Reni hat geschrieben:Strange Lady hat geschrieben:
Mit dem Beispielt wollte ich nur aufzeigen: auch Menschen, die nicht mit sich im Reinen sind, können gute, stabilisierende Beziehungen führen. Damit mache ich den Leuten, die sich defizitär und schwach fühlen, Mut es dennoch mal zu probieren.
Keine Ahnung, wie ihr das wahrnehmt: ich finde, dass meine Art des Zugangs doch auch Barrieren abschafft und mehr Mut macht als das unisono hier vorgetragene "ihr müsst erst das und das leisten, bevor ihr das und das machen dürft".
(...)
Wenn jemand schreibt, er/sie sie habe Minderwertigkeitskomplexe, fühle sich nicht liebenswert, fühle sich depressiv etc., kann der Lösungsansatz m.E. nicht sein, "einfach lustiger und kommunikativer werden, denn nur so sei man liebenswert". Das setzt doch nur zusätzlich unter Leistungsdruck.
irgendwie suchst Du den Druck, der allein in Dir entsteht in anderen, kann das sein? Ich schreib: wenn DU DICH nicht leiden kannst, DU nicht zufrieden mit DIR bist, änder was,
Reni, wenn man es schafft, sich in dieser Weise zu ändern, wäre das natürlich toll und würde sicherlich die Chancen auf eine zukünftige erfüllte Partnerschaft erhöhen. Es ist aber eben nicht zwingend erforderlich! Auch Menschen, die sich selbst nicht liebenswert finden, können stabilisierende und gute Partnerschaften eingehen.
Es wird ja immer gern gesagt, dass der Partner keinen Therapeuten ersetzt, und man seine Probleme unabhängig von Partnerschaften selbst angehen muss. Grundsätzlich stimme ich da auch zu ... aber gerade beim Problem des "sich selbst nicht liebenswert findens" wäre ein Partner einfach nur durch seine bloße Existenz eine riesige Unterstützung und eine Gelegenheit, etwas über sich selbst zu lernen.
Man kann sich fragen: warum bleibt dieser Mensch bei mir, wenn ich doch vermeintlich so eine unmögliche Person bin und nur Kummer verbreite? Abgesehen von materialistischen Dingen gibt es eigentlich nur zwei Erklärungen:
a.) Der andere hat selber gehörig einen an der Waffel, oder
b.) ich bin vielleicht doch nicht so schlimm wie ich denke.
Darüber hinaus kann der Partner, einfach durch seine Existenz, einen nachhaltig motivieren, seine Probleme anzugehen, weil man "sich ihm sonst nicht zumuten" möchte. Der Gedanke ist natürlich gefärbt vom schrägen Selbstbild, kann aber trotzdem eben die nötige Motivation verschaffen.
Reni hat geschrieben:Was würde es für Dich ändern, wenn ich Dich liebenswert find, Du Dich aber weiterhin nicht?
Das ist tatsächlich eine wichtige Fragestellung!
Denn: auch ein Mensch, der sich selbst nicht liebenswert findet, muss anerkennen, dass andere das sehr wohl tun, um überhaupt eine Partnerschaft eingehen zu können. Ich glaube, wer insgeheim ständig etwas denkt wie
"Wenn er/sie mich nur richtig kennen würde, würde er/sie schnell Reißaus nehmen", torpediert sämtliche Beziehungsanbahnung sehr wirkungsvoll.
Insofern müssen Menschen, die nicht mit sich zufrieden sind, tatsächlich zunächst selbst etwas ändern. Zum Glück müssen sie aber nicht gleich diese ganze Einstellung über Bord werfen, sondern "nur" den anderen Menschen ihre eigenen Einschätzungen zugestehen, und diese Einschätzungen nicht abwerten.