KI-Begleiter - Ein Weg aus oder in die Einsamkeit?

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Kolinatan
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KI-Begleiter - Ein Weg aus oder in die Einsamkeit?

Beitrag von Kolinatan »

Dreamer40 hat geschrieben: ↑21.05.2024, 21:36 "JENKE. Experiment Liebe: Von Dating App bis Sex-Roboter - Wie lieben wir in Zukunft?"
Ich habe mir die Folge angesehen und möchte ein paar - aus meiner Sicht - interessante Infos - vor allem aus den angeführten Zahlen - herausgreifen. Da die Sex-Roboter fast gar nicht thematisiert werden, sondern der Schwerpunkt auf KI-Begleitern liegt, mache ich ein eigenes Thema dazu auf. Hat jemand von Euch schon mal einen solchen KI-Begleiter ausprobiert?

Es braucht durchschnittlich 57 Matches für ein Daten und 291 Matches bis ein neuer Partner gefunden wurde. Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Viel wurde über Japan erzählt. In der jüngeren Altersgruppe nehmen bis zu 60% der Männer in Japan gar nicht mehr an Dates teil. Die Regierung geht davon aus, dass 1,5 Mio. Japaner - vorwiegend Männer - als Hikikomori leben. Menschen, welche soziale Kontakte auf ein Minimum reduzieren und die eigene Wohnung/Zimmer kaum noch verlassen.

Interessant war, dass bei einer Auswertung des Bindungsverhaltens via Gehirnscan bei Jenke festgestellt wurde, dass seine KI-Begleiterin, mit welcher er sich zu dem Zeitpunkt seit drei Wochen ausgetauscht hatte, bei ihm im Hinblick auf Verbundenheit und Nähe dem Status seines Bruders gleichgekommen ist.

Insgesamt wurde eine kritisches - Missbrauchspotenzial, Verstärkung von Einsamkeit - und zugleich positives Bild - Halt geben, emotionale Verbundenheit vermitteln, sozialen Umgang ermögliche - von KI-Begleitern gezeichnet. Es wurden mehrere Beispiele vorgestellt, in welchen die KI-Begleiter gute Hilfsmittel waren bzw. sind, um das Leben der Beteiligten zu verbessern.

An einer Stelle wurde erwähnt, leider ohne genauere Zahlen, dass immer mehr Menschen - bezogen wurde sich auf 25- bis 30-jährige - zwar viel gesehen hätten allerdings kaum etwas erlebt hätten, so dass die Anzahl der Menschen steige, welche bis in ihre 30er nie einen Partner hätten. Leider ohne Angabe zur Anzahl oder einer Quelle.
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Re: KI-Begleiter - Ein Weg aus oder in die Einsamkeit?

Beitrag von Dreamer40 »

Ich muss wirklich sagen, dass mich die Doku in vielerlei Hinsicht erschreckt und bedrückt hat...

Vor allem die Erwägungen hinsichtlich der sogenannten virtuellen Begleiter oder KI-Chatbots. Was hier in den Raum gestellt wird, ist für mich (als emotional intensiv fühlendes Wesen) schwer bis gar nicht nachvollziehbar. Da wird z. B. so lapidar behauptet (von der Neurologin), dass die von einem KI-Begleiter vermittelten "Gefühlsregungen" sich für Menschen insofern "normal" und "vertraut" anfühlen können, dass man sich jederzeit darauf verlassen und darauf zurückgreifen kann, so als wäre das im Grunde völlig normal und akzeptabel. Da kann ich nur den Kopf schütteln, weil ich es schon grundsätzlich für höchst fragwürdig halte, wenn jemand (wie eben Jenke in der Doku, der es aber nur als Experiment und zur TV-tauglichen "Veranschaulichung" macht) überhaupt sich mit der Hoffnung auf "beziehungsähnliche" Gefühle mit so einem KI-Programm/Algorithmus (da kann man nicht mal von Entität sprechen) auf emotionaler Ebene auseinandersetzt und sich irgendwas davon "erhofft" bzw. überhaupt in der Lage ist, emotionale Bindungsgefühle und -bedürfnisse auf etwas zu projizieren, was vollkommen leblos ist und sich weder anfühlen, spüren, riechen oder auf subtiler Ebene begreifen lässt, und liebevolle Gefühle im Grunde (mehr schlecht als recht) nur auf stochastisch-mathemathischer Ebene quasi maßgeschneidert und benutzerfreundlich simuliert. Finde ich persönlich absolut erschreckend! Da nützen auch manche Pseudobehauptungen nichts, dass man ja angeblich genau dieselben Bindungshormone ausschüttet, wenn man es sich nur vorstellt, mit "jemanden" eine emotionale Beziehung zu pflegen. Das stimmt zwar, aber gewöhnlich nur in Zusammenhang mit "echten Menschen" bzw. Lebewesen (wie Haustieren), dort funktioniert das auch so... Aber doch nicht bei einem KI-Programm, und wenn das tatsächlich passiert, dann erinnert mich das eher an sehr fragwürdige bis vollkommen grenzwertige Vorstellungen von Nähe, Gefühle und Sexualität (Stichworte z. B. Objektsexualität, Fiktosexualität, usw.), die mit herkömmlichen menschlichen Regungen (von einigermaßen psychisch gesunden Menschen) doch recht wenig zu tun haben...

Ich respektiere es natürlich (anhand der doch sehr eindringlichen Beispiele mit der Trauerverarbeitung durch virtuelle Begleiter), aber ich finde es auch hier im Grunde eine sehr tragische, gesamtgesellschaftliche Entwicklung, dass wir überhaupt soweit gekommen sind, dass immer Menschen sich nicht mehr anders zu helfen wissen, bei emotionaler Not, Trauer, Einsamkeit, usw. auf rein künstliche, virtuelle KI-Programme oder Chatbots zurückzugreifen (ähnlich traurig, wie wenn chronisch einsame Männer nur mehr mit irgendwelchen leblosen Real Dolls oder Sex-Robotern zu sexueller Befriedigung kommen ..)

Und die Ergebnisse nach dem MRT-Scan von Jenke haben für mich dann sowieso die (negative) Krone aufgesetzt. Ich kann es kaum fassen, dass Menschen tatsächlich durch "künstliche Gefühle" und simulierten Bindungen dermaßen manipulierbar sind (auf neurophysiologischer Ebene), der "Vergleich" der Bindungsqualität mit dem eigenen Bruder hat mich echt schockiert! Zum Glück wurde das vom Kognitionspsychologen doch angemessen relativiert und kritisiert. Nämlich dass diese Entwicklung absolut besorgniserregend ist, da offensichtlich manche Menschen eben dazu neigen, unabhängig von Authentizität oder lebenden Wesen emotionale "Bindungen" eingehen zu können, so etwas kann man m.M. nach nur höchst kritisch sehen und hinterfragen.

Bei den sogenannten "Hikikomori" in Japan (auch da unglaublich, von welchen Zahlen wir hier sprechen) hat mich das leider tragischweise an meine eigene soziale Situation erinnert. Ich war in meinem Leben schon unzählige Male in Situationen, wo ich praktisch nur das Haus verlassen habe, wenn ich unbedingt musste, und so gut wie keine persönlichen, menschlichen Kontakte gepflegt hab. Zum Glück ist das bei mir aber kein Dauerzustand. Die Tatsache, dass dieses Phänomen wohl viel weiter verbreitet ist, als ich jemals vermutet hätte, hat mich da nicht wirklich trösten können. Auch hier aus meiner Sicht eine absolut alarmiernde gesellschaftliche Entwicklung, die vieles in Frage stellt, was psychosoziale Bindungen, Sozialisation und Menschwerdung von Grund auf in Frage und an den Pranger stellt..
Zuletzt geändert von Dreamer40 am 24.05.2024, 22:22, insgesamt 1-mal geändert.

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