Nell The Sentinel hat geschrieben:Ich kann nicht genau sagen, wie viel meine Eltern dazu beigetragen haben. Allerdings bin ich auf eine mögliche nature/nurture Komponente gestoßen. Sowohl nein Großvater als auch meine Mutter waren in ihrer Kindheit hauptsächlich einzelgängerisch veranlagt und sind es auch heute noch. Meine Eltern hatten nur einzelne wenige Bekannte, alle Aktivitäten fanden fast ausschließlich innerhalb der Familie statt und Individualismus in der Freizeitgestaltung stand nicht mal zur Debatte. Und dieses "was brauch ich Freunde, die Familie ist ja da" ist so auf mich übergegangen. Ich hab auch eher die Tendenz mich allein zu verlustieren.
Ja, das kann ich fast 1:1 unterschreiben mit Ausnahme der Tatsache, dass es sich hierbei um meine Großmutter und meinen Vater handelt. Mein Vater hat keine eigenen Bekannten und die Bekannten die meine Eltern haben, hat er ausschließlich über meine Mutter kennengelernt.
Meine Mutter hat mich so erzogen, dass ich vor Konflikten zurückschrecke. Meine Mutter gibt immer klein bei, nur um keinen Streit zu provozieren, selbst wenn sie weiss, dass sie im Recht ist. Außer in der Familie. Da kann sie sehr aufbrausend sein und rumschreien, auch heute noch.
Das war für mich als Kind sehr prägend, zumal sie immer mir die Schuld gegeben hat, wenn es in der Grundschule mal Streit gab etc. (Ein Beispiel: Ich wurde beleidigt. Habe ich zurückbeleidigt und meine Mutter bekam das mit, wurde ich zuhause bestraft, weil es sich ja nicht gehört - auch wenn sie mitbekommen hat, dass ich nicht angefangen habe).
Die Bestrafung sah dann so aus, dass ich Zimmerarrest bekam (ich durfte nur auf die Toilette und musste selbst alleine essen) oder sehr, sehr früh ins Bett musste, um über meine Missetaten nachzudenken. Geschlagen wurde ich aber nur ganz, ganz selten, viel häufiger wurde geschrien. Meine Mitschüler haben das natürlich mitbekommen und haben immer versucht mich zu provozieren, was dann häufig zu Erfolg geführt hat. Haben Mitschüler behauptet, dass ich irgendwas getan habe, hat meine Mutter immer diesen geglaubt, mir nur ganz selten. Das führt noch heute dazu, dass ich vielen Menschen misstraue.
Das hat dann dazu geführt, dass ich den Kontakt zu meinen Mitschülern ab der weiterführenden Schule (ich habe mir eine Schule gesucht, auf die keiner meiner alten Mitschüler gegangen ist) nur sehr oberflächlich geführt habe, damit es nicht zu Streit kommen konnte und ich immer Angst hatte, zuhause wieder mit Stubenarrest, Taschengeldkürzung usw. bestraft zu werden. Das hat super geklappt und seitdem war es auch zuhause viel, viel ruhiger. Streit gab es nur noch wegen natürlichen pubertierenden Schwachsinns, wie er wahrscheinlich in jedem Haushalt vorkam. Das Verhältnis zu meiner Mutter hatte sich folglich entspannt und ist auch heute noch anders als im Grundschulalter mittlerweile sehr gut. Sie hatte selbst auch keine einfache Jugend, sodass ich nachbetrachtend glaube, dass sie häufig verzweifelt und hilflos war.
Mein Vater war immer sehr zurückhaltend und hat die Erziehung fast komplett meiner Mutter überlassen, hat aber mehrmals die Woche und an den Wochenenden gelegentlich etwas mit mir unternommen, woran ich noch gute Erinnerungen habe.
Das mit der Oberflächlichkeit mache ich noch heute. Viele Leute mögen mich und finden mich sympathisch, ich halte sie aber auf Distanz. So treffe ich mich beispielsweise immer nur in meinen Bekanntenkreisen (ich habe viele Hobbys, deshalb bin ich kaum alleine und viel unterwegs), sehr selten aber mit einzelnen Personen aus diesen Kreisen. Dies führt natürlich zwangsläufig dazu, dass beispielsweise an Silvester kaum etwas läuft oder ich häufig alleine verreise.
Die Beziehung meiner Eltern zueinander kann ich schlecht analysieren, ich glaube aber eher, dass sich eine Abhängigkeit ergeben hat. Meine Eltern waren selbst bis zum Alter von Ende 20 / Anfang 30 AB, haben sich dann kennen gelernt und dann innerhalb von neun Monaten geheiratet.
Ich kann mir vorstellen, dass meine Erlebnisse aus der Grundschulzeit noch Auswirkungen auf meinen AB-Status haben, schätze sie aber als sehr gering ein.