Machen Sie sich oft Gedanken, was andere von Ihnen denken oder wie andere Sie beurteilen? Meiden Sie soziale Situationen oder ertragen Sie diese nur unter starker Angst?
Weltweit leidet jeder siebte Mensch im Laufe seines Lebens an ausgeprägten Sozialen Ängsten. An der Universität Bern haben wir deshalb das Online-Therapieprogramm JOURNeY zur Behandlung von Sozialen Ängsten bei Erwachsenen entwickelt. Mit der dazugehörigen Studie (PRIVATE) möchten wir die Wirksamkeit von JOURNeY untersuchen. Wir suchen bis Anfang 2026 noch Teilnehmer*innen!
Wenn Sie Interesse haben und an Ihren Sozialen Ängsten arbeiten wollen, folgen Sie dem untenstehenden Link für mehr Informationen und für die Anmeldung: https://clarus.psy.unibe.ch/Homepage_Interessierte
Bei noch offenen Fragen und Anliegen helfen wir Ihnen gerne unter der folgenden E-Mail-Adresse weiter: journey.psy@unibe.ch
Freundliche Grüsse
Ihr PRIVATE Team
Universität Bern
Institut für Psychologie
Studie zur Wirksamkeit eines Online-Therapieprogramms zur Behandlung sozialer Ängste
ERSTER BEITRAG DES THEMAS
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AB-Treff-Team
- Kennt sich hier gut aus
- Beiträge: 111
- Registriert: 06.05.2013, 08:02
Studie zur Wirksamkeit eines Online-Therapieprogramms zur Behandlung sozialer Ängste
ERSTER BEITRAG DES THEMAS
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Kolinatan
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- Registriert: 01.05.2023, 08:56
- Geschlecht: männlich
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- Ich bin ...: unfassbar.
- Wohnort: Nähe Würzburg
Re: Studie zur Wirksamkeit eines Online-Therapieprogramms zur Behandlung sozialer Ängste
Ich habe heute die Nachricht erhalten, dass die Ergebnisse zur Studie veröffentlicht wurden. Ihr findet die kompletten Ergebnisse unter dieser Adresse:
https://doi.org/10.1016/j.invent.2026.100988
Hier die Infos aus dem PDF, welches ich mit der E-Mail erhalten habe:
https://doi.org/10.1016/j.invent.2026.100988
Hier die Infos aus dem PDF, welches ich mit der E-Mail erhalten habe:
PRIVATE-Studienteam hat geschrieben: Wirksamkeit des Programms
Ein zentrales Ergebnis unserer Studie ist, dass das Online-Selbsthilfeprogramm insgesamt gut wirksam war. Die Teilnehmenden berichteten im Durchschnitt über eine deutliche Verringerung ihrer sozialen Ängste im Verlauf der acht Wochen. Das bedeutet, dass viele Personen sich nach dem Programm in sozialen Situationen weniger unsicher, weniger angespannt oder weniger stark bewertet fühlten als zuvor.
Diese Verbesserungen waren nicht nur kurzfristig sichtbar, sondern blieben auch über einen längeren Zeitraum bestehen. Auch mehrere Monate nach Abschluss des Programms zeigten sich weiterhin positive Effekte. Das spricht dafür, dass die im Programm vermittelten Inhalte und Übungen nachhaltig hilfreich sein können. Da aber alle Teilnehmenden das Programm erhalten haben, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, welcher Anteil der Verbesserung auf das Programm selbst zurückgeht.
Vergleich zwischen anonymer und nicht-anonymer Nutzung
Ein besonderes Anliegen unserer Studie war es zu untersuchen, ob es einen Unterschied macht, ob das Programm anonym oder nicht anonym genutzt wird. In der anonymen Version war keine Registrierung notwendig, und es wurden keine persönlichen Daten im Programm gespeichert. In der nicht-anonymen Version hingegen wurde ein Benutzerkonto erstellt, und persönliche Eingaben konnten direkt im Programm gespeichert werden.
Die Ergebnisse zeigen, dass beide Varianten ähnlich wirksam waren. Es konnte kein Hinweis darauf gefunden werden, dass die nicht-anonyme Version bessere Ergebnisse erzielt als die anonyme. Mit anderen Worten: Die Möglichkeit, das Programm vollständig anonym zu nutzen, ging nicht mit Nachteilen in der Wirksamkeit einher.
Dieses Ergebnis ist besonders wichtig, da Datenschutz und Privatsphäre für viele Menschen eine grosse Rolle spielen, gerade bei sensiblen Themen wie psychischer Gesundheit. Unsere Studie zeigt, dass ein hoher Schutz der Privatsphäre (in Form von Anonymität) mit einer wirksamen Behandlung vereinbar ist.
Weitere Veränderungen über die soziale Angst hinaus
Neben der sozialen Angst haben wir auch andere Bereiche untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich die Teilnehmenden in mehreren wichtigen Aspekten ihres Erlebens verbessert haben.
Zum einen gingen depressive Beschwerden, wie zum Beispiel Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit, im Durchschnitt zurück. Zum anderen verbesserte sich das psychische Wohlbefinden, also das allgemeine Gefühl von seelischer Gesundheit und Stabilität.
Auch im Umgang mit sich selbst zeigten sich Veränderungen: Viele Teilnehmende berichteten über eine Abnahme von sogenannten Selbststigmatisierungen im Zusammenhang mit psychischen Problemen. Das bedeutet, dass sie weniger stark dazu neigten, sich selbst aufgrund ihrer Probleme negativ zu bewerten oder abzuwerten.
Darüber hinaus wurden Einstellungen gegenüber professioneller Hilfe etwas positiver. Das heisst, die Bereitschaft, sich bei Bedarf Unterstützung zu suchen, nahm leicht zu.
Diese zusätzlichen Verbesserungen waren im Durchschnitt kleiner als die Veränderungen in der sozialen Angst, zeigen aber, dass das Programm auch über das eigentliche Hauptproblem hinaus kleine, aber positive Effekte haben kann.
Rolle von persönlichen Präferenzen
Ein weiterer Teil der Studie beschäftigte sich mit der Frage, ob es eine Rolle spielt, welche Variante des Programms sich die Teilnehmenden wünschen. Manche Personen hatten eine klare Präferenz für die anonyme Version, andere für die nicht-anonyme.
Die Ergebnisse zeigen, dass diese Präferenzen für den Erfolg des Programms kaum eine Rolle gespielt haben. Teilnehmende profitierten in ähnlichem Ausmass vom Programm, unabhängig davon, ob sie ihre bevorzugte Version erhalten haben oder nicht. Auch die Art der Zuteilung (zufällig oder nach Wunsch) hatte keinen entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse.
Das deutet darauf hin, dass das Programm selbst, besonders die Inhalte und Übungen, der wichtigste Faktor für die Verbesserung ist, und weniger die konkrete Form der Nutzung.
Präferenzen der Teilnehmenden
Interessanterweise zeigte sich, dass die Mehrheit der Teilnehmenden die nicht-anonyme Version bevorzugte. Das bedeutet, dass viele Personen bereit waren, persönliche Daten anzugeben und ein Benutzerkonto zu nutzen.
Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die nicht-anonyme Version als praktischer erlebt wird, da Inhalte direkt im Programm gespeichert und später wieder aufgerufen werden können. Auch das Vertrauen in den Anbieter des Programms (die Universität Bern) könnte eine Rolle gespielt haben.
Verträglichkeit des Programms
Insgesamt wurde das Programm gut vertragen. Nur sehr wenige Teilnehmende berichteten über negative Erfahrungen im Zusammenhang mit der Teilnahme. Solche Reaktionen können bei psychologischen Übungen, insbesondere bei sogenannten Expositionsübungen (also dem bewussten Aufsuchen angstauslösender Situationen), auftreten und sind in gewissem Mass erwartbar. Insgesamt waren unerwünschte Effekte sehr selten.
Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das untersuchte Online-Selbsthilfeprogramm JOURNeY eine Möglichkeit darstellt, soziale Ängste zu reduzieren. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass eine anonyme Nutzung des Programms ähnlich effektiv sein kann wie eine nicht-anonyme Nutzung. Persönliche Präferenzen hinsichtlich der Nutzungsform hatten keinen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg.
Diese Erkenntnisse sind relevant, da sie darauf hinweisen, dass digitale Angebote zur Unterstützung der psychischen Gesundheit so gestaltet werden können, dass sie sowohl wirksam als auch datenschutzfreundlich sein können. Dies könnte dazu beitragen, mehr Menschen den Zugang zu hilfreichen Angeboten zu erleichtern.