Pflege von Angehörigen

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Lilia
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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Lilia » Mittwoch 10. Juli 2019, 13:33

Swenja hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 12:17
... und ich bin dankbar, daß ich ihr ihre letzten wünsche erfüllen konnte, daß ich die möglichkeit hatte, mein versprechen einzulösen.
Ich denke, das ist die eigentliche Belohnung, dass man damit leben kann, wie man mit der Pflegebedürftigkeit der Angehörigen umgegangen ist.
Ich habe damals meine Oma aus dem Altersheim geholt - gegen den Willen meiner Eltern. Meiner Oma war von einer Kurzzeitpflege im Altersheim unter dubiosen Umständen als Notfall ins Krankenhaus gekommen, von dort aus wieder ins selbe Altersheim in eine dauerhafte Pflege. Ich ging jeden Tag hin und bekam mit, dass sie nicht ausreichend zu trinken bekam und infolgedessen völlig verwirrt war - vielleicht waren es auch irgendwelche Medikamente, die das noch verstärkten. Irgendwann entdeckte ich ein Präperat namens Dipiperon, das versehentlich auf ihrem Nachttisch vergessen wurde, angeblich bekam es die Zimmernachbarin. Nach einem Besuch bei einem externen Arzt riet der mir, sie schnellstmöglich aus dem Heim zu holen, weil sie in einem gesundheitlich sehr, sehr schlechten Zustand war. Der für das Altersheim standartmäßig gerufene Arzt hatte das wohl nicht wahrgenommen - oder sie nie zu Gesicht bekommen.
Sie ist bei mir zu Hause gestorben - Jahre später, beim Lesen eines Buches. Auch ich durfte sie nach ihrem Tod waschen und anziehen, was für mich ein sehr intensiver, aber auch sehr guter Abschied von ihr war. Wieder Jahre später gab es einen Prozess gegen Pflegepersonal der Einrichtung, der mit mehreren Verurteilungen endete. Heute bin ich sehr froh, dass ich damals mit meiner Oma den Arzt aufgesucht und seinen Rat befolgt habe. Aber es hat auch viel Verzicht bedeutet, gerade was Familie und Beziehung angeht. Ich denke, es muss jeder selbst entscheiden, was das Richtige für ihn ist.

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Tania
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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Tania » Mittwoch 10. Juli 2019, 14:03

Wenn ich solche Geschichten wie von Swenja lese, wird mir auch echt warm ums Herz. Unter solchen Gegebenheiten würde ich die Pflege meiner Eltern liebend gern übernehmen. Meine Pflegeerlebnisse aus zweiter Reihe (meine selbst nicht wirklich gesunde Mutter hat Oma gepflegt, ich hab nur meiner Mutter den Rücken freigehalten und seelische Unterstützung geleistet) waren leider etwas unschöner. Oma wurde mit 88 pflegebedürftig. Sie wohnte da schon in der Seniorenresidenz, wo sie nach Opas Tod (den hat meine Mutter auch gepflegt, nur 6 Monate, aber dafür intensivst) hingezogen ist. Anfangs waren es nur 2 Besuche die Woche. Meine Eltern wohnen auf dem Land, bis zu Oma fährt man 30min, und da Mutter keinen Führerschein hat, mussten beide los. Da wurde die Hausarbeit erledigt, vorgekochtes Essen in den Kühlschrank gestellt, Haare gewaschen und nett geplaudert. Der Pflegedienst kam zusätzlich täglich zum Anziehen und Medikamente geben. Mit der Zeit wurde es schlimmer. Sowohl gesundheitlich (am Ende hatte sie Stufe 4 und lag nur noch im Bett), als auch menschlich. Mein Vater ist ab einem Punkt nur noch spazieren gegangen, weil sie ihn immer wieder angegiftet hat, und er meiner Mutter ersparen wollte, zwischen die Fronten zu kommen. Trotzdem kam meine Mutter oft genug von den (inzwischen 4 mal wöchentlich) stattfindenden Omatagen heulend zurück, weil Oma in ihrer Vergesslichkeit heftige Diskussionen zum Thema "nein, Onkel Ernst ist vor Tante Greta gestorben" oder "Du hast die Fenster letzte Woche nicht geputzt" angezettelt hat. Oder ihr vorgeworfen hat, dass sie bei ihrem Mann wohnen bleibt, statt zu ihr zu ziehen. Oder dass sie Opa nicht gut genug gepflegt hat, so dass sie jetzt eine einsame Witwe ist. Zwischendurch gab es immer wieder auch gute, liebevolle Phasen ... und ab und zu war sie auch einverstanden, ins Heim zu gehen oder zu meinen Eltern zu ziehen. Also wurden alle Vorbereitungen getroffen ... und bei Vertragsunterschrift gab es ein riesiges Drama und sie konnte die Wohnung dann doch nicht aufgeben.

Das Ganze zog sich über 8 Jahre. Am Ende ist meine Oma friedlich im eigenen Bett eingeschlafen - und meine Mutter kam nach Hause und ließ uns versprechen, sie und Papa ins Heim zu geben. Was ich, wenn es mal so weit ist, trotzdem als allerletzte Option sehen würde ...

Warum sie die Pflege trotzdem übernommen hat? Liebe, Dankbarkeit und Pflichtgefühl. Und Selbstschutz - denn die Alternative - Oma entmündigen und gegen ihren Willen im Heim unterbringen - wäre für sie in diesem Moment schlimmer gewesen.

Meine Oma hat übrigens auch noch 2 gesunde, kräftige Söhne .... Denen hat sie nie vorgeworfen, dass sie nur ungefähr einmal im Monat zu Besuch kamen. Einer wohnte 10 Minuten entfernt ...

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Brax » Mittwoch 10. Juli 2019, 14:34

Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 14:03
Meine Oma hat übrigens auch noch 2 gesunde, kräftige Söhne .... Denen hat sie nie vorgeworfen, dass sie nur ungefähr einmal im Monat zu Besuch kamen. Einer wohnte 10 Minuten entfernt ...
:roll: :roll: :roll:

Ich kenne eine Frau, die ins Ausland gezogen ist, mehrere Flugstunden weg. Als ihre Mutter pflegebedürftig wurde, hat sie all ihren Urlaub für verlängerte Wochenenden genutzt, um herzufliegen und nach ihr zu sehen. Ihr Bruder hat freilich weiterhin in derselben Stadt gewohnt wie die Eltern... sich aber nicht gekümmert. :roll:

Man könnte Angehörige auch viel leichter zu Hause pflegen, wenn jeder ein bisschen mit anpacken würde...

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Tania » Mittwoch 10. Juli 2019, 14:47

Brax hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 14:34

Man könnte Angehörige auch viel leichter zu Hause pflegen, wenn jeder ein bisschen mit anpacken würde...
Ich hoffe ja, dass der Deal mit meiner Schwester klappt. Meine Eltern haben mit knapp Ü50 zwei Reihenhäuser gebaut, in einem davon wohnt sie mietfrei. Inzwischen haben sie ihr das gesamte Anwesen auch überschrieben. Dafür soll sie sich dann später kümmern.

Nur hat sie inzwischen (was damals nicht absehbar war) Mann und Kind. Und wenn die Veto einlegen, oder wenn meine Eltern täglich in die Klinik müssen (vom Dorf aus etwas unpraktisch ist), bin ich halt wieder gefragt. Und wenn echte Pflege ansteht (also Bettlägerigkeit mit "alle 2h wenden"), ist das für sie auch nicht mehr zu leisten. Sie ist ja von 8-16:00 Uhr im Job.

Dass wir beide uns das teilen ist unmöglich. Zwischen uns liegt ne Stunde Autofahrt.

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Montecristo » Mittwoch 10. Juli 2019, 16:36

knopper hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 10:41
wenn überhaupt.... also mit meinen Jahren die mir da fehlen (Dauerstudent) komme ichbestimmt nicht mehr auf über 1000...es sei denn ich arbeite bis 75. Das Rentensystem ist eben nicht dafür gemacht erst mit 30 anfangen zu arbeiten.... das holt man nie mehr auf.
In dieser Verallgemeinerung ist das natürlich Quark. Beispielhaft: Ich habe in 20 Jahren mehr Ansprüche erworben als meine Frau je zusammenkriegen wird. Und die hat mit 17 angefangen zu arbeiten. (Kaufmännische Angestellte.)

Dauerstudent war ich natürlich nie... Aus meiner Erfahrung: Drama beenden. Einfach was anderes machen.
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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Montecristo » Mittwoch 10. Juli 2019, 16:40

Montecristo hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 16:36
knopper hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 10:41
wenn überhaupt.... also mit meinen Jahren die mir da fehlen (Dauerstudent) komme ichbestimmt nicht mehr auf über 1000...es sei denn ich arbeite bis 75. Das Rentensystem ist eben nicht dafür gemacht erst mit 30 anfangen zu arbeiten.... das holt man nie mehr auf.
In dieser Verallgemeinerung ist das natürlich Quark. Beispielhaft: Ich habe in 20 Jahren mehr Ansprüche (Rente, Riester, betriebliche AV) erworben als meine Frau je zusammenkriegen wird. Und die hat mit 17 angefangen zu arbeiten. (Kaufmännische Angestellte.)

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von knopper » Mittwoch 10. Juli 2019, 16:52

Montecristo hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 16:36

Dauerstudent war ich natürlich nie... Aus meiner Erfahrung: Drama beenden. Einfach was anderes machen.
ja...hab ich dann ja auch gemacht. Hätte gern 5 Jahre eher sein können, aber besser zu spät als nie...

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Lilia » Mittwoch 10. Juli 2019, 17:38

Brax hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 14:34
Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 14:03
Meine Oma hat übrigens auch noch 2 gesunde, kräftige Söhne .... Denen hat sie nie vorgeworfen, dass sie nur ungefähr einmal im Monat zu Besuch kamen. Einer wohnte 10 Minuten entfernt ...
:roll: :roll: :roll:

Ich kenne eine Frau, die ins Ausland gezogen ist, mehrere Flugstunden weg. Als ihre Mutter pflegebedürftig wurde, hat sie all ihren Urlaub für verlängerte Wochenenden genutzt, um herzufliegen und nach ihr zu sehen. Ihr Bruder hat freilich weiterhin in derselben Stadt gewohnt wie die Eltern... sich aber nicht gekümmert. :roll:

Man könnte Angehörige auch viel leichter zu Hause pflegen, wenn jeder ein bisschen mit anpacken würde...
Das kenne ich auch. Ich musste hin und zurück über zwei Stunden fahren, um ins Pflegeheim oder vorher zu meiner Oma nach Hause zu kommen, meine Schwester war beruflich im gleichen Ort unterwegs und wohnte im Nachbarort und tat nichts. Ich habe vor der Kurzzeitpflege auch eine häusliche Pflege vorgeschlagen. Platz genug zur Unterbringung einer Pflegerin war ja, Geld genug gab es in der Familie auch, um das zu finanzieren. Es war der Familie zu teuer (1200 €/Monat - Pflegeheim wurde vom Staat übernommen, da meine Oma die Häuser hatte vor Jahrzehnten an ihr Kind hatte überschreiben lassen).
Dass meine Schwester nicht mit anpackte, wurde seitens meiner Eltern damit entschuldigt, dass sie keinen Mann habe und arbeiten müsse. Klar - das tat sie rund um die Uhr, im Urlaub und an Wochenenden wurde sie auf der Arbeit vermutlich eingesperrt. Ich dagegen konnte ja zuhause bleiben, wofür sind Partner ja sonst da, als die Frau auszuhalten? Ich bin schlussendlich trotzdem arbeiten gegangen als meine Oma wieder stundenweise alleine bleiben konnte. Weniger Geld, Doppelbelastung, von den Karrierechancen ganz zu schweigen und dann auch noch dumme Sprüche von der Verwandtschaft, weil ich arbeiten gegangen bin, ohne zu wissen, wie es meiner Oma geht oder nachzufragen, ob Kosten entstanden sind, die nicht von der Pflegekasse übernommen werden (Verbandsmaterial, Therapien, Massage, Fußpflege, etc).
Im Prinzip müsste es eine Art Ausgleichzahlung zwischen den Verwandten geben. Wer nicht pflegt, muss einen finanziellen Ausgleich an die Person zahlen, die pflegt, denn Pflege bedeutet immer auch ein finanzielles Opfer neben den Pflegekosten. So aber lohnt es sich finanziell, nicht zu pflegen.

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von LonesomeCoder » Mittwoch 10. Juli 2019, 21:06

inVinoVeritas hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 11:55
Onkel ABobert hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 11:26
Erster Schritt: Problem erkennen, das hast du bereits hinter dir.
Zweiter Schritt: Entscheiden, ob du eine Änderung versuchen willst oder die Situation akzeptierst --> du willst dich ändern.
Dritter Schritt: Änderung versuchen. Dann aber auch wirklich, und nicht "nächstes Jahr". An dieser Stelle stehst du jetzt.
Vierter Schritt: Nach angemessener Zeit beurteilen, ob man die Veränderung wirklich versucht hat, ob man sich dabei wohl gefühlt hat oder nicht und letztendlich, ob man Erfolge vorweisen kann. Auch kleine.
--> und dann erneut entscheiden, ob man den Weg der Veränderung weiter gehen will (z. B. weil es kleine Erfolge gab und diesbezüglich positiv in die Zukunft sieht) oder ob man den Weg der Veränderung aufgibt (weil man sich nicht wohl dabei fühlt, weil es völlig erfolglos geblieben ist usw.), in letzterem Fall dann aber irgendwann auch mal akzeptieren, daß man ist wie man ist.
Kann ich nur unterschreiben, das hast du gut in Worte gefasst! :daumen:
Ich propagiere das selbe, aber da ich erst kürzlich von knopper (sehr überraschend, deshalb werde ich mir - wohl in seinem Sinne - auch keine Mühe mehr machen ihm etwas zu schreiben) und einem anderem User (bei ihm nicht überraschend :lol:) als "Elendstourist mit fehlentwickeltem Charakter" verunglimpft wurde, fällt so ein Ratschlag von dir als AB kommend vielleicht eher auf fruchtbaren Boden.

Ein Lob auch zu der reflektierten Art mit der du deine persönlichen Entscheidungen begründest (du scheinst sehr glaubwürdig deinen Frieden damit gemacht zu haben), das gefällt mir!
Fälle mit unlösbaren Problemen, weil unveränderbaren Ursachen gibt's aber auch hin und wieder.

Zwei meiner Großeltern starben plötzlich. Die anderen beiden waren Pflegefälle. Meine Mutter pflegte ihre Mutter 8 Jahre täglich, die letzten 4 Jahre fast den ganzen Tag. Ging, weil sie in der Nähe wohnte und Mutter als Hausfrau keinen Job hatte sowie ich damals schon alt genug war. Beim Großvater machte mein Vater mit meinen Onkel, der im selben Haus wie Großvater wohnte, einen Deal: alleine pflegen, alleine Haus bekommen. Onkel schob Opa in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ins Heim ab. Der Opa verlor dort den Willen zum Leben und starb bald. Das Haus behielt er trotzdem alleine, gab nie was schriftliches. Seitdem reden mein Vater und Onkel kein Wort mehr miteinander.
Warnung vor Pickup: https://www.abtreff.de/viewtopic.php?p=1062199#p1062199
Wissenschaftliches Standardwerk über (männliches) AB-tum: https://www.springer.com/de/book/9783658059231
Geschlechtsspezifische Partnerwahl und Sexualitätsmerkmale: https://d-nb.info/1037687477/34

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von LonesomeCoder » Mittwoch 10. Juli 2019, 21:07

ogor hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 13:32
Ich hoffe inständig, dass der Faktor "Finanzen" auch in Zukunft kein ausreichender Grund sein wird, einen Menschen das Leben zu nehmen bzw. ihn dahingehend aktiv zu unterstützen.

Der Wert eines Lebens darf niemals davon abhängen, wie finanziell teuer es ist. Soviel Menschsein sollten wir uns noch bewahren.
+1
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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von peter456 » Mittwoch 10. Juli 2019, 22:16

Lilia hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 13:33
[...]
Irgendwann entdeckte ich ein Präperat namens Dipiperon, das versehentlich auf ihrem Nachttisch vergessen wurde, angeblich bekam es die Zimmernachbarin. [...]
Das ist nicht ungewöhnlich. Pipamperon wird im Pflegeheim sehr gerne älteren Leuten gegeben, ob notwendig oder nicht, dann werden sie nämlich sehr ruhig.

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Tania » Mittwoch 10. Juli 2019, 22:35

ogor hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 13:32
Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 12:46
Ich hoffe inständig, dass es bald möglich ist, sich vom Arzt legal ablebenssichernde Medikamente verschreiben zu lassen. Wäre mir deutlich lieber als irgendwo im Bett zu liegen und meinen Kindern zur Last zu fallen oder zuzusehen, wie alles, was ich aufgebaut habe, für meine Pflege draufgeht.
Ich hoffe inständig, dass der Faktor "Finanzen" auch in Zukunft kein ausreichender Grund sein wird, einen Menschen das Leben zu nehmen bzw. ihn dahingehend aktiv zu unterstützen.

Der Wert eines Lebens darf niemals davon abhängen, wie finanziell teuer es ist. Soviel Menschsein sollten wir uns noch bewahren.
Wie gesagt ... meine Motivation wäre die dauerhafte Bettlägerigkeit, nicht die Pflegekosten. So möchte ich nicht leben ... bzw. dahinvegetieren. Nicht mal kostenlos, und schon gar nicht für 4000 EUR monatlich. Da wäre mir ein selbstbestimmtes, schmerzfreies und sicheres Ende deutlich lieber. Aber nach aktueller Lage würden mich nicht vorhandene Finanzen daran hindern, dabei menschenwürdige Hilfe zu bekommen. Wenn ich die paar Tausend Euro für ne Sterbehilfeorganisation nicht habe, und zu krank bin, um auf eine ausreichend hohe Brücke zu klettern, kann ich nur noch verhungern oder verdursten. Tolle Aussichten.

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Melli » Donnerstag 11. Juli 2019, 06:09

Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 12:46
Ich hoffe inständig, dass es bald möglich ist, sich vom Arzt legal ablebenssichernde Medikamente verschreiben zu lassen.
Eigentlich wäre Euthanasie bzw. Selbstmord (einschl. "assisted suicide") das nächste Thema, das einen ganzen Thread für sich einnehmen könnte (aber besser im gefährlichen Bereich... Was ich dazu zu sagen hätte, würde sicherlich manche arg belasten.) :(

Nur soviel hier: Wenn ich daran denke, daß es dann immer noch ein Arzt ist, der darüber entscheidet, mit welchen Beeinträchtigungen ich gefälligst zu leben habe, vs. unter welchen Umständen ich endlich mal gehen "darf", dann rebelliert mal wieder alles in mir gegen dieses Medizinsystem.
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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Kathy » Donnerstag 11. Juli 2019, 06:43

Swenja hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 12:17
sie starb mit 96 jahren und ich bin dankbar, daß ich ihr ihre letzten wünsche erfüllen konnte, daß ich die möglichkeit hatte, mein versprechen einzulösen. da geht es mir halt wie Kathy - auch, wenn ihr "job" mit ihrer omi härter war, das so durchzuhalten - dafür meine hochachtung.
Oh Mist, ich sitze gerade auf Arbeit und habe Tränen in den Augen, weil ich die Situation so gut nachempfinden konnte. Was du getan hast, verdient auch absoluten Respekt.

Ich habe es ja im Endeffekt auch freiwillig gemacht, eben weil ich meiner Oma auch etwas zurück geben wollte und anfangs war es auch eine wirklich tolle Zeit. Leider hat dann zum Ende hin die Altersdemenz eingesetzt und ich versuche mir jetzt immer vor Augen zu halten, dass sie in der Zeit einfach nicht sie selbst war.

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Kathy » Donnerstag 11. Juli 2019, 06:47

Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 14:03
Meine Oma hat übrigens auch noch 2 gesunde, kräftige Söhne .... Denen hat sie nie vorgeworfen, dass sie nur ungefähr einmal im Monat zu Besuch kamen. Einer wohnte 10 Minuten entfernt ...
Das Problem kenne ich. Auch mein Onkel hat nur ein paar Meter entfernt gewohnt, hat es aber nur einmal in der Woche zu meiner Oma geschafft und ihr mal ein Stück Kuchen vorbeigebracht. Bei der Beerdigung wurde dann seine "aufopferungsvolle Pflege" angesprochen. Ich wäre am liebsten aufgestanden und gegangen...

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Montecristo » Donnerstag 11. Juli 2019, 16:16

Kathy hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 06:47
Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 14:03
Meine Oma hat übrigens auch noch 2 gesunde, kräftige Söhne .... Denen hat sie nie vorgeworfen, dass sie nur ungefähr einmal im Monat zu Besuch kamen. Einer wohnte 10 Minuten entfernt ...
Das Problem kenne ich. Auch mein Onkel hat nur ein paar Meter entfernt gewohnt, hat es aber nur einmal in der Woche zu meiner Oma geschafft und ihr mal ein Stück Kuchen vorbeigebracht. Bei der Beerdigung wurde dann seine "aufopferungsvolle Pflege" angesprochen. Ich wäre am liebsten aufgestanden und gegangen...
Das Problem kenne ich auch. Bei der Pflege meiner Schwiegeroma waren von 4 Enkeln, 3 nicht involviert. Die Herren hielten sich das zum Teil sogar zu Gute, weil die Oma "nicht immer nett gewesen war"... Geerbt haben das sprichwörtliche "klein Häuschen" trotzdem. (Die Cousins erben aufgrund des Todes ihrer Mutter direkt.) Geschmissen hat den LAden meine Frau. Die glücklicherweise auch noch einen tatkräftigen Mann an ihrer Seite wusste. Meine Schwiegermutter steht kurz vor der Rente. Der Lebensgefährte ist noch älter und eher selbst Pflegefall.

UND WIR SIND TATSÄCHLICH GEGANGEN: Beerdigung haben wir für uns abgehalten. Wir haben Ballons am Grab steigen lassen und waren dann ein Eis an Omas Lieblingslocation essen. Außer uns hat sich niemand mehr den Rollstuhl geschnappt.

Sollen die an ihrer Kohle verrecken...
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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Lilia » Donnerstag 11. Juli 2019, 19:16

Hab ich gerade in der U-Bahn gelesen und dachte mir, es passt gut gut in den Thread (will ihn aber nicht damit kapern):
Sohn lebt fast ein Jahr neben seiner toten Mutter

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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Versingled » Donnerstag 11. Juli 2019, 19:53

Melli hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 06:09
Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 12:46
Ich hoffe inständig, dass es bald möglich ist, sich vom Arzt legal ablebenssichernde Medikamente verschreiben zu lassen.
Eigentlich wäre Euthanasie bzw. Selbstmord (einschl. "assisted suicide") das nächste Thema, das einen ganzen Thread für sich einnehmen könnte (aber besser im gefährlichen Bereich... Was ich dazu zu sagen hätte, würde sicherlich manche arg belasten.) :(
Mich nicht. Ich habe in der Vergangenheit Dinge getan und gesagt, die bei dem Thema gesellschaftlich unerwünscht sind. Mir war's egal, denn es ging da schon darum, wie es mir geht und nicht darum was die Anderen so denken. Daran zerbrechen wollte ich auf keinen Fall ...
In Gedenken an all das Leben, das heute zu Ende ging. Es ist ein unwiederbringlicher Verlust ... :sadman:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

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Re: Pflege von Angehörigen

Beitrag von Melli » Donnerstag 11. Juli 2019, 20:14

Kathy hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 06:47
Ich wäre am liebsten aufgestanden und gegangen...
Habe ich auch schon gehört, daß bei einer Trauerfeier so unverschämt gelogen wurde, daß es der Betreffenden leid tat, da überhaupt hingefahren zu sein (lag immerhin nicht gerade um die Ecke).

Wenn ich mein Kopfkinoschwein füttere und mir ausmale, was mir dereinst bei zwei Trauerfeiern blühen könnte, dann bin ich froh, daß die so weit weg stattfinden werden, daß man kaum von mir erwarten kann, dafür anzureisen :(
Versingled hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 19:53
gesellschaftlich unerwünscht
Ja genau, darum geht es meistens nur :(
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Re: "noch zu Hause wohnen" - wirklich ein KO-Kriterium?

Beitrag von Mit müden Augen » Donnerstag 11. Juli 2019, 20:23

ogor hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 13:32
Tania hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 12:46
Ich hoffe inständig, dass es bald möglich ist, sich vom Arzt legal ablebenssichernde Medikamente verschreiben zu lassen. Wäre mir deutlich lieber als irgendwo im Bett zu liegen und meinen Kindern zur Last zu fallen oder zuzusehen, wie alles, was ich aufgebaut habe, für meine Pflege draufgeht.
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Der Wert eines Lebens darf niemals davon abhängen, wie finanziell teuer es ist. Soviel Menschsein sollten wir uns noch bewahren.
Richtig. Wird aber in Zukunft noch weniger so sein wie jetzt. Ich war schockiert als ich erfuhr wie wenig Rechte/Anspruch auf Hilfe ein alter Mensch der alleine nicht mehr klarkommt hat - außer er legt ein paar tausend(?) Euro monatlich hin und geht in den Privatsektor. Da geht bestimmt alles.

Zum Thema "besser direkt schlussmachen": Es ist ja aktuell nicht so dass man, wenn man noch halbwegs fitt ist, nicht Schluss machen könnte, aber es ist nicht sehr "elegant" und sorgt sicher auch nicht für Begeisterung bei Polizei und Feuerwehr die später die zertrümmerten Leichenteile unter der Brücke wegräumen müssen (sorry fürs Kopfkino). Mit "sicheren" Medikamenten oder anderen Methoden wird es da schon schwierig. Aber wenn man richtig sucht findet man auch. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Ich habe mir zuletzt gestern 2h Gedanken über dieses Thema gemacht. Ist ja nicht so dass ich mich damit nicht schon beschäftigt hätte. Ich bin schlussendlich auch nur eine Last für die Gesellschaft.
Mein Leben ist die Hölle.
sei still und leide

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