52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Schreibwettbewerbe im Absolute Beginner Treff

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52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Dienstag 28. Januar 2014, 20:23

Und da ist er nun, heiß ersehnt: Der zweiundfünfzigste Schreibwettbewerb. Ich stehe noch ehrfürchtig vor dieser hohen Zahl. Wenn man bedenkt, dass alles Anfang 2010 seinen Lauf nahm. Schon toll, was hier alles geschrieben wurde. Aber nun zurück zum Wettbewerb, der natürlich ein Thema benötigt. Wie im Abstimmungsthread des alten Wettbewerbs schon gesagt, habe ich ein bisschen mit Valentin herumüberlegt, bis eine weitere Idee von ihm auf mein begeistertes Nicken traf:

"Fahrstuhlgeschichten" ist das Thema des 52. Schreibwettbewerbs.

Wie immer dürfen selbstverständlich nur Texte eingereicht werden, die du selbst verfasst hast. Jeder Text sollte maximal 500 Wörter beinhalten und auf deutsch verfasst sein. Du kannst bis zu 3 eigene Texte an mich schicken. Die Texte werden von mir anonym in diesen Thread gestellt. Bitte schreibe in deiner PN dazu, falls du nach der Abstimmung nicht namentlich als Verfasser genannt werden möchtest, da dein Nick sonst automatisch bekannt gegeben wird. Der Gewinner hat die Ehre, den nächsten Schreibwettbewerb zu organisieren. Haben mehrere Beiträge die höchste Anzahl an Stimmen, sollten sich die Gewinner per PN miteinander in Verbindung setzen und die Organisation untereinander abstimmen.

Einsendeschluss des 52. Schreibwettbewerbs ist: Dienstag, 11. Februar 2014 um 23.59 Uhr

Ich wünsche allen viel Spaß beim Schreiben von Texten zum Thema "Fahrstuhlgeschichten" und den Lesern viel Spaß beim Lesen.
"Bewahre deine Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber nicht weiter leben." - Mark Twain

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Donnerstag 30. Januar 2014, 17:39

Erst 39 Klicks? Hoffentlich haben schon viele interessierte Schreiber das neue Thema entdeckt!
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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Sonntag 2. Februar 2014, 20:57

Ich möchte hier nochmal darauf hinweisen, dass es ein neues Schreibwettbewerbsthema gibt. Tut was sinnvolles und verfasst schöne Geschichten. Da haben wir alle mehr davon, als uns die Nerven mit blöden Streitigkeiten zu belasten. Ich wünsche allen schreibbegeisterten Männern und Frauen hier viel Freude und Kreativität beim Schreiben vielfältiger "Fahrstuhlgeschichten".

Gruß vom

schwarzkaeppchen
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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Dienstag 4. Februar 2014, 15:44

Beitrag Nr. 1 ist eingetroffen:

Fahrstuhlgedanken

Sicher, man hätte auch einfach zu Fuß gehen können. Was macht den Fahrstuhl in seiner ursprünglichen Form aus? Er kennt kein Rechts, kein Links, kein Gänseblümchen. Ein Fahrstuhl kennt nur Auf und Ab, nur Einheitsbrei. Unpassende Fahrstuhlmusik: ‚Imagine, there’s no heaven‘ – stell Dir vor, Dein Fahrstuhl würde sich mangels Wartung oder Motivation selbstständig machen, jedoch nicht erdanziehungskraftbedingt in die Tiefe stürzen, sondern nach oben ausbrechen. In älteren Wohnhäusern in Frankreich sind die Fahrstühle vergittert, gefangen in einem Fahrstuhl, gefangen vom Leben. Was ist aus der Berufsgruppe der Fahrstuhlführer geworden? An kaum einem anderen Ort kommen sich Menschen auf wenigen Quadratmetern so nahe. Bitte sprechen Sie mich nicht an, bitte atmen Sie erst aus, wenn sich die Fahrstuhltür öffnet. Stets die Gefahr vor Augen, im Fahrstuhl stecken zu bleiben – Wie lange? Mit wem? Kaum ein anderer Ort, der mit ähnlichen Phantasien und Nicht-Phantasien verbunden sein mag, vielleicht noch die Sauna – „Nee, den möchte ich hier nicht treffen“. „Wow, mit dem würde ich gerne im Fahrstuhl steckenbleiben“ oder vice versa. Wer es eilig hat, sollte nicht den Fahrstuhl benutzen, sollte sich nicht über die vielen Haltestationen ärgern: „Mach schneller, ich muss nach Kroatien“.
Und da war da noch die Geschichte des Exhibitionisten, der die Treppe ins 13. Stockwerk nahm. Später würde er in Talkshows gefragt werden, weshalb er gerade diese Etage für seine Aktion gewählt hatte. Er würde antworten, weil er hoffte, hier weniger Menschen zu treffen, denn er wollte sich und sein Vorhaben nur denjenigen Menschen präsentieren, für die sich auf dieser Etage die Fahrstuhltür öffnen werde. Es sei möglich und beeindruckend zugleich, mit ein und derselben Handlung Schrecken, Freude, Entsetzen, Überraschung in den Gesichtern seiner Mitmenschen ablesen zu können. Und da stand er nun, die roten Zahlen des sich ihm nähernden Fahrstuhls stets im Blick: 1 – warum fühlte er sich wie das letzte Einhorn? 2 – Zwei Jahre lang hatte er diesen Tag vorbereitet. 3 – Drei Mal musste er um das Gebäude fahren, ehe er endlich einen Parkplatz gefunden hatte. 4 – Keine der vier Jahreszeiten schien ihm geeignet. 5 – Fünf Minuten genügen, um sich sicher zu fühlen. 6 – Sechs Augen zählte der Würfel, den er warf. 7 – Der halbe Weg ist zurückgelegt- 8 – Seine Gedanken fahren Achterbahn. 9 – Ein Gefühl wie alle Neune. 10 – Messi. 11 – Die Anspannung steigt wie vor dem entscheidenden Elfmeter. 12 – Sein Zwölffingerdarm spielt verrückt. 14 – wieso 14?
Und die Moral von der Geschicht: Das dreizehnte Stockwerk kennt Dein Fahrstuhl nicht.

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Dienstag 4. Februar 2014, 18:02

Schon landete der 2. Beitrag in meinem Posteingang:


Im Fahrstuhl

Fünf Stockwerke sind nicht viel. Aber das Haus ist überheizt und stickig, da ist die Treppe überhaupt kein Spaß. Also benutze ich den Fahrstuhl. Ziemlich kleine Kabine, es riecht irgendwie komisch und besonders sauber ist es anscheinend auch nicht, aber es sind ja nur fünf Stockwerke und die Treppe lauf ich sowieso noch nach unten. Die Tür schließt sich zögerlich und ruckend geht es nach oben. Hoffentlich bleibt das Ding nicht stecken. Hm, mal sehen... Ganz oben ist meist nicht viel, aber nachsehen schadet ja nicht. Was will ich hier überhaupt? Besser doch einfach wieder gehen? Aber wenn ich jetzt schon mal da bin... Hm, mal sehen... Die Anzeige des dritten Stocks läuft durch. Gleich bin ich oben. Wenn mir hier nichts gefällt, gehe ich noch nach nebenan. Da gibt es auch einen Fahrstuhl.
Mit einem kleinen Ruck kommt die Kabine zum stehen und die Tür geht auf. Eine Neonröhre in Pfeilform zeigt nach links in einen halbdunklen Flur: „Girls Girls Girls“ Daneben ein rotes Herz, ebenfalls neonbeleuchtet. Ich verlasse die Kabine. Hm, mal sehen...

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Dienstag 4. Februar 2014, 20:48

Gerade eingetroffen im Posteingang: Beitrag 3


Fahrstuhlhass

Geschlossen. Stickig. Unkontrollierbar.

Die Menschen darin wirken unpersönlich. Aus lebendigen mit Farben und Verhalten, werden sie Gestalten. Die verzweifelt versuchen den "Fahrstuhlnachbar" nicht anzuschauen, nicht anzufassen. Nicht lachen, nicht weinen, nicht laut atmen. Nicht bewegen. Augenkontakt vermeiden. Erstarren. Sterben.

Der digitalisierten Stimme folgen.

Der Segen der Schöpfung.

Wie hoch? Wie weit? Wie schnell?

Durch die Tür der Befreiung.

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Dienstag 4. Februar 2014, 22:55

Heute ist etwas los in meinem Posteingang. Nun ist er angekommen: Beitrag 4


Kaum bin ich eingestiegen, ist das Licht im Fahrstuhl ausgefallen. Die Menschen stehen dicht an dicht, ich habe das Gefühl, ihre Angst förmlich riechen zu können. Nun weiß ich wieder, warum ich Fahrstühle immer gehasst habe. Schon als Kind konnte ich keinen davon betreten ohne Panik zu bekommen. Irgendwo weint eine Frau, weiter hinten schreit ein kleines Kind.
Stockwerk um Stockwerk geht es nach unten, immer weiter, ohne dass der Fahrstuhl anhält.
Zu gerne würde jetzt den Knopf der nächsten Etage drücken und dann einfach aussteigen. Es ist das erste Mal seit vierzig Jahren, dass ich in einem Fahrstuhl bin.
"Wieso fährt das Ding überhaupt, obwohl der Strom ausgefallen ist?"; ruft eine alte Dame laut aus, "hier stimmt doch etwas nicht!"
Es ist so heiß hier drinnen...ich schwitze aus allen Poren und tupfe mir das Gesicht mit einem Tempotaschentuch ab. Ach, könnte ich doch nur aus dem Fahrstuhl raus.
Am liebsten würde ich schreien, genau wie die alte Frau, und mit den Fäusten gegen die Wände schlagen, doch ich weiß, dass das nichts nützen würde. Dieser Fahrstuhl wird nicht anhalten, und er hat auch keine Knöpfe, auf die man drücken kann, wenn man aussteigen möchte.
Denn dies ist kein gewöhnlicher Fahrstuhl. Es ist der Fahrstuhl zur Hölle, der jene armen Seelen, die für die Hölle bestimmt sind, nach unten bringt.


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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Mittwoch 5. Februar 2014, 20:35

Schlag auf Schlag treffen sie in meinem Posteingang ein! Hier Nr. 5:


Ich habs geschafft....rein..in die Lobby....in den Fahrstuhl...die Security hat mich nicht gesehen. Die anderen Mädels, die wie ich die Schule schwänzen, stehen draußen vor dem Hotel und warten auf ihn. Ich bin schlauer als die...ich werde ihn hautnah erleben können, ein Foto mit ihm ergattern..und wer weiß, vielleicht verliebt er sich ja in mich. Ich drücke auf die Taste 9, weil in der Bravo steht, dass er in dieser Etage logiert. Die Tür des Fahrstuhls geht auf...und mein Herz beginnt heftig zu pochen...da steht er...der jeden Abend, wenn meine Lieblingssoap läuft, mein Herz zum Höherschlagen bringt. Und-oh Wunder- er ist ganz alleine, ohne Bodyguards. Kann ich wirklich so ein Glück haben? Alleine mit ihm im Fahrstuhl...nur er und ich..ach, wie herrlich es doch wäre, wenn wir jetzt steckenbleiben würden. Er blickt mir direkt in die Augen und dann lächelt er. Dieses Lächeln..in meinem Bauch flattert nun ein ganzer Schwarm von Schmetterlingen, und ich kann kaum glauben, dass dieser Moment wirklich real ist.
Bestimmt klingelt gleich mein Wecker und ich wache auf.
"K...K....Könnte ich..ähm..ein Autogramm von Ihnen haben?"; frage ich ihn schüchtern, während ich erröte, "und vielleicht noch eines für meine Freundin?"
Er lächelt und nimmt erneut Blickkontakt zu mir auf.
"Wie heißt du denn, schönes Kind? Natürlich bekommst du ein Autogramm. Ich kann wirklich stolz sein, so nette Fans zu haben."
"S..S..Saskia"; stammele ich, während mein Herz heftig pocht, "ich habe alle Folgen von "In Zeiten der Liebe" gesehen und ich finde dass Sie von allen am besten spielen."
Wir sind nun in Etage 4 und fahren gerade weiter in 3, da drückt er den Knopf, mit dem man den Aufzug zum Stoppen bringen kann.
Ach wie aufregend....stürmische Küsse und wilde Umarmungen im Aufzug, genau wie in der Serie...kann das wirklich real sein?
Es ist einfach zu schön um wahr zu sein!
Nun nimmt er mich bei den Händen und zieht mich näher zu sich heran...so nahe, dass unsere Nasenspitzen sich berühren....dann legt er die Arme um meine Taille.
Etwas stimmt nicht...während wir hier so im Fahrstuhl stehen, merke ich wie unsere Körper transparent werden, sich aufzulösen scheinen. Und auf einmal ist der Fahrstuhl nicht mehr da. Wir sind in einem merkwürdigen Raum, dessen Wände in fremdartig wirkenden Farben, ich könnte beschwören, dass ich solche Farben noch nie gesehen habe, schillern.
Wir sind eindeutig nicht mehr im Fahrstuhl.
"Was hat das zu bedeuten?"; frage ich während mir die Tränen kommen.
Und dann erstarre ich vor Entsetzen, als ich mit ansehen muss, wie sich der Kopf meines Lieblingsstars, der seit zwei Jahren der Mittelpunkt meines Lebens ist, auflöst und ein schuppiger, echsenartiger Kopf mit leblos wirkenden Knopfaugen dahinter zum Vorschein kommt.
"Ich habe wieder eine!"; ruft das grauenhafte Wesen aus, "endlich Zuwachs für unseren intergalaktischen Zoo. Heute ist dieser Schauspieler in der Stadt..und in dessen Gestalt kriegen wir noch mehr...die sind alle hinter dem her und versuchen sich an der Security vorbei in einen der Fahrstühle zu schleichen! Ach, wie dumm und naiv die Menschen doch sind! Wenn die wüssten, dass ihre Fahrstühle uns als Portale zum Beamen dienen."
Ich schreie so laut ich kann, doch kein Mensch hört mich, denn ich bin nicht mehr auf der Erde.

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Donnerstag 6. Februar 2014, 12:59

Beitrag 6 folgte sogleich:


Babylon

Der Fahrstuhl ist so neu wie alles andere. Darum ist er innen noch mit Spanplatten verkleidet. Wenn früher 30 Leute samt Werkzeug und Material jeden Tag ständig rauf und runter fuhren, hätte es sonst zu viele Kratzer gegeben. Dicht gedrängt stand man. Wie die Fahrstuhlszene in „Metropolis“. Und genau wie da gab es einen Fahrstuhlführer, der die Knöpfe drückte und dafür sorgte, dass die Kabine nicht überladen wurde. Wenn die Gerüstbauer mit ihrem Transportwagen den Fahrstuhl verließen, machte die Kabine einen Ruck nach oben. Beladen wiegt so'n Ding locker 300 kg. Auf fast jeder Ebene wurde angehalten und dementsprechend lange dauerte eine Fahrt bei 108m. Und dem entsprechend lange wartete man früher auch, bis man einsteigen konnte. Da war die Treppe oftmals schneller, wenn man nur mal eben drei Ebenen nach oben wollte; nach unten sowieso. Drinnen Stimmengewirr. Polnisch, russisch, türkisch, ungarisch, rumänisch, kroatisch, tschechisch... eher selten Deutsch. In Babylon war es zum Schluß wohl auch so.

Heute ist der Fahrstuhl wie verwaist. Die Fahrstuhlführer saßen bloß noch teilnahmslos auf ihrem Stuhl und spielten auf ihren Tablets oder Smartphones. Guckten gelangweilt, teilnahmslos, lethargisch. Mittlerweile gibt es keine mehr. Die Knöpfe drückt nun jeder selbst. Oft kann man schon ohne Zwischenstop nach oben oder unten fahren und die Treppe wird gemieden. Nur die Spanplatten hängen noch da wie eh und je. Man kann ja nie wissen...
Alles hat einmal ein Ende. Bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Babylon.

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Freitag 7. Februar 2014, 20:28

Gerade im Posteingang gefunden: Beitrag 7

Fahrstuhlgespräche:


"Morgen!"
"Morgen!"
"Läuft nich so in Exportabteilung, oder?"
"So gar nicht. Chef hat schon Druck gemacht."
"Gerüchteweise willst du den Charly vor die Tür setzen."
"Joa, hilft nix."
"Da helfen ihm seine 30 Jahre Berufserfahrung auch nichts."
"Meinst du, dass mich das noch interessiert?" - BING -
"Mmh...nächsten Freitag wieder ne kleine Golfrunde?"
"Jo, bis dann!"
"Passt."


"Feierabend wie das duftet, lalala!"
"Die gute Laune wird dir schon vergehen, wenn Schalke wieder 4 Dinger fängt."
"Bullshit! Dann schießen wir halt 5! Was geht bei dir am Wochenende?"
"Mit den Kiddies zu den Großeltern."
"Hah, öde!"
"Brauchst du mir nich sagen." - Bing -
"..."
"Tschüss!"
"Tschüss!"


"Los komm schon!"
"Ach Chef, wir sind doch keine Teenager mehr!"
"Du schon noch fast, Schnecke."
"Jaja, und am Tag nach der Weihnachtsfeier weiß immer keiner mehr was."
"Red nich so viel!"
- BING -

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Montag 10. Februar 2014, 20:06

Wieder hat sich etwas angesammelt. Nämlich Beitrag 8...


Gefräßig

Gefräßig verschlingt der Fahrstuhl von gegenüber
gut sichtbar durch die gläserne Eingangsfront
Tag für Tag mir unbekannte Menschen und Hunde.

Nur selten verirrt sich dort jemand auf die Stufen
und wenn, meist trepp-
ab.


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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Montag 10. Februar 2014, 20:07

... und Beitrag 9:

Fahrstuhl-Fantasien
Nachdem sie damals gemeinsam den Fahrstuhl nutzten, um in seine Wohnung zu gelangen,
durchspielte ihr Gehirn zwei Jahre in endlosen Dauerschleifen monatelang des Nachts
weniger diverse Variationen des klassischen Rein-raus-Spiels,
als betörender, psychologisch interessanterer Fantasien, in denen
genau jener Fahrstuhl, er, sie und der endlos lange Flur vor seiner Wohnung,
der in Wirklichkeit sehr kurz war, die Hauptrollen spielten.


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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Montag 10. Februar 2014, 20:12

Gefolgt von Beitrag 10:

Im Fahrstuhl ist es kalt, und im Hintergrund läuft ein Lied, das irgendeinen Sänger vor vielen vielen Jahren sehr populär gemacht hat. Das Lied klingt nach Sommer, nach Leben, es soll für gute Laune sorgen, genau wie die großen Fotodrucke an den Wänden, die eine Waldlandschaft bei Sonnenuntergang zeigen. Die Musik und die Bilder machen mich sehr traurig, weil sie für alles stehen was ich verloren habe. Außer mir sind noch acht andere Menschen im Fahrstuhl, und keiner von ihnen sieht besonders glücklich aus. Eine ältere Frau betrachtet melancholisch seufzend die rotgold gefärbten Herbstblätter auf dem übergroßen Foto, die in der Abendsonne golden schimmern. Mühsam versucht sie die Fassung zu bewahren, doch irgendwann bricht sie in Tränen aus. Niemand tröstet sie, denn jeder hier hat seine eigenen Sorgen und Probleme mit denen er fertigewerden muß.
Schon als Kind waren mir Fahrstühle zuwider, ich empfand es als beängstigend, in einem so kleinen Raum mit anderen, mir fremden Menschen dicht an dicht zusammengepfercht zu stehen. Ich hatte dann immer Angst, dass der Aufzug steckenbleiben und ich mit den anderen in dieser Enge festsitzen könnte. Ich empfand es dann immer als Erlösung, wenn der Fahrstuhl unten ankam und ich hinausgehen konnte. Wie schön das doch war, rausgehen, frische Luft atmen, durch die Stadt schlendern, die Auslagen der Schaufenster betrachten, am Seeufer spazierengehen, durch den Wald laufen und frischen Harzduft der Bäume einatmen. Ja, eine Wohltat für Herz und Seele war das, mir wird ganz weh ums Herz wenn ich daran denke. Wie gerne wäre ich jetzt in der Fußgängerzone, am Meer oder im Wald.
Doch all diese Dinge werde ich nie mehr sehen. Nur noch Fotodrucke von im ABendrot versinkenden Wäldern an den Wänden von engen Fahrstühlen.
Diesmal ist es endgültig, die Menschheit hat es geschafft, sich selbst zugrunde zu richten, eine ganze Zivilisation innerhalb weniger Tage. Nur wenige haben überlebt, ich bin eine von ihnen. Und uns bleibt nichts als ein trostloses Leben in düsteren Bunkern unter der auf jahrhunderte verseuchten Erdoberfläche.

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Dienstag 11. Februar 2014, 19:07

Schon kurz nachdem ich mich einloggte, war er da: Beitrag 11


Zehn Stockwerke!

Zehn Stockwerke muss ich nach oben und die Zeit wird langsam knapp.
Soll ich Treppen steigen oder Fahrstuhl fahren? Aber mit meinem angeschlagenen Knie wird es wohl nichts mit den Treppen. Also der Fahrstuhl. Mein alter Feind!
Ah, eine Frau hat schon gedrückt und wie es aussieht bewegt er sich schon nach unten. Okay, ruhig bleiben und langsam atmen. Es sind ja nur zehn Stockwerke.
Die Tür öffnet sich und eine Masse an Menschen strömt heraus. Vielleicht nehme ich doch lieber die Treppe. Aber mein Knie. Ach, jetzt komm schon! Reiß dich gefälligst zusammen! Es sind doch nur zehn Stockwerke!
O..O..Okay, rein, die Zehn drücken und in eine Ecke stellen. Eins, zwei, drei, vier… Du meine Güte, wie viele Menschen wollen denn noch in diesen Fahrstuhl rein?! Man ist das eng. Aua!! Das ist mein Fuß, pass gefälligst auf! Ganz ruhig bleiben, es sind ja nur zehn Stockwerke. Wenigstens kann ich nicht umfallen.
Die Tür schließt sich und der Fahrstuhl fährt los. Wo ist die Anzeige? Ah, über der Tür. Konzentriere dich auf die Anzeige und nicht vergessen ruhig zu Atmen.
Eins… Man ist der langsam.
Zwei… Noch acht Stockwerke. Nur noch acht Stockwerke.
Drei… Puh! Allmählich wird es heiß hier drin.
Vier… Oh, der Fahrstuhl hält an! Vielleicht wird es etwas leerer. Die Tür geht auf. Oh nein, einer steigt zwar aus, aber drei wollen noch rein. Können die nicht den nächsten nehmen?! Aua, mein Fuß! Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass mir dieser Tölpel auf den Fuß tritt.
Okay, die Tür schließt sich wieder. Ruhig atmen und die Anzeige verfolgen.
Fünf… Ich habe das Gefühl, der Fahrstuhl fährt noch langsamer als vorhin. Und was riecht hier so komisch?
Sechs… Der Fahrstuhl hält erneut an! Bitte lass es leerer werden! Bitte!! Die Tür öffnet sich wieder und die Leute strömen aus der Kabine. Nur zwei bleiben drin und eine Frau steigt ein. Ah, endlich wieder etwas Platz! Okay, du hast noch vier Stockwerke vor dir. Bleib ruhig, atme langsam und halte durch!
Sieben… Und wieder hält er an! Die drei verbliebenen Leute steigen aus. Was!! Lasst ihr mich jetzt etwa alleine?! Na gut, dann geht doch! Lasst mich alleine in diesem Kasten! Ganz ruhig, ganz ganz ruhig! Nur noch drei Stockwerke, das schaffst du! Nur noch drei!
Acht… Er fährt weiter. Noch zwei, nur noch zwei!
Neun… Kommt mir das nur so vor oder wird die Kabine kleiner. Und diese Hitze! Ruhig…ruhig…ruhig, gleich hast du es geschafft.
Zehn… Endlich! Der Fahrstuhl hält an. Warum sollte er auch nicht?! Ruhig, schön ruhig! Na los, schlaf nicht ein und öffne jetzt endlich diese Tür, du blöder Kasten! Die Tür geht auf. Schnell raus und tief einatmen.
Geschafft, zehn Stockwerke im Fahrstuhl. Neuer persönlicher Rekord. Dumm nur, dass ich das nachher nochmal durchmachen muss.
Warum muss mein neuer Psychologe seine Praxis auch im zehnten Stock haben?!

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Dienstag 11. Februar 2014, 20:17

Gefolgt von Beitrag 12:


Der Fahrstuhl: Ein Gute-Laune-Generator

Verbindet die Mehrheit der Menschheit negative Gefühle mit dem Fahrstuhl? Nie im Leben wäre ich auf diese Idee gekommen. Der Fahrstuhl: Ort des Schweigens? - Nicht meine Erfahrung! Der Fahrstuhl: Für mich ein Ort des Spontankontakts mit mir unbekannten Menschen. Kaum eine Fahrt, in der ich nicht ein paar Worte mit Fremden ausgetauscht hätte.

So auch hier:
Verabredet am Kino. Ich werde erwartet, bin spät dran. Flott eingebogen ins Parkhaus, soweit, so gut.

Doch dann der Parkhaus-Supergau.
Ebene um Ebene schraube ich mich nach oben.
Ich bin auf der Suche nach einer Parklücke.
Dem Drehwurm nahe, finde ich auf dem obersten Parkdeck die letzten freien Plätze und parke ein.

Vor dem Aufzug versammelt, stehen schon einige Menschen. Die Anzeige verrät: Der Fahrstuhl wurde gerufen. Er ist auf dem Weg. Eine kleine Gruppe wartet nicht, sondern verlässt das Gebäude über das Treppenhaus. Da kommt der lang ersehnte Fahrstuhl. Er spuckt Menschen aus, die ihre städtischen Vergnügungen, Shopping, Essengehen oder Kino schon hinter sich haben. Der Aufzug füllt sich. Davor steht ein wartender Pulk.

Problem: Der Aufzug schließt sich nicht und das Gespräch nimmt seinen Lauf.
Erster: Hat schon jemand gedrückt?
Zweiter: Zum Ausgang muss man die eins drücken.
Dritter: Die eins ist gedrückt.
Vierte zu ihrem Partner: Soll ich aussteigen? Vielleicht bin ich zu schwer?
Ein paar Leute lachen.
Sie verlässt den Fahrstuhl.
Es passiert: NICHTS! – Die Fahrstuhltür schließt sich nicht.
Die Vierte betritt den Fahrstuhl erneut.
Dritter: Wir sollten zusammenrücken, um weiter von der Tür wegzukommen!
Alle rücken zusammen.
Es passiert: NICHTS! – Die Fahrstuhltür schließt sich nicht.
Fünfter: Lassen sich mich bitte raus? Ich nehme die Treppen!
Der fünfte verlässt den Fahrstuhl.
Es passiert: NICHTS! – Die Fahrstuhltür schließt sich nicht.
Der sechste sieht auf die Uhr.
Sechster: Das dauert aber lang!
Erster: Technik!
Siebter (aus der wartenden Menge vor dem Fahrstuhl): Mensch, jetzt hör endlich auf, dauernd den Knopf zu drücken! Die Leute da drin wollen losfahren!
Es passiert! Die Fahrstuhltür schließt sich.
Amüsiertes Gelächter im Fahrstuhl.
Die Leute verlassen den Fahrstuhl gut gelaunt.

Ich werde erwartet. Ein Wiedersehen nach mehreren Jahren. Eine Kneipe wird aufgesucht. Es wird gesprochen. Es wird gelacht. Es geht zum Kino. Bücher, vor Jahren verliehen, werden mir zurückgegeben. Ich habe keine große Tasche. Die Bücher müssen ins Auto.

Wir betreten das Gebäude.
Wir gehen zum Fahrstuhl.
Wir lesen: Außer Betrieb!

Das ist der Treppenhaus-Supergau.
Ebene um Ebene schrauben wir uns durchs Treppenhaus weiter nach oben.
Ich bin auf der Suche nach meinem Auto.
Ich bin auf der Suche nach meiner Kondition.
Ich bin auf der Suche nach Atem.
Dem Drehwurm nahe, finde ich auf dem obersten Parkdeck mein Auto und packe die Bücher hinein.


Wir betreten das Gebäude.
Vor dem Fahrstuhl stehen viele Menschen.
Ich lache sie freundlich an und sage: Der ist außer Betrieb!
Eine fröhliche Menge von Menschen schraubt sich Ebene um Ebene die Treppen hinab
und verlässt auf Ebene 1 das Gebäude gut gelaunt.


"Bewahre deine Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber nicht weiter leben." - Mark Twain

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schwarzkaeppchen
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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Dienstag 11. Februar 2014, 21:59

Sie haben eine Nachricht! - Beitrag 13

Panic Room

Wozu gibt es Fahrstühle? Wer hatte sich diesen Mist ausgedacht? Mit Sicherheit jemand, der gerade schwer verliebt war. Und bestimmt war es ein Mann. Ganz klar. Denn hätte er mal ein paar Schritte weitergedacht - Ja, sowas durfte man einfach nicht erwarten - gäbe es nun mit Sicherheit eine Art Fluchtweg, denn daran sind sie ja gut, die Männer.

Zu meinem Bedauern war es dieses eine, wünschenswerte Mal nicht gelungen. Ganz im Gegenteil. Die Türen, des von mir liebevoll genannten „Panic Room“, hatten sich schon fast geschlossen und da ich allein war, hatte auch niemand Anstalten gemacht, dies zu ändern. Doch er war schneller - Karma, Baby, Karma - und glitt mit einer Eleganz zu mir hinein, als würde er den ganzen Tag nichts anderes machen. Was blieb war die Panik. Klasse. Wieso konnte er immer noch so etwas in mir auslösen? Ich richtete meinen Blick starr auf den Fußboden. Da hätten sie sich aber auch etwas aussuchen können, dass spektakulärer war als diese Glitzersteinchen. Vielleicht sollte das die Bestätigung für uns Frauen sein: So etwas Funkelndes wirst du nie an deinem Ringfinger tragen. Vielen Dank, lieber Erfinder!

Mit jedem Stockwerk, dass sich der Aufzug hochkämpft, wächst die unsichtbare Mauer zwischen uns. Wie kommt das? Von einem Tag auf den anderen verwandelte sich dieser Raum, in dem wir uns nicht nahe genug sein konnten, zu einem Ort, der einem temporären Gefängnis gleicht. Die Wände aus Metall strahlen nichts als Kälte aus, selbige zwischen uns. Nichts als Stille, selbige zwischen uns.

Ohne ein einziges Wort, verschwand er aus meinem Leben. Und ohne ein Wort, verschwand er jetzt durch die sich öffnenden Türen. Tag für Tag. Immer und immer wieder brach er mir das Herz ein kleines Stück mehr.

Wie konnte man jemandem so nahe sein und sich meilenweit entfernt fühlen?
Wie konnte etwas Alltägliches zu einer solchen Herausforderung werden?
Ob ich Antworten auf diese Fragen bekommen würde?
Nein.
Ob ich nicht auf die Idee gekommen wäre, das Treppenhaus zu benutzen?
Nein. Denn: Wozu gibt es Fahrstühle?

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Re: 52. Schreibwettbewerb: Fahrstuhlgeschichten

Beitrag von schwarzkaeppchen » Sonntag 16. Februar 2014, 20:47

5 Tage zu spät und damit außer Konkurrenz eingereicht - dennoch viel Spaß beim Lesen auch dieser Fahrstuhlgeschichte:

Fahrstuhlgeschichten
Sie sind unter uns
Die Türen des Aufzugs öffneten sich und ein fremder Mann betrat die Kabine. Er musterte mich kurz, bevor er schweigend einen der Knöpfe drückte. Ich starrte zu Boden und ignorierte ihn so gut ich konnte. Noch drei Stockwerke. Der Fremde sah mich aus dem Augenwinkel an . Langsam wurde ich nervös, wieso starrte er mich unentwegt an ? Oder bildete ich mir das nur ein ? Ich betrachtete ihn aufmerksamer. Sofort bemerkte ich seine Augen , die in einem ungewöhnlich schrägen Winkel zu stehen schienen, obwohl er nicht wie ein Asiate aussah. Auch wirkte sein Gesicht lang und schmal mit einem spitzzulaufenden Kinn, fast wie bei einem Alien. Aber es waren seine Augen, die mich so befremdeten, der starre, abgewandte Blick, der mich dennoch zu verfolgen schien. Mein Mund wurde ganz trocken. Sein dunkler Mantel, der ihm bis fast zu den Knien reichte war nicht geschlossen und ließ einen eleganten schwarzen Anzug mit weißem Hemd darunter erkennen. Viel zu vornehm für diese Gegend. Doch dann drehte er sich ein wenig, so dass sein Mantel zurückglitt und den Blick auf seine Seite freigab. Da bemerkte ich das Heft eines langen Küchenmessers, das aus seiner Hosentasche ragte. Der Typ wurde mir immer suspekter. Nun sah er mich direkt an.
„Ist etwas nicht in Ordnung ?“ fragte er leise mit bedrohlich tiefer Stimme, obwohl niemand sonst mithören konnte.
„Alles bestens.“ erwiderte ich knapp. Seine Mafiagangsterstimme machte die Situation noch angespannter.
„Gut. Sehr gut.“
Glücklicherweise hielt der Aufzug just in diesem Moment auf meiner Etage. Ich stieg aus und lief den Flur hinab zu meiner Wohnungstür. Gott sei Dank war ich nun vor diesem Kerl in Sicherheit. Ich zog meine Schlüssel aus der Hosentasche und schloss die Tür auf. Doch irgendwas stimmte hier nicht…Ich sah auf den Boden und bemerkte, dass meine Hausschuhe nicht ordentlich nebeneinander auf der Fußmatte standen, sondern ein Schuh umgedreht im Wohnungsflur lag, so als habe man ihn achtlos beiseitegetreten. War jemand in meiner Abwesenheit hier gewesen ? Aber wieso sollte jemand ausgerechnet in meine Wohnung einbrechen ? Sofort fiel mir der seltsame Mann aus dem Fahrstuhl wieder ein. Aber es war lächerlich, er wusste sicher nicht mal, wo ich wohnte. Ich ging weiter bis in die Küche, nachsehen ob wenigstens mein Hamster Kenny wohl auf war. Ich trat näher an den Käfig heran, um besser hineinsehen zu können. Nichts rührte sich. Vielleicht schlief er in seinem Häuschen ? Besorgt ob ich es hoch und was musste ich feststellen ? Mein Hamster rührte sich nicht, er war tot !!! Der Mann hatte Kenny getötet !!!

Ende

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