Wenn der Verstand der Feind ist.

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Kolinatan
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Wenn der Verstand der Feind ist.

Beitrag von Kolinatan »

Ich habe in verschiedenen Beiträge von blockierenden Glaubenssätzen gelesen. Zunächst, was meine ich, wenn ich von einem Glaubenssatz spreche. Ein Glaubenssatz ist eine verallgemeinernde Theorie oder Annahme über die Realität, welche auf keiner oder einer geringen empirischen Erfahrung basiert. Ist der Glaubenssatz dann auch noch so angelegt, dass er das Gegenteil von dem als Realität postuliert, als ich es selbst erleben möchte, dann wirkt er geradezu paralysierend.

Ich hatte einen solchen Glaubenssatz, z.B. bezüglich One-Night-Stands. Ich habe durchaus daran geglaubt, dass es sie geben mag. Ich habe allerdings nicht daran geglaubt, dass sie mir passieren. Bis ich einmal in einer Situation war, in welcher ich etwas zu spät realisiert habe, dass es ein ONS hätte werden können. Natürlich ist es spekulativ. Wichtig für mich war, dass ich mir durch dieses Erlebnis meinen blockierenden Glaubenssatz bewusst machen konnte und diesen so weit verändern konnte, dass ich schließlich bereit war selbst einen ONS zu erleben. In späteren Situationen habe ich dann selbst gezielter eskaliert und so dazu beigetragen, einen ONS zu erleben.

Unser innerer Kritiker - welcher uns permanent abwertet und gering schätzt - basiert vor allem auf Glaubenssätzen. Angefangen davon, dass Glück nur anderen passiere, ich ohnehin unfähig oder unansehnlich sei oder einfach ein schlechter Mensch wäre. Das "Wissen" darüber, basiert letztlich nur auf anerzogenen und durch ausreichende Wiedererholung eingeübten Gedanken, welche nicht mehr angezweifelt werden. Es sind alte Erzählungen über uns selbst, welcher dazu beitragen uns als minderwertig zu bewerten.

Glaubenssätze funktionieren wie Filter auf die Wirklichkeit. Wenn ich etwas erleben möchte und mein Glaubenssatz im Widerspruch dazu steht, wird in der Regel der Glaubenssatz gewinnen. Die eigenen Überzeugungen in den Blick zu nehmen und loszulassen, kann dabei helfen etwas anderes zu erleben, als dass was ich gewohnt bin.

Ist es Euch schon einmal gelungen einen Glaubenssatz über Euch selbst oder die Gesellschaft aufzulösen und wart überrascht, was Ihr anschließend erleben konntet?
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Einsamkeit_is_doof
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Re: Wenn der Verstand der Feind ist.

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

Hallo :winken:

Ich finde die Überschrift ziemlich passend. Denn ich stelle immer wieder fest, dass mir mein Verstand bzw. meine negativen Glaubenssätze im Wege stehen. Oder anders gesagt, dass ich mir selber oft im Wege stehe, weil ich mir selber immer wieder erzähle, dass ich ja hässlich und nicht liebenswert bin. :hammer: Die Frage ist jedoch, ob das wirklich die Wahrheit ist?! Wahrscheinlich eher nicht. Aber so lange man sich diese "Geschichte" erzählt, ist es halt schwierig bis unmöglich seinem AB-tum zu entkommen.

Kolinatan hat geschrieben: ↑09.07.2024, 11:31 Ist es Euch schon einmal gelungen einen Glaubenssatz über Euch selbst oder die Gesellschaft aufzulösen und wart überrascht, was Ihr anschließend erleben konntet?
In gewisser Weise ja. Vor einigen Jahren war ich in der Situation, dass ich mir einen neuen Job suchen musste und sogar ein halbes Jahr arbeitslos war. Ich sah mich schon den Rest meines Lebens unter irgend einer Brücke lebend, weil man mich doch sowieso nicht gebrauchen kann. "Wer stellt schon so jemanden wie mich ein? Ich kann doch nichts!" Mehrer Bewerbungen, die entweder ignoriert oder negativ Beantwortet wurden gaben mir scheinbar Recht. Bis zu dem Tag, an dem sich mein jetziger Arbeitgeber meldete. Tja und nun bin ich schon seit über zwei Jahren in der Firma und bekomme immer wieder gesagt, dass ich gute Arbeit abliefere und man mich nicht mehr missen möchte. O-ton meiner Chefin: "Wenn du kündigen würdest, dann müsste ich weinen!"

Aber noch etwas ist passiert: Anfangs hatte ich mit zwei jüngeren Kolleginnen ein eher schwieriges Verhältnis, was sich aber Gott sei Dank in den letzten Monaten deutlich entspannt hat. Mehr noch, wir albern nun manchmal rum, necken uns gegenseitig. Mit einer von den beiden kann ich mich auch echt gut unterhalten. Vor zwei Jahren wäre es für mich noch völlig undenkbar gewesen, mich mit so einer tollen, sympathischen und attraktiven Frau unterhalten zu können bzw. unterhalten zu dürfen. In meinem Kopf war nämlich der Gedanke: "So eine tolle Frau kann sich mit jedem unterhalten, da wird die sich mit Sicherheit nicht mit so einem wie mir unterhalten wollen." :wuetend:
Amor gib mir den verdammten Pfeil, ich mach' den Scheiß jetzt selber!
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Re: Wenn der Verstand der Feind ist.

Beitrag von TheDude490 »

Hallo Koliinatan,

ich sehe mich in deinem Post tatsächlich selbst wieder.

Jetzt nicht unbedingt was explizit das ONS angeht, aber zumindest was die Glaubenssätze angeht.

Ich habe in meinem Begrüßungs-Post bereits erwähnt, dass ich vor fast genau zwei Monaten angefangen habe, eine Dame zu daten. Die erste Dame, die ich in fast 25 Jahren daten durfte / konnte.
Das Ganze entstand dadurch, dass ich mir aus purer Langeweile Bumble gedownloadet habe und schon am zweiten Tag ein Match hatte.
Vorher hatte ich auch nie daran geglaubt, das es soweit kommt. Ich hatte jahrelang Gedanken wie "Schau dich doch mal an, wer möchte dich schon daten", oder ganz andere schlechte Gedanken. Ich habe mich einfach von meinem inneren Kritiker eine unfassbar lange Zeit schlecht reden lassen.

Aus diesem Match am zweiten Tag wurden fast zwei Monate Dating, mit vielen Treffen und schönen Momenten. Schon nach kurzer Zeit des miteinander schreiben fing ich an, mich besser und besser in dieser Hinsicht zu fühlen. Und spätestens ab dem ersten oder zweiten Treffen (das erste Treffen folgte bereits zwei Tage nachdem man sich kennengelernt hatte) überkam es mich einfach, ich dachte mir "Geil! Endlich kommst du mal so weit. Gibt ja doch welche, die Interesse an dir zeigen." Ich schwebte, was meine Psyche anging, schon fast auf Wolke 7.
Umso trauriger, dass es von ihr aus leider nicht mehr als über eine gute Freundschaft hinaus gehen wird. Das teilte sie mir letzte Woche Samstag mit. Nach einem gemeinsamen Ausflug sprach ich sie darauf an und fragte sie, woran man eben gerade nach knapp zwei Monaten daten ist. Klingt jetzt vielleicht nicht besonders tragisch, da man es leider nicht ändern kann.

Allerdings wurde meine bisherige Euphorie dadurch komplett über den Haufen geworfen. Nun bin ich wieder an meinen alten Gedankengängen angekommen und mein innerer Kritiker freut sich wieder den Allerwertesten ab.
Liegt vermutlich daran, dass ich mich schon in sie verguckt hatte. Man hat sich dennoch darauf geeinigt, die entstandene Freundschaft und den Kontakt aufrecht zu erhalten. Seit diesem Tag haben wir weiterhin jeden Tag (und das nicht zu wenig) miteinander geschrieben. Jedoch meldet sich Kollege "innerer Kritiker", zwingt mich wieder zum overthinken mit Fragen wie "Das ist doch bald eh wieder vorbei, schon bald wird sie länger benötigen um dir zu antworten und dann verläuft die Freundschaft im Sande."

Dennoch machen mich diese, durch diesen einen Satz wiederkehrenden negativen Glaubenssätze kaputt.
Ich habe schon so oft versucht, auch ohne solche Momente / Situationen wie diese diesen inneren Kritiker zu besiegen. Allerdings denke ich mir immer wieder: "Was nicht war, will auch nicht werden..."
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Re: Wenn der Verstand der Feind ist.

Beitrag von Zuya Hiyaye »

Interessant.
In einemFührungskräfteseminar meinte mal die Psychologin, wir sollten mal spontan unsere Glaubenssätze aufschreiben.
Bei mir kam raus:
- Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.
- Wenn du nicht artig bist, musst du heut' Nacht mut zuen Augen schlafen.
- sing, sing was geschah, keiner ward mehr gesehen, ja.
- Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.

Ich hatte das mit dem spontan falsch verstanden. Gesucht ware so Sätze wie
- alle Menschen sind gleich
- jeder macht sein möglichstes
- alle verdienen bei gleicher Arbeit den gleichen Lohn.

Wir hatten dann später auch noch was vom Paretto-Prinzip erfahren und von der 20-80 Regel und dass jeder Mitarbeiter in 20% der Arbeitszeit 80% Arbeitsleistung erbringt und folglich bei 100% Arbeitszeit auch mehr als 100% Arbeitsleistung erwarten kann.

Aber weder diese, noch meine Glaubenssätze helfen mir bei der Aufklärung der Gründe, warum ich AB bin.
Außer natürlich, dass ich selbst Schuld bin. Das gilt ja als gesetzt und dem kann ja nicht widersprochen werden.
Nur dass ich dann eben zu blöd bin die Gründe herauszufinden.

Ein anderer Gedanke. Meine Glaubenssätze stammen aus meiner Kindheit. Oder sollten sie. Nun haben uns unsere Eletern ja nicht völlig verschieden erzogen. Meine Geschwister sind aber alle verheiratet. Meine Schwestern haben ihre Parter sogar sehr früh gefunden.
Mein jüngster Bruder war mit 18 vergeben. Mein anderer Bruder brauchte länger um sich zwischen seinen vielen, vielen Partnerinnen zu entscheiden und ist nun zum zweiten mal verheiratet. Zum Glück ein bisschen länger als vorher.
Daher glaube ich nicht, dass meine Glaubenssätze ursächlich sind.
Wohl aber sind sie zur Aufrechterhaltung meines Status sehr hilfreich.

Meine heutigen Glaubenssätze:
- zu alt
- zu lange allein gelebt
- zu unwillig sich komplett zu verändern.

Und nicht zuletzt: In den letzten zehn Jahren hat mich keine Frau gekickt. Es sei denn sie wäre als jugendliche rotgelockte mit Sommersproßen daher gekommen.
So habe ich elegant die Verantwortung, dass ich selber innerlich den Laden dicht gemacht habe, auf die Frauen übertragen.
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RomNey
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Re: Wenn der Verstand der Feind ist.

Beitrag von RomNey »

Kolinatan hat geschrieben: ↑09.07.2024, 11:31
Ein Glaubenssatz ist eine verallgemeinernde Theorie oder Annahme über die Realität, welche auf keiner oder einer geringen empirischen Erfahrung basiert.

Ist der Glaubenssatz dann auch noch so angelegt, dass er das Gegenteil von dem als Realität postuliert, als ich es selbst erleben möchte, dann wirkt er geradezu paralysierend.
Empirisch musste ich erstmal googlen und das erste was mir entgegen gesprungen war ist:
- Das Wort Empirie bedeutet "Erfahrung" - empirisch heißt somit "auf Erfahrung basierend". -
Also nun verwirrt mich der erste Satz ein wenig, weil empirische Erfahrungen = auf Erfahrungen basierende Erfahrungen?

Aber du erklärst es ja hier ganz gut:
Kolinatan hat geschrieben: ↑09.07.2024, 11:31 Unser innerer Kritiker - welcher uns permanent abwertet und gering schätzt - basiert vor allem auf Glaubenssätzen. Angefangen davon, dass Glück nur anderen passiere, ich ohnehin unfähig oder unansehnlich sei oder einfach ein schlechter Mensch wäre. Das "Wissen" darüber, basiert letztlich nur auf anerzogenen und durch ausreichende Wiedererholung eingeübten Gedanken, welche nicht mehr angezweifelt werden. Es sind alte Erzählungen über uns selbst, welcher dazu beitragen uns als minderwertig zu bewerten.
Ja würde ich so unterschreiben.
Meinst du mit innerer Kritiker unser Unterbewusstsein?
Also so würde ich es nämlich beschreiben.
Anerzogen meinst du von den Eltern?
Also weil ich denke das können auch Menschen im Umfeld sein mit denen man viel Kontakt hat oder auch nur sehr wenig Kontakt dafür aber sehr unangenehme Erlebnisse.

Und ich denke das da zumindest bei mir, nicht nur immer gegen mich selber geschossen wurde sondern auch viel gegenüber anderen.
Also Glaubenssätze wie,
- alle anderen Männer sind nur Konkurrenz
- Frauen sind entweder Gottheiten oder Objekte
- Es geht darum die schönste und reichste und beste Frau abzubekommen
- Sie darf kein Gramm fett haben
- Reden nur soviel wie nötig, immer die Gefahr sich zu verplappern
- sich immer so anziehen und verhalten das man nicht auffällt
So fürs erste von vorne aus dem Kopf.
Diese Dinge konnte ich über Jahre zum Glück ändern.
Wo ich jetzt merke das die meisten auf meine Mobbing Angst zurück zu führen sind.

Mir gegenüber hatte ich Glaubenssätze wie,
- bei jedem rast es im Kopf so wie bei mir das alle, alles und ich scheiße sind
Ist krass wenn ich drüber nachdenke.
Hätte jetzt eben gesagt das ich mir zuletzt kaum selber eingeredet habe das ich scheiße bin, das kam mehr von außen.
Wenn ich das jetzt aber nochmal betrachte, war es einfach schon so oft von mir selber in meinem Kopf wiederholt von bestimmten Menschen wo es mir wichtig war, das es in meinem Kopf mir ständig von außen gesagt wurde, dem aber gar nicht so war, ich es in meinem Kopf nur wiederholt habe.
Vermutlich mehr unterbewusst, aber vielleicht versteht ja jemand was ich meine ;)

Viel mehr fällt mir da jetzt gar nicht ein.
Aber die Glaubenssätze die ich anderen Dingen gegenüber hatte, waren ja auch indirekt gegen mich, weil ich so nie nah an andere Menschen komme.
Einsam bin und bleibe und viel Zeit damit verbringe die negativen Sachen zu wiederholen.
Kolinatan hat geschrieben: ↑09.07.2024, 11:31 Glaubenssätze funktionieren wie Filter auf die Wirklichkeit. Wenn ich etwas erleben möchte und mein Glaubenssatz im Widerspruch dazu steht, wird in der Regel der Glaubenssatz gewinnen. Die eigenen Überzeugungen in den Blick zu nehmen und loszulassen, kann dabei helfen etwas anderes zu erleben, als dass was ich gewohnt bin.
Hm, ja kann man so umschreiben würde ich sagen.
Auch wenn ich mir hier wieder schwer tue mit dem Wort Glaubenssatz weil es für mich eher das Unterbewusstsein ist.
Also nicht eher, aber noch zusätzlich oben drauf.
Weil Glaubenssatz hört sich eher so an als würde man bewusst an etwas glauben und hat sich so dafür entschieden.
Ich glaube das ist schon richtig, heute, aber zu Beginn als man diesen Glaubenssatz für sich entschieden hat, kann unter Umständen das Unterbewusstsein mehr oder weniger beigetragen haben.
So das es, wie bei mir, eher Glaubenssätze sind die man entwickelt hat, die völlig ab von der Realität sind.

Und klar agieren wir immer nach Glaubenssätzen die wir uns ausgesucht haben.
Schwierig wird es dann wie du auch sagst, bei denen die man nie hinterfragt.
Vor allem wenn da auch heute noch das Unterbewusstsein mit rein wirkt.

Ich glaube das überschneidet sich einfach viel, Unterbewusstsein und Glaubenssätze.

Dieses paralysierende Erlebnis gibt es übrigens auch wenn man dann solche Glaubenssätze (oder das Unterbewusstsein oder whatever) durch bricht.
Also ich hatte das zB als ich einen Mann angesprochen hatte und ihm ein Kompliment über seinen Pullover gemacht habe.
Das ist jetzt schon 1 oder 2 Jahre her.
Jedenfalls bin ich da in der Phase gewesen wo ich gerade schon einige dieser Konditionierungen finden und ändern konnte.
Man könnte sagen das war eine sehr berauschende Zeit für mich ;) :mrgreen:
Ich hatte es immer noch drin, niemanden ansprechen, möglichst unter dem Radar fliegen usw.
Das habe ich da versucht aufzubrechen.
Ich muss mich für nichts schämen, ich sehe super aus, wir sind alles nur Menschen.

Der junge Mann hatte "Sometimes depressive but always AntiFascist" auf dem Rücken stehen.
Fand ich cool und und haben ihm auf die Schulter geklopft.
Ich weiß leider nicht mehr was meine Gedanken in dem Moment waren, was ich erwartet habe wie er reagiert.
Ich weiß aber das seine Reaktion somit die beste war die ich mir hätte wünschen können.
(ich glaube ich habe nur gesagt "Hey ich wollte dir nur sagen, echt cooler Pullover" oder so ähnlich)
Er war (in meiner Wahrnehmung) mega erfreut darüber hat sich bedankt und hat mir glaube ich sogar noch eine Vorlage gegeben, das es für mich einfach wäre mich einfach nochmal zu wiederholen, mit: "ja ist schon echt ein cooler Pullover oder?".
Und da hat richtig Hardcore mein Unterbewusstsein reingekickt.
Gut hätte ich es gefunden hätte ich was gesagt wie "ja, richtig stark, fühle ich auch. Wünsche dir noch einen schönen Tag" oder irgendwas in die Richtung.
Raus kam aber nichts mehr. Ich weiß nicht wie meine Mimik war aber ich vermute sehr verwirrend.
Ich habe es immerhin noch geschafft, glaube ich(!!), ihm einen Daumen hoch zu geben und bin raus gestürmt. (war im Supermarkt, am Brötchenstand nähe Ausgang)
Da war ich dann gut eine Minute wie paralysiert, in Trance, nicht ganz da.
Ich denke meine Gefühlswelt hat zusätzlich eine Achterbahn gemacht, die ich aber zu dem Zeitpunkt nicht wahr genommen habe.
Ich bin rund 100m gelatscht bis ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte.
Also meine primitiven Abwehrmechanismen die ich vermutlich mit ungefähr 8 Jahren das erste Mal angewandt habe wo und wann auch immer, wo ich verstummt und abgehauen bin, haben mich hier kontrolliert.
Ich denke in diesen und ähnlichen Situationen habe ich das jetzt aber unter Kontrolle, also wenn mein Unterbewusstsein rein kicken sollte, dann auf andere Weise. (Wofür es keinen Grund mehr gibt, weil ich glaube ich konnte mir nun klar machen das diese Situation keinen Reflex in Verstummen und Flucht nötig macht)

Zwei oder Drei andere Begebenheiten wo auch mein Unterbewusstsein übernommen hat habe ich noch in Erinnerung.
Und ich denke da werden noch welche Folgen.
Aber das reicht denke ich fürs erste.
Sprengt ja so schon den Rahmen mein Laberflash hier ;)

Kolinatan hat geschrieben: ↑09.07.2024, 11:31 Ist es Euch schon einmal gelungen einen Glaubenssatz über Euch selbst oder die Gesellschaft aufzulösen und wart überrascht, was Ihr anschließend erleben konntet?
Achso, ja wie oben beschrieben.
:reporter:
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Re: Wenn der Verstand der Feind ist.

Beitrag von Kolinatan »

RomNey hat geschrieben: ↑13.07.2024, 11:33 Also nun verwirrt mich der erste Satz ein wenig, weil empirische Erfahrungen = auf Erfahrungen basierende Erfahrungen?
Bei Wikipedia steht hier eine recht gute Differenzierung. Entsprechend meinte ich mit empirischer Erfahrung eine systematische Erhebung von Daten über das eigene Erleben statt eine eher anekdotische Evidenz im Rahmen der Alltagserfahrung.
Empirische Forschung findet simuliert im Labor oder direkt im Feld statt. Die direkte Feldforschung unterscheidet sich von der lebensweltlichen Alltagserfahrung durch die Systematik des Vorgehens – man spricht auch von der Erhebung von Daten. Dazu kommen die Forderungen nach Objektivität und Wiederholbarkeit der Beobachtungen, die an Alltagserfahrungen in dieser Form nicht gestellt wird.
Quelle: Wikipedia
RomNey hat geschrieben: ↑13.07.2024, 11:33 Meinst du mit innerer Kritiker unser Unterbewusstsein?
Nein. Der innere Kritiker besteht zumeist aus klaren abwertenden Äußerungen in unserem Kopf. Diese innere Stimme, welche uns mit Vorwürfen oder Abwertungen malträtiert, findet in der Regel direkt in unserem Bewusstsein statt. Wir mögen diese innere Stimme so gewohnt sein, dass wir sie eventuell nicht mehr bewusst wahrnehmen trotzdem findet der innere Dialog nicht unterbewusst statt.

Allerdings kann es auch sein, dass einige abwertende Gedanken so schnell sind, weil sie so automatisiert ablaufen, dass wir sie nicht bemerken. Vielleicht haben wir etwas vergessen oder einen Fehler gemacht und fühlen uns umgehend schlecht oder niedergeschlagen, ohne dass wir den abwertenden Gedanken bemerkt haben. Insoweit können abwertende Gedanken soweit automatisiert sein, dass sie unserem Bewusstsein entgehen und wir die Gedanken nur durch Präsenz und Achtsamkeit zurück ins Bewusstsein holen können.
RomNey hat geschrieben: ↑13.07.2024, 11:33 Anerzogen meinst du von den Eltern?
Eltern sind nur eine Quelle von Glaubenssätzen. Letztlich beeinflusst unser gesamtes Umfeld, was wir über uns denken. Seien es die Lehrer in der Schule, die uns oft genug sagen, was wir können oder nicht können oder unsere jeweilige Peergroup, wo wir lernen, welche Eigenschafen über Zugehörigkeit oder Ausschluss entscheiden. Ein Niete in Sport oder doch der Streber. Es gibt eine Vielzahl von Etiketten, welche uns im Laufe der Jahr angeklebt werden. Manche gefallen uns andere weniger, behalten tun wir viel zu viele.

Ich würde auch sagen, dass wir uns unsere Glaubenssätze in jungen Jahren nicht aussuchen. Wir habe es mit vielen Menschen zu tun, von denen wir abhängig sind also übernehmen wir ihre Urteile über uns. In dem Sinne haben wir uns am Anfang die Glaubenssätze nicht ausgesucht. Wenn wir allerdings auch mit 30 oder 40 weiterhin die Glaubenssätze, welche uns mit 10 eingeflößt wurden, unhinterfragt beibehaltet, dann ist dies eine Entscheidung. In der Regel eher unbewusst, weil wir uns mit diesen Vorstellungen über uns nicht im Detail auseinandersetzten. Wer setzt sich schon mit 30 Jahren hin, schreibt seine Glaubenssätze auf und stellt diese auf den Prüfstand?

Dass was Du mit der Begegnung mit dem Mann mit dem Pullover beschreibst, geht noch mal deutlich über Glaubenssätze hinaus. Hier würde ich von Verhaltensmustern sprechen oder ggf. auch von Gewohnheiten. Kommt Angst und Überforderung ins Spiel, kommt es zu Kurzschlussreaktionen und Du gehst in Dein Standardprogramm für solche Situationen (Fight, Flight, Freeze, Please, Kollaps) oder eine andere Optionen - wenn noch bedingt handlungsfähig - wäre das Kontrolldrama. Solche Prägungen zu überwinden benötigt mitunter einiges an Zeit, um die alten Autobahnen im Kopf durch andere Wege zu ersetzen.
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Re: Wenn der Verstand der Feind ist.

Beitrag von RomNey »

Kolinatan hat geschrieben: ↑13.07.2024, 22:06 Bei Wikipedia steht hier eine recht gute Differenzierung. Entsprechend meinte ich mit empirischer Erfahrung eine systematische Erhebung von Daten über das eigene Erleben statt eine eher anekdotische Evidenz im Rahmen der Alltagserfahrung.
Okay, damit check ich es noch weniger.
Ist (mir) aber auch nicht wichtig.

Kolinatan hat geschrieben: ↑13.07.2024, 22:06
RomNey hat geschrieben: ↑13.07.2024, 11:33 Meinst du mit innerer Kritiker unser Unterbewusstsein?
Nein. Der innere Kritiker besteht zumeist aus klaren abwertenden Äußerungen in unserem Kopf. Diese innere Stimme, welche uns mit Vorwürfen oder Abwertungen malträtiert, findet in der Regel direkt in unserem Bewusstsein statt. Wir mögen diese innere Stimme so gewohnt sein, dass wir sie eventuell nicht mehr bewusst wahrnehmen trotzdem findet der innere Dialog nicht unterbewusst statt.

Allerdings kann es auch sein, dass einige abwertende Gedanken so schnell sind, weil sie so automatisiert ablaufen, dass wir sie nicht bemerken. Vielleicht haben wir etwas vergessen oder einen Fehler gemacht und fühlen uns umgehend schlecht oder niedergeschlagen, ohne dass wir den abwertenden Gedanken bemerkt haben. Insoweit können abwertende Gedanken soweit automatisiert sein, dass sie unserem Bewusstsein entgehen und wir die Gedanken nur durch Präsenz und Achtsamkeit zurück ins Bewusstsein holen können.
Ja, gut.
Dann würde ich meine Glaubenssätze damals zusammen fassen mit:
- Alles und jeder ist scheiße, ich eingeschlossen
- Die meisten anderen Menschen, denken genau so
- Die meisten anderen Menschen, vor allem die ich kaum kenne, wollen mich nur Mobben
- niemand liebt mich
- niemand möchte mit mir Zeit verbringen
- ich möchte mit niemanden Zeit verbringen
- Es ist am besten das alles alleine zu machen, das muss man alleine schaffen
- ich bin ein Versager, ein Loser, u name it
- Frauen sind Objekte oder Gottheiten
- Gefühle sind Schwäche
- Als Mann muss man... das Geld ran holen, stark sein, nie weinen usw.
- Die Frau muss...den Haushalt machen, die Kinder erziehen usw.
- alles muss man "schnell, schnell, schnell" machen!
- nach der Arbeit ist vor der Arbeit
- Geld ist das allerwichtigste
usw.

Könnte man vermutlich fast endlos fortführen, das Problem wird nur sein das ich mich nicht an alles erinnere.
Ich denke da sind viele so absurde Dinge bei von denen ich mich lösen konnte, weil ich andere Baustellen abgearbeitet habe.
Ich glaube da waren auch viele Glaubenssätze bei die ich kaum/wenig/gar nicht "gebraucht" habe.
Also keine Gegebenheit eingetroffen ist wo ich diese Sätze hätte abrufen müssen und nach ihnen agieren.
Die aber mit anderen Sätzen verknüpft oder verwurzelt waren und sich dann mit gelöst haben.
Normal ist was sich gut anfühlt!

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