das da sind keine Klaviertasten. Es sind Synthesizertasten. Doch, da gibt es Unterschiede.

Ich kann es euch erklären. Ich kann es aber nicht für euch verstehen. Das müßt ihr schon selbst tun.

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Re: Second Life und andere Online-Welten: Gerade jetzt interessant?

Beitrag von Himbeere » Dienstag 13. Oktober 2020, 17:48

Hey! Vielleicht sollte ich einen aktuellen Viewer laden und mal wieder im Second Life vorbeischauen. Ich hatte mich dort angemeldet, als diesen Hype darum gab, ich glaube 2007. Ich fand es ziemlich spaßig und habe einen Haufen lustiger Spinner dort getroffen. Ich war auch mal auf anderen Grids, es gab doch diesen Betagrid, wo es immer ziemlich leer war und ich meine auch, dass ich später mal Open Sim getestet hatte, bin aber nicht mehr ganz sicher. Wäre mein Rechner nicht überfordert, würde ich es mal wieder versuchen, ist eigentlich ne Idee. Es wird Winter und in RL warten die Aerosole auf mich...

Auf jeden Fall glaube ich, dass solche Welten künftig schon Nachfrage haben werden, jedenfalls wenn die Lernkurve ein wenig niedriger ausfällt. Es dauert ja ziemlich lange, bis man dort klar kommt, finde ich, und das dürfte sich kaum verändert haben. Ich habe vor ein paar Jahren mal eine Stippvisite in High Fidelity unternommen, dem jüngeren Baby von Philip Rosedale, und ehrlich gesagt kam ich kaum von der Stelle. Ich wusste einfach nicht wie. Was die mittlerweile dort machen, ist mir genauso schleierhaft.

Was ich mir noch angesehen habe, ist Sansar, ein Kumpan von mir war dort regelmäßig und stellte Fotos in einer Galerie aus. Wir sind ne Weile da rumgelaufen, ich hab ein paar Strandliegen umgeworfen und mir einen Raum aus Lollis, Eis und Sahnehäubchen eingerichtet. Es war unterhaltsam, aber ich wusste nicht so recht was damit anzufangen. Was mich beeindruckt hat, war die Grafik von Blue Mars, aber da war ich auch nur einmal und ich meine das wurde eingestellt. IMVU habe ich einmal getestet aber das gefiel mir überhaupt nicht. Aber ich bin ja nicht mehr up to date ^^.
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Re: Second Life und andere Online-Welten: Gerade jetzt interessant?

Beitrag von Le Chiffre Zéro » Sonntag 18. Oktober 2020, 10:14

Ich weiß nicht, wann du das letzte Mal in Second Life warst, aber die Nutzerzahlen sind seit den großen Tagen schon heftig gefallen. Die Zeit des Gewimmels und Gewusels überall ist vorbei. Viele sind einfach frustriert über die totalitäre Kommerzdiktatur, die die Lindens so nach und nach aufgebaut haben, und bleiben nur, weil sie sehr viel Zeit und Echtgeld in ihren Avatar und dessen Besitztümer gesteckt haben.

Zu OpenSim sind sie geteilter Meinung. Einige halten sich von da fern, weil es vergleichsweiser „Wilder Westen“ ist. Es gibt ja keine zentrale Kontrollinstanz über das Hypergrid, jedes Grid hat seine eigene Führung und seine eigenen Regeln (wenn es denn überhaupt Regeln gibt und man sich nicht nur auf die Einschränkungen bei den Nutzerrechten und Sim-Einstellungen verläßt). Und Piraterie ist an der Tagesordnung – wohlgemerkt Piraterie von Sachen aus Second Life, die es in OpenSim sonst überhaupt nicht gäbe, geschweige denn zu kaufen.

Andere fahren längst zweigleisig oder sind komplett umgestiegen. Zum einen gefällt es ihnen gerade, daß es da keinen Großen Bruder gibt, der allüberall seine Macht ausübt und diese Macht auch reichlich ausnutzt, wenn nicht gar mißbraucht. Zum anderen ist OpenSim sehr viel billiger: Die meisten Sachen gibt es kostenlos, und eine ganze Region in OpenSim ist billiger als in Second Life eine kleine Wohnung. (Noch ein Grund, warum OpenSim eine so gigantische Landmasse hat: Selbst riesige Varregionen sind vergleichsweise spottbillig, und die einzie Hürde dürfte sein, eine so gewaltige Fläche zu bebauen. Das, und auch begehbare/befahrbare Ozeanregionen gelten als Landmasse.)

Was Sansar für eine Zukunft haben wird, ist fraglich. Das war ja ein Zweitprojekt der Lindens, aber die haben es abgestoßen. Es dürfte wohl niemanden mehr geben, der sich ernsthaft Sansar als seine neue Online-Heimat aussucht.

High Fidelity ist komplett vom Consumer- in den Profi-Bereich gewechselt, aber zum Glück ist es immer noch quelloffen und steht unter einer freien Lizenz. Also kann es geforkt werden – und ist auch schon mindestens dreimal geforkt worden. Zwei der Forks heißen Vircadia und Tivoli Cloud. Der dritte soll von Kitely kommen, die ja auch ein kommerzielles OpenSim-Grid mit eigenem Marketplace betreiben.

Von den neueren Systemen wird noch am ehesten Sinespace gehypet, das auf der Unity-Engine basiert. Grafisch ist es wohl ziemlich weit vorne dabei. Aber wenn man sich mit Content einbringen will, wird's schwierig. Erstens ist es an sich schwierig, Content für Unity zu erstellen – wobei es wohl Converter von Second Life bzw. OpenSim geben soll. Zweitens kann man Content nicht in die laufende Simulation einbauen. Drittens muß man sich sogar als Creator speziell registrieren, was wohl einiges an privaten Daten erforderlich macht. Und viertens wird Content wohl nur kommerziell angeboten werden können, und Sinespace wird ähnlich enden wie Second Life: free-to-play, aber so ziemlich alles andere kostet Geld.
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