Die Diskussionen und Beiträge in dem Forum haben mir in vielerlei Hinsicht sehr geholfen.
Jedenfalls würde ich direkt mit der Einleitung und Kapitel 1 loslegen
Einleitung
Meine Verlobte führt eine Art Tagebuch über unsere Hochzeit und die gesamte Planung, um alles für uns und vielleicht später für unsere Kinder und Enkelkinder, Familie, Bekannte und wer sonst Lust hat das zu lesen, zu dokumentieren.
So haben wir selbst in 50 Jahren noch etwas, um auf die Anfänge des wichtigsten Ereignisses in unserem gemeinsamen Leben zurückzublicken.
Mir ist etwas später der Gedanke gekommen, dass man auch festhalten sollte, wie es überhaupt dazu kam, dass wir heiraten. Die Hochzeit an sich ist schließlich nur ein Stück Papier. Wie es aber dazu kam, wie wir uns verändert haben und wie unsere Beziehung überhaupt aussieht – das ist es aus meiner Sicht absolut wert, aufgeschrieben zu werden.
Der Einfachheit halber nehme ich dabei meine eigene Perspektive ein: Ein Mann um die 30 mit sehr überschaubarer Beziehungserfahrung kommt plötzlich mit einer Frau zusammen und erlebt den gesamten Zirkus einer Partnerschaft. Wenn das es nicht verdient hat, festgehalten zu werden, dann weiß ich es auch nicht.
Dabei lasse ich mich von ganz grundlegenden Fragen leiten: Was bedeutet es eigentlich, sein Leben mit einem Partner zu teilen? Was macht das psychisch mit einem und wie gestaltet sich das Zusammenleben im Alltag?
Ich habe fast 12 Jahre lang alleine gelebt. Wer glaubt, dass man das einfach so abschüttelt und „mir nichts, dir nichts“ in einer glücklichen Beziehung landet, der irrt sich gewaltig. Ja, vieles ist toll – aber unsere Psyche ist schon ein faszinierendes Konstrukt.
Jetzt, nach einer gewissen Zeit, kann ich rückblickend sagen, dass es an der einen oder anderen Stelle in meinem Kopf ganz schön gerattert hat:
Das verschobene Selbstbild: Ich habe mir oft Gedanken darüber gemacht, ob ich meiner Partnerin überhaupt genüge. Das tief sitzende Gefühl, für jemanden nicht gut genug zu sein, hat sich nur sehr langsam an die neue Realität angepasst.
Fehlende Erfahrung & die Angst zu versagen: In vielen Situationen habe ich mich gefragt, ob das, was ich gerade gesagt oder getan habe, richtig war. Ich konnte schlicht auf keine reichhaltige Erfahrung zurückgreifen, sondern musste allein meiner Intuition vertrauen. Stellenweise hatte ich regelrecht Angst davor, es irgendwie zu vermasseln – und theoretisch kann mir das auch heute noch blühen.
Neue Dynamiken aushalten: Ich erinnere mich zum Beispiel an das erste Mal, als ich die hormonellen Schwankungen meiner Partnerin im Alltag mitbekommen habe. So etwas hatte ich das letzte Mal als Teenager bei meinen weiblichen Familienmitgliedern im Elternhaus erlebt. Plötzlich stand ich vor der Situation, dass ein einziges falsches Wort reichte, um eine komplette Unterhaltung kippen zu lassen. An so etwas ist man nach Jahren als Single überhaupt nicht gewöhnt – und plötzlich muss man lernen, damit umzugehen.
Der reale Umbruch: Und dann war da die Frage nach dem zukünftigen gemeinsamen Wohnort. Mir war von Anfang an klar, dass ich zu ihr ziehen würde, wenn es ernst wird. Aber hier unterscheidet sich die Theorie gewaltig von der Praxis: Es ist eine Sache, sich dessen bewusst zu sein – aber eine ganz andere, den Transporter zu beladen, Arbeit und Familie weit hinter sich zu lassen und sich in einer völlig ungewohnten Umgebung wiederzufinden. Außenstehende sagen dann schnell: „Hast du dir ja selbst ausgesucht“ – womit sie natürlich recht haben. Aber bis der Kopf das auch wirklich als neue Realität akzeptiert hat, dauert es seine Zeit.
Das sind nur zwei Beispiele für Dinge, mit denen man plötzlich konfrontiert wird und die früher meilenweit entfernt waren. Früher habe ich alle Entscheidungen allein getroffen. Plötzlich ist da ein Mensch mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, mit dem man sein Leben gemeinsam gestaltet.
Heute schreibe ich diese Zeilen im Homeoffice, arbeite nur noch in Teilweise in Präsenz an meiner alten Arbeitsstelle und gehe heute Abend auf ein Schlagerkonzert – etwas, woran ich früher in meinen schlimmsten Träumen nicht gedacht hätte. Das war der Auslöser für meine kleine Aufzeichnung.
Würde ich mein altes Leben wiederhaben wollen? Ganz sicher nicht.
In den letzten zwei Jahren ist für mich emotional und im Kopf mehr passiert als in den zwölf Jahren davor. Mit dieser Veränderung muss man erst einmal klarkommen. Es wird oft darüber diskutiert, ob man sich verändern sollte, um eine Partnerin zu finden. Fakt ist: Man verändert sich so oder so – ganz einfach, weil man es sonst gar nicht schafft, eine gesunde Beziehung auf Augenhöhe zu führen.
Das ist im Grunde alles, was ich mit diesem Thema sagen möchte: Wie sehr sich in den letzten 24 Monaten alles verändert hat. Wenn man darüber nachdenkt, ist das eine ganze Menge – und vielleicht gibt das ja tatsächlich Stoff für ein ganzes Buch. Wer weiß?