Hallo,
einer meiner Lieblingsfilmkritiker auf YouTube hat vor ein paar Wochen mal ein komplett anderes persönliches Video gemacht. Es geht um seine Beziehungserfahrung. Ich würde ihn selbst als Softcore-AB einstufen, da er nur einmal eine Partnerin in jungen Jahren gehabt hat und dann danach 15 Jahre lang Single gewesen ist und nur noch im Job sich gefangen gefühlt hat. Seine Sichtweise zu Partnerschaften spiegeln meine Sichtweisen als Hardcore-AB oft wieder. Ich bin aber auch nicht immer ganz seiner Meinung. Da ich aber fast genauso ein analytisch kritischer und auch zynischer Mensch bin, denke ich beeinflusst diese Haltung auch meinen AB-Status.
TRIGGERWARNUNG: Es werden Depressionen, psychische Probleme und auch das Thema Suizid angesprochen. Bitte nicht anschauen, wenn euch solche Themen selbst belasten. Danke!
Hier ist der Link zu dem Video: https://www.youtube.com/watch?v=QZeW-6QVWn8
Falls ihr bereit seid, dieses Video euch komplett anzuschauen, würde ich mir gerne eure Sichtweise dazu hier durchlesen.
Vielen Dank!
Filmkritiker redet über seine Beziehungserfahrung
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The_Lone_Alpha_Wolf
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Filmkritiker redet über seine Beziehungserfahrung
Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich selbst spricht. Gib ihm eine Maske, und er wird dir die Wahrheit sagen.
(Oscar Wilde)
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Re: Filmkritiker redet über seine Beziehungserfahrung
Ach der Forger…. Den kenne ich noch. Anfang der 2010er habe ich den mal auf YouTube verfolgt. Wusste gar nicht, dass der noch aktiv ist und Videos macht. Seine Filmkritiken mochte ich allerdings nie wirklich. Aber interessanter Typ. Ich werde mir das Video mal reinziehen.
Als ich Filmkritiker im Titel des Beitrags gelesen habe, musste ich erstmal sofort an Wolfgang M. Schmitt denken. Das ist mein absoluter Lieblingsfilmkritiker. Hab mir dann aber schnell denken können, dass nicht er gemeint ist.
Als ich Filmkritiker im Titel des Beitrags gelesen habe, musste ich erstmal sofort an Wolfgang M. Schmitt denken. Das ist mein absoluter Lieblingsfilmkritiker. Hab mir dann aber schnell denken können, dass nicht er gemeint ist.
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Vogel
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Re: Filmkritiker redet über seine Beziehungserfahrung
Dachte an Robert Hoffmann.... aber interessant.
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Kolinatan
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Re: Filmkritiker redet über seine Beziehungserfahrung
Ich weiß leider nicht, was Du Dir vorstellst, welche Rückmeldung Du zu dem Video und seiner Geschichte haben möchtest, daher werde ich über die Assoziationen und Gedanken schreiben, welche das Video bei mir geweckt hat.The_Lone_Alpha_Wolf hat geschrieben: ↑11 Apr 2026 09:59 Falls ihr bereit seid, dieses Video euch komplett anzuschauen, würde ich mir gerne eure Sichtweise dazu hier durchlesen.
Was mir direkt bei seinem ersten Block - als er beginnt über seine Kindheit zu sprechen - in den Sinn gekommen ist, ist der Ausspruch: "Es ist nie zu spät, eine gute Kindheit gehabt zu haben." Es hat mich an eine Unterhaltung mit einer Freundin erinnert, wo ich über verschiedene Kindheitserlebnisse gesprochen habe und sie plötzlich ganz entgeistert gesagt hat, dass ich eine schlimme Kindheit gehabt hätte. Ich habe diese Bewertung für meine Kindheit nie gehabt.
Was bei seiner Kindheitserzählung/Jugendliebe für mich auffällig ist, ist die Geschichte, welche er sich selbst damit über sich selbst erzählt. Es klingt so, als würde er eine kausale Verknüpfung herstellen wollen, zwischen seiner Kindheit und seinem weiteren Leben, als gäbe es hier eine zwangsläufigen Zusammenhang.
Ich halte die Vorstellung, dass Misanthropie eine Charaktereigenschaft sei, für falsch. Ebenso sehe ich die damit verbundene Selbstabwertung, weil er sein eigenes Leid/Leben besser bewältigen kann, wenn er vom Leiden anderer Menschen erfährt, als problematisch an.
Da ich mich selbst - aufgrund der eigene Bezüge - ebenfalls mit dem Thema Selbsttötung beschäftigt habe, würde ich das Thema anders darstellen. Für mich sind die Beschreibungen über seine Partnerin in vielerlei Hinsicht negativ. Für mich klingt es nicht so, als wäre es ihm gelungen nach so vielen Jahren, mit diesem Thema in den Frieden zu kommen sowie eine Distanz dazu aufzubauen. Vielleicht ist das Video ein Versuch, das Thema zu verarbeiten.
Vielleicht ist es auch das Gegenteil. Für mich scheint es eher so, dass er sich ein ganz kritisches Narrativ zu eigen macht und letztlich eine Oneitis aus seiner einzigen Beziehung macht. Wir hatten mal im Forum das Thema "emotional verfügbar sein". Wenn er sich diese "Oneitis"-Geschichte erzählt und diese auch glaubt, ist es unwahrscheinlich, dass er emotional verfügbar sein kann. Auf diesem Weg wir eine "Oneitis"-Geschichte zu einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung.
Aufgrund seiner Schilderungen würde ich annehmen, dass ihm einige wichtige Schritt in der Trauerarbeit fehlen, um über seine Beziehung und die Selbsttötung - vielleicht sogar eine empfundene Scham oder Schuld, sie nicht begleitet zu haben - seiner Partnerin hinwegzukommen. Da ich sein Euphemia-Projekt jetzt nicht weiter angeschaut habe, kann ich nicht einschätzen, in welchem Umfang und auf welche Weise er meint, seine Erlebnisse dadurch verarbeitet zu haben. Es ist immer auch eine Frage, was "verarbeiten" in einem solchen Kontext überhaupt bedeutet.
Die Vorstellung, dass er nie "voll im Leben" gestanden habe und die Gründe für seine Probleme seine "Gruppe" zu finden, sind letztlich auch alles Geschichten und Urteile über sich selbst. Es ist aus meiner Sicht keine Beschreibung einer Realität, sondern ein Vergleich mit einem fiktiven "Soll". Das Kernthema ist ein Problem mit seinem Selbstwert. Er scheint weiterhin - bin jetzt bei Minute 23 - eine sehr harte und verurteilende Meinung von sich selbst zu haben: "kaputte Freaks wie mich".
Auch wenn er deutlich macht, dass seine Äußerungen zu "den Frauen" vom Speed-Dating - dass sie nicht an ernsthaften Beziehungen interessiert seien - Unterstellungen sind, so wirkt es auf mich trotzdem so, als wäre er bereits so sehr im Narrativ der Chancenlosigkeit gefangen, dass er sich auf eine Weise verhalten muss, dass es wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirkt. Es wäre natürlich interessant zu wissen, wie er sich bei so einem Speed-Dating vorstellt und verhält. Wenn es ihm Spaß macht, dann wäre es nur ein kleiner Schritt, mit Entspanntheit und Lockerheit, einen angenehmen Abend zu haben, mit netten Begegnungen.
Mein Gedanke ist - den es natürlich zu prüfen gälte -, dass seine Unterstellung an die Frauen eine Projektion ist. Es mag auf den ersten Blick absurd sein, dass er selbst nicht an einer ernsthaften Beziehung interessiert sein könnte. Allerdings funktionieren Projektionen durchaus komplexer. Nachdem was ich bisher gehört habe, wie er über sich spricht, kann ich mir nicht vorstellen, dass er sich selbst so sieht, als wäre er a) eine lohnende Partie als Beziehungspartner und b) ist die Frage, ob er sich als für eine Beziehung bereit ansieht. Also kann er sich selbst in einer Beziehung vorstellen?
Oh, seine Vorstellung von Beziehung ist auch nicht sehr angenehm. Auch hier ist seine Prägung aus seiner 1. Beziehung nicht verarbeitet, wenn er genau das "Gleiche" sucht. Eine Beziehung, in welcher die beiden Partnys gemeinsam gegen den Rest der Welt kämpfen. Es ist amüsant, da ich ein Stück weit diesen Aspekt in meiner Beziehung habe - sich gemeinsam Halt geben und bestärken, gegen den Wahnsinn um uns herum. Trotzdem ist dies nicht mein prägendes Bild, was eine Beziehung für mich ausmacht. Für mich steht die geistige und emotionale Verbundenheit miteinander im Vordergrund.
Ich muss auch nicht durch meine Partnerin "ergänzt" werden. Ich bin auch ohne sie ein vollständiger Mensch. Dabei ist es schön, sich gegenseitig unterstützen zu können, allerdings auch dies wäre für mich kein akzeptabler Zweck, dass eine Beziehung Unterstützung als Forderung beinhaltet. Eine vermeintlich romantische Vorstellung zwei Partnys würden gegenseitig ihre "Fehler" ausgleichen, beinhaltet gleich zwei problematische Annahmen. Zum einen, dass ich als Mensch "fehlerhaft" wäre sowie ohne einen anderen Menschen "unvollständig" wäre. Alles sehr kritische Narrative, sobald ich diese einmal vollständig durchdenke.
Die letzten 10 Minuten sind dann für mich eher anstrengend, weil er sich nur noch in Narrativen verliert, die letztlich nirgends hin führen. Er kratzt ein paar Aspekte an, kommt allerdings zu keinem Ergebnis, welches ihn aus seiner eigenen Geschichte herausbringen könnte. Er glaubt nicht, dass es einen Ausweg für ihn geben könnte und damit zementiert er seine Situation als unveränderlich. Es spielt dabei keine Rolle, ob es wirklich einen Ausweg für ihn gibt oder nicht. Das Problem beginnt damit, dass er zwar aktiv sein und handeln will, allerdings sein Glaubenssystem sagt ihm: Es ist alles zwecklos.
Ich weiß nicht ob Du Dir eine solche Betrachtung und Beurteilung des Videos vorgestellt hast. Natürlich kenne ich die Person nicht und alles was ich äußere sind meine Vermutungen und Annahmen aufgrund meiner Vorstellungen und Sichtweisen, aufgrund dessen, wie er in dem Video über sich und die Themen gesprochen hat.
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The_Lone_Alpha_Wolf
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Re: Filmkritiker redet über seine Beziehungserfahrung
Vielen Dank für das ausführlich analysierte Kommentar.
Ich selbst sehe mich auch als ein "kaputter Freak" an, der seinen aktuellen Job auch gekündigt hat und Angebote wie Partnervermittlung oder Speed-Dating nutzen möchte, um irgendwann vielleicht ein "Ticket" zu bekommen. Da ich langsam auf die 30 zu gehe, wird dieser gesellschaftliche Gürtel mit der Chancengleichheit für Freaks (wie mich) immer enger geschnallt.
Es bilden sich jetzt in meiner Generation viele Partnerschaften, die sich binden, heiraten, Kinder bekommen usw.
Natürlich kämpfe ich auch selbst mit diesen eigenen Prophezeiungen, die dann auch meistens eintreffen.
Es ist für mich wie ein Kampf mit mir selbst in meinem selbstkritischen Kopf.
Ich selbst sehe mich auch als ein "kaputter Freak" an, der seinen aktuellen Job auch gekündigt hat und Angebote wie Partnervermittlung oder Speed-Dating nutzen möchte, um irgendwann vielleicht ein "Ticket" zu bekommen. Da ich langsam auf die 30 zu gehe, wird dieser gesellschaftliche Gürtel mit der Chancengleichheit für Freaks (wie mich) immer enger geschnallt.
Es bilden sich jetzt in meiner Generation viele Partnerschaften, die sich binden, heiraten, Kinder bekommen usw.
Natürlich kämpfe ich auch selbst mit diesen eigenen Prophezeiungen, die dann auch meistens eintreffen.
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Re: Filmkritiker redet über seine Beziehungserfahrung
Es hilft, diese Verbindungen zu erkennen, wie die eigenen Erwartungen das eigene Verhalten beeinflussen und so zu dem (letztlich unerwünschten) Ausgang einer Situation beitragen.The_Lone_Alpha_Wolf hat geschrieben: ↑13 Apr 2026 14:03 Natürlich kämpfe ich auch selbst mit diesen eigenen Prophezeiungen, die dann auch meistens eintreffen.
Es ist für mich wie ein Kampf mit mir selbst in meinem selbstkritischen Kopf.
Den eigenen Kritiker im Kopf zu verstehen, kann dabei helfen ihn neu auszurichten. So dass er nicht mehr als Widerstand, gegen den es anzukommen gilt, fungiert sondern zu einem unterstützenden Faktor wird.