Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

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Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von sascha94 »

Hallo zusammen! :)

Mit meinem vorerst letzten Beitrag möchte nochmal ein Thema ansprechen über das ich mir selber viele Gedanken gemacht habe, bevor ich meine Partnerin kennen gelernt habe. Wie ist es wohl ist, wenn man mit einer Person intim wird, die man sehr gerne hat und mit der man sich auch eine Beziehung vorstellen kann.

Bei mir war das tatsächlich ein ziemlich einschneidendes Erlebnis.

Ich kann mich an die erste sexuelle Interaktion in meiner Beziehung noch sehr gut erinnern.
Bis dahin hatte ich begrenzte sexuelle Erfahrung. Ich war als es soweit war unglaublich nervös. Gleichzeitig hatte ich ein Gefühl, das ich vorher so nicht kannte: dieses gegenseitige Begehren. Ich wusste nicht nur theoretisch, dass sie mich attraktiv findet – ich habe es in diesem Moment unmittelbar erlebt.

Ich hatte insgesamt wenig sexuelle Erfahrung und entsprechend auch keine Ahnung, wie selbstverständlich manche Dinge in der Praxis funktionieren würden. Meine Partnerin war in diesem Fall deutlich erfahrener als ich. Wir mussten uns aber trotzdem gewissermaßen gemeinsam herantasten. Dazu kam, dass nicht alles sofort so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wenn ich es nur mit mir allein zu tun hatte, haben die biologischen Abläufe über viele Jahre immer reibungslos funktioniert. Genau an dieser Stelle lief es aber nicht direkt glatt: Mein Körper hat vor lauter Anspannung schlicht blockiert, und meine Nervosität machte die Situation natürlich nicht einfacher. Dabei ist man ja meist noch jünger und denkt sich immer: „Sowas passiert doch nur älteren Männern.“
Rückblickend weiß ich, wie viel Druck ich mir selbst gemacht habe. Ich wollte unbedingt, dass es für sie schön wird, und wollte gleichzeitig natürlich „funktionieren“. Genau dieser Gedanke war wahrscheinlich eher hinderlich.
Nach mehreren Versuchen und Anläufen an dem Abend hat es dann doch geklappt.

Danach lagen wir einfach eng beieinander.

Ich weiß noch ziemlich genau, wie zwiegespalten ich mich damals gefühlt habe: Einerseits konnte ich kaum glauben, dass ich gerade tatsächlich Sex mit einer Frau hatte, die mich begehrte und mit dem ich eine Beziehung führen wollte. Andererseits war da auch ein gewisser Stolz. Es fühlte sich für mich tatsächlich ein bisschen so an, als hätte ich eine Ziellinie überschritten, die ich lange Zeit für unerreichbar gehalten hatte.
Auch danach war nicht plötzlich alles perfekt. Die anfängliche Nervosität und die körperliche Unsicherheit begleiteten mich noch einige Zeit. Ich glaube heute, dass dabei vor allem mein Kopf eine Rolle gespielt hat – ich musste diese völlig neue Erfahrung erst einmal verarbeiten. Dazu kam der selbstgemachte Druck, sie unbedingt befriedigen zu wollen. Dass ich über die Gedanken, die mich bewegten, sehr offen sprechen konnte, hat mir extrem geholfen. Sie hatte sehr viel Verständnis und gab mir nie das Gefühl, nicht zu genügen. Das hat rückwirkend geholfen, diese Blockaden zu überwinden.

Mit der Zeit wurde das aber immer selbstverständlicher.
Wir mussten beide erst herausfinden, was uns gefällt und was nicht. Am Anfang war unser Sex entsprechend ziemlich vorsichtig. Mit der Zeit wurden wir immer vertrauter, haben verschiedene Dinge ausprobiert und gelernt, aufeinander zu achten. Heute fühlt sich das alles vollkommen normal an.

Was für mich Rückblickend eine große Erkenntnis war ist, dass Sex nichts ist, was man vorher theoretisch perfekt können muss. Wir haben beide noch dazugelernt. Es war keineswegs so, dass sie als erfahrenere Person genau wusste, wie alles funktioniert, während ich irgendwie mithalten musste. Wir haben uns gemeinsam entwickelt und herausgefunden, was für uns funktioniert.

Ich wollte diese Erfahrung einfach einmal aufschreiben, weil der erste wirkliche Sex in einer Beziehung für einen AB wahrscheinlich noch einmal eine ganz andere Bedeutung hat als für jemanden, für den sexuelle Erfahrungen schon lange selbstverständlich sind. Es war für mich zwar nicht das erste Mal, aber das erste Mal, dass Gefühle im Spiel waren.
Vielleicht befindet sich jemand, der sich das durchliest, irgendwann in der gleichen Situation wie ich, hat die gleichen Sorgen und Ängste wie ich sie hatte oder stellt sich ähnliche Fragen. Wenn es so ist würde ich demjenigen sagen: Mach dir nicht zu viele Gedanken, für Sex muss man kein Experte sein. Und egal ob es auf Anhieb klappt oder nicht, ob man in einer Beziehung ist oder nicht – Kommunikation ist der Schlüssel, auch wenn mich das am Anfang eine Menge Überwindung gekostet hat.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von dfg82 »

Kannst du das nicht alles in deinen Blog schreiben? Langsam nimmt es echt Überhand. Früher gab es noch den Bereich "Erste Beziehung". Vielleicht sollte man den wieder einführen.

Wann kommt "Neue Realität: Auf Toilette gehen, wenn das Partny auch im Bad ist."?
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von sascha94 »

dfg82 hat geschrieben: ↑16.09.2026, 11:36 Kannst du das nicht alles in deinen Blog schreiben? Langsam nimmt es echt Überhand. Früher gab es noch den Bereich "Erste Beziehung". Vielleicht sollte man den wieder einführen.

Wann kommt "Neue Realität: Auf Toilette gehen, wenn das Partny auch im Bad ist."?
Wie gesagt, dass war mein letzter Beitrag den ich noch öffentlich sehen wollte, weils mir wichtig ist.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von Deja-vu »

Begrenzte Erfahrung ist ja schon mal besser als gar keine. ;)
Wie weit ging die Erfahrung denn, wenn ich fragen darf?

Für mich ist es ein zwiespältiges Thema, weil es mit starken Ängsten verbunden ist.

Das macht es für mich noch einmal schwieriger, in eine Beziehung zu kommen, weil Intimität für die allermeisten Menschen dazu gehört bzw. Voraussetzung ist (und es wohl auch möglichst früh dazu kommen soll)...
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von sascha94 »

Deja-vu hat geschrieben: ↑16.09.2026, 12:36 Begrenzte Erfahrung ist ja schon mal besser als gar keine. ;)
Wie weit ging die Erfahrung denn, wenn ich fragen darf?
Sehr ins Details möchte ich nicht gehen nur so viel Ich war nicht mehr Jungfräulich, ich hatte 2–3 Mal Sex, allerdings nie mit einem romantischen Hintergrund. Deshalb hat mir diese Erfahrung in der konkreten Situation ehrlich gesagt gar nicht so viel gebracht. Rein körperlich wusste ich zwar ungefähr, wie es funktioniert, aber für die Situation mit meiner Partnerin konnte ich mir davon nicht besonders viel kaufen. Die Nervosität und der Druck waren trotzdem da.

Gerade deshalb würde ich auch zwischen sexueller Erfahrung und Erfahrung mit Intimität in einer Beziehung unterscheiden. Das eine bedeutet nicht automatisch, dass man beim anderen schon weiß, wie man damit umgeht.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

sascha94 hat geschrieben: ↑16.09.2026, 06:25 Hallo zusammen! :)

Mit meinem vorerst letzten Beitrag möchte nochmal ein Thema ansprechen über das ich mir selber viele Gedanken gemacht habe, bevor ich meine Partnerin kennen gelernt habe.
Schade eigentlich! Ich finde deine "neue Realität" Beiträge ziemlich interessant.
Mein Körper hat vor lauter Anspannung schlicht blockiert, und meine Nervosität machte die Situation natürlich nicht einfacher. Dabei ist man ja meist noch jünger und denkt sich immer: „Sowas passiert doch nur älteren Männern.“
Ich fürchte so würde es mir auch gehen. Einerseits sehne ich mich nach Sex und Nähe. Andererseits glaube ich auch, dass ich in diesem Moment total nervös wäre und "versagen" würde. :fessel:
Danach lagen wir einfach eng beieinander.
Das stelle ich mir ja auch wunderschön vor. Sex ist das eine, aber ich glaube Nähe ist noch viel schöner.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von sascha94 »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑16.09.2026, 17:35 Schade eigentlich! Ich finde deine "neue Realität" Beiträge ziemlich interessant.
Erstmal danke für das Feedback! :)

Es ist tatsächlich gar nicht so leicht, diese Beiträge zu schreiben, weil ich dabei versuche, mehrere Dinge gleichzeitig zu berücksichtigen.
Wie ich auch schon bei dfg82 geschrieben habe, war die Idee hinter der Reihe nie, mich selbst in den Mittelpunkt zu stellen oder meine Geschichte als Selbstdarstellung zu präsentieren. Ich wollte vielmehr einen Einblick geben, wie sich das Leben nach dem AB-Sein für mich entwickelt hat, und dabei vielleicht den einen oder anderen positiven Gedanken mitgeben.
Deshalb versuche ich, meine persönlichen Erfahrungen immer so aufzubereiten, dass das eigentliche Thema im Vordergrund steht und nicht nur meine eigene Geschichte. Gleichzeitig möchte ich niemanden damit unter Druck setzen oder das Gefühl vermitteln, dass es bei ihm genauso laufen müsste. Im besten Fall soll jemand etwas für sich daraus mitnehmen und sich danach nicht schlechter fühlen als vorher.Das ist natürlich ein ziemlicher Balanceakt und gelingt mir sicher nicht immer. Das habe ich an manchen Reaktionen auch schon gemerkt. 😄 Und gleichzeitig möchte ich die Themen nicht so kleinteilig machen, dass am Ende nur noch meine ganz persönliche Geschichte übrig bleibt. Es wäre schön, wenn möglichst viele beim Lesen zumindest an irgendeiner Stelle einen Bezug zu ihrer eigenen Situation herstellen können. Deshalb habe ich mit diesem Beitrag auch erstmal einen Abschluss meiner kleinen Reihe geplant. Bei entsprechender Resonanz schließe ich aber nicht völlig aus, irgendwann noch einmal etwas zu schreiben – vielleicht gibts ja auch aus der Community selber Themen die interessieren würden, Never say Never. Ich will nur vermeiden, dass die Community am Ende von mir genervt ist, weil ich wirklich noch einen Beitrag über den Toilettengang in der Beziehung schreibe. 😂

Umso mehr freut es mich natürlich, wenn jemand sagt, dass er die Beiträge interessant findet. :)
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑16.09.2026, 17:35 Ich fürchte so würde es mir auch gehen. Einerseits sehne ich mich nach Sex und Nähe. Andererseits glaube ich auch, dass ich in diesem Moment total nervös wäre und "versagen" würde. :fessel:
Genau das ist das was ich damit sagen wollte, es kann passieren, dass man versagt, mir ist es passiert und die Welt ist davon nicht untergegangen, sondern sie hat sich weitergedreht und es ist kein bleibender Schaden entstanden, man muss sich meiner Meinung nach wenn es passiert, dann trauen darüber zu sprechen. Es hat mich verflixt viel Überwindung gekostet, weil ich da meine Partnerin noch nicht so kannte wie heute, es hat sich aber gelohnt :)
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑16.09.2026, 17:35 Das stelle ich mir ja auch wunderschön vor. Sex ist das eine, aber ich glaube Nähe ist noch viel schöner.
Dem ist nichts hinzuzufügen. :)
Zuletzt geändert von sascha94 am 16.09.2026, 18:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von verticalist »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑16.09.2026, 17:35
Mein Körper hat vor lauter Anspannung schlicht blockiert, und meine Nervosität machte die Situation natürlich nicht einfacher. Dabei ist man ja meist noch jünger und denkt sich immer: „Sowas passiert doch nur älteren Männern.“
Ich fürchte so würde es mir auch gehen. Einerseits sehne ich mich nach Sex und Nähe. Andererseits glaube ich auch, dass ich in diesem Moment total nervös wäre und "versagen" würde. :fessel:
Ich habe bei meinem ersten Mal zunächst auch keinen Hochbekommen und es hat noch zwei, drei Mal gebraucht bis es zuverlässig geklappt hat. Beim ersten Mal mit der nächsten das gleiche "Problem". Ist aber nicht so, dass es für sie ein Problem gewesen wäre und es gibt ja auch andere Varianten intim zu werden.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von sascha94 »

verticalist hat geschrieben: ↑16.09.2026, 19:27 Ich habe bei meinem ersten Mal zunächst auch keinen Hochbekommen und es hat noch zwei, drei Mal gebraucht bis es zuverlässig geklappt hat. Beim ersten Mal mit der nächsten das gleiche "Problem". Ist aber nicht so, dass es für sie ein Problem gewesen wäre und es gibt ja auch andere Varianten intim zu werden.
Das stimmt, das Problem bei mir war, dass ich drohte in einer Negativ Spirale zu landen. Jedes Mal bevor man dazu kam hatte ich im Kopf, hoffentlich klappt es diesmal, hoffentlich klappt es diesmal, glücklicherweise kam es dazu nicht.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von Tania »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑16.09.2026, 17:35 Ich fürchte so würde es mir auch gehen. Einerseits sehne ich mich nach Sex und Nähe. Andererseits glaube ich auch, dass ich in diesem Moment total nervös wäre und "versagen" würde. :fessel:
Wäre das schlimm für Dich? Wenn ja, warum eigentlich? Ich meine, mal abgesehen von dem dann immer noch fehlenden Wissen, wie es sich anfühlt, wenn Dein Penis in einer Vagina steckt, oder der Tatsache, dass Du während dieser "Interaktion" wohl keinen Höhepunkt erleben konntest ... Ersteres kann übrigens für Männer, die "ihn" jahrelang recht kräftig "bearbeitet" haben, recht enttäuschend sein - die.physische Stimulation ist nun mal schwächer als ein kräftiger Handgriff. Und zweiteres wäre etwas, das Du mit einer Vielzahl von Frauen teilst ...

Ich will es jetzt nicht kleinreden - eine ausbleibende Erektion ist für Männer oft eine ziemliche Belastung. Aber als jemand, der beim Sex längst nicht jedes Mal zum Höhepunkt kommt (wir liegen da im 20%-Bereich, und auch das klappt so gut wie nie durch das klassische Rein-Raus-Spiel), kann ich Dir versichern: schön ist es ohne das auch. Nen Höhepunkt krieg ich auch allein hin - aber jemandem einfach körperlich und emotional nah sein zu können, sich zu berühren, einander gut zu tun und dieses Gefühl zu haben, dass man in diesem Moment einfach nirgends lieber wäre - das geht nur mit einem anderen Menschen zusammen. Freu Dich vielleicht einfach auf dieses Erlebnis und mach Dir keine Sorgen über irgendwelche Probleme, die plötzlich im Raum stehen könnten (bzw. dies nicht tun könnten). Wenn ER nicht mitspielen will, habt ihr eben ohne ihn Spaß :frech2:
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von sascha94 »

Danke für diesen Beitrag, Tania! Besser und entspannter hätte man es wirklich nicht auf den Punkt bringen können. Genau diese Einstellung nimmt extrem viel von diesem unnötigen Leistungsdruck heraus.

Aber woher kommt eigentlich dieser riesige Druck, als Mann unbedingt auf Knopfdruck „funktionieren“ zu müssen? Liegt das an falschen Medienbildern, der Erziehung oder daran, dass Männlichkeit immer noch so stark an körperliche Potenz gekoppelt wird?

Mich würde mal eure Perspektive interessieren
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von Deja-vu »

sascha94 hat geschrieben: ↑17.09.2026, 03:54 Aber woher kommt eigentlich dieser riesige Druck, als Mann unbedingt auf Knopfdruck „funktionieren“ zu müssen? Liegt das an falschen Medienbildern, der Erziehung oder daran, dass Männlichkeit immer noch so stark an körperliche Potenz gekoppelt wird?

Mich würde mal eure Perspektive interessieren
Denke schon, dass es an den von dir genannten Dingen liegt. Aber auch Frauen stehen unter Druck.
Es wird generell immer vermittelt, dass es eine Art Leistungssport ist, bei dem man performen muss. Nicht umsonst sind ja viele (auch hier) der Ansicht, das irgendwie "üben" zu müssen, bevor es ernst wird.

Habe ja nach wie vor die naive(?) Vorstellung, wenn echte Gefühle im Spiel sind, dann würden sich einige Blockaden, Hemmungen, Ängste von selbst auflösen. Gerade dann, wenn man nicht das Gefühl hat, perfekt sein zu müssen, sondern sich einfach fallen lassen kann.

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑16.09.2026, 17:35 Andererseits glaube ich auch, dass ich in diesem Moment total nervös wäre und "versagen" würde. :fessel:
Ich würde in so einer Konstellation das "Problem" wahrscheinlich gar nicht beim Gegenüber sehen, sondern vermuten, dass es an mir liegt. :( Das ist auch so eine blöde Vorstellung, die man (frau) von außen eingeredet bekommt.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von Optimist »

sascha94 hat geschrieben: ↑17.09.2026, 03:54 Aber woher kommt eigentlich dieser riesige Druck, als Mann unbedingt auf Knopfdruck „funktionieren“ zu müssen? Liegt das an falschen Medienbildern, der Erziehung oder daran, dass Männlichkeit immer noch so stark an körperliche Potenz gekoppelt wird?
Man liest sehr oft von Frauen, die einen Mann nach dem ersten Sex abgeschossen haben, weil er "schlecht im Bett" war. Auch auf Dating-Portalen wie OK Cupid erwarten viele Frauen, dass der Mann sehr viel sexuelle Erfahrung hat. Und das wird von einem 40-jährigen noch stärker erwartet als von einem 20-jährigen, bei dem man Jungfräulichkeit eher verzeihen würde. Durch die Incel-Debatte der letzten Jahre ist das gefühlt zu einem noch größeren K.O.-Kriterium geworden.

Bei einer ABine hätte ich jetzt nicht diesen Erwartungsdruck, sondern eher die Angst ihr wehzutun. Schmerzen beim ersten Sex sind ja nichts ungewöhnliches, vor allem wenn man nicht total entspannt, sondern eher verkrampft ist.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 17.09.2026, 17:09, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat gekürzt.
"The whole problem with the world is that fools and fanatics are always so certain of themselves, but wiser people so full of doubts."
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von sascha94 »

@Deja-vu: Damit triffst du es absolut im Kern. Genau das ist der Knackpunkt: Wenn echte Gefühle da sind und man einander vertraut, fällt ein riesiger Teil des Leistungsdrucks ab. Und dein Gedanke zur Sorge der Frau zeigt perfekt, warum ehrliches Reden in dem Moment so wichtig ist – damit sie eben nicht denkt, es läge an ihr, sondern versteht, dass es reine Nervosität ist.

@Optimist: Genau diese Sorge vor dem „Bewertet-Werden“ ist der größte Blockadekiller im Kopf. Aber meine Erfahrung zeigt: Eine Partnerin, der wirklich etwas an dir liegt und bei der Gefühle im Spiel sind, schießt dich wegen Nervosität beim ersten Mal nicht ab. Wer das tut, sucht ohnehin eher Abenteuer als eine echte Beziehung.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

sascha94 hat geschrieben: ↑16.09.2026, 17:51 Ich wollte vielmehr einen Einblick geben, wie sich das Leben nach dem AB-Sein für mich entwickelt hat, und dabei vielleicht den einen oder anderen positiven Gedanken mitgeben.
Und gerade das finde ich ziemlich interessant. Als AB kann man es sich nämlich schlicht gar nicht richtig vorstellen, wie es denn nun wirklich ist, wenn man dem AB-tum entkommen würde.
Bei entsprechender Resonanz schließe ich aber nicht völlig aus, irgendwann noch einmal etwas zu schreiben – vielleicht gibts ja auch aus der Community selber Themen die interessieren würden, Never say Never. Ich will nur vermeiden, dass die Community am Ende von mir genervt ist, weil ich wirklich noch einen Beitrag über den Toilettengang in der Beziehung schreibe. 😂
:lach:
Also ich wäre sehr an weiteren Beiträgen dieser Art interessiert. Es muss ja nicht unbedingt um den Toilettengang gehen... ;)
Tania hat geschrieben: ↑16.09.2026, 21:17 Wäre das schlimm für Dich?
Ja, wäre es!
Wenn ja, warum eigentlich? Ich meine, mal abgesehen von dem dann immer noch fehlenden Wissen, wie es sich anfühlt, wenn Dein Penis in einer Vagina steckt, oder der Tatsache, dass Du während dieser "Interaktion" wohl keinen Höhepunkt erleben konntest ...
Da gibt es verschiedene Punkte, warum es schlimm für mich wäre. Der Punkt selber keinen Höhepunkt erleben zu können, wäre da nur ein kleiner Punkt. Natürlich wäre es schade, nach all den Jahren, wenn denn endlich mal eine Frau mit mir intim werden wollte, zu versagen. Aber das allein ist es nicht. Viel schlimmer finde ich, dass ich meine Freundin enttäuschen würde. Nicht nur, dass sie denken könnte: "Boah, was ist das denn für ein Schlappschwanz!" (im wahrsten Sinne des Wortes :roll: ), sondern dass sie denken könnte, dass ich sie nicht "heiß" finde. Dass sie denken könnte, dass sie mir vielleicht gar nicht gefällt, ich sie nicht sexy finde. :shock:
Ersteres kann übrigens für Männer, die "ihn" jahrelang recht kräftig "bearbeitet" haben, recht enttäuschend sein - die.physische Stimulation ist nun mal schwächer als ein kräftiger Handgriff.

Das habe ich tatsächlich schon öfter gelesen, da scheint echt etwas dran zu sein. Wobei ich denke, dass man gerade als AB, beim ersten Mal ein wahres Gefühlsfeuerwerk erlebt. Ich könnte mir vorstellen, dass das Gefühl meinen Penis in eine Vagina zu "stecken" ja das eine ist. Das andere sind aber diese vielen anderen Eindrücke. Dass man zum ersten Mal eine nackte Frau in natura sieht. Man sieht sie nicht nur, nein man darf sie auch anfassen und sie fasst einen an. Diese ganzen Berührungen stelle ich mir sehr schön vor. Aber ich stelle es mir auch wirklich wie ein Gefühlsfeuerwerk vor.

Es ist schon verrückt! Einerseits wünsche ich mir, endlich eine Freundin zu finde, mit der ich auch intim werden kann. Eine Freundin, die mich begehrt, die mit mir schlafen will. Mit der man kuscheln kann. Andererseits ist da diese Sorge, wenn es denn mal dazu kommen sollte, dass ich dann versage, ich ihre Bedürfnisse nicht erfülle und sie enttäuscht ist, sich nicht geliebt und begehrt fühlt. :fessel:
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von sascha94 »

Ich glaube, genau diese Mischung aus Vorfreude und Angst ist wahrscheinlich ziemlich menschlich. Man sehnt sich jahrelang nach Nähe und wenn es dann tatsächlich irgendwann konkret werden könnte, denkt der Kopf plötzlich an all die Dinge, die schiefgehen könnten. 😄

Gerade bei der Sorge, dass sie denken könnte, du findest sie nicht attraktiv, kann ich dich aus meiner Erfahrung beruhigen: Bei mir war es genau andersherum. Ich fand meine Partnerin sehr attraktiv und wollte unbedingt, dass es für sie schön wird – und gerade dieser Gedanke hat den Druck eher noch verstärkt.

Deshalb würde ich mir an deiner Stelle gar nicht vornehmen, beim ersten Mal irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen. Du musst ihr nichts beweisen und auch nicht vorher wissen, wie alles funktionieren muss. Wenn sie dich wirklich mag und ihr euch gegenseitig vertraut, könnt ihr das gemeinsam herausfinden.

Und falls der Körper tatsächlich einmal nicht mitspielt: Das bedeutet nicht automatisch, dass sie sich nicht begehrt fühlt. Man kann darüber reden und trotzdem Nähe haben. Genau das musste ich selbst erst lernen. :)
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von Tania »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑17.09.2026, 18:03 Natürlich wäre es schade, nach all den Jahren, wenn denn endlich mal eine Frau mit mir intim werden wollte, zu versagen.
Und warum wäre das "versagen"? Versagen tut man doch für gewöhnlich bei Prüfungen. Oder in anderen Situationen, in denen man auf Knopfdruck Leistung bringen muss...
Aber das allein ist es nicht. Viel schlimmer finde ich, dass ich meine Freundin enttäuschen würde. Nicht nur, dass sie denken könnte: "Boah, was ist das denn für ein Schlappschwanz!" (im wahrsten Sinne des Wortes :roll: ),
Und warum wäre eine Frau, die so über den Mann denkt, den sie liebt, Deine Freundin? Bzw., warum traust Du Deiner hypothetischen Freundin solche Gedanken zu?
sondern dass sie denken könnte, dass ich sie nicht "heiß" finde. Dass sie denken könnte, dass sie mir vielleicht gar nicht gefällt, ich sie nicht sexy finde. :shock:
Das passiert nur, wenn Dein Sprachvermögen genauso den Dienst verweigert wie Dein Schw... . Ansonsten sollte ein "Sorry, ich bin einfach mega nervös ... Du bist einfacher so hot, ich bin bisschen mit der Situation überfordert" das Problem lösen.


Andererseits ist da diese Sorge, wenn es denn mal dazu kommen sollte, dass ich dann versage, ich ihre Bedürfnisse nicht erfülle und sie enttäuscht ist, sich nicht geliebt und begehrt fühlt. :fessel:
Du hast Deine eigenen Bedürfnisse doch ziemlich gut beschreiben. Warum sollte Deine Freundin es anders empfinden - vielleicht ist für sie das Zusammensein an sich und die Gefühle, die ihr teilen könnt, ja auch das Schönste?

Für mich war eine ausbleibende Erektion meines Partners (egal ob gelegentlich oder permanent) nur dann ein Problem, wenn er drunter gelitten hat. Wenn er mir das Gefühl gegeben hat, dass er gut damit leben kann und ihm das Zusammensein mit mir trotzdem Freude macht, war alles okay. Wenn er sich sichtlich gequält hat, war es schlimmer - aber solange wir zusammen dran arbeiten konnten, auch okay. Nur wenn er das Ganze mit "sorry, ich finde dich einfach körperlich nicht so attraktiv" erklären wollte, war es scheisse.
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von verticalist »

Optimist hat geschrieben: ↑17.09.2026, 15:18 Man liest sehr oft von Frauen, die einen Mann nach dem ersten Sex abgeschossen haben, weil er "schlecht im Bett" war. Auch auf Dating-Portalen wie OK Cupid erwarten viele Frauen, dass der Mann sehr viel sexuelle Erfahrung hat. Und das wird von einem 40-jährigen noch stärker erwartet als von einem 20-jährigen, bei dem man Jungfräulichkeit eher verzeihen würde. Durch die Incel-Debatte der letzten Jahre ist das gefühlt zu einem noch größeren K.O.-Kriterium geworden.
Wo liest man das? Anscheinend lese ich die Texte nicht ... die Frage ist halt wie sehr spiegelt das die Realität wieder? Ich würde ja versuchen mit einem offenen Mindset dran gehen. Meiner beschränkten Erfahrung nach, war "schlecht im Bett" und fehlende Erfahrung nie das Problem. Und wenn doch, suche ich zumindest nicht die Art von Beziehung, wo das der entscheidende Faktor ist. Von daher hätte es dann in dem Fall wohl eh nicht gepasst. :winken:
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von verticalist »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑17.09.2026, 18:03 Ich könnte mir vorstellen, dass das Gefühl meinen Penis in eine Vagina zu "stecken" ja das eine ist. Das andere sind aber diese vielen anderen Eindrücke. Dass man zum ersten Mal eine nackte Frau in natura sieht. Man sieht sie nicht nur, nein man darf sie auch anfassen und sie fasst einen an. Diese ganzen Berührungen stelle ich mir sehr schön vor. Aber ich stelle es mir auch wirklich wie ein Gefühlsfeuerwerk vor.
Beim "Sehen" sollte man nicht unbedingt zu viel erwarten. Hängt jetzt natürlich davon ab, wie genau ihr es machen würdet. Aber zumindest war es bei mir nicht wie im Porno, wo der Kamerawinkel alles perfekt zeigt. Wenn man eng zusammen liegt, sieht man nämlich gar nicht so viel.

Und was für mich anfangs auch erst sehr gewöhnungsbedürftig war, war es einen so warmen Körper an und auf sich zu spüren. Aber gut es war auch Hochsommer und eh schon warm. Das war vielleicht auch von vornherein etwas ungünstig. :schwitzen:
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Tania
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Re: Neue Realität: Sex und Intimität als Ex-AB

Beitrag von Tania »

Optimist hat geschrieben: ↑17.09.2026, 15:18 Man liest sehr oft von Frauen, die einen Mann nach dem ersten Sex abgeschossen haben, weil er "schlecht im Bett" war.
Passiert - aber für gewöhnlich nur bei reinen Sexsachen. Und die dauern eh nie lange, also verliert man nicht viel.

Aber wenn man einander echt gern hat, dann gibt es kein "schlecht im Bett". Nur ein "das üben wir noch ein bißchen" ;)
Auch auf Dating-Portalen wie OK Cupid erwarten viele Frauen, dass der Mann sehr viel sexuelle Erfahrung hat.
Sicher? Meiner Erfahrung nach dient die Analyse der Sexerfahrung eher dazu, die Fuckboys rauszufiltern. Und die dann entweder entsprechend der Nutzungsanleitung zu verwenden oder sie zu ignorieren - je nachdem was man sucht.

Durch die Incel-Debatte der letzten Jahre ist das gefühlt zu einem noch größeren K.O.-Kriterium geworden.
Es ist ein Alarmsignal, da gebe ich Dir Recht. Aber eins, das sich schnell durch ein Vermeiden inceliger Sprüche und eine kurze Erklärung a la "Hatte bisher leider noch kein Glück" oder "War früher einfach sehr schüchtern, bis ich mich endlich mal entschlossen habe, eine Frau anzusprechen, war die schon Mutter von Zwillingen" schnell abstellen lässt.
Bei einer ABine hätte ich jetzt nicht diesen Erwartungsdruck, sondern eher die Angst ihr wehzutun. Schmerzen beim ersten Sex sind ja nichts ungewöhnliches, vor allem wenn man nicht total entspannt, sondern eher verkrampft ist.
Ich traue auch einer Abine ein "autsch, stop" zu. Solange Du das hörst und entsprechend reagierst, ist alles gut.

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