Mit meinem vorerst letzten Beitrag möchte nochmal ein Thema ansprechen über das ich mir selber viele Gedanken gemacht habe, bevor ich meine Partnerin kennen gelernt habe. Wie ist es wohl ist, wenn man mit einer Person intim wird, die man sehr gerne hat und mit der man sich auch eine Beziehung vorstellen kann.
Bei mir war das tatsächlich ein ziemlich einschneidendes Erlebnis.
Ich kann mich an die erste sexuelle Interaktion in meiner Beziehung noch sehr gut erinnern.
Bis dahin hatte ich begrenzte sexuelle Erfahrung. Ich war als es soweit war unglaublich nervös. Gleichzeitig hatte ich ein Gefühl, das ich vorher so nicht kannte: dieses gegenseitige Begehren. Ich wusste nicht nur theoretisch, dass sie mich attraktiv findet – ich habe es in diesem Moment unmittelbar erlebt.
Ich hatte insgesamt wenig sexuelle Erfahrung und entsprechend auch keine Ahnung, wie selbstverständlich manche Dinge in der Praxis funktionieren würden. Meine Partnerin war in diesem Fall deutlich erfahrener als ich. Wir mussten uns aber trotzdem gewissermaßen gemeinsam herantasten. Dazu kam, dass nicht alles sofort so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wenn ich es nur mit mir allein zu tun hatte, haben die biologischen Abläufe über viele Jahre immer reibungslos funktioniert. Genau an dieser Stelle lief es aber nicht direkt glatt: Mein Körper hat vor lauter Anspannung schlicht blockiert, und meine Nervosität machte die Situation natürlich nicht einfacher. Dabei ist man ja meist noch jünger und denkt sich immer: „Sowas passiert doch nur älteren Männern.“
Rückblickend weiß ich, wie viel Druck ich mir selbst gemacht habe. Ich wollte unbedingt, dass es für sie schön wird, und wollte gleichzeitig natürlich „funktionieren“. Genau dieser Gedanke war wahrscheinlich eher hinderlich.
Nach mehreren Versuchen und Anläufen an dem Abend hat es dann doch geklappt.
Danach lagen wir einfach eng beieinander.
Ich weiß noch ziemlich genau, wie zwiegespalten ich mich damals gefühlt habe: Einerseits konnte ich kaum glauben, dass ich gerade tatsächlich Sex mit einer Frau hatte, die mich begehrte und mit dem ich eine Beziehung führen wollte. Andererseits war da auch ein gewisser Stolz. Es fühlte sich für mich tatsächlich ein bisschen so an, als hätte ich eine Ziellinie überschritten, die ich lange Zeit für unerreichbar gehalten hatte.
Auch danach war nicht plötzlich alles perfekt. Die anfängliche Nervosität und die körperliche Unsicherheit begleiteten mich noch einige Zeit. Ich glaube heute, dass dabei vor allem mein Kopf eine Rolle gespielt hat – ich musste diese völlig neue Erfahrung erst einmal verarbeiten. Dazu kam der selbstgemachte Druck, sie unbedingt befriedigen zu wollen. Dass ich über die Gedanken, die mich bewegten, sehr offen sprechen konnte, hat mir extrem geholfen. Sie hatte sehr viel Verständnis und gab mir nie das Gefühl, nicht zu genügen. Das hat rückwirkend geholfen, diese Blockaden zu überwinden.
Mit der Zeit wurde das aber immer selbstverständlicher.
Wir mussten beide erst herausfinden, was uns gefällt und was nicht. Am Anfang war unser Sex entsprechend ziemlich vorsichtig. Mit der Zeit wurden wir immer vertrauter, haben verschiedene Dinge ausprobiert und gelernt, aufeinander zu achten. Heute fühlt sich das alles vollkommen normal an.
Was für mich Rückblickend eine große Erkenntnis war ist, dass Sex nichts ist, was man vorher theoretisch perfekt können muss. Wir haben beide noch dazugelernt. Es war keineswegs so, dass sie als erfahrenere Person genau wusste, wie alles funktioniert, während ich irgendwie mithalten musste. Wir haben uns gemeinsam entwickelt und herausgefunden, was für uns funktioniert.
Ich wollte diese Erfahrung einfach einmal aufschreiben, weil der erste wirkliche Sex in einer Beziehung für einen AB wahrscheinlich noch einmal eine ganz andere Bedeutung hat als für jemanden, für den sexuelle Erfahrungen schon lange selbstverständlich sind. Es war für mich zwar nicht das erste Mal, aber das erste Mal, dass Gefühle im Spiel waren.
Vielleicht befindet sich jemand, der sich das durchliest, irgendwann in der gleichen Situation wie ich, hat die gleichen Sorgen und Ängste wie ich sie hatte oder stellt sich ähnliche Fragen. Wenn es so ist würde ich demjenigen sagen: Mach dir nicht zu viele Gedanken, für Sex muss man kein Experte sein. Und egal ob es auf Anhieb klappt oder nicht, ob man in einer Beziehung ist oder nicht – Kommunikation ist der Schlüssel, auch wenn mich das am Anfang eine Menge Überwindung gekostet hat.