Ängste, Angststörung und Phobien

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Pierre
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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Pierre » Sonntag 7. Januar 2018, 21:52

Reinhard hat geschrieben:
Sonntag 7. Januar 2018, 20:51
Red doch mal mit Leuten, die Ängste haben. :hierlang:
Und mit Ängste meine ich nicht eine konkrete Furcht vor etwas tatsächlich Gefährlichem und auch kein Sorgen um geliebte Dinge.
Ich rede die ganze Zeit mit Leuten die Angst haben - bestimmt 98% der Bevölkerung sind hoch neurotisch. Und dazu kommen noch die ganzen Hysterischen, die also ihre Libido unterdrücken.

Reinhard
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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Reinhard » Sonntag 7. Januar 2018, 21:56

Pierre hat geschrieben:
Sonntag 7. Januar 2018, 21:52
Reinhard hat geschrieben:
Sonntag 7. Januar 2018, 20:51
Red doch mal mit Leuten, die Ängste haben. :hierlang:
Und mit Ängste meine ich nicht eine konkrete Furcht vor etwas tatsächlich Gefährlichem und auch kein Sorgen um geliebte Dinge.
Ich rede die ganze Zeit mit Leuten die Angst haben - bestimmt 98% der Bevölkerung sind hoch neurotisch. Und dazu kommen noch die ganzen Hysterischen, die also ihre Libido unterdrücken.
Und hast du schon einmal jemand davon danach gefragt, aus welchem Grund er sich ausgesucht hat, gerade diese Angst zu haben, die er hat?

Welchen "Krankheitsgewinn" :hammer: :fluchen: :wuetend: :nudelholz: er sich davon verspricht?
Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. --- Lucius Annaeus Seneca

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Pierre » Montag 8. Januar 2018, 01:03

"Die Einteilung in primären Krankheitsgewinn und sekundären Krankheitsgewinn geht zurück auf Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse. "
hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Krankheitsgewinn

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von t385 » Montag 8. Januar 2018, 05:59

Liest sich erst einmal ganz toll, aber ich würde all meine Krankheitsgewinne liebend gern gegen eine Gesundung eintauschen, denn diese Gewinne bringen mich langfristig nicht weiter.

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von t385 » Montag 8. Januar 2018, 06:28

Nell The Sentinel hat geschrieben:
Sonntag 7. Januar 2018, 14:32
Wie sieht es denn bei euch aus? Habt ihr Angsterkrankungen (generalisiert, wiederkehrende Panikattacken, o.ä.)? Wie geht ihr mit der permanent im Hintergrund lauernden Angst um? Falls das bei euch so ist...
Ich habe eine generalisierte Angststörung und vermeide sämtliche Situationen, in denen ich einer Bewertung, in welcher Art und Weise auch immer, ausgesetzt bin. Die Angst kann ich gut verdrängen, eben bis kurz vor der Situation, die sie erzeugt. Natürlich versuche ich, mich der Situation gar nicht erst stellen zu müssen. Leider bin ich dabei recht erfolgreich.

Ein Beispiel:

Ich hasse es , einkaufen gehen zu müssen. Wenn ich im Laden bin, drücke ich mich immer zwischen den Regalen rum, damit mich niemand sieht oder ich wohlmöglich noch Menschen treffe, die mich kennen. Dann müsste ich mit diesen Menschen reden, obwohl ich das gar nicht kann oder nichts zu erzählen habe. Wenn ich bezahlen muss, warte ich, bis eine Kasse komplett leer ist, knalle meine Sachen schnell aufs Band und hoffe, dass kein anderer Kunde hinter mir auftaucht, denn der würde sonst meine Einkäufe sehen und mich bewerten. Wenn ich da zum Beispiel etwas Ungesundes liegen habe, wie zum Beispiel Schokoladenpudding, dann wird er denken, ich bin ein Fressack, der nur Süßes isst. Das sind so die Ängste, die mich beim Einkaufen begleiten. Ach ja, ich gehe dort auch immer Frauen aus dem Weg, weil ich die mit meinem Anblick nicht belästigen möchte. Sehe ich, dass eine Frau vor einem Regal steht, an das ich auch ran möchte, so verschwinde ich erst einmal, drehe ein paar Runden und hoffe, dass sie dann verschwunden ist. Ich meide auch junge oder attraktive Kassiererinnen und gehe lieber zu den älteren Semestern, denn da ist die Angst etwas geringer. Da schäme ich mich nur wegen meiner Einkäufe und nur minimal wegen meiner Hässlichkeit.

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von selina » Montag 8. Januar 2018, 09:38

Nell The Sentinel hat geschrieben:
Sonntag 7. Januar 2018, 20:34
Bei mir lauert die Angst gerade im Hintergrund, eher so wie bei Murmel
Ja bei mir kommen die Panikattacken aus heiterem Himmel und fast unvorsehbar.
Vielleicht rührte daher auch meine Todesangst dabei.
Weil sie plötzlich und scheinbar ohne Grund auftauchen. Also ohne unmittelbare Bedrohung, Krankheit oder ähnliches.
Mittlerweile weiss ich z.B. nach einer längeren Stressphase, das mir eine Panikattacke 'blühen' wird.
Nur leider kann das Tage, Wochen oder Monate später geschehen.
So das sie für mich trotzdem aus dem Nichts geschehen.

Die Angst im Hintergrund kenne ich eher ein wenig von der Sozialphobie.

Eines Tages bringe ich die Zwiebeln zum Weinen. :cooler:

Reinhard
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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Reinhard » Montag 8. Januar 2018, 20:48

Pierre hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 01:03
"Die Einteilung in primären Krankheitsgewinn und sekundären Krankheitsgewinn geht zurück auf Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse. "
hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Krankheitsgewinn
Ein guter Grund, um Freud in die Tonne zu kloppen. Bild


Haben sich das Leute ausgedacht, die Kranken gar nicht helfen wollen, sondern eine Begründung suchen, warum sie den Erkrankten nicht zu helfen brauchen? :gruebel:
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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Saraj » Montag 8. Januar 2018, 21:07

Ich sehe in diesen Arten von "Gewinn", wie sie im Wikipedia-Artikel aufgezählt werden, auch nichts wirklich gewinnbringendes. Klingt eher auf perfide Art ironisch und wie ein Schlag ins Gesicht für alle, die ihrem Körper ausgeliefert sind und damit jeden Tag spüren, was sie alles verlieren.
Natürlich kann man eine "gewinnbringende" Haltung zu seiner Krankheit einnehmen, das versuche ich auch. Indem man sich auf das konzentriert, was man hat, nicht das, was man nicht mehr hat. Wobei ich auch da mit dem Begriff "Gewinn" vorsichtig wäre. Was ist daran gewinnbringend, im Bett liegen zu müssen, sozial isoliert zu sein und sein Leben nicht mehr autonom gestalten zu können, obwohl man sämtliche Motivationen hätte, dies zu tun?

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Pierre » Montag 8. Januar 2018, 21:33

Saraj hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 21:07
Ich sehe in diesen Arten von "Gewinn", wie sie im Wikipedia-Artikel aufgezählt werden, auch nichts wirklich gewinnbringendes. Klingt eher auf perfide Art ironisch und wie ein Schlag ins Gesicht für alle, die ihrem Körper ausgeliefert sind und damit jeden Tag spüren, was sie alles verlieren.
Natürlich kann man eine "gewinnbringende" Haltung zu seiner Krankheit einnehmen, das versuche ich auch. Indem man sich auf das konzentriert, was man hat, nicht das, was man nicht mehr hat. Wobei ich auch da mit dem Begriff "Gewinn" vorsichtig wäre. Was ist daran gewinnbringend, im Bett liegen zu müssen, sozial isoliert zu sein und sein Leben nicht mehr autonom gestalten zu können, obwohl man sämtliche Motivationen hätte, dies zu tun?
Nunja, für mich stellt sich das so dar: spätestens seitdem ich in Indonesien war, wo von manchen Inseln nur einmal pro Woche ein Schiff zum nächsten Arzt fährt, musste ich mir darüber klar werden, dass in erster Linie ich es bin, der entscheidet ob ich krank sein will oder nicht.

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Saraj » Montag 8. Januar 2018, 21:37

Pierre hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 21:33
Saraj hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 21:07
Ich sehe in diesen Arten von "Gewinn", wie sie im Wikipedia-Artikel aufgezählt werden, auch nichts wirklich gewinnbringendes. Klingt eher auf perfide Art ironisch und wie ein Schlag ins Gesicht für alle, die ihrem Körper ausgeliefert sind und damit jeden Tag spüren, was sie alles verlieren.
Natürlich kann man eine "gewinnbringende" Haltung zu seiner Krankheit einnehmen, das versuche ich auch. Indem man sich auf das konzentriert, was man hat, nicht das, was man nicht mehr hat. Wobei ich auch da mit dem Begriff "Gewinn" vorsichtig wäre. Was ist daran gewinnbringend, im Bett liegen zu müssen, sozial isoliert zu sein und sein Leben nicht mehr autonom gestalten zu können, obwohl man sämtliche Motivationen hätte, dies zu tun?
Nunja, für mich stellt sich das so dar: spätestens seitdem ich in Indonesien war, wo von manchen Inseln nur einmal pro Woche ein Schiff zum nächsten Arzt fährt, musste ich mir darüber klar werden, dass in erster Linie ich es bin, der entscheidet ob ich krank sein will oder nicht.
Deine Erfahrung und die Einstellung in allen Ehren. Das kannst du aber nicht verallgemeinern. Glaub mir, ich habe genug Erfahrungen damit, bis weit übers Limit gegen Dinge anzukämpfen. Es gibt Phänomene, die kann man nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, dem Rest ist man einfach ausgeliefert.

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Pierre » Montag 8. Januar 2018, 22:05

Saraj hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 21:37
Deine Erfahrung und die Einstellung in allen Ehren. Das kannst du aber nicht verallgemeinern. Glaub mir, ich habe genug Erfahrungen damit, bis weit übers Limit gegen Dinge anzukämpfen. Es gibt Phänomene, die kann man nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, dem Rest ist man einfach ausgeliefert.
Die gibt es sicher. Nicht zuletzt die Tatsache, dass wir alle irgendwann sterben werden.
Aber die andere Seite ist die, dass man nur dann herausfindet, ob etwas beeinflussbar ist, wenn es keine Alternative gibt. Das nennt man Tahaddi al-Burhan - Probe auf leben oder tod.

Das wurde in früherer Zeit viel konsequenter verwendet. Wenn etwa ein Anwärter auf das Priesteramt anerkannt werden wollte, hat man ihn in den Wald gebracht und dort festgebunden. Irgendwann in der Nacht kam dann das Tigerchen, und dann hatte der Priester-Anwärter die Möglichkeit, zu erklären, warum er heilig ist und daher nicht gefressen werden sollte.
Ich denke, die Mehrzahl wurde gefressen - aber das macht nicht, denn das waren die, die nicht von der Gottheit auserwählt waren.

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Mit müden Augen » Montag 8. Januar 2018, 22:08

Sorry Pierre, man merkt dass du nie mit Phobien oder Depressionen oder so zu kämpfen hattest. Mit etwas gutem Willen (oä) ist es da nicht getan und jeder der das behauptet regt mich tierisch auf. :fluchen:

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Zwerg » Montag 8. Januar 2018, 22:31

Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Ängste können auch sehr ernste körperliche Symptome hervorrufen können, wie in meinem Fall ein chronisches Schmerzsyndrom. Das funktioniert dann, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, dannn wiederum auch umgekehrt.

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Saraj » Montag 8. Januar 2018, 22:53

Pierre hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 22:05
Saraj hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 21:37
Deine Erfahrung und die Einstellung in allen Ehren. Das kannst du aber nicht verallgemeinern. Glaub mir, ich habe genug Erfahrungen damit, bis weit übers Limit gegen Dinge anzukämpfen. Es gibt Phänomene, die kann man nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, dem Rest ist man einfach ausgeliefert.
Die gibt es sicher. Nicht zuletzt die Tatsache, dass wir alle irgendwann sterben werden.
Aber die andere Seite ist die, dass man nur dann herausfindet, ob etwas beeinflussbar ist, wenn es keine Alternative gibt. Das nennt man Tahaddi al-Burhan - Probe auf leben oder tod.

Das wurde in früherer Zeit viel konsequenter verwendet. Wenn etwa ein Anwärter auf das Priesteramt anerkannt werden wollte, hat man ihn in den Wald gebracht und dort festgebunden. Irgendwann in der Nacht kam dann das Tigerchen, und dann hatte der Priester-Anwärter die Möglichkeit, zu erklären, warum er heilig ist und daher nicht gefressen werden sollte.
Ich denke, die Mehrzahl wurde gefressen - aber das macht nicht, denn das waren die, die nicht von der Gottheit auserwählt waren.
Sehr interessante Geschichte. Darf ich fragen, wie oft du dich schon selbst im Wald festgebunden hast?

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von GoodHeart » Montag 8. Januar 2018, 23:35

Zwerg hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 22:31
Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Ängste können auch sehr ernste körperliche Symptome hervorrufen können, wie in meinem Fall ein chronisches Schmerzsyndrom. Das funktioniert dann, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, dannn wiederum auch umgekehrt.
Das mit dem chronischen Schmerz kann ich mir vorstellen, da die Angst und das damit verbundene Leid sich auch ähnlich wie Schmerz anfühlt.

Sich der Angst zu stellen, macht für mich schon Sinn, nur drücke ich mich oft entweder aus Erschöpfung oder aus der Sorge, dass es peinlich werden könnte. Manchmal versuche ich mir, mit waghalsigen Aktionen und viel Sport zu beweisen, dass ich nicht nur feige und bequem bin... :gruebel:

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Saraj » Montag 8. Januar 2018, 23:48

GoodHeart hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 23:35
Sich der Angst zu stellen, macht für mich schon Sinn, nur drücke ich mich oft entweder aus Erschöpfung oder aus der Sorge, dass es peinlich werden könnte. Manchmal versuche ich mir, mit waghalsigen Aktionen und viel Sport zu beweisen, dass ich nicht nur feige und bequem bin... :gruebel:
Dabei ist kein Mensch mit einer Angststörung "feige". Im Gegenteil. Mit so etwas den Alltag zu leben erfordert ständigen Mut, den sich Nichtbetroffene nur schwer vorstellen können.

Murmel
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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Murmel » Montag 8. Januar 2018, 23:50

Ich glaube das was Pierre aus "sekundärer Krankheitsgewinn" macht und das wie es oft gemeint ist, sind zwei verschiedene Dinge. Es geht da meines Wissens nicht immer darum, dass jemand sich entscheidet krank zu sein. Sondern dass jemand wirklich krank oder angeschlagen ist, daraus für sich aber emotionale Vorteile zieht.
Manche Menschen sind so aufgewachsen, dass sie nur Mitleid und Zuwendung bekamen, wenn sie krank waren. Alles andere zählt nicht. Die halten dann vielleicht an einer Krankheit fest, weil es für sie die einzige Möglichkeit ist wie sie, ihrem Empfinden nach, Zuwendung erhalten können. Das ist dann aber nicht so etwas banales wie "Entscheidet sich krank zu sein".

Im Bezug auf die Psyche kann man im Einzelfall denke ich schon nach einem"Krankheitsgewinn" schauen. Ich schreibe jetzt mal nur von mir, nicht von jemand anderem!: Meine Ängste zur Zeit sind massive Katastrophenängste. Welt- bzw. Zivilisationsuntergangsphanatsien. Dabei spürte und spüre ich bei mir immer ein gewisses Paradoxon. Die Ängste machen mich fertig, aber wenn ich daran denke sie loszuwerden bekomme ich Angst. Ich möchte sie eigentlich festhalten.
Sie erfüllen also für meine Psyche eine Funktion. In meiner Therapie konnte ich herausarbeiten, dass meine Katastropenängste tatsächliche eine psychische Funktion erfüllen. Sie lenken mich vor dem ab vor dem ich eigentlich Angst habe: Verarmung und Vereinsamung. Diese Angst davor ist so groß und unangenehm (selbst wenn ich hier schreibe spüre ich sie), das meine Psyche sie mit anderen, etwas diffuseren Ängsten übertönt. Hier erfüllen meine Ängste also einen Zweck, ich habe einen "Nutzen" aus dem krank sein.
Aber wie gesagt, das gilt nur für mich. Ich würde mich nie anmaßen, jemand anderem zu sagen, dass seine/ihre Ängste auch so sind. Da ist der menschliche Geist viel zu individuell. ABer für mich war es eine wetvolle Erkenntnis.

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Pierre » Dienstag 9. Januar 2018, 00:25

Murmel hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 23:50
In meiner Therapie konnte ich herausarbeiten, dass meine Katastropenängste tatsächliche eine psychische Funktion erfüllen. Sie lenken mich vor dem ab vor dem ich eigentlich Angst habe
Ja, ich meinte schon das was Du beschreibst: es gibt einen Grund, das Symptom nicht zu hinterfragen oder zu konfrontieren - weil etwas dahintersteht, was noch unangenehmer erscheint. Nur eben: solang man da nicht hinguckt, kommt man auch nicht sehr viel weiter.

Für mich gibts noch eine andere Dimension: ich beschließe zB kraft meines Dickschädels, an bestimmte Dinge nicht zu glauben. ZB an die unbefleckte Empofängnis, oder an Allergien - und folglich kann ich auch keine Allergien kriegen. Ich weiss nicht ob das 100%ig klappt, aber ich find es allemal sinnvoll - warum sollte mein Geist nicht Macht über den Körper haben?
Interessant wird das ganze, wenn ich versuche, diesen Glauben auf einen anderen Menschen auszudehnen - denn dann steht genau mein Dickschädel gegen den Krankheitsgewinn. ;)

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Xanopos » Dienstag 9. Januar 2018, 04:41

Pierre hat geschrieben:
Dienstag 9. Januar 2018, 00:25
Für mich gibts noch eine andere Dimension: ich beschließe zB kraft meines Dickschädels, an bestimmte Dinge nicht zu glauben. ZB an die unbefleckte Empofängnis, oder an Allergien - und folglich kann ich auch keine Allergien kriegen. Ich weiss nicht ob das 100%ig klappt, aber ich find es allemal sinnvoll - warum sollte mein Geist nicht Macht über den Körper haben?
Oh, du Glücklicher, dein Geist hat so viel Macht über deinen Körper, dass du keine Allergien hast. :roll:
Seltsam ist der Mensch und seltsamer sein Herz.

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Re: Ängste, Angststörung und Phobien

Beitrag von Zwerg » Dienstag 9. Januar 2018, 07:50

GoodHeart hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 23:35
Zwerg hat geschrieben:
Montag 8. Januar 2018, 22:31
Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Ängste können auch sehr ernste körperliche Symptome hervorrufen können, wie in meinem Fall ein chronisches Schmerzsyndrom. Das funktioniert dann, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, dannn wiederum auch umgekehrt.
Das mit dem chronischen Schmerz kann ich mir vorstellen, da die Angst und das damit verbundene Leid sich auch ähnlich wie Schmerz anfühlt.

Sich der Angst zu stellen, macht für mich schon Sinn, nur drücke ich mich oft entweder aus Erschöpfung oder aus der Sorge, dass es peinlich werden könnte. Manchmal versuche ich mir, mit waghalsigen Aktionen und viel Sport zu beweisen, dass ich nicht nur feige und bequem bin... :gruebel:
Ich kenne das aus meiner Vergangenheit. Du hast darüber hinaus einen weiteren positiven Effekt: Mut macht dich in aller Regel für Frauen attraktiver. Trotzdem hat diese Methode natürlich seine Grenzen, nicht nur weil es schwierig ist, das auf andere Lebensbereiche zu übertragen.

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