In meinem sozialen Kreis bzw. Stammtisch gab es ein paar Frauen, zu denen ich mich hingezogen fühlte. Fast alle haben mich direkt abgelehnt, lediglich mit einer habe ich es in die Schreibphase/Kennenlernphase geschafft, aber sie hat sich dann doch zurückgezogen. Drei bis Wochen später habe ich sie auf Tinder und Bumble gefunden. Sie tut sich lieber diese Hölle an.
Im OD nutzte ich (inzwischen habe ich alle Datingapps aus Frust gelöscht) FB, OKcupid, Tinder und Bumble. Dort hatte ich dank professioneller Datingphotos - für einen Mann der definitiv nicht zu den Top 20% gehört - auf dem Papier ziemlich guten Erfolg. Ich hatte ziemlich viele Chats am Laufen, auch teilweise mit Frauen, die im oberen Drittel der Attraktivitätsskala anzusiedlen sind. Jedoch sind diese Chats alle früher oder später im Sande verlaufen. Am Anfang machten mich diese Matches noch stolz, gegen Ende meiner "OD-Karriere" nervten sie mich ehrlich gesagt nur, weil ich ja schon wusste, wie es enden würde.
Mir ist bewusst, dass meine Erfolgslosigkeit nicht (100%ig) an mir liegt, sondern an der Massenlikerei der Männer, die das OD-System zerstören, leider erklärt das aber nur meine Chancenlosigkeit - es beendet sie nicht. Grundsätzlich jedoch halte ich Online-Dating für ein vernünftiges System, über das man Frauen und/oder Männer kennenlernen könnte, wenn die Männer sich dort benehmen würden.
Eine Freundin aus dem Stammtisch (für die ich natürlich auch partnerschaftlich/sexuell Luft bin) hat jetzt eine Beziehung gefunden und ist super happy. Dies hat mich in den letzten Tagen in eine tiefe Depression gestürzt. Nicht, weil ich es ihr nicht gönnen würde, sondern weil es mir mal wieder klargemacht hat, wie es um mich steht. Bis vor ca. 3-4 Monaten litt sie noch unter heftigen Liebeskummer wegen einer zerbrochenen Fast-Beziehung und nur wenige Monate später hat sie eine Beziehung gefunden. Während ich in diesem Jahr nicht ein einziges Date hatte und am OD verzweifelt bin. Mir geht es prinzipiell gar nicht mal in erster Linie um eine Beziehung, ich hätte einfach mal ganz gerne eine vernünftige Anzahl an Dates.
Im Laufe meines Lebens hatte ich viele Probleme. Ich habe für alle eine Lösung gefunden und auch für die derzeitigen Probleme werde ich früher oder später eine Lösung finden. Aber das AB-Tum ist mein absoluter Endgegner. Es gibt nichts, nichts in meinem Leben, das so unlösbar erscheint, nichts, was meine Psyche so angreift, nichts, bei dem die Lösung so weit entfernt ist.
Wenn man trotz Bemühungen einfach keinen Zugriff auf potenzielle Partnerinnen/Dates hat und aufgrund der Tatsache, dass man immer älter wird der Korb jedes Jahr ein Stückchen höher angesetzt wird…ist es dann nicht vielleicht Zeit zu akzeptieren, dass man im Leben verloren hat und sollte man sich dann vielleicht nicht bewusst werden, dass das AB-Tum, dieser schmerzlose Schmerz, ein ständiger Begleiter im Leben sein wird?
Ich werde in ca. 3 Monaten 29 und habe kaum noch Träume im Leben im Bezug auf das AB-Tum.