Der Threadtitel ist mehr so naja, aber besser geht es gerade nicht.
In meinem Vorstellungsthread habe ich geschrieben, ich hätte in den letzten 15 Jahren ein bißchen verstanden, was ich an mir ändern mußte, damit es bei mir mit einem Mann klappen konnte, und die Userin Blau hat mich dann gebeten, ich solle doch mal mehr dazu schreiben.
Jetzt überlege ich schon mehr als eine Woche herum, wie ich anfangen könnte, komme aber auf keinen guten Start. Es ist halt ein komplexes Thema, vieles hängt mit mehreren anderen Sachen zusammen, ein paar Probleme habe ich auch, die ich für nicht lösbar halte, ach ja...fang ich halt einfach mit irgendwas an, oder?
Ein Problem war zum Beispiel, daß ich sehr introvertiert bin. In Internetforen kommt das erfahrungsgemäß nicht so sehr rüber, weil ich da beliebig viel Zeit habe, einen Text zu formulieren. Im wirklichen Leben bin ich sehr ruhig. Ich wußte als junge Frau gar nicht, wie ruhig ich auf andere tatsächlich wirke. Leider wird 'nichts sagen' schnell als Arroganz, Desinteresse oder Langeweile interpretiert, tja...Das hat mich dann immer sehr getroffen, nichts davon stimmt nämlich.
Nachdem mir jahrelang Leute gesagt haben, daß ich ja 'nie was sage', habe ich doch mal angefangen, zu versuchen, mehr mitzureden. Natürlich ist das schwierig, bis heute, man kann introvertierte Menschen schließlich nicht einfach umdrehen. Irgendwann habe ich dann verstanden, daß ich gar nicht immer eine wohlüberlegte Antwort geben muß, sondern daß viele Leute etwas schätzen, was als 'gutes Zuhören' bezeichnet wird. Von Natur aus sieht 'gutes Zuhören' bei mir so aus, daß ich praktisch gar nichts mehr sage, ich soll ja gut Zuhören (dafür benutzt man schließlich die Ohren, nicht den Mund, nicht wahr?)
Der lebensverändernde Trick hier ist, daß ich das, was der Gesprächspartner sagt, in meinen eigenen Worten kurz wiederhole. Ich muß nicht mal inhaltlich korrekt wiederholen, viele Leute erklären gerne auch noch ein zweites Mal, oder mit anderen Worten, was sie gerade meinten.
Und schon wird aus 'abweisend, desinteressiert, gelangweilt, arrogant' das viel tollere 'offen, interessiert, empathisch, kann gut zuhören'. Ich finde das alles sehr ineffektiv und mühsam, aber die Leute (ihr wißt schon, DIE LEUTE, so wie 'die Männer', 'die Frauen' etc.) finden das toll.
An meinem Innenleben hat sich aber gar nichts geändert, ich bin, wenn ich die Klappe halte, genauso voller Interesse und Mitgefühl, wie wenn ich sozialkompatibles Gesprächsverhalten schauspielere. Fairerweise muß ich natürlich zugeben, daß mein Gegenüber an nichts feststellen kann, daß ich interessiert und aufmerksam bin, wenn ich mein natürliches Verhalten zeige...ich sage ja nichts und mache auch nichts, da kann ich mich so teilnahmsvoll und interessiert fühlen, wie ich will, wenn der Andere nichts hat, woran er das erkennen könnte.
Dieses 'offene' Gesprächsverhalten ist aber bis heute schwierig für mich, ich muß mich ständig konzentrieren, das 'richtig' zu machen, anstatt so, wie es mir entspricht. Der Unterschied im Verhalten meiner Mitmenschen ist die Mühe aber wert.
Zuhause komme ich manchmal mit weniger als 30 gesprochenen Wörtern durch den Tag, obwohl ich mit meinem Mann und unserem Sohn zusammenlebe. Aber die beiden verstehen ja auch von Natur aus, wie introvertiert sein geht.
Das ist also zusammengefaßt so ein Fall, wo 'sei einfach Du selbst' zu nichts führt, weil 'ich selbst sein' die Leute glauben läßt, ich hätte kein Interesse an ihnen.
So, liebe Blau, ich hoffe, der obige Text entspricht Deiner Bitte in meinem Vorstellungsthread, auch wenn es natürlich noch 1001 andere Dinge gibt, die ich als Problem erkannt habe und dann versucht habe, zu ändern.