Monozyt hat geschrieben: ↑03.10.2017, 19:39
Ich denke auch dass ein fiktiver Zwilling von mir, der genauso aussieht aber ein total lustiger extrovertierter und kommunikativer Typ ist viel, viel bessere Chancen hätte.
Das geht mir genauso, und ich kann es in meinem Fall sogar beweisen:
Ich hab eine 5 Jahre jüngere Schwester, die mir in vielen Dingen sehr ähnlich ist (Weltanschauung, Ethik, Studium/Beruf, etliche Interessen, Humor, etc.). Wir verstehen uns auch unheimlich gut.
Äußerlich sehen wir uns immerhin ähnlich genug, dass wir ständig als Schwestern erkannt werden. Allerdings sieht sie objektiv etwas bis deutlich besser aus als ich, denn sie ist schlanker und sportlicher (etwa 10 kg weniger, dafür mehr Muskeln), aber auch sie hat unser familäres schlechtes Bindegewebe abbekommen und ist nicht verschont von Cellulite und hängenden Brüsten mit Mitte 20. Die Makel also, wegen derer ich mich für absolut abscheulich halte und seit meiner Pubertät denke, ein Junge bzw. Mann meines Alters würde mich niemals, niemals auch nur anfassen wollen.
Während ich mit 28 Hardcore-Abine bin (noch nie auch nur Händchen gehalten mit einem Mann), hatte sie schon während der Schulzeit 2 feste Beziehungen. Seit die vorbei sind, hatte sie ein paar Techtelmechtel, hätte aber deuuuuuutlich mehr haben können, wenn sie gewollt hätte. Sie hat einen großen Freundeskreis voller Männer, von denen fast alle entweder mal in sie verliebt waren oder es immer noch sind. Sie lernt ständig neue Leute kennen, auch Männer, von denen auch immer wieder welche interessiert sind.
Ich könnte diese eklatanten Unterschiede bzgl. Erfolg bei Männern jetzt auf ihr besseres Aussehen schieben. Das ist auch sicher nicht völlig unerheblich. Aber ich denke, der weitaus größere Faktor ist ihre Extroversion, gute Laune, Abenteuerlustigkeit, usw.
Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, kuschele ich mich auf mein Sofa oder Bett, und mach mir einen gemütlichen Abend mit Serien oder Internet.
Wenn meine Schwester nach Hause kommt, ruft sie "ihre Leute" an und ist dann den Abend unterwegs in Bars, auf Hausparties, etc.
Sie war neulich für einen Monat wegen eines Praktikums an einem völlig neuen Ort, wo sie niemanden kannte. Nach einer Woche hatte sie eine kleine "Clique" (mal wieder fast nur Männer

), mit denen sie sich täglich getroffen hat, Fahrradtouren, Spieleabende, etc. Ich konnte es kaum glauben. Als ich sie gefragt hab, wie sie die denn kennen gelernt hat, erzählte sie mir folgendes:
Sie hat sich einfach mittags beim Mittagessen auf der Arbeit neben einen Typ gesetzt, der da alleine gesessen hat. Und hat angefangen, mit ihm zu reden.
Ich konnte es wirklich kaum glauben. Sowas wäre wir im Leben niemals eingefallen. Und selbst wenn es mir eingefallen wäre, hätte ich es mich niemals nie nie getraut. Ich setze mich absichtlich immer irgendwo in die Ecke, wo ich nicht störe und niemand den Eindruck bekommt, ich könnte mich ihm aufdrängen wollen.
Also ja, es liegt an der Persönlichkeit. Hilft mir leider nur bedingt weiter, weil ich nicht glaube, dass ich jemals so werden kann, wie meine Schwester. Aber es ist zumindest hilfreich, zu wissen, woran es liegen könnte.