Beobachtungen, Erlebnisse

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Kief
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Beobachtungen, Erlebnisse

Beitrag von Kief » Donnerstag 8. August 2019, 20:28

Ich habe auf meiner Fahrt ein paar Situationen erlebt, die ich hier verarbeiten moechte.
Es sind aktuell drei Themen an der Zahl, von denen ich zunaechst nur eines ausfuehren moechte.
Die anderen beiden ("Regeln" sowie "Ist Luisa da?") greife ich spaeter auf, weil die ein bissel zusammenhaengen.
Ebenso, was mir zukuenftig noch an weiteren Themen aufkommt.

Ausserdem habe ich bei Lisa beantragt, dass sie mich fuer das Blog-Forum freischaltet, da das dort als Blog laufen soll - allerdings will ich es jetzt aus dem Kopf haben, daher schreibe ich es zunaechst hier hin.
Ich werde die Moderation daher bitten, das zu den Blogs zu verschieben, sobald ich fuer das Blog-Forum freigeschaltet bin.
Wer hieraus etwas kommentieren will, moege das entsprechend im Austausch-Forum oder sonstwo tun.



Ich war bei einem Event, an dem ich kostenlos teilnehmen durfte, indem ich bei Aufbau (und Abbau) geholfen habe.
Dabei kam mir der Begriff "Aufbaupaerchen" unter, bei dem ich die Sozialdynamik rueckblickend interessant finde, weil sie offenbar symptomatisch aufzeigt, wie leicht sich manche Menschen finden.

Zum Hintergrund:
der Event findet schon viele Jahre statt, und so ist sowohl der Ablauf des Aufbaus als auch die Stimmung innerhalb der Gruppe ziemlich eingespielt.
Die meisten Beteiligten sind mit fachlichen Bereichen eingespielte Teams, und die Stimmung ist unglaublich herzlich und kameradschaftlich.
Neue wie ich werden offenherzig aufgenommen, Bekanntschaften geschlossen, Kontakte geknuepft.
Die Leute sind gehalten, auf sich aufzupassen, und sich um ihre Gesundheit zu kuemmern, statt zwanghaft noch etwas mehr Leistung abzuliefern.
Mehrfach wurde ich von verschiedensten Kollegen angefragt und gebeten, ob ich denn bei der Arbeit draussen in der Sonne genug Fluessigkeit intus habe.
Das Arbeitspensum war nicht gering, es gab in diesen und jenen Bereichen Deadlines, aber auch genug Puffer - und bis kurz vor dem Event selbst hat auch niemand gefaulenzt oder die lockere Handhabung missbraucht ... so dass es auch gut geklappt hat, wenn mal jemand wirklich ne Stunde oder nen Tag Pause brauchte.

Da die Vorbereitungen eine gesamte Woche dauern, und mit den taeglich dazukommenden Helfern die Anzahl sich jeden Tag verdoppelt bis verdreifacht, konnte ich mich an die Menge recht gut gewoehnen. Ich selbst war nicht die ganze Woche vorher da, aber doch einige Tage ueber ein Wochenende.
Hatte also etwas Zeit, um Kontakte zu knuepfen.
Mit fast allen Maennern und Frauen haette ich eine gute Kameradschaft aufbauen koennen, mit einem knappen Dutzend kam ich oefters ins Gespraech (und sogar mit einer Person "diversen" Geschlechtes, tatsaechlich biologisch divers).
Ein paar Frauen waren dabei, mit denen ich gerne mehr gequatscht haette, aber die hatten eben auch noch andere Gespraechspartner.

Jedenfalls habe nicht nur ich Kontakte zu netten Frauen gesucht, auch die anderen Leute haben sich untereinander tiefer kennengelernt, wer neu dabei war, oder unter den alten Hasen Kontakte vertiefen wollte - und durch den Festival-Charakter kamen auch oefters verschiedenste Aspekte zur Intimitaet auf.
So hatten sich verschiedene Ecken auf dem Gelaende entwickelt, die ueber die Jahre oefters als Voegel-Ecke genutzt wurden,
es wurden Geschichten erzaehlt wie von dem besonders pfiffigen Paar, welches sich auf dem Gelaende extra ein gutes Versteck eingerichtet hatte,
sowohl Maenner als auch Frauen gehen mit sexuellen Erwartungen hin, jemanden abzuschleppen, von zwei Frauen weiss ich explizit um die Enttaeuschung, dass sie "dieses Jahr" keinen Sex hatten ...
es entwickeln sich Kontakte, und diese koennen bei vielen auch stark sexuelle Komponenten haben.

Dieses Jahr beim Aufbauteam habe ich nun zum ersten mal den Begriff Aufbaupaerchen gehoert,
und kann sowohl spontan nachvollziehen, dass sich bei der gemeinsamen Arbeit Paare finden,
als auch kann ich den Unterschied sehen, wie leicht das anderen faellt, und wie schwer es mir faellt, mit anderen mehr als nur kameradschaftlich zu konnekten.
Bei mir sind es halt Verbindungen, die sich auf platonische oder Arbeits-Ebenen beziehen, das klappt.
Bei einer Frau habe ich auch irgendwann verstanden, dass Spaesse und Koerperkontakt fuer sie okay und vermutlich gar generell erwuenscht sind - aber das fand ich erst erkennbar, nachdem jemand anderes es "vorgemacht" hat.

Auch bei anderen Konstellationen fand ich diverse Leute, die vermutlich nicht nur partnerschaftlich agierten, sondern sich untereinander zwanglos benahmen.
Einer der "kommandierenden" zweit-obersten Ebene hat sich am Lagerfeuer von zwei Frauen kraulen lassen, von denen vielleicht eine seine Partnerin war, aber die andere garantiert nicht.
Die Sauna wurde genutzt, Scherze untereinander haben auch ein Niveau vertragen, welches sich ein Neuling nicht haette erlauben duerfen.
Der heftigste Spruch kam aus der Kuechencrew, als eine Frau aus der zweit-obersten Ebene denjenigen fragte, was er bei ihr in der Sauna denn schon Besonderes sehen koennte, und er sie als geile Milf titulierte, die besonders scharf sei, weil schon "geferkelt" hat.
Im engsten Freundeskreis kenne ich derlei zwangloses Verhalten, wenn man genau weiss, was fuer den anderen okay ist - in einem solch grossen Umfeld, das auch behutsam sein kann, da kenne ich das bisher nicht. Nach vielen Jahren solch intensiver Zusammenarbeit waechst sowas vermutlich zusammen.

Ich habe beobachtet, wie leicht sich Leute da zusammenfinden, und intensive Gespraeche fuehrten, am Lagerfeuer, beim Fruehstueck, in den Pausen. Mit manchen netten Frauen hatte ich ebenfalls nette Gespraeche fuehren koennen, aber eben nur kurz, bis dann interessantere Gespraechspartner dazukamen. Andere Frauen waren offensichtlich bereits vergeben - auch da ergaben sich natuerlich nette Gespraeche, aber die sind fuer meine Betrachtung der partnerschaftlich/intimen Annaeherung ja ausser Konkurrenz.
Diese entspannterte Art des gegenseitigen Kennenlernens liegt mir in jedem Fall wesentlich besser, als unter alkoholgeschwaengerter Partyatmosphaere mit zwanghaften "heute-abend-such-ich-mir-wen"-Druck.



Diese Aufbaupaerchen duerften damit eher jene sozialen Mechanismen triggern, die man auch in Betrieb und Beruf findet, nur dass der Aufbau zeitlich begrenzt und damit Unverbindlichkeit gestattet.
Ich sehe meine dortigen Baustellen - aber frage mich, ob sich weiterer Lernaufwand dort rentiert.
Das wuerde viel Zeit und Fokus benoetigen, weit mehr als ich aus der Portokasse mal eben eruebrigen kann.
Ich spiele mit dem Gedanken, mich eher in jene Richtung zu bewegen, dass ich weniger behutsam auf andere zwanghaft achte, und mehr auf meine vorhandenen Ressourcen/Kraftreserven achte.
Denn andere achten ja nicht darauf.
Oder nur extrem selten.


K
Deeskalation, ohne danach die Probleme anpacken zu wollen,
das ist wie Ablenkung, oder Hinhalte-Taktik/Aussitzen wollen:
als Gespraechsverweigerung die getarnteste Form von Eskalation.

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