Verkorkst

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ERSTER BEITRAG DES THEMAS
Bonbon

Verkorkst

Beitrag von Bonbon »

Was glaubst du, warum du so "verkorkst" bist und Probleme hast, wenn sich dir einer nähert oder umgekehrt?

Ich weiß mir ehrlich gesagt keinen Rat, warum das bei mir so ist. Es ist mir einfach unangenehm. Nein, ich habe niemals körperliche Misshandlungen oder ähnliches erfahren. Ich mag einfach diese Nähe nicht, die nötig ist, wenn sich 2 Menschen annähern. Mir ist es schon unangenehm, wenn mich jemand aus der weiteren Familie umarmt. Eltern oder Geschwister ist völlig ok, aber mehr geht nicht.

Was verkorkst jemanden so?

ERSTER BEITRAG DES THEMAS
Pferdefreundin

Re: Verkorkst

Beitrag von Pferdefreundin »

Bei mir ist es ein massiver Vertrauensschaden durch Mobbing in der Schule und sonstiges Verarschtwerden.
Bonbon

Re: Verkorkst

Beitrag von Bonbon »

Pferdefreundin hat geschrieben: ↑07.11.2019, 10:27 Bei mir ist es ein massiver Vertrauensschaden durch Mobbing in der Schule und sonstiges Verarschtwerden.
Das hört sich nicht schön an :sadwoman: . Ich überlege manchmal, ob ich auch gemobbt wurde? Auf jeden Fall fühlte ich mich sehr selten dazugehörig, in der Schule oder später als Jugendliche. Ich durfte auch nicht so viel, Abends lange wegbleiben oder mal bei einer Freundin schlafen. Ich weiß noch, als ich zum 1. Mal, das war so mit 13 oder 14 mit Schulfreundinen zelten gehen wollte, auf einer Wiese, die an das Grundstück einer Freundin grenzte. Ich mußte wochenlang bitten und betteln, bis ich durfte. Gefallen hat das meinen Eltern nicht, aber ich möchte ihnen auch nicht die Schuld geben. Ich wuchs halt behütet auf.

Meine beste Freundin (von 3 bis 10 Jahren), die war damals ziemlich gemein. Sie hatte eine ältere Schwester und wenn die dabei war oder andere Mädels aus der Schule, dann war sie ziemlich garstig. Wenn wir alleine gespielt haben, war alles prima. Aber das ist ja kein Grund, warum ich heute AB bin. Ich denke manchmal, ich bin halt so. Die einen sind Sexsüchtig, ich bin halt das Gegenteil vor lauter Beklemmung und Angst. :verwirrt:

Und du konntest dich damals nicht wehren, auch weil du so bist, wie du bist. :umarmung2: Sowas prägt einen sicher für das ganze Leben.
Pferdefreundin

Re: Verkorkst

Beitrag von Pferdefreundin »

Zum einen hat das jahrelange Mobbing (4 Klassen sind auf einen drauf)einen massiven Vertrauensschaden verursacht, zum einen wurde mir auch von meinem familiären Umfeld eingeblaut, niemanden zu vertrauen, besonders Männern nicht. Durfte auch fast nichts machen , geschweige denn Leute einladen und zu anderen gehen erst recht nicht.

Weiterhin kommt bei mir das sog. RBF ( Resting Bitch Face) hinzu. Kann nicht künstlich gut gelaunt durch die Gegend laufen.
Sahne mit Bohnen

Re: Verkorkst

Beitrag von Sahne mit Bohnen »

Pferdefreundin hat geschrieben: ↑07.11.2019, 10:27 Bei mir ist es ein massiver Vertrauensschaden durch Mobbing in der Schule und sonstiges Verarschtwerden.
:umarmung2: Das hab ich auch hinter mir.
Fremden zu vertrauen ist schwierig wenn man sowas Jahre lang aushalten musste und Hilfe einfach nirgendwo in Sicht war ...

Bei mir kommt dann noch dazu dass ich Genderfluid bin, und das im Alltag kaum ausleben kann.
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Brax
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Re: Verkorkst

Beitrag von Brax »

Bonbon hat geschrieben: ↑06.11.2019, 15:44 Was glaubst du, warum du so "verkorkst" bist und Probleme hast, wenn sich dir einer nähert oder umgekehrt?
[...]
Was verkorkst jemanden so?
Eltern, die keine Grenzen respektieren. Die einen nur mögen, wenn man gute Noten heimbringt, immer ihrer Meinung ist, tut was sie sagen und sich ansonsten möglichst unbemerkbar macht. Die andernfalls entweder aus dem Nichts heraus plötzlich völlig ausrasten oder einem Schuldgefühle machen, damit man auch ganz genau weiß, wie fürchterlich man sie verletzt hat, weil man mal etwas nicht wusste oder falsch gemacht hat oder weil man Nein gesagt hat. Die es nicht im Geringsten interessiert, wie es mir geht, solange die schöne Fassade aufrechterhalten wird und alles so ist, wie sie es haben wollen.
Das habe ich verinnerlicht. Mein Unterbewusstsein hat abgespeichert: Achtung, Nähe bedeutet, dass du wieder jemandes Wünsche erfüllen musst, dem deine Wünsche aber egal sind. Der deine Grenzen nicht achtet. Dem es egal ist, wie es dir geht. Für den du einfach nur funktionieren sollst. Der dich verachtet, wenn du eine andere Meinung, einen anderen Geschmack oder einen anderen Wunsch als den seinen äußerst, weil du dann eben nicht wunschgemäß funktionierst. Und du bist ihm ausgeliefert.

Mittlerweile weiß ich im Kopf, dass das nicht so ist. Aber das Unterbewusstsein ist stärker als das Bewusstsein. Deswegen ist man dann verkorkst.

Bonbon hat geschrieben: ↑06.11.2019, 15:44ich habe niemals körperliche Misshandlungen oder ähnliches erfahren
Ist auch nicht nötig. Emotionale Misshandlung reicht vollkommen. Und die kann auch sehr subtil sein. So subtil, dass man es gar nicht merkt. Grundlos ist jedenfalls niemand verkorkst.
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Re: Verkorkst

Beitrag von NBUC »

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Re: Verkorkst

Beitrag von Himbeere »

Ich weiß es auch nicht genau, warum ich so verkorkst bin. Ich fand mich schon immer blöd und hässlich und glaubte, dass alle anderen besser sind. Wenn ich darüber nachdenke, merke ich, dass mein Vater auch dazu neigte, andere Leute besser zu finden als sich. Auch er war im Grunde ein ängstlicher Mensch, ebenso meine Mutter. Sie hat mich außerdem sehr lange überbehütet und ich habe mich nicht dagegen gewehrt. Ich habe von Kindheit auf sehr viel Angst gehabt und kämpfe bis heute dagegen. Dann habe ich mich auch vor Sexualität gefürchtet und vor Krankheiten, die man durch Fehlverhalten und Sünden kriegen könnte. Eine richtige Erklärung ist das aber nicht, denn meine Brüder sind im selben Elternhaus aufgewachsen und die haben weder ne Angststörung noch AB-tum entwickelt.
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Re: Verkorkst

Beitrag von Brax »

Himbeere hat geschrieben: ↑11.11.2019, 18:11 Eine richtige Erklärung ist das aber nicht, denn meine Brüder sind im selben Elternhaus aufgewachsen und die haben weder ne Angststörung noch AB-tum entwickelt.
Bist du das einzige "Mädchen"? Ich glaube, die kann es in mancher Hinsicht härter treffen. Sie werden stärker (über)behütet als die Jungs. Mitunter wird auch mehr von ihnen erwartet (in Bezug auf "andere glücklich machen"). Gerade weil sie das "einzige Mädchen" sind.
Wie oft habe ich diese mistige Begründung jedenfalls schon gehört, wenn man blödes Verhalten mir gegenüber rechtfertigen wollte. :roll:
Wie dem auch sei, Geschwister werden auch nicht immer gleich behandelt. Und selbst wenn, geht jeder Mensch anders mit Problemen und Komplexen um und dieselbe Ursache kann zu unterschiedlichen Folgen führen. Oder sich auf den einen stärker und auf den anderen schwächer auswirken.
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Re: Verkorkst

Beitrag von Himbeere »

Brax hat geschrieben: ↑11.11.2019, 19:09 Bist du das einzige "Mädchen"? Ich glaube, die kann es in mancher Hinsicht härter treffen. Sie werden stärker (über)behütet als die Jungs. Mitunter wird auch mehr von ihnen erwartet (in Bezug auf "andere glücklich machen"). Gerade weil sie das "einzige Mädchen" sind.
Wie oft habe ich diese mistige Begründung jedenfalls schon gehört, wenn man blödes Verhalten mir gegenüber rechtfertigen wollte. :roll:
Wie dem auch sei, Geschwister werden auch nicht immer gleich behandelt. Und selbst wenn, geht jeder Mensch anders mit Problemen und Komplexen um und dieselbe Ursache kann zu unterschiedlichen Folgen führen. Oder sich auf den einen stärker und auf den anderen schwächer auswirken.
Ja, ich bin das einzige Mädchen und ich glaub, ich war auch immer ein bisschen überangepasst, habe irgendwie schon ganz klein gedacht, dass die anderen toller sind, schon im Kindergarten wollte ich nicht ich sein, sondern lieber wer anders. Alles, was mich in der Ansicht bestätigte, dass ich nicht gut genug bin, scheine ich aufgesogen zu haben. Andere hätten das ganz anders gemacht, ich denke auch, dass das mit von der Persönlichkeit abhängt.
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Re: Verkorkst

Beitrag von alex321 »

Bonbon hat geschrieben: ↑06.11.2019, 15:44 Was glaubst du, warum du so "verkorkst" bist und Probleme hast, wenn sich dir einer nähert oder umgekehrt?
  • Kaputtes Elternhaus (gewalttätiger Vater, kühles und distanzieres Verhalten zu den Eltern)
  • Mobbing (phasenweise, Beginn schon im Kleinkindalter)
  • keinerlei Erfahrung mit körperlicher Nähe (Die "Kennenlernphase" mit dem anderen Geschlecht, die die Meisten im Teenager-Alter haben, fehlt bei mir komplett.)
Wenn mir eine Person zu nahe kommt ist mein erster Gedanke "Pass auf der/die will dir eine reinhauen!" und ich muss erstmal dem Impuls widerstehen auszuweichen oder ihn wegzustoßen. Das Gegenüber merkt es natürlich dass ich so angespannt bin und geht dann auch wieder auf Distanz. Insbesonders Frauen werden so ein Verhalten als Desinteresse intepretieren. Dieses angespannte Auftreten wird wohl auch der Grund sein warum ich nur alle paar Jahre mal von einer Frau angesprochen werde ... Ich kann es an einer Hand abzählen wie oft ich Im Leben angesprochen wurde :hammer:
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Re: Verkorkst

Beitrag von Strange Lady »

Brax hat geschrieben: ↑10.11.2019, 19:29
Bonbon hat geschrieben: ↑06.11.2019, 15:44 Was glaubst du, warum du so "verkorkst" bist und Probleme hast, wenn sich dir einer nähert oder umgekehrt?
[...]
Was verkorkst jemanden so?
Eltern, die keine Grenzen respektieren. Die einen nur mögen, wenn man gute Noten heimbringt, immer ihrer Meinung ist, tut was sie sagen und sich ansonsten möglichst unbemerkbar macht. Die andernfalls entweder aus dem Nichts heraus plötzlich völlig ausrasten oder einem Schuldgefühle machen, damit man auch ganz genau weiß, wie fürchterlich man sie verletzt hat, weil man mal etwas nicht wusste oder falsch gemacht hat oder weil man Nein gesagt hat. Die es nicht im Geringsten interessiert, wie es mir geht, solange die schöne Fassade aufrechterhalten wird und alles so ist, wie sie es haben wollen.
Das habe ich verinnerlicht. Mein Unterbewusstsein hat abgespeichert: Achtung, Nähe bedeutet, dass du wieder jemandes Wünsche erfüllen musst, dem deine Wünsche aber egal sind. Der deine Grenzen nicht achtet. Dem es egal ist, wie es dir geht. Für den du einfach nur funktionieren sollst. Der dich verachtet, wenn du eine andere Meinung, einen anderen Geschmack oder einen anderen Wunsch als den seinen äußerst, weil du dann eben nicht wunschgemäß funktionierst. Und du bist ihm ausgeliefert.

Mittlerweile weiß ich im Kopf, dass das nicht so ist. Aber das Unterbewusstsein ist stärker als das Bewusstsein. Deswegen ist man dann verkorkst.

Bonbon hat geschrieben: ↑06.11.2019, 15:44ich habe niemals körperliche Misshandlungen oder ähnliches erfahren
Ist auch nicht nötig. Emotionale Misshandlung reicht vollkommen. Und die kann auch sehr subtil sein. So subtil, dass man es gar nicht merkt. Grundlos ist jedenfalls niemand verkorkst.
Sehr ähnlich auch bei mir , Brax.
Nähe bedeutet für mich auch immer: absolute Selbstverleugnung und Unterordnung.
Kaum ertragbar. :?
“Happiness is like a butterfly: The more you chase it, the more it will elude you. But if you turn your attention to other things, it will come and sit quietly on your shoulder.”
Henry David Thoreau
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Brax
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Re: Verkorkst

Beitrag von Brax »

Strange Lady hat geschrieben: ↑20.11.2019, 20:33 Sehr ähnlich auch bei mir , Brax.
Nähe bedeutet für mich auch immer: absolute Selbstverleugnung und Unterordnung.
Kaum ertragbar. :?
:umarmung2:
Das ist wirklich traurig, Strange Lady! Darf ich mal fragen, gibt es denn wenigstens eine Besserung im Vergleich zu früher? Ich arbeite ja daran, solche Gedanken aufzulösen, aber bis jetzt bessert sich nicht viel.

Ich habe mir letztens überlegt, ob ich mich nicht doch mal auf einer Singlebörse anmelden soll. Und prompt kam mir der Gedanke "Aber dann muss ich ja am Ende vielleicht tatsächlich noch 'ne Beziehung führen :shock:. " Und da ist mir wieder aufgefallen, wie sehr Beziehung bei mir immer noch verbunden ist mit der Idee, selbst überhaupt nichts zu melden zu haben und dem anderen zu 100% zur Verfügung stehen zu müssen. Irgendwo (war das hier im Forum?) habe ich mal was von Identitätsverlust in Bezug darauf, eine Beziehung zu haben, gelesen. Und ich habe mich in dem Gedanken echt wiedergefunden. So wirds natürlich nix. :sadwoman:
Strange Lady
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Re: Verkorkst

Beitrag von Strange Lady »

Brax hat geschrieben: ↑21.11.2019, 18:16
Strange Lady hat geschrieben: ↑20.11.2019, 20:33 Sehr ähnlich auch bei mir , Brax.
Nähe bedeutet für mich auch immer: absolute Selbstverleugnung und Unterordnung.
Kaum ertragbar. :?
:umarmung2:
Das ist wirklich traurig, Strange Lady! Darf ich mal fragen, gibt es denn wenigstens eine Besserung im Vergleich zu früher? Ich arbeite ja daran, solche Gedanken aufzulösen, aber bis jetzt bessert sich nicht viel.

Ich habe mir letztens überlegt, ob ich mich nicht doch mal auf einer Singlebörse anmelden soll. Und prompt kam mir der Gedanke "Aber dann muss ich ja am Ende vielleicht tatsächlich noch 'ne Beziehung führen :shock:. " Und da ist mir wieder aufgefallen, wie sehr Beziehung bei mir immer noch verbunden ist mit der Idee, selbst überhaupt nichts zu melden zu haben und dem anderen zu 100% zur Verfügung stehen zu müssen. Irgendwo (war das hier im Forum?) habe ich mal was von Identitätsverlust in Bezug darauf, eine Beziehung zu haben, gelesen. Und ich habe mich in dem Gedanken echt wiedergefunden. So wirds natürlich nix. :sadwoman:
So ging es mir auch oft auf Singlebörse . Die Angst war immer grösser als die Hoffnung.

Bei mir ist es tatsächlich mit der Zeit schlimmer geworden bzw früher habe ich vieles verdrängt und ergo nicht gespürt. Habe mich oft selbst gezwungen mich auf Menschen/Männer einzulassen. Inzwischen geht nicht mal mehr verdrängen oder zwingen.
“Happiness is like a butterfly: The more you chase it, the more it will elude you. But if you turn your attention to other things, it will come and sit quietly on your shoulder.”
Henry David Thoreau
MiseryLovesCompany

Re: Verkorkst

Beitrag von MiseryLovesCompany »

Bonbon hat geschrieben: ↑07.11.2019, 10:51 [...] aber ich möchte ihnen auch nicht die Schuld geben. Ich wuchs halt behütet auf.
Auch Eltern sind Menschen. Auch Eltern machen Fehler. Auch Eltern geben Ihre Erfahrungen an Ihre Kinder weiter.
Viele Menschen sind sich der Ursache bzw. der Auswirkungen ihres Verhaltens nicht bewusst.
Und Ihnen zumindest eine Teilschuld zuschreiben darfst du sehr wohl und ist meiner Meinung nach essentiell um derlei Traumata wir einige von uns sie haben zu verarbeiten und zu überwinden.


Für meine Probleme schiebe ich die Verantwortung durchaus teilweise auf meine Eltern:
- keine körperliche Nähe/zärtlichkeiten
- keine stabiles familiäres Umfeld:
--> Mutter Alkoholikerin, die selbst keine elterliche Nähe erfahren hat
--> Vater emotional kalt, vermutlich weil er das 5. oder 6. Kind war
--> Mutter und Vater haben sich gerne auch mal vor uns Kindern gestritten oder geschlagen
- Eltern hatten nie viele soziale Kontakte nach außen.

Als Folge leite ich daraus ab:
- Probleme mit jeder Form menschlicher Intimität.
- Vorstellung, das Beziehungen nicht funktionieren können und Menschen grundsätzlich Abschaum sind
- Die erste (meine beste) Freundin mit 16. Vorher immer alleine. Nie einen Freundeskreis aufgebaut.

Darüber hinaus äusserst introvertiert und schüchtern. Dies hat die Kontaktaufnahme nicht gerade erleichtert.

Die Schüchternheit konnte ich weitestgehend beseitigen, wenngleich ich Anlaufschwierigkeiten mit Menschen habe.
Introversion ist eine nicht veränderbare Tatsache, von daher kein Problem.

Wenngleich ich um meine Probleme weiss und in vielen Dingen der Erklärung, meiner Meinung nach, klar bin, kann ich mich nicht überwinden etwas zu ändern. Das ist eine Baustelle, die mehr grosse Schwierigkeiten bereitet.

Und doch bin ich der Meinung, dass man auf Ewig Opfer seiner selbst sein muss. Es ist nur unfassbar viel Arbeit.
Thespian

Re: Verkorkst

Beitrag von Thespian »

Meine Eltern haben sich alle Mühe gegeben, damit wir behütet aufwachsen. Allerdings waren Liebe, Nähe und erst recht Sex keine Themen die irgendwie vorgekommen wären. Nicht einmal als Gesprächsthema. Sie sind bewusst unkörperlich miteinander umgegangen. Das hatte Gründe, die ich aber nicht breittreten werde. Fakt ist aber, dass ich nie durch Beobachten lernen konnte wie man Zuneigung zeigt. Weder körperlich noch verbal. Statt dessen blieb eine Angst mit meiner Zuneigung zu belästigen.
Dazu kam dann Mobbing bis ins mittlere Teenageralter. Das hat dann dazu geführt, dass meine Selbstzweifel noch mehr Nahrung erhielten. Statt zu lernen wie es sich anfühlt begehrt zu werden, wie man Interesse zeigt oder Nähe aufbaut lernte ich nur Bestätigung für die Theorie, dass mich die Menschen mit allem demütigen wollen, was sie über mich wissen, dass niemand mich mögen könne und diesen ganzen selbstverletzenden Kram.
Das geht soweit, dass ich es als unverzeihliches Offenlegen von Schwäche empfand, einem Menschen zu zeigen, dass ich ihn/sie mochte und als übergriffige Belästigung jemanden um Hilfe zu bitten. Vom Zulassen oder gar Initiieren körperlicher Nähe ganz zu schweigen.
Wer aber keine körperliche Nähe zulässt kann auch schwerlich emotionale Nähe aufbauen.
Fenris

Re: Verkorkst

Beitrag von Fenris »

Gute Frage.

Warscheinlich ist es die Summe zahlreicher Einzelschicksalsschläge.
Mal so ein kurzer ausschnitt.
-Mit Gaumen Lippen-Spalte geboren.
-Bei der ersten Operation mit während der Operation aufgewacht. Resultat PTBS.
- Bei der 2.OP bakterien in den Kiefer gekommen. Erst bemerkt als das zu einer Hirnhautentzündung geführt hat, deswegen Not OP, da ca 5 minuten Klinisch tot gewesen.
Aufgrund der Op und der nachfolgenden 8 OP,s als Klein/ Kindergartenkind ohne Zähne gewesen. War natürlich die "ideale" einladung zu der ersten Mobbingrunde da ich natürlich wegen der ganzen Geschichte nicht nur Zahnlos sondern auch extrem verängstigt war.
-Das mobbing zog sich dann bis zur 11 Klasse durch,danach wurde ich zumindestens geduldet dadurch natürlich kaum Freunde, noch die möglichkeit "das andere Geschlecht kennenzulernen".
-Noch erschwerden kommt dazu, das meine Eltern extrem Introvertiert sind.Lange in irdenwelchen Vereinen haben die es nie ausgehalten, irgendjemand war immer Doof. Daher auch nie gerlent sich in soziale Gruppen zu integrieren. Mit der verwandschaft hat man sich natürlich schon Jahre zuvor zerstritten.
Ach eine irgendwie geartete AUfklärung fand auch nicht statt.

Nach den Abitur dann massive Probleme "meine Platz zu finden" 2x Studium abgebrochen, erste Ausbildung abgebrochen. Wegen Depressionen / Suzidversuch mehrere Stationäre aufentalte die nächsten Jahre. Ausbildung zum IT Kaufmann über eine Umschulung.
Ach ja ein per OP,s hab ich auch noch angesammelt bin mittlerweile bei 15 Stück.

Ich glaube da gibt es genug gründe warum ich neben der spur bin.
Schlomo

Re: Verkorkst

Beitrag von Schlomo »

Fenris hat geschrieben: ↑23.02.2020, 19:55 -Noch erschwerden kommt dazu, das meine Eltern extrem Introvertiert sind.Lange in irdenwelchen Vereinen haben die es nie ausgehalten, irgendjemand war immer Doof. Daher auch nie gerlent sich in soziale Gruppen zu integrieren. Mit der verwandschaft hat man sich natürlich schon Jahre zuvor zerstritten.
Das war bei mir ähnlich. Eltern waren/sind nicht extrem introvertiert, aber schon stark antisozial. Superkleiner Freundeskreis, der sich mit fortschreitendem Alter natürlich noch reduziert. Die meisten anderen Menschen sind eher Mist, und Verwandschaft ist auch eher eine Qual.
Das wurde mir natürlich alles stark eingeimpft, und bis ich ~27 oder so war, habe ich diese Art zu leben auch eher zelebriert als alles andere. Und so RICHTIG will ich da auch nicht raus, ich bin eigentlich recht gerne alleine. Nur halt vielleicht nicht SO extrem...

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