Pflege von Angehörigen

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Ringelnatz » Mittwoch 10. Juli 2019, 07:56

Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 07:50
Viele Kinder entscheiden sich ja spontan für die häusliche Pflege, wenn sie die auf sie entfallenden Kosten eines Heimplatzes erfahren ...
Ein guter Grund, selbst für's eigene Alter vorzusorgen. Mir wäre es lieber, ich wäre dann nicht von den Kindern abhängig... Ich finde es übrigens eine gute Idee, schon etwas früher zu überlegen, wie/wo man im Alter leben möchte und das dann auch schon entsprechend einzusteuern.
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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Nonkonformist » Mittwoch 10. Juli 2019, 08:17

Kinder habe ich nicht, und was ich so an pflege-einrichtungen gesehen habe, war grausam.
Ich glaube, ich bring mich eher um, bevor ich in so was meine letzten jahren wegvegetiere.
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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von fifaboy1981 » Mittwoch 10. Juli 2019, 09:04

knopper hat geschrieben:
Dienstag 9. Juli 2019, 12:14
desigual hat geschrieben:
Dienstag 9. Juli 2019, 11:42

Andererseits denke ich, dass es vermutlich eine normale Entwicklung ist, sich emotional von den Eltern zu entfernen. Und wenn sie irgendwann mal stirbt (ich hoffe natürlich, dass es noch lange, lange dauert), wird das für mich kein Weltuntergang - das wäre es als wir noch so einen engen Kontakt hatten.

ok ja...genau davor hab ich aufgrund dieses noch immer engen Verhältnisses echt schiss. hatte da letztens erst n Traum wie n Typ meine Eltern umlegt... und ich verzweifelt noch versucht habe n Krankenwagen zu rufen usw...
ich bin aufgewacht und war erstmal komplett durch! Erstmal sofort aufs Handy geguckt. Mit mir war den ganzen Tag nix anzufangen.
Weiß nicht ob es was mit diesem Verhältnis zu tun hat...
ja aber davor hab ich echt schiss, und denke da ist ein nicht mehr so enges Verhältnis eher von Vorteil.
Ich habe es 2002 bei meiner Großmutter ähnlich gemacht, als wir wussten sie hat Krebs und wird daran sterben, bin ich seltener zu Ihr gegangen. Heute denke ich mir im Bezug auf meine Eltern, nutze ich doch die Zeit die wir noch zusammen haben, wenn sie erstmal nicht mehr da sind wird man sich sonst vlt. noch wünschen, man hätte vorher die Zeit besser genutzt. Das heißt nun nicht das ich dauernd mit Ihnen zusammen bin, aber ich gehe ihnen auch nicht bewusst aus dem Weg aus dem o.g. Grund.
Tania hat geschrieben:
Dienstag 9. Juli 2019, 12:19
klecks hat geschrieben:
Dienstag 9. Juli 2019, 11:22
Erwachsen sein bedeutet für mich auch, seine eigene Entwicklung, Entscheidungen zuerst mit dem Partner zu besprechen, nicht mit den Eltern.
Oder sie mangels Partner einfach allein zu treffen und umzusetzen.

Ich rede auch noch gern und viel mit meinen Eltern. Aber diese Gespräche haben eher informativen Charakter. Ich sag ihnen was bei mir gerade los ist, und dann setze ich das um. Sie können gern ihren Senf dazu geben, und ich berücksichtige meist auch, was sie sagen - aber letztlich entscheide ich allein. Und je öfter ich das tue, desto sicherer fühlen sie sich, dass ich auch ohne sie klarkomme. Und diese Gewissheit ist momentan das Wertvollste, was ich ihnen geben kann. Pflege brauchen sie noch nicht. Aber das Gefühl, sich um mich kümmern zu müssen, es aber nicht mehr zu können, hat sie durchaus belastet. Inzwischen sind sie überzeugt, dass ich keinerlei Unterstützung brauche. Was natürlich gelogen ist, aber das werden sie hoffentlich nie erfahren.

Das mache ich schon lange ;)
Was glaubste wie oft sie schon versucht haben mir dinge auszureden :mrgreen: keine chance, wenn ich was will dann mache ich es, ebenso wenn ich etwas nicht will und sie mich dazu versucht haben zu überreden ;)
klecks hat geschrieben:
Dienstag 9. Juli 2019, 14:04
Vielleicht macht der Thread hier ja deutlich, dass es recht unterschiedliche Lebensvorstellungen gibt, die uns gar nicht bewusst werden, die aber mit dafür verantwortlich sein können, warum nicht alle mit allen verpartnerbar sind.

Es steht noch immer meine Frage im Raum, wie sich das Verhältnis zu den Eltern ändert, wenn jemand, der sehr eng mit seinen Eltern verbunden ist, eine Partner*in findet.

Bleibt die Frage, wo fängt das enge verhältniss an? bzw. wo hört es auf.

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Onkel ABobert » Mittwoch 10. Juli 2019, 09:29

peter456 hat geschrieben:
Dienstag 9. Juli 2019, 01:44
Onkel ABobert hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 17:06
[...]
Aber Aussagen wie "ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, mich um meine Eltern zu kümmern" erschüttern mich.
Ja wessen Aufgabe soll es denn sonst sein? Der "Gesellschaft", was immer dieser abstrakte Begriff darstellen soll? Heißt, Pflegeheim bzw. Pflegedienst anheuern und "der Staat", sprich wie alle mit unseren Steuergeldern bezahlen das? Und ein jährlicher Besuch zu Weihnachten ist dann das äußerste, was noch drin ist?
[...]
So einfach gehts dann wieder nicht. Das Einkommen der Kinder wird durchaus vom Staat herangezogen. Je nachdem wieviel die Kinder verdienen.

Ansonsten bin ich voll deiner Meinung.
Ja, das weiß ich schon. Es ging mir ja nur um die grundsätzliche Sache. Und da ein Pflegeheimplatz schnell in Richtung 4000 EUR monatlich kostet (ich hatte einen Fall in der weiteren Verwandtschaft), reicht Rente und Pflegeversicherung in aller Regel bei weitem nicht aus. Sofern Vermögen vorhanden ist, wird dies aufgebraucht, aber spätestens dann läuft es in den meisten Fällen auf staatliche Hilfe hinaus. Außer das "Kind" hat ein wirklich hohes Einkommen. Die Schonbeträge sind relativ hoch.
Es grüßt euch

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Onkel ABobert » Mittwoch 10. Juli 2019, 09:43

Polarfuchs hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 18:06
Onkel ABobert hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 17:40
Tania hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 17:35


Moment. Ich hatte geschrieben "Ich sehe es nicht als Aufgabe der Kinder an, sich um ihre Eltern zu kümmern." Das ist ein ziemlicher Unterschied zu dem, was Du schreibst.
Mal abgesehen davon, dass ich gar nicht dich speziell gemeint habe, sehe ich keinen Unterschied zwischen den beiden Zitaten.
Anders gesagt: Ja, ich sehe es als Aufgabe der Kinder an, sich um ihre Eltern zu kümmern. Genauso wie es Aufgabe der Eltern ist, sich um ihre Kinder zu kümmern.

Jeweils in den Lebensphasen, wo dies erforderlich ist. Heißt: Die Eltern ziehen die Kinder groß, bis sie selbstständig leben können. Im Gegenzug kümmern sich die "Kinder" dann um ihre Eltern, wenn diese aus eigener Kraft nicht mehr alles selber schaffen.

Das ist aus meiner Sicht das Normalste der Welt. Nach der Hilfe von "Dritten" zu rufen, halte ich in beiden Fällen erst dann für legitim, wenn es nicht anders geht. Sterben beispielsweise die Eltern von kleinen Kindern, und es gibt niemanden in der Verwandtschaft, der einspringen kann, dann kommen die Kinder durch staatliche Intervention in ein Heim oder in eine Pfelgefamilie. Umgekehrt kommt ein alter pflegebedürftiger Mensch in ein Heim, wenn es niemanden gibt, der ihn betreuen kann.

Klar gibt es Grenzen, etwa bei völliger Pflegebedürftigkeit. Aber von meinem Grundprinzip weiche ich nicht ab.
Da ist doch auch nicht ganz richtig. Früher haben die Menschen auch viel früher geheiratet und Kinder bekommen. Und wenn man z.B. 3-4 kleine Kinder im Haus hat, hat man sehr viel zu tun. Da ist für die eigenen Eltern keine Zeit. Die Familie lebt ihr eigenes Leben.
Das ist das, was ich dir die ganze Zeit mitteilen wollte.Du hast es verpasst mit 25-30 Jahren eine Frau zu finden und zu heiraten. Wenn du in dem Alter kleine Kinder gehabt hättest, hättest du du keinen Gedanken mehr an deine Eltern gehabt.
Du hast es versäumt, ein eigenständiges Leben ohne deine Eltern zu leben. Das ist schon traurig.
Als ich 25-30 Jahre alt war, war mir das bereits bewußt. Mir war bereits sehr früh klar, daß ich nicht "normal ticke" - schon als Kind bin ich lieber mit meiner Mutter zum Einkaufen gegangen, als mit Schuldfreunden zu spielen und später als Jugendlicher habe ich natürlich registriert, dass die anderen abends losziehen, Mädels kennenlernen und ich stattdessen lieber Fernsehen geschaut habe. Es hat nicht daran gelegen, daß ich besonders unbeliebt war und niemand mit mir etwas zu tun haben wollte. Nein, ich wurde immer wieder gefragt und aufgefordert, doch auch mal mitzugehen. Ich wollte es halt nicht.

Allerspätestens, als ich auch mit Mitte 20 noch regelmäßig mit meinen Eltern bzw. meiner Mutter in den Urlaub gefahren bin, war mir klar, daß ich mich entweder gewaltig ändern muss oder andernfalls das Thema Partnerschaft und Kinder für mich gestorben ist. Ich habe es mit Mitte 20 mal sehr halbherzig versucht und ganz schnell wieder aufgegeben. Ich habe für mich festgestellt, dass beides nicht geht - also Partnerschaft UND ein (zumindest nahezu) unverändert enges Verhältnis zu meinen Eltern. Also beispielsweise mit Partnerin und Eltern in einem gemeinsamen Haus leben, sich täglich zu sehen, gemeinsam in Urlaub zu fahren usw. - das macht keine Partnerin so mit. Und aus dieser Erkenntnis heraus habe ich mich bewußt dafür entschieden, mein Leben so zu leben wie es ist. Ich habe es also nicht versäumt, sondern mich dagegen entschieden, das ist ein großer Unterschied.

Ich glaube, viele AB sind sehr lange "blauäugig" durchs Leben gegangen und dachten, irgendwann werde sich schon alles "von selber" regeln. Oftmals heißt es ja auch vom Umfeld "die Richtige wird schon noch kommen". Irgendwann, recht spät, kommt dann die böse Erkenntnis.
Ich gehörte nie zu diesem Typus AB.
Es grüßt euch

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Onkel ABobert » Mittwoch 10. Juli 2019, 09:48

Ringelnatz hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 21:51
Onkel ABobert hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 17:40
Jeweils in den Lebensphasen, wo dies erforderlich ist. Heißt: Die Eltern ziehen die Kinder groß, bis sie selbstständig leben können. Im Gegenzug kümmern sich die "Kinder" dann um ihre Eltern, wenn diese aus eigener Kraft nicht mehr alles selber schaffen.

Das ist aus meiner Sicht das Normalste der Welt. Nach der Hilfe von "Dritten" zu rufen, halte ich in beiden Fällen erst dann für legitim, wenn es nicht anders geht.
Ich bin soooo froh, dass meine Eltern mir das nicht aufbürden. Ich fände es nicht schön, sie (körperlich) pflegen zu müssen. Zum Glück sehen meine Eltern das ähnlich. Ich würde hingegen einiges dafür bezahlen, dass meine Eltern gut gepflegt werden, Zuspruch erhalten (würde natürlich auch selbst besuchen, so weit es geht) und alles so läuft, wie sie es möchten.
Noch weniger würde ich meine Schwiegereltern pflegen wollen... Ich bin auch generell überzeugt, dass die Qualität der von mir erbrachten Pflege nowhere near einer professionellen Pflegekraft läge... ich habe gar nicht genug körperliche Kraft für gewisse Dinge.

Einkäufe erledigen etc. kann ich mir natürlich besser vorstellen - aber dann müssten Eltern/Schwiegereltern in der Nähe leben. Ich würde auch für eine Putzkraft bezahlen, falls sie mit dem Haushalt nicht mehr selbst zurechtkommen. Und emotionale Nähe geben, einfach da sein, sprechen... gemeinsam Weihnachten feiern... all das.
Ich fände es auch nicht schön (also das körperliche Pflegen). Und meine Eltern bürden es mir auch nicht auf. Für mich ist das eine freiwillige Sache, die für mich aber - zumindest grundsätzlich - normal ist.

Im Übrigen würde ich bei schwerer Pfelegebedürftigkeit auch nicht ohne (ergänzenden) Pflegedienst auskommen. Natürlich könnte auch ich nicht einfach meinen beruf aufgeben und 24 Std. täglich für die Pflege da sein. Schon alleine aus finanziellen Gründen.
Es geht mir nicht darum, alles bis ins letzte Detail selber machen zu wollen, sondern darum, für meine Eltern täglich da zu sein und sie nicht nur einmal monatlich in einem möglicherweise noch weit entfernten Pflegeheim zu besuchen.

Ich hatte einen Großonkel, der 200 KM entfernt in einem Pflegeheim lebte. Seine Tochter besuchte ihn maximal einmal im Monat, obwohl sie nur 25 KM entfernt lebte. Wir besuchten ihn auch einmal im Monat. Das waren fast 10 Jahre lang seine einzigen Kontakte. Ich fand das schrecklich.
Es grüßt euch

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Onkel ABobert » Mittwoch 10. Juli 2019, 10:04

Und weil hier ja auch des Öfteren das Thema Geld angesprochen wird:

Vielen ist nicht bewußt, daß ein Heimplatz sehr teuer ist. Ein Normalverdiener hat im Alter vielleicht mal 1000 bis max. 1500 EUR Rente zur Verfügung. Wenn der Fall der Pflegebedürftigkeit eintritt, reicht das Geld trotz Pflegeversicherung hinten und vorne nicht aus. Und dann macht es schon einen großen Unterschied, ob der zu Pflegende in einem familiären Umfeld lebt und ein Pflegedienst nur ergänzend in Anspruch genommen werden muss, oder eine Rundum-Versorgung in einem Pflegeheim bezahlt werden muss.

Da reden wir von vielleicht 1000 EUR in dem einen und 4000 EUR im anderen Fall. Ersteres wird bei vielen noch gehen, letzteres nicht.
Es grüßt euch

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von uhu72 » Mittwoch 10. Juli 2019, 10:04

Ringelnatz hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 07:56
Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 07:50
Viele Kinder entscheiden sich ja spontan für die häusliche Pflege, wenn sie die auf sie entfallenden Kosten eines Heimplatzes erfahren ...
Ein guter Grund, selbst für's eigene Alter vorzusorgen. Mir wäre es lieber, ich wäre dann nicht von den Kindern abhängig... Ich finde es übrigens eine gute Idee, schon etwas früher zu überlegen, wie/wo man im Alter leben möchte und das dann auch schon entsprechend einzusteuern.
Wie meint ihr das jetzt?

Grundsätzlich zahlt die Aufwendungen für Pflege die Pflegeversicherung. (Ob das reicht, ist ein politisches Thema und steht auf einen anderen Blatt.)
Die Aufwendungen für (chronische) Krankheiten zahlt die Krankenversicherung. (Ob das reicht, ist ein politisches Thema und steht auf einen anderen Blatt.)
Den eigentlichen Unterhalt für Kost und Logis sollten die Eltern selbst aufbringen können, haben sie vorher ja auch.
(Natürlich gibt es Konstellationen, wo schon das ein Problem ist.)
Für die ggf. übrig bleibende Differenz springt ja das Sozialamt ein. In dem Moment geht der Anspruch des Elternunterhalts auf's Sozialamt über und dieses wiederum versucht dann bei den Kindern möglichst viel davon zurück zu holen. Das läuft aber auch nach Regeln ab, Stichwort Düsseldorfer Tabelle (ja, die kommt hier auch zur Anwendung) usw..
(Theoretisch sollte da genug zum Leben übrig bleiben.)

Also etwas komplex das Ganze. Der Zeitpunkt, wann "... die auf sie entfallenden Kosten ..." liegt weit hinter der Entscheidung Heim oder Daheim. Von daher bin ich etwas irritiert.
Oder meint ihr, wenn die Aussage/Information, Pflegeplatz ca. 3600€ (bei maximalen Aufwand) pro Monat kommt, entscheiden sich alle direkt für die Pflege daheim?

Vorsorge ist schwierig, weil nichts und niemand den späteren Bedarf vorhersehen kann. Zusatz-Pflegeversicherungen sind ein Fass ohne Boden.
Es gibt für jeden Topf einen passenden Deckel. Aber es gibt nicht genug passende Deckel für alle Töpfe!

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von knopper » Mittwoch 10. Juli 2019, 10:41

Onkel ABobert hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 10:04
Und weil hier ja auch des Öfteren das Thema Geld angesprochen wird:

Vielen ist nicht bewußt, daß ein Heimplatz sehr teuer ist. Ein Normalverdiener hat im Alter vielleicht mal 1000 bis max. 1500 EUR Rente zur Verfügung.
wenn überhaupt.... also mit meinen Jahren die mir da fehlen (Dauerstudent) komme ichbestimmt nicht mehr auf über 1000...es sei denn ich arbeite bis 75. Das Rentensystem ist eben nicht dafür gemacht erst mit 30 anfangen zu arbeiten.... das holt man nie mehr auf.
Überhaupt finde ich den Gedanken gepflegt zu werden, ob nun im Heim oder von Angehörigen als gar nicht gut. Ich hab so viele "Macken" was die Körperpflege angeht…. Also das mal alles nicht mehr selber machen zu können… Horror.

Aber da möchte man am liebsten noch gar nicht dran denken...wie das alles mal so kommt. Fest steht sterben müssen wir alle mal. :hammer:
Onkel ABobert hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 09:43

Ich glaube, viele AB sind sehr lange "blauäugig" durchs Leben gegangen und dachten, irgendwann werde sich schon alles "von selber" regeln. Oftmals heißt es ja auch vom Umfeld "die Richtige wird schon noch kommen". Irgendwann, recht spät, kommt dann die böse Erkenntnis.
Ich gehörte nie zu diesem Typus AB.
ja sage ich ja auch immer! Genau so. Die Erkenntnis kommt irgendwann bzw. das Bittere Erwachen....wenn man nämlich realisiert ...es ist zu spät! Davor hab ich Schiss...

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Onkel ABobert » Mittwoch 10. Juli 2019, 11:02

knopper hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 10:41

ja sage ich ja auch immer! Genau so. Die Erkenntnis kommt irgendwann bzw. das Bittere Erwachen....wenn man nämlich realisiert ...es ist zu spät! Davor hab ich Schiss...
Aber du hast diese Erkenntnis doch bereits, oder?
Du weißt, entweder mußt du dich ändern, oder es wird auf ewig so bleiben. Von ganz, ganz wenigen, sehr unwahrscheinlichen Ausnahmen mal abgesehen.
Mit dieser Erkenntnis kannst du dich entscheiden. Sich ändern (bzw. es zu versuchen) oder mit der Situation abfinden. Beide Entscheidungen sind legitim.

Viele AB meinen dagegen, sie machen ja eigentlich alles richtig, und sie sind nur deswegen alleine, weil die "bösen anderen" sich aus irgendwelchen Gründen nicht für sie interessieren. Also nur "die anderen" sind Schuld. Als Grund wird dann gerne (subjektiv) schlechter Aussehen, Behinderungen, Arbeitslosigkeit, finanzielle Armut usw. genannt.

Und das stimmt einfach nicht. Auch häßliche, dicke, arme und behinderte Menschen haben zum überwiegenden Teil Partner. Oftmals sogar erstaunlich gutaussehende, weil die vermeintlichen Negativeigenschaften zum einen oftmals von einem selber maßlos übertrieben wahrgenommen werden (was ist überhaupt "häßlich" - das definiert eben jeder anders) und zum anderen von anderen gar nicht so hoch bewertet werden.

Es liegt immer an einem selber. Ob man sich ändern kann oder will, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich habe es Jahrzehnte nicht geschafft, mich zu ändern und habe es akzeptiert. Aber man sollte so ehrlich zu sich selber sein, das zuzugeben und nicht "die bösen Frauen" (oder Männer) dafür verantwortlich machen.
Es grüßt euch

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von knopper » Mittwoch 10. Juli 2019, 11:09

Onkel ABobert hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 11:02

Aber du hast diese Erkenntnis doch bereits, oder?
Du weißt, entweder mußt du dich ändern, oder es wird auf ewig so bleiben. Von ganz, ganz wenigen, sehr unwahrscheinlichen Ausnahmen mal abgesehen.
Mit dieser Erkenntnis kannst du dich entscheiden. Sich ändern (bzw. es zu versuchen) oder mit der Situation abfinden. Beide Entscheidungen sind legitim.
natürlich habe ich die. Hauptproblem bei mir ist...ich schiebe es schon viel zu lange vor mir her bzw. "ich muss mal". Im Grunde schon mittlerweile 3 Jahre jetzt. Also erkannt ist das Problem durchaus und ich weiß auch ungefähr was ich tun müsste.... aber ich packs irgendwie nicht. :hammer:
Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe zum einen da ich mich dann das bisherige Leben schon viel zu sehr dran gewöhnt habe, zum anderen dass ich auch gar nicht so genau weiß ob ich jetzt überhaupt noch eine Beziehung will.

Die hätte in meinem bisherigen Alltag irgendwie keinen Platz, bzw. müsste sich gewaltig was ändern, dass sie es hätte.
Ich weiß nicht wie ich das von heute auf morgen bzw. mit "Hau-Ruck" bewerkstelligen könnte... Pläne gibt es da schon...aber an der Umsetzung scheitert es ganz gewaltig, das weiß ich auch.
Verstehe auch jeden hier im Forum den das langsam nervt..., also auch das ich zu viel rumjammere, ja im Grunde normal bis gut aussehe usw...
Ich entschuldige vielmals dafür... :D

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von desigual » Mittwoch 10. Juli 2019, 11:11

Was die Kosten angeht, muss einem schon klar sein, dass - wenn die Eltern nicht besonders viel Geld oder ein Haus haben, das verkauft werden kann oder das Vermögen schon verbraucht wurde für die Heimkosten der letzten Jahre, man mal schnell an die tausend Euro monatlich zahlen muss. Und das wird den allermeisten Menschen schon deutlich weh tun, denn die hat man ja mal nicht einfach so über, noch dazu über Jahre.
Dennoch wüsste ich nicht, wie ich, um dieses Geld zu sparen, die Pflege selbst organisieren sollte (und da bin ich ja schon Single ohne weitere Verpflichtungen, d. h. Kind, Partner fordern Aufmerksamkeit).
Um zu Hause zu pflegen, müsste ich die Arbeitszeit deutlich reduzieren, was natürlich große Einbußen beim Einkommen nach sich zieht (auch auf meine Sozialabgaben, Stichwort eigene Rente, mir fehlt zudem das Geld in meine eigene private Pflegeversicherung einzuzahlen). Zudem bräuchte ich das Entgegenkommen meines Arbeitgebers, der mir eine ausreichend lange Mittagspause gewährt, um nach Hause zu fahren, dort Windeln zu wechseln und Essen zu servieren. Dann stellt sich die Frage, ob ich nach dem Tod des Angehörigen einfach so wieder auf Vollzeit gehen kann oder ob ich dann noch ewig Teilzeit machen muss, weil der Arbeitgeber nicht mehr Arbeit für mich hat und ich mich in der Zeit der Pflege sowieso recht wenig engagiert gezeigt habe und sich daher das Entgegenkommen des Chefs in Grenzen hält.
Das ganze Szenario erfordert ja schließlich noch, dass ich ein Haus habe, das max. 5 Autominuten von meinem Arbeitsplatz weg und barrierefrei ist.

In der Summe finde ich es also ziemlich schwierig zu bewerkstelligen und allein der Betrag, den ich zum Heim dazu zahlen muss, wäre für mich gewiss kein Grund für die Pflege zu Hause.

Ich weiß, dass die Zustände in vielen Heimen katastrophal sind und wünsche das meiner Mutter wirklich nicht. Bei meinen Großeltern haben wir als Familie es zum Glück geschafft, das Heim zu vermeiden, bis auf vier Wochen Kurzzeitpflege meiner Oma, als es einfach mal nicht mehr anders ging (die haben meinen Opa über tausend Euro gekostet und die Oma wurde in vier Wochen nicht einmal geduscht), sodass beide dann später zu Hause im eigenen Bett sterben könnten. Das hat aber auch ein enges soziales Netz der Großeltern vorausgesetzt, das sie hatten. Sie waren Jahrzehnte lang selbst hilfsbereit und das kam dann in der Not auch zurück. Die Tochter allein hätte das sicher nicht geschafft. Trotzdem hat insbesondere die Pflege meiner Oma auch negative Folgen gehabt, für die Gesundheit und Nerven der Pflegenden (wenn der komplette Jahresurlaub dafür drauf geht, du keine Nacht durchschläfst (in einem Alter, in dem du das eigentlich nicht mehr hast), dir jeglicher Appetit abhanden geht, weil es ständig nach Pisse, Scheiße und Krankheit stinkt,...)
Bei meinem Großvater hatten wir dafür die Hilfe einer schon lange in Deutschland lebenden Osteuropäerin, die ihn für 1000 Euro monatlich mehr oder weniger rund um die Uhr gepflegt hat. Für solche Hilfskräfte gibt es ja auch Organisationen. Das scheint mir eine ganz gute Möglichkeit, auch wenn die Frauen oft wenig Deutsch können und nur ein Vierteljahr oder so bleiben, aber immerhin hat man die Pflege zu Hause und eine 1 zu 1 Betreuung.

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Onkel ABobert » Mittwoch 10. Juli 2019, 11:26

knopper hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 11:09
Onkel ABobert hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 11:02

Aber du hast diese Erkenntnis doch bereits, oder?
Du weißt, entweder mußt du dich ändern, oder es wird auf ewig so bleiben. Von ganz, ganz wenigen, sehr unwahrscheinlichen Ausnahmen mal abgesehen.
Mit dieser Erkenntnis kannst du dich entscheiden. Sich ändern (bzw. es zu versuchen) oder mit der Situation abfinden. Beide Entscheidungen sind legitim.
natürlich habe ich die. Hauptproblem bei mir ist...ich schiebe es schon viel zu lange vor mir her bzw. "ich muss mal". Im Grunde schon mittlerweile 3 Jahre jetzt. Also erkannt ist das Problem durchaus und ich weiß auch ungefähr was ich tun müsste.... aber ich packs irgendwie nicht. :hammer:
Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe zum einen da ich mich dann das bisherige Leben schon viel zu sehr dran gewöhnt habe, zum anderen dass ich auch gar nicht so genau weiß ob ich jetzt überhaupt noch eine Beziehung will.

Die hätte in meinem bisherigen Alltag irgendwie keinen Platz, bzw. müsste sich gewaltig was ändern, dass sie es hätte.
Ich weiß nicht wie ich das von heute auf morgen bzw. mit "Hau-Ruck" bewerkstelligen könnte... Pläne gibt es da schon...aber an der Umsetzung scheitert es ganz gewaltig, das weiß ich auch.
Verstehe auch jeden hier im Forum den das langsam nervt..., also auch das ich zu viel rumjammere, ja im Grunde normal bis gut aussehe usw...
Ich entschuldige vielmals dafür... :D
Also mich nervst du nicht ;)

Erster Schritt: Problem erkennen, das hast du bereits hinter dir.
Zweiter Schritt: Entscheiden, ob du eine Änderung versuchen willst oder die Situation akzeptierst --> du willst dich ändern.
Dritter Schritt: Änderung versuchen. Dann aber auch wirklich, und nicht "nächstes Jahr". An dieser Stelle stehst du jetzt.
Vierter Schritt: Nach angemessener Zeit beurteilen, ob man die Veränderung wirklich versucht hat, ob man sich dabei wohl gefühlt hat oder nicht und letztendlich, ob man Erfolge vorweisen kann. Auch kleine.
--> und dann erneut entscheiden, ob man den Weg der Veränderung weiter gehen will (z. B. weil es kleine Erfolge gab und diesbezüglich positiv in die Zukunft sieht) oder ob man den Weg der Veränderung aufgibt (weil man sich nicht wohl dabei fühlt, weil es völlig erfolglos geblieben ist usw.), in letzterem Fall dann aber irgendwann auch mal akzeptieren, daß man ist wie man ist.

Nur wenige werden es schaffen, in kurzer Zeit durch Veränderungen eine Partnerschaft zu finden und alles ist gut.
Letztendlich kannst du entweder versuchen, in vielen kleinen Schritten über einen längeren Zeitraum dich soweit zu ändern, dass eine Partnerschaft irgendwann möglich wird. Oder du kommst irgendwann an einen Punkt, an dem das nicht mehr "Du" bist, d. h. du müßtest dich mehr verändern, als du bereit oder in der Lage bist.

Wie bei mir z. B. die Geschichte mit dem engen Verhältnis zu den Eltern. Die bei mir erforderliche Veränderung wäre, das enge Verhältnis zu meinen Eltern zu lockern. Dazu bin ich nicht bereit, also macht es keinen Sinn, andere "Kleinigkeiten" an mir zu ändern, es würde an meiner Beziehungsunfähigkeit nichts ändern.

Du mußt erkennen, ob es bei dir auch eine ähnlich hohe Hürde gibt, die du nicht ändern kannst oder willst. Ist dies der Fall, dann hat es keinen Zweck und du solltest die Situation akzeptieren. Ist dies nicht der Fall, dann kannst du mit den "kleinen Schritten" weitermachen. Dann könnte es irgendwann klappen.

Das ist zumindest meine Sichtweise, natürlich habe ich die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen ...
Es grüßt euch

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von inVinoVeritas » Mittwoch 10. Juli 2019, 11:55

Onkel ABobert hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 11:26
Erster Schritt: Problem erkennen, das hast du bereits hinter dir.
Zweiter Schritt: Entscheiden, ob du eine Änderung versuchen willst oder die Situation akzeptierst --> du willst dich ändern.
Dritter Schritt: Änderung versuchen. Dann aber auch wirklich, und nicht "nächstes Jahr". An dieser Stelle stehst du jetzt.
Vierter Schritt: Nach angemessener Zeit beurteilen, ob man die Veränderung wirklich versucht hat, ob man sich dabei wohl gefühlt hat oder nicht und letztendlich, ob man Erfolge vorweisen kann. Auch kleine.
--> und dann erneut entscheiden, ob man den Weg der Veränderung weiter gehen will (z. B. weil es kleine Erfolge gab und diesbezüglich positiv in die Zukunft sieht) oder ob man den Weg der Veränderung aufgibt (weil man sich nicht wohl dabei fühlt, weil es völlig erfolglos geblieben ist usw.), in letzterem Fall dann aber irgendwann auch mal akzeptieren, daß man ist wie man ist.
Kann ich nur unterschreiben, das hast du gut in Worte gefasst! :daumen:
Ich propagiere das selbe, aber da ich erst kürzlich von knopper (sehr überraschend, deshalb werde ich mir - wohl in seinem Sinne - auch keine Mühe mehr machen ihm etwas zu schreiben) und einem anderem User (bei ihm nicht überraschend :lol:) als "Elendstourist mit fehlentwickeltem Charakter" verunglimpft wurde, fällt so ein Ratschlag von dir als AB kommend vielleicht eher auf fruchtbaren Boden.

Ein Lob auch zu der reflektierten Art mit der du deine persönlichen Entscheidungen begründest (du scheinst sehr glaubwürdig deinen Frieden damit gemacht zu haben), das gefällt mir!

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Swenja
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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Swenja » Mittwoch 10. Juli 2019, 12:17

ich war im grundschulalter, da nahmen meine eltern (sie arbeiteten beide in vollzeit) meine uroma zu sich. sie war kriegerwitwe (1.weltkrieg), lebte also schon ewig allein und drohte völlig zu vereinsamen. meine oma bat daher meine mutter, meine uroma zu sich zu nehmen. ich hatte ein eigenes zimmer in der vier-zimmer-whg., das teilte ich dann ab diesem tag mit meiner uroma. wir, mein bruder und ich, mußten nun nach dem unterricht nicht mehr in den hort, wir konnten nachhause gehen. das fanden wir toll. meine Uroma hat uns an den nachmittagen so einiges beigebracht: kochen, obst einwecken, zöpfe flechten, pflanzen erkennen, canasta, rommé, fraktur lesen... und sie hat geschichten aus ihrem leben erzählt, meistens irgendwas im zusammenhang mit kaiser wilhelm II.
als sie starb, war sie weder dement, inkontinent noch immobil, sie war einfach nur richtig alt.
mit 18 bin ich aus meinem elternhaus ausgezogen, in eine eigene kleine wohnung. meine großeltern wohnten ganz in der nähe meines studienortes. ich bin oft zu ihnen gegangen, wenn es mal länger ging. meine großeltern haben mir einen wintermantel schneidern lassen, manchmal meinen vorratsschrank aufgefüllt, 215 mark stipendium war ja nun nicht gerade üppig, mein opa hat mich von der disco abgeholt, und sie hatten immer zeit für mich. als ich meiner oma versprach, sie zu mir zu nehmen, wenn sie nicht mehr alleine leben kann, bat sie mich, für meinen opa ebenfalls zu sorgen, falls sie vor ihm stirbt. sie wollten beide keinesfalls "unter die fuchtel" meiner herrischen mutter, was ich durchaus nachempfinden konnte.
mein opa starb vor meiner oma, sie lebte noch bis anfang 90 allein in ihrer wohnung. jeden tag kam jemand vom drk und half ihr beim anziehen, vor allem - das richtige richtig anzuziehen (sie war zu diesem zeitpunkt schon fast 50 jahre blind) und wg. der medis. aus der familie bekam sie auch jeden tag "besuch". mein bruder, mein vater und ich , wir wechselten uns ab.
nach einem krankenhausaufenthalt, wg. einer massiven verschlechterung ihrer herzerkrankung, wurde meinem vater empfohlen, seine mutter in ein pflegeheim zu geben. ich hab mein versprechen eingelöst und meine oma zog zu mir. zu dieser zeit hatte ich ein haus gemietet mit einem riesigen garten und glücklicherweise sehr breiten türen, so daß für den rollstuhl nichts extra umgebaut werden mußte.
mit dem ganzen papierkram (finanziell und auch anträge für pflegehilfsmittel) hatte ich nichts zu tun, den erledigte in der ganzen zeit mein vater. meine oma war nur inkontinent und immobil; sie war nicht dement. sie hat die nachrichten im radio täglich verfolgt und ich las ihr vor. wöchentlich kam der pfarrer und unterhielt sich eine stunde mit ihr. das hat ihr viel bedeutet. von der "restlichen" familie bekam sie auch regelmäßig besuch (kurz vor ihrem tod hat sie noch ihren ururenkel in den armen gehalten). ansonsten - sie erzählte natürlich auch vieles aus ihrem leben, wenn ihr grad was einfiel, sie schälte für unser essen kartoffeln, "beschäftigte" meine hunde mit streicheln und leckerlis ;) und war die liebenswerte omi, die sie schon immer war. wir sprachen auch über ihren tod, weil es ihr wichtig war. sie hatte wünsche. als katholikin wollte sie nicht, daß sie jemand fremdes nackend sieht. sie bat mich also, sie frisch zu waschen und frisch anzuziehen und sie mit 4711 zu betupfen, wenn sie gestorben ist. sie sagte auch, welches kleid, welche jacke ich ihr anziehen soll.
sie starb mit 96 jahren und ich bin dankbar, daß ich ihr ihre letzten wünsche erfüllen konnte, daß ich die möglichkeit hatte, mein versprechen einzulösen. da geht es mir halt wie Kathy - auch, wenn ihr "job" mit ihrer omi härter war, das so durchzuhalten - dafür meine hochachtung.


lg, Swenja
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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Onkel ABobert » Mittwoch 10. Juli 2019, 12:29

Swenja hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 12:17
ich war im grundschulalter, da nahmen meine eltern (sie arbeiteten beide in vollzeit) meine uroma zu sich. sie war kriegerwitwe (1.weltkrieg), lebte also schon ewig allein und drohte völlig zu vereinsamen. meine oma bat daher meine mutter, meine uroma zu sich zu nehmen. ich hatte ein eigenes zimmer in der vier-zimmer-whg., das teilte ich dann ab diesem tag mit meiner uroma. wir, mein bruder und ich, mußten nun nach dem unterricht nicht mehr in den hort, wir konnten nachhause gehen. das fanden wir toll. meine Uroma hat uns an den nachmittagen so einiges beigebracht: kochen, obst einwecken, zöpfe flechten, pflanzen erkennen, canasta, rommé, fraktur lesen... und sie hat geschichten aus ihrem leben erzählt, meistens irgendwas im zusammenhang mit kaiser wilhelm II.
als sie starb, war sie weder dement, inkontinent noch immobil, sie war einfach nur richtig alt.
mit 18 bin ich aus meinem elternhaus ausgezogen, in eine eigene kleine wohnung. meine großeltern wohnten ganz in der nähe meines studienortes. ich bin oft zu ihnen gegangen, wenn es mal länger ging. meine großeltern haben mir einen wintermantel schneidern lassen, manchmal meinen vorratsschrank aufgefüllt, 215 mark stipendium war ja nun nicht gerade üppig, mein opa hat mich von der disco abgeholt, und sie hatten immer zeit für mich. als ich meiner oma versprach, sie zu mir zu nehmen, wenn sie nicht mehr alleine leben kann, bat sie mich, für meinen opa ebenfalls zu sorgen, falls sie vor ihm stirbt. sie wollten beide keinesfalls "unter die fuchtel" meiner herrischen mutter, was ich durchaus nachempfinden konnte.
mein opa starb vor meiner oma, sie lebte noch bis anfang 90 allein in ihrer wohnung. jeden tag kam jemand vom drk und half ihr beim anziehen, vor allem - das richtige richtig anzuziehen (sie war zu diesem zeitpunkt schon fast 50 jahre blind) und wg. der medis. aus der familie bekam sie auch jeden tag "besuch". mein bruder, mein vater und ich , wir wechselten uns ab.
nach einem krankenhausaufenthalt, wg. einer massiven verschlechterung ihrer herzerkrankung, wurde meinem vater empfohlen, seine mutter in ein pflegeheim zu geben. ich hab mein versprechen eingelöst und meine oma zog zu mir. zu dieser zeit hatte ich ein haus gemietet mit einem riesigen garten und glücklicherweise sehr breiten türen, so daß für den rollstuhl nichts extra umgebaut werden mußte.
mit dem ganzen papierkram (finanziell und auch anträge für pflegehilfsmittel) hatte ich nichts zu tun, den erledigte in der ganzen zeit mein vater. meine oma war nur inkontinent und immobil; sie war nicht dement. sie hat die nachrichten im radio täglich verfolgt und ich las ihr vor. wöchentlich kam der pfarrer und unterhielt sich eine stunde mit ihr. das hat ihr viel bedeutet. von der "restlichen" familie bekam sie auch regelmäßig besuch (kurz vor ihrem tod hat sie noch ihren ururenkel in den armen gehalten). ansonsten - sie erzählte natürlich auch vieles aus ihrem leben, wenn ihr grad was einfiel, sie schälte für unser essen kartoffeln, "beschäftigte" meine hunde mit streicheln und leckerlis ;) und war die liebenswerte omi, die sie schon immer war. wir sprachen auch über ihren tod, weil es ihr wichtig war. sie hatte wünsche. als katholikin wollte sie nicht, daß sie jemand fremdes nackend sieht. sie bat mich also, sie frisch zu waschen und frisch anzuziehen und sie mit 4711 zu betupfen, wenn sie gestorben ist. sie sagte auch, welches kleid, welche jacke ich ihr anziehen soll.
sie starb mit 96 jahren und ich bin dankbar, daß ich ihr ihre letzten wünsche erfüllen konnte, daß ich die möglichkeit hatte, mein versprechen einzulösen. da geht es mir halt wie Kathy - auch, wenn ihr "job" mit ihrer omi härter war, das so durchzuhalten - dafür meine hochachtung.


lg, Swenja
Das finde ich wirklich klasse. Meine Hochachtung vor dir.
Es grüßt euch

Onkel ABobert

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Tania » Mittwoch 10. Juli 2019, 12:46

uhu72 hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 10:04

Also etwas komplex das Ganze. Der Zeitpunkt, wann "... die auf sie entfallenden Kosten ..." liegt weit hinter der Entscheidung Heim oder Daheim. Von daher bin ich etwas irritiert.
Oder meint ihr, wenn die Aussage/Information, Pflegeplatz ca. 3600€ (bei maximalen Aufwand) pro Monat kommt, entscheiden sich alle direkt für die Pflege daheim?
Wie gesagt, das Ganze ist etwas komplex.

Im Schnitt sind um die 1500 EUR Zuzahlung fällig. Zuerst einmal wird auf das Einkommen und Vermögen des Pflegebedürftigen zurückgegriffen. Manch einer ist schon hochmotiviert, wenn es heißt "das Elternhaus kommt unter den Hammer, um die Pflegekosten zu decken" oder denkt sich "bevor ich dem Heim Opas gute Rente gebe, nehm ich ihn lieber selbst auf". Auch nicht lange zurückliegende Geschenke können zurückgefordert werden ... was nicht so ganz leicht ist, wenn die schon verbraucht wurden.

Reichen Einkommen und Vermögen des Pflegebedürftigen nicht, steht das Kind mit seinem Einkommen und seinem Vermögen ein. Selbst wenn genug da sein sollte - nicht jeder hat wirklich Lust, von seinen 3500 EUR netto 800 monatlich zu überweisen. Oder das Boot, an dem man Jahre gebastelt hat, zu verkaufen. Oder das Konto zu plündern, auf dem man seit Jahren für die erträumte Weltreise einzahlt.

Psychische Faktoren sind auch nicht zu vernachlässigen. Wenn Opa erleben muss, dass sein eigenhändig gebautes Häuschen verkauft und abgerissen wird, um seine Pflege zu bezahlen, bringt ihn das eh um. Wenn man ihn selbst pflegt, hat man ihn etwas länger und behält außerdem das Haus.

Schwierig ist auch, dass man bei Pflege nicht abschätzen kann, wie lange es dauert und wie es sich entwickelt. Wenn man Oma noch 5 Jahre auf Pflegestufe 2 hat, lohnt es, das Bad altersgerecht umzubauen und sie zu sich zu nehmen. Wenn sie nur noch 6 Monate hat, erspart man ihr eher den Umzug und zieht zu ihr.

Alles ziemlich scheisse. Ich hoffe inständig, dass es bald möglich ist, sich vom Arzt legal ablebenssichernde Medikamente verschreiben zu lassen. Wäre mir deutlich lieber als irgendwo im Bett zu liegen und meinen Kindern zur Last zu fallen oder zuzusehen, wie alles, was ich aufgebaut habe, für meine Pflege draufgeht.

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Elli » Mittwoch 10. Juli 2019, 13:12

Da ich Einzelkind bin und außer meinen Eltern auch keine Familie habe (Verwandtschaft schon, aber eben nicht Familie), und da meine Eltern beide über 70 sind, steht mir das Thema auch ziemlich bevor. Im Moment sind meine Eltern zum Glück noch bei sehr guter Gesundheit, mein Vater scheint mir sogar fitter als ich (körperlich), aber das wird ja nicht auf immer so bleiben. :sadwoman:
Natürlich würde ich auch nicht wollen, dass meine Eltern in einem Pflegeheim landen, und wenn man mich jetzt danach fragt, würde ich sagen: Ich würde mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes versuchen, das irgendwie hinzukriegen und eben auch so viel wie möglich da zu sein. (Es ohne Pflegedienst zu versuchen, da hätte ich keine Ambitionen: Ich glaube aber auch kaum, dass meine Eltern körperliche Pflege von mir wollen würden, so verklemmt, wie wir in der Familie alle sind. Es fiele auch mir selbst leichter, meine Schamgrenzen gegenüber einer professionellen Pflegekraft zu überwinden, als gegenüber engen Angehörigen.)
Allerdings muss ich zugeben, dass ich das Thema meist eher ausblende und nicht darüber nachdenken mag. Habe im Hier und Jetzt noch so viele Baustellen, dass mir auch irgendwie kaum Zeit und Muße bleibt, die Zukunft zu planen oder gar irgendwelche Vorkehrungen zu treffen. :sadman:

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Brax » Mittwoch 10. Juli 2019, 13:30

Nur weil ich das hier jetzt mehrmals gelesen habe von wegen "nur 1x im Monat besuchen" und ähnliches.

Ich habe den Eindruck, es wird hier wieder so ein extremer Gegensatz aufgestellt wie schon im "Bei-den-Eltern-wohnen-Thread", wo iwie unterstellt wurde, es würde verlangt, dass man quasi den Kontakt zu seinen Eltern abbricht, nur weil einige meinten, man solle mit Ü30 doch mal ausgezogen sein.

Als gäbe es nur die Extreme "Eltern bei sich zu Hause pflegen" vs. "abschieben und sich kaum noch blicken lassen". Ist halt nicht so. Meine Mutter hat z. B. meine Oma, als diese ins Pflegeheim musste, mehrmals die Woche besucht, bis sie gestorben ist. Es gibt auch einen Mittelweg.

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von ogor » Mittwoch 10. Juli 2019, 13:32

Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 12:46
Ich hoffe inständig, dass es bald möglich ist, sich vom Arzt legal ablebenssichernde Medikamente verschreiben zu lassen. Wäre mir deutlich lieber als irgendwo im Bett zu liegen und meinen Kindern zur Last zu fallen oder zuzusehen, wie alles, was ich aufgebaut habe, für meine Pflege draufgeht.
Ich hoffe inständig, dass der Faktor "Finanzen" auch in Zukunft kein ausreichender Grund sein wird, einen Menschen das Leben zu nehmen bzw. ihn dahingehend aktiv zu unterstützen.

Der Wert eines Lebens darf niemals davon abhängen, wie finanziell teuer es ist. Soviel Menschsein sollten wir uns noch bewahren.

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