Überbehütung in der Kindheit

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ERSTER BEITRAG DES THEMAS
Pascal

Überbehütung in der Kindheit

Beitrag von Pascal »

Wahrscheinlich trifft es nur auf mich zu, jedenfalls hatten mir meine Eltern (besonders meine Mutter) in meiner Kindheit viele alltäglichen Aufgaben abgenommen, sodass ich mich nicht zu einem selbstständigen Individuum entwickeln konnte. Meine Eltern hatten mir irgendwie wenig zugetraut und waren der Meinung, dass ich viele Sachen nicht allein erledigen kann. Dadurch haben sie dann viele Aufgaben für mich übernommen.
Das hat dazu geführt, dass ich mir selbst eingeredet habe, ich wäre allein zu nichts in der Lage und immer auf fremde Hilfe angewiesen. Heute bin ich 25 und lebe noch immer bei meinen Eltern. Mit meiner Selbstständigkeit ist es zwar besser geworden, aber meine Eltern erledigen immer noch einige Aufgaben für mich, besonders wenn es um bürokratische Sachen geht wie zu irgendwelchen Ämtern gehen, irgendwelche Sachen beantragen usw., aber auch einige Aufgaben im Haushalt.
Wem ging bzw. geht es ähnlich?

ERSTER BEITRAG DES THEMAS
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uhu72
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Re: Überbehütung in der Kindheit

Beitrag von uhu72 »

Überbehütung ist einer der bekannten AB-Faktoren.
In meinem Fall würde ich nicht sagen, dass meine Mutter mir nicht mehr Selbstständigkeit zutraute, sie fand das einfach normal, dass man sich um seine Kinder kümmert. Allerdings ist mein Lebenslauf nicht so krass, wie deiner. D.h. ich habe viel früher angefangen, Aufgaben zu übernehmen. Aber eben auf meine Initiative hin. Aus heutiger Sicht würde ich meinen, es wäre besser gewesen, meine Mutter hätte nicht gewartet, bis ich z.B. den Wunsch äussere mir meine Klamotten selber rauszusuchen, sondern mich früher dazu ermuntert. Mit 25 bin ich zuhause ausgezogen (und haben eine Job am anderen Ende der Republik angenommen, was Anlass des Auszugs war). Ab da mußte ich natürlich auch die letzten alltäglichen Details aus dem Haushalt selbst übernhemen, was mir aber keine Schwierigkeiten bereitete.

Ich würde dir raten, freunde dich mit einem Auszug bei deinen Eltern an, wenn das finanziell machbar ist. Muß jetzt nicht von heut auf morgen sein, aber fange an, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Es gibt für jeden Topf einen passenden Deckel. Aber es gibt nicht genug passende Deckel für alle Töpfe!
Pascal

Re: Überbehütung in der Kindheit

Beitrag von Pascal »

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, in den nächsten zwei, drei Jahren aus dem Elternhaus auszuziehen und mir eine eigene Wohnung in der näheren Umgebung zu suchen. Aber bis dahin muss ich noch etwas selbstständiger und unabhängiger werden, vom finanziellen her würde es gehen, wenn ich mir eine kleine, günstige Wohnung suche.
Doie

Re: Überbehütung in der Kindheit

Beitrag von Doie »

Bei mir war es auch so, dass mir meine Mutter sehr viele Dinge, vor allem im Haushalt, abgenommen hat, bzw. ich einfach vieles, was bei anderen selbstverständlich ist, nie machen musste. (Meine Mutter hat mir nie gesagt, ich soll ihr beim Spülen helfen oder auch nur den Müll runterbringen.) Wenn man so aufwächst, lebt es sich natürlich auch sehr bequem, und man nimmt die "Leistungen" der Eltern dann auch gerne in Anspruch, denn man muss sie ja noch nicht mal darum bitten. Ich habe mich aber seit meiner Teenagerzeit darauf gefreut, als Studentin eine eigene Wohnung zu haben, und als ich mit meinem Studium begonnen habe, bin ich auch ausgezogen. Und das ist wirklich das beste, was man machen kann, denn so ist man wirklich gezwungen, sich um bestimmte Dinge selbst zu kümmen, und wird definitiv selbstständiger. (Beispiel: Wenn in meinem Elternhaus eine Glühbirne kaputtgeht, wechseln meine Eltern sie aus. Wenn in meiner Wohnung eine Glühbirne kaputt geht, muss ich mich selbst darum kümmern, eine neue passende Glühbirne zu besorgen und sie auszuwechseln.)
Wenn du sagst, dass es bei dir vor allem die bürokratischen Dinge sind, die deine Eltern übernehmen, sag ihnen am besten, dass sie dir bei der nächsten anfallenden Sache genau erklären sollen, was wie gemacht werden muss. Am besten machst du es dann auch selber. Falls du dir bei einer Sache nicht sicher bist, kannst du ja immer noch nachfragen.
Wechselta.(ug)

Re: Überbehütung in der Kindheit

Beitrag von Wechselta.(ug) »

War bei mir nie so, ich hatte zusammen mit meinen Geschwistern wöchentlich wechselnd Badezimmer-, Küchen- oder Staubsaugerdienst. Außerdem waren bei mir beide Erziehungsberechtigte (ist ein Stiefvader ohne Adoption eigentlich erziehungsberechtigt?) berufstätig, so dass ich eher unterbehütet war, wobei das Stiefmonster später leider im selben Haus selbstständig war, der kam aber nur zum ausrasten vorbei. Hilfe bei Hausaufgaben gab es nach der Grundschule so gut wie nie, nur Riesen-Anschiss als meine Noten schlecht waren.
Shifty

Re: Überbehütung in der Kindheit

Beitrag von Shifty »

Komisch, aber trifft auf mich genauso zu. Viele alltägliche Routinen, welche die hauswirtschaftlichen Aufgaben betrafen, musste ich nie übernehmen, als ich noch im Hotel Mama wohnte. Zwar kümmerte ich mich schon sehr früh um meinen eigenen bürokratischen Kram, aber selbstständig war ich nicht.
Erst als ich nach dem Abi zwecks Berufsausbildung endlich auszog, fühlte ich mich freier und eigenständiger, irgendwie auch erwachsen, aber der ganze alltägliche Kram überforderte mich am Anfang. Angefangen vom Wäsche waschen, bis Abspülen - manchmal türmten sich die Teller und Gläser zu Pyramiden, sehr >lecker< auch der Schimmel. Allmählich war man aber immer selbständiger. Einkaufen, Essen "kochen", sich einrichten, all das kommt früher oder später mit der Zeit und man merkt wirklich, dass man deutlich selbständiger und auch um Einiges selbstsicherer/selbstbewusster geworden ist. Das ist eigentlich das beste Gefühl endlich sein Leben selbst in die Hand genommen zu haben.
Walter_Sobchak_85

Re: Überbehütung in der Kindheit

Beitrag von Walter_Sobchak_85 »

Ja meine Eltern haben mich auch sehr behütet und mir jeden Wunsch erfüllt, soweit er finanziell ging!
Alles was nichts gekostet hat, habe ich sowie so von ihnen bekommen.
Die beiden sind einfach die liebsten Menschen der Welt.
Ein kleines Problem waren aber meine Streitereien mit meinem Vater, der immer daheim war, da er Frührentner (Beamter der deutschen Post und Zwangsrenter, er kam darauf gar nicht klar bis hin zu Depressionen) war.
Ich habe in meinem Bekanntenkreis noch einen krasseren Fall als mich, der auch einen Vater hatte, der finanziell abgesichert Frührentner war, und der ist 35 und richtig verkorxt was das soziale Verhalten angeht.
Gründe weiß ich nicht, nur das mein Vater auch bis 35 gebraucht hat um die Frau fürs Leben zu finden.
Irgendwie ist es besser wenn "der Alte" aus der Bude ist, und wenn er da ist, dann kaputt von der Arbeit!

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