ich wollte noch einmal einen Blick auf ein Thema werfen, über das man nicht ganz so gerne spricht, nämlich das Thema Geld.
Berufsbedingt habe ich damit jede Menge zu tun, sodass das Thema auch im Alltag mit meiner Verlobten für mich nicht ganz unwichtig ist.
Ich fange vielleicht mal ganz vorne an: Wie habe ich das eigentlich mit dem Bezahlen beim Date gemacht?
Für mich war es irgendwie immer selbstverständlich, dass ich beim Date mit einer Frau zahle. Ich mag den Begriff „alte Schule“ dafür eigentlich nicht besonders. Für mich war und ist es einfach ein Ausdruck von Respekt und Wertschätzung. Zumindest habe ich das bei den ersten drei Dates so gehandhabt.
Meine Verlobte hat das auch ohne Widerstand akzeptiert. Im Nachhinein hat sie mir erzählt, dass sie das insgeheim sogar erwartet hatte. Das muss natürlich bei weitem nicht auf alle Dates zutreffen – ich sehe das einfach als meine persönliche Einstellung.
Im weiteren Verlauf hat es sich dann ganz automatisch eingespielt: Wenn sie bei mir in Hannover war, habe ich an den Wochenenden meistens alles bezahlt, und wenn ich in Bremen war, hat sie entsprechend die Kosten übernommen.
Richtig spannend wurde das Thema erst einige Monate später, als wir zusammengezogen sind, weil sich dadurch die Verhältnisse grundlegend verändert haben.
In diesem Fall bin ich in ihr Eigentum gezogen. Wie geht man damit um? Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mich zur Hälfte an den laufenden Kosten beteiligen möchte. Es handelt sich um lastenfreies Eigentum, sodass grundsätzlich nur die laufenden Unterhaltskosten anfallen. Da ich vorher fast 1.000 Euro im Monat für meine Wohnung bezahlt hatte, war das für mich trotzdem noch vergleichsweise günstig.
Zu diesem Zeitpunkt war außerdem schon ziemlich klar, dass wir heiraten würden. Deshalb haben wir dann gleich Nägel mit Köpfen gemacht und unsere Konten zusammengelegt.
Unsere grundsätzliche Sichtweise ist: Was mein ist, ist dein, und was wir ab diesem Zeitpunkt gemeinsam an Vermögen aufbauen, gehört uns beiden. Ich verdiene etwas mehr als sie, weshalb ich dadurch auch einen etwas höheren Anteil an den Gesamtkosten trage. Das stört mich überhaupt nicht.
Ich sehe uns mittlerweile einfach als Team und nicht mehr als zwei Einzelpersonen, die zufällig zusammenwohnen.
Das klingt vielleicht zunächst romantischer, als es in den ersten Wochen tatsächlich war.
Jeder hat schließlich seine eigenen Gewohnheiten und Vorstellungen davon, wofür er sein Geld ausgeben möchte. Gerade am Anfang gab es deshalb durchaus kleinere Diskussionen darüber, wofür nun Geld ausgegeben wurde.
Ich eher für technische Dinge, weil ihr Haus gefühlt teilweise noch im 20. Jahrhundert lebt.
Das ist für mich aber auch ein Prozess gewesen, in dem man die Eigenheiten und Gewohnheiten des Partners erst einmal kennenlernen und akzeptieren muss.
Mittlerweile funktioniert das ziemlich gut. Wir haben für uns festgestellt, dass unser Modell ein gewisses Vertrauen voraussetzt. Wenn einer von uns Geld ausgibt, muss der andere darauf vertrauen können, dass es dafür einen guten Grund gibt und nicht ständig hinterfragen, warum jetzt genau dafür Geld ausgegeben wurde.
Das hat allerdings auch nicht über Nacht funktioniert.
Inzwischen sparen wir regelmäßig feste Beträge für unsere Hochzeit, Urlaube und andere größere Dinge. Mit dem Rest schauen wir, dass wir uns zwischendurch auch etwas gönnen und das gemeinsame Leben genießen.
Beim Thema Geldanlage haben wir allerdings noch einmal einen eigenen Kompromiss finden müssen. Ich bin eher aktienorientiert und denke langfristig in Richtung Kapitalmarkt, während sie deutlich sicherheitsorientierter ist und eher zu Tagesgeld und risikoarmen Anlagen tendiert. Deshalb haben wir uns darauf geeinigt, zunächst einen festen Betrag X gemeinsam sicher anzulegen. Alles, was darüber hinausgeht, wird dann von mir in Richtung Aktien und langfristige Investments gesteuert. So haben wir einerseits die gewünschte Sicherheit und andererseits trotzdem die Möglichkeit, Vermögen renditeorientiert aufzubauen.
Eine weitere große Veränderung wird noch einmal eintreten, wenn irgendwann ein Kind ins Spiel kommt. Wie wir das dann mit Teilzeit, Elternzeit und Einkommen handhaben, wird aber vermutlich Stoff für einen eigenen Thread geben.