Ich habe in den letzten ca. 2 Jahren verdammt viel in meine "äußere Arbeit" reingesteckt. Dazu gehört u.a. ca 25 Kg abgenommen, Muskeln aufgebaut (kein Unterwäschemodel, aber durchaus ansehlich, bekomme manchmal Komplimente von Frauen), meine Glatze habe ich pigmentieren lassen (sieht jetzt raus wie runterrasiert und ich habe eine Haarlinie) und ich habe ca 90% meines Kleiderschrankes ausgemistet und mir einen besseren Kleidungsstil zuleget (auch in dieser Hinsicht bekomme ich von Frauen häufiger Komplimente und mehr Aufmerksamkeit als noch vor ca. 2 Jahren).
Was ich jedoch sträflich vernachlässigt habe, ist die "innere Arbeit". Ich bin genauso mutlos, ängstlich, ohne Selbstwertgefühl pessimistisch und vorsichtig und verunsichert wie bisher. Ich beobachte häufig, dass in meinem Kopf Sätze wie "Ich bin ein Versager!", "Du bist hässlich mit deiner Glatze!", "Sie (= das letzte OdB) ist zu gut/zu hübsch für dich, sie hat genug andere Optionen, warum sollte sie sich für dich enttscheiden?" oder "Du wirst nie eine tolle Frau bekommen!" aufkommen.
Diese Sätzen mögen einmalig harmlos sein, doch wenn man sich sowas öfters sagt, schlägt dies Wurzeln in der Psyche. Dies dürfte mein letztes OdB von mir weggtrieben haben, zumal sie mir auch schon einmal sagte, dass sie mich als "zurückhaltend und verunsichert" empfindet. In ihrer Gegenwart habe ich mich, seitdem wir uns näher gekommen waren, stets angespannt gefühlt, was ihr sicherlich aufgefallen sein dürfte.
Was mir im Leben im Moment noch fehlt, ist dieses "einfach quatschen können", charmant sein, mal einen lustigen Spruch raushauen, geselliger sein, mehr Raum einnehmen können, mich nicht mehr zu verstecken. Also dieses "seht her Leute, ich bin ein cooler Typ!".
Doch woher kommt diese Verunsicherung? Ich weiß es selbst nicht genau. In der Schulzeit war ich Opfer von "leichtem" Mobbing. Mein Schulranzen wurde versteckt, oder mein Mäppchen hin und her geschmissen, sodass ich es nicht wieder bekam. Körperliche Gewalt oder Drohungen ("Morgen zahlst du mir einen Zehner, oder ich haue dir aufs Maul!") habe ich nie abbekommen. Eigentlich habe ich dieses Kapitel in meinem Leben gut abschließen können. Ein Mobbingopfer zu sein ist nie etwas leichtes, aber dennoch wage ich zu behaupten, dass viele hier im Forum wesentlich schlimmere Erfahrungen durchmachen mussten.
Vielleicht haben es mir meine Eltern bzw. mein Umfeld auch nie wirklich vorgelebt, ein lebensfroher, selbstbewusster Mensch zu sein. Meine Mutter ist ebenfalls eine ziemliche eingefleischte Pessmistin. Den Satz "War doch klar, dass das nicht klappt!", den ich auch bei meiner letzten OdB-Enttäuschung im Kopf hatte, habe ich wohl von ihr geerbt.
Natürlich bekomme ich durch die "innere Arbeit" mein letztes OdB wohl nicht mehr zurück, aber ich kann vielleicht verhindern, dass mir die selben Fehler beim nächsten OdB passieren. Auch wenn ich motiviert bin, meine Psyche auf Vordermann zu bringen: Es tut immer noch weh, die (fast) Liebe einer wunderschönen Frau, die auch charkterlich ziemlich gut zu mir gepasst hätte, verloren zu haben.
Die Geschichte hatte etwas von "Der Durchschnittskerl und das Model", doch es war nicht unmöglich! Alles was fehlte, waren etwas mehr Eier in der Hose und vielleicht noch ein bisschen mehr Glück. Ich bin froh dass Sonntag ist, ansonsten wäre ich nämlich zum Supermarkt um die Ecke gegangen, um meinen Frust in Alkohol zu ertränken. Und ja: Manchmal kommen mir noch die Tränen...
Doch dieser Schmerz hat nicht nur lähmendes, er hat auch etwas, dass mich kämpfen lässt. Es ist ein legitimer Schmerz, der in mir eine Kampfesmotivation herbeigeführt hat. Wahrscheinlich muss ich diesen Schmerz spüren, um mich weiterzuentwickeln. Er hindert mich nicht, an mir zu arbeiten, ganz im Gegenteil. Er motiviert mich!
Doch wie kann ich lernen, an mich zu glauben?