Wie war das damals bei euch mit 20

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Pünktchen

Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Pünktchen »

Strange Lady hat geschrieben: ↑15.10.2021, 20:42 Mit 20: schüchtern, schweigsam, neurotisch, depressiv, überfordert, aber abenteuerlustig.
Mit Studiumsbeginn begann eine eigentlich gute Zeit für mich. Hab es geliebt. Konnte mich von zu Hause ein wenig (geographisch) abnabeln. Liebte mein Studium, hatte Freundinnen und Freunde; unternahm viel, reiste viel, ging ins Ausland ...
Unglückliche Verliebtheiten gab es einige ... habe aber nie den Glauben gehabt, dass mich jemand lieben könnte. Und ist auch nie passiert ... es blieb immer unerwidert.
Das ist Drama meines Lebens: sozial gut eingebettet und auch beliebt, aber nie für mehr wert befunden.
Irgendwie kapiere ich es auch nicht so richtig.
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Grüblerin
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Grüblerin »

Puh mit 20...Abistress, Studium, das der absolute Reinfall war (und ich später abgebrochen habe), Geldsorgen, Zukunftsängste und noch sehr abhängig von den Eltern.
Außerdem schüchtern, naiv, depressiv?, verklemmt, nahezu ohne Selbstbewusstsein, nach Mobbingerfahrung aus der Schule und daher auch leider zu oft allein zuhause und sehr unspottlich. meine beste Freundin war eine Onlinefreundin (obwohl ich mich in der Uni in ein kleines Grüppchen von Mädels gemogelt habe, von der ich heute noch mit einer befreundet bin)
Ein Loveinterest gab es in dieser Zeit nicht, aber eine fehlende Beziehung war in dieser Zeit meine allergeringste Sorge gewesen. Zumal da auch die beliebte Serie BBC Sherlock rauskam, der ja eine der bekanntesten asexuellen Figuren ist!

Heute würde ich so einiges anders machen, leider läuft die Zeit nur vorwärts.
Das einzig positive war vielleicht, dass ich mich zu dieser Zeit kreativ richtig ausgetobt habe, was heute gar nicht mehr der Fall ist.
Single aus Überzeugung.
Nell The Sentinel

Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Nell The Sentinel »

Ich wiederhole diese Zeit gerade... Und ich reagiere genau gleich.

Einmal depressiv, immer depressiv...
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Settembrini
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Settembrini »

Ich schieb das hier einmal hoch…

Ich finde die Frage interessant, zumal diese Zeit bei mir schon unverschämt lange her ist.

Mit 20 fuhr ich mit meinem dritten eigenen Auto (man war sehr stolz auf sowas) zum ersten Mal nach Südfrankreich, um dort im Iglu Zelt zu campen. Mit Kochgeschirr, Campingkocher und Besuch von Avignon, Aix-en-Provence und Saint Tropez.

Mit 20 reifte in mir der Gedanke, in die Welt zu ziehen, was ich mit 21 Jahren dann auch wirklich umsetzte. Als sabbernder Greis werde ich dereinst in meiner Demetz in diesen Zeiten leben und nicht im realen Leben.

Noch war ich nicht weg. Ich war damals ein verdammt guter Schwimmer und Minigolfer (bestes Ergebnis: Platz 1 mit 21 Schlägen von 18 möglichen. Beim Minigolf muss man natürlich möglichst wenig Schläge für die 18 Bahnen benötigen). Ich war durch die vergangenen Jahre in meiner Tätigkeit als Schwerstarbeiter (Akkord auf dem Straßenbau) ungewöhnlich stark an Körperkraft. Ich drosch Skat mit Freunden und büffelte für das Fachabitur.

Als ich 20 Jahre alt war, hatte ich mein zweites Manuskript beendet. In jenen Jahren, als Vaters Bart noch rot war, schrieb ich meine Geschichten noch per Hand und tippte sie danach mühsam auf der Schreibmaschine ab.

Als ich 20 war, war ich der „Winnetou“ des Lebens; alles verliebte sich, ich stand zurück. Es war in Ordnung so. ich war der Wegbereiter der Verliebten, verkuppelte, hörte mir schon damals die Geschichten um den mannigfaltigen Liebeskummer an. Und sollte sich wirklich eine junge Frau damals für den 1,90 Meter großen, starken jungen Mann interessiert haben, so hat er (ich) es nie bemerkt. Denn Liebe gehörte nicht zum Warenkorb meiner Familie. Dort hieß die Delikatesse Freundschaft. Und dies habe ich mein Leben lang gemeistert.
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dufte_biene

Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von dufte_biene »

mit 20 - da hatte ich (nach Abbruch des Studiums im ersten Semester) gerade meine Ausbildung (zur Krankenschwester) begonnen,
war schwer depressiv und habe sehr damit gekämpft, mich weder liebens- noch lebenswert zu finden...
(diese schlimmen depressiven Phasen sind zum Glück vorbei ;-) )

das Gute: durch die Ausbildung hatte ich ein eigenes Einkommen, konnte finanziell unabhängig werden und mich vom Elternhaus abnabeln ...
In der Zeit habe ich auch meine erste Psychotherapie gemacht und rückblickend gelernt, über mich / mein Innenleben zu sprechen :good:
Strange Lady hat geschrieben: ↑15.10.2021, 20:42 ... habe aber nie den Glauben gehabt, dass mich jemand lieben könnte.
... kenne ich :sadwoman: hat immer dazu geführt, dass aber auch jeder Interessent nicht wahrgenommen bzw. ihm nicht geglaubt wurde
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alex321
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von alex321 »

Die Zeit Anfang 20 war nicht schön für mich. Ich hatte damals wegen jahrelangen Mobbings eine handfeste soziale Phobie. Jeder Tag an der Uni war psychischer Stress für mich. Ich war damals auch immer sehr knapp bei Kasse weil meine alleinerziehende Mutter einfach nicht die finanziellen Mittel hatte um mich während des Studiums zu unterstützen. Nebenbei arbeiten hätte ich damals nicht können denn mir war die Uni alleine schon fast zu viel wegen der sozialen Phobie.

Als schüchterner und distanzierter Mann bekam ich natürlich kein Interesse von Frauen. Ich habe mich aber trotzdem in einige Frauen verknallt und zu einer habe ich mich so sehr hingezogen gefühlt dass ich mich trotz der Ängste überwinden konnte sie zu einem Date einzuladen. Der eindeutige Korb den ich dann von ihr bekam war richtig niederschmetternd für mich. Mir ist es monatelang schlecht gegangen. Mit einer anderen Frau in die ich verknallt war hatte ich durch Zufall eine Art Date als wir während einer Projektarbeit gemeinsam Mittagessen waren. Als ich ihr gegenüber saß war ich dann allerdings so nervös und angespannt dass ich Sprechblockade und Schweißausbruch bekam. Dafür wurde ich von ihr ausgelacht. Gerade von ihr ausgelacht zu werden war verheerend für mein Selbstvertrauen.

Das Einzige was damals gut lief war meine körperliche Fitness. Ich war damals sehr schlank und hatte zeitweise sogar ein Sixpack weil ich fast jeden Tag trainiert habe. Aufmerksamkeit/Interesse von Frauen hat mir das aber leider auch nicht gebracht. Ich glaube meine Schüchternheit hat meine Attraktivität komplett zerstört.
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Settembrini
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Settembrini »

alex321 hat geschrieben: ↑07.10.2023, 14:00 ----
Als schüchterner und distanzierter Mann bekam ich natürlich kein Interesse von Frauen. Ich habe mich aber trotzdem in einige Frauen verknallt und zu einer habe ich mich so sehr hingezogen gefühlt dass ich mich trotz der Ängste überwinden konnte sie zu einem Date einzuladen. Der eindeutige Korb den ich dann von ihr bekam war richtig niederschmetternd für mich. Mir ist es monatelang schlecht gegangen. Mit einer anderen Frau in die ich verknallt war hatte ich durch Zufall eine Art Date als wir während einer Projektarbeit gemeinsam Mittagessen waren. Als ich ihr gegenüber saß war ich dann allerdings so nervös und angespannt dass ich Sprechblockade und Schweißausbruch bekam. Dafür wurde ich von ihr ausgelacht. Gerade von ihr ausgelacht zu werden war verheerend für mein Selbstvertrauen.
Das ist wirklich eine ausgesprochen destruktive Erfahrung. Und da nützt es auch nichts, dass eine Frau, die einen Mann wegen seiner Schüchternheit mit den entsprechenden Konsequenzen auslacht, nicht den Boden wert ist, auf dem sie geht.
alex321 hat geschrieben: ↑07.10.2023, 14:00 Das Einzige was damals gut lief war meine körperliche Fitness. Ich war damals sehr schlank und hatte zeitweise sogar ein Sixpack weil ich fast jeden Tag trainiert habe. Aufmerksamkeit/Interesse von Frauen hat mir das aber leider auch nicht gebracht. Ich glaube meine Schüchternheit hat meine Attraktivität komplett zerstört.
Wobei ich eher glaube, dass Du zum einen an die verkehrten Frauen geraten bist und zum anderen danach ein vielleicht durchaus vorhandenes Interesse von anderen Frauen an Dir nicht mehr registrieren konntest. Ich weiß, dass es Frauen gibt, die schüchterne Männer den Alphatieren in jedem Fall vorziehen.
Aber dies schreibt Dir einer, der selber sein Päckchen im Leben zu tragen hatte.
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Vogel
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Vogel »

Mit 20- da änderte sich ein paar Tage nach meinem Geburtstag gerade die Welt schlagartig mit den Anschlägen in NYC. Für mich dagegen änderte sich nicht wirklich was. Einige Männer in meinem Alter um mich herum hatten da noch keine Freundin, ich schätze so die Hälfte. Sorgen machte ich mir deshalb da noch nicht- aber im Inneren spürte ich natürlich den Wunsch. Aber wie immer hieß es: irgendwann passiert es auch bei Dir. Jeder Topf findet einen Deckel. Sei nett zu den Frauen, dann passiert es schon.

Genau das war das Problem- ich glaubte, das irgendwann einmal es einfach passieren würde. Schließlich bekommt jeder eine Freundin. Oder?

Tatsächlich hatte bald darauf jeder aus meiner damaligen Clique eine Partnerin oder Partner. Ich begann meine Ausbildung, verliebte mich unglücklich in eine Mitschülerin, mein Versuch bei ihr zu landen schlug fehl- ein anderer Mitschüler gewann das Rennen. Hoffte auf andere Frauen - merkte aber auch bei diesen kein Gegeninteresse. Ich probierte Dating-Tips, tauschte mich mit anderen online darüber aus, probierte mich beim Onlinedating- scheiterte aber immer. In der Clique war ich bald das 5. Rad am Wagen, die ersten heirateten, bekamen Kinder.

Das alles wirkte sich auf meine Stimmung aus, ich wurde zunehmend deshalb von meiner Clique ausgeschlossen und wurde depressiv. Mein Hausarzt vermittelte mich an einen Therapeuten- das war zumindest bezüglich bestimmter Probleme hilfreich- aber in der Gruppentherapie waren nur Frauen. Und die machten mir klar, das ich nicht besonders erwachsen oder ernst zunehmen wirkte. Nach 1,5 Jahren endete die Therapie weil ich zuhause keine Arbeitsstelle bekam. Ich zog in eine Unistadt, und freute mich dort neue Kontakte finden zu können. Es kam ganz anders- ich fand keinen Anschluss, der neue Job laugte mich aus. Ich wurde wieder depressiv, blieb nachts wach vor dem Computer. Dann fiel mir Arne Hoffmann's "Unberührt. Menschen ohne Beziehungserfahrung - Wege zu erfüllter Liebe und Sexualität" in die Hände. Mein Einstieg in die AB-Szene....
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt.
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Settembrini »

Vieles von dem , was ich hier lese, bedrückt mich, denn es offenbart eine unsagbare Traurigkeit der Verfasserinnen und Verfasser.

Ich habe es immer für eine Lüge gehalten, wenn gesagt wurde, dass die „Zeit der Jugend“ (und darin möchte ich die 20 noch mit einbeziehen), „die schönste Zeit des Lebens“ ist.

In jenen Jahren verändern wir alle uns so fundamental, dass es entweder Glückshormone oder aber Ängste und Schmerzen hervorbringt. Denn bei vielen bedeutet diese Zeit ein Loseisen von der Kindheit; und oft ist gar nicht bewusst, welch ungeheure Macht die Kindheit als Zeit auf den Menschen ausübt.
Es gilt, eigene Wohnungen zu suchen, es sind Berufe oder Ausbildungen oder Studien fernab der bisherigen Heimat zu begründen. Allein das ist schon ein völliges Umkrempeln, was gewohnte Riten des bisherigen Lebens ausmachten.
Und besonders schwer fällt all dies, wenn man es alleine stemmen muss. Ohne einen Menschen, der einem Halt gibt, der einen unterstützt, der einem bei den Ängsten hilft und Verständnis für die Sorgen erbringt.

Ich lese hier viel deswegen davon, dass Depressionen und Minderwertigkeitskomplexe den Weg pflastern. Ich lese, dass die Attraktivität des Bildes dort im Spiegel in Frage gestellt wurde und immer noch wird. Ich lese von Schüchternheit, von Hilflosigkeit und Verzagen.

Es gibt natürlich keine Lösungen für all das hier Geschriebene innerhalb meiner Zeilen. Einige Beschreibungen in den Posts kenne ich selber, vieles hingegen kenne ich zu meinem eigenen Glück nicht, anderes verfolgt mich dafür, was andere Forumsmitglieder zu ihrem leisen Glück nicht kennen.
Es war mir nur ein Bedürfnis, hier für euch alle mitzuteilen, wie sehr mir diese Berichte selber auch unter die Haut gehen. In welcher Welt leben wir, in der nur die Lauten, Starken und Vordrängler etwas gelten. In welcher Welt leben wir, wo Zurückhaltung und Kummer nicht erkannt oder gar kritisiert werden. In welcher Welt leben wir, in der allein durch das Schönheitsideal der Massen der Wert eines Menschen festgelegt wird.

Hier und jetzt winke ich euch allen zu und wünsche euch alles Glück der Welt für euer weiteres Leben. :umarmung2:
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Gody001 »

Ich fürchte das viel Text wird, aber ansonsten fehlt der Kontext warum es bei meinem ABtum in den 20ern geblieben ist.

Mit 20 war ich in der Ausbildung zum Informationselektroniker. Vorher 1 Jahr suchend gewesen. Na ja nicht wirklich aktiv.
Die ganze Thematik Ausbildung, Beruf, Arbeit waren total überfordernd für mich. Ich war nicht nur in Partnersuchdingen krankhaft schüchtern, sondern auch in dieser Thematik. Dachte auch, wer will so jemanden schüchternen, ängstlichen, zurückgezogenen, der nicht redet, mit diesem mittelmäßigen Zeugnis schon haben. :sadman: .
Ich habe mich damals auch sehr darauf versteift, dass es irgendwas mit Computern am besten handwerklich zu tun haben sollte. Das war das einzige, was ich gerne machte, was ich mir überhaupt irgendwie beruflich vorstellen konnte.
Ich hatte keine Orientierung außer mir selbst. Meine Mutter (Polin) war klassische Hausfrau und hat in Deutschland nie gearbeitet, nachdem sie durch die Heirat migriert ist. Sie empfindet das heute auch als Fehler. Außer mir und meinem Bruder hat sie heute auch kein soziales Netz. Vater war Fernfahrer. Nur an Wochenenden zu Hause, die er so verbrachte wie er es wollte. Kneipe von 9:30-14:00 Uhr und danach ging das Trinken zu Hause weiter. Entweder mit Saufkumpels seiner Musik und dann abends Sportschau oder Jauch. Er hat nie eine Vaterfigur dargestellt bzw eine Rolle angenommen. Hat meine Mutter damit allein gelassen.

Da ich mir aber beim besten Willen wegzuziehen nicht vorstellen konnte, blieben die Möglichkeit in einer 80.000 Einwohner Stadt begrenzt. Und die Noten, auf die es ankam, waren mittelmäßig bis schlecht.
Den Ausbildungsplatz haben meine Eltern dann besorgt. Bekannter der Familie war der Chef einer kleinen Fernseherschrauber Bude mit 8-10 Angestellte. Da musste ich also keinen klassischen Weg mit Bewerbung schreiben und Bewerbungsgespräch machen. Hingefahren, ganz wenig gesprochen. Ausbildungsvertrag unterschrieben, fertig.

Mir fällt gerade auf, dass es mir unheimlich schwerfällt, mich an viele Details von damals zu erinnern. Mir kommt das oft wie ein schlechter Film vor. Geht euch das auch so oder liegt das daran, dass ich das eventuell traumatisch empfunden habe?

Ich blieb während der Ausbildung reserviert. Wenn man mir Arbeit gegeben hatte, habe ich sie gemacht. Ansonsten blieb ich passiv. Ich meine das mein Chef irgendwann mal gesagt hatte, ich müsste mehr aus mir herauskommen. Hatte für mich den gleichen Effekt wie wenn man ABs sagt "jetzt sprich doch einfach eine an".

Ich wurde dann irgendwann in der hinteren Werkstatt geparkt, bzw. Habe mich da geparkt, es hatte ja ohnehin keinen interessiert. Ich habe dann vor allem Ausbildungsfremde Arbeit gemacht die mich unterforderte. Wir haben für den Spielotheken Geräte Hersteller Gauselmann die Geräte restauriert. Stumpfsinniges Säubern von Geldkassetten, Netzteilen und nach Lötbearbeiten. Ich habe mich tierisch gelangweilt. Auf den Außendienst wurde ich nur in Ausnahmefällen mitgenommen, da nicht genügend Arbeit für zwei Teams anfiel. Es gab noch einen Azubi im selben Lehrjahr. Kundenservice Satellitenanlagen, Fernseher abholen usw. Ich war immer zweite Wahl, da ich bei den Außenanlagen keine richtige Hilfe war. Das lag an meiner Höhenangst und ich war nicht schwindelfrei. Dreimal dürft ihr raten, wo Satellitenanlagen meistens hängen.... :wuetend:
Mein Leben bestand aus Arbeiten gehen und zu Hause ins Bett legen. Meine seelischen Akkus waren halt komplett leer. Das hat mich emotional alles so angestrengt und traurig gemacht, dass ich nachmittags/abends immer komplett platt war.
Die Freizeit, wo ich dann noch Energie übrig hatte, verbrachte ich dann an der Daddelkiste. Das einzige, was mir zu der Zeit überhaupt ein bisschen Freude gemacht hatte. Die sozialen Kontakte zu meiner alten Clique schlief komplett ein.
Ich hatte schlicht nicht die Kraft, diese Kontakte zu pflegen. Ich bereue das heute so sehr.
Dementsprechend antriebslos und demotiviert war ich auch in der Berufsschule. Die Lehrer dort hatten auch so eine Art an sich, die ich gehasst habe. Zum Lernen konnte ich mich nicht aufraffen und der Stoff war hochkomplex, die Vergütung richtig mies und die Zukunftsaussichten mehr als schlecht. Elektrotechnik halt. Und da Verständnis der Mathematik ein Problem bei mir war, und ich mich zum Lernen nicht aufraffen konnte, könnt ihr euch das Problem denken.
Nebenbei Frauenanteil null Komma null. Aber das war damals überhaupt kein Thema. Ich war da so unglücklich, dass ich daran wirklich gar nicht dachte. Ich hatte es damals einmal geschafft, mit dem ganzen Mut, den ich aufbringen konnte, bei der zuständigen Filiale der IHK vorzusprechen und die schlechte Ausbildungsqualität in meinem Betrieb anzusprechen. Es gab keine Hilfe oder Vorschläge, es war der Dame scheinbar schlicht egal.
Das war auch in einer Situation wo es dem Betrieb wirtschaftlich nicht gut ging. Eigentlich der ganzen Branche. Ich habe die Insolvenz schon gerochen. Die Ausbildungsvergütung hatte 3 Monate Rückstand. Und so kam es auch ein Halbes Jahr später nachdem ich schon weg war dazu. Mein Chef ist zu der Zeit auch wieder rückfällig dem Alkoholismus erlegen. Das wurde mir allerdings damals erst einiges Zeit später gesagt. Ich wunderte mich damals immer das morgens überall Bierflaschen rumstehen. Damals dachte ich immer das waren die Männer am Feuerabend einen Tag vorher. Ne das waren die Falschen vom Chef der morgens um 6 schon angefangen hatte.
Kurz vor dem Übergang zum 3 Lehrjahr habe ich die Sache, unter einigen Tränen die ich Tagelang vorher zuhause wegen der Situation vergossen hatte, hingeschmissen.
Das war damals im März oder April.
Nach dem Sommer habe ich dann Fachabitur begonnen, das ich nach drei Jahren dann hatte, weil ich 1 Jahr wiederholt habe. Die Fächerkombinationen für die Leistungskurse, die man wählen konnte, waren alle nicht meine Stärke. Bio und Mathematik wurden es dann.
Bio ging. Mathe LK war ein großes Problem. Wenn es angeboten worden wäre, hätte ich Erdkunde gewählt.
Im Abi hatte ich dann ein zwei Leute, mit denen ich mich gut verstand, aber da ich Freundschaften nicht gepflegt hatte, war danach auch wieder Funkstille. Ich weiß aber, dass ich während der Zeit mindestens drei Mitschülerinnen angehimmelt hatte. Natürlich nie angesprochen. Ich dachte aber auch das ich es sowieso nicht wert war. Zwei waren eher so eine Schwärmerei. Aber in eine hat ich mich richtig doll verknallt. Das hat richtig weh getan weil sie unerreichbarfür mich schien. Nach dem Abi wusste ich aber wieder nicht, was ich machen sollte. Mir wurde damals dann eine Lehrstelle bei der Stadt im IT Bereich in Aussicht gestellt. Ein bekannter der Familie hatte da Connections. Er war der Chef der örtlichen Kreisschwimmhalle. Es wurde leider nichts daraus. Also stand ich wieder am Anfang und zog mich aus frust zurück. Ich habe wohl nie wirklich gelernt mit Niederlagen umzugehen. War also wieder erfolglos auf der suche. Habe mich dann zuerst mit dem angesparten Bafög, ich habe kaum was ausgegeben während der Schulzeit und später mit einem Minijob aus dem später meine jetzige Festanstellung wurde, bis Anfang meiner 30er über Wasser gehalten.

Nach dem Abi bis zu meiner Festanstellung habe ich nicht viel über Frauen, Partnerschaft usw. nachgedacht. Ich meine, die Minderwertigkeitskomplexe waren ja auch gigantisch groß. Schüchtern, Stubenhocker, wenig Geld, keine feste Arbeit, keine Freunde, wenig Interessen. Habe mich regelrecht versteckt vor der Außenwelt. Wer will mit sowas schon befreundet sein. Tja das waren meine 20er.
In meinen 30ern musste ich dann zwei schwere körperliche Krankheiten durchstehen.

Die sind mehr oder weniger ausgestanden. Die eine hat mich ein Hoden gekostet, was ich nicht so schlimm finde. Die andere behindert mich allerdings im Alltag doch sehr. Vor allem beim Thema soziale Interaktion und auch wenn ich mich doch noch trauen sollte auf Frauen zuzugehen. Morbus Crohn bzw. die folgen davon wie das ich immer die Nähe einer Toilette brauche, sind halt absolut unsexy und ich nehme es auch alles erhebliche Einschränkungen wahr. Ich wüsste nicht, wie ich das einer Frau, mit der ich eine Beziehung anstreben, wollen würde, erklären soll, ohne dass es für sie zur redflag wird. Die Einschränkung ist halt wirklich deutlich. Es gibt auch sehr unangenehm Sachen wie Blähungen, die nicht so selten auftreten. Man sagt ja das eine Beziehung wo das Paar voreinander furzen kann und beide anfangen zu lachen ist wirklich sehr fest. Aber erstmal dahinkommen ist die Herausforderung.

Manche Sachen sind mit Trippelschritten besser geworden, vieles aber auch, wenn überhaupt, nur sehr wenig. Richtig Quälen tut mich das AB sein erst so seit ca. 3-4 Jahren.
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Settembrini
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Settembrini »

Gody001 hat geschrieben: ↑06.11.2023, 18:50 (...)
Eine ehrliche, um nicht zu sagen unvergleichlich offene Darstellung Deiner Vergangenheit. Bei einigen Menschen schlägt das Schicksal besonders gerne zu. Oder, wie wir früher sagten: der Teufel kackt immer wieder auf den sowieso schon größten Haufen.

Eine Sache liest sich für mich aber auch alles andere als nachteilig; Du hast das Fachabitur nachgeholt. Wobei Du schreibst, dass Deine Zensuren zuvor allenfalls mittelmäßig bis schlecht waren. Es gibt genügend Menschen, die das nicht schaffen würden, was Dir da gelungen ist.

Dass Du bei der Ausbildung den Eindruck hattest, das Leben bestünde nur aus Arbeiten und Schlafen und deine Batterien nachmittags ratzeputze leer schienen, ist übrigens keineswegs ein Einzelfall, sondern eine völlig logische Folge bei anstrengenden Lehrberufen, die von Menschen ausgeübt werden, die zuvor in der Schule ganz anders gefordert waren als im täglichen Malochen.
Meine Ausbildung begann damals schon, als ich 16 Jahre alt war. Und ich erlernte einen Bauhandwerksberuf, bei dem ich, ohne zu übertreiben, Schwerstarbeit im Körperlichen verrichtete. Ich war als Jugendlicher so übermüdet, dass mein Leben ebenso aus Arbeit und Schlaf zu bestehen schien wie das Deine. Und selbst am Wochenende fürchtete ich mich vor dem kommenden Montag. Und, so dachte ich mir damals, so würde es ewig weitergehen.
Das tat es aber nicht.

Soweit ich Deine Posts hier verfolge, scheinst Du im schriftlichen Gegenhalten auch nicht mehr zurückhaltend oder ängstlich zurückgezogen zu sein. Das meine ich in diesem Fall nicht abwertend. Denn Du vertrittst hier im Forum klar Deine Standpunkte und schreckst bei Angriffen auf dieselben auch nicht vor Reaktionen zurück.
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von blank pager »

Mit Anfang 20 gründete ich mein Unternehmen und war eifriger Student. Zog in eine Großstadt dabei.
Ich war im Dreieck Studium - Job - Sport gefangen, aber zugleich erfüllte mich das irgendwie voll, ab mir eine Perspektive (der Job vor allem) und in gewisser Hinsicht eine Sicherheit/Orientierung. Wolke 7 und darüber mit Mitte 20 sind keine Fehlbezeichnung für diesen Zustand. An Beziehung, Frauen oder Kinder habe ich nicht im Funken gedacht - davon war nichts präsent. Voll im Selbstverwirklichungsmodus irgendwie.
Anfang 30 bekam das ganze Risse und ich merkte, dass mir auch emotional immer mehr fehlen würde - bis dann Mitte 30 der "Absturz" kam. :oops:
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Gody001 »

Settembrini hat geschrieben: ↑07.11.2023, 06:24 Eine ehrliche, um nicht zu sagen unvergleichlich offene Darstellung Deiner Vergangenheit. Bei einigen Menschen schlägt das Schicksal besonders gerne zu. Oder, wie wir früher sagten: der Teufel kackt immer wieder auf den sowieso schon größten Haufen.
Ja, wenn ich erstmal loslege, gibts kann halten. Liegt aber auch daran, dass ich ein Fan von zusammenhängen bin.
Es gibt genügend Menschen, die das nicht schaffen würden, was Dir da gelungen ist.
Dessen bin ich mir bewusst. Nur, weil ich eben ich bin, hat es mir zumindest Beruflich nichts gebracht. Für das, was ich jetzt mache, hätte ich das nicht gebraucht. Dass es charakterlich was gemacht hat, will ich nicht ausschließen. Es hat mit Sicherheit auch irgendwelche Reifeprozesse in Gang gesetzt.
Aber für mich war es auch ein bisschen die Flucht vorm Leben. Schule kannte ich ja. Da konnte ich wieder untertauchen.
Und ein bisschen Bafög gab's halt auch, für das ich mich vor niemanden rechtfertigen musste.
Dass Du bei der Ausbildung den Eindruck hattest, das Leben bestünde nur aus Arbeiten und Schlafen und deine Batterien nachmittags ratzeputze leer schienen, ist übrigens keineswegs ein Einzelfall, sondern eine völlig logische Folge bei anstrengenden Lehrberufen, die von Menschen ausgeübt werden, die zuvor in der Schule ganz anders gefordert waren als im täglichen Malochen.


Für mich war eher die Unterforderung und die ganzen frustrierenden Momente, die mich heruntergezogen haben und bis ins Mark ermüdet hatten. Ich wollte nach so einem Tag halt einfach niemanden mehr sehen, sprechen, hören. Mein sozialer Akku, der eh schon wenig Kapazität hatte, war leer.
Soweit ich Deine Posts hier verfolge, scheinst Du im schriftlichen Gegenhalten auch nicht mehr zurückhaltend oder ängstlich zurückgezogen zu sein. Das meine ich in diesem Fall nicht abwertend.
Leide schaffe ich das nur Online. Vielleicht war das der erste Schritt, wohin auch immer. Ich habe das hier so noch nie irgendwem erzählt. Weder Online noch offline. Keine Ahnung, ob ich das jemals schaffen werden im RL.
Andererseits erzähle ich ganz offen über meine beiden körperlichen Krankheiten. Auch neuen Kollegen, sobald ich ein bisschen vertrauter mit ihnen bin. Aber bei dem Gedanken eine Frau auf der ebene Dating, Partnerschaft, Sex usw. anzusprechen, da bin ich komplett raus. :sadwoman:
Denn Du vertrittst hier im Forum klar Deine Standpunkte und schreckst bei Angriffen auf dieselben auch nicht vor Reaktionen zurück.
Es gab Zeiten, in denen es viel Zeit totzuschlagen gab. Ich habe Online viel an politischen Diskussionen teilgenommen.
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Gody001 »

blank pager hat geschrieben: ↑07.11.2023, 06:31 Mit Anfang 20 gründete ich mein Unternehmen und war eifriger Student. Zog in eine An Beziehung, Frauen oder Kinder habe ich nicht im Funken gedacht - davon war nichts präsent. Voll im Selbstverwirklichungsmodus irgendwie.
Anfang 30 bekam das ganze Risse und ich merkte, dass mir auch emotional immer mehr fehlen würde - bis dann Mitte 30 der "Absturz" kam. :oops:
Brüder im geiste. :lach: . Du warst im Verwirklichungsmodus, ich musste erstmal ein geregeltes Einkommen erreichen. Und in der Zeit war an Frauen nicht zu denken.
Und mit Mitte 30 die Erkenntnis das man eigentlich nicht mehr alleine sein will, das die fehlende Erfahrung aber wie eine Bleikette um den Hals liegt und dann irgendwie ein Gefühl, das ich mit Torschusspanik beschreiben würde.
dufte_biene

Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von dufte_biene »

Gody001 hat geschrieben: ↑07.11.2023, 12:46 ... , das die fehlende Erfahrung aber wie eine Bleikette um den Hals liegt ...
... das kann ich so gut verstehen :umarmung2:
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von alex321 »

Gody001 hat geschrieben: ↑07.11.2023, 12:46 Brüder im geiste. :lach: . Du warst im Verwirklichungsmodus, ich musste erstmal ein geregeltes Einkommen erreichen. Und in der Zeit war an Frauen nicht zu denken.
Und mit Mitte 30 die Erkenntnis das man eigentlich nicht mehr alleine sein will, das die fehlende Erfahrung aber wie eine Bleikette um den Hals liegt und dann irgendwie ein Gefühl, das ich mit Torschusspanik beschreiben würde.
Ich finde es ist nicht schlimm in den 30ern noch ein Absolute Beginner zu sein wenn man dafür in anderen Lebensbereichen umso mehr vorzuweisen hat.

Wenn ein viel gereister leitender Angestellter seine Unerfahrenheit damit erklärt dass sein erfüllender Job ihm keine Zeit für Beziehungen ließ, dann kommt das tausendmal besser rüber als wie wenn ein einfacher Büroangesteller seine Unerfahrenheit mit 0815 Erklärungen/Ausreden der Art "die Richtige war noch nicht dabei" rechtfertigen will.

Außerdem ist ein Mann mit hohem Einkommen auf jeden Fall attraktiver als ein Geringverdiener oder Arbeitsloser. Ich werde beim Onlinedating wegen meiner Arbeitslosigkeit aussortiert lange bevor die Unerfahrenheit überhaupt auffällt und zur Sprache kommt.
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Re: Wie war das damals bei euch mit 20

Beitrag von Deja-vu »

Ich poste mal was, damit hier vielleicht wieder Leben reinkommt. :)

Mit 20... Das ist bei mir nun genau 20 Jahre her.
Eigentlich war mein Leben damals erheblich besser als heute. Ich würde sogar sagen, zwischen 20 und 25 hatte ich die absolut beste Zeit meines Lebens. Nur eben ohne Liebe.
Dabei hatte ich zu der Zeit sogar einen Schwarm, einen Mitschüler - doch der war vergeben. Egal, ich kannte es ja bislang nicht anders, und davon abgesehen hatte ich keinerlei Sehnsucht nach einer Beziehung verspürt. Heute denke ich, dass vor allem Ängste dahinter steckten und ich dieses Thema deshalb weg geschoben habe.
Mein Schulabschluss fiel mit dem Sommermärchen zusammen, und das war es auch. Ein ganz toller Sommer, zumindest im verklärten Rückblick. Kurz danach war ich zum ersten Mal allein verreist, nach London. Heute sind so weite Reisen für mich unmöglich.

Mit den Leuten aus meinem Jahrgang hatte ich kein engeres Verhältnis, eher nur so Bekanntschaften. Unsere Wege haben sich demzufolge nach Ende der Schulzeit getrennt. Nur eine Freundin war mir damals geblieben, mit der ich viel unternommen habe. Leider kam es irgendwann zu einem Zerwürfnis, und der Kontakt ging ebenfalls verloren.

Eigentlich hatte ich studieren wollen, aber da hätte ich ewig warten müssen, und habs mir letztendlich auch nicht zugetraut. Daher habe ich eine Ausbildung begonnen. Die Leute da waren sehr gemischt, die meisten aber jünger als ich, und es war fast wie in der Schule. Hab mich gut mit allen verstanden, aber Freundschaften entstanden nicht. Allerdings bekam ich da sehr viele Beziehungsprobleme und alle erdenklichen Gespräche rund um Intimitäten mit. Da hatte ich mich zum ersten Mal auch unwohl damit gefühlt, AB zu sein, und gehofft, dass es niemand mitbekommt.

Mit 22 habe ich eine sehr liebe Person kennengelernt, in die ich mich auch verliebt hatte. Aber sie war in einer langjährigen Beziehung. Das war für uns beide sehr schwierig, denn die Gefühle waren mutmaßlich beidseitig. Irgendwie haben wir es geschafft, befreundet zu bleiben, und die Gefühle sind von selbst abgeklungen. Darüber bin ich im Nachhinein sehr froh.

Mit Ende 20 wurde ich krank und fiel in ein Loch. Hatte jahrelang mit Ärzten, Klinikaufenthalten und Reha zu tun, ohne oder nur mit unzureichender Diagnose... Dann mit Sozialpsychiatrischem Dienst, Eingliederungshilfe, Jobcenter etc. (Zeigt, dass auch ein Abi kein Garant für beruflichen Erfolg ist). Inzwischen arbeitsunfähig.
Ein wenig Hoffnung hatte ich in meine erste eigene Wohnung gesteckt, die ich endlich fand. Das währte aber nur kurz, denn zeitgleich veränderte sich in der mir eigentlich vertrauten Umgebung alles ins Negative. Bald schon empfand ich es als zusätzliche psychische Belastung, dort zu wohnen. Ich habe daraufhin jahrelang auf Immonilienportalen herumgehangen wie andere auf Datingportalen. Ohne Erfolg.
Meine Depression und körperlichen Symptome verschlimmerten sich, erschwerten mir den Alltag erheblich. Irgendwann begann ich mich deshalb zu isolieren. Habe Hobbys aufgegeben, bin nur noch selten raus. Bekam eine soziale Phobie und wollte mit Menschen nichts mehr zu tun haben. Als die Pandemie begann, war ich bereits im Lockdown. An so etwas wie Partnersuche war in all der Zeit nicht zu denken. Das Thema hatte ich für mich komplett abgehakt.

Irgendwann habe ich angefangen zu schreiben und dadurch sind mir ein paar Dinge bewusst geworden. Seit 1-2 Jahren kommt mir immer häufiger der Gedanke, ich hätte was verpasst. Begleitet von der Frage. ob nicht vielleicht noch was möglich wäre. Ob man es nachholen könnte. Dabei weiß ich nicht mal, was genau. Einfach mal so was wie die berüchtigte "erste Liebe" erleben, aber zur Abwechslung mal nicht einseitig. Herausfinden, ob das alles überhaupt was für mich wäre.
Keine Ahnung, vielleicht ist es auch nur so was wie eine Midlife Crisis, die in ein paar Jahren vorbei ist.
Aktuell jedenfalls fühle ich mich einsam und würde gerne wieder neue Menschen in mein Leben lassen. Aber ich glaube, das wird ein harter Weg, denn ich habe so viel verlernt in Sachen soziale Interaktion, und kämpfe auch noch immer mit psychischen wie gesundheitlichen Problemen.

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