Nonkonformist hat geschrieben:
Es wird immer behauptet, das leben soll auch ohne partner erfüllt sein, der partner nur das töppfelchen auf das i.
Die frage ist dann, in wie fern kann man das bereits erfüllte leben für ein partner opfern, wann es in bestimte
bereichen nicht passt?
(Ich vermute, das ist vor allem bei langzeit-singles ein thema.)
Ja - deswegen gibt es auch das schöne Wörtchen "versingelt". Ein wesentlich härteres K.o.-Kriterium als die AB-Plakette.
In jungen Jahren war alles irgendwie einfacher. Flexibler. Man hatte ein WG-Zimmer oder wohnte noch bei den Eltern, stand beruflich am Anfang oder war noch in Ausbildung - alles Dinge, die ohne viel Aufwand zu ändern waren. Und das private Netzwerk bestand im Wesentlichen aus den BFFs bzw. den Bros, mit denen man fünfmal wöchentlich abhing - und wer vor deren Augen keine Gnade fand, schaffte es eh nicht in den Status "feste/r Freund/in". Anderenfalls wurde man nahtlos ins Freundesnetzwerk integriert und hing fortan gemeinsam, wenn auch vielleicht nur dreimal wöchentlich ab oder hatte gelegentliche Mädels- oder Männerabende. Und endete die Ausbildung oder wurde ein Zimmer in der WG frei, zog man bei dieser Gelegenheit halt zusammen.
Inzwischen sind wir älter und fest verwurzelt. In unsere Wohnung haben wir schon viel investiert, und wenn sie nicht eh unser Eigentum ist, haben wir einen Altmietvertrag, den wir zu diesen Konditionen nur schwer wieder bekommen könnten. Beruflich haben wir eine Position erreicht, die wir in einer anderen Firma als Neueinsteiger wohl kaum erreichen würden und die einen Wechsel auf Teilzeit kaum überstehen würde. Unsere Hobbys sind wesentlich vielfältiger als "abhängen". Und wir üben sie nicht mehr fünfmal die Woche mit denselben Leuten aus, sondern haben Montag den Tratschabend mit Traudel, gehen Dienstag mit Jochen joggen, machen Mittwoch mit Pia Pilates, erholen uns Donnerstag davon, haben Freitags entweder ein Tinder-Date oder gehen spontan zu Silvies Spieleabend, sind Samstag mit Paul auf der Piste und brunchen Sonntag mit Bärbel und Bernd. Nebenbei pflegen wir noch telefonisch oder schriftlich unsere alten Fernfreundschaften, die wir dann auch im Urlaub besuchen.
Und genau dieses Netzwerk macht es so schwer, Freiräume für einen neuen Partner zu schaffen. Denn man müsste nicht nur ein Hobby zeitweise aufgeben, man würde auch den Kontakt zu Leuten verlieren, die einem geholfen haben, die letzten Jahre zu überstehen. Und die sich auf einen verlassen. Warum sollte man das tun - insbesondere für jemanden, den man erst kurz kennt und der genauso plötzlich entschwinden kann, wie er aufgetaucht ist. Und sollte das passieren, joggt Jochen garantiert schon längst mit einem anderen Freund, und Pia ist immer noch sauer, weil man sie wegen diese Schlampe hängengelassen hat.
Also versucht man, alles unter einen Hut zu bringen. Sicher ist sicher. Wenn die Beziehung hält, kann man ja immer noch umstellen. Und übersieht dabei entweder, dass das zarte Pflänzchen namens Liebe sich kaum entfalten kann, wenn man sich so selten und quasi "dazwischengeschoben" sieht - oder man macht Abstriche an seinen eigenen 'Erholungszeiten" und ist nach ein paar Wochen völlig gestresst und folglich unausstehlich und kaum zu gebrauchen.
Und bei dieser optimistischen Betrachtung sind Verpflichtungen wie Eltern oder Kinder noch nicht einmal berücksichtigt ..