zebulon hat geschrieben:@Le Chiffre Zéro: Wie sieht's mit Berliner Schule aus?
Noch weniger als Düsseldorfer Schule, die sich wiederum deutlich hinter Jarre einreihen darf.
Wechselta.(ug) hat geschrieben:Klingt ziemlich wie "stehen geblieben und eingefroren". Das wäre mir zu dogmatisch und künstlich begrenzend.
Es ist aber mein Musikgeschmack. Und schon ca. 1987/1988 fand ich: "Die Musik von heute ist scheiße." Inzwischen kann ich die späten 80er hören.
Wechselta.(ug) hat geschrieben:Wie man sich nur auf einen Künstler oder eine Band so dermaßen versteifen kann ist mir auch ein Rätsel.
Das nennt man "Fan".
Wechselta.(ug) hat geschrieben:Außerdem sag ich nur:
- Martial Canterel
- Xeno & Outlander
Und Bands wie Chvrches oder Vile Electrodes treten live auch nicht mit nem Notebook auf.
Vergiß es. Keine Chance.
Wenn du so hartnäckig versuchst, meinen Musikgeschmack umzupolen, halte ich um so hartnäckiger dagegen.
Vielleicht magst du aktuelle Musik. Vielleicht mag jeder außer Automobilist und mir aktuelle Musik. Ich mag sie aber nicht. Und das wird niemand ändern können.
Abgesehen davon – noch einmal: Synthpop muß für mich nicht düster sein. Im Gegenteil. Giorgio Moroders
Scarface-Soundtrack gibt mir tausendmal mehr als alles an Darkwave. Und auch wenn es die 90er sind: Was Depeche Mode 1993 gemacht haben (
Songs Of Faith And Devotion), gefällt mir gar nicht – um so mehr, was Erasure 1992 gemacht haben: verspielt-elektronische ABBA-Covers (
Abba-esque), die sogar noch mehr meinen Geschmack treffen als Depeche Modes 1990er Release (
Violator mit ihren wohl größten Hits überhaupt).
Wechselta.(ug) hat geschrieben:Zum Thema Piano Roll:
In den 80ern wurden auch schon Sequencer oder Arpeggiator benutzt, also nicht alles per Hand eingespielt. Zumal es schon ziemlich früh Step Sequencer gab, deren Benutzung auch nicht besser als Piano Roll ist. Digitale Sequencer gab's schon in den 70ern z.B. im AKS von EMS.
Das ist schon wahr.
Es gibt aber immer noch einen himmelweiten Unterschied zu "eintaktigen Loop in den Sequencer programmieren, Spur in Ableton Live an, Spur in Ableton Live aus, Spur einfaden, Spur ausfaden, bißchen am Filter drehen, und so mache ich aus einem 2-Sekunden-Loop einen 10-minütigen Clubtrack".
Wechselta.(ug) hat geschrieben:Und Jarre ist auch nicht wirklich komplexer als viele EDM-Tracks. Ich hab ein Songbook von dem und das kann jeder Klavieranfänger spielen und es gibt auch viele Wiederholungen.
Trotzdem gibt es einen himmelweiten Unterschied zwischen einerseits EDM-Material, das komplett nur aus einem oder wenigen kurzen Loopschnipseln besteht, und Kompositionen (ja, Kompositionen!) wie "Rendez-vous 2", "Industrial Revolution", "Calypso 3" "Chronologie 2", "Chronologie 4" und sogar so vergleichsweise belanglos wirkendem Material wie "Equinoxe 4", "Orient Express", "Souvenir Of China", "Rendez-vous 4", "The Emigrant" oder "Oxygène 13".
Selbst wenn Jarre ein Stück mit voller Absicht auf Sequenzen basiert, ist es nicht einfach die ganze Nummer durch dasselbe Loopmaterial. "Arpegiator" hat erstens die ungleich langen Sequenzen (25/8 über 4/4), zweitens immer wieder komponierte Echtzeittranspositionen, drittens immer noch einiges an handgespielten Anteilen, und viertens wurde es noch nicht einmal in einem Studio aufgenommen, sondern auf einer Bühne in China während eines der ersten beiden elektronischen Konzerte, die das Land je erlebt hat. "Digisequencer" wiederum fängt an nur mit einer einzigen Bassline im Acid-Stil, dann folgt eine akustische Gitarre (nein, keine Sequenz, sondern handgespielt von Patrick Rondat), über den folgenden Sequenzenabschnitt wird einiges per Hand gespielt, im vierten Abschnitt gibt es sehr viel Handgespieltes: Drums – von einem echten Drummer, Laurent Faucheux –, neben der Bassline spielt Guy Delacroix den Baß, und über den adlib gespielten Flächen spielt Patrick Rondat elektrische Gitarre. Das Finale ist komplett adlib und bar jeglicher Sequenzen. Im übrigen ist auch "Digisequencer" nie in einem Studio produziert worden, sondern immer nur live gespielt (
Europe In Concert,
Hong Kong,
Concert pour la tolérance).
Wechselta.(ug) hat geschrieben:Techno (im Sinne von durchlaufenden Viertel Bassdrums und repetiven Mustern) ist übrigens schon uralt, der erste Techno Track "Sharevari" ist von 1981!
Elektronik, Sequenzen und Four-to-the-floor hatte schon Giorgio Moroder 1977 mit Donna Summers "I Feel Love" – mit einem Sechzehntelpuls auf Tonband als Taktgeber für den Moog-Sequencer.
Wechselta.(ug) hat geschrieben:Unter die meisten Jarre Tracks könnte man ne Viertel Bassdrum drunter legen und dann wäre es "normaler" Techno/EDM. Das weiß auch Jarre selber, siehe z.B. "Aero".
Wieviel Jarre kennst du? Kennst du alle seine offiziellen, nicht als selten eingestuften Studio- und Live-Releases?
Er hat selbst so einige Male Four-to-the-floor angewandt, teilweise mit einem Ethno-Touch ("Revolutions"/"Revolution, Revolutions", "C'est la vie"), teilweise als Verneigung vor der EDM in ihrer Hochzeit ("Chronologie 2", "Chronologie 4", "Chronologie 6", "Oxygène 8", "Oxygène 11", "Oxygène 12"). Und vom Material der
Chronologie und der
Oxygène 7–13 gibt es viele Remixes, das stimmt. Aber Jarre ist ansonsten meist meilenweit von EDM entfernt – und macht im übrigen keine "Tracks".
Und da soll noch jemand sagen, mein Musikgeschmack wäre irgendwie verträglich.