Leben in einer extravertierten Welt

Rund um die persönliche Situation, Erlebnisse und was einem auf dem Herzen liegt

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von BartS » Dienstag 1. Januar 2019, 17:58

Bummi hat geschrieben:
Dienstag 1. Januar 2019, 16:55
Daneben erlebe ich jedoch viele Menschen in der Weihnachtszeit als ziemlich gereizt. Oder erlebe ich das nur so, weil ich von mir zu sehr auf andere schliesse und es einfach nicht wahr haben möchte?
Ich würde sagen, ja. Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung.
Bummi hat geschrieben:
Dienstag 1. Januar 2019, 16:55
3. Ich war gestern auf einer sehr grossen und anonymen Silvesterparty. Dabei habe ich sicher auch neue Energie gewinnen können.
Was mir aber leider Energie raubt, sind immer Events, bei denen es zu mehr menschlicher Nähe kommt. Also das längere und weniger anonyme Aufhalten in kleineren Gruppen.
Da achte ich automatisch auf alle Details, merke mir Gespräche, deren Verlauf ich später noch xmal durch gehe und analysiere. Ich befürchte oft, dass ich jemand verärgern oder traurig machen könnte. Solche Sachen beschäftigen mich noch Tage danach, auch wenn sie schön waren. (Auch bei dem Zusammensein mit nur einer weiteren Person verhält es sich da nicht anders.)
Und dieses ständige Nachdenken/Reflektieren darüber verlangt enorme Kraft.
Letzteres liesse sich gut mit Introversion erklären. Aber wieso klappt das mit der Energie dann in anonymen Menschenmassen?
Ich kann nur mutmaßen. Auf anonymen Partys siehst Du vielleicht keine Notwendigkeit darin, aufmerksam zu sein und gezielt Gespräche zu führen. Du kannst eintauchen und bleibst anonym. Außerdem setzt Du Dich keinem Druck aus. Wenn in den Stunden kaum ein Wort geredet wurde, ist es auch egal. Bei den Partys, wo Du Gespräche aufmerksam verfolgst und es im Kopf arbeitet, kostet es auch Energie. Entsprechend erschöpft bist Du hinterher auch.

Mir machte z.B. der Einkaufsstress bei vollen Läden nicht so viel aus, weil das auch alles anonyme Leute sind, denen ich weder was beweisen muss, noch aufmerksam sein brauche. Von daher stecke ich solche Touren relativ leicht weg, ganz anders als eine Silvesterparty mit Bekannten.
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Bummi » Mittwoch 2. Januar 2019, 00:45

BartS hat geschrieben:
Dienstag 1. Januar 2019, 17:58


Mir machte z.B. der Einkaufsstress bei vollen Läden nicht so viel aus, weil das auch alles anonyme Leute sind, denen ich weder was beweisen muss, noch aufmerksam sein brauche. Von daher stecke ich solche Touren relativ leicht weg, ganz anders als eine Silvesterparty mit Bekannten.
Einkaufen ist wieder etwas, wonach ich erstmal etwas groggy bin, wenn ich nach Hause komme.
Aber ansonsten trifft es ganz gut, was du geschrieben hast.
Ich verstehe irgendwie nie die Leute, die sich selbst als introvertiert bezeichnen und sagen, so ein Spieleabend in einer kleinen Runde finden sie super schön und entspannend, Massenveranstaltungen lehnen sie aber ab.
Ich finde einen Spieleabend dagegen alles andere als entspannend. :D

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Bummi » Mittwoch 2. Januar 2019, 01:43

Stabil hat geschrieben:
Samstag 29. Dezember 2018, 10:19


Ein weiteres Beispiel zu der von dir begonnen Liste möchte ich anführen. Sehr oft sehe ich das Folgende und ich habe es auch oft genug selbst erlebt:
(*) In Gesellschaft werden nicht so selten, meist ohne dass das jemand will, wunde Punkte in der Psyche berührt und man gerät dann in emotionale Zustände, aus denen man sich nicht unmittelbar und schnell wieder lösen kann. Da kann vorübergehender Rückzug gut helfen.

Ohja! Das fällt bei mir unter Kränkung, betrifft meine wundesten Punkte und führt in der Regel zum Rückzug. Es bleibt dann auch beim Rückzug, wenn ich merke, dass die Person oder Gruppe immer wieder auf diesen Punkten herum reitet und keinen Einhalt gebietet. Der Rückzug führt aber auch wieder zu Schuldgefühlen meinerseits. :?
Danke, dass du diesen Punkt angesprochen hast. :)


Stabil hat geschrieben:
Samstag 29. Dezember 2018, 10:19


Bummi hat geschrieben:
Freitag 28. Dezember 2018, 18:39
Mit Introversion hat das mMn nichts zu tun. Introversion ist ein Persönlichkeitsmerkmal und kein Symptom oder eine Folgeerscheinung.
Obwohl das oft so schwierig auseinander zu halten ist, ist das ein ganz wesentlicher Punkt, wo man bei reflektierten Überlegungen beginnen muss. Jeder stark Introvertierte schlägt sich mit anderen Folgeerscheinungen herum. Das ist übrigens bei den stark extrovertierten Personen nicht anders.


A propos Folgeerscheinungen und ganz allgemein gesprochen:
Persönlich habe mehrere selbst erlebt. Schüchternheit, mangelnde Sozialkompetenz und ein Exotendasein waren nur ein Teil davon.

Ein anderer Teil war, dass sich viele mit meiner ruhigen, stillen und zurückgezogenen Art schwer getan haben. Sie hat sie beunruhigt. Um herauszufinden, woran sie bei mir sind, haben sie mich manchmal provoziert. Das ist dann auch recht grob geschehen und hat bis zu Mobbing geführt. Das hat dann wieder weitere Folgeerscheinungen nach sich gezogen. Von meinen Schlulkollegen hat einer, jetzt viele Jahrzehnte nach der Matura (Abi) noch immer nicht aufgehört, zu provozieren. Zum Glück berührt mich das schon lange nicht mehr und und ich schaue ihm mit ruhigem Vergnügen und Gelassenheit bei seinem Rätselraten über meine Person zu.

Sogar paranoide Reaktionen habe ich erlebt. In der Werkstatt, wo ich damals gearbeitet habe, musste ich teilweise aufwändige trigonometrische Aufgaben am Werkstück lösen. Also habe ich auf einem Zettel herumgeschmiert und in die Luft gestarrt. Danach wurde mir unterstellt, ich würde die Kollegen ausspionieren und mir Notizen machen. Das liess sich zwar oberflächlich klären, aber das Misstrauen, das Introversion auslöen kann, war nicht zu übersehen.

:? :umarmung2:
Ja, ich denke, die meisten haben Ähnliches erlebt.
Und die Reaktionen haben in der Regel mehr mit dem Gegenüber zu tun als mit einem selbst.
Hab das erst Kürzlich erlebt, dass eine Bekannte (beginnende Freundschaft) es nicht verstanden hat, dass ich mich nicht so oft mit ihr treffen wollte oder Verabredungen nach hinten raus gezogen habe. Sie dachte, dass ich kein Interesse daran hätte, sie mir nicht so wichtig ist und ich mich nur nicht traue, ihr das so direkt zu sagen. Aber nein, sie ist mir total wichtig, nur meiner selbst Willen kann ich das eben nicht so, wie es der "Normalfall" wäre.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Kief » Mittwoch 2. Januar 2019, 02:56

Bummi hat geschrieben:
Mittwoch 2. Januar 2019, 00:45
Einkaufen ist wieder etwas, wonach ich erstmal etwas groggy bin, wenn ich nach Hause komme. [ ... ]
Ich finde einen Spieleabend dagegen alles andere als entspannend. :D
Findest Du es notwendig, zu verstehen, was an Dir introvertiert ist, und was vielleicht nicht?
Dass manche Sachen Dich Energie kosten, und andere weniger, musst Du dieses Deine individuelle Profil mit dem Etikett "introvertiert" abgleichen, um damit etwas zu erreichen?
Hilft Dir das beim Verstehen?

In der Autismus-SHG kommt das sporadisch zur Sprache, dass manche Autisten einerseits eine Partnerschaft suchen, und die Naehe einer Partnerschaft,
aber gleichzeitig wissen, dass sie diese Naehe nur ganz punktuell vertragen, und dann wieder mehr Abstand brauchen zum Kraefte sammeln.
Wie nun das Beduerfnis sich entwickelt, das ist dynamisch davon abhaengig, welche Beduerfnisse nun gerade abgedeckt sind, und ob vielleicht andere Limitierungen auf anderer Ebene erreicht werden.

Solche Unterschiede erleben wir haeufiger, das ist bei uns normal.
Dass Menschen unterschiedliche Beduerfnisse an Naehe/Distanz haben.
Manches wirkt extrovertiert, anderes intro, in einer nicht immer nachvollziehbaren Mischung.


K
Deeskalation, ohne danach die Probleme anpacken zu wollen,
das ist wie Ablenkung, oder Hinhalte-Taktik/Aussitzen wollen:
als Gespraechsverweigerung die getarnteste Form von Eskalation.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Bummi » Mittwoch 2. Januar 2019, 15:48

Kief hat geschrieben:
Mittwoch 2. Januar 2019, 02:56
Findest Du es notwendig, zu verstehen, was an Dir introvertiert ist, und was vielleicht nicht?
Dass manche Sachen Dich Energie kosten, und andere weniger, musst Du dieses Deine individuelle Profil mit dem Etikett "introvertiert" abgleichen, um damit etwas zu erreichen?
Hilft Dir das beim Verstehen?

Für mich persönlich nicht. Aber man kommt halt immer wieder in die Bedrängnis, sich da anderen erklären zu müssen oder auch zu wollen. Denn man möchte die Kontakte ja weiter pflegen oder andere auch nicht vor den Kopf stoßen.
Hier finde ich das Energie-Erklärungsmodell der Intro/Extroversion ganz plausibel.

Kief hat geschrieben:
Mittwoch 2. Januar 2019, 02:56

Solche Unterschiede erleben wir haeufiger, das ist bei uns normal.
Dass Menschen unterschiedliche Beduerfnisse an Naehe/Distanz haben.
Manches wirkt extrovertiert, anderes intro, in einer nicht immer nachvollziehbaren Mischung.


Ja, genau. Durch den Besuch von Großveranstaltungen wirke ich dann evtl wieder unglaubwürdig. Daher verschweige ich das ganz gerne.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Tintenmalerin » Samstag 5. Januar 2019, 17:40

Siegfried hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 08:26
Was mich davon abhält über persönliches (was umfasst eigentlich alles das persönliche an Themen ?) zu reden ist zum einen mein erbärmliches und langweiliges Privatleben ohne jegliche soziale Kontakte (sitze den aller größten Teil der Zeit alleine zu Hause rum). Soll man die anderen nur den ganzen Tag vorjammern wie beschissen und langweilig es einem ist.... andere persönliche Themen habe ich groß nicht.
Was ist denn mit Plänen oder Träumen für die Zukunft oder Erfahrungen und Erfolgen aus der Vergangenheit?
Auch sehe ich es als einen gewissen Lernprozess. Da ich sehr viel Zeit alleine verbringe fehlt mir wohl einfach die Übung im sozialverhalten, flirten, necken hab ich z.B. ja auch nie gelernt. Mir fällt auch in ruhigen Situationen meistens überhaupt nichts ein über was ich mit dem Gegenüber überhaupt in ein Gespräch kommen sollte.... der ist quasi wie eine weiße Wand über die man jetzt aus dem Stegreif groß referieren soll.
Man macht sich zwar innerlich Gedanken was könnte ich jetzt fragen oder sagen um das schweigen zu brechen, es fällt einem aber kein Thema ein um das Eis zu brechen, gleichzeitig aber auch unsicher ob dieses oder jenes jetzt ok wäre zu sagen...interessiert das den gegenüber überhaupt, wie könnte es ankommen wenn ich dieses oder jenes sagen würde etc. Je nach Situation ein Mix aus Unsicherheiten.
Das kommt mir sehr bekannt vor. Aber wie du sagst, das ist Übungssache.
Du scheinst da in einem Teufelskreis festzustecken.
LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 14:08
Da ich weiß, wie sich andere gegenüber mir verhalten, macht mir das keine Angst. Für mich sind alle Menschen gleich anstrengend. Kraft tanken geht für mich nur alleine.
Das würde ich eben nicht als typisch introvertiert bezeichnen, sondern fragen und gucken, wo das herkommt, dass jeder soziale Kontakt für dich anstrengend ist. Eigentlich frage ich mich da fast schon, warum du dann überhaupt nocht Kontakt suchst.
Du schreibst dazu immer nur, dass Menschen eben soziale Wesen sind, aber was hast du persönlich davon, in - so, wie du es beschreibst, nur oberflächlichen - Kontakt mit Menschen zu gehen, wenn er dich so anstrengt?
Als Erfahrungsbericht kann es schon stimmen. Nur ist eigene Erfahrung keine Wissenschaft.
Es ist kein Erfahrungsbericht. Sie hat lediglich zwischendurch ihre eigenen Erfahrungen eingebracht, um die Inhalte anschaulich zu machen.
LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 21:07
Es hat mir noch keiner den Sinn von irrelevanten Stärken erklärt. Nur weil ich sie toll finden würde, würde sich daran nichts ändern. Ein Autor hat ein Buch geschrieben und findet es toll. Aber keiner kauft es. Was hat er davon? Genau, nichts (Lob von Kritikern (falls er das bekommt) mag ihm zwar gut tun, aber davon kann er keine Rechnungen bezahlen). Ein anderer Autor, der sein Buch vllt. schlecht findet, aber es sich gut verkauft, schon.
Ich habe den Eindruck, für dich ist nur eine Stärke, die tatsächlich Geld bringt, nützlich bzw. relevant. Denn du nennst etwas, dass dieser Autor für seine Arbeit bekommen könnte - Lob -, aber das zählt für dich nicht.
Geld ist bei weitem nicht der einzige Nutzen von Fähigkeiten oder Stärken. Da passt dein Beispiel ganz gut, da ich selber schreibe und Geld als Motivation für mich kaum eine Rolle spielt.
Ich schreibe, weil ich unsere Sprache faszinierend finde, ich kann mich für Worte, Formulierungen und Texte begeistern, ich schreibe, weil ich Freude daran habe, etwas eigenes zu erschaffen, ich schreibe, weil ich ich mich im Schreiben selbst verlieren kann, ich schreibe, weil ich mich gerne mit Geschichten und (fiktiven) Menschen auseinander setze. Ich habe über die Jahre einige Texte geschrieben, auf die ich immer noch stolz bin und ich mag es, meine Texte zu teilen, weil ich anderen damit häufig eine kleine Freude machen kann. Ja, irgendwann würde ich damit auch gerne Geld verdienen, aber auch nur, weil ich dann mehr Zeit dafür hätte. Berühmt werden möchte ich damit nicht, das wäre mir zu anstrengend. Und reich werden ist ebenfalls nicht mein Ziel.
Man könnte also sagen, das Schreiben ist eine Stärke von mir. Oder eine Leidenschaft. Oder du könntest es für irrelevant halten, weil es keinen Nutzen im Sinne eines Geld-Wertes hat. Für mich ist es ein wesentlicher Teil meines Lebens und meines Selbstbildes.
In nächster Zeit weitgehend abwesend, nur noch sporadisch hier.

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I want to be together, yet alone
Is it too much to ask, to be famous yet unkown?
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Nonkonformist » Samstag 5. Januar 2019, 18:53

Tintenmalerin hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 17:40
LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 14:08
Da ich weiß, wie sich andere gegenüber mir verhalten, macht mir das keine Angst. Für mich sind alle Menschen gleich anstrengend. Kraft tanken geht für mich nur alleine.
Das würde ich eben nicht als typisch introvertiert bezeichnen, sondern fragen und gucken, wo das herkommt, dass jeder soziale Kontakt für dich anstrengend ist. Eigentlich frage ich mich da fast schon, warum du dann überhaupt nocht Kontakt suchst.
Du schreibst dazu immer nur, dass Menschen eben soziale Wesen sind, aber was hast du persönlich davon, in - so, wie du es beschreibst, nur oberflächlichen - Kontakt mit Menschen zu gehen, wenn er dich so anstrengt?
Für mich ist das nicht anders. Ich mag manchmal soziale treffen und events aber sie erschöpfen mich und ich müß alleine neue kraft tanken.
Gerade das ist Introversion: introvertierten brauchen zum aufladen alleine sein, extravertierten brauchen zum aufladen gesellschaft.
Ist man zusätzlich auch noch asperger oder HSP, dann geht das sogar noch doppelt.
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von BartS » Samstag 5. Januar 2019, 20:10

Tintenmalerin hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 17:40
LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 14:08
Da ich weiß, wie sich andere gegenüber mir verhalten, macht mir das keine Angst. Für mich sind alle Menschen gleich anstrengend. Kraft tanken geht für mich nur alleine.
Das würde ich eben nicht als typisch introvertiert bezeichnen, sondern fragen und gucken, wo das herkommt, dass jeder soziale Kontakt für dich anstrengend ist.
Beispielsweise bei mir würde ich nicht sagen, dass mich jeder Kontakt gleich anstrengend ist. Aber anstrengend sind sie über die Zeit alle. Ich brauche das Alleinsein, um wieder Lust auf meine Mitmenschen zu haben. Und ich brauche die Zeit mit meinen Mitmenschen, um wieder das Alleinsein zu genießen. Über lange Zeit in einer Phase zu verharren, tut mir nicht gut. Und wie ich in den letzten Jahren gelesen habe, ist das ziemlich typisch für introvertierte Menschen.
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Nonkonformist » Samstag 5. Januar 2019, 21:50

BartS hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 20:10
Beispielsweise bei mir würde ich nicht sagen, dass mich jeder Kontakt gleich anstrengend ist. Aber anstrengend sind sie über die Zeit alle. Ich brauche das Alleinsein, um wieder Lust auf meine Mitmenschen zu haben. Und ich brauche die Zeit mit meinen Mitmenschen, um wieder das Alleinsein zu genießen. Über lange Zeit in einer Phase zu verharren, tut mir nicht gut. Und wie ich in den letzten Jahren gelesen habe, ist das ziemlich typisch für introvertierte Menschen.
Für mich sind zum beispiel partys oder laute lokale sehr belastend.
Eins auf eins kontakt mit einen anderen introvertierter kostet viel weniger energie.
Ich mag es auch, unter menschen zu sein den ich mag.
Trotzdem brauche bich immer zeit für mich alleine.
Das würde innerhalb einen partnerschaft auch nicht anders sein.
Immer von dritten umkreist sein würde mich komplett verrückt machen.
Ich erhole mich zur zeit immer noch von meinem familienbesuch über weihnachten.
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von LonesomeCoder » Sonntag 6. Januar 2019, 00:59

Tintenmalerin hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 17:40
LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 14:08
Da ich weiß, wie sich andere gegenüber mir verhalten, macht mir das keine Angst. Für mich sind alle Menschen gleich anstrengend. Kraft tanken geht für mich nur alleine.
Das würde ich eben nicht als typisch introvertiert bezeichnen, sondern fragen und gucken, wo das herkommt, dass jeder soziale Kontakt für dich anstrengend ist. Eigentlich frage ich mich da fast schon, warum du dann überhaupt nocht Kontakt suchst.
Du schreibst dazu immer nur, dass Menschen eben soziale Wesen sind, aber was hast du persönlich davon, in - so, wie du es beschreibst, nur oberflächlichen - Kontakt mit Menschen zu gehen, wenn er dich so anstrengt?
Angst habe ich nur vor unbekannten Dingen. Nicht vor Menschen. Angst und Anstrengung sind verschiedene Dinge. Ich mag Kontakt mit Menschen und brauche ihn - nur weniger als Extros und er strengt mich an. Gibt ja auch Leute, die Sport machen, obwohl er anstrengend ist.
LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 30. Dezember 2018, 21:07
Es hat mir noch keiner den Sinn von irrelevanten Stärken erklärt. Nur weil ich sie toll finden würde, würde sich daran nichts ändern. Ein Autor hat ein Buch geschrieben und findet es toll. Aber keiner kauft es. Was hat er davon? Genau, nichts (Lob von Kritikern (falls er das bekommt) mag ihm zwar gut tun, aber davon kann er keine Rechnungen bezahlen). Ein anderer Autor, der sein Buch vllt. schlecht findet, aber es sich gut verkauft, schon.
Ich habe den Eindruck, für dich ist nur eine Stärke, die tatsächlich Geld bringt, nützlich bzw. relevant. Denn du nennst etwas, dass dieser Autor für seine Arbeit bekommen könnte - Lob -, aber das zählt für dich nicht.
Geld ist bei weitem nicht der einzige Nutzen von Fähigkeiten oder Stärken. Da passt dein Beispiel ganz gut, da ich selber schreibe und Geld als Motivation für mich kaum eine Rolle spielt.
Ich schreibe, weil ich unsere Sprache faszinierend finde, ich kann mich für Worte, Formulierungen und Texte begeistern, ich schreibe, weil ich Freude daran habe, etwas eigenes zu erschaffen, ich schreibe, weil ich ich mich im Schreiben selbst verlieren kann, ich schreibe, weil ich mich gerne mit Geschichten und (fiktiven) Menschen auseinander setze. Ich habe über die Jahre einige Texte geschrieben, auf die ich immer noch stolz bin und ich mag es, meine Texte zu teilen, weil ich anderen damit häufig eine kleine Freude machen kann. Ja, irgendwann würde ich damit auch gerne Geld verdienen, aber auch nur, weil ich dann mehr Zeit dafür hätte. Berühmt werden möchte ich damit nicht, das wäre mir zu anstrengend. Und reich werden ist ebenfalls nicht mein Ziel.
Man könnte also sagen, das Schreiben ist eine Stärke von mir. Oder eine Leidenschaft. Oder du könntest es für irrelevant halten, weil es keinen Nutzen im Sinne eines Geld-Wertes hat. Für mich ist es ein wesentlicher Teil meines Lebens und meines Selbstbildes.
Nein, nicht nur Geld. Generell Aufmerksamkeit, Anerkennung, Freunde, Partner, glücklich sein zählt auch. Aber es auch um Anzahl an die Leute, die was toll finden. In BartS Beispiel vom Roman seines Freundes gab es das Lob nur von ein paar Freunden und Kollegen. Das würde mir als "Lohn" für einen dicken Roman schreiben nicht reichen.
Jeder Partei bekommt bei einer Wahl Stimmen (ich denke nicht, dass z.B. bei der letzten Landtagswahl in BY eine Partei genau 0 Stimmen hatte). Wenns danach ginge, könnte sich jeder Partei freuen, da sie Wähler gefunden hat. Nur wenns unter 5 % waren, hat das nichts gebracht (unter 0,8 % tut noch mehr weh, weils dann kein Geld für den Wahlkampf zurück gibt) ... Auch mehr als 5 % können je nach Partei sehr weh tun.
Warnung vor Pickup: https://www.abtreff.de/viewtopic.php?p=1062199#p1062199
Wissenschaftliches Standardwerk über (männliches) AB-tum: https://www.springer.com/de/book/9783658059231
Geschlechtsspezifische Partnerwahl und Sexualitätsmerkmale: https://d-nb.info/1037687477/34

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von BartS » Sonntag 6. Januar 2019, 02:36

Nonkonformist hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 21:50
Für mich sind zum beispiel partys oder laute lokale sehr belastend.
Eins auf eins kontakt mit einen anderen introvertierter kostet viel weniger energie.
Ich mag es auch, unter menschen zu sein den ich mag.
Zudem, selbst wenn man es nicht mag, ist es trotzdem gut, wenn man mal unter Leute geht. Denn das ist die Gefahr am Introvertiertsein. Man bleibt in einer Art Komfortzone, weil einem das Alleinsein gut tut. Das ist so, wie wenn einer ein geringes Hungergefühl hat und über Tage vergisst ordentlich zu essen. Auf Dauer kann einen das auch "sonderbar" machen, schrullig, man ist kein angenehmer Zeitgenosse mehr.
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von BartS » Sonntag 6. Januar 2019, 02:41

LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 00:59
Generell Aufmerksamkeit, Anerkennung, Freunde, Partner, glücklich sein zählt auch. Aber es auch um Anzahl an die Leute, die was toll finden. In BartS Beispiel vom Roman seines Freundes gab es das Lob nur von ein paar Freunden und Kollegen. Das würde mir als "Lohn" für einen dicken Roman schreiben nicht reichen.
An Deiner Stelle würde ich Deinen starken Wunsch nach zahlreicher Anerkennung mal genauer analysieren. Was steckt dahinter? Gibt es eigentlich Dinge im Leben, die Du gerne machst und Dir Kraft geben, ohne das sie von außen kommentiert werden?
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Doggo » Sonntag 6. Januar 2019, 03:07

BartS hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 02:36
Nonkonformist hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 21:50
Für mich sind zum beispiel partys oder laute lokale sehr belastend.
Eins auf eins kontakt mit einen anderen introvertierter kostet viel weniger energie.
Ich mag es auch, unter menschen zu sein den ich mag.
Zudem, selbst wenn man es nicht mag, ist es trotzdem gut, wenn man mal unter Leute geht. Denn das ist die Gefahr am Introvertiertsein. Man bleibt in einer Art Komfortzone, weil einem das Alleinsein gut tut. Das ist so, wie wenn einer ein geringes Hungergefühl hat und über Tage vergisst ordentlich zu essen. Auf Dauer kann einen das auch "sonderbar" machen, schrullig, man ist kein angenehmer Zeitgenosse mehr.
Die Kunst besteht darin seine Introversion auch richtig zu nutzen. Dasselbe gilt doch auch für die Extraversion.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von LonesomeCoder » Sonntag 6. Januar 2019, 11:47

BartS hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 02:41
LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 00:59
Generell Aufmerksamkeit, Anerkennung, Freunde, Partner, glücklich sein zählt auch. Aber es auch um Anzahl an die Leute, die was toll finden. In BartS Beispiel vom Roman seines Freundes gab es das Lob nur von ein paar Freunden und Kollegen. Das würde mir als "Lohn" für einen dicken Roman schreiben nicht reichen.
An Deiner Stelle würde ich Deinen starken Wunsch nach zahlreicher Anerkennung mal genauer analysieren. Was steckt dahinter? Gibt es eigentlich Dinge im Leben, die Du gerne machst und Dir Kraft geben, ohne das sie von außen kommentiert werden?
Eigentlich nur mich informieren. Aber das würde deutlich mehr bringen, wenn das Wissen und die Erkenntnisse verbreitet werden würden.
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Geschlechtsspezifische Partnerwahl und Sexualitätsmerkmale: https://d-nb.info/1037687477/34

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Tintenmalerin » Sonntag 13. Januar 2019, 02:25

Nonkonformist hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 18:53
Tintenmalerin hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 17:40
Das würde ich eben nicht als typisch introvertiert bezeichnen, sondern fragen und gucken, wo das herkommt, dass jeder soziale Kontakt für dich anstrengend ist. Eigentlich frage ich mich da fast schon, warum du dann überhaupt nocht Kontakt suchst.
Du schreibst dazu immer nur, dass Menschen eben soziale Wesen sind, aber was hast du persönlich davon, in - so, wie du es beschreibst, nur oberflächlichen - Kontakt mit Menschen zu gehen, wenn er dich so anstrengt?
Für mich ist das nicht anders. Ich mag manchmal soziale treffen und events aber sie erschöpfen mich und ich müß alleine neue kraft tanken.
Gerade das ist Introversion: introvertierten brauchen zum aufladen alleine sein, extravertierten brauchen zum aufladen gesellschaft.
Ist man zusätzlich auch noch asperger oder HSP, dann geht das sogar noch doppelt.
Wenn ich etwas auf mich bezogen eingrenze, dann heißt das nicht, dass ich keine Ahnung habe. Ich habe mich mit den Themen Introversion und Hochsensibilität auseinander gesetzt und meine eigene Meinung und Sichtweise darauf und bitte dich daher, mich nicht so von oben herab zu belehren. Danke.
Abgesehen davon ging es mir explizit nicht darum, Zeit für sich zu brauchen, sondern darum, dass für LonesomeCoder anscheinend alle sozialen Kontakte gleich anstrengend sind.
LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 00:59
Tintenmalerin hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 17:40
Ich habe den Eindruck, für dich ist nur eine Stärke, die tatsächlich Geld bringt, nützlich bzw. relevant.
Nein, nicht nur Geld. Generell Aufmerksamkeit, Anerkennung, Freunde, Partner, glücklich sein zählt auch. Aber es auch um Anzahl an die Leute, die was toll finden. In BartS Beispiel vom Roman seines Freundes gab es das Lob nur von ein paar Freunden und Kollegen. Das würde mir als "Lohn" für einen dicken Roman schreiben nicht reichen.
Jeder Partei bekommt bei einer Wahl Stimmen (ich denke nicht, dass z.B. bei der letzten Landtagswahl in BY eine Partei genau 0 Stimmen hatte). Wenns danach ginge, könnte sich jeder Partei freuen, da sie Wähler gefunden hat. Nur wenns unter 5 % waren, hat das nichts gebracht (unter 0,8 % tut noch mehr weh, weils dann kein Geld für den Wahlkampf zurück gibt) ... Auch mehr als 5 % können je nach Partei sehr weh tun.
Ah, ok.
Mir reichen eine handvoll Leute, die meine Texte lesen und das auch gerne tun. Für mich ist also diese Zahl irrelevant.
Ich würde mal abschließend sagen, dass es unmöglich ist, dich davon zu überzeugen, dass eine Stärke relevant ist, wenn das deinen Maßstäben für relevant und irrelevant wiederspricht.
Mir geht es bei den Dingen, die ich gerne tue - und das sind eher Dinge, in denen ich relativ gut bin - hauptsächlich eben darum, dass ich sie gerne tue. Und anderen Dingen vorziehe.
In nächster Zeit weitgehend abwesend, nur noch sporadisch hier.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Doggo » Sonntag 13. Januar 2019, 03:20

Tintenmalerin hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 02:25
Nonkonformist hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 18:53
Tintenmalerin hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 17:40
Das würde ich eben nicht als typisch introvertiert bezeichnen, sondern fragen und gucken, wo das herkommt, dass jeder soziale Kontakt für dich anstrengend ist. Eigentlich frage ich mich da fast schon, warum du dann überhaupt nocht Kontakt suchst.
Du schreibst dazu immer nur, dass Menschen eben soziale Wesen sind, aber was hast du persönlich davon, in - so, wie du es beschreibst, nur oberflächlichen - Kontakt mit Menschen zu gehen, wenn er dich so anstrengt?
Für mich ist das nicht anders. Ich mag manchmal soziale treffen und events aber sie erschöpfen mich und ich müß alleine neue kraft tanken.
Gerade das ist Introversion: introvertierten brauchen zum aufladen alleine sein, extravertierten brauchen zum aufladen gesellschaft.
Ist man zusätzlich auch noch asperger oder HSP, dann geht das sogar noch doppelt.
Wenn ich etwas auf mich bezogen eingrenze, dann heißt das nicht, dass ich keine Ahnung habe. Ich habe mich mit den Themen Introversion und Hochsensibilität auseinander gesetzt und meine eigene Meinung und Sichtweise darauf und bitte dich daher, mich nicht so von oben herab zu belehren. Danke.
Abgesehen davon ging es mir explizit nicht darum, Zeit für sich zu brauchen, sondern darum, dass für LonesomeCoder anscheinend alle sozialen Kontakte gleich anstrengend sind.
LonesomeCoder hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 00:59
Tintenmalerin hat geschrieben:
Samstag 5. Januar 2019, 17:40
Ich habe den Eindruck, für dich ist nur eine Stärke, die tatsächlich Geld bringt, nützlich bzw. relevant.
Nein, nicht nur Geld. Generell Aufmerksamkeit, Anerkennung, Freunde, Partner, glücklich sein zählt auch. Aber es auch um Anzahl an die Leute, die was toll finden. In BartS Beispiel vom Roman seines Freundes gab es das Lob nur von ein paar Freunden und Kollegen. Das würde mir als "Lohn" für einen dicken Roman schreiben nicht reichen.
Jeder Partei bekommt bei einer Wahl Stimmen (ich denke nicht, dass z.B. bei der letzten Landtagswahl in BY eine Partei genau 0 Stimmen hatte). Wenns danach ginge, könnte sich jeder Partei freuen, da sie Wähler gefunden hat. Nur wenns unter 5 % waren, hat das nichts gebracht (unter 0,8 % tut noch mehr weh, weils dann kein Geld für den Wahlkampf zurück gibt) ... Auch mehr als 5 % können je nach Partei sehr weh tun.
Ah, ok.
Mir reichen eine handvoll Leute, die meine Texte lesen und das auch gerne tun. Für mich ist also diese Zahl irrelevant.
Ich würde mal abschließend sagen, dass es unmöglich ist, dich davon zu überzeugen, dass eine Stärke relevant ist, wenn das deinen Maßstäben für relevant und irrelevant wiederspricht.
Mir geht es bei den Dingen, die ich gerne tue - und das sind eher Dinge, in denen ich relativ gut bin - hauptsächlich eben darum, dass ich sie gerne tue. Und anderen Dingen vorziehe.
Es muss gesagt werden, dass mir dein Optimismus gefällt :D Bist du auch ein introvertierter Mensch?

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Omomo » Sonntag 13. Januar 2019, 05:43

Tintenmalerin hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 02:25
Ah, ok.
Mir reichen eine handvoll Leute, die meine Texte lesen und das auch gerne tun. Für mich ist also diese Zahl irrelevant.
Ich würde mal abschließend sagen, dass es unmöglich ist, dich davon zu überzeugen, dass eine Stärke relevant ist, wenn das deinen Maßstäben für relevant und irrelevant wiederspricht.
Mir geht es bei den Dingen, die ich gerne tue - und das sind eher Dinge, in denen ich relativ gut bin - hauptsächlich eben darum, dass ich sie gerne tue. Und anderen Dingen vorziehe.
Ich finde auch, dass ich vor allem mir selbst gefallen muss und nicht anderen Menschen.
Wenn ich mich permanent mit anderen Menschen messe und mich selbst dafür runtermache, dass die anderen Stärken besitzen, die ich nicht habe oder wo ich selbst nie rankommen werde, dann bin ich doch selbst dazu verdammt mein Leben lang unglücklich zu sein, oder nicht?
Es gibt auf der Welt doch immer jemanden, der einfach besser ist. Das gilt auch für das soziale Umfeld.

Ich verstehe daher auch nicht wirklich, wie man sich auf Teufel komm' raus mit anderen messen muss und gar nicht versucht seine eigenen Vorzüge zu akzeptieren und mich auf diese zu konzentrieren.
Wenn es danach ginge wie viele Menschen mir im Sport Anerkennung geben, dann bräuchte die Welt außer Fußball, Basketball, Football nichts mehr. Immerhin würden nur Dinge einem Prestige geben, die von vielen vielen Menschen anerkannt wird.
Aus meiner Sicht ist es eine absolut falsche Herangehensweise, wenn man zuerst den Blick auf die Gesellschaft richtet und seine eigenen Bedürfnisse daran anpasst, was diese Gesellschaft als "prestigeträchtig" empfindet. Man macht sich somit von externen Faktoren abhängig, die sich eben genau so schnell wieder ändern können.
Zum Glück braucht nicht jeder viel Geld, einen sehr hübschen Partner, einen großen Freundeskreis, eine Arbeit wo man von anderen angehimmelt wird, um glücklich zu sein.

Um beim Thema zu bleiben...
Ich bin selbst introvertiert und sehe es als absolute Stärke. Würde mit einer extrovertierten Person wohl auch gar nicht tauschen wollen.
In diesem Thread wurde, meines Erachtens nach, die Introversion zu oft mit Schüchternheit in einen Topf geworden. Introversion kann Schüchternheit begünstigen, aber eigentlich sind es zwei komplett verschiedene Dinge.
Was hier meist beschrieben wurde ist eher Schüchternheit und weniger die Introversion.
Scheint aber auch eine sehr gängige Verwechslung zu sein, da auch mein Umfeld immer wieder erstaunt ist, wenn ich mich selbst als introvertiert bezeichne und sie so gar nicht diesen Eindruck von mir gewonnen haben.
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Tintenmalerin » Mittwoch 16. Januar 2019, 02:25

Doggo hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 03:20
Es muss gesagt werden, dass mir dein Optimismus gefällt :D
:hut:
Damit fühlt sich mein Leben auch viel farbenfroher und lebenswerter an.
Bist du auch ein introvertierter Mensch?
Ja. Ich habe einige typisch introvertierte Eigenschaften und jeder Internet-Selbsttest hat zuverlässig "introvertiert" ergeben.
Allerdings immer weniger deutlich und ich identifiziere mich nicht mehr so sehr mit dem Begriff. Je mehr (vor allem soziale) Ängste ich abbaue und je mehr Situationen ich mich gewachsen fühle, umso mehr verliert das Introvertiertsein für mich an Bedeutung.
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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von Doggo » Dienstag 22. Januar 2019, 17:05

Tintenmalerin hat geschrieben:
Mittwoch 16. Januar 2019, 02:25
Doggo hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 03:20
Es muss gesagt werden, dass mir dein Optimismus gefällt :D
:hut:
Damit fühlt sich mein Leben auch viel farbenfroher und lebenswerter an.
Bist du auch ein introvertierter Mensch?
Ja. Ich habe einige typisch introvertierte Eigenschaften und jeder Internet-Selbsttest hat zuverlässig "introvertiert" ergeben.
Allerdings immer weniger deutlich und ich identifiziere mich nicht mehr so sehr mit dem Begriff. Je mehr (vor allem soziale) Ängste ich abbaue und je mehr Situationen ich mich gewachsen fühle, umso mehr verliert das Introvertiertsein für mich an Bedeutung.
Okay :)

Also für mich verliert die Introversion keinesfalls an Bedeutung egal wie weit ich komme. Ist aber auch nichts Negatives.

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Re: Leben in einer extravertierten Welt

Beitrag von LonesomeCoder » Dienstag 22. Januar 2019, 23:57

Ein gesprächiger Auftritt in einer Bar (Extro) vs. daheim sitzen und lesen oder fernsehen (Intro) - wo sind die Chancen auf das Kennenlernen eines potentiellen Partners wohl größer?
Für mich ist es so klar, dass Partnersuche eine Extrodomäne ist. Einfach weil sie meist mit unter Leute kommen verbunden ist und das für einen Intro anstrengend ist (zur Erinnerung: dem Intro kosten soziale Kontakte Kraft, dem Extro geben sie welche).
Warnung vor Pickup: https://www.abtreff.de/viewtopic.php?p=1062199#p1062199
Wissenschaftliches Standardwerk über (männliches) AB-tum: https://www.springer.com/de/book/9783658059231
Geschlechtsspezifische Partnerwahl und Sexualitätsmerkmale: https://d-nb.info/1037687477/34

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