Bedauerlicherweise herrscht bei diesem Thema viel Glauben und wenig Wissen vor. Das heißt, dass man immer etwas ausholen muss. Was wiederum bedeutet, dass diejenigen, die es sich leicht machen wollen (und das ist immer die Mehrheit) die wesentlichen Punkte gar nicht erst zur Kenntnis nehmen, aber ihre Ignoranz per "Mehrheitsentscheid" zur anzustrebenden Norm erklären ...
Immerhin hatte ich mit Gabaltan schon eine gemeinsame Verständnisbasis:
"Jeder soll tun, was er will. Aber nicht, weil andere es auch machen. Das darf kein Argument sein. Und es ist keins."
Wenn das die Meinung ist, hat das Konsequenzen. Unter anderem, dass entgegenstrebende Meinungen und Verhaltensweisen "nicht gut" sind.
Darum bezieht sich alles, was folgt, darauf. Ich komme unten noch mal ausdrücklich darauf zurück.
Gabaltan hat geschrieben:ja und wenn ich mich souverän entscheiden will, meine persönliche und sonstige welt unter einbeziehung gewisser mein leben vereinfachender technologien zu gestalten?
Dann steht genau diese Prämisse "mein leben vereinfachender technologien" aufgrund der grundsätzlicher Erwägungen in Frage. "Wird hier unterm Strich was einfacher?" "Zu welchen Kosten - auch für andere?"
Als wie üblich hinkendes Beispiel nehme ich mal deine fortgesetzte Kleinschreibung. Ich vermute (zumindest ist das eine gängige "Selbsterklärung" von Permanentkleinschreibern), du hältst es für eine Vereinfachung deines Lebens, die Shiftasten nicht zu benutzen. Nehmen wir das mal beispielhaft so an.
Selbst wenn ich im Auslassen der Shifttaste eine "Vereinfachung" erkennen könnte, bleibt die Frage nach den Kosten: nämlich dass du es anderen schwerer machst, deine Texte zu lesen. Einer "spart" Aufwand, mehrere andere haben "mehr" Aufwand. Möglicherweise steigt auch das Risiko des Missverstehens. Wegen deiner souveränen Entscheidung. Nicht nur ist dann offen, ob am Ende wirklich was für dich "leichter" geworden ist. Sondern es steht auch deine Ureteilsfähigkeit und deine Sozialkompatibilität (die Folgen des eigenen Tuns für andere) in Frage.
Und bitte: ist nur ein Beispiels um des Prinzips willen. WennÄ's mir zu lästig wäre, würde ich deine mutwillig mit zig Rechtschreibfehlern gespickten (nichts anderes ist es nämlich) Beiträge einfach nicht zur Kenntnis nehmen.
Gabaltan hat geschrieben:lol, "habe ich das jemals vermisst?" ist deine herangehensweise bei technologischen innovationen?
Das ist die einzig Sinnvolle. Jeder, der anders herangeht, sollte sich das noch mal sehr gründlich überlegen.
Begründung: Wenn ich es noch nicht vermisst habe, hatte ich bisher keinen wahrnehmbaren Bedarf.
Wenn ich keinen Bedarf habe, ist es verzichtbarer Luxus.
Ob ich mir den Luxus gönne oder nicht, kann ich mir überlegen. Aber ich kann mich dann nicht hinstellen und die Kosten für andere (und mich selbst) mit dem Argument wegwischen, man "brauche das ja heut".
Eine "Innovation", die keinen vorherigen Bedarf erfüllt, ist Spielerei. Nichts "Notwendiges" und auch nichts "Praktisches". Bedarfe, die erst entstehen, WEIL es die Innovation gibt, zählen hier nicht - denn "Innovationen", die ihren eigenen Bedarf erzeugen, sind ausgemachte Idiotie (zugegeben: die Welt ist voll davon ...).
Dein Beispiel mit den Webstühlen und Telefonen hinkt übrigens nicht nur, sondern ist völlig daneben. Es gab für beides VOR der Erfindung schon lange konkreten Bedarf (weil dieser Beitrag eh schon sehr lang ist, habe ich die eigentlic schon geschriebene Ausführung dazu wieder gelöscht. Es ist eh nur ein Nebenkriegsschauplatz ohne direkten Belang fürs Thema.).
WhatsApp wiederum ist nicht in erster Linie ein Instrument für den Austausch wichtiger Informationen über lange Strecken. Man kann es dafür benutzen - so wie man mit dem Auto Brötchen vom Bäcker an der Ecke holen kann. Nur ist der Unsinn da sofort ersichtlich (wenn auch nicht unbedingt für jeden - und in sehr seltenen Fällen kann es eben auch mal sinnvoll sein); bei "informationellen" Geräten wird der Unsinn versteckt, und die "Nutzer" machen nur zu gern beide Augen zu.
Und schon "brauchen" wir alle ein Auto, um unsere Brötchen zu holen. Allein schon weil der Weg über den Riesenparkplatz vorm Bäcker so weit geworden ist. Und überhaupt gibt es gar keinen mehr in der Nähe, weil ja alle mit dem Auto hinfahren. Pseudo-Bedarf. "Wie, du hast die Brötchen per pedes geholt? Willst du dich vor den Nachbarn vollends lächerlich machen!?"
Gabaltan hat geschrieben:ich arbeite an projekten, die ständige, auch relativ spontane, kommunikation erfordern, über ländergrenzen und manchmal auch über kontinente hinweg.
mit den kommunikationsformen von vor 15 jahren wäre diese arbeit schlicht und ergreifend nicht möglich, punkt.
Erstens: ich habe nie behauptet, dass die Informationsmöglichkeiten von WhatsApp in sehr besonderen Fällen für den Einzelanwender nicht nützlich sein können. Im Gegenteil. Die Frage hier war und ist aber, ob man das im Alltag oder für Beziehungsanbahnung "braucht", " weil man das eben so macht". Dein spezieller Spezialfall tut da nichts zur Sache.
Zweitens ignoriert das, dass man das auch ganz anders als über WhatsApp organisieren könnte - mit geringeren "Gesamtkosten".
Drittens hege ich grundsätzlich Zweifel an deiner Behauptung, es wäre vor 15 Jahren nich tmöglich gewesen - aber da ich nicht, weiß, was genau du da arbeitest (und ob das enen sinnvollen Bedarf erfüllt), bleibt das eben eine offene Frage.
Und überleg dir, ob Fragen, ob etwas wirklich so ist, wie es scheint, in deinem Wertesystem etwas Positives oder etwas Negatives darstellen.
Gabaltan hat geschrieben:für die behauptung "marzipan schmeckt besser als nuss" mag das ja gelten, aber für "der dollar steht vor einer massiven abwertung" oder "die aktiven nutzerzahlen von xy sind um mindestens 50% übertrieben" würde ich doch gerne mehr hören.
Du wirfst hier subjektive Eindrücke und prinzipiell sachlich belegbare Behauptungen durcheinander.
Das ist schon mal methodisch problematisch.
Meine Behauptung mit den 50% ist übrigens die Antwort auf deine ausgesprochen zweifelhafte "35 Millionen"-Behauptung - und dass die höchst zweifelhaft ist, habe ich ansatzweise dargelegt, und du hast diesen Punkten ausdrücklich zugestimmt.
(Die Sache mit dem Dollar ist übrigens auch eine pure subjektive Meinung, wie mit dem Marzipan.)
Nun war aber diese deine zweifelhafte Behauptung Ausgangspunkt für deine folgende Behauptung, man "mache das heut halt so, und es löse andere Informationstechnken zu Recht ab" (Inhalt ist nicht wörtlich, sondern paraphrasiert). Dafür fehlt nun aber bei etwas Nachfragen und genauer Hingucken nach wie vor jeder plausible Begründungszusammenhang. Und die Ausgangsbehauptung ist - wie von dir bereits eingeräumt - sehr zweifelhaft.
Von deine Behauptungen bleibt folglich - bis zu diesem Punkt - nichts Konkretes übrig. Außer: Meinung.
Nobody hat geschrieben:Es gab auch mal Leute, die waren der Ansicht, dass bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h der Kopf explodiert oder so. Glücklicherweise hat auf diese Personen niemand gehört und die Eisenbahn hat sich durchgesetzt. Die menschliche Geschicht spielt sich wohl in wiederkehrenden Schleifen ab.
Wenn es eine Hitliste gäbe mit Beiträgen, die so gar nichts mit dem aktuellen Themenzusammenhang zu tun haben, so hätte dieser Chancen auf eine Spitzenplatz.
Mit Allgemeinplätzen unliebsame (und auch nur ungewohnte) Meinungen wegwischen wollen, ist indes ein hervorragendes Merkmal solcher Themen. Mich macht sowas immer sehr stutzig, um so mehr, wenn kurz vorher das Wort "Innovation" gefallen ist ...
Ich empfehle, sich zu informieren. Gerade weil diese Art der Informationsübermittlung überhand nimmt.
Einen wie ich finde recht guten ersten Eindruck vermittelt der
Sammelband "Big Data" des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), Januar 2016, kostenlos dort bestellbar (und womöglich sogar als PDF abrufbar). Diese Quelle ist sicher alles andere als übermäßig kritisch.
Es kommen Praktiker aus allerlei Anwendungsbereichen zu Wort.
Und es kann einem Angst und Bange werden, denn alle sind sich einig, dass die geltenden Regeln und Richtlinien der technischen Entwicklung weit hinterher hinken, gleichzeitig aber enorme Gefahren für Demokratie und Freiheit damit verbunden sind - für die bisher niemand ein Rezept hat. Ja, es gibt auch alltagspraktische und wirtschaftliche Chancen.
Aber zu den Kosten muss man derzeit "Freiheit und Demokratie" zählen.
Manche behaupten auch, diesen Technologien sei mit Regeln in diesem Rahmen gar nicht beizukommen. Dann stehen Freiheit und Demoratie erst Recht auf dem Spiel.
Wäre die Technologie etwas, von dem man akut physisch erkrankt, gäbe es weltweite Anstrengungen der Eindämmung. Hier erkranken "nur" wesentliche gesellschaftliche Werte, die über Jahrhunderte erkämpft wurden. Ein Kennzeichen ist, dass rationales Infragestellen "Brauchen wir das wirklich?" schon als fast frevelhaft gilt.
Der Nimbus des "Rationalen", der mit der Technik einhergeht, die scheinbare "Unausweichlichkeit", die Aufgabe des Willens zur Gestaltung (jenseits des Mitschiwmmens) fördert die Etablierung von Glauben und Aberglauben.
Zu Ende gedacht, steht unser Zusammenleben auf dem Spiel. (Da zucken gelich wieder welche, weil "wie soll so ne kleine App solche Wirkung haben; aber ich betone: nicht "am Anfang gedacht", sondern: "zu Ende gedacht".)
Faktisch wird in fast allen Bereichen vernetzter Datenweitergabe gegen das geltende deutsche Datenschutzrecht verstoßen (das wird auch in Band so dargestellt), das eine personalisierbare Datenerhebung ausschließlich zu definiertem, konkretem Nutzen vorsieht; so dass der Einzelne vorher weiß, was mit seinen Daten geschieht. Hält sich keine Sau dran (ja, es ist technisch nicht sinnvoll - aber was soll wichtiger sein: die Technik oder die Gesellschaft?). Damit haben wir faktisch-praktisch "Informations-Anarchie". Anarchie und Demokratie: das geht nicht gut zusammen.
Zitate: Andrea Voßhoff, Bundesbeauftrgate für den Datenschutz und die Informationsfreiheit.
In o.g. Band.
"Wegen immer leistungsfähigerer Speicher- und Rechnertechnologien können diese (meint: das digitale Welt-Datenvolumen) umfassend gesammelt und nahezu in Echtzteit ausgewertet werden. Es besteht zudem (Hinweis von Hoppala: "zudem": das heißt, bereits das umfasssende Sammeln und in Echtzeit auswerten stellt in dieser Sicht eine Gefahr da) die Gefahr, dass vermeintlich anonyme Daten durch die Zusammenführug verschiedenster Informatinen aus unterschiedlichen Quellen wieder personenbeziehbar werden können."
"Big-Data-Technologien sind auch eine Grndlage für verbesserte Scoring-.Methoden, d. h. die Vorhersage menschlichen Verhaltens auf Basis mathematsch-statistischer Auswertungen großer Datenbestände. Hier besteht das Risiko der Kategorisierung jedes einzelnen, der man sich nur schwer entziehen kann. Wenn die Vorhersage des Verhaltens nicht der Realität entspricht.
Die Nutzung von Big-Data-Technologien und die darauf basierende Profilbildung erhöhen den Anpassungsdurck zu konformem und unauffälligem Verhalten". (Betonung von mir; siehe unsere einverständliche Basis, oben)
Die Zitate sind sehr allgemein, quais zur Einführung, Voßhoff vertritt ja schon die staatstragend-moderate und wirtschaftsfreundliche Seite der Kritik.
Der Band bietet viele tiefergehende Analysen und praktische Belege, von insgesamt eher nicht umstürzlerisch gesinnten Personen.
Ähnliche Informationen findet man an sehr vielen Stellen - man muss das Thema nur erst mal auf dem Radar haben.
WhatsApp ist "kostenlos", weil man genau damit dafür bezahlt: Demokratie, Freiheit, souveräne Entscheidung. WhatsApp ist ein Datenstaubsauger, und diese Daten werden praktisch unkontrolliert genutzt.
Nicht zuletzt: All diese Datenbestände sind in den Händen privatwirtschaftlicher Unternehmen (und vermutlich noch mehr quasi vogelfreier Geheimdirenste). Demokratische Prozesse und Kontrollen sind per se ausgehebelt. Gleichzeitig soll alles das ständig gewichtiger für unser Leben werden?! Der Gruppendruck besteht ja schon.
Wer kann das ernsthaft wollen? (Die ist leider keine rhetorische Frage.)
Gabaltan hat mir oben zugestimmt: "Jeder soll tun, was er will. Aber nicht, weil andere es auch machen."
Ist es dann sinnvoll, Verhaltensweisen (Techniknutzung) zu verteidigen, ja zu propagieren, die genau das nicht nur gefährden, sndern bereits heute stellenweise verhindern?
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