Der quakende Prinz

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Galip
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Der quakende Prinz

Beitrag #1 » von Galip »

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebte Prinzessin C. in einem weit entfernten Land in einer großen Burg. Ihre Anmut und ihr Liebreiz waren unübertroffen. Sie war bekannt für ihre Empfindsamkeit und liebte die Natur, die Berge, die Pflanzen und alle Tiere, außer Spinnen. Doch die Menschen waren ihr seltsam fremd: Von weit her kamen Prinzen angereist und hielten an um ihre Hand, doch sie verschmähte alle.

Eines Tages saß sie am Burgteich als sie bemerkte, wie ein Frosch sie ohne Unterlass betrachtete. Sie ging ein paar Schritte am Teich entlang im Spiel und siehe da, der Frosch hüpfte ihr hinterher. So umrundeten sie den ganzen Teich. Ein kurzer Spaziergang für die Prinzessin, aber eine Weltreise für den Frosch. Dennoch folgte er ihr beharrlich. Als sie den Teich komplett umrundet hatten und sich die Prinzessin wieder auf ihrer Bank niederließ, setzte sich der erschöpfte Frosch auf einen Stein, schaute sie an und quakte zum Gruß.

Berührt von so viel Treue und Tapferkeit beugte sich Prinzessin C. zum Frosch und küsste ihn. Da gab es einen Knall und der Frosch verwandelte sich augenblicklich in einen Prinzen.

Erschrocken und schockiert über diese unerwartete Metamorphose rief die Prinzessin: „Igitt, ein Prinz! Ich dachte, Du bist ein Frosch.“ Woraufhin der Prinz sich vorzustellen begann: „Holde Maid, ich bin Prinz D. und eine ungeschickte Magierin hat mich vor langer Zeit versehentlich in einen Frosch verwandelt. Dein Kuss hat mich befreit und wieder zum Menschen gemacht. Ewig will ich dir dankbar sein. Ich will dich heiraten und zur Königin machen in meinem Land.“

Doch die Prinzessin war wenig erfreut über diese Wendung. Ihrer magischen Kräfte war sie sich bis dahin nicht bewusst gewesen und sie sprach: „Ich habe dich gemocht, als Du ein Frosch warst. Aber jetzt bist Du ein Prinz und Prinzen mag ich nicht.“ Kleinlaut antwortete der Prinz: „Ich war auch vorher schon kein Frosch. Ich war immer schon Prinz D., der nur aussah wie ein Frosch.“ Verärgert entgegnete ihm die Prinzessin: „Da hast Du mich ja schön hinters Licht geführt. Erst tust Du so, als wärst Du ein Frosch, gewinnst dir damit mein Herz und dann kommt raus, Du bist bloß ein Prinz. Schämen solltest Du dich für so viel Niedertracht. Einen Prinzen will ich nicht, der kann mir gestohlen bleiben. Ein Lügner bist Du und Betrüger. Ich wünschte, ich hätte dich nie geküsst.“

Zaghaft sagte der Prinz: „Quak.“ Aber es war zu spät. Enttäuscht und verletzt ging Prinzessin C. in schnellen Schritten zur Burg zurück. Alleine zurück am Teich blieb der Prinz.

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Settembrini
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Re: Der quakende Prinz

Beitrag #2 » von Settembrini »

Das gefällt mir! Eine Geschichte, die völlig anders verläuft als man zu Beginn annimmt.

Und sie lässt mich einen Bogen zu uns AB-Menschen schlagen: „Wir wollen Dich nett und sympathisch sehen, nicht als jemanden, der um Liebe ersucht! Nett und sympathisch warst du doch sonst immer! Das andere, die Liebe – das doch wohl bitte schön nicht!“
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kreisel
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Re: Der quakende Prinz

Beitrag #3 » von kreisel »

:good: Sehr modern, Froschprinz mit Beziehungs- und Kommunikationsproblemen.
Und gut geschrieben. Könnte ich mir auch gut in einer Muppetdramaturgie vorstellen. :buch: