Elfriede hat geschrieben: ↑30.03.2025, 19:13
Nicht ich urteile derart hart über die Attraktivität oder das Gardemaß meines Sohnes, sondern die Gesellschaft. [...]
Im Moment bist Du es, welche dieses Urteil weiterträgt und es dadurch reproduziert und mit der Vorstellung seiner Unabänderlichkeit dieses verfestigt, statt zu einer Veränderung beizutragen. Auch wenn andere Menschen in dieser Weise urteilen mögen, Du musst ihr Urteil nicht übernehmen und es auch nicht akzeptieren, egal wie wenig Du ihre Meinung beeinflussen kannst.
Allerdings möchte ich mich nicht der konfrontativen Haltung gegen Deine Aussagen anschließen sondern versuchen, ob ich nachvollziehen kann, aus welcher positiven Absicht heraus Du Deine Ratschläge formulierst.
Aus den verschiedenen Erzählungen, welche Du von Dir, Deinem Leben und dem Leben Deines Sohnes bisher im Forum verfasst hast, gehe ich davon aus, dass Du mehrfach an eben solchen Urteilen gescheitert bist. Auch Du hattest Wünsche und Vorstellungen für ein anderes Leben und es ist Dir nicht gelungen Deine Wünsche zu erfüllen. Du hast viel Leid und Schmerz erlebt und - mein Eindruck ist - davon ist in Dir weiterhin viel präsent. Deine positive Absicht ist, anderen diesen Schmerz und die Enttäuschung zu ersparen, welche Du selbst erlebt hast, weil Du versuchtest Deinen Träumen zu folgen und dabei gescheitert bist?
Natürlich ist diese nur mein Bild und meine Interpretation aus Deinen Beiträgen. Vielleicht liegt Deine positive Absicht auch an einer ganz anderen Stelle. Unabhängig davon, möchte ich Dich darum bitten, mit Deinen Empfehlungen, was der richtige Weg für einen Menschen hier im Forum sein könnte, zurückhaltender zu sein. Du siehst an den Rückmeldungen, dass es einigen Mitgliedern schwer fällt, Deine Empfehlungen als konstruktiv zu verstehen. Im Gegenteil, stattdessen sehen sie in Dir jemande, die ihnen mit den Stereotypen und Vorurteilen begegnet, welche ihnen so auch von anderen Menschen entgegen gebracht wurden und werden.
Es ist mir wichtig, dass auch kritische oder unbequeme Meinungen im Forum geäußert werden können, um darüber miteinander zu sprechen und nicht, um sich gegenseitig anzugreifen. Ich halte es für sinnvoll, sich weder in der Illusion der Ausweglosigkeit zu verlieren noch sich in unbegründeten Hoffnung zu verstricken. Mir geht es darum, Menschen zu ermuntern die Dinge, welche sie beeinflussen können, auch anzugehen und dabei sowohl zu träumen als auch realistisch zu bleiben. Es ist mir egal, ob andere Menschen ein solches Vorgehen für einen unrealistischer oder gar unmöglichen Spagat halten. Wer bin ich, um festzulegen was möglich ist und was nicht? Solange ein Mensch bereit ist, sein Leben zu leben und etwas zu unternehmen, solange hat er auch eine Chance seine Ziele zu verwirklichen. Das ist eine Überzeugung, welche ich für mich als sinnvoll ansehe und vielleicht hilft sie auch anderen weiter.
Gerade bin ich am überlegen, wie ich meinen Beitrag abschließen möchte. Während ich auf der einen Seite einen Impuls hatte, nach
einem Artikel zu suchen, welcher sich damit beschäftigt, dass das was Menschen in ihrem Leben am meisten bereuen würden, die Dinge sind, welche sie nicht gemacht haben, habe ich gerade noch einen anderen Impuls.
In mir taucht eine andere Frage auf, welche ich gerne Dir, liebe Elfriede, stellen möchte: Hat Dich das Leben hart gemacht, die erlebten Enttäuschungen, der erlittene Schmerz? Damit meine ich nicht Deine Empfindsamkeit, diese scheint durchaus gegeben zu sein. Ich meine eher etwas, was auf mich fast schon widersprüchlich wirkt. Du empfiehlst anderen sich mit ihrem Leben zu arrangieren und zu akzeptieren, dass es sich nicht mehr verändern würde. Zugleich sprichst Du über den Schmerz, welchen Dein Leben und auch die Lebensumstände Deinen Sohnes für Dich gegenwärtig bedeuten. Glaubst Du wirklich an die Empfehlung, welche Du Finnlandfreundin geben hast oder richtest Du diesen Ratschlag auch an Dich, weil es Dir schwer fällt, Deinen Frieden mit Deinem und dem Leben Deines Sohnes zu schließen? Dies würde bedeuten, dass Du versuchst hart gegen Dich zu sein und endlich damit klar zu kommen, dass die Dinge so sind wie sie sind und sie zu akzeptieren?
Ich bin überzeugt davon, dass das was wir in die Welt rufen mehr mit uns, als mit der Welt selbst zu tun hat. Wenn ich sage, dass die Welt hart sei, dann auch deswegen, weil ich selbst diese Härte in mir kultiviere. Diese Härte ist auch Teil meiner Lebensgeschichte, weshalb mich dieser Aspekt wiederum besonders anspricht und somit kann dieser Teil natürlich allein aus meiner Interpretation und Projektion stammen und muss mit Dir nichts zu tun haben. Was meinst Du dazu, Elfriede?