Unveröffentlichter Roman

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Settembrini
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Unveröffentlichter Roman

Beitrag #1 » von Settembrini »

Der gesamte Roman, den ich niemals veröffentlicht habe, zählt einige hundert Seiten. Heute würde ich ihn in dieser Form vermutlich auch nicht mehr verfassen. Zumal sich auch einige historische Fehler eingeschlichen haben. Das Manuskript zu diesem Roman habe ich bereits im Jahr 1986 geschrieben.
Hier ein kleines Stück daraus, um gleiche Probleme unterschieldicher Generationen zu offenbaren:

Der erste Teil dient einer Einführung, um die Zeitgeschehnisse zu beschreiben und den Protagonisten ein wenig kennenzulernen.

Thema für dieses Forum ist vor allem der zweite Teil. Es ist meine ureigenste Darstellung des Schicksals von Menschen, die alleine bleiben, auch in der Historie. Denn das Alleinsein ist kein Phänomken heutiger Zeiten.


London im Jahr 1726.

Ungezählte Gaukler, Huren, Arbeiter, halbnackte Kinder, Betrüger und Dienstmägde lebten in brüchigen Bretterverschlägen, in Schlammlöchern und Unrat. Die Themse floss gemächlich, stank vor Unrat und Fäulnis und diente als Waschzuber, Trinkwasserbehälter und Klosett.
Fern dieser Elendsquartiere residierte Georg II, seines Zeichens königliche Majestät von England und von seinen Kolonien. Georg II hatte kein Interesse an den Zuständen in den Slums. Er hätte auch wohl nicht viel an den Zuständen wirklich ändern können. Es hat schlimmere, grausamere Könige in der Geschichte gegeben, aber Georg II hatte es nie anders erlebt. Vom Geblüt her adelig, war ihm Reiterei, Degen, Florett, Manieren und Weltkunde vermittelt worden. Ein recht eintöniges Leben. Es gab genug Menschen in den Slums, die in dieser Frage - hätten sie es nur gewusst – nicht mit ihrem König hätten tauschen mögen.
England war das mächtigste Reich der Erde und sollte es noch weitere 200 Jahre bleiben, bis es das Zepter der Weltmacht an die neuen Länder jenseits des Atlantiks abgab. 1726 hatte England unzählige Kolonien in Indien, im Pazifischen Ozean, in Afrika oder in jenem neuen Land, das zu seinem Erben werden sollte. Alle diese Kolonien waren in Jahrhunderten durch Mord, Kriege, Überfälle und Diebstahl ergaunert worden. Dabei waren hunderttausende Menschen getötet worden und sollten noch weitere hunderttausende von Menschen sterben, dabei waren unzählige versklavt und verschleppt worden.
Georg II bekam von all dem ziemlich wenig mit. Ebenso wenig erfuhr er von den Fischmärkten, den Hafendocks, der Hurerei, den Handwerkern, den Gassenjungen, und selbst vom vielen Regenwetter des Landes bekam der König nur dann etwas mit, wenn er auszureiten gedachte oder Militärparaden abnahm und das Wasser über seine Uniform tropfte.
Die Gouverneure der weit verstreuten Kolonien waren wohl ausgesucht worden und treue Herrenmenschen im Umgang mit den eigentlichen Einwohnern dieser Länder. Die Schreie der elenden, hungrigen Kinder hörten sie in ihrem Schlummer ebenso wenig wie das Gestöhne der Männer und Frauen, die unter den unmenschlichsten Bedingungen Sklavenarbeiten verrichteten. Gouverneure und König Georg II hatten keine Zeit für Einzelschicksale. Sie haderten höchstens über tröpfelnd verkleckerten Imkerhonig…
Während sich die großen Königshäuser Europas in übervollem Wohlstand badeten, durch Gelder finanziert, dass sie den Völkern genommen, versank die Welt in Elend. 63 Jahre sollte es noch dauern, ein ganzes Menschenleben lang, bis in Frankreich die ersten Menschen den dort regierenden König Louis XVI zur Guillotine führten.
Durch die „Petition of Rights“ und die „Bill of Rights“ erschaffen herrschte in England eine parlamentarische Demokratie. Was aber hatten die Armen, die Menschen an der Themse, in den Bretterverschlägen und in den Kolonien von dieser Regelung? Sie ahnten es nicht.

1726, in dem Jahr, in dem diese Erzählung beginnt, lebten in London-Westminster der Sattlermeister Peter Welsey und seine Frau Maura im Haus eines Hinterhofes in der Leicesterstreet nahe der Themse. Maura Welsey, eine schlichte Schönheit, graziös, dunkel und hart arbeitend, hatte griechische Eltern und war in den Unruhen der islamischen Kriege und Streitigkeiten, die sich bald über den gesamten Balkan zogen, nach England gekommen, als sie drei Jahre alt gewesen war.
Peter Welsey war ein grober Mann, breit gebaut mit mächtigem Schädel auf dem stierähnlichen Hals und mit dunklem, vollem Haar. Seine Hände, groß wie Brattiegel, zeugten von der ungeheuren Kraft, derer er fähig war. Wobei Peter Welsey alles andere als brutal war, sondern Frieden und Ruhe liebte, etwas, was ja gemeinhin genau solchen Menschentypen nachgesagt wird, wie er einer war. Er konnte keiner Fliege etwas zuleide tun und liebte seine hübsche Frau über alles.
Die Sattlerei Peter Welseys lag versteckt, und man musste etwas suchen, ehe man den Kiesweg fand, der in den Hof führte. Das Haus der Familie war rot gemauert, mit einer hölzernen Toreinfahrt. Rechts und links säumten bunte, geschmackvoll angelegte Blumenrabatten und rankende Kletterrosen den Weg. Zur Sattlerei gehörten eine Werkstatt, das Wohnhaus der Welseys und ein kleines Nebengebäude, in dem der Stallknecht Johnson und Margared, die Magd, je eine kleine Stube bewohnten. Dem Besucher bot sich somit ein heimisch wirkendes Bild, eine gemütliche Szene und ein gepflegtes kleines Reich. Die Familie Welsey war nicht reich im eigentlichen Sinne, aber sie gehörte gewiss auch nicht zu den Elenden Gassenleuten und den Bettlern. Es ging ihnen – einfach ausgedrückt – gut!
Maura Welsey hatte ihrem Mann eine Tochter geschenkt. Vor 22 Jahren. 22 lange Jahre hatte es im Hause schon keinen weiteren Nachwuchs mehr gegeben. Und still ward es in den Räumen der Sattlerei, kein Kinderlachen durchzog sie, und Peter Welsey und Maura Welsey beteten so sehr um die Gnade des Allmächtigen, ihnen ein zweites Kind zu gewähren, ehe alles zu Ende wäre. Zumal ihre erwachsene Tochter sich vor zwei Jahren in einen indischen Händler verliebt hatte, der sie als Durchreisender ganz einfach an der Hand und mit in seine Heimat genommen hatte.
Nicht, dass ihre Tochter diesen Schritt ohne den Segen ihrer Eltern unternommen hatte, aber seither wechselten nur Briefe zwischen Peter und Maura Welsey und ihrer Maria, ihrem einzigen Kind, 22 Jahre alt.
Die Sattlerei benötigte zudem einen Erben. Nicht nur um die Sehnsucht nach Kinderlachen und Geschrei ging es, sondern zudem um die Wahrung des Familiensitzstandes.
Peter Welsey war 52 Jahre alt geworden. Und eines Tages, erhörte Gott ihre gemeinsamen Gebete und ließ in einer fleischeslustigen Liebesnacht dem Glück Wahrheit eingeben: Maura wurde schwanger!
Am 24. Juli 1726 ließ Peter Welsey folgende Karte drucken und an alle Freunde und Verwandte absenden, die es gab:

„Mr. Peter Welsey. Sattlermeister, und Maura Welsey, sein Weibe, aus Westminster / London, geben hiermit in vollendeter Glückseligkeit die Geburt ihres Sohnes
Elias Welsey

bekannt!
Leicesterstreet, anno domini 1726.“


Aber das Schicksal mochte den guten Sattlermeister nicht so sehr, wie es wohl gerecht gewesen wäre. Zum ersten war er zu vorschnell mit der Bekanntgabe: Denn der Kirchendiener der allein selig machenden heiligen Kirche verhörte sich bei der Namensnennung und den Wünschen der Eltern und schrieb statt Elias den Namen Elian ins Kirchenbuch. Zeit seines Lebens hatte das kleine menschliche Wesen also unter dieser Fälschung zu leiden! Peter Welsey ließ eine zweite Karte drucken:

„Mr. Peter Welsey und sein Weib berichtigen den Namen ihres Nachkommens, des allerliebst anzusehenden kleinen Knaben

Elian Welsey“


Doch der Vater hatte nicht mit der Habgier des Überirdischen gerechnet! Gott hatte ihm seinen ersehnten Sohn geschenkt – aber der kleine Elian hatte einen hohen Preis! Denn Maura Welsey starb drei Tage später im Geburtsbett.
Peter stand am Sterbebett seiner geliebten Frau, hielt ihre kaltnasse Hand und murmelte: „22 Jahre haben wir auf diesen Jungen gewartet. Und jetzt, da der kleine Elian uns das erste Mal zulächelt, da er dunkel und hübsch anzusehen ist wie seine Mutter, bist du zu schwach, um ihm zu antworten! Ich ahnte indes, dass der alte Verräter Satan noch seine Unterschrift unter Gottes Vertrag zu Elians Dasein gab! Der Schuft nimmt mir mein Weib – damit mein Junge leben kann!“
Und die Tränen liefen ihm über seine geröteten Wangen.


(…)


Von dort zurück kam er nicht umhin, noch einmal an der dritten Lampe nach oben zu sehen. Und erneut ragte eine Gestalt über der Reling. Doch diesmal hatte der Mann keinen Bart, sondern das glatte Gesicht eines Schreiberlings – der Kapitän des Schiffes sah auf ihn herab. Elian erschrak.
„Komm rauf“, befahl der Mann an Bord knapp. Und als der Junge vor ihm auf den Planken stand, wurde er vom Kommandant der Shannington mürrisch gemustert. „Was schleichst Du jetzt noch herum, Bursche?“
„Der Grund war letzte Post, Sir!“
Der Kapitän verzog keine Miene. „Post an wen? Machst du schlapp?“
„Nein, Sir! Post an meine ehemalige Erzieherin. Ich bin Waise, Sir.“
Der Mann nickte. „Gut! Komm mit, ich habe das Logbuch vorbereitet.“ Damit ging er mit schweren Schritten vor Elian her, mit Schritten, die man bei einem solchen relativ kleinen und schmächtigen Mann eigentlich kaum erwarten konnte.
Hinten am Heck hielt der Mann vor einer Tür mit der Aufschrift „Morris“ und öffnete sie mit einem Schlüssel. Elian getraute sich nicht, allzu neugierig im Innenraum der Kapitänskajüte umherzublicken, aber die Holztäfelung und der Teppich am Boden sowie der reich verzierte Schreibsekretär ließen keinen Zweifel aufkommen, dass er sich in den Heiligtümern des Mannes befand. Und Elian wusste genau, dass es für lange Zeit – wenn nicht gar für immer – das letzte Mal sein würde, dass er hier stehen durfte.
Am auffälligsten war das Ölgemälde hinter dem Sekretär. Es stellte zwei Menschen dar, eine bildhübsche junge Frau und einen kleinen Jungen an ihrer Seite. Von Allem, was Elian über diesen Kapitän bisher wusste, war dieses Ölportrait dasjenige, was am wenigsten zu ihm passte. Und er konnte seinen Blick kaum vom Bildnis reißen.
Der Mann sah kurz auf, musterte den Jungen kurz und sagte: „Ein Auftragswerk, wenn damit deine Wissgier gestillt ist!“
Elian beeilte sich, statt des Bildes auf die leere Seite des Logbuchs zu starren. „Ein wundervolles Gemälde, Sir!“
„Name?“ fragte Kapitän Morris – denn anhand der Tür und des Einbandes vom Logbuch wusste der Junge nun, dass der Mann so hieß.
„Elian Welsey, Sir!“
Morris verzog keine Miene. Er stellte keine Nachfrage wegen des Namens, sondern kritzelte ihn zur Verblüffung seines neuen Schiffsjungen fehlerfrei ins Buch. „Anschrift in England?“
„Keine feste, Sir!“
„Staatsangehörigkeit?“
„Britisch, Sir!“
„Staatsangehörigkeit der Eltern?“
„Britisch der Vater und griechisch die Mutter, Sir!“
„Lass das Sir weg!“
„Ja, Sir… Verzeihung!“
„Wohnort der Eltern?“
„Beide leben nicht mehr.“
„Alter?“
„Vierzehn Jahre.“
„Religion?“
„Protestant.“
„Unterschrift unten links“, forderte der Kapitän Elian auf und schob ihm das Buch hin. „Wenn du nicht schreiben kannst, mach deine üblichen drei Kreuze.“
„Ich kann mehr als nur meinen Namen schreiben, Sir!“
Der eigenartige Kapitän sah ihn durchdringend an. Dann nickte er, wie aus einer Erinnerung gerissen. „Ja, richtig, dass hast du ja vorhin schon gesagt. Fertig? Dann mach, dass du raus kommst! Morgen früh bei Sonnenaufgang legen wir ab, verstanden? Sei pünktlich! Sonst lass ich dich holen und ohne Heuer bis Lissabon in Ketten legen!“
„Das wird bis zum Ziel nicht vonnöten sein. Gute Nacht, Sir!“
Elian verließ die Kajüte des Kapitäns. Vorsichtig sah er sich in der Dunkelheit noch einmal um. Aber jetzt konnte er niemanden mehr an Bord erkennen. Langsam ging er zur Herberge zurück und ging ohne weiteres Verharren oder eine Ablenkung auf direktem Weg ins Bett. Allein, schlafen konnte er nur sehr schwer. Es gab kein Zurück mehr. Es gab einen Vertrag, den er sogar freiwillig unterzeichnet hatte. Andere Schiffsmänner wurden mit Gewalt zum Anheuern getrieben. Sogar Familienväter wurden von Ihrer Majestät so zwangsverpflichtet, da Seeleute dermaßen schwer zu bekommen waren, dass das Vereinigte Königreich gar nicht anders umhin kam, seine notwendige Menge an Matrosen auf diese Art und Weise zu bekommen.
Monate würden sie auf See sein. Monate mit diesem grausamen Kapitän, mit all den Seebären, die er noch gar nicht zu Gesicht bekommen hatte. Nur den ersten Steuermann kannte er schon. Elian lächelte. Ohne Michas wäre er eventuell sogar ein Outlaw geworden, um dieser Hölle noch zu entgehen. Haushexen in Kinderheimen zu bekämpfen war eine Sache. Seine Ehre und seine Gesundheit vor Männern, die stark wie Büffel waren, zu verteidigen, war dagegen eine ganz andere Qualität. Gott würde ihn schützen. Oder er würde mit dem Tod mitgehen müssen…

Der Tag ihrer Abreise war ein geradezu unverschämt strahlender Morgen. Der gestrige Regen schien nur mehr eine flüchtige Erinnerung zu sein.
Elian war schon vor Morgengrauen an Deck der Shannington erschienen. Der Erste an Bord war er deswegen noch lange nicht. Überall arbeiteten bereits die Männer und achteten seiner kaum. Er sah Michas mit dem Kapitän sprechen und ging zu ihnen, um seinen ersten Befehl als Schiffsjunge in Empfang zu nehmen. Zeit, um Abschied von seinem Heimatland nehmen zu können, war ihm vorerst verwehrt. Schon kurze Zeit nachdem er an Bord gekommen war, drehte er mit einem Matrosen zusammen ein schweres Holzrad, mit Schmiedeeisen gehärtet, um ein armdickes Verankerunkstau vom Quai aufzuspulen.
Das Schiff glitt langsam bei gesetzten Segeln der Hafenausfahrt entgegen. Die Einwohner Bristols standen am Ufer. Was für ein Bild! Elian sah, wie die Zurückbleibenden winkten, wie Ehefrauen, Kinder und Eltern den Seeleuten Kusshände zuwarfen und laut gegen die frische Brise anriefen. Tränen flossen ungeniert. Menschen sanken zu Boden, beteten um die davon Segelnden und ihr eigenes Schicksal. Kinder schrien und weinten. Und die Männer an Bord starrten zurück, viele stumm mit leicht zum Gruß erhobenen Händen, einige selbst von Weinkrämpfen geschüttelt.
„Abschied ist ein kleiner Tod“, murmelte Elian, der neben Michas stand.
„Viele von den Männern hier werden Jahre lang von ihren Familien getrennt sein. Ihre Weiber und Kinder werden nichts von ihnen hören. Kinder werden erwachsen sein, bis ihre Väter heim kommen. Du hast dieses Leben dir selbst erwählt, Elian!“
Der Junge sah den Steuermann ernst an. „Uns beweint keiner, Michas!“
„Nein. Und Sorgen mag sich auch niemand um uns.“
Elian lächelte wehmütig. „Das stimmt nicht ganz. Die, welche sich schwere Gedanken um mich macht, ist in London geblieben.“
Michas nickte. Dann legte er seine schwere Hand auf die Schulter des Jungen. „Niemand weiß, wer von uns je wiederkehrt! Viele werden verenden, ehe das Schiff England erneut erreichen wird. Ich sah eines Tages meine Kathleen und meinen Jungen nicht wieder. Wer kann es ihnen beiden verübeln, nachdem ich neun Jahre nicht heimkam? Ein Seemann ist im Grunde unfähig, eine Familie zu gründen. Kathleen hat mich geliebt, das weiß ich. Aber neun Jahre? Es gibt viele gute Männer, Elian! Und meinem Jungen war ich nichts weiter als eine Sage an wärmenden Kaminen geworden. Ein Fremder.“
Elian schwieg. Er spürte, wie sich die Hand des Mannes fester um sein Schlüsselbein schloss.
Die Planken und Bordwände knarrten und ächzten vor Spannung auf, als das Schiff in den Bristolkanal einbog. Die Stadt verschwand mit ihren Häusern, Kirchtürmen und Höfen rasch hinter einer Landzunge und war bald nicht mehr zu sehen. Schon hier wankte und schaukelte die Shannington ziemlich unangenehm.

(…)
© Settembrini 1986

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lucasg
Begeisterter Schreiberling

Re: Unveröffentlichter Roman

Beitrag #2 » von lucasg »

Ich finde gut was du geschrieben hast. Kann mich mit der Handlung anfreunden.
Fände es am Anfang besser vielleicht mehr zu erläutern über die Hintergründe ansonsten gelungen
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Re: Unveröffentlichter Roman

Beitrag #3 » von Settembrini »

lucasg hat geschrieben: 06.11.2023, 09:14 Ich finde gut was du geschrieben hast. Kann mich mit der Handlung anfreunden.
Fände es am Anfang besser vielleicht mehr zu erläutern über die Hintergründe ansonsten gelungen
Es sollte nur ein wirklich kleiner Ausschnitt sein.
Die Hintergründe sind sehr vielseitig gewesen. Ich meinte, es würde hier den Rahmen sprengen, auf meine Intentionen näher einzugehen.

Hintergründe waren aber gewiss mein eigenes Dasein zur damaligen Zeit, verschoben in das 18. Jahrhundert. Der Protagonist erlebt im Roman all das, was sich bis zum Jahr 1986, als ich das Manuskript verfasst habe, in meinem Leben selbst ereignete. Natürlich nicht 1 zu 1 wiedergegeben, ein Autor schmückt, verändert, vertuscht und setzt um. Der Junge dieses Romans sucht sein halbes Leben lang seine verschollene Schwester und segelt dafür um die halbe Welt.

Es geht hier aber nicht um mich oder meine Person, sondern um die Tatsache, dass auch 1740, als der Hauptakteur dieser Geschichte als 14jähriger Schiffsjunge in See sticht, es Männer gab, die von einem Abschied in den nächsten wechseln mussten, die nie irgendwo ankamen und ihr Leben lang auf Suche nach etwas Menschlichem waren, dass sie als Seemänner nie finden konnten.

Danke für dein feedback...
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oldfield2283
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Re: Unveröffentlichter Roman

Beitrag #4 » von oldfield2283 »

Settembrini hat geschrieben: 06.11.2023, 10:28 Hintergründe waren aber gewiss mein eigenes Dasein zur damaligen Zeit, verschoben in das 18. Jahrhundert. Der Protagonist erlebt im Roman all das, was sich bis zum Jahr 1986, als ich das Manuskript verfasst habe, in meinem Leben selbst ereignete. Natürlich nicht 1 zu 1 wiedergegeben, ein Autor schmückt, verändert, vertuscht und setzt um. Der Junge dieses Romans sucht sein halbes Leben lang seine verschollene Schwester und segelt dafür um die halbe Welt.

Es geht hier aber nicht um mich oder meine Person, sondern um die Tatsache, dass auch 1740, als der Hauptakteur dieser Geschichte als 14jähriger Schiffsjunge in See sticht, es Männer gab, die von einem Abschied in den nächsten wechseln mussten, die nie irgendwo ankamen und ihr Leben lang auf Suche nach etwas Menschlichem waren, dass sie als Seemänner nie finden konnten.

Danke für dein feedback...
Aber du hast als Schiffsjunge oder Matrose auf einem Schiff so weite Reisen gemacht? Zu meiner Jugend gab es tatsächlich noch deutsche Matrosen, u.a ein Mitschüler und Freund, der mir zeitlebens ein Rätsel geblieben war (aufgrund seiner unerwarteten Talente) und der kürzlich bei Corona gestorben war.

Ich weiß noch, wie er damals sagte, obwohl die Seeleute durchaus priviligiert waren (Reisen, Monate frei als Arbeitszeitausgleich, Geld), er das unstete Leben haßte und dann lieber an Land blieb, soweit ich weiß aber unverheiratet und nie mehr mit einem adäquaten Job.

Was das "AB-Schicksal" der Seeleute damals anging, ja ich glaube das könnte schon Probleme gebracht haben, so Monate und Jahre lang auf Seelenverkäufern nur mit männlichen Mitverrückten zusammen - aber andererseits müssen ja die Gerüchte und Lieder auch einen Hintergrund gehabt haben, wenn es hieß der Seemann hatte in jedem Hafen eine andere Braut.
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Re: Unveröffentlichter Roman

Beitrag #5 » von Settembrini »

oldfield2283 hat geschrieben: 06.11.2023, 11:54 Aber du hast als Schiffsjunge oder Matrose auf einem Schiff so weite Reisen gemacht?
Wie ich schon schrieb: der Autor schmückt, verändert, vertuscht und setzt um. Ich habe mein Leben nicht in diesem Roman komplett gespiegelt. Da gibt es die oft zitierte dichterische Freiheit.
Und dennoch gibt diese Geschichte viel aus meinem Leben wieder. Einige Lebenspassagen springen dabei aber vom Hauptprotagonisten zu diversen Nebenrollen und wieder zurück. Dass ich die halbe Welt gesehen habe, entspricht aber der Wahrheit.
oldfield2283 hat geschrieben: 06.11.2023, 11:54 Zu meiner Jugend gab es tatsächlich noch deutsche Matrosen, u.a ein Mitschüler und Freund, der mir zeitlebens ein Rätsel geblieben war (aufgrund seiner unerwarteten Talente) und der kürzlich bei Corona gestorben war.
Eure Jüngsten und Stärksten werden durch das Schwert fallen. (Es war einmal in Amerika).
oldfield2283 hat geschrieben: 06.11.2023, 11:54 Ich weiß noch, wie er damals sagte, obwohl die Seeleute durchaus priviligiert waren (Reisen, Monate frei als Arbeitszeitausgleich, Geld), er das unstete Leben haßte und dann lieber an Land blieb, soweit ich weiß aber unverheiratet und nie mehr mit einem adäquaten Job.
So etwas kann einem auch an Land widerfahren; Als es da Jobs gibt wie Fernfahrer, Montage-Arbeiter, Straßenbauer…
oldfield2283 hat geschrieben: 06.11.2023, 11:54 Was das "AB-Schicksal" der Seeleute damals anging, ja ich glaube das könnte schon Probleme gebracht haben, so Monate und Jahre lang auf Seelenverkäufern nur mit männlichen Mitverrückten zusammen - aber andererseits müssen ja die Gerüchte und Lieder auch einen Hintergrund gehabt haben, wenn es hieß der Seemann hatte in jedem Hafen eine andere Braut.
Es gab und gibt in jedem Winkel der Welt und in jeder Tätigkeit völlig unterschiedliche Menschen. Natürlich gab es auch in der königlichen Marine solcherlei Freier wie von Dir angegeben. Aber es war schon immer ein Unterschied, ob man „in jedem Hafen eine andere Braut“ erhielt (die in nicht wenigen Fällen schlicht eine Prostituierte war) oder ob in der Heimat jemand auf einen wartete, eine Frau, eine Familie, bei denen die Zuneigung und die Gefühle weit über alles Sexuelle hinausging.
Ich bin mein Leben lang über-empfänglich gewesen, was „damals“, „vorbei“ oder „nie mehr wieder“ angeht. Ich habe sehr viele, viel zu viele Abschiede erleben müssen von Menschen, die mir sehr viel bedeutet haben. Keine Seemannsbraut in einem Hafen kann diesen Abschiedsschmerz lindern.