Demisexualität - stark unterschätzt?

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Ferdinand
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Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Ferdinand » Donnerstag 20. Juni 2019, 14:13

Hallo ihr Lieben,

Ich weiß, der erste Beitrag sollte idealerweise im Vorstellungsthread stattfinden, doch tatsächlich bin ich nicht ganz neu hier: Ich war um 2015 herum schon einmal angemeldet, selbes Pseudonym. Die eine oder der andere wird sich womöglich noch ganz düster entsinnen können, aber das Publikum hat sich seitdem doch stark verändert. Letztlich also egal.
Ich selber habe mich auch verändert, nicht jedoch - leider - mein AB-Status: HC+ - AB, bis heute. Zur Einordnung, ich bin jetzt 33. Desaster par Excellence, wird man da sagen müssen, obwohl mein Leben im Großen und Ganzen nicht so schlecht ist und es mir die meiste Zeit auch gut geht. Was wahrscheinlich irgendwie auch Teil meines Problems ist (mangelnder, wenngleich vorhandener Leidensdruck), aber darauf will ich hier gar nicht hinaus - vielleicht mal ein eigener Thread, das Thema ist ja durchaus interessant.

Worauf ich hinaus will, ist das Thema Demisexualität. Kurz zur Definition, für diejenigen, die gar nichts damit anfangen können (die meisten werden es wohl kennen):

„Demisexuelle sind Menschen, die nur dann sexuelle Anziehung empfinden, wenn sie eine starke emotionale Bindung zu jemandem aufgebaut haben. Dies ist meistens, aber nicht ausschließlich, in romantischen Beziehungen der Fall.“
Quelle: https://aktivista.net/2015/09/09/demise ... ungshilfe/

Typische Eigenschaften demisexueller Menschen sind, dass diese sexuelle Anziehung nicht als "Trieb" empfinden, den es zu befriedigen gilt (ähnlich wie Hunger oder Schlaf), sondern dass Sexualität stets an Emotionen, im Idealfall Liebe, gebunden ist. Anderenfalls wird sie als leer oder, häufiger, sogar unangenehm empfunden. Demisexuelle können das oft von Männern (und heutzutage ja auch Frauen) geschilderte Gefühl, völlig fremde Menschen auf der Straße oder in Cafes "heiß" zu finden, nicht nachvollziehen und halten sich bei Gesprächen über Sex und Sexulität im Allgemeinen häufig zurück, da sie wenig Bezugspunkte zwischen ihren Empfindungen und denen ihrer Mitmenschen finden. Empfinden sie einmal doch starke sexuelle Gefühle, können sie diese schwer einordnen und empfinden sie als dementsprechend unangenehm.
Natürlich findet all dies auf einem Spektrum statt: Normale Sexualität und totale Asexualität bilden dabei die extreme, "dazwischen" liegt völlig fließend die Demisexualität. Es ist nur ein Wort, um grob zu kategorisieren. Es treffen auch nicht alle Merkmale auf jeden Demisexuellen zu; und sehr Viele befriedigen sich selbst oder konsumieren Pornographie. "Triebabfuhr" ist eben nochmal etwas anderes als Interaktion zwischen Menschen - hier müssen Emotionen im Spiel sein.

Das Wichtigste aber, und das wird dabei oft vergessen oder - deutlich schlimmer - kleingeredet: Diese Eigenschaften sind allesamt nicht frei gewählt, sondern angeboren. Es handelt sich um eine gesunde, normale sexuelle Präferenz, wie etwa auch bei Homosexualität. Man kann und sollte solche Menschen nicht "umerziehen".

Warum schreibe ich das alles? Zunächst mal - Ihr werdet es euch gedacht haben ;) - gehe ich zwischenzeitlich davon aus, selbst dieser Kategorie anzugehören. Es ist erst einige Monate her, dass ich das voll realisiert habe. Ich habe keine ärztliche Bescheinigung o.ä. darüber, aber ich wüsste auch nicht, was mir das brächte - noch ein Stempel mehr, so what. Fakt ist: Eigentlich alle oben beschriebenen Eigenschaften treffen komplett auf mich zu. Mehr muss ich ja nicht wissen.
Das bringt, neben der ganzen Unerfahrenheit auf dem Gebiet "Annäherung", aber riesige Zusatzprobleme mit sich. Im Internet findet man durchaus Erfahrungsberichte anderer Demisxueller, wobei ich die gar nicht gebraucht hätte, um eines zu wissen: Onlinedating (und damit, ab einem gewissen Alter, die beste Möglichkeit zur Partnersuche) ist unter solchen Prämissen de facto unmöglich. Man traut sich gar nicht erst, überhaupt damit zu beginnen, auch nicht in der Hoffnung, es möge ja die eine, ehrbare Ausnahme geben, die diesen freundschaftlichen Annäherungsprozess irgendwann mal zulässt. Davor gibt es zuviel "Schmerzen" sexueller Natur, zusätzlich zu den emotionalen, die hier ja eh oft genug geschildert werden. Bitte jetzt nicht überinterpretieren - ich rede hier nicht von sexuellen Gewalterfahrungen, da ist nochmal was deutlich Schlimmeres und ganz gewiss nicht vergleichbar, niemals - aber zwingen müsste man sich, genießen kann man da gar nichts. Übrigens nicht mal Händchenhalten und Küssen, da fängt das schon an im Zweifel.

Ich finde es sehr interessant, dass dieses Thema hier im AB-Forum quasi nicht oder nur sehr selten auftaucht, weil ich glaube, dass deutlich mehr ABs ein Problem dieser Art haben, als man denken würde. Insgesamt deutlich mehr Menschen, als man denken würde. Nicht, weil es falsch wäre, sondern weil unsere total sexualisierte Gesellschaft etwas anderes vorgibt. Auch hier, nicht falsch verstehen: Fehler habe auch ich viele gemacht, oder zumindest Dinge versäumt.

Aber dazu ein andermal mehr ;) .

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Brax » Donnerstag 20. Juni 2019, 14:42

Ferdinand hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:13
Natürlich findet all dies auf einem Spektrum statt: Normale Sexualität und totale Asexualität bilden dabei die extreme, "dazwischen" liegt völlig fließend die Demisexualität.
Ne, sorry, ich würde "normale Sexualität" nicht ans Ende des Spektrums stellen. Extreme sind nie das, was normal ist.

Ich würde Demisexualität auch überhaupt nicht als Abweichung von normaler Sexualität hinstellen. Nicht jeder ist ständig geil, sobald er jemanden sieht, der gut aussieht. Das ist zwar sicher auch normal, aber ich halte es nicht für normaler als dass man erstmal eine emotionale Bindung aufbauen muss. Es gibt einfach beides und beides befindet sich im Spektrum zwischen Asexualität und "ständiger Notgeilheit" (ich nenns mal so).

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von NBUC » Donnerstag 20. Juni 2019, 14:48

Das Problem beginnt ja viel früher:
Du hast als so jemand eigentlich keinen Anreiz dich für jemanden Fremdes zu interessieren, oder sagen wir es anders: sich mehr für jemanden spezifisches anderes zu interessieren als massenweise andere auch und damit ein extrem schwacher spezifischer Reiz und keine Ahnung, wo man da dann anfangen soll. Doppelt, als dass ja scheinbar eine recht deutliche Begeisterung recht früh von der Gegenseite häufig erwartet wird. Und dazu fehlen dann einfach zu dem Zeitpunkt die Informationen um das ehrlich zu machen.

Dazu kommt, dass aufällige Topoptik dann (inzwischen ... :opa: ) in der breiten Bevölkerung auch in der Regel mit einem deutlicheren Altersunterschied einher geht und damit die Erwartung zu persönlicher Kompatibilität da schon als extrem unwahrscheinlich abgehakt wird.

Singlebörsen mit ihren meinem Empfinden her deutlich mehrheitlich auch nichtssagenden und primär auf Optik abgestellten Inseraten helfen in der Praxis ebenso kein Stück weiter.
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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Ferdinand » Donnerstag 20. Juni 2019, 14:51

Brax hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:42
Ferdinand hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:13
Natürlich findet all dies auf einem Spektrum statt: Normale Sexualität und totale Asexualität bilden dabei die extreme, "dazwischen" liegt völlig fließend die Demisexualität.
Ne, sorry, ich würde "normale Sexualität" nicht ans Ende des Spektrums stellen. Extreme sind nie das, was normal ist.

Ich würde Demisexualität auch überhaupt nicht als Abweichung von normaler Sexualität hinstellen. Nicht jeder ist ständig geil, sobald er jemanden sieht, der gut aussieht. Das ist zwar sicher auch normal, aber ich halte es nicht für normaler als dass man erstmal eine emotionale Bindung aufbauen muss. Es gibt einfach beides und beides befindet sich im Spektrum zwischen Asexualität und "ständiger Notgeilheit" (ich nenns mal so).
Hallo Brax!

Vielen Dank zunächst für deine Antwort! Okay, kann ich durchaus so mittragen - die Enden des Spektrums habe ich einfach mal so aus angelesenem Stoff übernommen, vielleicht etwas zu unreflektiert. Vielleicht ist ja sogar das Spektrum selbst noch zu einfach gedacht, es gibt da sicher diverse Dimensionen. Ich will hier auch gar kein allumfassendes Modell dafür entwickeln (2015 wäre das mein ultimatives Ziel für den Thread gewesen - das hat sich geändert ;) ), aber wenn man deine Worte ernst nimmt - und das tue ich! - ist das Problem eigentlich sogar noch schlimmer: Dann hätte wahrscheinlich die absolute Minderheit aller Menschen so richtig Spaß an der Partnersuche. Ein für mich, ehrlich gesagt, unerklärbares Wunder, dass es trotz Allem so gut klappt. Und es äußerlich die Meisten ganz gern betreiben. Könnte dann eigentlich kaum sein...

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Nonkonformist » Donnerstag 20. Juni 2019, 14:54

Ich rechne mich auch unter den demi-sexuellen.
Ohne verliebtheit sind intime körperlichkeiten mich unangenehm - fangt bereits beim kuscheln an - und verlieben tu ich mich recht langsam (wochen bis monate). Seit die meisten anders agieren und ein anderes tempo haben, macht es den ganzen beziehungsanbahnung recht schwierig.

Gegenüber frauen in den ich nicht verliebt bin, bin ich effektiv a-sexuell.
War deswegen auch noch nie aktiv auf partnersuche.
Manchmal verliebe ich mich, und erst dann wird es zum thema.
(Ich kann frauen in den ich nicht verliebt bin schon attraktiv finden aber ich habe keinerlei bedarf nach körperlichkeit. Dazu brauche ich eine zusätzliche emotionale nähe.)
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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Ferdinand » Donnerstag 20. Juni 2019, 16:59

Nonkonformist hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:54
Ich rechne mich auch unter den demi-sexuellen.
Ohne verliebtheit sind intime körperlichkeiten mich unangenehm - fangt bereits beim kuscheln an - und verlieben tu ich mich recht langsam (wochen bis monate). Seit die meisten anders agieren und ein anderes tempo haben, macht es den ganzen beziehungsanbahnung recht schwierig.

(...)

War deswegen auch noch nie aktiv auf partnersuche.
Stimmt, du erwähnst den Begriff Demisexualität hier gelegentlich mal. Bei deinen Selbstschilderungen merkt man auch sehr deutlich, dass du in diesen Bereich fällst.

Aktiv auf Partnersuche war ich auch noch nicht, trotz meiner, objektiv gesehen, äußerst misslichen Lage. Ich wüsste gar nicht, wie anfangen. Das, was ich suche, scheint es dort draußen ganz schlichtweg nicht zu geben.
NBUC hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:48
Das Problem beginnt ja viel früher:
Du hast als so jemand eigentlich keinen Anreiz dich für jemanden Fremdes zu interessieren, oder sagen wir es anders: sich mehr für jemanden spezifisches anderes zu interessieren als massenweise andere auch und damit ein extrem schwacher spezifischer Reiz und keine Ahnung, wo man da dann anfangen soll.
Jein. Für mich sollte, nein, muss Liebe und Beziehung aus einer Freundschaft heraus entstehen. Anders machen weder mein Verstand noch mein Körper das mit. Der Anreiz, jemanden interessant zu finden, ist hier also nicht sexuelle Anziehung, sondern zunächst mal eine Form der charakterlichen Sympathie. Ich will nicht sagen, dass so etwas im Normalen Leben niemals vorkommt. Nur ist es eben, gerade mit über 30, extrem selten der Fall und lässt sich v.a. auf gar keinen Fall systematisch erarbeiten. Natürlich kann man sich Mühe geben, unter Leute zu kommen (was schwer genug ist). Aber man kann eben nicht mit Sex anfangen und dann abwarten, ob daraus Liebe wird oder nicht. Und genau das tun die Allermeisten heutzutage.

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von yes_or_no » Donnerstag 20. Juni 2019, 19:39

Brax hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:42
Ferdinand hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:13
Natürlich findet all dies auf einem Spektrum statt: Normale Sexualität und totale Asexualität bilden dabei die extreme, "dazwischen" liegt völlig fließend die Demisexualität.
Ne, sorry, ich würde "normale Sexualität" nicht ans Ende des Spektrums stellen. Extreme sind nie das, was normal ist.

Ich würde Demisexualität auch überhaupt nicht als Abweichung von normaler Sexualität hinstellen. Nicht jeder ist ständig geil, sobald er jemanden sieht, der gut aussieht. Das ist zwar sicher auch normal, aber ich halte es nicht für normaler als dass man erstmal eine emotionale Bindung aufbauen muss. Es gibt einfach beides und beides befindet sich im Spektrum zwischen Asexualität und "ständiger Notgeilheit" (ich nenns mal so).
++++
Ich stimm da einfach mal zu.
Nur, weil man nicht sofort mit wem Sex haben kann (zb mit nem Blinddate) muss man sich nicht wieder einen Stempel aufdrücken.
So lang man weiß, dass Sex einem prinzipiell Spaß macht, wenn die Situation nicht total doof ist (Fremder/fast-Fremder, man schaut grad einen Film und Mann fällt währenddessen quasi über einen her, man ist super müde und es beginnt völlig unvorhersehbar), ist man denke ich ok.
Ich bezeichne mich in dieser Hinsicht als OK, auch wenn einige Tindermänner, die ich beim 2. oder 3. Treffen nicht bereits rangelassen habe, das vielleicht anders sehen.

Eventuell ist "Demisexualität" auch mit Erfahrung verbunden? Von einer 17-jährigen würd niemand erwarten, dass sie beim 3. Treffen schon Sex hat. Von ner unerfahrenen 30-jährigen wirds vielleicht nur erwartet, weil die Unerfahrenheit nicht verstanden wird und so beginnt der Teufelskreis, dass man sich innerlich dagegen wehrt und dadurch "abstumpft" und desinteressiert oder übervorsichtig wirkt....?

Naja, mit "Sehnen nach Nähe", wenn man Menschen um sich rum hat - weiß nicht, wie ich mich da einschätzen würde. Ich bin in Gedanken schon oft bei mir, in meiner eigenen Welt und nicht die ganze Zeit am Beobachten von anderen Leuten - und schon gar nicht analysiere ich die dann nach ihrer "Geilheit", ob ich Sex mit denen wollen würde. Eher lauf ich einfach an denen vorbei, nehm sie halb wahr, weil in mir drin grad so viele Gedanken sind. Wenn jemand seelenverwandt wirkt, fühl ich mich hingezogen, aber stell mir eher fest, dass man sich tief in die Augen blickt und festhält und dreh innerlich bestimmt keinen Porno.
Aber klar kann ich verliebt sein, mir dann auch "mehr" wünschen und das vorstellen.
Hey, ich hab auch schon Männer im Arm gehabt und herum gekuschelt. Fand ich jedes Mal schön. Nur halt wenn er in unerwarteten Situationen mit sexuellen Dingen angefangen hat, war ich genervt und das wurde immer bemerkt und dumm hingestellt, dass ich ja so prüde bin, etc etc etc.

Also keine Ahnung, ob ich nun auch noch ne Diagnose Richtung "unnormale Sexualität" hab oder das im Rahmen ist.
Ist mir eventuell sogar egal, da ich DARAN wirklich nichts ändern möchte, da es einfach meine Werte sind, meine persönlichen GOs und NOGOs, sich erst kennen zu lernen und Respekt voreinander zu haben und sich gerne zu haben, statt sich als Sexobjekt zu benutzen, wie es beim Sex zwischen Fremden ja wäre, da es hier mehr ja noch gar nicht geben kann.

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Nonkonformist » Donnerstag 20. Juni 2019, 19:54

yes_or_no hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 19:39
So lang man weiß, dass Sex einem prinzipiell Spaß macht, wenn die Situation nicht total doof ist (Fremder/fast-Fremder, man schaut grad einen Film und Mann fällt währenddessen quasi über einen her, man ist super müde und es beginnt völlig unvorhersehbar), ist man denke ich ok.
So eine situation wäre für mich volkommen wesensfremd.
Meine verliebtheiten sahen meist folgendes aus:
Kollegin, früher mitschülerin.
Erste begegnung - null aufgefallen.
Kontakt hat man situationsbezogen zwangshaft.
Es entsteht eine freundschaft.
Sie fangt nach eine weile mit flirten an.
Ich denke vor allem 'Was will das weib' und flirte zwar auch ein bisschen, aber nie so das etwas eskalieren könnte.
Nach wochen bis monate verliebe ich mich graduell.
Erst dann kan ich mich intimen körperlichen kontakt vorstellen.

Und sex käme bei mir erst im frage wann ich mir eine langzeitbeziehung mit der person wünsche.

Eine frau die mir körperlich zu nahe, kommt, bevor ich verliebt bin, wird von mir aktiv auf distanz gehalten.
Auch wann sie optisch attraktiv ist.

So völlig auf spontan, mit jemanden der ich kaum kenne?
Nie im leben.

Der wünsch nach körperlichkeit entsteht erst dann, wann es bereits eine emotional-platonische bindung gibt.
Und den gibt es nicht auf anhieb.
Zuletzt geändert von Nonkonformist am Donnerstag 20. Juni 2019, 19:58, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Cornerback » Donnerstag 20. Juni 2019, 19:56

Also ich verstehe Demisexualität nach der obigen Erläuterung als etwas anderes, als bloß mit dem sexuellen Part etwas warten zu wollen. Demisexuelle können keine Anziehung spüren bis Gefühle im Spiel sind. Trotz "normaler" sexueller Anziehung noch etwas warten zu wollen, z.B. um mehr Vertrauen aufzubauen oder einfach, weil man sich bewusst entscheidet mit dem Sex zu warten bis man emotional involviert ist, ist glaube ich etwas anderes und in dem Bezug "normale" Sexualität.

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von rotbart » Donnerstag 20. Juni 2019, 19:58

Ich bin zwar nicht unbedingt demisexuell im Sinne der Definition, aber die Auswirkung ist eine ähnliche: Ich bin verklemmt / ängstlich, wenn es um Sex geht.

Sex mit Unbekannten ist mir für mich daher nur schwer vorstellbar. Ich brauche Vertrauen zu der Frau, sonst tue ich mir sehr schwer und kann es nicht genießen.

Es gibt allerdings - wenn auch sehr selten - Ausnahmefrauen, die auf mich eine besondere Wirkung haben, weil sie eine sehr feminine, zarte, sanfte Ausstrahlung haben und mich damit irgendwie ziemlich direkt in Sicherheit wiegen. Also auch ohne großes Kennenlernen. Da besteht sofort eine gewisse Sympathie.
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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Captain Unsichtbar » Donnerstag 20. Juni 2019, 20:03

yes_or_no hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 19:39
Eventuell ist "Demisexualität" auch mit Erfahrung verbunden? Von einer 17-jährigen würd niemand erwarten, dass sie beim 3. Treffen schon Sex hat. Von ner unerfahrenen 30-jährigen wirds vielleicht nur erwartet, weil die Unerfahrenheit nicht verstanden wird und so beginnt der Teufelskreis, dass man sich innerlich dagegen wehrt und dadurch "abstumpft" und desinteressiert oder übervorsichtig wirkt....?
Da verstehst du was falsch. Demisexualität hat nichts mit Desinteresse zu tun und schon gar nicht mit Vorsicht. Das ist kein Kopfding sondern mehr eine Sache der fehlenden Anziehung. Der Wunsch nach mehr ist gar nicht vorhanden, wenn nicht mindestens eine gewisse Verliebtheit vorhanden ist. Aber diese Annahme kommt leider sehr oft.

Ich sehe mich selbst auch stark in dem Bereich. Ich habe allerdings wieder aufgehört den Begriff zu verwenden da die Meisten absolut nichts damit anfangen können. Und oft schlägt einem dann auch eher Unverständnis entgegen. :?
Cornerback hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 19:56
Also ich verstehe Demisexualität nach der obigen Erläuterung als etwas anderes, als bloß mit dem sexuellen Part etwas warten zu wollen. Demisexuelle können keine Anziehung spüren bis Gefühle im Spiel sind. Trotz "normaler" sexueller Anziehung noch etwas warten zu wollen, z.B. um mehr Vertrauen aufzubauen oder einfach, weil man sich bewusst entscheidet mit dem Sex zu warten bis man emotional involviert ist, ist glaube ich etwas anderes und in dem Bezug "normale" Sexualität.
Jap so ist das bei mir, deshalb tu ich mich ja so schwer mit Online-Dating. Ich würd's auch überhaupt nicht nutzen, wenn mein RL mehr hergeben würde.
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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von NBUC » Donnerstag 20. Juni 2019, 20:05

Was ist dann "Anziehung" in diesem Fall?
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Alle gesellschaftlichen Betrachtungen enthalten zwangsläufig Verallgemeinerungen und werden daher Ausnahmen und Einzelfälle enthalten, denen sie nicht gerecht werden können.

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Nonkonformist » Donnerstag 20. Juni 2019, 20:08

Auch bars, kneipen, diskos bringen mir nichts.
Nach so eine flüchtige begegnung habe ich einfach nicht ausreichend interesse jemanden den hof zu machen.
Und spüre ich auch nicht die wünsch nach kuscheln, küssen, sex.

Auf den ersten blick verliebt habe ich mir nur ein einziges mal.

Und sogar in diesen einen ausnahmefall wollte ich sie den ersten dates nur verbal besser kennen lernen.
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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Ferdinand » Donnerstag 20. Juni 2019, 20:11

Hi yes_or_no,

Vielen Dank für deinen Post, der ist nämlich ziemlich interessant auf seine Art. Er zeigt, wie schwierig es ist, dieses Gefühl nach außen zu vermitteln und anderen Menschen - selbst ABs, wie sich zeigt - zu erklären, was ich hier eigentlich meine. Aber zunächst mal: Ich drücke mir keinen Stempel auf ;) . Daher hatte ich etwas von einem "Spektrum" geschrieben und selbst das wieder ein wenig offener gehalten. Der Begriff Demisexualität wurde eben geprägt, weil Menschen dummerweise Wörter brauchen, um Dinge zu bezeichnen, die neu für sie sind. Und weil Menschen geistige Schubladen benötigen, so blöd das auch ist. Eigentlich hat jeder einzelne Mensch seine ganz individuelle Sexualität, das stimmt natürlich. Aber von diesem Standpunkt ausgehend lässt sich keine geordnete Diskussion mehr führen, weil keine Abstraktion mehr möglich ist. So, genug Zeigefinger, tut mir Leid...

Was nun das Problem betrifft, Demisexualität zu erklären: Ich glaube, dass hier die Tatsache ins Spiel kommt, dass auch die Begriffe "fremd" und "vertraut" von jedem anders interpretiert werden. Eine Frau, die ich dreimal, fünfmal, siebenmal getroffen habe, ist für mich immer noch "fremd" - und nicht nur der ONS (der sowieso, das hatte ich bewusst ausgeklammert - no chance). "Vertraut" sind mir nur Menschen, die ich als "Freunde" oder wenigstens "Bekannte" (da gibt es einen Unterschied!) betrachte. Das heißt konkret: Ich habe mit diesen Menschen lange, tiefe Unterhaltungen über mehrere Stunden führen können - und zwar allein (mehr als sieben Stück ;) ). Ich habe diesen Menschen in Interaktion mit anderen Menschen, im Alltag erlebt, kenne seine Reaktion auf verschiedene Personen und Arten von Situationen. Nicht, weil die entsprechende Frau mir das erzählt hat - erzählen kann man viel - sondern weil ich dabei war, als es passierte. Alles in allem brauche ich wenigstens zwei Monate, im günstigsten Falle sechs Wochen, in der ich jemanden die ganze Woche in Real Life sehe und mich viel mit der Person unterhalte (Wochenende meinetwegen ausgenommen), um so eine Art der Beziehung aufzubauen. In meiner Studienzeit war das ganz gut möglich, da war ich auch zweimal dicht dran an was und hab's vermasselt, ohne es so richtig zu merken (Details gern mal woanders). Jetzt, im Berufsleben, ergibt sich diese Art Konstellation natürlich nicht mehr wirklich und ist auch im Privaten nur schwer herzustellen. Ich brauche sie aber, um sexuelle Gefühle und Liebe - beides ist gekoppelt - überhaupt erst zu entwickeln.
yes_or_no hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 19:39
Eventuell ist "Demisexualität" auch mit Erfahrung verbunden? Von einer 17-jährigen würd niemand erwarten, dass sie beim 3. Treffen schon Sex hat. Von ner unerfahrenen 30-jährigen wirds vielleicht nur erwartet, weil die Unerfahrenheit nicht verstanden wird und so beginnt der Teufelskreis, dass man sich innerlich dagegen wehrt und dadurch "abstumpft" und desinteressiert oder übervorsichtig wirkt....?
Das glaube ich, ehrlich gesagt, nicht wirklich. Btw. haben gar nicht so wenige 17-jährige heute deutlich vor dem dritten Mal Sex, und die erwarten das sogar selbst. Damit habe ich kein grundsätzliches Problem, jede und jeder wie sie oder er will. Dumm nur, wenn die eigene Sexualität eben anders funktioniert. Die mangelnde Erfahrung resultiert dann - zumindest teilweise, es gibt mal wieder mehrere Gründe - aus der Demisexualität. Ich hatte schon als 15-jähriger null Interesse, irgendwas mit den Mädels in meiner Klasse anzufangen. Mein Elternhaus war erzieherisch liberal und gänzlich unverklemmt, daran kann es also nicht liegen. Ich wollte einfach nicht, dass nach drei Wochen wieder Schluss ist (wie bei meinem Schulkameraden) und ich dafür immerhin meine Entjungferung hinter mir habe. Das war es mir nicht wert und ist es mir bis heute nicht. Es muss eine emotionale Bindung dabei sein. Für mich, wohlgemerkt - was andere tun, ist deren Sache. Ich bewerte das nicht moralisch.

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Nonkonformist » Donnerstag 20. Juni 2019, 20:13

NBUC hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 20:05
Was ist dann "Anziehung" in diesem Fall?
Die gibt es bei mir in zwei stufen.

1) - Ausreichend interessant/attraktiv um jemanden besser kennen lernen zu wollen.
Meist ist auch diese nicht beim ersten begegnung bereits da.

2) - Das verlangen nach körperliche intimitäten.
Ist erst nach wochen bis monate da.
Nachdem ich mich auf verbal-optische art verliebt habe (Optisch auch sehr im sinne von körpersprache.)

Haptik spielt bei mir beim verlieben keinerlei rolle und ich empfinde sie in einen zu frühen stufe sogar als unangenehm.
Emotionalität und empathie spielen beim verlieben einen viel großeren rolle als trieb.
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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Ferdinand » Donnerstag 20. Juni 2019, 20:29

Captain Unsichtbar hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 20:03
Cornerback hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 19:56
Also ich verstehe Demisexualität nach der obigen Erläuterung als etwas anderes, als bloß mit dem sexuellen Part etwas warten zu wollen. Demisexuelle können keine Anziehung spüren bis Gefühle im Spiel sind. Trotz "normaler" sexueller Anziehung noch etwas warten zu wollen, z.B. um mehr Vertrauen aufzubauen oder einfach, weil man sich bewusst entscheidet mit dem Sex zu warten bis man emotional involviert ist, ist glaube ich etwas anderes und in dem Bezug "normale" Sexualität.
Jap so ist das bei mir, deshalb tu ich mich ja so schwer mit Online-Dating. Ich würd's auch überhaupt nicht nutzen, wenn mein RL mehr hergeben würde.
Richtig, Demisexualität ist keine Frage des "Wollens", sondern des "Könnens" - das empfinde ich auch so, so war die Erklärung definitiv gemeint.

@Captain Unsichtbar: Hast du denn irgendeine Erkenntnis - positiv oder negativ, oder neutral - gewinnen können, was Dating, speziell natürlich auch Online-Dating, und Demisexualität betrifft? Ich stelle mir das extrem schwierig, um nicht zu sagen, schmerzhaft vor und bin auch dementsprechend inaktiv trotz meines Alters.

Ergänzung:
Captain Unsichtbar hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 20:03
Da verstehst du was falsch. Demisexualität hat nichts mit Desinteresse zu tun und schon gar nicht mit Vorsicht. Das ist kein Kopfding sondern mehr eine Sache der fehlenden Anziehung. Der Wunsch nach mehr ist gar nicht vorhanden, wenn nicht mindestens eine gewisse Verliebtheit vorhanden ist. Aber diese Annahme kommt leider sehr oft.
Mir kommt da gerade ein Zusatzgedanke. Eigentlich ist es kein Wunder, dass die meisten Außenstehenden diese Art der sexuellen Empfindung nicht nachvollziehen können. Schließlich ist sexuelle Anziehung - soweit ich das verstehe, mir erzählt man das ja nur - das, was bei vielen Menschen mehr oder auch weniger schnell den Primärausschlag gibt, sich überhaupt auf jemanden einzulassen. Das tiefe Gefühl der Verbundenheit folgt dann - vielleicht - später mal. Wenn nun jemand demisexuelles erklärt, er vermisse diese Anziehung im normalen Leben gar nicht, wird die unausgesprochene Gegenfrage im Geiste der meisten Menschen (auch der User hier, nehme ich mal frech an) lauten:

Tja, was vermisst du denn dann? Wo liegt eigentlich dein Problem?

Offen gestanden, habe ich mich das selber sehr lange gefragt. Über diese Frage bin ich nämlich überhaupt erst darauf gekommen, demisexuell zu sein (ich merke gerade, der inflationäre Gebrauch dieses Begriffs ist wirklich nicht optimal :? ).
Antwort: Ich vermisse einen "Ruhepol" im Leben, eine bestimmte Art von tiefem Vertrautheits- und Sicherheitsgefühl. Eben das, was meist mit Freundschaft anfängt und jenseits einer gewissen Schwelle potentiell mehr sein könnte. Es ist nicht ganz leicht zu greifen.
Witzigerweise liest man hier im Forum aber gar nicht sooooo selten von sehr ähnlichen Wünschen ;) . Klar, die werden gerne als "Hollywood" gebrandmarkt - und das nicht ganz zu Unrecht, leider - aber so ganz allein können Nonkonformist, Captain Unsichtbar und ich eigentlich dann nicht sein. Oder aber, da gibt es eine Dimension, die ich bisher nicht verstehe. Das ist natürlich möglich, um nicht zu sagen, wahrscheinlich. Ich wäre aber neugierig darauf.

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von yes_or_no » Donnerstag 20. Juni 2019, 21:10

Huhuu,
dann bin ich (auf meine Art) wohl beruhigt, dass ihr mir die Diagnose quasi nicht gebt ;)
Ich fühl mich leicht angesprochen und das ist wohl ein Fehler. Manchmal passen Dinge nicht zu mir und ich habe ein anderes Problem, das nicht so schlimm ist wie das, was mir vorgeworfen wird. Mir wurde öfter vorgeworfen von Männern, dass ich eben irgendwie prüde bin und zu vorsichtig und zurückhaltend, daher fühl ich mich, was es das Thema Sexualität angeht, leicht angegriffen und beziehe alles sehr schnell auf mich was in diese Richtung geht.
Danke euch für die Abgrenzung :good:
Ich halte mich hier dann auch raus ;)

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Melli » Donnerstag 20. Juni 2019, 22:50

Ferdinand hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:13
Typische Eigenschaften demisexueller Menschen sind, dass diese sexuelle Anziehung nicht als "Trieb" empfinden, den es zu befriedigen gilt (ähnlich wie Hunger oder Schlaf), sondern dass Sexualität stets an Emotionen, im Idealfall Liebe, gebunden ist. Anderenfalls wird sie als leer oder, häufiger, sogar unangenehm empfunden. Demisexuelle können das oft von Männern (und heutzutage ja auch Frauen) geschilderte Gefühl, völlig fremde Menschen auf der Straße oder in Cafes "heiß" zu finden, nicht nachvollziehen und halten sich bei Gesprächen über Sex und Sexu[a]lität im Allgemeinen häufig zurück, da sie wenig Bezugspunkte zwischen ihren Empfindungen und denen ihrer Mitmenschen finden. Empfinden sie einmal doch starke sexuelle Gefühle, können sie diese schwer einordnen und empfinden sie als dementsprechend unangenehm.
Triebe sähe ich aufgrund leichter psychoanalytischer Verbildung etwas anders :kopfstand:, aber wichtiger ist hier, daß ich mich ganz gut im Griff habe :omg: Liebe und Sex nicht zu trennen wurde mir als Ideal vermittelt, aber ich habe ja nicht hinter dem Mond gelebt 🌕 Aus Gesprächen wurde eher umgekehrt ich herausgehalten, weil die meisten mit mir ohnehin schon nichts anfangen konnten. (Wer von denen würde sich schon von allen ausgerechnet mir anvertraut haben wollen? :roll:)

Ja, also zum Gelegenheitssex mal schnell im Park hinterm Gebüsch zu verschwinden, geht bei mir nicht :ohnmacht:

Es liegt aber bei mir unzweifelhaft zu einem großen Teil an Ängsten, an denen kein Weg vorbei führt. Ich glaube, wenn kritikale Phasen einer psychosexuellen Entwicklung gründlich in den Sand gesetzt sind, dann ist nicht mehr viel zu retten. Natürlich hilft mir hier die erwähnte "emotionale Bindung". Aber meistens war das so, daß ich keine entwickeln konnte (oder niemand eine zu mir), und die unausweichliche Konsequenz war AB. So weit, so trostlos.
Ferdinand hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:13
Das Wichtigste aber, und das wird dabei oft vergessen oder - deutlich schlimmer - kleingeredet: Diese Eigenschaften sind allesamt nicht frei gewählt, sondern angeboren.
Mal kritisch hinterfragt: Wie soll ich das wissen können?

Natürlich steht bei jeder "Orientierung" sofort das politische Schreckgespenst im Raum, wenn etwas nicht angeboren sei, dann könne man es ja ändern, und sei es zwangsweise. Ich verstehe nicht, wie man sich von religiösen Extremisten die "Spielregeln" für solche Diskurse aufnötigen lassen konnte :pfarrer:

In meinem Falle ist dann allerdings klar, daß ich nicht ins demisexuelle Spektrum falle, da eventuell indikative Verhalten erworben (wenn auch bestimmt nicht "frei gewählt") sind. Wobei ich mit erziehungsbedingten Verklemmtheiten Konservatismen kein Problem habe. Mit den Folgen von Traumatisierungen schon.
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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Ferdinand » Freitag 21. Juni 2019, 00:51

Melli hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 22:50
Ferdinand hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juni 2019, 14:13
Das Wichtigste aber, und das wird dabei oft vergessen oder - deutlich schlimmer - kleingeredet: Diese Eigenschaften sind allesamt nicht frei gewählt, sondern angeboren.
Mal kritisch hinterfragt: Wie soll ich das wissen können?

Natürlich steht bei jeder "Orientierung" sofort das politische Schreckgespenst im Raum, wenn etwas nicht angeboren sei, dann könne man es ja ändern, und sei es zwangsweise. Ich verstehe nicht, wie man sich von religiösen Extremisten die "Spielregeln" für solche Diskurse aufnötigen lassen konnte :pfarrer:
Das ist eine sehr intelligente Frage, vielen Dank dafür. Ich glaube aber, dass ich zumindest eine Teilantwort darauf besitze. Im Grunde stellst du ja die klassische "nature or nurture"-Frage zur Debatte, in diesem Fall eben bezogen auf den Aspekt der individuellen Sexualität. Diese Debatte ist heiß umstritten, unterm Strich lässt sich aber, denke ich, festhalten, dass alle sich zwischenzeitlich darin einig sind, dass weder Gene noch Erziehung allein einen Persönlichkeitsfaktor vollständig definieren. Und die menschliche Sexualität ist schlussendlich Teil der Persönlichkeit, auch wenn Manche das nicht zugestehen wollen.
So betrachtet wäre wenigstens ein Teil dieser Eigenschaft, demisexuell zu sein, auf jeden Fall angeboren. Die Frage lautet dann "nur" noch: Wie groß ist dieser ausgeprägt? Und wieviel liegt in biographischen Aspekten begründet? Das kann aber nur jeder für sich selbst wissen. In meinem Fall weiß ich ganz sicher - ich erwähnte es bereits weiter oben - dass ich auch mitten in der Pubertät kein sexuelles Verlangen in dem Sinne verspürte, wie die meisten meiner Klassenkameraden das sehr offensichtlich taten. Okay, ich hatte auch - nicht ganz unüblich hier - eine gewisse "Nerd/Außenseiter-Rolle", was die Sache zweifellos befördert hat. Aber in diese Rolle bin ich quasi hineingewachsen, ein wenig hatte ich die sogar schon in der Grundschule. Das lag an meinen privaten Interessen und meinem ruhigen, introvertierten Charakter begründet. Und vor der Pubertät spielt das ganze Thema ja nun keine unmittelbare Rolle. Mein Elternhaus war, wie erwähnt, ganz sicher nicht das Problem; sexuelle Traumata habe ich auch nicht erlebt - zum Glück.
Ich habe, wie die meisten anderen ABs wohl auch, vor Jahren, als mir das Problem erstmals bewusst wurde, sehr viel Selbstreflexion betrieben bezogen auf die "Einstiegsfrage": Was ist in deinem Leben anders gelaufen, als in dem von 99% der restlichen Bevölkerung? Das wollte ich zuerst wissen (dürfte fast jeder hier nachvollziehen können). Antwort: Nicht viel, ich war "nur" in der Schule eher Außenseiter (ohne gemobbt zu werden) und hatte allgemein sehr wenig Kontaktmöglichkeiten zu Frauen in meinem Leben. Ich nehme daher ganz stark an, dass diese mangelnde sexuelle Anziehung bei mir normal ist. Dass ich meine Sexualität nicht mit vollem Potential lebe, ist offenkundig: Dann wäre ich nicht HC-AB und würde in dieses Forum posten. Dennoch, die "Grundmelodie" dürfte stimmen ;) .

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Re: Demisexualität - stark unterschätzt?

Beitrag von Melli » Freitag 21. Juni 2019, 08:45

Ferdinand hat geschrieben:
Freitag 21. Juni 2019, 00:51
Im Grunde stellst du ja die klassische "nature or nurture"-Frage zur Debatte, in diesem Fall eben bezogen auf den Aspekt der individuellen Sexualität. Diese Debatte ist heiß umstritten, unterm Strich lässt sich aber, denke ich, festhalten, dass alle sich zwischenzeitlich darin einig sind, dass weder Gene noch Erziehung allein einen Persönlichkeitsfaktor vollständig definieren. Und die menschliche Sexualität ist schlussendlich Teil der Persönlichkeit, auch wenn Manche das nicht zugestehen wollen.
Ich hatte schon seit über 20 Jahren denken wollen, für Nature/Nurture sei man in der Sexualmedizin zu dem salomonischen Schluß gekommen, ersteres bilde den Rahmen für letzteres.

Aber wäre nicht das erste Mal, daß sich Ideen hartnäckig halten, wenn sie erstmal in die Welt getreten sind.

Persönlichkeit ist ein weiteres Konzept, das mir Schwierigkeiten bereitet, aber nehme ich es mal in einem ganz alltägliche Sinne, dann fände ich es bestimmt nicht belustigend, wenn mir jemand meine Sexualität absprechen wollte.
Ferdinand hat geschrieben:
Freitag 21. Juni 2019, 00:51
In meinem Fall weiß ich ganz sicher - ich erwähnte es bereits weiter oben - dass ich auch mitten in der Pubertät kein sexuelles Verlangen in dem Sinne verspürte, wie die meisten meiner Klassenkameraden das sehr offensichtlich taten. Okay, ich hatte auch - nicht ganz unüblich hier - eine gewisse "Nerd/Außenseiter-Rolle", was die Sache zweifellos befördert hat. Aber in diese Rolle bin ich quasi hineingewachsen, ein wenig hatte ich die sogar schon in der Grundschule. Das lag an meinen privaten Interessen und meinem ruhigen, introvertierten Charakter begründet. Und vor der Pubertät spielt das ganze Thema ja nun keine unmittelbare Rolle.
Ist doch klar :oops: Einen Charakter hat man schon lange vor der Pubertät, und ich habe darüberhinaus sogar so meine Zweifel, ob tatsächlich so viel, wie das so lustig heißt, "der Latenz verfällt". Es ist nur schwer zu erklären, weil selbst späte kindliche (und frühe pubertäre) Erlebensweisen für einem als Erwachsenen nur noch schwer nachzuvollziehen sind.
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