Mannanna hat geschrieben:Richtig, doch wenn es heißt, die Einzelstaaten sollten mehr Kompetenzen an Brüssel abgeben, brüllt erst recht jeder los.
Das kommt ganz drauf an. Ich denke mal, es ist jedem klar, dass man bestimmte Sachen nicht im nationalen Alleingang geregelt kriegen kann. Einheitliche soziale und ökologische Standards sind durchaus sinnvoll. Einheitliche Regeln für die Frage, was Banken dürfen, was sie nicht dürfen und wer dafür gerade steht, wenn's schief geht, sind ebenfalls sinnvoll.
Dass ich trotzdem nicht allzu begeistert vom TTIP-Abkommen bin, liegt daran, dass die Standards de facto *auf dem niedrigsten Niveau* vereinheitlicht werden. Jede Firma, die ein neues Produkt einführen will, muss dann nur noch eine Zulassung in einem einzigen Mitgliedsstaat erreichen. Logischerweise sucht es sich denjenigen aus, der die geringsten Anforderungen stellt. Und dann kann es alle anderen Mitgliedsstaaten verklagen, wenn sie das Produkt nicht auch auf den Markt lassen wollen, weil einem ja da Gewinne vorenthalten werden.
Das kann's doch nun auch nicht sein, oder? Möglicherweise ist das Beharren auf nationalen Kompetenzen ja auch ein Stück weit in der Befürchtung begründet, dass bei einer Vereinheitlichung gewisse Errungenschaften, die gut und sinnvoll sind, wieder eingebüßt werden.
Aber gut, durch den Fall der 3%-Hürde wird das Parlament ja jetzt wahrscheinlich entgültig handlungsunfähig...
Nicht jede Kleinpartei ist extremistisch und unkooperativ. Die Bayernpartei, die ÖPD beispielsweise, die sind da, wo sie vertreten sind in den Parlamenten, auch durchaus konstruktiv. Deswegen halte ich da manche Befürchtungen auch für etwas übertrieben.
Grundsätzlich finde ich es durchaus sinnvoll (und demokratisch), wenn der Wählerwillen möglichst exakt in der Volksvertretung abgebildet wird. Und so eine x-Prozent-Klausel lenkt das Stimmverhalten nach dem Motto "Ach, naja, die kommen ja eh nicht rein, deswegen wähle ich dann mal das kleinste Übel..."