Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

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Darth Bane
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Darth Bane »

Tania hat geschrieben: ↑16.07.2025, 17:46
Vogel hat geschrieben: ↑16.07.2025, 16:23 Kurz: hätten sie Zugang zu anderen besser bezahlten Tätigkeiten, würden sie sich nicht prostitutieren.
Mit derselben Argumentation könntest Du so ziemlich jeden Job als Zwangsarbeit deklarieren. Oder glaubst Du, dass ein Kanalreiniger oder eine Verkäuferin in ihrem Job bleiben würden, hätten sie Zugang zu anderen, besser bezahlten Tätigkeiten?

Soweit ich informiert bin, gibt es in Deutschland sowohl ein Sozialsystem, das jedem Einwohner ausreichend Mittel zur Verfügung stellt, um nicht zu hungern und zu frieren, sowie einen Mindestlohn, der jedem, der Vollzeit arbeitet, ebenfalls das Überleben sichert. Alles, was darüber hinaus geht - von "Ich möchte aber diese spezielle Handtasche haben" über "Ich brauche 500€ mehr pro Woche wegen meiner Sucht" bis "Ich muss Geld an meine Familie in meinem Heimatland schicken" - ist zumindest zu einem gewissen Teil eine eigene Entscheidung.
Ich hätte es nicht besser formulieren können. Der beste Schutz vor so einer prekären Situation ist eben eine abgeschlossene Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium. Allerdings werden wir immer Arbeitskräfte benötigen, deren Ansehen nicht so toll ist, wie z. B. Müllmänner. Was würden wir ohne die machen? Und die verdienen gar nicht mal so schlecht in Anbetracht der Tatsache, dass sie oft keinen Schulabschluss haben.
Abgesehen davon gibt es ja nicht nur weibliche Prostituierte, sondern auch Stricher, wenn die auch zahlenmäßig einen weitaus geringeren Anteil ausmachen.
Genau zwei sollen es sein. Nicht mehr, nicht weniger. Einer, der die Macht verkörpert, und einer, der nach ihr giert.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Vogel »

Yeron hat geschrieben: ↑16.07.2025, 17:25 Das ist auf Seite 501 eigentlich ganz klar erklärt was in Deutschland als Zwang gilt:
Das erklärt nicht was Zwang ist. Das erklärt nur warum solche Fälle in der Studie als freiwillig gewertet werden. Ich sehe das persönlich kritisch, da vom eigentlichen Problem dahinter abgelenkt wird.
Aber noch ein anderer Gedanke: Findest du das nicht ein bisschen inkonsequent? Erst erklärst du mir das die Daten aufgrund der Einschränkungen der Studie nicht ausreichend sind und kurz darauf verwendest du Daten aus der gleichen Studie um zu argumentieren das es viel mehr Zwangsprostitution gibt. Kann es sein, das die Seriosität von Daten bei dir davon abhängt wie gut sie zu deiner Meinung passen?
Nein. Denn wie Meffi und andere hier habe ich eine (sozial)wissenschaftliche Ausbildung (Masterabschluss, ein Promotionsvorhaben habe ich abgelehnt). Bin also geschult darin wissenschaftliche Arbeiten zu bewerten, wissenschaftlich sachlich zu kritisieren und einzuordnen.
Wenn Du schreibst, es seien nur ca 6% unter Zwang, dann schaue ich mir natürlich die Ergebnisse kritisch an. Und wenn ich lese "mache das weil ... muss", dann mag es kein Zwang sein, aber auch keine Freiwilligkeit. Und: 6% Zwang sind 6% zuviel.

Im übrigen stehe ich der Prostitution nicht unbedingt ablehnend gegenüber. Ich habe durchaus den Eindruck, das die Zahl der Frauen die es aus Überzeugung und "echter" Freiwilligkeit macht, höher ist als viele denken.

Ich habe selbst wieder vermehrt drüber nachgedacht doch mal eine seriöse Escortdame zu buchen. Hat jemand von Euch von "Jay Stark" gehört? Aber: mir wäre eine feste Partnerin sehr viel lieber - ich möchte auch Beziehung, gegenseitige Partnerschaft, gegenseitigen Halt, gegenseitige Geborgenheit, Intimität - und nicht einfach nur Sex! Auf der anderen Seite: das HC+ nagt an mir. Schwierig....

Klar ist aber auch, Prostitution ist für Frauen mit erheblichen Gefahren verbunden!

Ich bin daher auch beim "Schwedischen Modell" unsicher, ob das was bringt oder nicht das ganze in ein Dunkelfeld manövriert, wo die Kontrolle gänzlich entgleitet. Ich befürchte eher letzteres - weiss aber auch keine bessere Lösung.
Tania hat geschrieben: ↑16.07.2025, 17:46 Mit derselben Argumentation könntest Du so ziemlich jeden Job als Zwangsarbeit deklarieren. Oder glaubst Du, dass ein Kanalreiniger oder eine Verkäuferin in ihrem Job bleiben würden, hätten sie Zugang zu anderen, besser bezahlten Tätigkeiten?
"Zwangsarbeit" wird definiert als Arbeit gegen den eigenen Willen und unter Androhung einer Strafe definiert.

Zwang = Unfreiwilligkeit. Unfreiwilligkeit ungleich Zwang.

Und ja - wenn sie darin Erfüllung sehen, einen Sinn darin sehen, dann bleiben sie bei dem Job. Hunderttausende meiner Kolleginnen haben genau das gemacht: "ich mach das nicht fürs Geld, sondern weil ich einen Sinn darin sehe". Das haben viele andere aber auch anderes gesehen, weshalb neben anderen, weiteren Gründen in Deutschland deshalb auch ein Mangel an Pflegekräften gibt und die Löhne lange Zeit stagniert haben.
Yeron hat geschrieben: ↑16.07.2025, 17:25 ...Kann es sein, das die Seriosität von Daten bei dir davon abhängt wie gut sie zu deiner Meinung passen?
Im Übrigen: das könnte man auch Dir vorwerfen, denn Dich scheint ja die Kritik hier an den Ergebnissen erheblich zu stören, gleichzeitig bejubelst Du quasi die Ergebnisse.

Dabei sagen weder Meffi, Galip oder ich, das die Zahlen erstunken oder gelogen sind. Aber ich halte - trotz aller Vorkehrungen und Gewissenhaftigkeit bei der Erhebung der Stichprobe - die Zahlen einfach eher etwas zu gut, da die Stichprobe nicht ganz das Dunkelfeld erhellt und somit große Lücken da sind. Man muss sich also immer bewusst sein, das es zu den 6% noch weitere X% gibt, die bei der Studie nicht erfasst werden konnten. Auf nichts anderes weisen wir hier hin.


Das man sich um die Höhe von X% trefflich streiten kann, ist mir bewusst. Und ich sehe jetzt schon zahlreiche Frauenorganisationen Ihre Geschütze auffahren ;)
Zuletzt geändert von Kolinatan am 16.07.2025, 22:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Zuya Hiyaye »

Ich fürchte, in diesem Thread gerät einiges aus dem Ruder.

Wissenschaft und Komplexität
Es begann mit der Kritik an einer Studie. Jede Studie muss ihren Forschungsgegenstand eingrenzen und findet nur innerhalb dieses Rahmens Ergebnisse. Stellt euch BWL-Denker wie Adam Smith, Ricardo, Marx oder Keynes vor – sie alle haben unterschiedliche Ansichten. Wissenschaft verkündet keine absoluten Wahrheiten. Es geht auch nicht darum, das Pro und Contra von Prostitution abzuwägen. Natürlich hält diese Studie niemandem stand der sich moralisch auf der richtigen Seite wähnt.

Ich denke, Entkriminalisierung, Enttabuisierung und Entmoralisierung auf der einen Seite und Hilfsangebote auf der anderen Seite sind der richtige Weg wie es hier schon von Darth Bane angedeutet wurde. So können wir Abhängigkeiten und Zwang minimieren.

Was Yeron wahrscheinlich bewirken wollte, ist die Frage zu entdramatisieren, ob man z.B. zu therapeutischen Zwecken verantwortungsvoll eine Prostituierte aufsuchen sollte, um sexuelle Hemmungen zu klären. Das geht nicht, wenn hier gleich moralische Bedenken wie ein Kruzifix gegenüber einem Vampir hochgehalten werden.
Wir ABs sind wohl die Letzten, die eine Grundsatzdiskussion zu Prostitution lostreten könnten. Wer hier zu moralisierend auftritt, behindert die Entfaltung, die das Forum ermöglichen sollte. Denn was alles nicht geht, was nicht erlaubt ist, wo die Tabugrenzen sind und was sie alles nicht dürfen – darin sind MABs ziemlich erfahren. Woran es ihnen an Erfahrung mangelt, ist, was sie dürfen.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Galip »

Kolinatan hat geschrieben: ↑16.07.2025, 14:22 Ich kenne keine Berichte, in denen Prohibition ein Problem wirklich gelöst hätte. Auch der Bezug auf die Variante des nordischen Modells, welches eine Kriminalisierung der Nutzer vorsieht, wird keine Lösung der tieferliegenden Probleme hervorbringen. Was damit auf jeden Fall gelingt, ist es die Formen von Prostitution zu reduzieren, bei welcher eine Freiwilligkeit besteht. Der Teil, welcher auch jetzt bereits strafrechtlich verfolgt werden könnte, warum sollte dieser dadurch verschwinden?
Ich stimme dir grundsätzlich zu. Nur wer hat denn gefordert, Prostitution insgesamt zu verbieten? Wie Du richtig sagst: Zwangsprostitution, Menschenhandel, Erpressung, Nötigung, Vergewaltigung, etc. sind selbstverständlich alle verboten. Auf dem Papier ist eine Zwangsprostituierte bestens geschützt. Nur blöder Weise ist sie halt trotzdem Zwangsprostituierte. Mit diesem Ergebnis kann doch keiner zufrieden sein. Da muss man doch mal überlegen, wie es vielleicht besser ginge. Patentlösungen gibt es da sicher keine, auch nicht das Nordische Modell. Viel wichtiger als irgendwelche Gesetzesänderungen wäre doch, Prostituierte auch flächendeckend mit Hilfsangeboten zu erreichen. Und mehr Ressourcen in die Ermittlung von Menschenhandel etc. zu investieren. Wenn einer erwischt wird, dann erwarten ihn durchaus harte Strafen - nur das passiert halt viel zu selten.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Levyn »

Vogel hat geschrieben: ↑16.07.2025, 16:23 Auch wenn ein Teil der Befragten (ca. 50-60%) es tatsächlich freiwillig macht - der andere Teil macht es offenbar aus ökonomischen Druck. Und ich sehe das nicht als freiwillig an.

Kurz: hätten sie Zugang zu anderen besser bezahlten Tätigkeiten, würden sie sich nicht prostitutieren. Komnt auch bei den freien Antworten durchaus heraus.
Ich sehe das schon als freiwillig an, wenn sie es aus ökonomischen Druck heraus machen. Gibt genügend Menschen, die ihre Arbeit eig. hassen, aber sich gezwungen sehen den Job auszuüben, weil sie das Geld benötigen, sei es für sie selbst oder für die Familie.
Aus reinem Spaß, prostituieren sich wohl die wenigsten Menschen.
Wenn du dir mal die Geschichten von Studentinnen anhörst oder durchließt, die z.B. als Escort tätig sind, dann bemerkst du auch, dass es meist das schnelle Geld ist, was sie anlockt. Sie haben halt keine Lust darauf an der Kasse zu arbeiten oder gering bezahlte Jobs auszuüben, wenn sie mehrere Monatseinkommen in einer Nacht verdienen können, auch wenn sie dafür ihren Körper verkaufen müssen. Ist natürlich für jeden eine Abwägungssache, aber ich sehe das auch als freiwillig an, wenn man keine Lust hat als Kellnerin oder sonstiges zu arbeiten, weil man im Rotlichtmilieu mehr Geld dafür bekommt.
Yeron hat geschrieben: ↑16.07.2025, 14:43 Deshalb komme ich zu dem Ergebnis das die Zahlen der Studie die präzisesten und seriösesten Zahlen sind die es der Zeit gibt. Damit eigenen sie sich sehr viel besser für Argumentationen als Bauchgefühl und Vorurteil.
Die Studie war aber nicht darauf angelegt zu ermitteln wie groß das Ausmaß von Zwangsprostitution tatsächlich ist. Sie sagt selbst, dass besonders vulnerable Gruppen schwer zu erreichen sind, weil sie von Dritten isoliert werden.
Daher ist es ja von großer Bedeutung zu welchen Schlussfolgerungen man dadurch kommt. Dass Zwangsprostitution nur einen sehr kleinen Prozentanteil, ähnlich der ermittelten Zahlen, ausmacht, kann durch diese Studie kaum belegt werden.
„Die Studie zur Evaluation des ProstSchG erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität im allgemeinen Sinn, da zentrale Anforderungen wie eine zufällige Ziehung der Stichprobe oder ausreichende Kenntnisse über die Grundgesamtheit […] nicht erfüllt werden konnten.“ - Seite 142
„Ein spezifisches Problem besteht bei der Erhebung zu Zwangsverhältnissen darin, dass betroffene Personen gerade wegen der Zwangslage häufig nicht an Studien teilnehmen können, nicht erreicht werden oder in einem Interview nicht offen sprechen (können/dürfen).“ - Seite 143
„Die Erhebung unterliegt daher der Limitation, dass sich insbesondere stark kontrollierte oder eingeschüchterte Personen nicht äußern oder gar nicht erst teilnehmen konnten. Damit ist eine systematische Untererfassung bestimmter Zwangsverhältnisse wahrscheinlich.“ - Seite 470
Auch war es nur einem kleinen Teil der Behördenmitarbeiter möglich überhaupt Zwangsverhältnisse zu erkennen oder zu identifizieren.
„Nur 22 % der befragten Mitarbeitenden in Anmeldung und gesundheitlicher Beratung gaben an, Zwang oder Zuhälterei sicher erkennen zu können.“ - Seite 432
Die Studie ist vielleicht die umfangreichste seiner Art und gibt möglicherweise sogar Aufschluss darüber, dass die meisten nicht von Dritten gezwungen werden, aber sie sagt definitiv nichts darüber aus, dass Zwangsprostitution ein Randphänomen ist, welches im Gegensatz zu der legalen Masse abstinkt.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Kolinatan »

Galip hat geschrieben: ↑16.07.2025, 21:10 Nur wer hat denn gefordert, Prostitution insgesamt zu verbieten?
Die von Grüblerin gemachte pauschale Aussage:
Grüblerin hat geschrieben: ↑15.07.2025, 18:15 Prostitution nicht mehr ist als bezahlte Vergewaltigung
lässt aus meiner Sicht keine andere Option zu, als ein totales Verbot der Prostitution zu befürworten, denn alles andere wäre aus dieser moralischen Haltung heraus die Befürwortung einer Straftat.

Es ist die Frage worüber wir diskutieren? Soll es um die Schuldfrage von Menschen gehen, welche sich ihre sexuellen Bedürfnisse gegen Geld erfüllen lassen? Oder geht es darum, dass wir es als Gesellschaft zulassen, dass Menschen in Zwangslagen kommen, welche dazu führen, dass sie einer Betätigung nachgehen, welche sie ggf. physisch und psychisch zugrunde richtet? Oder geht es um etwas ganz anderes?
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Levyn »

Ich denke dieses Thema hat keine eindeutige Lösung und jede Regelung kann daher nur einem normativen Ansatz folgen. Ganz gleich, ob man jetzt Prostitution befürwortet oder nicht. Für mich ist das daher ein rein politisches Thema.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Tania »

Galip hat geschrieben: ↑16.07.2025, 21:10 Und mehr Ressourcen in die Ermittlung von Menschenhandel etc. zu investieren. Wenn einer erwischt wird, dann erwarten ihn durchaus harte Strafen - nur das passiert halt viel zu selten.
Komischerweise passiert es gefühlt deutlich seltener als eine erfolgreiche Ermittlung von Schwarzarbeitern in anderen Branchen ... :gruebel:
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Vogel »

Levyn hat geschrieben: ↑16.07.2025, 21:36 Ich sehe das schon als freiwillig an, wenn sie es aus ökonomischen Druck heraus machen. Gibt genügend Menschen, die ihre Arbeit eig. hassen, aber sich gezwungen sehen den Job auszuüben, weil sie das Geld benötigen, sei es für sie selbst oder für die Familie.
Aus reinem Spaß, prostituieren sich wohl die wenigsten Menschen.
Wenn man sich zu etwas gezwungen sieht, ist aber eben Zwang und alles andere als freiwillig.

Der juristischen Definition nach - und bei der Studie ging es um die Evaluation der Prostituiertenschutzgesetze - sind nur eben diese 6% gesetzeswidriger Zwang, weil durch Dritte und nicht allein durch bestimmte Lebenslagen Prostitution erzwungen wurde.

Alles andere ist daher eher eine moralische Interpretations- bzw. Definitionsfrage. Und vermutlich auch mit einigen Grauzonen. Bei den genannten Beispielen von Dir gebe ich Dir daher Recht, das würde ich auch als freiwillig ansehen.
Die Studie ist vielleicht die umfangreichste seiner Art und gibt möglicherweise sogar Aufschluss darüber, dass die meisten nicht von Dritten gezwungen werden, aber sie sagt definitiv nichts darüber aus, dass Zwangsprostitution ein Randphänomen ist, welches im Gegensatz zu der legalen Masse abstinkt.
Dem ist nichts hinzufügen!
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Grüblerin »

Wer mir in meinen Punkten zustimmt, darf mir übrigens gern privat schreiben. :good:
Ich hoffe nämlich nicht, dass ich die einzige mit dieser Meinung bin.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Vogel »

Grüblerin hat geschrieben: ↑17.07.2025, 05:19 Wer mir in meinen Punkten zustimmt, darf mir übrigens gern privat schreiben. :good:
Ich hoffe nämlich nicht, dass ich die einzige mit dieser Meinung bin.
Ich glaube, das widerspricht dem Gedanken eines Forums, sich hier nur unter der Hand, im Privaten auszutauschen.
Wie wir sehen, gibt es eine Vielzahl von Meinungen - einfache und differenzierte. Das braucht Toleranz.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Tania »

Vogel hat geschrieben: ↑17.07.2025, 13:50
Grüblerin hat geschrieben: ↑17.07.2025, 05:19 Wer mir in meinen Punkten zustimmt, darf mir übrigens gern privat schreiben. :good:
Ich hoffe nämlich nicht, dass ich die einzige mit dieser Meinung bin.
Ich glaube, das widerspricht dem Gedanken eines Forums, sich hier nur unter der Hand, im Privaten auszutauschen.
Ich hatte Grüblerins Post eigentlich so verstanden, dass sie Menschen, die ähnlich denken wie sie, gern privat kontaktieren/kennenlernen möchte. Und den Aufbau privater Kontakte mit Menschen, die einen ähnlichen Wertekanon haben wie man selbst, sehe ich durchaus als einen sinnvollen Forenzweck an. Insbesondere in einem Forum voller Menschen, denen es zuweilen an Kontakten mangelt.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Levyn »

Grüblerin hat geschrieben: ↑17.07.2025, 05:19 Wer mir in meinen Punkten zustimmt, darf mir übrigens gern privat schreiben. :good:
Ich hoffe nämlich nicht, dass ich die einzige mit dieser Meinung bin.
Wenn ich das so lese, dann habe ich den Eindruck dir geht es primär nicht um einen Gedankenaustausch, sondern um die Bestätigung deines Weltbildes. Das finde ich sehr schade, weil genau so ein Verhalten dafür sorgt, dass Menschen sich radikalisieren. Toleranz bedeutet ja gerade auch andere Meinungen und Positionen aushalten zu können und nicht nur die eigene.
Vogel hat geschrieben: ↑17.07.2025, 04:13 Wenn man sich zu etwas gezwungen sieht, ist aber eben Zwang und alles andere als freiwillig.
Das halte ich für eine philosophische Frage ab wann Zwang anfängt und ab wann es kein Zwang ist. Die Definition des Gesetzesgebers kennt ja nur die direkte Druckausübung von Dritten, die zudem direkt involviert sein müssen. Darauf wolltest du wahrscheinlich aber nicht hinaus.
Für mich ist es schon kein Zwang mehr, wenn ich mir einfach bessere Verdienstmöglichkeiten von der Prostitution erhoffe als von einfachen Jobs. Einen sehr schwierigen hypothetischen, aber in der Praxis durchaus häufiger vorkommenden, Fall sehe ich darin, dass eine alleinerziehende Mutter, mit einem oder mehreren Kinder, aus dem Ausland nach Deutschland kommt, um für ihre Familie zu sorgen. Ihr Aufenthalt in Deutschland ist illegal, so dass sie auch nirgendwo legal arbeiten könnte. In ihrem Heimatland hat sie nicht die Qualifikation um einer geregelten und ausreichend bezahlten Arbeit nachzugehen. So etwas wie ein funktionierendes Sozialsystem existiert in ihrem Heimatland zudem nicht.
Bei so einem Fall fällt es mir persönlich schwer wie man das einordnen sollte. Es treffen einfach so viele Faktoren aufeinander.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Vogel »

Tania hat geschrieben: ↑17.07.2025, 15:11 Ich hatte Grüblerins Post eigentlich so verstanden, dass sie Menschen, die ähnlich denken wie sie, gern privat kontaktieren/kennenlernen möchte. Und den Aufbau privater Kontakte mit Menschen, die einen ähnlichen Wertekanon haben wie man selbst, sehe ich durchaus als einen sinnvollen Forenzweck an. Insbesondere in einem Forum voller Menschen, denen es zuweilen an Kontakten mangelt.
Hier gibt nun zwei konkurierende Sichten bezüglich den Wert und Nutzen eines Forums. Da Grüblerin sich hier offenbar bezüglich ihrer Meinung und Wertevorstellungen in der Minderheit fühlt, kann ich nachvollziehen das sie nach Gleichgesinnten sucht - und auch genau dafür ist ein Forum gut.

In der Vergangenheit dieses Forums, aber auch anderer Foren habe ich aber auch immer wieder erlebt, zu was dieser Rückzug ins Private geführt hat - den Verlust an Mehrstimmigkeit, Meinungsvielfalt mit unterschiedlichen und differenzierten Meinungen.

Meine Sorge ist, das hier wieder passiert. Das Thema ist kontrovers, es ist nicht einfach und bei weitem komplizierter - die Frage ist: wohin soll die Diskussion jetzt führen?
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Tania »

Vogel hat geschrieben: ↑17.07.2025, 16:00 die Frage ist: wohin soll die Diskussion jetzt führen?
Das hier ist ja keine Diskussion zu einem individuellen Problem (bei dem von den Teilnehmern verschiedene Perspektiven aufgezeigt und verschiedene Lösungsvorschläge unterbreitet werden und der TE sich das Passende raussucht und bestenfalls das Problem lösen kann oder sich wenigstens teilweise verstanden fühlt), sondern eine Diskussionen über ein gesellschaftliches Thema. Da sagt jeder das, was er/sie zum Thema denkt, bringt Argumente für seinen und gegen den Standpunkt anderer Nutzer - und das wars dann. Ein allgemeiner Konsens ist nicht zu erwarten, und erst recht keine "Bekehrungen". Aber vielleicht findet der/die eine oder andere Gedanken, die ihm bei der Entscheidung, ob er/sie Prostitution in Anspruch nehmen soll, hilft. Und vielleicht finden sich zwei Menschen, die kompatible Positionen vertreten, deswegen spontan sympathisch, beginnen sich privat auszutauschen, lernen sich besser kennen, und wer weiß, wie es weiter geht .... :shylove:
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Vogel »

Levyn hat geschrieben: ↑17.07.2025, 15:39 Bei so einem Fall fällt es mir persönlich schwer wie man das einordnen sollte. Es treffen einfach so viele Faktoren aufeinander.
Ich glaube zu verstehen, was Du meinst.

Ich würde das in Deinem Beispiel aber als strukturellen, ökonomischen Zwang und noch mehr vor allem als Notlage sehen. Echte Freiwilligkeit sehe daher hier nicht - auch wenn es keinen direkten Zwang von Dritten gibt, und Sie sich selbst entschieden hat - allerdings aus einer prekären Notsituation. Es ist quasi "erzwungene Freiwilligkeit". Hier würde eine Notsituation einer Frau ausgenutzt, denn sie hat keine andere Alternative.

Anders wäre die Studentin, die auch Bafög bekommen könnte, es aber bequemer - wenn auch nicht angenehm - findet sich zu prostituieren. Hier gibt es auch einen gewissen ökonomischen Druck - aber sie hat Alternativen.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Tania »

Levyn hat geschrieben: ↑17.07.2025, 15:39 Einen sehr schwierigen hypothetischen, aber in der Praxis durchaus häufiger vorkommenden, Fall sehe ich darin, dass eine alleinerziehende Mutter, mit einem oder mehreren Kinder, aus dem Ausland nach Deutschland kommt, um für ihre Familie zu sorgen. Ihr Aufenthalt in Deutschland ist illegal, so dass sie auch nirgendwo legal arbeiten könnte. In ihrem Heimatland hat sie nicht die Qualifikation um einer geregelten und ausreichend bezahlten Arbeit nachzugehen. So etwas wie ein funktionierendes Sozialsystem existiert in ihrem Heimatland zudem nicht.
Kommt so etwas in der Praxis tatsächlich vor? Ich habe massive Schwierigkeiten damit, mir vorzustellen, wie eine mittellose Frau mit Kind(ern) es schaffen soll, nicht nur unentdeckt nach Deutschland zu reisen, sondern dort mit dem Kind auch noch zu leben. Ohne dass mal ein Weinen des während der Arbeit der Mutter unbeaufsichtigten Kindes zu hören ist und ohne dass später irgendwem auffällt, dass ein schulpflichtiges Kind den ganzen Tag zu Hause ist ... Wahrscheinlicher ist, dass besagte Mutter sowohl bei der Reise als auch bei der Kinderbetreuung (meist bleiben die wohl im Heimatland, und die Mutter schickt Geld) als auch während ihres illegalen Aufenthalts freundliche Unterstützung bekommt. Und spätestens wenn diese freundlichen Unterstützer klarstellen, dass sie mit einem illegalen Putzjob zwar genug verdienen würde, um sich und ihre Kinder zu ernähren, aber niemals genug, um ihnen ihre freundliche Unterstützung zu vergelten, wäre es für mich ganz klar Zwangsprostitution.

Blöd ist nur: wenn diese Frau sich illegal in Deutschland aufhält und illegal tätig ist, kann kein noch so scharfes Prostitutionsverbot sie schützen. Schließlich schützt das bereits vorhandene Gesetz, das die Inanspruchnahme von Sexdienstleistungen unter Ausnutzung einer Zwangslage der Frau ja schon unter Strafe stellt, sie auch nicht. Hier wären tatsächlich Freier nötig, die konsequent nur angemeldete Prostituierte in legalen und regelmäßig kontrollierten Betrieben aufsuchen. Eine Gesellschaft, die sich nicht das Maul über Frauen zerreißt, die mit Sexdienstleistungen Geld verdienen, und Freier, die nicht immer nur nach "Frischfleisch" gieren, sondern den Fokus auf die Dienstleistung legen (man geht ja auch bei der Fußmassage nicht nur zur jungen hübschen Masseurin, sondern zur qualifizierten), könnten zudem den Sexmarkt so entspannen, dass es nicht mehr lohnt, dafür in die Illegalität zu gehen. Aber das ist wohl eine Utopie, die sich nie erfüllen wird.
Vogel hat geschrieben: ↑17.07.2025, 16:59 Anders wäre die Studentin, die auch Bafög bekommen könnte, es aber bequemer - wenn auch nicht angenehm - findet sich zu prostituieren.
Nur zur Präzisierung: die Studentinnen, die ich damals persönlich kannte, haben trotzdem Bafög oder Unterstützung von den Eltern bekommen. Aber das reichte ihnen eben nicht, um so zu leben, wie sie leben wollten. Und von den Alternativen "Lebensstandard einschränken", "Studentenjob machen" und "Geld von Männern nehmen" schien ihnen die letzte wohl die angenehmste.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Egil »

Vogel hat geschrieben: ↑17.07.2025, 16:59 Ich glaube zu verstehen, was Du meinst.

Anders wäre die Studentin, die auch Bafög bekommen könnte, es aber bequemer - wenn auch nicht angenehm - findet sich zu prostituieren. Hier gibt es auch einen gewissen ökonomischen Druck - aber sie hat Alternativen.
Das Problem mit dieser Argumentation ist, dass eine klare Abgrenzung hier de facto unmöglich ist. Alternativen dürfte so gut wie jede Frau haben, die nicht durch Gewaltdrohung dazu gezwungen wird. Nur sind die eben in aller Regel körperlich beschwerlicher und weniger lukrativ.

Die von dir erwähnte Studentin würde im Zweifelsfall wohl BAföG kassieren und die Einnahmen aus der Prostitution schwarz mitnehmen.

Im Übrigen kann man mit dieser Argumentation auch jede Form von Versorgungsehe als eine spezielle Form von Prostitution diskreditieren, nämlich mit nur einem einzigen Freier.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von Vogel »

Tania hat geschrieben: ↑17.07.2025, 16:57...
Aber vielleicht findet der/die eine oder andere Gedanken, die ihm bei der Entscheidung, ob er/sie Prostitution in Anspruch nehmen soll, hilft. ...
Eben. Deswegen empfinde ich es als kontraproduktiv, sich per PN über eine festgelegte Meinung auszutauschen. Meine Meinung dazu.
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Re: Studie zur Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes

Beitrag von knopper »

Grüblerin hat geschrieben: ↑15.07.2025, 18:15 Besser hättest du gar nicht ausdrücken können, dass Prostitution nicht mehr ist als bezahlte Vergewaltigung, und es für jeden Nutzer eine moralische Bankrotterklärung ist. 👍 und ein zivilisierter Mann das nicht nötig hat!
ja...würde ich insoweit zustimmen, dass man es als halbwegs normaler bzw. zivilisierter Mann eigentlich nicht nötig hat. Entweder eine Frau möchte mit mir Sex, da sie eine Anziehung und Lust verspürt (Voraussetzung für Sex, beide wollen es, beide haben ihren Spaß), oder eben nicht.
Das man dafür bezahlt ist doch eine künstliche Situation die halt auf der einen Seite nie so ganz freiwillig ist, zumindest tut es die Frau nicht weil sie Spaß daran hat...also in den meisten Fällen.

Jetzt kann man argumentieren, dass ja fast niemand so wirklich spaß bei der Arbeit hat. Nur muss man sich bei einer normalen Arbeit nicht täglich entblößen und einen wildfremden Menschen so nah an sich ranlassen wie nur möglich inkl. Penetration.

Ich stelle mir das dann immer andersrum vor (gibt es ja auch )...also täglich ältere Damen beglücken weil ist ja "leicht verdientes, gutes Geld" :D und äh nein... neee echt nicht, nope. :roll: Dann mache ich lieber eine andere Arbeit die absolut keinen Spaß macht und anstrengend ist als sowas.
Daher trifft das schon etwas zu, diese Frauen lassen Männer sich ran um welche sie beim normalen Kennenlernen vermutlich einen weiten Bogen machen würden, nur des Geldes ...und das kann kein "normaler Job" sein.

Möchte hier jedoch kein Moralapostel sein, der dies strikt ablehnt. Ich würde es auch nicht komplett verbieten.
Für mich kommt es nicht in Frage. da habe ich lieber keinen Sex als solchen.
Zuletzt geändert von knopper am 18.07.2025, 14:04, insgesamt 1-mal geändert.

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