Aus der Bahn geworfen

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panzerfahrer
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Aus der Bahn geworfen

Beitrag von panzerfahrer » Freitag 14. Februar 2020, 00:31

Es begab sich eines späten Abends in einer Regionalbahn, dass die Weiterfahrt an einer Station vorläufig pausiert wurde. Mein Arbeitskollege musste zu seinem Glück genau dort aussteigen, für mich jedoch sollte es noch weiter gehen. Durch den Lautsprecher konnte man kurz danach vernehmen, dass ein Notarzt gerufen werden musste.

Da stand ich nun also, gelassen und entspannt wie eigentlich immer, in Gedanken irgendwo auch in der Hoffnung, dass dort niemandem irgendwas schlimmeres passiert ist und kramte mein Smartphone aus der Tasche, um die Zeit mit dem Lesen von aktuellen Nachrichten zu überbrücken, doch dazu kam ich nicht sehr lang. Ein weiteres Ereignis sollte im Folgenden meine Aufmerksamkeit aufbrauchen.

Ein Stück neben mir sprang eine junge Frau, wohl gerade so 20 Jahre zählend, auf und fragte was denn los sei und nahm dabei ihre Kopfhörer von den Ohren. Ich erzählte ihr von der Durchsage, die sie scheinbar nicht mitbekam. Sie regte sich dann über die typischen "Ausreden" der Deutschen Bahn auf, bis einige Fahrgäste ihre Ausführungen nicht mehr ertragen konnten und zurückmeckerten.

Sie stieg dann aus und schimpfte dort einen Zugbegleiter an, warum er denn eine Zigarette rauche, während sie doch wolle, dass die Bahn weiterfahre um endlich nach Hause zu kommen. Dieser sprach daraufhin ein Verbot für sie aus, den Zug erneut zu betreten, aber daran hielt sie sich nicht. Der Zugbegleiter musste dann jedoch die eintreffenden Ärzte zum Ziel geleiten, machte danach aber eine Durchsage die Polizei gerufen zu haben, um eine Person aus dem Zug entfernen zu lassen.

Ich hatte dann also wieder eine meckernde junge Frau und zurückmeckernde weitere Zuggäste in meinem direkten Umfeld. Bei Problemen wegzugehen ist irgendwie nicht meine Art, also suchte ich das Gespräch mit ihr, ließ mir mehrere Minuten lang ihren fast schon monologartig geführten Hass auf die Bahn erklären, die sie schon mehrere Taxifahrten gekostet hat und angeblich sogar absichtlich Verspätungen herbeiführen würde, hörte mir gar Belehrungen an, aber wollte weiter einfach Wind aus ihren Segeln nehmen.

Meine Rückfragen und Ruhe zeigten dann endlich Wirkung. Ich schaffte es, dass sie im hier und jetzt ankommt, meine Hinweise auf ihre Situation registriert und darüber nachdenkt. Als ich dann noch erwähnte, dass sie sich gerade das Leben nur selbst schwer macht und wirklich aussteigen sollte, bevor die Polizei eintrifft geschah ein kleines Wunder: Sie verstummte und ging. Getaner Arbeit suchte und berichtete ich dem Zugbegleiter, dass er die Polizei abbestellen kann. Mein Kopf klopfte sich dabei gedanklich lobend selbst auf die Schulter und bereitete mir ein seichtes lächeln.

Vielleicht wäre es für ihren Lebens- und Lernprozess besser gewesen von der Polizei aufgesammelt zu werden, da hätte es sicher eh keine großen Konsequenzen gegeben, aber eben eine andere Erfahrung. Aber ich bin ein Egoist, ich wollte nach dem Notarzt nicht noch länger wegen der Polizei warten und nach Hause, wie viele andere Fahrgäste wohl auch. Der Zugbegleiter tat mir irgendwo leid, aber mehr als einen beiläufigen Spruch für etwas Aufmunterung am Ende hielt ich dann auch nicht für angemessen. In meinen Augen hätte dieser bei dem Stress einen Orden verdient gehabt.

Was ich hiervon mitnehme und etwaige Leser im Idealfall ebenso: Es mag schwer sein zu anderen Menschen durchzudringen, diese mögen sich auf die erbärmlichste Art falsch verhalten, aber am Ende sind es Menschen. Alle Anderen hatten in der Begebenheit irgendwo ein "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus" Motto auf die Stirn geklebt, dass konträrer zu meiner Lebenseinstellung kaum sein könnte. Möglicherweise bin ich deswegen zum HC-AB zunehmend hohen Alters geworden, wer weiß, wer weiß.
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Re: Aus der Bahn geworfen

Beitrag von Menelaos » Freitag 14. Februar 2020, 07:40

Die Frau klingt als hätte sie ein Rauswurf von der Polizei nur in ihrem Opferkomplex bestärkt. Insofern Hut ab, ich würde es wohl auch bevorzugen die Situation so zu lösen, aber ehrlich gesagt bezweifle ich dass ich das Einfühlungsvermögen hätte zu so jemandem durchzudringen.

PS: Wie war das; Die Bahn führt absichtlich Verspätungen herbei um die Fahrgäste zu nerven, oder sie führt absichtlich Verspätungen herbei um sich an der Bahn zu rächen?
Was auch immer es ist; Du kannst das! Ja ich meine dich! Nein, wirklich DICH! Glaubst du ich lese meine eigene Signatur?

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Re: Aus der Bahn geworfen

Beitrag von Finnlandfreundin » Freitag 14. Februar 2020, 11:30

panzerfahrer hat geschrieben:
Freitag 14. Februar 2020, 00:31
Es begab sich eines späten Abends in einer Regionalbahn, dass die Weiterfahrt an einer Station vorläufig pausiert wurde. Mein Arbeitskollege musste zu seinem Glück genau dort aussteigen, für mich jedoch sollte es noch weiter gehen. Durch den Lautsprecher konnte man kurz danach vernehmen, dass ein Notarzt gerufen werden musste.

Da stand ich nun also, gelassen und entspannt wie eigentlich immer, in Gedanken irgendwo auch in der Hoffnung, dass dort niemandem irgendwas schlimmeres passiert ist und kramte mein Smartphone aus der Tasche, um die Zeit mit dem Lesen von aktuellen Nachrichten zu überbrücken, doch dazu kam ich nicht sehr lang. Ein weiteres Ereignis sollte im Folgenden meine Aufmerksamkeit aufbrauchen.

Ein Stück neben mir sprang eine junge Frau, wohl gerade so 20 Jahre zählend, auf und fragte was denn los sei und nahm dabei ihre Kopfhörer von den Ohren. Ich erzählte ihr von der Durchsage, die sie scheinbar nicht mitbekam. Sie regte sich dann über die typischen "Ausreden" der Deutschen Bahn auf, bis einige Fahrgäste ihre Ausführungen nicht mehr ertragen konnten und zurückmeckerten.

Sie stieg dann aus und schimpfte dort einen Zugbegleiter an, warum er denn eine Zigarette rauche, während sie doch wolle, dass die Bahn weiterfahre um endlich nach Hause zu kommen. Dieser sprach daraufhin ein Verbot für sie aus, den Zug erneut zu betreten, aber daran hielt sie sich nicht. Der Zugbegleiter musste dann jedoch die eintreffenden Ärzte zum Ziel geleiten, machte danach aber eine Durchsage die Polizei gerufen zu haben, um eine Person aus dem Zug entfernen zu lassen.

Ich hatte dann also wieder eine meckernde junge Frau und zurückmeckernde weitere Zuggäste in meinem direkten Umfeld. Bei Problemen wegzugehen ist irgendwie nicht meine Art, also suchte ich das Gespräch mit ihr, ließ mir mehrere Minuten lang ihren fast schon monologartig geführten Hass auf die Bahn erklären, die sie schon mehrere Taxifahrten gekostet hat und angeblich sogar absichtlich Verspätungen herbeiführen würde, hörte mir gar Belehrungen an, aber wollte weiter einfach Wind aus ihren Segeln nehmen.

Meine Rückfragen und Ruhe zeigten dann endlich Wirkung. Ich schaffte es, dass sie im hier und jetzt ankommt, meine Hinweise auf ihre Situation registriert und darüber nachdenkt. Als ich dann noch erwähnte, dass sie sich gerade das Leben nur selbst schwer macht und wirklich aussteigen sollte, bevor die Polizei eintrifft geschah ein kleines Wunder: Sie verstummte und ging. Getaner Arbeit suchte und berichtete ich dem Zugbegleiter, dass er die Polizei abbestellen kann. Mein Kopf klopfte sich dabei gedanklich lobend selbst auf die Schulter und bereitete mir ein seichtes lächeln.

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Was ich hiervon mitnehme und etwaige Leser im Idealfall ebenso: Es mag schwer sein zu anderen Menschen durchzudringen, diese mögen sich auf die erbärmlichste Art falsch verhalten, aber am Ende sind es Menschen. Alle Anderen hatten in der Begebenheit irgendwo ein "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus" Motto auf die Stirn geklebt, dass konträrer zu meiner Lebenseinstellung kaum sein könnte. Möglicherweise bin ich deswegen zum HC-AB zunehmend hohen Alters geworden, wer weiß, wer weiß.
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Re: Aus der Bahn geworfen

Beitrag von panzerfahrer » Freitag 14. Februar 2020, 17:09

Menelaos hat geschrieben:
Freitag 14. Februar 2020, 07:40
PS: Wie war das; Die Bahn führt absichtlich Verspätungen herbei um die Fahrgäste zu nerven, oder sie führt absichtlich Verspätungen herbei um sich an der Bahn zu rächen?
Ersteres war gemeint, das Zweite hat sie an dem Abend heraufbeschworen :mrgreen:
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Re: Aus der Bahn geworfen

Beitrag von Wuchtbrumme » Samstag 15. Februar 2020, 10:58

Völlig sinnlos, was Du da gemacht hast. Du hast sie nicht zum Umdenken gebracht, sie hatte einfach schon alles gesagt, was in Worte zu fassen war.

Woher ich das weiß? Ich bin genauso eine frustrierte Bahnkundin und habe zuletzt auch Schimpftiraden losgelassen, wenn mal wieder irgendetwas den Zug aufhielt.

Glaube mir, wenn jemand so tief in einem akuten Stressanfall steckt wirst Du als Aussender von Nachrichten gar nicht wahrgenommen.
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Re: Aus der Bahn geworfen

Beitrag von TaxiDriver » Samstag 15. Februar 2020, 21:39

Gut gemacht! :hut: Hut ab!

Ich verstehe auch nicht warum sich Leute dauernd über Sachen aufregen die sei eh nicht ändern können. Man sollte einfach immer das beste aus dem machen was man hat.

Leider wird mir das in meinem Umfeld immer oft als Empathielosigkeit oder Desinteresse ausgelegt. Im Prinzip bin ich aber einfach oftmals nur zu faul um mich aufzuregen. Ich kann da keinen Vorteil daran erkennen.

Zug verspätet? Joa, eben dumm gelaufen. Da würde Ich mich eher noch darüber freuen wenn der Akku vom Handy / iPod noch genug Saft hat und die Heizung nicht ausfällt.

Andererseits: Ich arbeite im Kundendienst. Manche Menschen brauchen oft einfach mal jemanden den sie anschreien können um Dampf ab zu lassen. Scheint manchmal zu helfen wenn man bei uns anruft und uns als Drecksladen beschimpft. Wenn dann die Wut aus dem Bauch ist, solls mir recht sein. Ich lass mich von sowas auch nicht beeindrucken.

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