Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

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AtTheRearWindow

Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von AtTheRearWindow »

Bei mir wurde inzwischen bereits zweimal eine (leichte) soziale Phobie diagnostiziert, und irgendwie hielt ich das immer für einen wichtigen Teil der Probleme, die bei mir zum Symptom "AB" geführt haben. Und das klang auch logisch: Wer Angst oder Unwohlsein um Umgang mit anderen Menschen verspürt, der hat eben keinen Umgang mit anderen Menschen. Ich dachte deswegen, dass es relativ häufig sein müsste, dass Soziophobiker ABs sind. Aber das scheint nicht so zu sein :o

1.) Ich wollte an einer Studie teilnehmen, bei der die Wirksamkeit einer neuen Therapieform (onlinebasierte angeleitete Selbsttherapie) bei sozialen Phobien festgestellt werden soll. Ich musste einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen und ein zweistündiges Gespräch mit einer Psychologin führen. Dass ich AB bin, und wie ich mich dabei fühle, wurde ganz selbstverständlich von mir aus thematisiert, weil ich eben dachte, dass das für Soziophobiker relativ normal ist. Das Feedback am Ende war dann: Ja, Sie haben soziale Phobien, aber für unsere Studie sind sie trotzdem ungeeignet, weil Ihr Problem zu speziell und zu schwerwiegend ist. :shock:

2.) Ich war heute in einer kleinen Selbsthilfegruppe für Soziophobiker. Weil ich neu war, haben sich alle vorgestellt. Keiner dort hatte Probleme damit gehabt, Beziehungen zu haben. Ein Mann hatte zwar gerade eine Scheidung durchgemacht und das auch (zumindest teilweise) mit seiner sozialen Phobie erklärt, aber immerhin, er hatte eine Ehe (gehabt)! Und auch sonst wurde aus seinen Erzählungen deutlich, dass Kontakt zu Frauen so ziemlich das einzige war, was zwischenmenschlich bei ihm "normal" lief! Und eine der Frauen sagte sogar, dass ihre verschiedenen Partner im Laufe ihres Lebens immer fast ihre einzigen sozialen Kontakte gewesen wären, und dass man es da als Frau eben leichter habe, man müsse nur warten, bis ein Mann kommt, und dann sagt man "ja", und eine andere Frau stimmte dem zu, und alle Frauen waren sich einig, dass ihre Beziehungen immer die einfachste, weil quasi automatische Form, zu der Entstehen sie selbst wenig beitragen mussten gewesen waren, mit anderen Menschen engen Kontakt aufzubauen und zu halten. (Ich will jetzt gar nicht wieder diese Debatte anfangen, ich zitiere nur, was die Frauen dort selbst und ohne äußeren Anlass sofort ganz selbstbezogen gesagt haben.) :shock:

Wie gesagt, ich hatte eigentlich immer den Gedanken, dass eine soziale Phobie mit der nächstliegendste Grund dafür ist, AB zu werden, und auf jeden Fall hatte ich mir eingebildet, dass die meisten Soziophobiker auch ABs sind. Aber anscheinend ist es genau entgegengesetzt so, dass Soziophobiker sehr leicht (?) Beziehungen eingehen, weil sie auf diese Art am einfachsten zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen können. Wie kann das sein? :gruebel:

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hilltophoods

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von hilltophoods »

ich denke manche frauen gehen so vor, es ist der weg des geringsten widerstandes.. bei abs mit sozialphobie sind da ja auch noch andere ängste, die einen an einer partnerschaft hindern..
es gibt bei sozialen ängsten ja auch noch unterschiede.. und es hat ja auch mit mangelnden sozialen fähigkeiten zu tun, die müssen ja nicht in jedem bereich fehlen..
Wintermute

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von Wintermute »

Der Anteil von Soziophobikern in der Gesamtbevölkerung ist bei 10-15 %. Anteil ABs in Gesamtbevölkerung bei 2% . Die ABs bilden also nur ein Bruchteil der Soziophobiker. Die Gegenrichtung ist interessanter, wie hoch ist der Anteil der Soziophobikern unter ABs, ich vermute mal deutlich über dem Schnitt in der Gesamtbevölkerung.
Ein wichtiger Punkt ist, soziale Phobie bezieht sich viel auf Probleme im öffentlichen Kontext (Vorträge, Besprechungen, etc). Es kann sein, dass einige davon im kleinem oder privatem Rahmen auch keine Probleme haben.

Außerdem die Stichprobe, die du in der Selbsthilfegruppe siehst, ist auch nicht gerade repräsentativ für Soziophobiker.
Die meisten Menschen mit sozialen Ängsten trauen sich wahrscheinlich nicht mal zum Arzt geschweige denn in eine SHG.
Sparrenburger

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von Sparrenburger »

Also ich habe schon viele sozialphobiker kennengelernt die auch Abs waren. Das kommt dort gehäuft vor. Ist ja auch logisch, du gibst oben die Erklärung. Genauso stimmt das mit den Frauen. Trifft natürlich nicht auf alle zu, aber tatsächlich viele sozialphobikerfrauen haben Beziehungen oder gar viele Affären aber keine freunde. Besonders attraktive sozialphobikerinnen.
AtTheRearWindow

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von AtTheRearWindow »

hilltophoods hat geschrieben:ich denke manche frauen gehen so vor, es ist der weg des geringsten widerstandes.. bei abs mit sozialphobie sind da ja auch noch andere ängste, die einen an einer partnerschaft hindern..
es gibt bei sozialen ängsten ja auch noch unterschiede.. und es hat ja auch mit mangelnden sozialen fähigkeiten zu tun, die müssen ja nicht in jedem bereich fehlen..
Ja, mangelnde soziale Fähigkeiten. Komischerweise wurde mir da erklärt, dass fast ungefähr die Hälfte der Leute mit sozialer Phobie eine sehr extrovertierte, offensive Verhaltensweise entwickeln und von ihrem Umfeld teilweise als besonders sozial kompetent wahrgenommen werden. Einer der Männer in der SHG war so ein Typ, den hätte man nie für einen Soziophobiker gehalten. (Natürlich hatte er erst Recht keine Probleme mit Beziehungen…)
Wintermute hat geschrieben:Der Anteil von Soziophobikern in der Gesamtbevölkerung ist bei 10-15 %. Anteil ABs in Gesamtbevölkerung bei 2% . Die ABs bilden also nur ein Bruchteil der Soziophobiker. Die Gegenrichtung ist interessanter, wie hoch ist der Anteil der Soziophobikern unter ABs, ich vermute mal deutlich über dem Schnitt in der Gesamtbevölkerung.
Ich hätte auf jeden Fall gedacht, dass es unter Soziophobikern zumindest weiter verbreitet ist, dass sie AB sind. Aber die Antwort der Studienleitung ("Ihr Problem ist zu speziell und zu schwerwiegend"), wo es in der Studie ja darum geht, zu prüfen, wie eine bestimmte Form von Therapie auf ein möglichst breites Feld von Betroffenen wirkt, hat mich doch schon überrascht :o Ob viele ABs soziale Phobien haben, hätte ich jetzt auch intuitiv gedacht. Das muss ja in diesem Fall nicht Ursache sein, sondern Wirkung, also: Man kann schon vorher Soziophobiker sein und deswegen zum AB geworden sein, aber auch wenn man aus ganz anderen Gründen zum AB wird könnte das ja dann erst eine soziale Phobie entstehen lassen. Ist wohl die Frage nach der Henne und dem Ei… :gruebel:
Wintermute hat geschrieben:Ein wichtiger Punkt ist, soziale Phobie bezieht sich viel auf Probleme im öffentlichen Kontext (Vorträge, Besprechungen, etc). Es kann sein, dass einige davon im kleinem oder privatem Rahmen auch keine Probleme haben.
Tja, klar gibt es immer solche und solche Fälle. Ich habe mit Vorträgen auch vor größeren Gruppen absolut keine Probleme, da habe ich alles unter Kontrolle. Nur bei Kleingruppenunterhaltungen und direkten Zweiergesprächen wird es schwierig… :? Aber ich war so überrascht, dass die Menschen dort es anscheinend gerade so aufgefasst haben, dass Liebesbeziehungen so ziemlich das einfachste auf der Welt sind, was selbst bei ihnen, die sonst schon an der Supermarktkasse Probleme bekommen, ganz automatisch läuft. Das hat mich echt irritiert (und, ehrlich gesagt, auch ein bisschen frustriert, denn die meisten Leute dort schienen ganz eindeutig weitaus stärkere Probleme im Umgang mit Menschen zu haben als ich, und trotzdem hat das bei ihnen so gut geklappt :crybaby: )
Martin

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von Martin »

AtTheRearWindow hat geschrieben:Ich war heute in einer kleinen Selbsthilfegruppe für Soziophobiker.
@AtTheRearWindow: Ich war schon in mehreren Selbsthilfegruppen. Fast alle der Gruppenteilnehmer haben einen Partner bzw. eine Partnerin. Oder sie hatten zumindest schon mal eine Beziehung - unabhängig davon wie schwerwiegend ihre Probleme sind, wegen denen sie an den Gruppentreffen teilnehmen.

Eine Frau sagte im Frühjahr während eines Gruppentreffens, dass sie froh sei, einen Mann zu haben, weil sie wisse, dass sie nicht erneut einen Partner finden könnte.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auch in Selbsthilfegruppen als Mensch ohne Beziehungserfahrung ein "Alien" ist.

Für die meisten Menschen ist es selbstverständlich einen Partner zu haben oder zumindest schon mal einen gehabt zu haben. Sie können sich daher nicht in einen Menschen ohne Beziehungserfahrung hineinversetzen.

Des Weiteren habe ich die Erfahrung gemacht, dass die wenigen Singles oder ABs, die ich in Selbsthilfegruppen getroffen haben, Männer waren. Frauen ohne Beziehungserfahrung habe ich in diesen Gruppen nie kennengelernt.

In Selbsthilfegruppen habe ich mehrere Frauen kennengelernt. Alle haben mir den Kopf vollgejammert über ihren Partner oder ihren Ex-Partner und natürlich über ihre vielen Probleme. Ernsthaft an mir interessiert war nur eine dieser Frauen - aber sie war mir zu kompliziert und es hat einfach nicht gepasst. Eine andere Frau hat sich einen gut aussehenden Heilpraktiker geschnappt (circa 1,85 Meter groß, kräftige Statur) und sich danach nicht mehr bei mir gemeldet. Der Clou ist, dass sie in ihrem ganzen Leben nur circa zwei Jahre gearbeitet hat. Aber sie sieht gut aus und sie geht ab und zu tanzen.

ElizaJane hat in diesem Forum mal folgendes geschrieben: Wer in seiner Jugend oder im frühen Erwachsenenalter den Einstieg ins Beziehungsleben nicht geschafft hat, der wird das ab einem gewissen Alter (40 Jahre) meistens auch nicht mehr schaffen. Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder. Aber viele Erfolgsnachrichten von über 40-jährigen ABs oder ABinen wurden in diesem Forum bislang nicht veröffentlicht.

Laut Christian Thiel (Single- und Paarberater) passen Menschen ohne Beziehungserfahrung in der Regel zu Menschen, die entweder auch keine oder nur wenig Beziehungserfahrung haben. Dieser Argumentation liegt das Prinzip der Ähnlichkeitswahl zugrunde.

Gruß
Martin
Sparrenburger

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von Sparrenburger »

Also hier muss ich mich mal einklinken. Gerade in einer Sozialphobiegruppe sind lauter Abs, ich habe in den letzten Jahren dort dutzende kennengelernt. Aber vielleicht liegst an meiner Stadt, Bielefeld ist ne ab Hochburg
dfg82

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von dfg82 »

Wie schon jemand schrieb, kann sich die soziale Phobie auch nur auf einige Bereiche des Lebens auswirken, während andere völlig unberührt bleiben. Im entsprechenden Selbsthilfeforum sind dann auch viele Männer anzutreffen, die bisher keine Freundin gehabt haben.
AtTheRearWindow

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von AtTheRearWindow »

Martin hat geschrieben:Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auch in Selbsthilfegruppen als Mensch ohne Beziehungserfahrung ein "Alien" ist.
Tja, das kann ich irgendwie bestätigen. Nach der Erfahrung mit der Online-Studie und der Vorstellungsrunde, als sich ergeben hatte, dass ich der einzige AB in der Gruppe bin, habe ich das Thema bei meiner Vorstellung ausgelassen und nur über meine allgemeinen Probleme gesprochen. In der Runde kamen dann so hilfreiche Hinweise wie die Bemerkung einer älteren Frau, dass man in meinem Alter (Mitte/Ende 20) ja noch wenigstens über das Sexuelle problemlos und ohne viel Nachdenken Zwischenmenschlichkeit erfahren kann :!: Und einer der Männer riet mir, quasi als Universaltipp, der schon vielen Soziophobikern geholfen habe, mich einfach von meiner Freundin in deren Freundeskreis einführen zu lassen und so Kontaktschwierigkeiten mit ihrer Hilfe zu überwinden.
Sparrenburger

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von Sparrenburger »

Also ich bin gerade wirklich erstaunt, sowas kenne ich nicht. Wirklich Heavy was es für Unterschiede gibt. Habe in den letzten Jahren bestimmt an die 100 Leute insgesamt gesehen in der Shg und da waren viele die selbst gesagt haben dass sie nie eine Freundin hatten. Und nochmal genau so viel die das Thema nicht ansprachen, wo ich aber vom Verhalten her vermute das es bei vielen von denen auch so war.

Allerdings ausschließlich Männer!! Frauen sind unter sozialphobikerinnen fast nie ab. Zumindest laut meinen Erfahrungen. Das zeigt auch nochmal klar, das extreme Schüchternheit bei vielen Männern oft der Hauptgrund ist und Frauen oft ganz anderer gründe haben. Klar die meisten Frauen mit sozialer Phobie denken sich eben: zumindest einen Freund kann ich ja halbwegs leicht kriegen.
Sonnenklar

Re: Soziale Phobie und AB – ungewöhnlich?

Beitrag von Sonnenklar »

Also bei mir ist auch eine SP aber auch eine ävPs diagnostiziert und gerade diese ist bei mir wohl noch stärker ausgeprägt, so dass ich deswegen wohl auch ein AB bin.

Die SP macht sich bei mir eher so bemerkbar, dass ich vor fremden Menschen eigentlich kaum Probleme habe, weil ich habe ja meine Schutzmauer um mich rum, wo ich mich doch sicher fühle und wo ein Fremder erstmal eigentlich nicht unbedingt eindringt, aber wenn er mich näher kennenlernen möchte, dann bricht die Schutzmauer und dann gehen meine Probleme und Ängste los und dann beginnt die Vermeidung oder sogar die äußerliche oder innere Flucht.

Dies ist halt auch bei dem anderen Geschlecht so, wollen Sie mich näher kennenlernen, dann kommen die Ängste, die dann Panik werden und dann kommt die Vermeidung und Flucht.

So war es jedenfalls bis jetzt immer, sei es, weil die Frauen eine Beziehung mit mir haben wollten oder weil sie mit mir ins Bett wollten.

:oops: :wuetend: :cry: