Deine Ausführungen lassen sich für mich bisher wie folgt zusammenfassen:
All dies ist Deine Konstruktion, welche bereist an vielen Stellen nichts mit meinen Äußerungen gemeinsam hat. Ich habe keine Theorie vom Miteinander aufgestellt und ich kenne auch nicht Deine Vorstellung, was Du als ein erstrebenswertes Mensch-Sein betrachtest. Insofern lieferst Du mit Deinen Beiträgen ein passendes Beispiel für dieses Thema, wenn es darum geht sich so zu verhalten, dass es darum geht "recht zu behalten" ohne sich dabei zu zeigen oder zu argumentieren.Ich erkenne nicht an, dass Du eine ausreichende Begründung gegeben hättest, um Deine Existenz Deiner Nichtexistenz vorzuziehen. Daraus leite ich ab, dass Du wertest und diese Wertung erfolge auf einem unhinterfragten Maßstab, weshalb ich behaupte, Dein Grund, dass Du ein bestimmtes Verhalten anderer Menschen förderst sei unbegründet. Aufgrund dieser von mir behaupteten Unbegründetheit postuliere ich weiterhin einen Widerspruch zwischen Deiner Theorie vom Miteinander sowie dem was ein erstrebenswertes Mensch-Sein sei.
Ich habe von mir persönlich gesprochen und meine Überlegungen und Gründe dafür aufgezeigt. Ich benötige keine weitergehende Begründung, um existieren zu wollen, als all die Dinge, welche mir nur dadurch möglich sind, weil ich bin.
Wenn Du nun postulierst, der Wunsch nach Existenz sei nicht ausreichend begründet, bewegst Du Dich aus meiner Sicht in einem Performativen Widerspruch. Du leugnest, dass nur Deine und meine Existenz es möglich macht, überhaupt diesen Dialog zu führen und obwohl Du ihn führst, tust Du so als gäbe es keinen Grund dazu. Dabei wirkt Dein Verhalten auf mich vor allem wie Spiegelfechterei, also eben genau eine der die Methoden, welche von Romney kritisiert wurden, wenn es darum geht sich gegen andere Sichtweisen zu immunisieren. Auch in der wiederholten Behauptung, etwas sei falsch ohne dabei irgendeine Erklärung und Begründung zu liefern, bewegst Du Dich für mich eher in einem Bereich des Sophismus.
Insofern fehlt mir in Deinen Ausführungen etwas, was in der Philosophie als "Intellektuelle Redlichkeit" beschrieben wird. Ich sehe bei Dir nichts, was für mich auf ein Streben nach Erkenntnis hinweisen würde. Ich lese von Dir nur, dass es Dir darum geht, an einem von Dir aufgestellten Postulat festhalten zu wollen, ohne die Bereitschaft auch Argumente zu liefern oder zu erklären, was Deine Überlegungen wären, um Deine Behauptung in irgendeiner Weise zu plausibilisieren. Wenn es Dir nur darum ginge zu erfahren, warum ich meine Existenz meiner Nicht-Existenz vorziehe, hättest Du nur zu fragen brauchen und Dir die ganzen anderen Ausführungen sparen können.
Ich kann nur wiederholen, dass das was ich sage und mache meiner persönlichen ethische Haltung entspringt und auch nur für mich gilt. Zu dieser Haltung gehört auch, anderen Menschen keine Vorgaben dazu zu machen, nach welchen Werten sie leben wollen. Trotzdem werde ich mein möglichstes tun, dasjenige Verhalten zu unterstützen und zu fördern, welches ich aufgrund meiner Bewertung als am passendsten ansehe, mit meinem Wert eines selbstbestimmten Lebens zu harmonieren.Thomas Metzinger zu Intellektueller Redlichkeit hat geschrieben: Intellektuelle Redlichkeit bedeutet, dass man einfach nicht bereit ist, sich selbst etwas in die Tasche zu lügen. Sie hat auch etwas mit sehr altmodischen Werten wie Anständigkeit, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zu tun, mit einer bestimmten Form von „innerem Anstand“. Man kann vielleicht sagen: Sie ist eine sehr konservative Weise, wirklich subversiv zu sein. [...] Intellektuelle Redlichkeit bedeutet ja gerade, dass man nicht vorgibt, etwas zu wissen oder auch nur wissen zu können, was man nicht wissen kann, dass man aber trotzdem einen bedingungslosen Willen zur Wahrheit und zur Erkenntnis besitzt, und zwar selbst dann, wenn es um Selbsterkenntnis geht, und auch dann, wenn Selbsterkenntnis einmal nicht mit schönen Gefühlen einhergeht oder der akzeptierten Lehrmeinung entspricht.
Manche Philosophen bezeichnen intellektuelle Redlichkeit auch als eine Tugend, eben eine „intellektuelle Tugend“, die das eigene Denken und innere Handeln betrifft; eine ethische Einstellung zu dem, was man denkt und meint. Es geht also auch hier wieder um moralische Integrität, darum, dass das, was man tut, so oft wie irgend möglich zu den Wertvorstellungen passen sollte, die man sich zu Eigen gemacht hat – vor allem aber darum, was man überhaupt glauben sollte.
Quelle: Uni Mainz - PDF S. 11