Moridin hat geschrieben: ↑27.07.2023, 11:46
In letzter Zeit habe ich bemerkt, dass ich inzwischen zu der üblichen Angst, allein zu bleiben, auch Angst davor habe, doch mal erfolgreich zu sein.
Also egal was passiert, ich habe Angst davor. Was irgendwie ziemlich bescheuert ist.
Dabei dreht sich die Angst natürlich nicht darum, dass ich eine Partnerin kriege und eine glückliche Beziehung führen werde.
Sondern vielmehr scheint die Angst immer im folgenden Schritt zu bestehen.
Beispiel: Angenommen ich bin bei Tinder angemeldet und bekomme ein Match, dann wäre das eigentlich erstmal ein Erfolg und somit ein Grund zur Freude. Allerdings kommt dann die Angst davor, was ich schreiben soll, wie das ankommt, wie es weitergeht, usw.
Die Unterhaltung läuft gut und wir machen ein Date aus. Wieder eigentlich ein Grund zur Freude, aber dann kommt die Angst davor, wie das Date laufen wird, da ich keine Ahnung habe wie ich mich verhalten soll, bzw. was mich erwarten wird und ich mich nicht wirklich auf die Situation vorbereiten kann.
Und so geht das dann quasi weiter und bei allen möglichen Situationen verhält sich das so (so scheint es zumindest).
Ich denke (Teil der) Ursache ist einfach die Angewohnheit, alles extrem zu überdenken. Ich bin gedanklich bereits 10 Schritte weiter und versaue mir dadurch einen möglichen Erfolg. Das dürfte wahrscheinlich auch einigen von euch bekannt vorkommen.
Nun, aus eigener Erfahrung kenne ich viele Aspekte eines Posts, wobei ich es nicht als Angst bezeichnen würde, sondern als Unsicherheit bzw. Unwissenheit im Umgang mit Frauen. Unsicherheit kann in Angst münden, muss es aber nicht. Ein ungutes Gefühl ist für mich noch keine Angst, da gehört mehr dazu. Ausserdem, Frauen sind nunmal anders (bitte nicht abwertend verstehen) als Männer, was eine Form der Unsicherheit mit sich bringt mangels Erfahrung meinerseits und als Kopflastiger Mensch habe ich Schwierigkeiten eben diese gefühlsbetonte Ebene zu finden, welche mit Frauen in so einem Kontext nun mal wichtig ist. So glaube ich.
Da mir auch immer mehr der Eindruck kommt beim Online Dating (Tinder inkl.), dass man(n) sehr, sehr genau aufpassen muss, was man schreibt. Damit meine ich jetzt keine obzönen, sexualisierende oder ähnliche Inhalte, sondern ich bekomme, speziell seit der Corona-Zeit, den Eindruck, dass unheimlich viel in Sätze/Wörter hineininterpretiert wird (man also sein eigenes Gedankengut auf das Geschriebene projiziert und daraus Ableitungen trifft, die völlig daneben sein können, zugleich diese aber als "Wahrzeit" ansieht).
Gewissermaßen alles kurz geschriebene auf die (moralische) Goldwaage legt, sich mitunter als moralisch dem anderen überlegen ansieht und wenn jetzt das Gegenüber nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, sofort der Kontaktabbruch erfolgt. Es fehlt zunehmend die Offenheit, die Toleranz so mein Eindruck mitsamt der daraus folgenden Flexibilität. Eine Art Perfektionismus hat sich breit gemacht, alles vorher durchzudenken, ja nur von diesem Plan nicht abzuweichen und alles muss den eigenen Vorstellungen nach laufen - bezogen auf ein Ereignis, so auch dem Dating (online/offline). Das mag eine Sicherheit mit sich bringen, ganz sicher so denke ich.
Ich nehme mich davon nicht gänzlich aus und hatte ein ähnliches Verhalten/Mindset (Perfektionismus) in meinen 20iger bzw. Anfang 30iger Jahre bei vielen Dingen (Sport, Uni und auch Job). Dieser wurde aber mit dem Alter weniger (wenngleich ich ihn wohl nicht ganz wegbekommen werde) dann aber und beim Dating mit Frauen hatte ich es ohnedies nicht. Da kann ich unterscheiden, Daten ist kein Job für mich und hier muss ich
keine Leistung erbringen. Also ziemlich genau das Gegenteil zum Beruflichen, zumindest viele Jahre lang. Daher, weder denke ich vorher Gesprächsinhalte durch für das 1. Date noch plane ich den Ablauf bis ins Detail. Klar, ich frage schon, wo wir uns treffen und was sie grob machen will (etwas Sportliches, Spazieren gehen, Kaffeehaus sitzen), nicht zuletzt um auch das richtige Outfit (wenn wir nur spazieren gehen, muss ich keine Sportkleidung und Sportgerät mitnehmen, als wie wenn ich eine Radrunde mit ihr drehe) dabei zu haben. Mehr aber nicht.
Selbst beim 1. Date, welches doch schon über 5 Jahre zurück liegt, habe ich mir nur grobe Gedanken gemacht. Gut, ich gebe zu, durch meine kommunkative Art hier ziemlich flexibel zu sein, da ich mit vielen Menschen über vieles plaudern kann. Wenngleich meist auf der Sachebene und nicht auf der Gefühlsebene, was natürlich beim Daten bzw. in weiterer Folge einer Beziehungsanbahnung nicht so förderlich ist. Hier tue ich mir (noch) schwer. Vielleicht wird auch das einmal was.
Interessanterweise bin ich da recht offen und flexibel, im Gegensatz zu anderen Dingen im Leben. Vielleicht auch, weil ich im Job gewissermaßen ein enges Korsett hatte, suche ich in der Freizeit bzw. auch in einer Beziehung eher Gegenteiliges. Also mehr die Freiheit und das ungezwungene und wenig planerische.