Weil es einen Unterschied macht, wo man in der sozialen Hierarchie steht: Ob man ein unbedeutender Niemand ohne Geld und Macht ist oder weit oben und als Künstler von allen angehimmelt wird.LazyEyeOzzy hat geschrieben: ↑06 Jul 2023 07:50 Ich frage mich gerade warum bei Missbrauchsvorwürfen gegen Privatpersonen schnell drakonische Bestrafungen (Todesstrafe, Kastration etc) gefordert werden aber bei einem Till Lindemann heißt es nur "ach das haben die Stones damals auch schon so gemacht".
Die ganz oben können sich mit geschicktem Marketing, guten Presseberatern und guten (teuren) Anwälten aus ziemlich viel Scheiß rauswinden ... oder - im vorliegenden Fall -, sollten die Vorwürfe stimmen, zumindest über den aktuellen legal case hinaus dann den Ruf der Marke "Rammstein" sichern, auch wenn Lindemann verurteilt würde.
In Vorleistung dafür sind sie ja schon mal getreten, v.a. die anderen Bandmitglieder... in einem Pressestatement haben sie sinngemäß davon gesprochen, dass sie sich von Lindemanns Partys und Lebensstil distanzieren, bzw. der Drummer hat das getan (die anderen haben erstmal nur um keine Vorverurteilung vom Rest der Band gebeten ... was zugegebenerweise auf der legalen Ebene okay ist, auf der moralischen aber schon fragwürdig, sollten sich die strafrechtlich relevanten Vorwürfe gegen Lindemann als wahr erweisen, weil dann gelten sollte: Haben die das denn nicht mitbekommen, was ihr Kollege da getrieben hat?):
(Besonders geil auch, die Passiv-Konstruktion: "Strukturen seien gewachsen." Ja ne, ist klar, ihr seid ja nur N ≈ 6 Personen, da hat man ja keinerlei Einfluss, "konnte man ja also nix gegen tun", das kommt alles über euch, wie beim Klimawandel, und ihr seid die Opfer...https://web.de/magazine/unterhaltung/stars/rammstein-schlagzeuger-distanziert-till-lindemann-38330530 hat geschrieben:Er [der Drummer] schreibt aber auch davon, dass Till Lindemann offenbar seine eigenen Partys abgehalten habe. "Alles, was ich von Tills Partys mitbekommen habe, waren erwachsene Menschen, die miteinander gefeiert haben", schreibt er und wird konkret: "Und trotzdem sind anscheinend Dinge passiert, die - wenn auch rechtlich ok - ich persönlich nicht in Ordnung finde.
Strukturen seien gewachsen, die über "die Grenzen und Wertvorstellungen der restlichen Bandmitglieder hinausgingen". Es sei ihm deshalb wichtig zu betonen, "dass Tills Partys nicht mit unseren offiziellen Aftershowpartys verwechselt werden".
Nach dieser Vorlage müssen sie dieses Pattern dann, falls die Causa Lindemann in einer Verurteilung endet, nur geeignet weiter "Spin"-nen (in Anführungszeichen, um es vom Wort "spinnen", wie in "er/sie/es spinnt, ist verrückt geworden", zu unterscheiden - ich meine hier ja den medientechnischen Term "Spin"), und sie können das Entertainmentindustrieprojekt namens "Rammstein" höchstwahrscheinlich retten.
Und das beste ist: Die Massen werden's feiern, als großen Sieg der Gerechtigkeit, weil "ihre" Band es geschafft hat, weiterzubestehen, trotz dieser großen Krise.
Ist in anderen Bereichen der Gesellschaft ja auch nicht viel anders. Je mehr Geld und Status du (oder eine Entität, wie ein großes Unternehmen) hast (/hat), desto mehr Macht hast du ... u.a. zur Meinungsmanipulation. Und wir Menschen sind leider psychologisch so dispositioniert, dass wir das nicht unbedingt durchschauen, selbst dann häufig nicht, wenn wir mit der Nase drauf gestoßen werden - weil Emotionen ("ich liebe meine Band") mehr Impact haben als Logik (und Gerechtigkeitsfragen).
