Manchmal wirds vielleicht ein bisschen wirr, aber ich versuchs zu vermeiden.
Wie schon zu mir gesagt: 27, gerade in der Examensvorbereitung, arbeite für einen Prof (er genießt hohes Ansehen in seinem Fachbereich), und hab daneben noch n Nebenjob als freier Mitarbeiter eines großen Forschungsprojektes...... 1,82m groß, 90kg, männliche Statur (okay vielleicht n bisschen zuviel Gewicht), Brille, Vollbart, klassisch-eleganter Kleidungsstil.....
Hobbys Theater, Kino, Freunde, usw.
Auftreten selbstsicher bis manchmal arrogant, offene und freundliches Wesen
die meisten würden sich jetzt fragen, warum sich sojemand hier als Hardcore-AB "outet"...... im Grunde sehr leicht zu beantworten, aber wahrscheinlich nicht so leicht zu verstehen.
als ich geboren wurde, hat man sehen können, dass ich an einem - ich habe den Begriff lieber - Handicap leide. Mir fehlen an den Händen Finger und die Anatomie ist deutlich verändert. Allerdings gibts keine offenen Stellen oder so. Sieht halt "nur" anders aus. Und eigentlich ist das mein Problem bzw. anders gesagt fängt hier mein Problem erst an.
Ich will hier gar nicht von irgendwelchen Härten im Alltag reden, weil damit lässt sich leben, zwar manchmal nur mit Hilfe, aber das ist kein solches Problem.
Ich hab auch ganz "normale" Freunde (ohne Handicap), die das akzeptieren können und mich eben ganz normal behandeln.
Grundsätzlich liegt das Problem bei den "Anderen" oder eher an der Gesellschaft. Eine Behinderung, sei sie noch so klein oder kaum auffalend, ist leider heute ein Makel, der so groß ist, dass die Gesellschaft es eben kaum als normal zulassen würde. Das ist keine bloße Floskel, leider erlebe ich das jeden Tag.
Als Kind wurde ich teilweise von Mitschülern gedemütigt - bewusst sage ich nicht gemobbt, denn das ist nun eine etwas andere Richtung - allerdings wurde ich auch von Lehrern teilweise offen und absichtlich benachteiligt.
Mein Kunstlehrer in der 6.Klasse meinte mal, ich gehöre auch gar nicht auf ein normales Gymnasium.... und das offen vor der ganzen Klasse (Details erspare ich euch mal).
Naja, aber selbst da bin ich durch gekommen und das kann man auch noch alles verschmerzen. In der Uni war mein Handicap überhaupt kein Problem, vielleicht sogar im Gegenteil. In der ersten Studienwoche kam gleich einer meiner Profs auf mich zu und wollte mich einstellen. Anscheinend bin ich auffällig genug. Naja, und hatte durchaus fundierte und positive Antworten gegeben. Also nur auf mein Handicap würde ich das dann nun nicht beziehen. Wäre es so, wäre es im Grunde auch wieder eine Art Diskriminerung, aber lassen wir das mal stehen.
Richtig problematisch ist mein Handicap eben in Punkto Frauen und Beziehung. Keine Beziehung, kein Sex, nicht mal Händchen halten oder n Kuss...
Und praktisch hat sich auch nie eine Frau so für mich interessiert, dass hätte was draus werden können. Ich werde gleich noch ein paar Beispiele schildern.
Meine Vorgehensweise war früher leider wenig einfallsreich. Heute versuche ich zumeist über Online-Singlebörsen jemanden kennenzulernen. Der Knackpunkt daran ist allerdings immer: wie und wann erzähle ich von meinem Handicap.
Drei Möglichkeiten sind denkbar:
1. man schreibt, will sich Treffen und rückt vor dem Treffen damit raus..... 95% haben dann plötzlich doch keine Zeit mehr.
2. gleich am Anfang...... "du bist ja n netter, aber ich hab heute jemanden kennengelernt"
3. gar nicht und "überrascht" sie damit bei dem Treffen...... oft genug versucht, aber da kommen manchmal unschöne Szene bei raus, inklusive das ich schonmal bespucht wurde (von einer angehenden Lehrerin).....
Ich weiß, Online ist sowas ziemlich der größte Killer, den man haben kann. Vor allem rationalisiert man sich jemanden durch das Schreiben zurecht. Dieser Rolle kann ich zumeist durch bestehende Vorurteile nie gerecht werden, Frau ist enttäuscht und will nicht mehr. Ich kanns nachvollziehen, finde allerdings den größten Fehler dabei zu denken, ich wäre es weniger Wert. Und das ist ein gesellschaftliches Problem. Nur weil ich der "Norm" nicht entspreche, bin ich nicht weniger Wert. Vielleicht sogar eher im Gegenteil. Aber lassen wir das dahingestellt.
Der zweite Punkt, den ich oft höre: ich "mag" dich ja, aber ich kann dich meiner Familie / meinen Freunden nicht vorstellen... was sollen die dann von mir denken....
Manchmal glaub ich fast selber, dass eine Beziehung mit mir ja weniger Wert sein muss, aber naja, der Mensch kann nicht immer fröhlich sein. Insgesamt denke ich, dass es vielleicht sogar inniger und vertrauter sein KANN....
Vielleicht mal ein paar Beispiele:
- lasse ich mein Handicap völlig aussen vor, erzeuge ich bei den allermeisten Frauen durchaus sowas wie Rapport.... also eine gewisse Vertrautheit oder Verbundenheit..... zumindest online. manche haben schon gesagt, wie toll es wäre, wenn sie meine Freundin sein dürften. als ich ihnen erzählte, dass ich ein Handicap habe, haben sie den Kontakt abgebrochen.
- ich hab mal eine Medizinstudentin kennengelernt, die war im praktischen Jahr, weiter weg, wir haben dann monate lang geschrieben, stundenlang manchmal, dann hab ich ihr irgendwann davon erzählt. als Antwort kam nichts. ich fragte was los sei. Antwort: ich hab das Gefühl, wir schreiben zuviel und zu häufig, dsas gefällt mir nicht, aber mit deinem Handicap hat das nichts zu tun...... kommt schon, das fällt einem nicht just an dem Tag auf, an dem man eine solche Info bekommt..... diese Lügerei dahinter ist verdammt abstoßend und verdammt demütigend. wir haben uns dann getroffen, von ihr kaum ein Wort. Hinterher meinte ich sie dann, ich wäre zu klein und meine Art findet sie nich gut. Ich wäre zu selbstbewusst und dürfte mir sowas eigentlich gar nicht erlauebn, denn behinderte Menschen haben nichts, worauf sie so stolz sein könnten, dass sie Selbstbewusstsein ausstrahlen können..... ich lasse das mal unkommentiert stehen.
- Krankenschwester, gerade in der Ausbildung. erstes Treffen eine Katasrophe. Ich zu ihr nach Hause, 2 Stunden mit dem Zug unterwegs gewesen. Dann sitzt sie da und heult, kurz nachdem ich reingekommen bin. Ja, sie wolle ja jedem ne Chance geben, aber mir könne sie keine geben, weil sie dann alle ihre Freunde verlieren würde...... ich hab mich dann zu ihr gesetzt, ihre Hand genommen und gesagt, dass es in Ordnung sei und ich jetzt gehen werde, wenn sie kein Interesse an mir habe..... bin dann wortlos gegangen. Die meisten denken hier wäre Schluß.... nö..... dann fand sie mich plötzlich toll, wollte sich treffen, hat aber bei jedem Treffen abgesagt vorher. Immer mit der Begründung, sie könne mir keine Chance geben. Freunde und so..... das ging über 6 oder 7 Monate, einziges Treffen war obene beschriebenes. Zwischendurch habe sie sich in mich verliebt und so weiter. Ich weiß mittlerweile, dass sie sich eben nur eine Illusion von mir verliebt hat, die in ihrer Realität (oder vielmehr in ihrer Utopie) eben nicht behindert war. Geendet hats dann damit, dass ie den harten Schlußstrich gezogen habe und sie trotzdem immer wieder ankommt und mich anschreibt, ich aber nie reagiere.
- dann gabs noch eine psychisch Kranke, die nur gut fand, dass ich nicht gleich abgehauen bin, als sie mir über ihre Krankheit erzählte. Allerdings war mein Handicap kein Thema für sie, denn sie hats ja im Grunde nicht interessiert. Beim ersten Treffen hat sie mich vollständig ignoriert, ich hab Alleinunterhalter gespielt. Es lag allerdings an ihrer Krankheit. Gut, abgeharkt.
Das sind eben Beispiele, die zeigen, wie es bisher bei mir gelaufen ist. Viel geht, wie gesagt, auch kaputt, wenn ich eben über mein Handicap erzähle. in 90-95% bricht der Kontakt dann eben ab. Entweder auf eine freundliche und ehrliche Art oder eine sehr unfreundliche und demütigende Art.
Es dürfte auch für keine Frau leicht sein auszuhalten, wie die Gesellschaft auf mich reagiert. Es wird getuschelt, mit dem Finger auf mich gezeigt oder es werden hörbar dumme und unpassende Kommentare in meine Richtung gerufen. Selbst wenn man jemanden mag und vielleicht sogar liebt (ich weiß nichtmal was Liebe ist), wird das echt ne harte Belastungsprobe für jemanden, der sowas nicht kennt.
Ich weiß auch, dass viele Frauen sich über die mögliche Meinung Fremder Gedanken machen und ob die was schlechtes denken. Mit jemanden zusammenzusein, der das nicht gerade zum positiven fördert, wird das also auch nicht einfacher sein.
Ihr würde auch nicht glauben, wie abwertend und demütigend viele eben tuscheln oder Kommentare abgeben. Das Erwachsene teilweise wirklich sehr verbittert sein müssen, um sich über einen gehandicapten Menschen lustig zu machen, ist echt abartig.
Ich würde allerdings auch mit niemandem tauschen wollen. Ich hab zwar viele schlechte Dinge erlebt, aber wenn man erstmal in die Untiefen der Gesellschaft geblickt hat, dann kann einem nicht mehr viel schockieren.
Das schlimmste am Single sein..... man kann nicht selber drüber bestimmen. Und irgendwie kommt in mir immer mehr der Neid hoch. Oder die Verbitterung. Wenn ich im Kino ein engumschlungenbes Pärchen sehe, würde ich das auch gerne haben wollen. Hab das ganze aber immer vor der Nase und weiß fast sicher, dass ich das nicht bekommen werde. Und anderen fällt das ganze praktisch in den Schoß. Ich weiß zwar, dass es das bei den wenigstens wirklich tut, aber es zu wissen und trotzdem die Demütigung zu spüren, dass man selbst es nicht haben kann, sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
Meine Zukunftsaussichten: düster...... ich bin mir deutliche im klaren darüber, dass die Chancen größer sind, für immer alleine zu bleiben, als jemanden zu finden. Zwar kann sojemand jedentag vor mir stehen, aber wie wahrscheinlich ist das. Freundschaften kann man auch mit Handicap finden, aber eine Partnerschaft.... ich befürchte eher nein.
Ausgeschlossen oder unmöglich ist es nicht.
In gewisserweise will ich mir durch eine Partnerin auch ein Stück Normalität erlangen. Einfach das tun, was normal ist und nicht durch mein Handicap vielleicht schwierig oder unmöglich. Natürlich möchte ich auch jemanden für die ganz normalen Pärchendinge.
Vielleicht gefällts mir auch nicht und ich bleibe dann aus Überzeugung Single. Kann passieren.
Und jetzt keine Kommentare von wegen "such dir doch ne behinderte Frau"..... es ist ein großer Irrtum zu glauben, behinderte Menschen können einen anderen gehandicapten Menschen eher akzeptieren, als "normale" Menschen. Glaut mir, das ist nicht so. Auch wenn viele es nicht glauben können.
Ein langer Text, ich weiß, aber vielleicht lesenswert