Freundschaften bei HC-ABs

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Neroberg

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Neroberg »

Birdfood hat geschrieben:
BartS hat geschrieben:...kann es vielleicht sein, dass viele HC-ABs auch deshalb im Erwachsenenalter nur noch wenige oder gar keine Freunde mehr haben, weil sie sehr zurückhaltend und initiativlos im eigenen sozialen Umfeld agieren?

Mittlerweile halte ich es für keinen Zufall mehr, dass man hier im Forum unter den ABs eine starke Häufung von sozialer Phobie, ausgeprägter Schüchternheit und Mutlosigkeit antrifft.
Ja, das glaube ich auch. Bei mir war es jedenfalls früher so, daß ich gewartet habe bis der andere einen Vorschlag macht ohen selber einen zu machen, nicht aus Angst, das er ihn ablehnt, sondern weil mir nichts einfiel, worauf ich lust hätte.
Mir wurde als Judendlicher oft und zurecht Passivität vorgeworfen. Nicht nur das es mir meisten egal war worauf man sich einigte, mir fehlte auch der Drang zur Selbstverwirklichung. Das lag wiederrum an meiner "Erziehung", ich wurde nicht als eigenständiger Mensch wahrgenommen, ich wurde behandelt wie ein Gegenstand.
Ich hatte kein Selbstwertgefühl, ich dachte damals wirklich, ich wäre nichts wert.
Ich hatte keine Selbstwahrnehmung, ich wusste nichts über meine Gefühle und selbst meine Körperwahrnehmung war teilweise gedämpft.
Soziale Phobie und Depressionen sind zwei meiner Diagnosen. Erst im laufe meiner Therapie habe ich gelernt, was das eigentlich alles ist und wie man damit umgeht, also Dinge, die andere ganz natürlich im Kindesalter gelernt haben mußte ich mir in den letzten acht Jahren mühsam antrainieren.
Birdfoods Ausführungen kann ich nur unterschreiben. Gegenstand passt.
Hinzuzufügen ist noch, meine Eltern haben versucht (hat nicht geklappt) mich für ihre Zwecke zu benutzen, sie wollten gerne ein berühmtes, erfolgreiches Kind. Sie wollten durch mich weiter in die Höhe gehoben werden.
Das macht mich auch misstrauisch bei Frauen, schnell denke ich, die will sich doch nur durch mich aufwerten.
Aber das ist nur ein Aspekt.
Neroberg

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Neroberg »

Ich merke, ich fühle mich weiblicher pn-Korrespondenz noch nicht gewachsen.
Geht es euch auch so, dass ihr eine Art Panik bekommt, wenn ihr davor steht mit einer Frau mehr als einmal eine pn zu schreiben?
Ich habe festgestellt, das ich mich problemlos mit einem anderen per pn hier austauschen kann.
Aber an Frauen traue ich mich nicht so recht heran. Wobei ich einschränkend sagen muss, die erste oder eine pn ist kein Problem, aber wenn ich eine zweite pn schreiben müsste, mache ich dicht.
schmidy

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von schmidy »

Was ist für dich bei der zweiten PM anders als bei der Ersten?

Edit: Das mit der Passivität habe ich teilweise auch recht stark. Wenn ich keine Lust auf gewisse Dinge habe, sage ich das. Wenn aber jemand mehrere Vorschläge hat, die ich alle gut finde, dann passiert es mir doch noch recht regelmäßig, dass ich sage, dass es mir egal sei. Auch bis ich mich zu Entscheidungen durchgerungen habe, dauert es verhältnismäßig lange. Manche Leute regt das auf, ich finde das mit etwas Abstand aber recht amüsant :D
Momentan arbeite ich aber dran und das ist für mich die Hauptsache. :)
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Birdfood
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Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Birdfood »

schmidy hat geschrieben:Das mit der Passivität habe ich teilweise auch recht stark. Wenn ich keine Lust auf gewisse Dinge habe, sage ich das. Wenn aber jemand mehrere Vorschläge hat, die ich alle gut finde, dann passiert es mir doch noch recht regelmäßig, dass ich sage, dass es mir egal sei. Auch bis ich mich zu Entscheidungen durchgerungen habe, dauert es verhältnismäßig lange. Manche Leute regt das auf, ich finde das mit etwas Abstand aber recht amüsant :D
Das kenne ich von früher, da habe ich mir auch alles ganz genau überlegt, um ja keine falsche Entscheidung zu treffen. Das habe ich mir abgewöhnt. Ich weiß; die schlechteste Entscheidung, die man treffen kann ist garkeine Entscheidung zu treffen.
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Neroberg

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Neroberg »

schmidy hat geschrieben:Was ist für dich bei der zweiten PM anders als bei der Ersten?
Meine Gedanken überschlagen sich fast, es ist fast so als wenn ich zwei Sachen auf einmal denke:
sie will was von dir! und sie will nichts von dir, ist nur höflich, will sich nur die Zeit vertreiben!
Ich denke unheimlich schnell, dass die Frau etwas von mir "will". :D Eigentlich denke ich das bei jedem Beitrag, der von einer Frau stammt und mich meint. :D
Aber dieser Gedanke ist nur kurz, weil sofort kommen die anderen, vermutlich richtigen, Gedanken, wie sie will sich nur die Zeit vertreiben oder nur wegen der angesprochenen Sache mit dir reden. Und das ist dann wieder deprimierend. Es blockiert mich, weil ich dann nicht mehr weiß, was ich in der zweiten pn schreiben soll. Weil es gibt ja die zwei Möglichkeiten, sie will wirklich etwas von mir oder nicht. Und je nachdem würde meine Korrespondenz anders ausfallen. Leider denke ich auch zulange drüber nach, das könnten durchaus Stunden sein. Das ermüdet mich wiederum und dann habe ich kein Interesse mehr auf den oder den Beitrag zu antworten oder meine Meinung zu schreiben, weil ich längst im Kopf alle (?) Möglichkeiten in zig Varianten durchgespielt habe.
Birdfood hat geschrieben:
schmidy hat geschrieben:Das mit der Passivität habe ich teilweise auch recht stark. Wenn ich keine Lust auf gewisse Dinge habe, sage ich das. Wenn aber jemand mehrere Vorschläge hat, die ich alle gut finde, dann passiert es mir doch noch recht regelmäßig, dass ich sage, dass es mir egal sei. Auch bis ich mich zu Entscheidungen durchgerungen habe, dauert es verhältnismäßig lange. Manche Leute regt das auf, ich finde das mit etwas Abstand aber recht amüsant :D
Das kenne ich von früher, da habe ich mir auch alles ganz genau überlegt, um ja keine falsche Entscheidung zu treffen. Das habe ich mir abgewöhnt. Ich weiß; die schlechteste Entscheidung, die man treffen kann ist garkeine Entscheidung zu treffen.
...und am Ende bin ich wieder nur passiv :(

Ich bin mir nicht so sicher, dass es immer die schlechteste Entscheidung ist, die man treffen kann gar keine Entscheidung zu treffen. Aber ich möchte keine Haarspalterei betreiben, du schriebst ja auch nicht "immer".
Aber deinen Spruch in der Signatur kann ich nur zustimmen.
Wenn man nichts tut, bereut man umso mehr und zergeht sich in stundenlangen Grübeleien.
Ich denke aber auch, das hängt vom Menschen ab. Was würde ich tun, wenn ich alles hätte, was ich mir je gwünscht hätte? Ich würde sicherlich weitergrübeln :/
Neroberg

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Neroberg »

Birdfood hat geschrieben: Das kenne ich von früher, da habe ich mir auch alles ganz genau überlegt, um ja keine falsche Entscheidung zu treffen. Das habe ich mir abgewöhnt. Ich weiß; die schlechteste Entscheidung, die man treffen kann ist garkeine Entscheidung zu treffen.
Dazu fällt mir noch etwas ein: es gibt einen Unterschied zwischen dem Vermeiden von schlechten Entscheidungen und dem Erzielen von guten Entscheidungen. Das eine bedingt nicht automatisch das andere.
Wenn ich um etwas schlechtes zu vermeiden, minimal übe, vrmeide ich somit das schlechte Ergebnis.
Ich erziele aber nur ein gutes Ergebnis, wenn ich mich voll verausgabe.

Okay, man müsste erstmal drüber nachdenken, ob mein eben aufgestelltes Postulat immer gültig und sinnvoll ist.
FoxMulder

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von FoxMulder »

Foralo hat geschrieben:
ABtutsoweh hat geschrieben:Seitdem hab ich aus Scham wegen meiner AB-Situation und der Angst aus diesem Grund nicht für voll genommen zu werden, keine neuen Kontakte mehr geknüpft und lebe hier an meinem Wohnort ziemlich isoliert.
Auch bei mir ist das ein weiterer Grund warum ich Hemmungen habe neue Kontakte zu knüpfen.

Bei mir ist es auch ganz genauso. Habe halt auch schon erleben müssen, wie ein "Freund" mich einfach mal vor allen als Jungfrau bloßgestellt hat. Das hat mich damals von meinem sowieso schon schlechten Stand in meiner Klasse ins völlige Aus befördert. Das will ich nicht nochmal erleben.
schmidy

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von schmidy »

@Neroberg
Woran machst du fest, dass es die "richtigen Gedanken" sind?

@Birdfood
Ich finde "abgewöhnen" den falschen Ausdruck. Abgewöhnen hat was mit ablernen zu tun und das hat für mich wiederum was Zwanghaftes an sich.
Ich sehe es eher so, dass ich die Wahl habe. Ich kann eine Entscheidung treffen oder auch nicht. Je häufiger ich aber in letzter Zeit Entscheidungen treffe, desto besser fühle ich mich. Und je häufiger ich Entscheidungen treffe, desto schneller kann ich das auch beim nächsten Mal. Ich agiere und das ist ein gutes Gefühl.
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Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Birdfood »

schmidy hat geschrieben: @Birdfood
Ich finde "abgewöhnen" den falschen Ausdruck. Abgewöhnen hat was mit ablernen zu tun und das hat für mich wiederum was Zwanghaftes an sich.
Ich sehe es eher so, dass ich die Wahl habe. Ich kann eine Entscheidung treffen oder auch nicht. Je häufiger ich aber in letzter Zeit Entscheidungen treffe, desto besser fühle ich mich. Und je häufiger ich Entscheidungen treffe, desto schneller kann ich das auch beim nächsten Mal. Ich agiere und das ist ein gutes Gefühl.
Im Prinzip meinte ich das so, wie Du. Ich hätte auch sagen können; ich habe es mir angewöhnt nicht jede kleine Entscheidung zigmal durchzukauen sondern mich spontan für oder gegen etwas zu entscheiden.
Meistens bereut man Dinge, die man nicht getan hat, deshalb ist eine schlechte Entscheidung meistens besser als garkeine.
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Neroberg

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Neroberg »

schmidy hat geschrieben:@Neroberg
Woran machst du fest, dass es die "richtigen Gedanken" sind?

@Birdfood
Ich finde "abgewöhnen" den falschen Ausdruck. Abgewöhnen hat was mit ablernen zu tun und das hat für mich wiederum was Zwanghaftes an sich.
Ich sehe es eher so, dass ich die Wahl habe. Ich kann eine Entscheidung treffen oder auch nicht. Je häufiger ich aber in letzter Zeit Entscheidungen treffe, desto besser fühle ich mich. Und je häufiger ich Entscheidungen treffe, desto schneller kann ich das auch beim nächsten Mal. Ich agiere und das ist ein gutes Gefühl.
@schmidy
Ich schrieb ja "vermutlich richtigen" Gedanken. damit habe ich mich aber unbewusst selber runtergezogen, da ich damit eigentlich ausschlißelich negative Gedanken meinte. Pessimisten sagen vielleicht, wenn man das schlechte denkt, kann man nicht weiter unangenehm überrascht werden.
Diese Einstellung teile ich aber nicht.
Ich danke dir aber, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast, ich schrieb es nicht in dem Bewusstsein mich selber runterzuziehen, es geschah unbewusst.
Mein Ziel ist ein ausgeglichenes Leben mit ausgeglichenen, möglichst nicht mich belastenden Gedanken.

Und deinen letzten von mir zitierten Absatz sehe ich als Hilfe, auch wenn es im Prinzip einfach ist: durch mehr Üben, bekommt man Handlungssicherheit. Ist mir bisher nicht so bewusst gewesen, dass es auch bei abstrakten Sachen wie Gedanken oder Entscheidungen treffen (ich zögere viel zu lange, oftmals tue ich dann nichts, weil ich mir die Sache zerdacht habe), passen könnte.
Aber die Durchführung stelle ich mir schwierig vor.

Ich hatte und habe aktuell keine Freundschaften, weder zu Frau noch zu Mann.
Für mich persönlich ersetzt dieses Forum aber diesen zwischenmenschlichen Austausch. Ich habe sogar mal hiervon geträumt :D!
Ich wüsste jetzt auch nicht, wie ich das anstellen soll, Freundschaften zu gewinnen.
Alte Leute aus den Schulen anschreiben? Nein, danke, möchte ich nicht, ich habe überhaupt keinen Bezug zu denen.
Freizeitpartner suchen? Das könnte klappen...muss mir nur noch ein Hobby zulegen.
Ich fürchte aber ich muss mich an engeren Menschenkontakt gewöhnen, wenn man von der Arbeit mal zum Kennenlernen etwas gemeinsam unternommen hat, war ich sehr schnell und heftig erschöpft. Mit heftig meine ich, dass ich den nächsten Tag sehr müde war, was nicht mit Schlafmangel zu tun hat, ich könnte auch schreiben, ich war erstmal bedient.
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Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von w82nrw »

Neroberg hat geschrieben:Ich wüsste jetzt auch nicht, wie ich das anstellen soll, Freundschaften zu gewinnen.
Alte Leute aus den Schulen anschreiben? Nein, danke, möchte ich nicht, ich habe überhaupt keinen Bezug zu denen.
Freizeitpartner suchen? Das könnte klappen...muss mir nur noch ein Hobby zulegen.
Ich fürchte aber ich muss mich an engeren Menschenkontakt gewöhnen, wenn man von der Arbeit mal zum Kennenlernen etwas gemeinsam unternommen hat, war ich sehr schnell und heftig erschöpft. Mit heftig meine ich, dass ich den nächsten Tag sehr müde war, was nicht mit Schlafmangel zu tun hat, ich könnte auch schreiben, ich war erstmal bedient.
Forentreffen?
Neroberg

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Neroberg »

Danke dir, ich muss erstmal darüber nachdenken. Zunächst muss ich mich erstmal an den Gedanken gewöhnen, da ich leider gleich meine gewohnte Abwehrhaltung gespürt habe.
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BartS
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Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von BartS »

Hallo, ich würde gerne etwas aufgreifen, was Neroberg zuletzt geschrieben hat.
Neroberg hat geschrieben:Ich hatte und habe aktuell keine Freundschaften, weder zu Frau noch zu Mann.
Für mich persönlich ersetzt dieses Forum aber diesen zwischenmenschlichen Austausch. Ich habe sogar mal hiervon geträumt :D!
Ich wüsste jetzt auch nicht, wie ich das anstellen soll, Freundschaften zu gewinnen.
Alte Leute aus den Schulen anschreiben? Nein, danke, möchte ich nicht, ich habe überhaupt keinen Bezug zu denen.
Freizeitpartner suchen? Das könnte klappen...muss mir nur noch ein Hobby zulegen.
Ich fürchte aber ich muss mich an engeren Menschenkontakt gewöhnen, wenn man von der Arbeit mal zum Kennenlernen etwas gemeinsam unternommen hat, war ich sehr schnell und heftig erschöpft. Mit heftig meine ich, dass ich den nächsten Tag sehr müde war, was nicht mit Schlafmangel zu tun hat, ich könnte auch schreiben, ich war erstmal bedient.
Vielleicht geht es ja vielen ABs so, dass sie einfach nicht wissen, wie man neue Freundschaften gewinnt, obwohl nicht jeder AB damit Probleme haben muss. Das mag sich jetzt vermutlich blöd anhören, aber ich finde, neue Freundschaften zu knüpfen lässt sich nicht erzwingen. Jedoch kann man die Voraussetzungen davor günstig gestalten. Da gibt es wohl viele Parallelen, wie gut man auch soziale Kontakte knüpfen kann, habe ich beobachtet. Geht man auf andere Leute zu, ist man offen in Gesprächen, ist man wirklich an dem interessiert, was der andere erzählt und zeigt man das auch. Ich kenne ABs und Nicht-ABs, die sind so mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und gefangen, dass es ihnen schwer fällt, sich auf andere Menschen zu konzentrieren. Ich will das gar nicht mit "egoistisch sein" gleichsetzen. Sie fühlen sich überhaupt nicht höherwertiger als andere Menschen, im Gegenteil. Sie sind nur mit dem eigenen Ich und all den eigenen Defiziten beschäftigt, das weniger Ressourcen für soziale Interaktionen übrigbleiben. Diese fehlenden Interaktionen führen dann wieder dazu, dass man noch mehr über sich nachdenkt ("was stimmt mit mir nicht?") und sich das wie ein Teufelskreis entwickeln kann.

Übrigens dieses Gefühl, nach intensiver sozialer Interaktion, wie es Neroberg mit dem Arbeitsausflug beschrieben hat, kenne ich gut. Ich bin dann auch erstmal total groggy und brauche Zeit für mich alleine. Aber nach 1-2 Tagen geht das wieder und die Lust, mit anderen etwas zu unternehmen nimmt zu. Das ist ja auch das Schöne am Singleleben, man kann durchaus solche "Nähe"- und "Fern"-Phasen abwechseln lassen. In einer Beziehung geht das nicht mehr ganz so einfach.

Übrigens, ein neues Hobby sich suchen, ist nie verkehrt. :D
"Liebe ist, dass man sich so lange gehen lässt, bis man nicht mehr gehen kann."
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Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Birdfood »

BartS hat geschrieben:Ich kenne ABs und Nicht-ABs, die sind so mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und gefangen, dass es ihnen schwer fällt, sich auf andere Menschen zu konzentrieren. ( ... ) Sie sind nur mit dem eigenen Ich und all den eigenen Defiziten beschäftigt, das weniger Ressourcen für soziale Interaktionen übrigbleiben.
Ich kenne mehrere Leute, die schon jahrelang Therapie machen und die wie mit Scheuklappen durch die Welt laufen. Da vermute ich, weil es in ihren Therapien immer nur um sie geht, das sie garnicht mehr merken, daß es auch noch andere gibt, die was wollen.
Übrigens dieses Gefühl, nach intensiver sozialer Interaktion, wie es Neroberg mit dem Arbeitsausflug beschrieben hat, kenne ich gut. Ich bin dann auch erstmal total groggy und brauche Zeit für mich alleine.
Das geht mir genauso. Früher war es noch schlimmer, da war ich schon nach ´ner halben Stunde fix und fertig, weil ich krampfhaft versucht habe normal zu wirken. Heute mach ich das so nicht mehr, aber ich brauche immer noch sehr viel Zeit für mich allein.
Übrigens, ein neues Hobby sich suchen, ist nie verkehrt.
Ja, das habe ich mir auch gedacht und überlege mir mich wieder musikalisch zu betätigen, mir eine Digitalkamera zu kaufen und vielleicht mal einen Text für ein kleines Magazin zu schreiben. Mal sehen, ob ich genügend Energie habe, das umzusetzen.
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Genosse Premier

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Genosse Premier »

BartS hat geschrieben:...
Ich kenne ABs und Nicht-ABs, die sind so mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und gefangen, dass es ihnen schwer fällt, sich auf andere Menschen zu konzentrieren. Ich will das gar nicht mit "egoistisch sein" gleichsetzen. Sie fühlen sich überhaupt nicht höherwertiger als andere Menschen, im Gegenteil. Sie sind nur mit dem eigenen Ich und all den eigenen Defiziten beschäftigt, das weniger Ressourcen für soziale Interaktionen übrigbleiben. Diese fehlenden Interaktionen führen dann wieder dazu, dass man noch mehr über sich nachdenkt ("was stimmt mit mir nicht?") und sich das wie ein Teufelskreis entwickeln kann.
Oh ja, wie ich das kenne. Wenns einem selbst schei** geht, ist es unfassbar schwierig, für andere Menschen (ich formuliere mal übertrieben) 'Kraft aufzubringen', zuzuhören, sich auf jemanden einzulassen. Vor allem dann, wenn man selbst eher introvertiert ist, und wenn soziale Interaktion, wie ihr schreibt, ohnehin etwas kraftraubend ist. Für den Aufbau von Freundschaften, oder um zumindest nicht zu vereinsamen, ist aber (leider) genau das von Nöten. (und ja, nicht nur ABs haben das Problem)

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, diese Kraft dennoch ab und zu aufzubringen. Sich und seine Sorgen einmal etwas hinten anstellen und sich stattdessen auf das einlassen, was jemand anderen gerade beschäftigt, mal nachfragen, wie es ihm/ihr geht oder sowas :) Man muss nicht unbedingt gut gelaunt sein, um Smalltalk zu führen. Mir persönlich hilft es sehr, aus meinem Teufelskreis auszubrechen, da ich dann zwangsläufig weniger über mich selbst nachdenke und frustriert bin, sondern auch mal die Sicht Anderer kennenlerne. Nicht selten habe ich festgestellt, dass sie ähnliche Probleme haben wie ich, aber z.B. ganz anders damit umgehen. Außerdem beweise ich mir damit, wenn dann tatsächlich ein kleines Gespräch zustande gekommen ist, dass ich nicht ganz sozial untauglich bin ;)

Wo wir gerade bei Teufelskreisen sind. Ein Prof von mir hatte mal den Begriff 'Engelskreis' geprägt: Wenn man in einem Teufelskreis steckt, und etwas tut, um daraus auszubrechen, verwandelt sich die Abwärtsspirale gern mal in eine Aufwärtsspirale. Das ist natürlich sehr optimistisch ausgedrückt, aber ich glaube, da ist schon etwas dran.
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Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Birdfood »

Genosse Premier hat geschrieben:Außerdem beweise ich mir damit, wenn dann tatsächlich ein kleines Gespräch zustande gekommen ist, dass ich nicht ganz sozial untauglich bin
Wenn es mir in Gesellschaft schlecht geht und ich in meinen Gedanken bin, sage ich irgendwas zum Thema, nur um aus meiner Innenwelt zurück in die Aussenwelt zu kommen und meistens geht es mir danach besser.
Genosse Premier hat geschrieben:Wo wir gerade bei Teufelskreisen sind. Ein Prof von mir hatte mal den Begriff 'Engelskreis' geprägt: Wenn man in einem Teufelskreis steckt, und etwas tut, um daraus auszubrechen, verwandelt sich die Abwärtsspirale gern mal in eine Aufwärtsspirale. Das ist natürlich sehr optimistisch ausgedrückt, aber ich glaube, da ist schon etwas dran.
Ich glaube so optimistisch ist das garnicht, sondern eher realistisch.
Ich stell´ mir das wie einen Hügel vor, der eine Sonnenseite und eine Schattenseite hat. Wenn man nun oben steht und das Gleichgewicht verliert purzelt man runter und je weiter man purzelt, desto schneller geht es abwärts, egal zu welcher Seite man fällt. Will man aber wieder hoch, weil man auf der Schattenseite gelandet ist, muß man mühsam klettern, ist man auf der Sonnenseite, kann man sich einfach fallenlassen, dann es geht fast von alleine.
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Genosse Premier

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Genosse Premier »

Birdfood hat geschrieben:
Genosse Premier hat geschrieben:Wo wir gerade bei Teufelskreisen sind. Ein Prof von mir hatte mal den Begriff 'Engelskreis' geprägt: Wenn man in einem Teufelskreis steckt, und etwas tut, um daraus auszubrechen, verwandelt sich die Abwärtsspirale gern mal in eine Aufwärtsspirale. Das ist natürlich sehr optimistisch ausgedrückt, aber ich glaube, da ist schon etwas dran.
Ich glaube so optimistisch ist das garnicht, sondern eher realistisch.
Ich stell´ mir das wie einen Hügel vor, der eine Sonnenseite und eine Schattenseite hat. Wenn man nun oben steht und das Gleichgewicht verliert purzelt man runter und je weiter man purzelt, desto schneller geht es abwärts, egal zu welcher Seite man fällt. Will man aber wieder hoch, weil man auf der Schattenseite gelandet ist, muß man mühsam klettern, ist man auf der Sonnenseite, kann man sich einfach fallenlassen, dann es geht fast von alleine.
Auch ne gute Metapher (nennt man das so?) :) Wäre natürlich schön, dass wenn man einmal auf der Sonnenseite ist, man nicht mehr so schnell auf die Schattenseite kommt. Ich habe immer wieder die Befürchtung, als gebrannte Kinder ist für uns die Schattenseite eher eine Art Grundzustand - man fällt immer wieder dahin zurück, wenn man nicht permanent was dagegen tut :?
Aber ich hoffe, dass dem nicht so ist und ich gerade nur auf der Schattenseite stehe, wenn auch etwas weiter oben.
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BartS
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Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von BartS »

Hallo Genosse Premier und Birdfood, möchte einfach für Eure Worte danken. Gerade das Forum zeigt ja, man ist nicht alleine. Das mag sich komisch, vielleicht sogar zynisch anhören, aber gerade wenn ich als AB lese, da gibt es noch andere, denen geht es genauso oder noch schlechter, geht es mir ein stückweit besser. Vermutlich aus dem Grund, weil man eigene Probleme dann anders gewichtet. Oder auch merkt, dass man in anderen Dingen ganz schön "Glück" hatte. Z.B. Beruf, nicht wenige ABs sind sehr unzufrieden mit ihrer Situation, weil sie ziemlich krasse Dinge an ihrem Arbeitsplatz erleben. Oder andere, weil sie gerade keinen Arbeitsplatz haben. :? Erst da merke ich, wie gut ich es da habe, ich Dinge dort machen kann, die einigermaßen Spaß machen, habe echt super Kollegen und auch ein gutes Auskommen und muss mir ums finanzielle kaum Gedanken machen.

Und ja, manchmal, nein eigentlich häufig ist auf AB-Treffen die Situation, dass man mit jemanden redet und derjenige sehr detalliert von seinen Sorgen berichtet, die nicht nur aus der Beziehungslosigkeit bestehen. Es sind oft recht traurige Geschichten. Aber ich merke auch, denen geht es durchs Erzählen auch besser, sie erwarten nicht mal, dass man das Gesagte bis ins Kleinste durchanalysiert, sondern zuhört und ab und zu mal Fragen stellt, um Interesse zu zeigen.

Weshalb ich das jetzt schreibe? Keine Ahnung. :mrgreen: Ach doch, es ging ja um Freundschaften.
Genosse Premier hat geschrieben:Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, diese Kraft dennoch ab und zu aufzubringen. Sich und seine Sorgen einmal etwas hinten anstellen und sich stattdessen auf das einlassen, was jemand anderen gerade beschäftigt, mal nachfragen, wie es ihm/ihr geht oder sowas Man muss nicht unbedingt gut gelaunt sein, um Smalltalk zu führen. Mir persönlich hilft es sehr, aus meinem Teufelskreis auszubrechen, da ich dann zwangsläufig weniger über mich selbst nachdenke und frustriert bin, sondern auch mal die Sicht Anderer kennenlerne.
Das trifft es eigentlich. :good: Eine symbolische +3 von mir. Auch für Birdfoods Hügel mit einer Sonnen- und einer Schattenseite.

Gruss
BartS
"Liebe ist, dass man sich so lange gehen lässt, bis man nicht mehr gehen kann."
(Hazel Brugger)
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Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von BartS »

Vielleicht noch ein ergänzender Gedanke; wenn man wie unsereins nach viel sozialer Interaktion sich hinterher ausgepowert fühlt, dann liegt die Ursache wohl darin, dass wir das nicht gewöhnt sind. Wer weniger soziale Scheu vor Kommunikation mit anderen Menschen hat, der trainiert solche Situationen automatisch mehr. Noch mehr Zurückhaltung führt zu noch mehr Untrainiertheit. Irgendwie logisch. Wenn man beim Treppensteigen stark ins Schnaufen kommt, würde man auch nicht sagen, ich muss solche Situationen vermeiden, um zukünftig seltener außer Atem zu kommen. Was uns fehlt sind vernünftige Trainingspläne und den Willen, diese auch durchzuziehen. :?
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Wechselta.(ug)

Re: Freundschaften bei HC-ABs

Beitrag von Wechselta.(ug) »

w82nrw hat geschrieben:
Forentreffen?[/quote]

Mache ich jetzt schon seit fünf Jahren und richtige Freundschaften sind dabei keine entstanden. Entweder passten die Interessen nicht (wenn man sich sympathisch fand) oder die kamen von zu weit weg. Wenn man vier Stunden unterwegs ist um sich mal zu treffen passiert das eben nicht sehr häufig, zumal das ja auch ins Geld geht (wenn man nicht studiert und ein Semester-Ticket hat).

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