Ehe mit einem Autisten

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Hoppala
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Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Hoppala »

Ein Fels in der Brandung
Eine schöne Liebesgeschichte, finde ich.
Und vielleicht für den ein oder andere hier aufschlussreich.
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kreisel
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Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von kreisel »

ich finds eher gruselig.

ich weiß nicht obs an der journalistischen Intention liegt, doch die Wünsche der Frau (diese 30
oder 50 Gründe, warum das Liebe ist),
also die Dinge die sie da aufzählt (weil du Verständnis hast, weil du immer bleibst ect)
passen irgendwie nicht zusammen mit der beschriebenen alltäglichen Realität des Paares.

es wird ja auch beschrieben er will sich trennen, würde lieber alleine im Wald leben,
aber er braucht sie,"weil er eben so behindert ist"
(und weiß wohl nicht wie man richtig fühlt und was Beziehung ist, also zählt das schonmal nicht.)

Aber sie hält halt an der Beziehung fest und stellt fest "nein wir halten das durch".
Irgendwie ein Gefälle, also wer die Hosen an hat.

dann wollte die Frau, die Psychologin ist, unbedingt Kinder, er eigentlich nicht, und sie
hat ihren Willen durchgesetzt,
muss ihn aber ständig an die "äußeren Aktionen erinnern die ein Vater so macht"

ob die Kinder denn je einen Vater haben, der das von Herzen fühlt,
oder nur eine Marionette, weil die Frau das nun so einfordert und das Drehbuch geplant hat?

Mir kommts vor als sei Romantik und Liebe (oft; auch hier) ein inszeniertes Stück,
weil einer es genug will.
(Oder ein Selbstläufer wenn beide die selben Programme fahren)

Und vielleicht ist das ja dann doch wieder Realität.
Wenn man an seinen eigenen Film genug glaubt und Menschen findet die das auch tun oder
keinen anderen dagegenzusetzen haben.

Aufschlussreich in Richtung AB finde ich es höchstens in der Richtung,
dass diese emotionalen Muster, dieser "Film" nicht einfach ohne Zweifel da sein könnte.
man nicht einfach in diese vorhergesehenen Rollen hineinpasst.

Das ist schlecht so in Richtung (Mist geht nicht so einfach),
kann aber auch gut sein.

Ob das jetzt die Lösung ist dass einen einer mit Überzeugungskraft für zwei mit in diesen Film nimmt?
ja das könnte sein,
aber ich denke das ist nicht die einzige Lösung.
Nonkonformist

Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Nonkonformist »

Autismus (oder auch hochsensibilität) kann man nicht großartig ändern.
Am besten kann man lernen mehr oder weniger damit um zu gehen, aber
die welt wird halt anders wahrgenommen, wahrscheinlich genetisch veranlagt.
Es ist wahrscheinlich wie mit farbenblindheit; mann kan ein farbenblinder
erklären das es rot und grün gibt; wirklich verstehen wie rot und grün aussehen
wird er aber nie; diese praxiserfahrung bleibt ihm verschlossen.
Zum fühlen wie ein normalo-vater sind solchen autisten wahrscheinlich nicht
in der lage, und geändert werden kann das wahrscheinlich auch nicht.

Ich vermute, entweder, man findet ein partner die mit autismus umgehen kann, oder
man bleibt alleine.

Ich vermute auch, dieser mann hat verdammt viel glück gehabt, eine frau zu finden
die damit umgehen kann.
Und ja, so eine beziehung verlangt dan mehr anstrengungen und opfer als eine
normale beziehung.

Und was am ende zählt, ist nicht ob so einen beziehung den gängigen normen entspricht,
oder ob diese für den beiden partner so funktioniert.

Angeblich ist das hier dem fall.

Mal angenommen das ein solcher autist wahrscheinlich nicht in der lage ist zu lernen
zu fühlen wie es normalos tun, und romantische initiativen zu nehmen; was für anderen
lösungen schlagst du denn vor?
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kreisel
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Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von kreisel »

Mal angenommen das ein solcher autist wahrscheinlich nicht in der lage ist zu lernen
zu fühlen wie es normalos tun, und romantische initiativen zu nehmen; was für anderen
lösungen schlagst du denn vor?
Meine Gedanken gehen in die Richtung wie du es auch schon angeschnitten hast,
keine Beziehung die den gesellschaftlichen Normen entspricht, sondern eine die für beide funktioniert.

Wie das leben und erleben mit einer für die einzelen und das Paar individuellen Lösung
dann aussieht, kann ich nicht beurteilen oder vorhersagen.

ich vermute die Ausprägung des Autismus und Erlebnisweisen sind auch individuell.
Ebenso wie es nicht "den normalo" gibt, der genau nach Modell tickt.

Darum gibts für mich eigentlich auch keine "Schablonen Vorbilder" bzw ich finde sie setzen
einen unter Druck im Vergleich mit dem, was sein müsste.

Mit andere Lösungen meine ich damit also keine neuen Schablonen, sondern individuelle
Entwicklungen für das jeweilige Paar und den einzelnen. (oder umgekehrt)


ich gehe auch davon aus, dass solche Strukturen wie Autismus, ADHS, HSP nicht änderbar sind,

mir selber ist die Vorstellung gruselig, das normale zu imitieren und keinen Raum mehr für
die eigene Struktur zu haben, wenn man auch zuhause "anders/Normal" sein will oder soll
weil man einmal in so einem Arrangement wie Ehe/Familie ist.
Das berührt mich wahrscheinlich an dem Beitrag.

Das aus meiner Perspektive Rolle erfüllen etwas lästiges und sehr zerreißendes ist. (wenn man diese Programmierung nicht gerne und natürlich in sich trägt)
Im Grunde polarisiere ich dann wohl eher aus der Position des Autisten heraus.

Die Frau erlebe ich etwas als "böse Übermutter" die ein Übergewissen repräsentiert
:brille1: (Dr Freud) :mrgreen:
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Tyralis Fiena
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Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Tyralis Fiena »

kreisel hat geschrieben:
Die Frau erlebe ich etwas als "böse Übermutter" die ein Übergewissen repräsentiert
:brille1: (Dr Freud) :mrgreen:
Mein Eindruck geht auch so in die Richtung. Irgendwie löst es meinen "Klammeralarm" aus.
kim

Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von kim »

kreisel hat geschrieben:Die Frau erlebe ich etwas als "böse Übermutter" die ein Übergewissen repräsentiert
:brille1: (Dr Freud) :mrgreen:
Sehe ich auch so!

So wie es im Artikel beschrieben ist, sieht sie in ihm keinen Ehemann, sondern ein weiteres Kind.

Wenn ich zum Beispiel sowas lese:
Er versucht, ruhig zu bleiben, wenn das Abendessen zu spät kommt.
dann kann ich das als Ehe nicht mehr ernst nehmen.

Für mich klingt das wie ein einziger Albtraum!

Aber wie so oft: Sie müssen damit glücklich werden.
Gilbert

Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Gilbert »

kim hat geschrieben:
Wenn ich zum Beispiel sowas lese:
Er versucht, ruhig zu bleiben, wenn das Abendessen zu spät kommt.
dann kann ich das als Ehe nicht mehr ernst nehmen.

Für mich klingt das wie ein einziger Albtraum!
Warum das denn? :gruebel:

Wenn ich mich als Mann innerhalb meiner Ehe nicht selbst um das Abendessen kümmere, bekomme ich gar keins....
Reni

Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Reni »

Gilbert hat geschrieben:
kim hat geschrieben:
Wenn ich zum Beispiel sowas lese:
Er versucht, ruhig zu bleiben, wenn das Abendessen zu spät kommt.
dann kann ich das als Ehe nicht mehr ernst nehmen.

Für mich klingt das wie ein einziger Albtraum!
Warum das denn? :gruebel:

Wenn ich mich als Mann innerhalb meiner Ehe nicht selbst um das Abendessen kümmere, bekomme ich gar keins....
Hätte bei uns zeitweise auch passieren können :). Allerdings wäre es mir schwer gefallen, damit umzugehen, dass "er versucht, ruhig zu bleiben, wenn das Abendessen zu spät kommt". Von daher: auch für mich wäre diese Beziehung Albtraum.
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Gucki
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Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Gucki »

Für mich ist das keine Beziehung :gruebel:
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Hoppala
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Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Hoppala »

Was mich daran berührt: Beide springen tagtäglich über ihren Schatten, um mit dem anderen zusammen sein zu können. Und anscheinend machen sie's freiwiliig, also gern.
Weil sie den anderen so sehr mögen, dass es das wert ist.

ch finde, es wird auch deutlich, dass auch der Autist tiefe Gefühle hat, sie "nur" anders ausdrückt - wenn er sie denn überhaupt selbst mal wahrnimmt.
Und was heißt das schon: Für den (und viele andere) drücken "Wir" (/oder sollte ich sagen: ich?) unsere Gefühle ja auch "anders" aus.

Hier wird einfach realisiert, dass Menschen nun mal sehr unterschiedlich sein können - und sich dennoch oder gerade deswegen tief empfunden wertschätzen, sodass sie ohne den anderen nicht mehr sein mögen.

Ich find das schön. Aufeinander zugehen und Differenzen überwinden, anstatt sie zu zementieren.
Nutzungsregeln: Mediale Äußerungen von Menschen ersetzen keine Begegungen. Was du hier schreibst, bist nicht du. Was ich hier schreibe, bezieht sich nicht auf dich. Nur auf deinen Beitrag. Ich schreibe meine Meinung, deren Bedeutung in deinem eigenen Ermessen liegt. Vergiss, was dir nichts nützt.
Katinka

Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Katinka »

Hoppala hat geschrieben: Aufeinander zugehen und Differenzen überwinden, anstatt sie zu zementieren.
Ja, das sehe ich auch ein bisschen so. Größtenteils empfinde ich das ganze als eine von allen Schnörkeln befreite Beziehung, in der die Dinge, die sonst nur gedacht, aber niemals gesagt werden können, einfach klar auf dem Tisch liegen (weil v.a. er schnörkellos ist).

Trotzdem habe ich das Gefühl, dasss die Frau sich an dem Ganzen ziemlich abarbeitet, denn ihre 31 Gründe sind ganz klar solche Schnörkel ... spricht für mich dafür, dass sie so etwas wichtig findet.

Einem Autisten die "Liebe beibringen" ... kann auch ein Projekt sein.
kim

Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von kim »

Hoppala hat geschrieben:Hier wird einfach realisiert, dass Menschen nun mal sehr unterschiedlich sein können - und sich dennoch oder gerade deswegen tief empfunden wertschätzen, sodass sie ohne den anderen nicht mehr sein mögen.
Ja, unterschiedlich sind die beiden.

Meine Tendenz beim Lesen des Artikels ist, dass die Frau Erfüllung darin findet, für jemand anderen da zu sein. Salopp wird hier manchmal vom "Helfersyndrom" gesprochen. Hier wird das "Helfen wollen" zu einer Sucht bis hin zur eigenen Aufgabe und Erschöpfung.

Wenn ich nicht wüsste, dass es in dem Artikel um ihren Ehemann geht, würde ich vermuten, es ist die Rede von ihrem 5-jährigen Sohn, den sie gerade die "Welt erklärt".

Wenn ich die Äusserungen in dem Artikel zugrunde lege, dann ist es auch für diese Frau niemals eine gleichwertige Ehe (im Sinn von Geben und Nehmen). Sie sagt, er funktioniert (oder auch nicht).
Lisa

Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Lisa »

Mich irritiert ein bisschen, dass der Mann "lieber alleine im Wald" wohnen würde und er das Thema Scheidung anscheinend schon einige Male angeschnitten hat. Klingt für mich fast so, als wäre er nicht besonders glücklich in der Beziehung, hätte aber aufgrund seines Autismus keine realistische Möglichkeit, da rauszukommen ... :?
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Hoppala
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Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Hoppala »

Katinka hat geschrieben:Trotzdem habe ich das Gefühl, dasss die Frau sich an dem Ganzen ziemlich abarbeitet, denn ihre 31 Gründe sind ganz klar solche Schnörkel ... spricht für mich dafür, dass sie so etwas wichtig findet.

Einem Autisten die "Liebe beibringen" ... kann auch ein Projekt sein.
Ich sehe ihre 31 Gründe als einen Vesuch. ihm zu helfen, ihre - aus seiner Sicht verrückte - Handlungsweise zu verstehen.
Und wahrscheinlich ist es auch als Hilfe für sie gedacht, damit sie sich nicht dauernd m Alltag umständlich neu erklären muss. Er hat einen festen Bezugspunkt, wo er nachgucken kann, warum sie iohn eben lieber nicht im Wald leben sieht. Der seiner spezieller Ich-Bezogenheit einen Kontrapunkt leifert - wenn er das will.

Ich würde mich an dieser Form der Auflistung aber auch nicht aufhängen, der ist aus der Moment geboren. Der Gedanke ist aber: "Ich habe sovviel (für mich sehr gute) Gründe, mit dir zusammen zu sein - du brauchst daran nicht zweifeln."
Und natürlich ist ihr das wichtig. Wem ist nicht wichtig, dass der Partner an der Beziehung nicht zweifelt?

Ich glaube auch nicht, dass sie ihm "Liebe" beibringt. Sie bringt ihm bestenfalls bei, wie das bei ihr funktioniert, und lernt, wie das bei ihm funktioniert.
kim hat geschrieben: Meine Tendenz beim Lesen des Artikels ist, dass die Frau Erfüllung darin findet, für jemand anderen da zu sein. Salopp wird hier manchmal vom "Helfersyndrom" gesprochen. Hier wird das "Helfen wollen" zu einer Sucht bis hin zur eigenen Aufgabe und Erschöpfung.
Ich halte diesen Reflex, "für jemand anderen da sein zu wollen" direkt zum Helfersyndrom zu erklären, für eine ziemlich bedenkliche Mode.
Wir isnd soziale Tiere. Für jemand anderen da sein, sich ums Wohlergehen der Mitmenschen, und erst Rech der Nahestehenden zu kümmern, und daraus Zufriedenheit und Erfüllung zu ziehen, ist völlig normal, ja sogar notwendig. Solange man nicht NUR daraus Erfüllung zieht. Und darauf bietet sich im Text kein Hinweis.
kim hat geschrieben: Wenn ich nicht wüsste, dass es in dem Artikel um ihren Ehemann geht, würde ich vermuten, es ist die Rede von ihrem 5-jährigen Sohn, den sie gerade die "Welt erklärt".

Wenn ich die Äusserungen in dem Artikel zugrunde lege, dann ist es auch für diese Frau niemals eine gleichwertige Ehe (im Sinn von Geben und Nehmen). Sie sagt, er funktioniert (oder auch nicht).
Kann es sein, dass du überliest, wieviel sie von ihm lernt?
Ja klar erklärt sie ihm "ihre Welt". Und er ihr seine.. Jeder so gut er kann. Es ist ihnen wichtig genug, dafür täglich über ihren Schatten zu springen.
Lisa hat geschrieben:Mich irritiert ein bisschen, dass der Mann "lieber alleine im Wald" wohnen würde und er das Thema Scheidung anscheinend schon einige Male angeschnitten hat. Klingt für mich so, als wäre er nicht besonders glücklich in der Beziehung, hätte aber aufgrund seines Autismus keine realistische Möglichkeit, da rauszukommen ... :?
Klingt für mich so, als verstünde er nicht, was da in ihm vorgeht. Autist eben. Und bisher entscheidet er sich für das Abenteuer, obwohl es ihn fortwährend verwirrt - und obwohl ihn verwirrt, dass er da tut. Nur wegen dieser Frau.

Wenn ich eure Einwände für mich zusammenfasse, dann lese ich: "Wie kann das so anders sein, als ich mir denke, dass es sein sollte?"
Ich bin mir sicher, beiden im Text geht es ganz genauso, täglich. Sie gehen aber beide damit so um, dass sie die Aufgabe dennoch mit und für diesen Menschen angegangen sind.

Denn die meisten Beziehungen sind oder werden ganz anders, als man sich vorher gedacht hat, dass es sein sollte. Dann ist die Frage, wie man damit umgeht.
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Lisa

Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Lisa »

@Hoppala: Eine sehr schöne Antwort, stimme dir im Großen und Ganzen zu.

Aber um trotzdem nochmal darauf herumzuharfen: Im Artikel steht, dass er mehrmals die Scheidung wollte, sie aber "nein" gesagt und die Diskussion damit beendet hat. Für mich liest sich das schon ein bisschen wie ein Abhängigkeitsverhältnis, in dem er nicht viel mitzuentscheiden hat :?.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich mit Autismus nicht auskenne ... vielleicht können sich Autisten ja doch deutlich besser durchsetzen, als ich mir das gerade zusammenreime.
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Hoppala
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Re: Ehe mit einem Autisten

Beitrag von Hoppala »

Lisa hat geschrieben: Aber um trotzdem nochmal darauf herumzuharfen: Im Artikel steht, dass er mehrmals die Scheidung wollte, sie aber "nein" gesagt und die Diskussion damit beendet hat. Für mich liest sich das schon ein bisschen wie ein Abhängigkeitsverhältnis, in dem er nicht viel mitzuentscheiden hat :?.
Wir wissen nur, was im Text steht. Nicht, was die beiden wirklich denken oder sie antreibt.

Ich gehe davon aus, dass er ein selbstverantwortlich handelnder Mensch ist. Er hat geheiratet. Er kann die Scheidung einreichen, wenn er will. Will er aber nicht. Er denkt nur drüber nach, ebenso wie übers "im Wald leben". Und einer der Faktoren, die ihn hindern, den Gedanken in die Tat umzusetzen, - vielleicht der einzige, vielleicht einer von vielen - ist, dass sie das nicht will. Dass sie lieber mit ihm zusammen sein möchte.
Ich schrieb ja: beide springen für den anderen jeweils über ihren Schatten. Aber eben freiwillig, Sicher ist das im Detail oft ein schmaler Pfad.

Dass sie ihre Gefühle für uns klarer ausdrücken kann als er, liegt in der Natur der Sache.
Heißt das, dass er von ihr abhängig ist? Weil wir es uns nicht anders erklären können?
Vermuten wir eine größere Hilfebedürftigkeit/Abhängigkeit, weil wir uns anders als er ausdrücken und handeln würden? Weil wir "Autist" mit Defiziten verbinden - aber nicht mit Stärken, die auch einen selbstverantwortlichen, beziehungsfähigen Menschen ausmachen können?
Ich will damit keine Antworten nahelegen, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Aber idealerweise erst dann, wenn es da auch wirklich was auszumachen gibt. Nicht schon vorher.

Ich will letztlich Zweifel säen an vorgefassten Überzeugungen, wie es sein soll. Und offener zu sein für das - eventuell nicht einfache! - Glück, das sich auch auf ganz anderen Wegen einstellen kann. Wenn man die nicht von vornherein verstellt.

Man mag es drehen und wenden wie man will: wir lesen hier eine intensive Beziehungsgeschichte. Eine, die für beide anscheindend bisher besser ist, als wenn sie sie nicht hättten.
ist nur so ganz anders als in den Teenie-Träumen (bei ihr). Bzw, bei ihm: Anders als sein Verstand es für möglich hält. (Die Einsiedelei ist vielleicht seine Art voin Teenie-Traum? Wer weiß?)

Sag ich mal auf Basis des Textes, und ohne zu mutmaßen, was da sonst alles vielleicht oder vielleicht nicht nicht reingeschrieben wuirde.
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